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Anläßlich der Wiederkehr des Todestages des Reichspräsidenten Ebert läßt die preußische Staatscegierung am 28. Febr. einen Kranz mit Schleife in preußischen Farben durch den Oberbürgermeister der Stadt Heidelberg. Walz, am Grabe niederlegen.

Der mit der Bildung des holländi­schen Kabinetts beauftragte freisinnige Rechtsanwalt Dr. Limburg hat der Köni­gin mitgeteilt, daß seine Bemühungen um die Zusammenstellung eines außerparlamentarischen Kabinett« gescheitert seien.

Kleine politische Nachrichten.

Reichskanzler Dr. Luther begibt sich am Montagabend nach Hamburg zum Besuch des regierenden Bürgermeisters Dr. Petersen. Er wird voraussichtlich bei dem Essen, das der Senat am Abend zu Ehren des Gastes im Rathause gibt, eine größere p o l i t r-s chL Rede halten.

Die Unruhen in Bernkastel.

Bern kastel, 26. Febr. (WTB.) Im Zu­sammenhang mit den gestrigen Winzerausschrei­tungen sind in Bernkastel 14 Personen ver­haftet worden. Vermutlich wird gegen sie ein Verfahren wegen Landfriedensbruchs ein- geleitet teerten. Heute nachmittag sollte ein Polizeiaufgebot in Graach einige weitere Rädelsführer festnehmen. Die Bevölkerung des Moselortes Graach, die von diesem Vorhaben Kenntnis erhielt, ließ die Sturmglocken läuten, bewaffnete sich mit Mistgabeln und Sensen und rückte an den Dorfeingang, um den Polizeibeamten zu begegnen. Diese mußten, um Blutvergießen zu vermeiden, un­verrichteter Dinge zurückkehren. Gegen Abend traf wieder ein Zug von etwa 1000 Mann, der sich aus allen Orten der näheren Umgebung von Bernkastel zusammensetzte, in Bernkastel ein. nahm vor dem Gefängnis eine drohende Hal­tung an und verlangte die Freigabe der Gefangenen. Der Oberstaatsanwalt, der die Untersuchung an Ort und Stelle leitete, sah sich gezwungen, den Forderungen zu entsprechen, um nicht nod) einmal Unheil heraufzubeschwören. Ausschreitungen sind nicht mehr vorgekommen. Der L a n d r a t hat die Winzer in einem Auf­ruf zur Ruhe und Ordnung aufgefordert. Der katastrophalen wirtschaftlichen Rotlage der Win­zer noch Unruhen hinzuzufügen, bedeute für alle Selbstzerfleischung und Ruin.

thcater eingesprungen; sie fand sich geschickt ins Ensemble und gab dem jungen Mädel viel Frische, Wärme und natürliches Temperament. Susanne Hehm spielte die ebenso resolute wie verliebte Annemarie; eine der geschlossensten Fi­guren im Stück; Baste holte sich mit der Karikatur des Geistesarbeiters auf dem Mist­haufen etwas billige Lorbeeren. (Dies kommt allerdings in erster Linie auf Zucknayers Konto.) Den Rheinschiffer hatte man Hanke gegeben; aber er liegt ihm nicht; vor allem sprachlich. Der Kerl ist viel zu schwer, klobig und breit­spurig für diesen Schauspieler, dessen Begabung auf ganz anderem Felde zu suchen ist. Eine Reihe sehr heiterer und echter Chargen; Ingeborg Scherer, dos mundfertige Wirtstöchterchen, Kurzhoff, der Kölsche Sten, ~ '

Der KreuzerHamburg" ist am 26. Fe> bruar in Funchal (Madeira) eingelaufen.

Kein Anwachsen der Arbeits- lostgkeit.

Berlin, 26. Febr. (WTB.) Während der Monat Januar noch ein beträchtliches An­wachsen in der Zahl der unterstützten Erwerbs­losen gebracht hatte, ist diese Zahl in der ersten Hälfte deö Februars im wesentlichen unver­ändert geblieben, älnverändert ist insbeson­dere die Zahl der männlichen Hauptunter­stützungsempfänger mit 1 773 000. Eine Zu­nahme, nämlich von 257 000 auf 285 000, hat bei den weiblichen Hauptunterstützungsempfän­gern stattgefunden. Insgesamt betrug die Zahl der Hauptunterstützungscmpfänger am 15. Fe­bruar 2 059 0C0 gegenüber 2 031 000 am 1. Febr. Andererseits hat sich die Zahl der Zuschlags­empfänger (unterhaltsberechtigt 2 Angehörige von Hculptunterstützungsempsängern) von 2361000 auf 2 332 000 verringert. Die Entwicklung innerhalb der einzelnen Wirtschaftszweige ist noch sehr ungleichmäßig. Llnverkennbar hat im Be­richtszeitraum wie alljährlich der Bedarf nach landwirtschaftlichen Arbeitskräf­ten eingewirkt.

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zu essen, ist ziemlich verbreitet. Als er elf unten hatte und nicht mehr konnte, sah er das zwölfte zornig an und tat den tiefsinnigen Ausspruch: wenn ich daS doch zuerst gegessen hätte. Mit dem gleichen Recht oder älnrecht könnte man wünschen, dieser Zuckmayer möchte den dritten Akt seines Lustspiels zuerst geschrieben haben. Riemand, auch der skeptischste Kunstrichter nicht, wird dieses Werk erlebt haben, der aus den beiden ersten Akten nicht eine große, ganz große Hoffnung aufblühen sah. Aber niemand wird es auch, wofern er ehrlich war und kritisch sehen und hören konnte, ohne eine herbe Enttäuschung verlassen haben.

Beim Hinausgehen erwägt man, daß das Stück mit dem deutschen Kleistpreise gekrönt wurde, und fühlt schmerzlich die außerordentliche Verpflichtung, die schon der Rame andeutet; an denAmphitryon" darf man nicht denken, und an denZerbrochenen Krug" schon gar nicht. Es ist ja nicht zu verkennen, daß schon weit .Uitwürdigere vor Zuckmayer den Kleistpreis erhielten. Wan wird aber vielleicht auch fragen, ob es nicht in diesem Jahre doch auch an­dere .... aber das wäre müßig: sechs ver­schiedene Gutachter würden mindestens sechs verschiedene Dichter vorgeschlagen haben. .Und nun es einmal Zuckmayer geworden ist (und nicht, zum Beispiel, Max Mohr, Max Mell oder Hans Alfred Kihn) wird man die Worte gulheihen, mit denen der diesjährige Ver- Irauensmann, Paul Fe chter, seine Entschei­dung begründet hat.

Den Preis trägt eigentlich nicht so sehr das Lustspiel an sich, als vielmehr (und mit Recht) ein Stück künstlerischer Entwicklung, die sich am Drama erweist: derDurchbruch ins Wirk­liche". wie Fechter es nennt. Aus dem literarisch Blassen unb Lebensfernen... Es liegt eine tzute Strecke Wegs zwischen den »Hinterwäldlern"

Aus dem Rechtsausschutz des Reichstages.

Berlin, 26. Febr. Der Rechtsausschuh setzte die Beratung der Anträge über die ver­mögensrechtliche Auseinandersetzung mit den früher regierenden Fürstenhäusern fort. § 8 wird nach kurzer Besprechung angenommen. Er lautet:Ein zwischen den Parteien beim In­krafttreten dieses Gesetzes bestehender Schieds- vertrag hindert die Anrufung deS Reichs- sondergerichts nicht."

Es folgt § 9. der bestimmt, dah das Reichs- sondergericht zunächst einen gütlichen Ver­gleich zu verbuchen hat und diesem die Möglich­keit gibt. Beweise zu erheben und die Ge­richte um Rechtshilfe zu ersuchen. Eine län­gere Aussprache dreht sich um den Gedanken eines sozialdemokratischen Antrages, auch die Steuerbehörden zu solchen Auskünften zu verpflichten. Schließlich beantragt Abg. Dr. Ro­senfeld (Svz.) folgende neue Formulierung; Die Steuerbehörden sind verpflichtet, die von dem Reichssondergericht geforderte Auskunft zu erteilen. Mit dieser Aenderung wird der § 9 angenommen.

Es folgt § 10:Das Reichsgericht seht bei Abschluß des Verfahrens eine an die Reichskasse zu entrichtende angemessene Gebühr fest und bestimmt die Zahlungspflichten.

Auch die übrigen Paragraphen des Kom- promitzgesehes tourten eingetend behandelt und die erste Lesung geschlossen. Es ist damit zu rechnen, daß bis zur zweiten Lesung weitere Kompromihverhandlungen zwischen den Parteien stattsinden, so daß der Text deS Gesetzentwurfs zur zweiten Lesung durch interparlamentarische Vereinbarungen noch viele Aenderungen erfahren wird.

Aus aller Wett.

Gründung einer Reichssunkgesellschoft.

In Stuttgart wurde die Reichsrundfmrkge- sellschaft, in der die einzelnen Gesellschaften be­reits zusammengeschlosssn sind, offiziell konsti­tuiert. Aus der Tagung sprach. Staatssekretär Dr. Bredow über dieReubildung des Rund­funk". Deutschland besitzt heute 20 Rundfunksender, die Höchstzahl, die uns international zugestanden wird und technisch möglich sei. Rach der Zahl der Teilnehmer stehe der deutsche Rundfunk gleich hinter Amerika und England.

Dersicherungsbetrug.

Die Berliner Staatsanwaltschaft hat gegen den vor kurzem aus Pommern nach Berlin versetzten Landgerichtsdirektor Jürgens ein Verfahren ein­geleitet. Bei ihm wurde im Juni 1925 wäh­rend seines Ferienaufenthaltes in Kolberg tm Hotelzimmer ein rätselhafter Einbruch verübt, bei dem nach seinen Angaben wertvolle Schmucksachen seiner Gattin im Werte von etwa 18 000 Mk. gest oh len wurden. Jürgens wurde von einer Reiseversicherung der Verlust erseht. Im Spätherbst erfolgte ein zweiter Einbruch in die Stargarder Woh- intng des Richters. Auch bei diesem Ein­bruch haftete eine Versicherungsgesellschaft, die jedoch den Fall der Stettiner Polizei und später der Berliner Kriminalpolizei zur Nachprüfung übergab. Die Staatsanwaltschaft Hai nun das Ermittelungsverfahren wegen DersichcmmgSbe- truges eröffnet.

Hotelbrand in Bremen.

Bremen, 27. Febr. (WTB. Funkspruch.) J)cute morgen iurz vor drei Uhr brach im Hotel Europäischer 5)of" ein Brand aus, der erst ent­werft wurde, als der Dachstuhl in Hellen Flammen stand. Die Feuerwehr bekämpfte den Brand mit mehreren Zügen, die gegen morgen noch in voller Tätigkeit waren.

Die Verkehrsunsälle in Amerika.

3m vergangenen Jahre sind nach einer Sta­tistik, die auch dem Staatssekretär Hoover vor- gelegt wurde, auf den Straßen der (Bereinigten1 Staaten über 24 000 Todesfälle zu ver­zeichnen.

sie reden zu lassen, wie ihnen das Herz steht und her Schnabel gewachsen ist, sie lachen, fingen, schreien, tanzen und lieben zu lassen. Das ist (in den -ersten Allen) alles von einer bezwingen­den Ratürlichkeit. Herzhaftigkeit und Heiterkeit.

Zuckmayer empfindet impressiv das ausströ­mend Wesenhafte seiner heinnschen Landschaft, seine Menschen stehen mit beiden Deinen, not­wendig und verwachsen in dieser Landschaft mitteninne, und es riecht nach Wein und reifen Trauben und Most, nach Kartoffelfeuer und Mist­haufen, nach Metzelsuppe und frischer Wurst. Der erste Akt ist schlechthin bewundernswert, und man denkt an den alten Reidhart von Reuenthal, wenn man im zweiten die prachtvoll hingesetzte Weinschenkenszene sieht. Da ist alles breit, saftig und echt, die unheimlich natürliche und deutliche Sprache der Leute wird von Gesang durchbrochen, von fettet Kirmesblasmusik begleitet und über­tönt; und zuletzt bricht eine herrliche, kernige Holzerei aus, daß kein Glas auf dem Tisch und kein Auge ttocken bleibt.

Aber der dritte Akt. (Man hat sehr baute Worte für ihn gefunden; das härteste hieß: Ganghofer.) Der Schluß fällt ab. Senkt das Riveau, legt die Angriffsflächen bloß: mangelnde Handlung, die sich im Zuständlichen verliert. Das Lustspiel, das Komödie hätte werden können, verläuft im Schwank. Was zuvor menschlich- natürlich gesehen war, streift die Karikatur. Das Stoffliche wird allzu massiv: ein entfesseltes Bac­chanal, von einer fast peinlichen Grobschlächtig- keit. And ein paarmal, unverkennbar, öS reden die Leute nicht mehr, wie ihnen der Schnabel gewachsen ist, da redet der rückfällige Literat Zuckmayer aus ihnen, und ihre Worte klingen unecht und fremd. Das ist auch peinlich. So wirkt der letzte Akt, dies ist der letzte Eindruck. . . .

Trotz alledem bleibt man danlbar und hoff­nungsvoll. Um der ersten Alle willen. Zuckmayer steht mit diesem Stück (er hat es selber nur als Station bezeichnet) am eigenenKreuzweg". Warten wir ab, wohin er sich wendet, zurück zum hinterwäldlerischen Pankraz ins mystische Blockhaus, ober vorwärts und aufwärts ins Leben hinein. Dann wird das Versprechen des Fröhlichen Weinbergs" vielleicht über ein kleines

nurzyvsf, der Kölsche Stenz. (Soll, der Weinreisende Löbche Bär, Volck und Teleky (Rindsfuh und Vogelsberger). Das Stück wurde vom vollen Hause überaus herzlich ent­gegengenommen. Ur. Th.

Die unwahrscheinliche Geschichte von Mann, der sich vermaß, auf einen Sih zwölf Eier

eingelöst fein, und wir haben eine wirkliche, echte und rechte, deutsche Komödie.

Die Aufführung war gut. Karl Volck hatte das Stück in liebevolle und sorgliche Hände ge­nommen, hatte vieles geglättet, gedämpft, ab­gefeilt, gestrichen und den Schluhall mit Takt und Geschmack auf passable Formen gebracht. Dabei hatte das Ganze doch den Schuß rheini­scher Fröhlichkeit und auch den herzhaften Erd- ruch, der sein Bestes ist. Der Mittelalt be­sonders kam in großen Teilen überwältigend heraus. Aber die Tanzmusik muß viel herz­hafter klingen, und es empfiehlt sich im übrigen, die große Keilerei weniger ausführlich und mehr zusammengedrängt zu spielen (Schlag auf Schlag, im Sinne des Wortes): die Szene wird dadurch gewinnen. 3m ersten Akt hätte man die Gruppenauftritte gern ein wenig mehr inein­andergreisen sehen. Kräftig und farbig im Stil des Ganzen, die Bühnenbilder von Karl Löff­ler. Gunderkoch war Gefsers. eine derb- herzhafte Gestalt voll Saft und Kraft, schlicht und sympathisch hingestellt. Als Klärchen war für Alix Krahmer, die plötzlich erkrankt ist, Hedwig Lilli e vom Mannheimer Rational-

rücksichtigung überwiesen. Ein Antrag der Abgc- ordneten Galm und Gen. wegen Ueberdachung des Bahnhofs in Oberroden fand in der Form Zustimmung, daß die Regierung ersucht wird, Vor­stellung deswegen bei der Reichsbahndirektion zu erheben. Ein Antrag der Abgeordneten Lauten­bacher und Gen. zur Bereitstellung eines Kredits in Höhe der noch ausstehenden Dauzuschüsse wurde gegen zwei Stimmen angenommen. Ein Antrag Dingeldey und Gen. betr. die allgemeine Wirt- schaitsnot wurde durch die Regienrngsantwort für erledigt erklärt.

Der Finanzausschuß und einige Regierungsvcr- treter begeben sich Samstag, wie schon gemeldet, nach Gießen, um dort einige Universtäts- i n st i t u t e zu besichtigen.

sehr seine Intervention berechtigt und notwenbig gewesen sei. Auch die Entwicklung der deut­schen ftandelslustschifsabrt gemahnten ihn, Vorsichtsmaßregeln gegen die drohende Gefahr iu ergreifen. Dann habe Mussolini noch demPetit larificn* von der Südtiroler Frage ge- sprachen und u. a. erklärt: Ich habe kürzlich eine Reise durch das Ober-Lffch-Gebiet gemacht. Dort war alles deutsch. Beamte. Lehrer, Klerus. Eisenbahn und Post. Man sprach nur deutsch und saug Lieder, die, wenn man sie In Rom ge­lungen hatte, die sofortige Verhaftung der Sänger nach sich gezogen hatten. Ueberall ist der italienische Sprachunterricht jetzt obligatorisch. Post- und Eisen­bahnbeamte sind italienisch. Dir betreiben die i n - lensive Kolonisierung des oberen Etschgebietes mit italienischen Fa­milien. Mir werden tausend Familien früherer Kriegsteilnehmer als Landwirte dort ansiedeln. 3n Meran haben wir in einer Stickstoffgrube bereits 400 italienische Familien untergebracht und mehr als hundert Jamilien in einet Zinkgrube. Mir wer­den das Land italienifieren. Ls gibt Drohun­gen, gegen die man sich schützen muß. Die panger- manische Drohung ist eine solche. Mussolini kam bann schließlich noch auf die Frage der Vermehrung der Völkerbundsratssihe zu sprechen und sagte, wie es in dem französischen Blatt heißt, er habe dem polnischen Botschafter noch am Samstag versprochen, daß er Polen bei seiner Kandidatur für den Völkerbundsrat unterstützen werde. Polen soll gleichzeitig mit Deutschland ein­treten und nicht nach ihm, ebenso wie es mit Deutschland im gleichen Range in Locarno war."

Aus dem Finanzausschuß des Hessischen Landtags.

D a r m ft a b t, 26. Febr. Der Finanzausschuß erledigte in seiner heutigen Sitzung zahlreiche Vor- stellungen und Anträge, darunter solche von Einzel­personen wegen ihrer Gehaltsverhältnisfe oder ihrer Ruhestandsbezüge. Unter den Anträgen von all­gemeinerer Bedeutung war ein Anttag des kommu­nistischen Abgeordneten Galm, daß die Beitrei­bung rückständiger Kirchensteuern so­fort eingestellt wird. Der Antrag wurde abgelehnt. Anträge der Abgeordneten Balser und Reiber wegen Auszahlung von Abfindungsrenten und von Renten an ausgeschiedene verhei­ratete Lehrerinnen wurden durch die Re­gierungsantwort für erledigt erklärt. Ebenfalls wurde ein Antrag der Abgeordneten Felder und Weinstadt zum Arbeitslosenversicherungsgesetz für erledigt erklärt, da den Wünschen bereits entsprochen wird. Ein Antrag der Abgeordneten Angermeier und Genosten wegen reichsgesetzlicher Regelung des Zinsfußes für Darlehen wurde einstimmig abge­lehnt. Ein Antrag der Abgeordneten Roth und Ge­nossen wegen Aufwertung der Abfindung pmederverheirateter Kriegerwitwen wurde ebenfalls abgelehnt, dafür aber ein Antrag Storck angenommen, daß bei der Reichsregierung Vorstellungen erhoben werden, mit dem Ziel der Aufwertung der Abfindungen. Für erledigt erklärt wurde die Vorstellung der Kreisobmänner und Dele­gierten der Odenwaldgemeinden des Kreises Hep­penheim wegen Heraufsetzung der Gemeinden in eine höhere Klasse der Erwerbslosenfurforge und Einreibung in das Wirtschaftsgebiet III, sowie eine Vorstellung des Verbandes der Fabrikarbeiter Deutschlands wegen Erhöhung der Unterstützungs- sätze für Erwerbslose und Wiedereinführung der Unterstützung für Kurzarbeiter. Ein Antrag der Abgeordneten Schott, Dingeldey und Gen. wegen Wiederbesetzung des zweiten Notariats in Wörrstadt wurde mit 8 gegen 3 Stimmen abgelehnt. Ein in Verbindung damit gestellter Antrag Dr. Werner, in dem die Negierung ersucht wird, dem Landtag eine Aufstellung oorzulegen über die Zahl der Notariate in Hessen, über die Höhe der Ein­künfte der Notare und über die Höhe der Pensions­bezüge, wurde einstimmig angenommen. Ein An­trag des Abgeordneten Schreiber und Gen. zur Ein­stellung von Hilfskräften bei den Aufwertung s- (teilen wurde angenommen. Eine Vorstellung der Brauerei S te i n h ä u s e r - W i n d e ck e r in Friedberg betr.Stempel für Grundstückserwerb juristisches Personen wurde der Regierung zur Be-

Gießener Stadttheater

Karl Zuckmayer: Der fröhliche Weinberg".

Pol« Aufnahme gewähr«. Die nieder- che Regierung stehe einer Vermehrung der Feder deS RateS äußerst ungünstig gegenüber, besonders aus der Erwägung heraus, daß eine geringere Anzahl von Mitgliedern, die beste Gewahr für Einstimmigkeit biete. Finn­land habe im wesentlichen dieselbe Meinung vertreten, wie Schweden, Rorwegen und Holland. In Tokio warte man daraus, in welchem Punkt die Entscheidung in den anderen Hauptstädten, namentlich in London, fallen werde. Englische Staatsmänner gegen die Verwässerung des Rats.

Amsterdam, 26. Febr. (Wolff.) Der ^Telegraaf" brachte kürzlich einen Beitrag des früheren englischen Anterrichtsministers Fisher, der unter der LieberschriftKeine Ratserweite- rung die Frage der Verwässerung des Dölkcv- bundsrates be^rndelte. Der Verfasser kommt in feiner Argumentation zu nachstehenden Schlüssen: Die Zulassung Polens würde die Unterschei­dung verwischen, welche die Begrünter des Bun­des mit der Einrichtung ständiger und nichtstän­diger Aatssitze im Auge aehabi haben. Die ständigen Mitglieder muffen Großmächte fein, nicht nur, weil sie bei weitem die größten Dun- desbeiträge leisten, sondern weil sie dem Völker­bünde auch den stärksten Halt bieten. Darum nruß Frankreich mehr Gewicht in die Wag- schate legen als Albanien, England mehr als Portugal und Deutschland mehr als Luxemburg. Ss kommt hinzu, daß eine Vermehrung ter ständigen Aatssitze die Zähl der nichtständigen übertreffen und die Rechte der Völker« bundsversammlung bei der Wahl der nichtständigen Mitglieder schmälern würde. Der Einwand, dah zwei ^Rächte sich bester einigen könnten, wenn sie beide im Rat vertreten sind, ist nur scheinbar richtig. So haben Polen und Danzig trotz aller mündlichen Verhand­lungen noch niemals Einigkeit erzielt. Es muß aber genügen, wenn die Stimme Polens tm Rat immer gehört wird, sobald Dinge verhandelt wer­den, die Polen betreffen. Der französische Stand­punkt läßt den Verdacht zu, daß Frankreich innerhalb des vötkerbnndsrats einen anti­deutschen Block bilden will. Tatsächlich 1 kann aber nichts den Völkerbund so sehr ge­fährden, als Intrigen und der Versuch, zwei einander feindliche Gruppen im Völkerbunds­rat ins Leben zu rufen.

In einer Rede in Newcastle |agte Viscount Ed­ward Grey, die Kontroverse über die Zulassung Polens zum Völkerbundsrat hätte Unheil an- gerichtet. Er hoffe, die Regierungen würden sich ruhig verhallen, bis sie in Gens seien, wo sie das Unheil begraben und die Verhandlungen in vollkommen harmlosen Formen führen könnten. Deutschland müsse in durchaus fairer Weise in den Völkerbund ausgenommen werden, ohne irgendeine vorherige Aenderung in der Zusammen­setzung des Völkerbundsrates. Die wichtige Frage der Zusammensetzung des Bölkerbundsrates sollte erst erörtert werden, wenn Deutschland an diesen Erörterungen teilnehmen könne.

Auch Lord Parmoor, der seinerzeit das Ka­binett SDlacbonatb im Völkerbundsrat vertrat, er- klärte: Der Vorschlag, daß her Eintritt Deutschlands ;n den Völkerbund gleichzeitig Anlaß dafür sein soll, die allgemeine Frage der Verfassung des Volker- bundrrates aufzuwerfen, ist wie ein Blitz aus heiterem Himmel für die gekommen, die den Völkerbund als einen Mittelpunkt und ein Symbol des internationalen Friedens und der Freundschaft ansehen. Ich stimme vollkommen mit der Entschlie- ßung des Parlamentsausschusses überein, in der die britische Regierung dringend aufgeforbert wird, /einen starken Widerstand gegen irgendeine derartige Veränderung im gegenwärtigen Zeitpunkt > auszuüben.

Mussolini gegen Deutschland.

Die pangermauische Gefahr. Süd­tirol. Der Völkerbundsrat.

Paris, 27. Febr. (Wolff.) DerPetit Pa- riflen veröffentlicht ein Interview mit Mussolini. Der Ministerpräsident kam aus die Kundgebung des Reichsbanners in Hamburg zu spre­chen. Parademärsche der Republikaner mit Hunder­ten van Fahnen und die Teilnahme einer öster­reichischen Delegation bewiesen ihm am besten, wie

(bei deren Uraufführung man ironisch den seligen Karl May hochleben lieh) und diesen rhein- hessischen Bauern um den fröhlichen Weinberg herum, so zwischen Rackenheim, Rierstein und Oppenheim, auf der Strecke von Mainz nach Worms. Und eine überraschend rigorose Stil­wandlung erlebt man, vom expressionistisch­mystischen Literaturdrama (nicht ohne Talent) zum lebendigen, derbfröhlichen, dialektsicheren und ganz unmysteriösen Volksstück, das das Zeug zur Komödie hat in zwei Akten, und das zuletzt die Linie verliert, possenhafte Züge gewinnt und allzu lustspielhaft mit vier Paaren endigt.

Medias in res; Der Weingutsbesiher Gunter- loch hatte eine Frau, die ihm, trotz aller Liebe, kein Kind schenkte. Sein Klärchen hat er sich außerhalb der Ehe geholt. Kinder sind aber das Glück der Ehe, und das Mädel soll's besser haben. Der zukünftige Schwiegersohn, wer es auch sei, muß zuvor zeigen, was er kann... man lauft keine Sau, die nicht ferkelt, und läßt sich keinen Rachenputzer für Meßwein an den Hals reden; und mit so etwas, wovon Glück und Unglück von zwei Menschen abhängt, spielt man Blindekuh ? Das gibt's nicht. Also! (Gin starkes Stück; schon fast unmöglich) Aber der säbelnarbichte Student bekommt das Klärchen nicht, obwohl er sich alle Mühe gibt. Er kriegt es" nur vorgeschwindelt .damit das Mädel vor ihm Ruhe hat. Sie nimmt den wuchtigen, groben Rheinschiffer, der zu ihr paßt, der Alte heiratet dessen Schwester, der arme Geistesarbeiter wird mit der Wirtstochter abgefunden, und ein jüdi­scher Weinreiscnder kommt zuletzt auch noch unter die Haube. Am Ende stellen vier Paare ein schönes Gruppenbild...

Dennoch der Preis, dennoch ein stürmischer Erfolg durch ganz Deutschland (dem sich neuer» dings sensationmachende Ablehnung entgegen« stellt)? Aber mit der knappen InhaltSsttzze ist wenig gesagt. Das Beste an diesem Stück liegt gar nicht in der dürftigen Handlung. Son­dern in der ilmtoelt, im Atmosphärischen, in den Menschen und ihrer Sprache, in Farbe und Duft der Landschaft, vom herbstlichen Wingert und vom Rheinufer her. Dieser junge Dichter hat die seltene Gabe, Menschen zu sehen, tote sie sind,