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Nr. 199 Erster Blatt

176. Jahrgang

Donnerstag, 26. August 1926

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Metzeim Anzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

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Die Tacna-Arica-Frage.

Heben den großen politischen Fragen Euro­pas, an denen die Dereingiten Staaten aus wirt­schaftlichen, moralischen und polittschen Beweg­gründen in den letzten Jahren weit mehr inter­essiert sind, als das vor dem Kriege der Fall war, stehen hier Fragen Gesamtameri­ka s tm Vordergrund der politischen Erörterung, die in Europa im allgemeinen weniger beachtet werden. Dahin gehört das Verhältnis zu M e riko, von dessen Kirchenkonflikt man sich trotz der Aktivität des katholischen Bundes derCo- lumbus-Ritter" ziemlich betont fernhält, dahin gehört die weitere älnterstreichung der Bedeu­tung Panamas als eines Vorpostens der Union, gehören zahlreiche Unternehmungen zur wirtschaftlichen und polittschen Durchdringung des südlichen Konttnents und gehört in jüngster Zeit vor allem der Konflikt um Tacna-Arica.

Daß es sich hier um eines der wertvollsten Dodengebiete der Welt handelt, von wo aus der größte Teil der Erde mit Salpeter versorgt wird, das aber außerdem Gold, Silber und an­dere Metalle enthält, ist wohl allgemein bekannt. Weniger geläufig sind dem Europäer die po­littschen Vorgänge, durch die es in dem soge­nannten Salpeter-Krieg von 18791883 zwischen Chile einerseits, Peru und Bolivien an­dererseits Peru entrissen wurde. Zugleich verlor Bolivien das Küstenland Antofagasta. Damals wurde bestimmt, daß innerhalb 10 Jahren eine Volksabsti mmung über das endgültige Schicksal dieses Landes entscheiden sollte, doch ist diese Volksabstimmung von der chilenischen Verwaltung immer weiter hinausgeschoben wor­den. In dem daraus erwachsenen Streit hat auch Bolivien nachträglich seinen Anspruch auf Wiederherstellung seines Ausganges nach dem Meere geltend gemacht, und Peru und Bo­livien haben feit 1920 schließlich den Völkerbund damit befaßt.

Die Vereinigten Staaten haben, nicht zuletzt unter dem Gesichtswinkel der Monroe- Doktrin, dann aber auch veranlaßt durch die großen wirtschaftlichen Interessen, die hier auf dem Spiele stehen, Chile und Peru zu Verhand­lungen veranlaßt, die im März D. I. zu einer vorläufigen Einigung über die Abhaltung einer Volksabstimmung führten. Diese Abstim­mung sollte unter Aufsicht einer aus Chilenen, Peruanern und Rordamerikanern bestehenden Kommission vor sich gehen, und General Per­shing übernahm die Oberleitung. Da das Fort­bestehen der chilenischen Behörden den Peruanern aber die Wahlarbeit außerordentlich erschwerte und sie in diesem Sinne Beschwerde in Washing­ton führten, schlug die amerikanische Regierung vor, unter Verzicht auf die Abstimmung das Ge­biet zwischen den drei Anspruch Erhebenden auf- enteilen. Als das abgelehnt wurde, tauchte ein zweiter Vorschlag aus, aus Tacna-Arica einen eigenen Staat zu machen eine Lösung, die zweifellos den starken finanziellen und auch strategischen Interessen der Vereinigten Staaten nach dem Beispiel Panamas am besten gedient haben würde. Auch das wurde von Chile sowohl wie von Peru abge lehnt; Chile lieh seine Truppen wieder in das Gebiet einrüden, und die Frage steht jetzt, wie sie vor Beginn der amerikanischen Initiative gestanden hat. Aber da hier, wie gesagt, große Interessen der Union cuf dem Spiele stehen, ist kaum anzunehmen, daß der Streit damit begraben sein wird, und es ist zu erwarten, daß die amerikanische Initta- üve, die keineswegs bloß selbstlosen Vermittler- Absichten diente, in irgend einer Form wieder auflebt, sobald näherliegende politische Pro­bleme gelöst fein werden.

(Bin neuer VermiMungs- vorschlag.

Santiago de Chile, 25. Aug. (WB.) Die chilenische Regierung hat von dem chilenischen Botschafter in Washington einen neuen Plan zur Beilegung des Tacna-Arica- Streites übermittelt erhalten, der dem Botschaf­ter von Staatssekretär Kellogg in Vorschlag ge­bracht worden sein soll. Der Vorschlag sieht vor, daß Tacna an Peru fällt, daß ein Kor­ridor zum Meer, der sich nördlich von Arica .in einer Breite von 10 Kilometer erstrecken soll, Bolivien zugesprvchen wird und daß ber Rest des umstrittenen Gebietes mit Ein- lchluß der Arica-La-Paz-Eisenbcchn an Chile faßt Der Vorschlag wird heute abend von der chilenischen Regierung in einer Kabinettsberatung geprüft werden.

Neue Krifis in Spanien.

London, 26. Aug. (Reuter. Funkspruch.) Nach Meldungen aus französischer Quelle ist in Spanien eine sehr ernste Lage entstanden durch füe Forderung von Artillerie-Offizieren an den König, den Premierminister General Primo de Rivera zu entlassen. Als Antwort daraus unter­breitete Primo de Rivera dem König ein Dekret, oaS das Artillerie-Korps aus löst und die QBaffenfabrifen in Toledo und Trubia unter 34DiIfontrolle stellt. Weiter wird mit» geteilt, ar König habe sich geweigert, dieses Dekret zu unterzeichnen und sei sofort nach Santander abgereift, wo die königliche Familie sich aushalte.

Neue Kämpfe in Marokko.

Aezzan, 25. Aug. (Havas.) Hier hat heute «ne groß angelegte militärische Operation be­sonnen, die zur Besetzung der Gebiete der Gesana rmd der Beni Mostara führen soll. Es handelt

DerKongrcf) der nationalen Minderheiten

Von Dr. Th. von Rente!n, Letter des Kongreh-Sekretariats.

Genf, den 25. August.

Reben der sozialen Frage kommt die gröhte Bedeutung im heutigen Europa dem nationalen Problem zu. Die staatliche Ordnung unseres Kon­tinents bringt es mit sich, dah eine unverhältnis­mäßig hohe Zahl von Menschen in Staaten von fremder Kultur und in Gemeinschaft mit den in ihnen herrschenden Völkern, von denen sie sich nach Rasse und Rattonalität unterscheiden, zu le­ben gezwungen sind. Wie schwer die Bedrängnis solcher völkischer Gruppen oft ist, kann man nur ermessen, wenn man diesen Kampf um kulturelle Eigenart und Volkstum aus nächster Rähe mit­erlebt hat. Zwar findet man heute in zwischen­staatlichen Verträgen Bestimmungen über die Ra­tionalitätenfrage, auch befassen sich nicht wenige internationale Organisationen mit ihr, es ist aber doch zu bezweifeln, ob die Teilnehmer der Konferenzen, in denen dieses Stichwort fällt und das geschieht immer häufiger, sich klar darüber sind, wie entscheidende, wie lebenswichtige Fragen damit zur Behandlung gelangen. In der lichten Ver­gangenheit ist es schon häufig genug vorgekom­men, daß auf diese Weise in Staatsverträgen oder in innerstaatlichen Verordnungen durch einen Paragraphen, durch einen Federstrich viele Mil­lionen Menschen zu Sttefkinder der menschlichen Gesellschaft gemocht wurden, und zwar in einem viel höheren Maße, als es etwa eine Entscheidung in sozialen Fragen bewirken könnte. Es ist also notwendig, gleich zu Anfang einer jeden Betrach­tung über die Rattonalitätenfrage auf die ganze Schwere und die ungeheure Tragweite dieses Problems hinzuweisen.

Das wachsende Rationalbewuhtsein der ver­schiedenstenMinderheits"-Gruppen nach dem Kriege einerseits und die vielen einschneidenden Maßnahmen, die fast immer gegen ihre In­teressen auf diesem Gebiete getroffen wurden, andererseits, drängten sie nach und nach in eine Abwehrstellung und machten diese Frage immer brennender. So kam es, daß die nationalen Gruppen neue Mittel und Wege zu suchen be­gannen, um sich die für sie lebensnotwendigen Rechte zu sichern. Bereits vor Jahren hatten die deutschen völfischen Gruppen der verschiede­nen Länder Europas untereinander Fühlung ge­nommen, und im Oktober 1925 wurde dann von den' Führern der den verschiedensten Rattonali­täten angehörenden Gruppen dcr historisch be­deutsame Versuch unternommen, sich in Genf zu einer Aussprache und zur Ausarbeitung einer gemeinsamen Handlungsgrundlage zusammenzu­finden. Der Versuch ist glänzend gelungen.

Ganz besonders klar wird das, wenn man die völlige Verschiedenheit so mancher Gruppen sich vergegenwärtigt. Da gibt es solche, die über eine viele Jahrhunderte alte nationale Tra- ditton verfügen, und solche, deren Gemeinschafts­bewußtsein weit jüngeren Datums ist. Auch die soziale Schichtung der Angehörigen vieler Grup­pen ist oft verschieden. Es ist auch klar, dah dies die einzelnen Gruppen je nach ihrer Eigenart, geographischen Lage, ihrer inneren Struktur und historischen Vergangenheit sich in voneinander abweichenden Eedankengängen bewegen. Diese Unterschiede dürfen nie vergessen werden, will man die umso größere Bedeutung dessen würdigen, dah sie fich alle zu gemeinsamen Grundanschauungen bekannt haben, die in der Forderung nach national-kultureller Entwick- lungsfreihcit gipfeln.

Mit der Festsetzung der gemeinsamen Aus­gangspunkte hat die vorjährige Rationalitäten­tagung ihre Aufgabe voll gelöst. Gleichzeitig foßte sie eine Willenskundgebung der nationalen Grup­pen vor der breiten Öffentlichkeit fein. Auch das ist ihr in hohem Mähe gelungen und nur die gleichzeitig stattfindende Locarnokonferenz hat sie in ihrer Wirkung beeinträchtigt. Sollte so­mit die vorjährige Tagung eine erste Sondierung nach innen und eine allgemeine Kundgebung nach außen fein, so stellt sich der diesjährige Kon­greß schon konkretere Aufgaben. Die eigentliche Arbeit soll erst jetzt beginnen. Unb da ist es not­wendig, sich darüber klar zu werden, was diese Versammlung von fast durchweg verantwortlichen Parlamentariern sein will und was sie sich zur Aufgabe macht.

Daß der Gedanke der Selbstbestimmung ein unantastbares Recht der Völker ist, unterliegt keinem Zweifel. Der Rationalitätenkongreh in Genf macht sich zur Aufgabe, Mittel zu finden, wie im Rahmen der Staaten" die Rechte der völkischen Gruppen geschützt werden können. Da­mit ist seine Grenze in der Richtung der Maxi­malforderungen gezogen. Sein Streben richtet sich vor allem auf die Erreichung einer terri­torialen oder personalen Kulturautono- m 1 e zur Errichtung eigener Schulen, kultureller Verbände und ähnliches. Dah diese Forderung, fo neu sie auch ist, kein Phantafieg^bilde dar­stellt, wird durch den Timstand erwiesen, dah in Estland etwa feit Jahresfrist bereits die Kultur­autonomie verwirklicht worden ist. Daß aber die wirtschaftliche Gleichberechtigung unabhängig da­von auch erreicht werden muh, zeigt gleichfalls das Beispiel Estlands, wo es damit noch überaus

schlecht bestellt ist. Die Grenze nach unten, zu den Minimalbedingungen hin, hat der Kongreh damit gezogen, dah er nur solche Volksgruppen als nationaleMinderheiten" anerkennt, und zur Tagung zuläht, deren Angehörige in ihrer Mehr­zahl nationalkulturell organisiert sind. Denn es gibt mannigfache Unterschiede zwischen verschie­denen Bevölkerungsteilen, die ihrem Wesen nach noch keine nationale Scheidung begründen.

Seinem Umfange nach ist der diesjährige Kongreß noch bedeutend gewachsen und zählt fast alle nationalen Gruppen Europas zu seinen Teilnehmern. Es beteiligen sich an ihm vierzig Gruppen, die fich auf dreizehn Staaten ver­teilen. Der Rationalität nach sind auf ihm ver­treten: Ungarn, Schweden, Deutsche, Aussen, Dänen, Ukrainer, Polen, Litauer, Katalonier, Weißrussen, Juden, Slowenen, Kroaten, Serben, Tschechen, Slowaken und Karpathorussen. Sie kommen aus Italien, Spanien, Deutschland, Ungarn, Polen, aus der Tschechoslowakei, Li­tauen, Dänemark, Oesterreich, Rumänien, Jugo­slawien, Lettland und Estland. Sie sind bevoll­mächtigt, im Ramen von etwa vierzig Millionen Menschen verantwortlich zu sprechen. Durch diese ungeheure Zahl wird die außerordentliche Bedeutung des Kongresses erst völlig Har.

Die Aufgaben, bie sich der Kongreß stellt, ersieht man am besten aus - den Fragen, die zur Beratung gestellt sind. Die Arbeit der Ver­sammlung wird fich auf alle jene Gebiete, auf denen die Angehörigen der nationalen Gruppen beeinträchtigt werden, erftreden. Cs soll erwogen werden, auf welche Weise die kulturelle Entwick- lungsfreiheit, die Gleichberechtigung in wirtschaft­lichen Fragen und im Wahlrecht, wie auch in seiner Ausübung zu erreichen sind. Auch die Mittel zur Sicherung des Rechts auf die Staats­bürgerschaft und der Freiheit im Gebrauch der Muttersprache sollen behandelt werden. Beson­ders bedeutsam ist es, daß die Wege zu einer Regelung von Konflikten zwischen Regierungen und nationalen Gruppen zur Besprechung ge­langen, denn gerade dies ist eine der brennendsten Aufgaben der Jetztzeit und die Teilnehmer der Tagung sind am ehesten dazu berufen, hierin praktische Arbeit zu leisten.

Man sieht, daß der Kongreß sich umfassende praktische Aufgaben stellt. Daneben will er auch wiederum den Willen der vierzig Millionen hin­ter ihm stehenden Angehörigen der nationalen Gruppen vor aller Welt kundtun. Es ist an­zuerkennen, dah er damit eine zweifellos not­wendige, wenn auch noch nicht alles erschöpfende Arbeit leistet. Gerade in Genf, wo so viel und oft Rom Frieden gesprochen wird, soll gezeigt werden, was zu einem wirklichen Frieden durch praktische Maßnahmen in nationaler Beziehung beizutragen ist. Die Kongreßteilnehmer nehmen damit das hohe Verdienst auf sich, eine Frage zur Verwirklichung vorzubereiten, die über kurz oder lang wird entschieden werden müssen, denn eins ist klar: die nationale Bewegung in Europa kann in' Zukunft weder rückgängig gemacht, noch niedergeschlagen werden.

Die Eröffnung des Kongreffes.

Genf, 25. Aug. (TTI.) Heute vormittag ist in Genf die Tagung des europäischen Ratto- nalitäten-Kongresses (Kongreß der nationalen Minderheiten) eröffnet worden. Der Präsident der vorjährigen Konferenz, Dr. I. W i l f a n, fiowenischer Abgeordneter im italienischen Par­lament, begrüßte die Vertreter der Staaten. Große Arbeit sei noch zu leisten. Trotzdem müsse es als eine erfreuliche Tatsache bezeichnet wer­den, daß es möglich war, die Vertreter so vieler in Kultur, Sprache und Recht verschiedenartiger Rattonalitäten zu einer Konferenz zusammenzu­bringen. Immer wieder werde man beim Völker­bund auf den Schutz der Rechte der Minderheiten drängen. Die Schaffung einer ständigen Organisation der Minderheiten sei allerdings bei der augenblicklichen Situation nicht möglich. Der Kernpunkt der Verhand­lungen sei die Sicherung der kulturellen Cntwicklungsfreiheit der Minderheiten. Ausgabe der Tagung werde es fein, die sich in dieser Frage ergebenden Gegensätze zu über- brüden, um zu einer Verständigung zu gelangen. Die Minderheiten mühten stets bestrebt sein, den Feinden der Bewegung, wo immer sie auch säßen, in festem Zusammenhalt die Sttrn zu bieten. 3m weiteren Verlaus der Sitzung betonte der deutsch-lettländische Abgeordnete Dr. Paul Schiemann in umfassenden Ausführungen die Rotwendigkeit der Schaffung neuer Rechtsgrund­lagen, die die Frage der.Volkszusammen- gehörigkeit und Staatszugehörig­keit endgülttg und dem Empfinden der Reuzeit entsprechend regeln. Darauf wurde die Wahl des Präsidiums vorgenommen. Cs wurden gewählt: Dr. Wilf an zum ersten Präsidenten. Zu Vize­präsidenten wurden gewählt: Dr. Paul Schie- m a n n für die deutsche Gruppe, Dr. M o h k i n für die jüdische Gruppe, Geza v v n S z ü l l ö für die ungarische Gruppe, Kaczmarek für die tschechische Gruppe und der Vertreter der Kata­lonier.

sich um eine Front von etwa 45 Kilometer. An der Operation nehmen teil neun Bataillone, 1500 auf französischer Seite kämpfende Eingeborene, fünf schwere und eine Reche leichter Batterien. Der Vormarsch hat heute vormittag nördlich von Tlezzan eingesetzt und richtet sich zuerst gegen den

früheren französischen Posten R h i a n a, der noch immer von den Rifleuten besetzt gehalten wird. Die französischen Truppen rüden in drei Kolon­nen vor, die linksstehende in Fühlung mit den Spaniern auf dem linken Lukkosufer, wo sich Ab­teilungen der feindlichen Stämme festgesetzt haben.

Die Finanzkonferenz in Evian.

Die -Sanierung Frankreichs und die deutschen Daweszahlungen.

Paris, 25. Aug. (Täl.) In Evian-leZ-Bains, am französischen Ufer des Genfer Sees, sind her amerikanische Schah'ekretär Mellon, der Präsi­dent der Federal Reserve Bank, Strong, der Generalagent für die Reparation, Parker Gil­bert, und der ehemalige englische Schah'ekretär Sir Robert Horne eingefroren. DerPetit Parisien" glaubt zu wissen, daß Mellon gemein­sam mit Strong die Frage zu prüfen habe, welche finanzielle Unterstützung Frankreich zuteil werden könne, wenn das Schuldenabkvmmen ratifiziert werde. Mellon habe mit einem fran­zösischen Politiker die Möglichkeit der Mobili­sierung eines Teils der deutschen Obligationen für den Fall einer Ratifi­zierung des Schuldenabkommens durch das fran­zösische Parlament untersucht. Die Schwierig­keiten auf diesem Gebiet seien groß, da diese Obligationen nur verlaust werden können, wenn die deutsche Regierung in eine Aende- rung des Zahlungsplanes einwillige. Die deutsche Regierung würde solche Versprechungen aber nur gegen politische Zugeständ­nisse machen. Ferner habe Parker mit Mc on die Frage besprochen, wie die Summe verwandt werden könne, die in Berlin auf Grund des Dawesplans zur Bezahlung der amerikanischen Kriegskosten angesammelt würde. Wie dasPetit Journal" mitteilt, sind auch italienische Persönlichkeiten in Evian eingetroffen. Man hört das Gerücht, daß die italienische Re­gierung eine Revision des Schulden- abkommens mit Amerika in Anregung bringen will.

Line Besprechung der Zuriffen. Fromageot in London und Berlin. Die förage der Ratssitze.

Berlin, 26. Aug. (D3IB.) wie die Blätter mitteilen, hat der juristische Sachverständige des pariser Auswärtigen Amtes Jromageot am Dienstag in Berlin geweilt, wo er eine ilnterreoung mit Ministerialdirektor Dr. Gaus hatte, nachdem er vorher mit dem englischen Rcchtssachverständigen Sir Lecil hurst in London Fühlung genommen hatte. Die Unterredung zwischen Jromagcot und Gaus erstreckte sich auf juristische und technische Fragen, die die Hauptprobleme der von der 5tu- dienkominission zu behanbelnben Gegenstände be­treffen. Vor allem habe es sich um die Zragc ge­handelt, ob gewissen nichtständigen Mitglie­dern des Völkerbundsrates die Wiederwahl nach Ablauf der Wahlperiode garantiert wer­den könne. Lautvoff. Zig." soll man iibereinge- komrnen sein, dah nach den Statuten des Völkerbundes eine solche Garantie formal nicht gegeben werden könne. Auch sei die aus gewissen englischen streifen stammende Anregung erörtert worden, die ft ä n b i g e n Ratssitze überhaupt ab^u- schaffen und eine vollständige Gleicyheit aller Ratsmitgtieder zu schaffen. Dieser Gedanke sei als undurchführbar a b g e I e f) n t worden.

Die Auffassung in Paris.

Die Gefahr einer neuen Völkerbundskrifis. Paris, 26. Aug. (TU.) Die Pariser Presse betont übereinstimmend, daß eine Lösung der ver­schiedenen seit März dieses Jahres in der Rats­krise aufgetauchten Schwierigkeiten nochkeines- w e g s erfolgt sei. Der Eintritt Deutschlands in den Völkerbund sei aber ohne diese Lösung eine leere Formalität, wenn er überhaupt unter diesen Umständen erfolge. DerTemps" bleibt dabei, daß Deutschland mit seinem An­spruch, allein einen ständigen Ratssitz zu er­halten, ohne gleichzeitige oder vorherige Erweite­rung des Dölkerbundsrates, die gegenwär­tige Krise verursacht habe. Dcr Völker­bund sei aber doch allein Herr über feine innere Organisation. Kein Staat herbe das Recht, an feine Mitgliedschaft im Dölkerbuirde be­stimmte Bedingungen zu knüpfen. Eine Erwei­terung des Dölkerbundrates habe sich nun einmal als unvermeidlich erwiesen. Der Eintritt Deutschlands fei zweifellos für alle Be­teiligten und Jnteresseitten wünschenswert, zumal im Hinblick auf seine Bedeutung für die volle Wirksamkeit der Locarno-Verttäge. Man müsse eben einen Ausweg finden.Journal des Debctts" sagt, nachdem es den Ernst der Situa­tion in ähnlicher Weise wie derTemps" ge­kennzeichnet hat, daß, toenn dieser Ausweg nicht gefunden werde, gleich gesagt werden könne, daß der Völkerbund diesmal eine noch viel ernstere Erschütterung als im März er­fahren werde. Man dürfe gespannt sein, welche Lösung für die Reorganisation des Bundes von den drei Juristen in Genf vorgeschlagen würde.

Zuversicht in London.

London, 26. Aug. (Täl.) Je näher das Datum der Völkerbundsversammlung heranrückt, um so stärker ist die Spannung, mit der man ihrem diesmaligen Ausgang entgegensieht. In offiziösen und offiziellen Kreisen ist man durchs aus zuversichtlich, Hindernisse, die irgend eine vitale Wirkung auf die Völkerbundsver- sammlung haben könnten, nicht zu erwarten. Man sieht den Eintritt Deutschlands als gesichert an und die Erklärung wird wiederholt, daß 6$