Einzelbild herunterladen

denselben Stücken bestand tote im (Zähre 1620, nur daß die Geldleistungen durch die Entwertung des Geldes nicht mehr so viel ertrugen wie zwei­hundert Jahre vorher: endlich bah in dem Stammland von Hessen-Darmstadt, der Obergras­schaft Katzenelnbogen, von 1570 bis in die Nieder- gangszeiten des Dreißigjährigen Krieges von wenigen Ausnahmen abgesehen fast nur Aka­demiker an den Volksschulen, und zwar an ganz kleinen Orten angestellt waren. Auch das muh betont werden, daß diese Schulen von allen Kindern besucht wurden und muhten, auch - infolge eines praktischen Schulzwanges besucht worden sind. Was die sogenannten deutschen Schullehrer, also die unstudierten Lehrer, anlangt, so ist zuzugeben, dah sie nach der Seite ihrer Ausbildung hinter den aus den Lehrerseminaren hervorgegangenen Lehrern weit zurückstanden, auch vielfach noch einen Nebenberuf ausübten. Aber es gibt doch auch zu denken, dah diese deutschen Schullehrer durch ihre Leistungen auf methodischem Gebiete schon in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts die Akademiker im Schul­dienst überflügelt hatten. Es ist dies wohl darauf zurückzuführen, dah der Schullehrerstand schon am Ende des siebzehnten Jahrhunderts an ganz bestimmten Familien haftete, in denen das Schul­halten erblich war und durch Vererbung und Tradition sich mit der -Zeit eine ganz ausge­zeichnete Technik entwickelte. Mit diesen Aus­führungen soll gegen die grohen Fortschritte, die die Entwicklung des Volksschulwesens im 19. Jahrhundert brachte, nicht das Geringste gesagt sein. Die Fortschritte betreffen in der Hauptsache das Gebiet der Ausbildung der Lehrer und die Errichtung von neuen Schulstellen durch Teilung von Schulen, mit welch letzterer freilich schon 100 Jahre vorher begonnen worden war. Der Artikel schließt mit nachstehenden Sätzen: Die Gemeinden haben in der Zeit vor 1800. von wenigen Ausnahmen abgesehen für das Schul­wesen ihres Ortes so gut wie nichts getan. Es war das Sache der Kirchen, denen man bei un­voreingenommener Beurteilung das Zeugnis nicht versagen wird, dah sie Glänzendes auf dem Gebiet der Volksbildung durch die Gründung rknd Fortbildung der Volksschulen geleistet haben.

Oderhessen.

Landkreis Gießen.

f Klein-Linden, 24. Juli. In der jüng- ften Gemeinderatssihung kam es vor Eintritt in die Tagesordnung zu einer sehr leb­haften Geschäftsordnungsdebatte, weil ein in der Atzten Sitzung mündlich gestellter Antrag auf Neuregelung der Gemeindebeamten- gehältcr nicht auf der diesmaligen Tages­ordnung erschienen war. Die große Mehrheit des Gemeindevats gab ihrer Unzufriedenheit Ausdruck über dieses Versäumnis. Betont wurde, daß die finanziellen Verhältnisse in unserer Ge­meinde unbedingt eine Neuregelung erfordern und daß auf die evtl. Ausarbeitung von Richt­linien nicht gewartet werden könne, weil in dieser Hinsicht bei den betreffenden Instanzen keine all­zugrohe Eile festzustellen sei. Die Initiative müsse vielmehr vom Gemeinderat ergriffen werden. Der Gemeinderot beschloß schließlich einstimmig, daß innerhalb acht Tagen eine Neuregelung der Ge­hälter stattzufinden habe. Zum 1. Punkt, Be­setzung der Gemeinderechnerstelle, wurde seitens des Bürgermeisters erklärt, die Angelegenheit fei nun so weit gediehen, dah der vor fast zwei Jahren vom Gemeinderat ge­wählte Militäranwärter Germer jetzt bestätigt werden solle. Der Einspruch der Kriegsbeschä­digten-Fürsorge sei vom Ministerium abgewiesen. Im Interesse der Gemeinde ist es unbedingt notwendig, daß die Nechnerstelle so bald als . möglich neu besetzt wird. Die erneute Vorlage 6des Kreises betr. Teerung der Kreis­est raßen und Beitrag der Gemeinde zu diesen Kosten in Höhe von 900 bis 1000 Mk. wurde t abgelehnt, da der dafür aufzuwendende Betrag : in keinem Verhältnis stehe zu den Erfolgen des Verfahrens. Die gestellten Anträge zweier An­lieger in der Wetzlarer Straße auf Neu­pflasterung vor ihren Hofreiten bis zur Straßenrinne werden abgelehnt mit Rücksicht auf die Gefahr der Steigerung solcher Anträge ins Unermeßliche. Beschlüssen wurde dagegen, daß die betr. Straßenstellen durch die Gemeinde ord­nungsgemäß aufgefüllt werden sollen, da der jetzige Zustand durch Notstandsarbeiter herbei­

Sommer am Rhein.

Don Dr. Karl Mehrmann.

Breit und lautlos gleitet der Strom zwischen langgestreckten Uferbergen von sanfter Rundung. Seidenblauer Duft schwebt über den Hängen. Die Sonne facht die zitternde Luft unter dem Dunstschleier zum Glühen. Dek Schlepper mit den tiefbeladenen vier, fünf Kohlenschiffen keucht mühsam bergwärts durch die schwüle Hitze. Aus altersgrauen Terrassenmauern prallt von den dunkelleuchtenden Schieferstücken der glimmenöe Hauch gegen die winzigen Trauben unter dem reglosen Reblaub.

Aus dem weitauseinandergefalteten Fächer des Westerwaldcs, über seinen grünen Wiesen und goldenen Aehrenfeldern, über seinen dunklen Waldstreifen liegt unstörbar in brütender Ruhe der Sonnentag. Heute wie morgen und über­morgen. Ein einziger funkelnder Glast. Selbst über dem finster drohenden Dulkangeklüft der Eifel spannt der Himmel ein hellblau 'wärmendes Zelt. Der Hunsrücken wellt seine Waldesdome und türmt sie zum fast tausend Meter hohen Eroeskopf im Sonnengefunkel. Der Taunus aber streckt seine lachenden Fluren auf wohlig durch- glühter Hochebene zu Füßen des Feldberges.

In sprühender Lebensfreude hat der Rhein tne Schroffen des Dinger Lochs übersprungen, die ihm seinen Laus verwehren wollten. Das aoldene Mainz ist hinter ihm geblieben: die Türme seines Domes haben ihm den letzten Gruß gewinkt. Der Weinduft des Rheingaues hat ihn umfofc das Festgewimmel am Rochusberg hat ihn nicht zu halten vermocht. Die siegreiche Germania auf dem Niederwald hat ihn mit hoch- «rhobener Krone gegrüßt. Die Ehrenburg und der Rheinstein haben ihre Zinnen und die Wild­sträucher, die aus zerfallendem Gemäuer sprie­ßen, gespiegelt. Lautlos und unermüdlich hat der Rhein seine Wassermasse vorwärts ge­schoben. Nun stutzt er ein wenig vor der Kauber Pfalz, die unerwartet wie ein Klotz und doch voll künstlerischer Form in seiner Fahrrinne liegt. Unwillig spritzt er seine Wellen hoch, dannn greift er hier, nun greift er da herum und sieht, dah Weges genug zu beiden Seiten

geführt sei. Für das Reinigen von Ka­nälen innerhalb des Ortes wurden vier Not- ftandsarbeitern einmalig je 15 Mk. Sonderzu­lage genehmigt. Zwecks Vereinfachung der Re­klamation gegen Sonder st euern er­klärte der Gemeinderat sich damit einverstanden, daß bei Erlaß der staatlichen Sondersteuern durch das Finanzamt zugleich diejenige der Gemeinde erlassen wird.

: Aus dem Dusecker Tal, 24. Juli. Der Schnitt der Sommerger st e hat nun auch in unserem Tal begonnen. Allerdings ist das Abmachen in diesem Jahre mit großen Schwierigkeiten verknüpft. Die meiste Frucht hat sich infolge der überaus starken Niederschläge der letzten Wochen gelagert, so dah mit Maschinen nur ganz wenig gearbeitet werden kann. Stellen­weise hat sich die Sommergerste so stark gelagert, daß der im Frühjahr mit gesäte Klee über die lagernde Frucht hinausgewachsen ist. Nur der Weizen steht bis jetzt noch aufrecht da. In großen Scharen fallen ungezählte Sperlinge in die Weizenfelder ein und picken die noch milchigen Körner von den Aehren ab. Eine plan­mäßige Vernichtung der Schädlinge wäre drin­gend am Platze.

~ Hungen, 24. Juli. Unser Städtchen hat sich ein neues Schwimmbad geschaffen. Zwar ist an Badegelegenheiten hier kein Man­gel. Außer dem in der neuen Schule ganz modern eingerichteten Bad, das in der Haupt­sache für das Winterhalbjahr in Betracht kommt, steht noch die Horloff zur Verfügung, in der sich schließlich doch nur die Schulkinder und allen­falls die Jugend tummeln tonnten. Wer schwim­men wollte, mußte sich schon zu denDrei Teichen" bequemen, einem etwa >Stunde von unserer Stadt im Walde nach Nonnenroth zu idyllisch gelegenen Plätzchen, das kein Natur­freund auf einem Sonntagsausslug zu besuchen versäumen sollte. Hierhin sah man an Sommer­tagen die Kinder und in den Abendstunden noch in rascher Fahrt auf den Rädern die Jugendlichen eilen. Aber die für die Kinder, besonders die Nichtschwimmer, durch die stellenweise große Tiefe der Teiche bestehende Gefahr des Ertrinkens und die durch die weite Entfernung bedingte Un- Möglichkeit der Beaufsichtigung oder eventuellen Rettung, sodann auch die Befürchtung, daß nach der meist sehr raschen Fahrt dorthin ein Baden­der in den kühlen Fluten einem Herzschlag er­liegen kann, veranlaßte eine Anzahl Freunde der Jugend, nach einem praktisch gelegenen Schwimm­bad Ausschau zu halten. Die bereits mehrere Jähre zurückliegenden Anregungen von Schul­vorstand, Mitgliedern des Turnvereins und an­deren Gemeindegliedern, die sich für die Jugend interessieren und an ihr arbeiten, haben dann im vorigen Jahre praktische Gestalt gewonnen. Der Stadtvorstand ließ noch im letzten Herbst den einen der bei der O b e r m ü h l e gelegenen, ehe­mals herrschaftlichen Fischteiche ausheben, betonieren und zu einem etwa 40 Meter lan­gen und 20 Meter breiten Schwimm­bad ausbauen. Das Bassin, das stets durch frisch zusließendes Wasser gespeist werden kann, besteht aus einem flacheren Teil für Kinder und Nichtschwimmer und einem durch ein starkes Drahtgitter davon getrennten tieferen Teil für geübte Schwimmer. Nachdem im Vorsommer die endgültige Fertigstellung erfolgt und in letzter Zeit auch noch ein Aus- und Ankleideraum mit zwölf Zellen geschaffen toorben ist, konnte in diesen Tagen der Badebetrieb ausgenommen werden. Wie sehr man einem bestehenden Be­dürfnis entgegengekommen ist, geht aus der star­ken Benützung durch Kinder unö Erwachsene her­vor. Der Stadtvorstand, der trotz Geldknappheit und Kreditnot die Kosten für diese Einrichtung nicht scheute, hat sich durch sein Verständnis für die Forderungen der Gegenwart, der körperlichen Ertüchtigung auch auf diesem Gebiete, damit selber ein schönes Denkmal gesetzt und sich deni aufrichtigen Dank vieler in der Gemeinde er­worben.

Kreis Friedberg.

4= Wohnbach. 24. Juli. Hier hat man mit dem Schnitt der Sommergerste begonnen. Da ein großer Teil der Frucht sich gelagert hat, ist die Aberntung mit der Maschine fast unmög­lich. Korn und Weizen haben bis jetzt noch ihren Stand behalten. Der Schnitt des Kornes wird in den nächsten Tagen ebenfalls beginnen. Die Kartoffeln stehen sehr gut, auch die Dickwurz haben sich gut entwickelt. Klee und

frei ist. Und ohne langes Verweilen gleitet er weiter. Erst als die Lurley ihn mit ihrer Felsenbastion zur Seite schiebt, begehrt er auf. .Ungeftüm windet er sich durch die finstere Enge. Der Rheinfels dehnt sich in erhabener Weite über St. Goar. Die Marksburg schiebt sich auf schlankem Kegel mit majestätischer Ruhe gelassen aus dem Gebirtzsland heraus. Und plötzlich liegt der graugrün leuchtende Ehrenbreitstein, ein zerrissener Block mit scharfen Rippen, quer vor der Moselmündung.

Quecksilbrig in ihrem Oberlauf, mit gemäch­licherem Schritt im unteren, breit sich dehnenden, von {abartigen Gebirgsvorsprüngen oder schwin­delnden Klippen zerschnittenen Tale ist die Nahe dem Rhein bei Bingen zugepilgert. Ein lichtes Kind in grünfunkelndem, demantbesehtem Gewand hat sich die Lahn um tunneldurchbohrte Berge und durch frohlockende Wiesengründe geschlängelt. Mit blauleuchtendem Mantel ist die Mosel an der altehrwürdigen Bischofsstadt Trier vorbei im steilen Einschnitt zwischen Eifel und Hunsrück unter schwindelhohen Weinbergterrassen zum Deutschen Eck gewallt. Nun sprudelt über vulkan- heiße Tiefen des Erdinnern, an massigen Stein- wänden und malerisch schroffen Felsspitzen die Ahr vorbei.

Ein Tal so schön wie das andere, und keines dem andern gleich.

Und Sage und Märchen geben sich die Hand. Von Worms bis Tanten, von Siegfrieds Sieg über den Drachen am gewaltigsten Felsen, der den Rhein überragt und der den Eingang hütet ins Reich der sieben Zwerge in den sieben Bergen bis zu der Heimat seines Mörders Hagen von Tronje aus dem Drohntal, das sich vom Huns­rück zu der Mosel neigt. Vom Straßburger Münster bis zum Kölner Dom reiht sich ein Gotteshaus ans andere. Von seiner Burg, die jetzt zerfallen ist, zog der Ritter gewappnet ins Tal zu Krieg und zum Turnier. Die Pfalz bei Ingelheim und die Pfalz bei Heidelberg sind nur ein paar der Fürstenhöse, die die Hänge der Täler und die Höhen über den Flüssen krönten und neben den vieltürmigen Klöstern wie Dern- hafen bei Camp am Rhein und Maria Laach am Eiselsee die Pflanzstätten der Wissenschaft und Kunst waren.

sonstiges Futter steht ebenfalls prächtig, so dah der Landmann zufrieden fein kann.

Kreis Büdingen.

?" Nidda, 24. Juli. Die hiesige Gen­darmeriestation läßt sichs seit einiger Zeit angelegen fein, die Fahrtgeschwindig­keiten der Autos und Motorräder innerhalb der Ortsdurchfahrten einer scharfen Kontrolle zu unterziehen. Don der Bevölke­rung wird diese Maßnahme lebhaft und dankbar begrüßt. Man beginnt, bereits ihre Wirkung zu spüren. Der Autoverkehr ist hier besonders stark, da Nidda im Kreuzungspunkt der Straßen Lau­terbachSchottenFrankfurt und GießenGeln­hausen liegt. Da der Verkehr sich auf vielfach recht schmalen Ortsstraßen abwickelt, ist es un­bedingt notwendig, daß die Passanten vor rasen­den, rücksichtslosen Führern geschützt werden.

]:[ Gelnhaar, 24. Juli. Die für die Zeppelin-Eckener-Spende veranstaltete Haussammlung ergab in unserer Gemeinde 15,40 Mark, ein Ergebnis, das bei der jetzigen Ar­beitslosigkeit als befriedigend angesehen wer­den kann.

th. L e i d h e ck e n, 24. Juli. Trotz der un­beständigen Witterung haben die hiesigen Land­wirte mit der Ernte der Sommergerste begonnen. Leider muß fast alle Frucht mit der Hand abgemacht werden, da durch die Regengüsfe der letzten Zpit die Halme sich gelegt haben und mit Maschinen schwer abzumachen sind.

Kreis Alsfeld.

ck. Aus dem Ohmtal, 24. Juli. Die Regenfalle der letzten Zeit haben die Ge­treidefelder in unserer Gegend, die durch die früheren Niederschläge schon gelitten hatten, noch mehr zu Boden gedrückt. Die Frucht sieht jetzt sehr bedenklich aus und läßt die Ernte- hoffnungen nicht allzu günstig erscheinen.

Preußen.

Kreis Wetzlar.

0 Wetzlar, 24. Juli. Der Kreis Wetzlar erhebt für das laufende Rechnungsjahr sowohl von den innerhalb als auch außerhalb des Kreises woh­nenden Jagdpächtern einheitlich eine Kreis­jagdsteuer von 15 Prozent.

00 Lützellinden, 24. Juli. Der Antrag der hiesigen Burschen auf Abhaltung des Kirch- weihfestes in diesem Jahre wurde vom Ge­meinderat abgelehnt.

<- Hochelhei m, 24. Juli. Einen erfreu­lichen Anblick bietet der gute Staüd der Feldfrüchte in unserer Gemarkung. Obwohl die Lagerschäden in den Getreidefel­dern bedeutend größer sind als in früheren Jahren, bestehen doch recht günstige Aussichten für eine gute Ernte, was namentlich auch vom Weizen gilt, der wegen der Rostkrank­heit, die er jetzt bei der feuchten Witterung vollständig überwunden hat, anfänglich eine schlechte Ernte verhieß. Die Hackfrüchte haben sich infolge der feuchten Witterung gut heraus­getan, dagegen bildet die Obsternte in diesem (Zahr das Schmerzenskind der Landwirte. Die Deerenob st ernte im Garten ist befriedigend verlaufen.

<> Hochelheim, 24. Juli. Die M au l- und Klauenseuche ist hier erloschen. Das ßanbratgamt hat die Sperrmaßnahmen aufge­hoben.

O Oberkleen. 24. Juli. Der hiesige TurnvereinFrisch auf" blickt in diesem Jahre auf fein 1 5jährr ges Bestehen zurück. Das Jubiläum wurde durch eine schlichte Feier innerhalb des Vereins begangen. Der Verein trägt sich mit der.Absicht, noch in diesem Jahre mit dem Dau einer Turnhalle zu be­ginnen. Er beabsichtigt, zu diesem Zwecke im Herbst eine Wertlotterie zu veranstalten. Dieser Tage sand hier die Versteigerung des diesjährigen Lohholzes statt. Es wurden für den Haufen Lohholz (5 Rm.) 10 bis 18 Mk. bezahlt.

0 Reiskirchen, 24. Juli. Die Spruch­kammer bei dem Landestulturamt in Kassel hat durch rechtslrästigen Beschluß die Umlegung der hiesigen Feldmark unter Zu­ziehung der Or 16 läge für zulässig er­klärt und als Umlegungsbezirk die ganze Gemarkung Reiskirchen festgesetzt. Das Kulturamt zu Wetzlar wird nunmehr sofort mit der Einleitung des Verfahrens beginnen.

Die Wahl der Deputierten soll in einem schon in der nächsten Woche stattfindenden Ortstermin ftattfrn&en.

-5- Weidenhaus en, 24. Juli. Die T o ch- t e r des verstorbenen Pfarrers Gaul von Vol­pertshausen, die in Gießen wohnhaft ist, stürzte hier mit ihrem Fahrrad so unglücklich, daß sie einen doppelten Armbruch, sowie erheb­liche Kopfverletzungen davontrug. Der herbeigerufene Arzt mußte die Verunglückte nach Gießen in die Klinik überführen. Ein junger Mann, der bei dem Unfall zugegen war und schnell den Arzt herbeirufen wollte, verun­glückte gleichfalls mit dem Fahr­rad, so daß auch er ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen mußte.

OO Weidenhaufen, 24. Juli. Wie vor kurzem imGießener Anzeiger" berichtet, sind von hier aus Bestrebungen im Gange, den Ge- sam t schulv er b and Volpertshausen- Weidenhausen a u f z u lösen. Aus dem Umstand, daß die Schulaufsichtsbehörde Verhand­lungen über die vermögensrechtliche Auseinander­setzung zwischen der hiesigen und der Gemeinde Volpertshausen eingeleitet hat, kann man schlie­ßen, daß dem Anträge der hiesigen ©emef^be auf Auflösung des Verbandes voraussichtlrch stattgegeben werden wird. Das in er t s ° Haufen stehende Schul Haus wurde bereits durch das Kreisbauamt zu Wetzlar abgeschätzt. Heber die Höhe der der hiesigen Gemeinde zu zahlenden Anfindung konnte bisher eine Einigung mit der Gemeinde Volpertshausen nicht erzielt werden. Die Schulgrundstücke gehören in jedem Falle der Gemeinde, in deren Gemarkung sie belegen sind. Das Schulhaus hat insofern auch historischen Wert, als es sich um das in Goethes W erther" genannte Jägerhaus handelt, in dem Goethe mit Charlotte Buff seinerzeit den Jägerball besuchte. Das Haus ist aus diesem Grunde vom Goetheverein Wetzlar mit einer Gedenktafel versehen worden. Sofern die Aus­lösung des Verbandes Wirllichkeit werden sollte, beabsichtigt die hiesige Gemeinde, den Schul-' unterricht zunächst in einem früheren Wirts­haussaale zu erteilen, der von der Schulaufsichts­behörde bereits besichtigt und als Provisorium als geeignet bezeichnet wurde. An den Bau eines neuen Schulhauses gedenkt die Gemeinde dann heranzugehen, wenn ihr vom Staate eine angemessene Daubeihilse gewährt wird und sie von der Gemeinde Volpertshausen eine ange­messene Abfindungssumme für das Schulgebäude erhält.

K öl schh auf e n, 24. Juli. Eine Zierd e unseres Ortes ist die mächtige, alte Brun­nenlinde, die inmitten des Dorfes steht. Da sich die weitverzweigten starken Wurzeln wegen eines daneben befindlichen Brunnens nach dieser Richtung nicht ausbreiten können, hat man den Daum auf dieser Seite durch eine Mauer gestützt. Der Stamm hat in der Höhe von 1 Meter einen Umfang von 2,80 Meter, die Höhe des Baumes beträgt nahezu 20 Meter. Bereits vor dem Kriege wurde die Linde, deren Alter man auf 250 Jahre schätzt, durch eine Verfügung des Re­gierungspräsidenten unter Denkmalsschutz gestellt.

Kreis Biedenkopf.

XX Niederweidbach, 24. Juli. Unser Dorf, in Urkunden Webach genannt, hat eine spätgotische Wallfahrtskirche, deren Schiff nach einer über dem Südportal einge- meihelten Zahl im Jahre 1498 erbaut worden ist. Sie ist eine zweischiffige Hallen­kirche, die in hiesiger Gegend sehr selten vor­kommt. Der Flügelaltar hat sich aus der katho­lischen Zeit erhalten und ist ein bedeutendes Werk der späteren Gotik, wohl gleichen Alters mit dem Schiffe. Unter einer dreiteiligen Baldachin- Architektur steht Maria mit dem Christuskinde, rechts der Bischof Nikolaus von Myra mit der Bibel und drei Broten, links Jakobus der Jün­gere in Pilgertracht. Die Bilder der Flügel, welche sehr wertvoll sind, zeigen die heilige Familie, die Himmelfahrt Maria in Gegenwart der Apostel und ihre Krönung durch Gott Vater und Christus. Die Bordwand des Chores ziert ein schönes Wandtabernakel, das auf einer ge­drehten Säule ruht. Der Schrein ist links und rechts von je einer übereck gestellten Fialen begleitet. Hiernach ist unser uraltes Kirchlein eine sehr interessante Sehenswürdigkeit im ehe­maligen hessischen Hinterlandkreis.

Heute ist der Rhein die Schlagader des deutschen Wirtschaftslebens. Die Fabrikessen am -User, die Dampferschlote auf dem Strom hauchen den heißen Atem in die Lust, den der Wirt- fchaftskörper ausstößt.

Wie Lebensringe hat die Zeit tzie Schichten des deutschen Ringens am Rhein bewahrt. In den Burg- und Klosterruinen, in den Kunst- und Bildungsstätten, in den Berg- und Hüttenwerken, in den Schiffen, die rheinauf, rheinabwärts schwimmen.

Im Kampfe und im Ringen hat sich des Rheines Schicksal entfaltet. Aber der verklärende Glanz der Poesie lag wie die leuchtende Sonne auf allem, was am Rhein geschah.

Können Vögel zählen?

Die Frage nach dem Zählvermögen der Vögel und der Tiere überhaupt wird immer wie­der aufgeworfen, und es sind gerade in letzter Zeit wieder einige, auf den ersten Blick erstaun­liche Beispiele angeführt worden, die für einen Zahlensinn der Vögel sprechen sollen. Dieser Anschauung aber tritt Pros. Hempelmann auf Grund der neuesten Forschungen der tierpsycho­logischen Wissenschaft entgegen. Er betont, daß alle exakten Untersuchungen gezeigt haben, daß kein Tier zählen kann, auch nicht einmal der Menschenaffe, bei dem sich doch schon einige Spuren von Einsicht und Intelligenz zeigen. Gerade bet den Hühnern, die man besonders gern alszahlende Wesen" anführen will, ist dies durch Versuche nachgewiesen worden. Man brachte die Hühner vor eine Reihe von Futter­körnern, von denen jedes zweite auf dem Unter­grund feftgeleimt war, während die anderen Körner lose dazwischen lagen. Die Tiere lernten sehr rasch, alle zwecklosen Pick-Bewegungen nach den unbeweglichen und daher für sie wertlosen Körnern aufzugeben, obwohl sie den Leim nicht sehen konnten. Auch als zwei aufeinanderfol­gende Körner befestigt wurden, so daß nur jedes dritte Korn lose war, fanden sie sich bald zurecht: etwas mehr Zeit brauchten sie, als das dritte Korn festgeklebt war und zwei nebeneinander- liegende lose Körner ausgenommen werden konn­

ten. Noch weitere Erschwerungen, wie unregel­mäßiger Abstand der Körner, Veränderung in der Richtung der Körnerreihe usw. wurden über- wunden, und nach 15 bis 30 Versuchen lösten die Hühner die Aufgaben fehlerlos, d. h. mach­ten keine überflüffigen Pickbewegungen mehr. Sie versagten aber stets, wenn es sich darum han­delte, das jeweils vierte Reiskorn zwischen je drei festgeklebten zu picken. Daraus darf man nun nicht etwa schließen, daß das Huhn bis zwei, aber nicht bis drei zahlen kann, vielmehr muß angenommen werden, daß die Hühner im­stande sind, Gruppen von zwei festgeklebten Kör­nern noch als Einheit aufzufassen, aber nicht mehr Gruppen von drei solchen Element em Die Hühner haben überhaupt eine gute Begabung in der Unterscheidung der Gröhe und Menge. Wenn man fie vor zwei ungleich großen Hausen von Futterkörnern seht, werden sie stets sich dem größeren zuwenden. Aber dah dabei,kein Zählen stattfindet, ergibt sich schon aus der Schnelligkeit der Entscheidung Der Gesichtssinn des Huhnes ist von großer Schärfe: so werden Körner von nur ein Zehntel Millimeter Durchmesser mit völ­liger Sicherheit mit einer Bewegung aufgepickt. Ein anderes Beispiel, das man immer wieder für den Zahlensinn der Vögel anführt, ist die Tat­sache, daß brütende Vögel, denen man während ihrer Abwesenheit ein Ei aus dem Gelege fort­nimmt oder zufügt, sich bei der Rückkehr beun­ruhigt zeigen und manchmal sogar die Brutstätte verlassen. Dogelmütter, denen man eines ihrer Jungen toegnimmt, zeigen durch ihr Gebaren an, daß sie den Verlust bemerken. Dabei handelt es sich aber nie um die Feststellung der Zahl, son­dern um die Beobachtung des Gesamtbildes, das durch Wegnahme der Eier oder Jungen ver­ändert wird. Zwar gibt es Vögel, die sich in ihrem Drutgeschäst picht stören lassen, wenn man die Eier ihres Geleges durch bunte Färbung ver­ändert. Andere Vögel dagegen, besonders die deutschen Singvögel, bemerken sofort die Ver­änderung des Gesamtbildes durch die ungewöhn­liche Färbung-eines oder mehrerer Eier und wer­fen diese aus dem Nest. Dabei wird die Zahl der einzelnen Gegenstände nicht beachtet, sondern nur das andersartige Gesamtbild stört den Vogel.