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die Dinge denkt, dafür ist vielleicht ein Anhalts­punkt, daß er unter allen Umständen einen Gene­ral zum Kriegsminister haben wollte. Wahrschein­lich nicht so sehr, um mit dem General zusammen den Heeresetat zusammenstreichen zu können, son­dern um einer Unterstützung der Armee in dem kommenden schweren Ringen sicher zu sein.

Denn Caillaux will offenbar ganze Arbeit machen. Er ist, das hat er früher gezeigt, der Mann, der den Mut zur Unpopularität hat. Die nächsten Tage werden ja zeigen, in welcher Richtung sich seine Reformpläne bewegen. Sie werden, wenn wir uns nicht sehr täuschen, für den französischen Rent­ner ein schreckliches Erwachen bedeuten. Denn was Caillaux will, ist äußerlich zwar eine Fortsetzung der Inflation, soweit, bis der Ausgleich zwischen der Währung und denr inneren Wert des Franken gefunden ist. Das heißt also, er muß und will den Franzosen klarmachen, daß sie zur Zeit nicht, wie sie meistens glauben, mitten in einer starken Teue­rung leben, daß sie vielmehr an sich sehr billig leben, weil der Jnlandpreis künstlich gegenüber der Welt­geltung des Franken niedrig gehalten wird. Erfolgt aber dieser Ausgleich, dann bedeutet es, daß die ganze Rentnerschicht dauernd auf etwa neun Zehntel ihres Vermögens und ihres Eigentums verzichten und versuchen muß, sich mit dem letzten Zehntel ihr Leben einzurichten. Daß sie dieses letzte Zehntel wenigstens dabei rettet, dafür wird sie, sobald ihr einmal die Augen über die Größe des Verlustes oufgehcn, gar kein Verständnis haben. Das Finanz­programm Caillaux' bedeutet deshalb, wenn er ernst macht, eine starke Erschütterung der ganzen inneren Struktur des französischen Staates. Es ist aber doch wahrscheinlich das einzige Heilmittel, um die fran­zösische Währung vor Der Katastrophe zu retten. Für die deutsche Wirtschaft würde, das sei wenig­stens angedeutet, eine solche Entwicklung nicht un­günstig sein. Frankreich lebt von dem Valuta-Dum­ping, das an sich einen Ausverkauf des National­vermögens bedeutet, aber eine Unterbietung aller anderen Konkurrenz mit sich bringt. Der Ausgleich zwischen Inland- und Auslandwährung würde heißen, daß die französische Industrie dieses Dum­ping nicht fortsetzen kann und unter gleichen Be­dingungen, wie auch Deutschland, arbeiten muß, wodurch sich die Auslandmöglichkeiten für unsere eigene Industrie erheblich vermehren würden.

Der französische AabinettZrat.

Paris, 26. Sunt (WTB. Funkspruch.) Finanzminister Caillaux gab im gestrigen Kabinettsrat lediglich ein vollständiges Ex­pose über die Finanzlage. Das Kabinett vertrete den Standpunkt, daß die Interpella­tion über das Finanzprogramm bis zum 6. Juli aufgeschoben werden müßte. Wenn die Kammer es wünsche, soll jedoch schon vorher eine Debatte über die allgemeine Politik der Regierung und die Zusammensetzung des Kabinetts stattfinden. Aus dem Expose, das Finanzminister Caillaux gegeben habe, ergebe sich, daß das Schatzamt über die notwendigen Mittel verfüge, um seinen Verpflichtungen nach­zukommen. Die Regierung beabsichtigt auch Maßnahmen zu treffen, um die Stärke der De­satzungstruppen herabzusehen.

Die Sitzung dauerte etwa drei Stunden. Die Regierung beschloß, sich am Dienstag der Kammer vvrzustellen. Caillaux trug sein Finanzprogvamm in großen Umrissen vor und verwies erneut auf die Rotwendtgkeit weiterer Ersparnismaßnahmen in sämtlichen Ministerien. Es wurde beschlossen, die Kommission für Einschränkungen in ihrer bis­herigen Zusammensetzung weiter bestehen zu lassen. Der Minister des Innern wurde ermäch­tigt, einen Gesetzentwurf einzubringen, der die Aufhebung einer Reihe zweiter Landratsbeamten st eilen vorsieht. Der Handelsminister berichtete über den S t a nd der deutsch-französischen Wirts chafts- verhandlungen. Samstag vormittag um 10 lifjr wird ein Ministerrat zusammentreten. Man schreibt der Regierung die Absicht zu, am Dienstag eine Gesetzesvorlage einzubringen, wo­nach sie durch Ermächtigungsgesetz in die Lage verseht wird, alle Ersparnis maß­nahmen nach Gutdünken zu beschließen.

Finanzminister Caillaux wird dem heute vormittag stattfindenden Ministerrat Vorschlä­gen, den bisherigen Gouverneur der Dank von Frankreich, R o b i n e a u, durch den derzeittgen Direktor der Dank von Algerien zu ersehen.

Die ersten Schwierigkeiten für Caillaux.

Paris, 25. Juni. ($U.) Trotz der gün­stigen Annahme der neuen Regierung Driand-Caillaux durch Presse und Par­lament zeichnen sich bereits heute die e r st e n Schwierigkeiten des Kabinett es ab. die wahrscheinlich zunächst in den Arbeiten des Sach­verständigenausschusses liegen. Für den Fall, daß die Regierung die Vorschläge des Sachver­ständigenausschusses annimmt, entgleitet sie, wie derFigaro" ausführt, ihrer eigenen Finanz­politik, im anderen Falle setze sie sich der Ge­fahr aus, die moralische Unterstützung des Sach­verständigenausschusses zu verlieren. Roch ernster sieht die Situation nach demQuotidien" aus, der durchblicken läßt, daß die etwaigen Ab­sichten der Regierung, den Achtstundentag anzutasten und die Gehälter abzu­bauen zu einem schweren Konflikt führen könn­ten. DerQuotidien" macht gleichzeitig einige Angaben über den Finanzplan des Sach­verständigenkomitees. Als Stabili­sierungskurs des Sachverständigenkomitees wird eine Rotierung des PfundesSterling zwischen 16 0 und 180 Franken ange­nommen. Die Regelung der schwebenden Schul­den soll einem Konsortium französi­scher Großbanken überwiesen werden. Es sollen hierfür u. a. die deutschen Eisen- bahnobligationen in Frage kommen. Die Bank von Frankreich soll ferner dem Danlen- Konsortium Kredite einräumen. Das Komitee sei ferner der Ansicht, daß die Schwierigkeiten des Staats-Schatzamtes nur vorübergehend seien. Es soll ihnen dadurch geholfen werden können, daß das Staatsschahamt Wechsel auf die Großbanken bei der Bank von Frankreich escomptieren läßt. Rach demEcho de Paris" hat Caillaux in einer Unterredung mit Sergent angedeutet, er werde die Anregung des Eachverständigenkomi- tees berücksichtigen. Der Bericht wird in etwa Licht Tagen vorliegen.

Aus der Finanzkommisfion des Senats.

Paris, 25. Juni. (TU.) Die Finanz- kommissivn des Senats ist unter dem Vor­sitz von Lacroix heute nachmittag Aufammen- getreten. Der Präsident verlas einen Brief vom 24. Juni, in dem auf das Gesetz vom 20. Juli 1920 hingewiesen wurde, wonach die Schaf­fung neuer Ministerien. Unterstaats­sekretariate, Oberkommissariate usw. nur durch einen besonderen Gesetzentschluh und nach vor­hergehender Verabschiedung des betreffenden Ge­setzes vorgenommen werden könne. Lacroix stellte fest, daß die aufeinanderfolgenden Regierungen die starke Tendenz hatten, sich über diese Desttm- mungen hinwegzusetzen. Die Kommission hat dar­aufhin einstimmig ihren Präsidenten und den Berichterstatter ermächtigt, Protest schritte bet derRegierungzu tun. Rach einer halb­amtlichen Meldung wird der Bericht des Sachverständigenkomitees nicht vor acht oder zehn Tagen fertig sein.

Gut unterrichtete amerikanische Kreise deuten an, daß der Generalagent für Repara­tionszahlungen, Gilbert, Richtlinien erhalten hat, die er im französischen Finanzaus­schuß durchsprechrn will, um Frankreich zur Annahme eines Dawesplanes zu ver­anlassen, der die Eisenbahner rentabler gestalten und die Beteiligung der Industrie zur Herbei­führung der Stabilisierung in die Wege leiten, soll. Man vermeidet jedoch eine Antastung! der französischen Souveränität schon deshalb, weil Frankreich auf solche Pläne nicht eingehen würde.

NeuersranzösifcherErfolg in der Abrüstungssrage.

Genf, 26. Juni. (TU.) In dem Unterkomitee der militärischen A brü st ungsko in mis­st o n wurde am gestrigen Freitag über die Frage verhandelt, ob das Kriegsmaterial gleich­wertig neben den Mannschaftsbeständen als Hauptkriterium für den Rüstungs - stand eines Landes angesehen werden müsse. In der sehr lebhaften Diskussion über diesen Punkt wurde verschiedentlich darauf hingewiesen, daß das Kriegsmaterial der modernen Kriegsführung eine entscheidende Rolle spiele und daher wie die Mannschaftsbestande zum Vergleich des R ü st u n g s st a n d e s der Länder genommen werden müsse. Die französischen Delegier­ten erhoben jedoch hiergegen heftigen Ein­spruch und verlangten, daß in erster Linie nur die aktiven Truppenbestände der Länder miteinander verglichen werden müßten, Material­bestände jedoch nur als ergänzender Faktor zu werten seien. Die Abstimmung ergab eine A n - nähme des französischen Antrages mit neun gegen acht Stimmen bei drei Stimmenthal­tungen. Für den französischen Antrag stimmten, abgesehen von der Kleinen Entente, Polen, Belgien, Italien und England. Die deutschen Delegierten stimmten gegen den französischen Antrag. Es bedarf keines Hinweises darauf, daß eine endgültige Annahme dieser These von weittragender Bedeutung für die gesamten kommenden Ab­rüstungsverhandlungen sein würde. All­gemein wird darauf hingewiesen, daß der Aus­schluß des Kriegsmaterials aus den Rüstungsbestän­den die Abrüstungsverhandlungen von vornherein illusorisch machen würde. Die kom­mende Debatte in der Unterkommission werde jetzt die Frage zu klären haben, was unter Mann- schaftsbe ständen und ausgebildeten Mannschaften zu verstehen ist. Von französi­scher Seite wird versucht, ihre Truppen, die sich in den er st en sechs Monaten der Ausbildung befinden, nicht den aktiven Truppen zuzuteilen. Die französischen Heeresbestände würden damit eine Verminde­rung um ein Drittel erfahren. Nach der französischen Auffassung können auch die in den Kolonialgebieten, also Marokko und Sy­rien, befindlichen Truppenkontingente den Heeres- beständen nicht zugerechnet werden, so daß nach dieser Methode die Höhe der französischen Trup­penstärke außerordentlich gering sein würde. In dem Untenomitce wurde gestern Der Bericht des aus fünf Mitgliedern bestehenden Redaktions- ko mite es angenommen. Die Arbeiten dieses Un- terkomitees find damit abgeschlossen. In den Ver­handlungen der letzten Tage war von deutscher Seite der englische Vorschlag erörtert wor­den, die Personalbestände der Luft- st r e i t f r ä f t e als Vergleichsmaßstäbe zu verwen­den. Die Franzosen lehnten dies jedoch ab und for­derten Aufnahme der zivilen Flugzeugbestände in die Personalbestände der Luftstreitkräfte. Die Ent­scheidung darüber wurde verschoben.

Rußlanddsbatts im englischen Unterhaus.

Eine Erklärung Chamberlains.

London, 25. Juni. (TU.) Die E r ö r t e - rungderrussischen fragen im Unter­bau f e führte heute nachmittag zu lebhaften Auseinandersetzungen. Mehrfach trafen die Ge­gensätze derartig hart aufeinander, daß der Präsident des Hauses eingreifen mußte. Ein- geleitet wurde die Debatte von dem Bruder des Unterstaatssekretärs für Auswärtige Angelegen­heiten, Oliver Sodcr Lampson, der die Me­thoden der Moskauer Regierung mit ungewöhnlicher Schärfe kritisierte. Er bezeichnete die Tätigkeit der russischen Handelsagenten in England als Maulwurfsarbeic. Darauf beschäf­tigte sich Loder-Lampson mit den großen Ver­lusten, die die englische Geschäftswelt und Eng­land im allgemeinen in Rußland erlitten hätte. Das Geld, das Rußland jetzt zur Unterstützung des Generalstreiks gesandt habe, sei früher Eng­land gestohlen worden. Jetzt sei der Augenblick gekommen, Einhalt zu gebieten. Darauf ergriff Ponsonby für die Opposition das Wort. Riemals zuvor habe eine Regierung mit so arm­seligen Argumenten gearbeitet wie im vorliegen­den Falle. Unter Bezugnahme auf die Reden Churchills und Lord Birkenheads erklärte er, daß die Dorr ihnen gebrauchte beleidigende Sprache nicht nur gegen die guten Sitten ver­stoße, sondern eine schwere Verletzung der inter­nationalen Höflichkeitsformeln bedeute. Im Zu­sammenhang mit dem gestern über die englisch- russische Kommunistenkorrespondenz veröffentlichte Dlaubuch bezeichnete Lloyd George die an­gebliche Russengefahr als eine Lächer­

lichkeit. Die Revolution in Rußland sei eine Revolution gegen die grausam st e und feigste Korruption und Miß­wirtschaft, unter der jemals ein Volk ge­litten habe. Die gegenwärtige Regierung sei eine schreckliche Tyrannei, aber die neue Ty­rannei sei im Gegensatz zu der alten bestechlichen und verworfenen wenigstens leistungsfähig.

Darauf ergriff Sir Austen Chamber­lain das Wort zu der angekündigten Erklä­rung über die russisch-britischen Be­ziehungen. Auf die Vorstellungen aus kon­servativen Kreisen über die geheime Arbeit der Sowjetagenten in England erklärte Chamberlain, die britische Regierung habe allerdings ernstlichen Grund zu Be­schwerden über die Tätigkeit der Sowjetagenten und müsse außerdem fest­stellen, daß keine Veranlassung vorliege, Ver­handlungen mit den Russen über Handels- und andere Verträge einzu­leiten, solange nicht die Sowjetregierung sich dazu bequeme, Den bestehenden Abmachungen nachzukommen. Trotzdem wolle die britische Re­gierung nicht ohne weiteres alle Be­ziehungen abbrechen und sei nach wie vor bereit, Verhandlungen in jeder Weise zu erleich­tern. Ein offener Bruch würde die Mög­lichkeiten von Unruhen oder gar Re­volution im eigenen Lande vermehren und die schon an sich unsichere Lage in Europa um ein weiteres Gefahremnoment bereichern. Die Rede Chamberlains wurde von feiten Der Arbeiterpartei mit fteigenDer Er­regung begleitet unD es kam schließlich zu lärmenden Protesten, so daß die Sitzung geschlossen werden mußte.

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Im Zusammenhang mit Dem Konflikt zwi­schen Sowjetruhland und England verlautet in Moskau, daß Der russische Geschäfts­träger in London, Rosenholz, demnächst von seinem Posten abberufen werden soll.

Deutscher Reichstag.

Bei Der Eröffnung Der Sitzung gibt Präsi- Dent Löbe bekannt, Daß Das Gesetz über den Volksentscheid, Durch das ein Volksentscheid über Die Aufwertungssragen ausge­schlossen werDen soll, zurückgezogen wor- D e n ist.

Abg. Dr. Best (Völk.): Ist Diese Zurückzie- hung so zu verstehen, Daß nun Der Weg fü/r einen zweiten VollsentscheiD frei ist oDer ist Die Regierung im Gegensatz zu ihrem Gesetz­entwurf jetzt Der Meinung, daß ein solcher Volks­entscheid schon nach Dem bestehenden Recht un­zulässig ist?

Reichsinnenminister Dr. Külz gibt auf eine fragenDe Geste Des Präsidenten Durch Kopf­schütteln zu verstehen, Daß er Die Frage Des Abg. Dr. B e st nicht beantworten will.

Der auswärtige Ausschuß Des Reichstages beantragte Die Zustimmung z u Den Pa­riser Luftfahrtvereinbarungen mit den Alliierten.

Abg. von Freytag-Lohringhoven (Dtschn.) bezeichnet das Abkommen als durch­aus unbefriedigend. Die Schuld daran treffe nicht Die Deutschen Unterhändler, sonDern Die Entente. Die Deutschnationalen würden trotz ihrer BeDenken Dem Abkommen zustimmen.

Abg. Schmitz (Komm.) bezeichnet das Ab­kommen als einen neuen Schlag Der Entente gegen Das deutsche Proletariat. Die Kommunisten wür­den es ab lehnen.

Das Abkommen wird in zweiter und dritter Beratung gegen Die Stimmen Der Kommunisten angenommen.

In dem Gesetzentwurf über Die Aushe­bung Der Preistre.ibereiverord- nung unD Der Damit zusammenhängenDen Ver­ordnungen wird ohne Aussprache im Hammel­sprung mit 174 gegen 111 Stimmen Der Sozial­demokraten und Kommunisten angenommen.

Dann wird in der Beratung des Mieter- schutzgesehes fortgefahren. Ein Vertreter des Reichsjustizministeriums bezeichnet es als das Ziel Der Vorlage, zugleich mit Der von allen Seiten anerkannten Verlängerung Des Mieter- schutzgesehes auch eine Verbesserung Der bestehen- Den Bestimmungen zu erreichen.

Zu Den Anträgen auf Herausnahme Der ge­werblichen Räume aus Dem Mieterschutzgesetz bemerkt Der ReDner, daß man wohl darüber nicht binausgehen könne.

Abg. Lucke (W. Vg.) wendet sich gegen die Ausführungen des kommunistischen Redners. Das Mieterschuhgeseh sei ein grenzenloses Unglück für das deutsche Volk und für die deutsche Wirt­schaft.

Damit schließt Die allgemeine Aussprache. In Der nun folgenden Einzelberatung toenDet sich Abg. Hünlich (Soz.) gegen Die in der Vor­lage enthaltenen Erleichterungen Der Aufhebung des Mietsverhältnisses und wünscht Die Bei­behaltung Der bisherigen Bestimmung, wonach Die Räumungsklage erst bei zweimonatigem Rück­stand in der Mietsbezahlung zugelassen ist.

Abg. Ho klein (Korn.) bezeichnet Die neuen Bestimmungen als ein brutales Attentat auf die Mieterschaft und verlangt ihre Ablehnung.

Abg. Lucke (W. Vg.) empfiehlt nochmals seine schon in der allgemeinen Aussprache be­gründeten Anträge auf Einführung des Kün» cigungs- und Einspruchsrechts.

Üm 6V< Uhr wird die Weiterberatung auf Samstag 1 Uhr vertagt.

Preußischer Landtag.

Berlin, 25. Juni. Vor Eintritt in Die TagesorDnung beantragt Abg. M i l b e r g (Dn.), Daß ein deutschnationaler Antrag als erster Punkt auf Die Tagesordnung gesetzt werde, der auf den kommunistischen Ueberfall eines Dorfes an der hamburgischen Grenze am Volksentscheidungs- sonntag Bezug nimmt. Das Staatsministerium wird ersucht, oie Ruhe in jenem Landkreise zu garantieren. Bei einzelnen ^Ausführungen über das Vorgehen der Roten Frontkämpfer werden Dem Redner von den Kommunisten wiederholt beleidigende Zurufe gemacht.

Präsident Bartels ruft zwei kommunisti­sche Abgeordnete deswegen zur Ordnung. Der deutschnationale Wunsch auf sofortige Behand­lung ihres Antrages scheitert am Widerspruch Der Sozialdemokraten und Kommunisten. Gin Antrag des Abg. Heil mann (Soz.), die Be­sprechung der anläßlich der Hvchwasserkatastrophe eingebrachten Anträge noch heute vorzunehmen, scheitert am Widerspruch der Kommunisten.

Cs folgt Die zweite Beratung des Gesetzent­wurfes betreffend die Uebertragung der staat­

lichen Hafenanlag«»/ in Duisburg an eine Aktien­gesellschaft, an der Der Staat und die Stadl Duisburg beteiligt sinD.

Das Haus setzt Darauf Die Beratung Des Haushalts Der allgemeinen Finanz- Verwaltung fort.

Finanzminister Dr. Hoepker-Aschoff erklärt, Der Haushaltsplan, wie er aufgestellt wurDe, wies ein Gleichgewicht auf, das jedoch durch die inzwischen eingetretenen Ereignisse zer­stört wurde. An Ausgaben mußten 167 Mil­lionen mehr eingesetzt werden. Davon entfallen auf Die Erwerbslosenfürsorge 140 Millionen und auf Den Polizeietat 16,6 Millionen mehr als Der ursprüngliche Ansatz war. Es muß versucht werden, diese Mehrausgaben zu decken. Ins­gesamt glauben wir durch die Ginnahmeerhöhun- gen 71,9 Millionen gewinnen zu können. Weitere 25 Millionen wollen wir aus jenem Staatsfonds entnehmen, Der seinerzeit für die Rotgelddek- kung bereit gestellt war und keine Verwendung fand, weil das Rotgeld in völlig entwertetem Zustand zurückgezahlt wurde. Durch diese und andere Maßnahmen werden wir wieder 52 Mill, erhalten. Ferner sollen die Ausgaben um etwa 33,9 Mill, gekürzt werden. EnDkch^erden gewisse einmalige Ausgaben des Etats für werbende Zwecke gestrichen werden. Wenn wir all dies zusammenrechnen, so ergibt sich etwa eine Ver­besserung von 171 Millionen, wodurch die Mehr­ausgaben von 167 Millionen gedeckt werden und noch ein Ueberschuß verbleibt. Dabei bleibt aller­dings noch ein Fehlposten offen, da das Haus­zinssteuergesetz nach der Form dar Dritten Le­sung nicht Die Ergebnisse für den Staat bringen wird, mit Denen wir bei Ausstellung des Etats glaubten rechnen zu können. Unter Berücksichti­gung dieser Tatsache würde immer noch ein Fehl­betrag im Gesamtbetrag von über 63 Millionen vorhanden sein. Der Minister meint, für 1926 gewisse Ersparnisse bei Den Hoheitsverwaltungen machen zu können. Weitere Belastungen von Steuern und Abgaben würden aber auf Die Dauer unvermeidlich sein, um die außerordentlich hohen Aufwendungen für die Erwerbslosen zu decken. Die Beiträge für die Erwerbslosenfürsorge müß­ten dann aus einer Reichsausgleichskasse ent­nommen werden, Die aus einer Anleihe gespeist werden mühten. Für das Finanzministerium gelte als Richtschnur Die Verfafsungsbestimmung: Keine Ausgaben ohne Deckung! Die Zentral^ sierungsbestrebungen Der Deutschen Girozentrale könne die Regierung nicht unterstützen. Trotz allem Dürfe man mit einer gewissen Zuversicht Der Zukunft entgegensehen. (Beifall.)

Abg. Kries (Dn.) glaubt nicht, daß Die für Die Erwerbslosenfürsorge eingestellten 140 Mil­lionen ausreichen werben und macht BeDenken gegen Die Deckungsvorschläge des Finanzministers geltenD. Insbesondere die trostlose Lage Der Landwirtschaft, Die durch Die jüngste Hochwafser- katastrophe noch beDeutenD verschlimmert worden sei, lasse starke Zweifel aufkommen, ob Die 34 Millionen ©aatgutfreDlte Der Landwirtschaft noch in diesem Jahre zurückgezahlt werden könnten. (Sehr wahr rechts!) Aus Dem Arbeitsmarkt fei für Die nächsten Monate keine Besserung zu er­warten. ReDner wendet sich weiter gegen Die Einfuhr von Frühkartoffeln und fonftiger Lebens­rnittel, sodaß Die heimischen Erzeugnisse nicht ab- gesetzt werden könnten.

Abg. Dr. Waentig (Soz.) glaubt, daß die derzeitige internationale Wirtschaftskrise mit zu Der allgemeinen Abrüstung bis zu einem ge­wissen Grade führen werde. (Lachen rechts.) Richt j?der könne den Optimismus des Finanzministers teilen. Der Minister habe kein Wort über die zukünftige Gestaltung des Reichsfinanzausgleiches gesagt, die für Preußen eine Lebensfrage bedeute. Den größeren Ausgaben Der LänDer stehe keine größere finanzielle Unterstützung seitens Des Reiches gegenüber.

Abg. Dr. Schwering (Ztr.) meint, man könne trotz aller Rot nicht von einer trostlosen Finanzlage Preußens sprechen. ReDner Dankt Dem Minister für Die energische Vertretung der Länder gegenüber Dem Reich.

Abg. Dr. Leidig (2). 93.): Heber eine vernünf­tige Sparpolitik läßt sich reden. Der Redner be­kämpft die Verwendung der 23 Millionen aus dem Notgeldfonds für die Etatsentlastung. Gegen die Versuche, durch Beschränkung der Hoheitsverwaltun­gen noch größere Ersparnisse zu erzielen, bestehen große Bedenken. Auch bei der Zusammenlegung der kleinen Mietgerichte übersteigen die wirtschaftlichen Schäden die etwaigen Ersparnisse. Der große Er- folg der preußischen Anleihen ist ein Zeichen für die Lebenskraft Preußens. Grundsätzlich halten wir Auslandanleihen nur für zulässig, wenn sie für werbende Zwecke ausgegeben werden. Das Problem der Erwerbslosenfürforge könne nur unter Mit­wirkung aller gelöst werden. Dazu gehöre vor allem, daß das Reich seinen Verpflichtungen gegenüber den Einzelstaaten nachkomme.

Abg. Kollwitz (Komm.) fordert den Bau von Dämmen und Deichen gegen die Hochwassergefahr, wodurch auch die ,Erwerbslosenzahl verringert werde.

Abg. W i g l o w (Dem.) sieht in der starken Be­lebung der deutschen Börsen in der jüngsten Zeil ein starkes Moment wirtschaftlichen Auftriebs. Dem Minister müsse man danken, daß er seine große Sachkenntnis in so schwerer Zeit in den Dienst des Staates stelle.

Gegen 5.30 Uhr vertagte das Haus die Weiter­beratung auf Samstag 11 Uhr. Außerdem: Hoch­wasseranträge.

Gegen die Beschimpfung der allen Armee.

Vom Deutschen Offizier-Bund (D. O. D.) geht uns Die nachstehenDe, öffentliche Verwahrung zu.

Bei den sozialistischen unD kommunistischen Umzügen anläßlich Des Volksentscheides wurden an mehreren Orten, u. a. in Frankfurt a. M, Stabsoffiziere in Der alten Uniform Dargestellt mit einem Galgen auf Dem Rücken.

Es ist nicht bekannt geworden, daß von Den Behörden gegen diese unerhörten Verunglimp­fungen Der alten Uniform eingeschritten worden ist, die von fetten der Republik bei Den Verab- schiedungen Der Offiziere als Ehrenkleid aner­kannt worden ist.

Der Deutsche Offizierbund weist die öffent­liche Meinung auf diese freventlichen Schmähun­gen hin und verlangt von Der Regierung nach­träglich Untersuchung und Bestrafung.

Aus aller Welt.

Eine mexikanische Stadt zerstört.

Wie dieParis Times" aus Mexiltz, meldet, ist die Stadt Leon in der Provinz Guanaj-ato zum zweiten Male im Verlaufe ihrer Geschichte durch