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*) Leo Troizki: „Wohin treibt England?" Deutsche Verlagsgesellschaft für Politik und Geschichte, Berlin.
Wohin treibt England?
Von Dr. F. C. Rode.
berichtet, jener südöstlichsten deutschen Kolonisten- siedlung, die auch an diesem Abend den Gegenstand des Vortrages bildete. Aus einer Reise im vergangenen Sommer hatte der Redner Gelegenheit gehabt, das treue Festhalten dieser Dobvub- schadeutschen an ihrer deutschen Art zu bewundern. Zumeist aus Schwaben eingewandert, haben sie, umgeben von fremdsprechenden Völkern, ihre traute Heimatsprache unverfälscht erhalten, deutsch mutet die Sauberkeit der kleinen Dörfer an, deren weihgetünchte Lehmhäuschen freundlich hinter dem Grün der Bäume — eine Seltenheit in der bäum- und strauchlosen Dobrudscha — hervorlugen. Leider aber bedrohen wirtschaftliche und kulturelle Röte dieses exponierte Deutschtum aufs schwerste. Eine Reihe von Mißernten und die Gnteignungsbefehle der rumänischen Regierung stellen den deutschen Kolonisten vor den wirtschaftlichen Ruin. Hinzu kommt der Kampf um die deutsche Kultur. Mit Gewalt versuchen rumänische Lehrer die deutschen Kinder ihrer Muttersprache zu entfremden, um so wirksamer, als nur noch vier deutsche Pfarrer und drei deutsche Lehrer den deutschen Unterricht vermitteln. Hilfe tut dringend not, sollen diese Deutschen nicht deut Deutschtum verloren gehen!
Bornotizen.
— Lageskalender für Freitag. Stadttheater: 71/, Mr »Der fröhliche Weinberg". (Ende Mr.) — Kundgebung für Oberschlesien: 8’1 Mr Reue Aula der .Universität. — Hausbesitzer-Verein: 8 Uhr Katholisches Vereinshaus, Hauptversammlung. — Lichtspielhaus, Bahnhof- s.raste: „Der Wetbsteufel". — Palastlichtspiele: „Freies Volk'.
— „Italienische Renaissance und deutsche Wiedergeburt." lieber dieses Thema hält Geheimrat Sommer am morgigen Samstag, 27. ds. Mts. abends 81,! Uhr, im Saal der Buchhandlung Keistner einen Vortrag. Schon am Anfang der Krieges sind seine beiden Sonettensammlungen „Wiedergeburt" erschienen, die aus Grund langer Beschäftigung mit dem geistigen Inhalt und den Persönlichkeiten der Reimissance, die Darstellung beiv Vergangenheit und der Gegenwart verbinden. Am Schluß des Vortrags sollen die Sonette gelesen werden. (Siehe heutige Anzeige.)
Oberhessen.
Landkreis Gießen.
<> Langgöns, 25. Febr. Bei der im Distrikt „Wehrholz" des hiesigen Gemeindewal- d e s ftattgefunbeneu Brennholzversteige- rung wurden folgende, als außerordentlich hoch zu bezeichnenden Preise erzielt: Buchenscheitholz 25 bis 28 Mk. je Rm., Buchenknüppel 20 bis 25 Mk. je Rm., Buchenreiser 20 bis 28 Mk. je 5 Rm. (50 Wellen), Kiefernknüppel 8 bis 10 Mk. je 5 Rm., Kiefernreiser 8 bis 10 Mk. je 5 Rm. (50 Wellen), Buchenstockholz 15 bis 22 Mk. je Rm. und Kiefernstockholz 8 bis 12 Mk. je Rm.
df. Grün in gen, 25. Febr. Hier tagte der Vorstand des Wettertalsängerbundes, der im September 1922 gegründet wurde.
Partei, den Interessen und Bedürfnissen des englischen Proletariats gerecht zu werden.
So ist der Weg zur revolutionären Entwicklung gegeben. Trotzki sieht diese als eine gewisse von selbst gegebene Folge früherer Bewegungen in England an, wie der Revolution des 17. Jahrhunderts und des Chartismus. Zugleich kommt er aus der geschichtlichen Vergangenheit zu der Erkenntnis, daß die gesamte neueste Entwicklung Englands in den Spuren der europäischen Revolutionen verläuft." (?) Er zieht gewisse Parallelen zwischen der französischen und russischen Entwicklung und gleichzeitigen und nachfolgenden politischen und wirtschaftlichen Ereignissen in England: „Die große französische Revolution, die Juli-Revolution 1830, die Revolution 1840, der nordamerikanische Bürgerkrieg, der 60er Jahre, die russische Revolution 1905 und die russische Revolution 1917 trieben die öffentliche Entwicklung Englands vorwärts und find in der Geschichte Englands als Etappen der größten gesetzgeberischen Reformen . verankert. Ohne die russische Revolution 1917 wäre Macdonald 1924 nicht Premierminister geworden." Ausführlich wird begründet, warum die Arbeiterpartei in dieser Entwicklungsreihe versagen und deshalb verschwinden muh: „Von Macdonald, Clynes und Snowden kann man mit demselben Recht revolutionäre Energie erwarten, wie wohlriechende Düfte von faulen Rüben." So gehe der Weg der englischen Arbeiter unfehlbar zum Kommunismus, wobei der allmählichen Radikalisierung der „Trabe Unions" eine wichtige Aufgabe erwachsen soll. „Der eigentliche Verlauf des Kampfes, seine Dauer und sein Ausgang hängen ganz von den inneren, besonders ober von den internationalen Bedingungen der Zeit ob, in der sich der Kampf entfalten wird." Englands politisch-wirtschaftliche Lage wird den Kampf zum Weltkampf auswachsen lassen: „Es wird eines der größten Dramen der Weltgeschichte werden. Das Schicksal des englischen Proletariats verbindet sich in diesem Kampf mit dem Schicksal der ganzen Menschheit. Die Weltsituation und tue Rolle des englischen Proletariats in der Produktion und in der Gesellschaft verbürgen ihm den Sieg unter der Bedingung einer richtigen und entschlossenen revolutionären Leitung. Die kommunistische Partei muß sich als die Partei der proletarischen Diktatur entwickeln und zur Macht kommen. Es gibt keinen Umgehungsweg. Wer an ihn glaubt und ihn verkündet, kann die englischen Arbeiter nur betrügen, das ist die Quintessenz unserer Analyse."
Es soll nicht geleugnet werden, daß die Thesen- stellung und Beweisführung Trotzkis auch da bestechend erscheinen, wo sie den realen Boden verlassen und sich in das Reich der Wunsche verlieren. Man merkt, daß der Wunsch der Vater des Gedankens ist: der Wunsch nämlich, daß eine gleichgeartete Entwicklung Englands den Hauptgegner der kommunistisch-bolschewistischen Welt von innen heraus lahm legt.
Der englisch-russische Gegensatz hat einen großen Teil des neunzehnten Jahrhunderts der europäischen Politik beherrscht. Auch heute stehen sich beide Reiche vielfach gegensätzlich und mißtrauisch gegenüber, wiederum aus außenpolitischen Gründen, die ihren Ursprung in der inneren Struktur beider Mächre finden. Von diesen» Gesichtswinkel aus unternimmt es der russische Kommunistenfuhrer Leo Trotzki*), Englands heutige politische und wirtschaftliche Lage zu erörtern — wie er sie sieht — und aus ihr Schlüsse auf die Entwicklung auch der Zukunft zu ziehen. Die Tendenz des Buches ist natürlich die eines Kommunisten, die es dem Verfasser vielfach nicht gestattet, die so ganz anders gearteten Verhältnisse richtig zu erkennen und zu beurteilen. Aber selbst dann, wenn man gewisse Abzüge macht, bleibt die Darstellung von Englands heutigem und künftigem Schicksal auch für den fesselnd, der die politisch-wirtschaftlichen Ansichten des Verfassers sonst nicht zu teilen vermag: Trotzki meint, daß durch den Krieg der alte Zusammenhang Englands mit den Dominions völlig erschüttert sei, der auf dem Glauben beruht habe, daß Englands Politik hauptsächlich die des Friedens sei, und daß es die Meere beherrschte. Jetzt habe England zugleich die maritime Hegemonie verloren und sei wirtschaftlich und finanziell von seiner alten Höhe herabgestiegen. Das Kennzeichen bilde die Zahl der Arbeitslosen, die seit vier Jahren stets zwischen li und 14 Millionen Menschen betragen habe.
Die Zukunft Altenglands ist machtpolitisch und wirtschaftlich düster: sie führt mit Naturnotwendigkeit zu einer Verschärfung der sozialen Verhältnisse und wird die Bildung einer starken Kommunistischen Partei bringen, die im gegebenen Augenblicke die Herrschaft antreten wird. Auf dem Wege zu diesem Ziele setzt sich Trotzki mit den heute vorhandenen politischen Faktoren Englands auseinander, Königtum, Konservativen, Liberalen, Arbeiterpartei. Er stellt ihnen allen zwar keine günstige Prognose für eine längere Zukunft, verkennt aber doch auch nicht die Schwierigkeiten ihre Ueberminbung: „Je reicher und kultivierter ein Land ist, je älter seine parlamentarisch-demokratischen Traditionen sind, desto schwieriger gestaltet sich für die kommunistische Partei die Eroberung der Macht, aber desto schneller und erfolgreicher wird sich auch der sozialistische Aufbau nach der Eroberung der Macht vollziehen", eine Prophezeiung, für die der Verfasser uns bisher den Beweis noch nicht erbracht hat. Der Weg zur kommunistischen Herrschaft erfordert die „Gradation", d. h. ernste Vorbereitung, die in der politisch-wirtschaftlichen Entwicklung Englands liegen soll und in der Unfähigkeit der heutigen Führung der Arbeiter-
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Aus der Provinzialhauptstadt.
Gießen, den 26. Februar 1926.
•* Halbmast. Auf Beschluß, des Gesamt- mimsteriums haben die hessischen Staats- und Gemeindebehörden am kommenden Sonntag, dem Vvlkstrauertag, die öffentlichen Gebäude auf Halbmast hu flaggen.
** Gegen den geplanten Schul- und Lehrerabbau. Der Katholische Lehreroerein in Hessen hält am morgigen Samstag in Darmstadt eine außerordentliche Sitzung des Hauptvorstandes ab, in der Stellung genommen werden soll zu dem geplanten Schul- und Lehrerabbau. In gleicher Sache tagt der Hessische Landeslehrerverein am Sonntag, 28. Februar, in Frankfurt a. M.
. WSN. Erhöhung der Altersgrenze für hessische Beamte? Wie der „Schulbote für Hessen" mitteilt, soll die hessische Regierung aus Sparsamkeitsrücksichten beabsichtigen, die gesetzliche Altersgrenze für die Zwangspensionierung der Be- amten bis auf weiteres vom 65. auf das 68. Lebensjahr hinaufzusetzen.
** Aus dem Gießener Fußball- s px> r t. Rach längeren Verhandlungen haben der ©portclub 19 0 0 und die Spielver- clnigung 04 in Gießen ihre Verschmelzung unter dem Vereinsnamen „Spielvereinigung 1900“ beschLossen, um dadurch mit vereinten Kräften der sportlichen Weiterentwicklung ihrer Mit- alieder einen neuen, verstärkten Antrieb zu geben. Mit den aus dieser Reuorganifation resultieren» den Fragen soll sich morgen abend eine Generalversammlung int Gasthaus Doller beschäftigen. (Siehe heutige Anzeige.)
dt. Verein für das Deutschtum im Ausland. Am Dienstag veranstaltete die hiesige Ortsgruppe des Bundes für das Deutschtum im Ausland einen Vortragsabend mit Lichtbildern in der Reuen Aula der Llniversität. Der Vorsitzende, Studienrat Dr. König, wies in seinen einleitenden Worten darauf hin, daß heute, wo infolge des Friedensdiktats nur etwa -[«, aller Deutschen von dem deutschen Staatsverbande umschlossen werden, während das andere Drittel fremden Hoheitsgebieten untertan ist, und ferner gerade in jetziger Zeit, wo einem großen Teile dieser Auslanddeutschen die Gefahr einer gewaltsamen Entfremdung vom Mutterlande droht, es dgnngenve Pflicht eines jeden sein muh, durch treues Zusammenstehen die bedrängten Volksgenossen zu stützen. Richt mit Geldspenden allein ist es getan, so notig sie auch sind, wichtiger ist das Bewußtsein einer über die Grenzen hinaus- reichenden Schicksalsgemeinschaft. Diesen Gedanken griff der Hauptreferent des Abends, Srudienrat Weckerling - Friedberg, auf und entwickelte ihn weiter in dem Sinne, daß das Gefühl der inneren Verbundenheit mit unseren außerhalb des heutigen Deutschen Reichs lebenden deutschen Brüdern und Schwestern bewußt in die Herzen der jungen Generation gepflanzt werden müsse, um auf diese Weise Gemeingut des gesamten deutschen Volkes zu werden. Deshalb wurde am Samstag etwa 1600 Gießener Schulkindern von deut Leben und Treiben der Dobrttdschadeutschen
ausgesucht werden, bte als Tauschobjekt in Frage kommen. Der Zuaangswea zum israelitischen Friedhof, der an manchen Stellen reparaturbebürfttg ist, soll ausgebeffert, ebenso sollen Teile der Friedhofsstraße, welche durch das Hochwasser gelitten haben, neu gepflastert werben. — Der hiesige Rinder- z u ch t v e r e i n hielt dieser Tage eine Versammlung ob, in der Bürgermeister Müller über „Die Umstellung von (Betreibebau auf Weidewirtschaft" sprach, die durch die derzeitige schwierige Lage der Landwirtschaft erforderlich werde. Rach längerer Aussprache erklärte man sich im Prinzip für die Errichtung einer Jungviehweide. Wegen der Bereitstellung des erforderlichen Geländes soll mit der Gemeindeverwaltung verhandelt werden. Zur Teilnahme an der nächsten Bullen- a u f t i o n durch die Landwirtschaftskammer erklärten sich mehrere Mitglieder bereit. Schließlich beschloß man noch die Ausarbeitung eines neuen Statuts.
Starkenburg.
WSR. Erbach, 25. Febr. Die Grippe greift hn ganzen Odenwald ungeheuer um sich. In vielen Familien liegen mehrer^ Personen darnieder. Die, Aerzte haben alle Hämfe voll zu tun. Glücklicherweise sind alle Erkrankungen leichter Rattcr.
Preußen.
Kreis Wetzlar.
Hf W e tz l a r, 25. Febr. In Burgsolms, Oberbiel und Steindors ist die S ch w «k n e- p e st amtlich festgestellt worden. Die .Seuche soll durch einen von auswärts bezogenen Transport Ferkel emgeschleppt worden sein. — Die Maul- und Klauenseuche ist in Klein-Rechtenbach und Nauborn erloschen.
k. Lühellinoen, 25. Febr. Um eine bessere Abfuhr landwirtschaftlicher Erzeugnisse zu ermöglichen sowie um Baugelände zu erschließen, hat Die Gemeinde den Ausba u verschiedener Wege st recken in der hiesigen Gemarkung beschlossen.
z. Großrechtenbach, 25. Febr. Ein hiesiger junger Mann, der im Jahre 1921 in die französische Fremdenlegion gelangte, hat seinen Angehörigen mitgetetlt, ba6 er demnächst in die Heimat zurückkehren werde.
CO Vollnkirchen, 25. Febr. Nachdem die hiesige Mehrer ft eile vor kurzem neu besetzt worben ist, wird nun auch das Schulhaus einer gründlichen Instandsetzung unterzogen. Die zur öffentlid)en Verdingung ausgeschriebenen Arbeiten sind folgenden Handwerkern übertragen: die Maurerarbeiten dem Maurermeister Ludwig, hier, die Weißbinder- und Anstreicherarbeiten dem Weißbinder W a tz in Oberwetz und die Schreinerarbeiten dem Schreiner U l m von hier. — Der W e g von hier nach Volpertshausen befindet sich in einem so schlechten Zustande, daß er besonders bei ungünstiger Witterung kaum passierbar ist. Die Gemeinde hat sich entschlossen, den Weg in diesem Jahre auszubauen, falls es ihr gelingt, die nötigen Geldmittel aufzubringen. Bei dem Wegebau sollen die Erwerbslosen dsr hiesigen und die der Nachbargemeinden beschäftigt werden.
<> Dornholzhausen, 25. Febr. Die im hiesigen Gemeindewald stattgefundene Brenn- holzversteigerung brachte ungefähr dieselben Preise, wie sie bei den bisher in den benachbarten Gemeindewaldungen abgehaltenen Versteigerungen erzielt wurden. Es kamen: Buchenscheitholz 20 bis 22 Mk. pro Raummeter, Buchenknuppel 18 bis 20 Mark pro Rm., Buchenreiser 25 bis 28 Mk. pro 5 Rm. (50 Wellen), Kiefernnutzholz (3 Meter lang) 25 bis 30 Mk. pro 3 Rm. Bei der Nutzholzversteigerung wurden für den Festmeter Kiesern- unb Fichtenstämmen zwischen 18 und 25 Mk. gezahlt. Für Stangen wurden bezahlt: 1. Klasse 2 Mk. bis 2,50 Mk. je Stück, 2. und 3. Klasse 1 Mk. bis 1,50 Mk. je Stück, 4. und 5. Klasse 0,50 Mk. bis 0,80 Mk. je Stück und 6. bis 8. Klasie 0,10 Mk. bis (X15 Mk. je Stück.
x. Niederkleen, 25. Febr. Mit der F e r t i g- ste 11 ung des hiesigen Wasserleitungs, b a u e s ist jetzt begonnen worden. Bei den Arbeiten werden zunächst bte hiesigen Erwerbslosen beschäftigt, die bisher schon Erwerbslosenunterstützung be- S haben. Ihnen werden sich in den nächsten
i noch weitere Erwerbslose aus den Nachbar- gemeinden zugesellen. Durch die Rohrlegungsarbei- ten ist der „Schneiderberg", für den öffentlichen Verkehr gesperrt. Die Umleitung des Verkehrs erfolgt durch die „Kreuzgasse" und „Schietzecke".
Maingau.
WSR. Frankfurt a. M., 25. Febr. 3m Hause Rödelheimer Landstraße 147 wurde gestern morgen das etwa 50 Jahre alte Ehepaar Schmist tot aufgefunden. Die Frau war schwer leidend und der Mann seit längerer Zeit arbeitslos. Den Hausbewohnern fiel es auf, daß man niemand mehr in Der Wohnung hörte, worauf die Oefsnung der Wohnung durch die Polizei veranlaßt wurde, wobei beide in ihren Betten tot aufgefunden wurden. Die Festste^un- gen ergaben, daß der Tod schon einige Tage vorher infolge Gasvergiftung eingetreten war. Beide sind anscheinend freiwillig aus dem Leben geschieden. — Seit einiger Zeit tritt hier ein Fahrraddieb auf, der bei Geschäftsleuten unter irgendeinem Vorwand Geld leiht und als Sicherheit ein gestohlenes Fahrrad, als Pfand gibt. — Der"Kriminalpolizei ist es gelungen, in der Person des 28jährigen Friedrich Teubner aus Rödelheim einen Mansarde n e in b r eche r festzune hme n, dem mehr als 100 Mansardeneinbrüche zur Last gelegt werden. Einen großen Teil der Diebstähle hat der Verbrecher bereits eingestanden. 3n der Hauptsache waren es arme Leute und Dienstmädchen, die von dem Verbrecher bestohlen wurden. 3n seiner Wohnung wurde ein ganzes Warenlager aller möglichen und unmöglichen Waren gefunden unb beschlagnahmt. Teubner hat die gestohlenen Sachen unter der Angabe, sie auf Auktionen erstanden zu haben, weiter- verkauft und auf diese Art seinen Lebensunterhalt bestritten.
3hrn gehören die Gesangvereine von Dorf-Gill, Grüningen, Muschenheim, Cberstadt, Langsdorf und Bettenhausen an. Der Vorstand tarn überein, in diesem Jahre kein Wertungssingen abzuhalten, zumal die Vereine sich an der am 30. und 31. Mai stattfindenden Fahnenweihe des Dundesvereins „Eintracht" Grüningen beteiligen werden. Der Vorstand des Bundes wurde auf 3 Jahre wiedergewählt. Lehrer G ünth er - Muschenheim ist auch weiterhin Bundespräsident: als Stellvertreter wurde Lehrer Mar st eiter - Watzenborn-Steinberg gewählt.
Kreis Büdingen.
Nidda, 25. Febr. Der Turnhalleneubau, der im vergangenen Jahre begonnen wurde, hak, wie viele andere Neubauten, gleichfalls die Z eitei» wirtschaftlicher Not durchzukosten. Die Hoffnung, von auswärtigen Freunden und Gönnern namhafte Beträge buchen zu tönen, hat sich nicht ganz erfüllt. Wenn auch von der Gotz- Stiftung der Deutschen Turnerschaft und vom Hessischen Staat im laufenden Jahr noch ansehnliche Zuschüsse erwartet werden dürfen, so ist immerhin noch die Bereitstellung einer großen Summe Geldes erforderlich. den Bau z»i vollenden. Zur Zeit ist das Dach fertig, die Fenster sind eingesetzt und die Weißbinder arbeiten an dem Vervutz der Decken. Man will vorläufig nur das Allernotwendigste fertigstellen. Jede nicht unbedingt nötige Ausschmückung soll unterbleiben und auf einen günstigeren Zeitpunkt verschoben werden. Dieser Entschluß des Turnvereins ist nur zu begrüßen. Unter den Herr- sehenden Umständen wäre es verfehlt, sich eine Schuldenlast auszubürden, deren Zinsen ben Verein erdrücken müßten.
Bad-Salzhausen, 25. Febr. Das im vergangenen Herbst neu angelegte @ra» dierwerk wird jetzt mit einer überdeckten Wandelhalle umgeben, die zum Beginn der Dadesaison fertiggestellt sein soll. Wenn auch die ganze Gradieranlage sich nur in bescheidenen Ausmaßen bewegt, so werden doch die kommenden Kurgäste sie in gesundheitlicher Hinsicht als große Wohltat und Annehmlichkeit empfinden. Das im vorigen Jahr neu hergestellte Kurhaus hat nach Beendigung der Dadesaison feinen Pächter gewechselt. Man hofft, daß es, mehr wie seither, künftig der Mittelpunkt geselligen Dadeverkehrs sein wird. — Rachdem in dem hiesigen Draunkohlen-Dergwerk die letzten Haldenbestünde abgefahren sind, kommen sämtliche industriellen Anlagen zur Veräußerung. Baracken- bauten, Anschlußgeleise und sonstige Anlagen werden abmontiert und zum Verkauf gebracht. Somit ist das Schicksal unserer Bramckohlengruoe, die nur zur Zeit der Kohlenknappheit nach Kriegsende einigen Ersatz zu bieten vermochte, sicherlich endgültig entschieden.
Kreis Schotten.
Id. Schotten, 25. Febr. Dem aus merksamen Beobachter des Güterverkehrs unserer Rebenbahn fällt das fast völlige Aufhö - ren der früher gegen Frühjahr sehr starken Verladetütigkeit von Heu auf. Im Bahnverkehr spiegelt sich die veränderte wirtschaftliche Lage der Vogelsberger Landwirtschaft, die sich mit den bestehenden Absatzschwierigkeiten für Heu imb Frucht abgefunden hat und zu einer Vermehrimg der Viehbestände über gegangen ist. Das früher in den Handel gebrachte Heu und die z. Z. unverkäufliche Frucht werden nun in der heimischen Viehwirtfckmft verbraucht, ja noch größere Mengen Stroh gugetauft. _ Der ehedem abrvllende, mit Heu beladene Güterwagen ist vom anrollenden Strohwa^en abgelöst worden. QRag auch für diese 'Veränderung im Güterverkehr die knappe und rninderwerttge Stroh- ernte der hinter uns liegenden Regenjahre nicht ganz belanglos sein, in erster Linie ist sie auf die verstärkte Viehzucht zurückzuführen, mit deren Hilfe sich der Vogelsberger Bauer bisher noch einigermaßen über Wasser gehalten hat.
* Eichelsdorf, 25. Febr. Um die bei der Firma 3. Himmelsbach in Ridda und Eichelsdorf beschäftigten hiesigen Holzarbeiter während der in beiden Werken eingelegten Kurzarbeit für den ausfallenden Arbeitsverdienst zu entschädigen, läßt die Gemeinde durch die Kurzarbeiter Ausbesserungen an den Feldwegen vornehmen.
ld. Aus dem Vogelsberg. 25. Febr. Der Vogelsbergwanderer hat eben Gelegenheit, sich an zwei Frühlingsboten zu erfreuen, die ihm in der Ebene nicht begegnen. Es sind dies das aus Feldgehölzen hervorleuchtende großblütige, wilde Schneeglöckchen und der die Waldränder säumende, rötlichviolett blühende, stark buffende, sehr giftige Seidelbast. Da beide Pflanzen durch ihre geringe Höhe weniger in die Augen fallen als die weithin leuchtenden Kätzchenträger Weide und Haselnuhstrauch, bleiben sie vor deren Schicksal belvahrt, Sonntags ihrer herrlichen Blüten beraubt zu werden.
kg. Gedern, 25. Febr. Aus der Gemeinderatssitzung: Der Bürgermeister teilte mit, daß das Kreisamt die Verpachtung des Jagdbezirks I nicht genehmigt hat, da der Pachtpreis im Verhältnis zu dem Pachtpreis der anderen Jagdbezirke zu niedrig sei. Nach längerer Debatte tmube mit 11 gegen eine Stimme tzie nochmalige Verpachtung beschlossen. Für die ausgeschriebene Lieferung von Wasserleitungsrohren erhielt die Firma Wolf V o e h l den Zuschlag, da ihr Angebot das billigste war. Bis zum Walzen der Hauptstraße, das im April oorgenommen werden soll, sind in dieser allein 53 Wasserleitungsreparaturen auszuführen. Die in den Nebenstraßen notwendigen 13 Nepara- turen sollen später uorgenoinmen werden. Ebenso soll die Anschaffung der W a s s e r m e s s e r wegen zur Zeit hoher Ausgaben erst spät erfolgen. Wegen Erwerbs des Geländes der Wafferpump- ft a t i o n soll behördliche Entscheidung erfolgen, da keine Einigung mit dem Grundbesitzer erzielt werden konnte. Für den beabsichtigten Tausch von Gelände am Auerzahn, das der Kirche gehört und zur Vergrößerung des neuen Marktplatzes dienen soll, sollen geeignete Grundstücke


