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m. 276 (Elftes Blatt

176. Jahrgang

Donnerstag, 25. November 1926

(Er|d)etnttäghd), anher Sonntags und Feierlags

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Siebener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

vrvck und Verlag: vrühl'sche Univerfitätr-Vuch- und Lleindruckerei ».Lange in Sietzen. Schnftieitung und Geschäftsstelle: ZchulNratze 7.

Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer vis zum Nachmittag vorher.

Preis für l mm HSHe für Anzeigen oo.t 27 mm Brette örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig: für Ne- klameanzeigen von 70 mra Breite 35 Reichspfennig, Platzvorschrist 20° . mehr.

Chefredakteur

Dr Friedr Wich. Lange. Derantworllich für Politik Dr. Fr Wilh. Lange, für Feuilleton Dr H.TKyriot; für den übrigen Teil Ernst Dlumschein; für den An­zeigenteil i.Dertr. H.Bedr, sämtlich in Gieren

Die Politik von Thoiry vor dem Reichstag.

Berlin, 24. Rov. Dor Eintritt tn die Tagesordnung beantragt Aög. L. orgler (Kom.) die fofortige Dera mag emer Interpella­tion wegen des Ankaufs derDAI durch die Reichsregierung. Sr verweist weiter auf einen kommunistischen Mißtrauens- antraa gegen den Außenminister Dr. S t r e s e- mann. Don den Völkischen ist gleichfalls ein Antrag eingegangen: .Der Rcichsauhen- Minister Dr. Stresemann besitzt nicht daS Der- trauen deS Reichstags." Präsident Loebe weist daraus hin, daß auf Grund der Geschäftsordnung die Interpellationen heute iuxf> nicht beraten werden und der Mißtrauensantrag frühestens morgen zu^ Absttmmung gestellt werden kann.

Dann wird die auhenpolittsche Aussprache

zum Rachtragsetat fortgesetzt.

Abg. Dr. Dredt (Wirtsch. Dgg.) bezeichnet 'ne Rede des deutschnationalen Abgeordneten Dr. Hoetzsch als besonders interessant. Sie sei so gehalten gewesen, daß die Deut sch nationalen schon morgen in die Regierung auf- genommen werden könnten. Das stehe in seltsamem Gegensatz zu der Haltung der Deutsch- nationalen beim Eintritt In den Völkerbund. Sie Wirtschaftliche Dereinigung habe sich damals loyal hinter die Regierung gestellt. Trotzdem lei sie im jüngsten sächsischen Wahlkampf von der Deutschen Vvlkspartei in einem Flugblatt angegriffen worden, das an Demagogie alles in den Schatten stelle. Der Auhenminister 6 tret em arm stehe im Widerspruch mit dem Parteiführer Strcsenrann. (Dr. Skresernann:Ich rrache doch nicht die sächsischen Flugblätter!" Unruhe bei der Deutschen Dvlkspartei.) Die überschwänglichen Hoffnungen, die in der Re- «ierungspresse an Thoiry geknüpft wurden, sind jetzt der Enttäuschung gewichen. Es lerührt merkwürdig, daß die interalliierte Mill- lärkontrolllommission immer nur an den rechtsstehenden Verbänden An st oh nimmt. Diel besser militärisch orga­nisiert ist doch das Reichsbanner Gchwarz-Äot-Go'd. (Heiterkeit.)

Die wichtigste Aufgabe der Außenpolitik ist jetzt die Befreiung des Rheinländer. Bei diesem Be­mühen wird die Regierung die Wirtschaftliche

Bereinigung immer hinter sich haben.

Abg. M ü l l e r - Franken (Soz): Die Deutsch- nationalen bezeichnen sich als das Gewissen der Na­tion. Beim Dawesplan haben nur 50 Proz. dieses Gewissens funktioniert, die anderen 50 waren für Gewissenlosigkeit. (Heiterkeit.) Wenn die Deutsch- ; nationalen in die Negierung ausgenommen werden, Dann würden zwei Pferde vorn, zwei Pferde hinten an den Wogen gespannt sein. Wir erstreben den Frieden Europas. Dazu ist in Locarno und Thoiry der Grund gelegt worden. Die Politik von Locarno unb Thoiry bedeutet den endgültigen Verzicht auf Llsah-Lothringen. Die Deutschnationalen widerspre­chen nicht, denn sie wollen diese Politik mitmachen. Uuf der anderen Seite bedeutet diese Politik, daß die Franzosen ein für allemal auf ihren h i st o r i -- idj en Drang nach d<m Rhein verzichten müssen. (Beifall.) In der Abwehr des Separatisten- zesindels haben die Rheinländer gezeigt, wie deutsch tc suhlen. Wir verlangen die völlige B e Freiung des jetzt besetzten Rheinlands mb die volle Wiederher st ellung der deut- chen Souveränität in diesem Gebiet. Wir vünschen die beschleunigte Rückgabe des Saar- V Gebiets. Da das Ergebnis der Volksabstimr'mg dort ganz unzweifelhaft für Deutschland ausfällt, ; lonnte man auf diese Abstimmung ganz verzichten. itBeifaQ.) Der schlimmste Unruheherd in Europa ist legt Italien unter Mussolini. Bei den deutsch­italienischen Schiedsgerichtsoerhandlungen glaubt ein vernünftiger Mensch in Deutschland. daß_ mir | 'lwa eine deutsch-italienische Politik mit der Spitze ;egen Frankreich treiben könnten.

Aus dem Weltkrieg haben wir gelernt, baß man in der Dahl feiner Bundesgenossen sehr vor­sichtig sein muh.

Die Militärkontrolle darf nicht etwa in izeräntetter gern gegen Deutschland fortge­setzt werden De allgemeine Abrüstung ist nicht nur Deutschland, sondern allen Völkern versprochen worden. W.rd sie nicht durchgesührt, la mühte das zu einer Krise im Völkerbund 1 ihren. Angesichts der neuen scharfen Erklärung i öeS Reichswehrmin sters gegen die Miß- Zräuche in der Reichswehr müssen wir ra^cn: Warum konnte das überhaupt so lange Zehen? Weil nämlich Dr. Gehler das 'Pro- icamm nicht durch-e ührt hat, das er vor sechs Jahren bei seiner Amtsübernahme im Reichs- log verkündet hat. Wir werden den Reichswehr­stat diesmal ganz gründlich )rufen, wo die Aostenbeiträge für die merkwürdigen Shortkurse versteckt sind. Es muh wieder der Grundsatz Durchgesührt werden, dah keine Vehörde >on privater Seite Geld annehmen darf. Gegen das Verbot von Wiking und Olym­pia erhebt jetzt nicht einmal mehr die Rechte Einspruch, weil die preuhische Reg erung in ihrer Denkschrift einwandfrei nachgewie'en hat, dah freie Verbände die Mitglieder militärisch aus» bilden. (Rufe rechts:Ist das ein Verbrechen?") §as ist durch ein Raichsgesetz verboten, und Sie cu den Deutschnationalen) müssen das Gesetz 'archführen, wenn Sie in die Regierung aus­genommen worden sind. Das Reichsbanner 2chwarz-Rot-Gold kann mit :enen Verbänden icht rerglichen werden, denn es hat immer ab- gelehnt, einen neuen Krieg vorzrchereiten. (La- Hcn bei den Völkischen.)

Der Antrag aus Wiederaufrolluag der KriegS- fchuldfrage

ist nur ein Manöver zur Täuschung des Pu­blikums. Seine Annahme könnte nur neue Hem­mungen bringen für die schleunigeBefreiung des Rheinlandes, die wir dringend fordern. Wir lehnen darum diesen Antrag ab. (Lebhafter Bei­fall bei den Sozialdemokraten.)

Abg. Graf zu Reventlow (Völl.) Die Zerstörung der Kriegsschuldlüge sei von höchster polittscher Bedeutung für Deutsch­land. Äe Politik von Genf und Thoiry fei zu einer ungeheuren Blamage für Deutschland ge­worden. -Meter Driand täusche sich das deutsche Doll in weiten Kreisen heute ebenso wie 1918 über Wilson. Troy Briands Abrüstungsreden in Genf rüste Frankreich immer weiter.

Abg. Dr. v. Freytag-Loringhoven (Dn.) begründet kurz den von Mitgliedern aller bürgerlichen Parteien unterzeichneten Antrag, die Reichsregierung möge in eine Prüfung der Frage eintreten, wieweit die Satzungen des Doller- bundes und des Ständigen Internationalen Ge­richtshofs Möglichketten bieten, eine Prüfung der Kriegsschuldfrage durch diesen Ge­richtshof zu erreichen. Der Redner gibt bann für die Fraktion der Deutschnatio­nalen eine Erklärung ab, in der es heiht: Die gestrigen Aus.ührungen des Auhenministers sind nicht geeignet gewesen, unser durch Dr. Hoetzsch ausgesprochenes Urteil über die Erfolglosigkeit der durch den Ramen Thoiry und Locarno ge­kennzeichneten Politik irgendwie zu erschüttern. Wenn der Minister von vornherein voraussah, dah die Verhandlungen von Thoich sich über Monate oder vielleicht gar über einige Jahre hinziehen würden, weshalb hat er es dann unter­lassen, wenigstens inzwischen für das besetzte Gebiet diejenigen Erleichterungen aus­zuwirken, die nach offiziösen Stimmen damals in Genf zu haben gewesen sind. Gedenkt der Minister jetzt in dieser Richtung etwas zu tun, oder soll das besetzte Rheinland warten, bis das Phantasiegebäude von Thoiry Wirllichkeit wird? Ebensowenig haben und die Ausführungen des Ministers über die Militärkontrolle und die Investigationen befriedigt. Wir stellen fest, dah Derstänoigungsgespräche mit Frankreich nur unter voller Anerkennung der Gleichberech­tigung und voller Wahrung der Lebensinteressen

Deutschlands möglich sind. Wir sind entschlossen, aus unserer Mitgliedschaft zum Völkerbund alles herauszuholen, was zugunsten Deutschlands her- auSgehvll werden kann.

Reichswehrminifter Dr. Getzler wendet sich dann in einer Erklärung gegen die neueste Veröffentlichung des Führers des Iungdeutschen Ordens Mah- r a u n. Wenn da von einem General gesprochen wird, der einen Kampf mit Freiwilligen gegen Frankreich unternehmen wollte, da handelt es sich, so erklärte ter Minister, um General Walter. Ihn meinte ich seiner Zeit, als ich von demVerrückten" sprach Er hatte tatsächlich den wcihnsinnigen Plan, die jungen Leute in die französischen Bajonette hineinzu- treiten. Dieser Mann ist von mir aber sofort aus der Reichswehr entfernt wordm. (Ruse links:Unb bezieht heute 18 000 Mark Pension II" Ruse rechts:(Sr hat das Ruhrgebiet befreit. Dank vom Hause GehlerI") Wenn Herr Mah- raun es so darstelll, als wenn er mich erst 1926 über diese Dinge hätte informieren müssen, so ist das falsch. Darüber waren wir schon 1923 genau informiert. Oberst Ricolai, der weiter erwähnt ist, hat nach dem Kriege niemals irgend­welche Beziehungen zu uns gehabt. Ricolai ist sorgfältig beobachtet worden: es bestand ater keine Veranlassung, gegen ihn irgend etwas zu unternehmen, zumal er dann ins Ausland gegangen ist. Es hat sich 6:et um Pläne von unverantwortlichen rechtsradikalen Kreisen gehan­telt, die in der tiefsten Rot Deutschlands versucht haben, uns in außenpolitische Verwicklungen hin­einzubringen. Die Reichswehr hat damit nichts zu tun. Wir haben unsere Pflicht getan, wenn wir allen diesen Plänen st>ts aufs entsche- tenste entgegengetreten sind. ('Beifall.)

Xj. Dr. Wirth (Ztr.): Man kann eine Opposition, wie sie von Dr. H-oetzsch hier vertreten wurde, vielleicht begrüßen, aber man darf nie­mals von einernationalen" Opposition sprechen. Das Wortnational" wird nirgends so viel ge­braucht und geurihbraucht wie in Deuilchland. (Lebhafte Zustimmung.) Rottvendig ist eine loyale Opposition mit dem Ziel, die in ter Opposition vertretene Politik aufrichtig durch­zuführen, wenn man selbst nachher in ter Regie­rung sitzt. Für den Dorstoh in ter Kriegs­

Der Sowjet-Botschafter Krassin

London. 24.Roo. (111.) heule vormittag iff der sowjelrussische Botschafter in London. Kras­sin. gestorben. Krassin war bekanntlich schon seit mehreren Jahren krank und weilte wiederholt für längere Zeit in Italien. Die Ursache seines Todes war A n ä m i e, an der er seil längerer Zeit litt. Ls waren mehrere Blutübertragungen ohne dauernden Erfolg vorgenommen worden.

Die Nachricht vorn Lote Krassins kam für London vollbsmmen unerwartet. Trotz der Tatsache, dah Krassin ter ®ef<r.tbte einer Regie­rung war, ter England bisher die politische Aner­kennung versagt hat, hat sein Tod in politischen, amtlichen und Cithkreisen lebhaftes Bedauern ausgelöst. Krassin war ein Mann, der sich auch dem englischen Standpunkt nicht ganz verschlossen hatte. Das hat er in erster Linie bei ten Ver­handlungen über das englisch-russische Abkommen im Ia,hre 1921 bewiesen. Die schwankende Gesundheit hat Krassin verhindert, nach Wiederaufnahme seiner Londoner Tätigkeit vor etwa zwei Monaten, seine Kräfte voll zu entfalten. Seine Rückkehr nach London sah man als ein hoffnungsvolles Omen für die Besserung der Hantelsbeziehungen zwischen Grohbritannien und Ruhland an. Da sich Krassin ter vollen diplomatischen Privilegien erfreute, nimmt man an. dah das politische und diplonu,- ttsche Korps bei der Zeremonie in London voll vertreten sein wird. Sir Austen Chamber­lain erklärte heute nachmittag im Unterlaufe wörtlich:Ich hoffe, dah man mir gestattet, mein Bedauern über den Tod Krassins auszudrücken."

Die Mitglieder des diplomatischen Korps in Moskau Halen der Sowjetregierung zum Tote Krassins,ihr Beileid ausgesprochen. Wer die Rachfolge Krassins antrctin wird, ist noch unbeftimmt. Es werden u. a. als Kan­didaten R a k ow s k i, Kamenew und Kre­stinski genannt. Krassin stand in der letzten Zeit der Gruppe Stalin krftisch gegenüber. Er hat wiederholt die Partei um seine Entlas­sung gebeten. Die Partei hat jedoch stets sein Ersuchen a b g e l e h n t. Voraussichtlich wird die Leiche Krassins in London verbrannt und d i e Asche nach Moskau gebracht werden, wo sie unter Feierlichkeiten beigeseht werten soll. Besonders stark empfindet die Gruppe um Trotzki ten Verlust Krassins.

Krassins Lebensgang.

Krassin wurde im Jahre 1870 in Tobolsk (Sibirien) geboren. Er studierte zunächst in Pe­tersburg, später in Charkow, nachdem er wegen sozialistischer Propaganda für drei Iah re nach Sibirien verschickt wurde und be­

stand 1900 dort sein Examen als Elektroinge­nieur. Während er im Dienst ter deutschen Firma Siemens & Schuckert stand, arbcitete er für die russische Sozialistenpartei und beteiligte sich nach ten revolutionären Unruhen von 1905 wie­der lebhafter an der Polittk. 1903 war er ter Dolfchewlli-Partei beigetreten und war schon in ten Jahren 1905 bis 1907 Mitglied des Zen­tralkomitees. Zu Beginn der russischen Oktober­revolution 1917 berief Lenin, mit dem Krassin feit langem befreundet war. diesen nach Ruh- land zurück. Krassin wurde an die Spitze der Verwaltung der Kriegsindustrie als ständiges Mitglied des .Rates für Arbeit und Heer" gestellt. 1920 übernahm Krassin das Volkskommissariat für Auchenhan­del und wurde gleichgeittg mit den Ge'chäften ter Sowjetunion in London beauftragt. 1924 ging er vorübergehend als Geschäftsträger nach Paris, widmete sich jedoch auch von hier aus noch der Fortführung ter russisch-englischen Ver­bann nicht sein Leiden ihn gezwungen hätte, Handlungen und wäre nach London zurückgekehrt, wenn nicht sein Leiden ihn gezwungen hätte, sich seit dem Frühjahr dieses Jahres im Sü­den aufzuhalten, älngeachtet der wiederholten Vermutungen übet Anstimmigkeiten Krassins mit Moskau blieb Krassin nach wie vor Mitglied des Zentralkomitees ter Kommunistischen Partei, in das er auch beim letzten 14. Par­teitag wiedergewählt wurde.

Mit Krassin haben die bolschewistischen Machthaber in Moskau einen überaus wertvollen Mitarbeiter verloren. Krassins Bedeutung für Räte ruh land lag vornehmlich auf Handels- politischem Gebiet. Als guter Kenner euro­päischer Wir schastsverhältnisse und Wirtschasts- bebürfniffe verstand er es, mit dem Westen die verloren gegangenen Handelsverbindungen wieder aufzunehmen und dem russischen Staat Abzugs­kanäle für den Uebcrflufj seiner Produktion zu öffnen, gleichzeittg aber auch bas Ausland am russischen Absatzmarkt zu interessieren. Er ist seiner Handelspolitik, die er als Volkskommisiar für den Außenhandel ein leitete, auch als diplo­matischer Vertreter Moskaus in Paris und später in Llondon treu geblieben. Politisch gehört er zu ten gemäßigten Elementen ter russischen kommunistischen Partei. Wenn er auch die Revolution aus wirtschaftlichen Grünten be­dauerte und in Wirtfchaftsfragen mit Lenin nicht immer zusammenging, so gehörte er doch zu jenem Kreis, ter außerordentlich viel zur Festi­gung ter bolschewistischen Herrschaft beige­tragen hat.

s ch u I b f r a g e, ten der Antrag von Freytag bezweckt, ist kein Augenblick ungünstiger al6 der jetzige, denn gerade zetzt besteht in England d e 'Absicht, durch anerkannte Wissenschaftler die Ar­chive zu offnen und die Kr.egsursachrn zu unter­suchen. Den paneurvpäischen Gedanken sollte man nicht mit einem Lächeln abtun wollen. Wir sehen doch, daß die Herren von rechts gar keine Be­denken haben, die Grenzen ter Ration zu über­schreiten, wenn es sich um d e Wirtschaft handelt. Die Art unb Weise, wie Thoiry und seine vor­aussichtlichen Wirkungen in der deutschen Presse beurteilt wurden, war höchst unpolitisch. (Sehr richtig!)

Man hört das wort, Deutschland solle Propor­tionen machen für die Lösung der in Thoiry angeschnittenen Fragen. Rein, Deutschland hat jetzt nur die verpslichlung, kritisch die Auewir- tungen von Thoiry anzuschen. Ls ist nicht unsere Aufgabe, neue Vorschläge zu machen.

Locarno und der Eintritt Deutschlands in ten Völkerbund waren ein Opfer in national:r Be­ziehung, ebenso die deutsche Bcrettwilligleit, die Stabilisierung ter französischen Währung zu fördern. Auch die Franzosen solllen die Größe dieser drei Opfer anerkennen. Run ist es die Aufgabe des deutschen Parlaments, vor aller Welt zu erklären: Diese Opfer erfordern jetzt auf französischer Seite ein Ent­gegenkommen! (Stürmischer, alls?ittger (Bei­fall) Wir haben jetzt abzuwarten, was Frank­reich auf diese großen Opfer zu geben hat. Rebeil ter Investigation ist dieser Winter tec Prüfstein für die Politik, die wir alle machen wollen, mit Frankreich zu einer aufrichtigen, dauernden Verständigung zu kommen. Rachtem das ganze deutsche Volk diese Opfer auf sich genommen hat, erklären wir heute: Jetzt hat Frankreich das Wort! (Lebhafter Bei­fall.) Jetzt hat Frankreich zu zeigen, ob es der europäischen Solidarität oder dem engstirnigen Egoismus einer Ration dienen will. (Erneuter Beifall.) Diese Verständigung kann natüllich nur das Werk einer ganzen Generation sein, und man sollte nicht mit einem gewissen Hohn über die Mahnungen zur Geduld reden. Den Rheinländern kommt es nicht darauf an. ob da und dort ein Bataillon verlegt wird, f n- tern sie verlangen Politikaus weiteSicht für die deutsch-französische Verständigung. (Bei­fall.) Durch ein gairzes Jahrhundert ging die tiefe Klu t des DÖllerh7.sses zwischen Fiantrcich und Deutschland. Wir haben die Brücke barüter gelegt und laden nun die von ter andern S ita ein, mit uns gemeinsam an dem Ausbau und an ter Belebung ter europäischen (Solidarität zu arbeiten. Wir sind jetzt enttäuscht, aber wir haben nicht im Zick-Zack-Kurs den Weg des deutschen Volkes weit?rzugehen, sondern in einer allen Vollem ter Welt klar erkennbar:n deut­lichen Zielrichtung. Wir folgen jenen großen Denlern, die die Solltet;iät ter Menschen über die nationalistischen Leidenschaften triumphi ren lassen wollen. Wir verstehen Öen französisc en Wunsch nach Sicherheit, aber Sdcurcte pour la France hat nur einen Sinn, wenn sie verbunden ist mit der nationalen Freiheit des deutschen Volkes. (Lebhafter Beifall.)

Weiftrberatung Donnerstag.

Eine Erklärnnq Mahrcnnr.

Berlin, 24. Roo. (TU.) Der Hochmeister des Iungdeutschen Ordens bemerkt heute in einer längeren Erklärung zu den gestrigen ?l'is- führungen des Reichswehrministers im Reichsten, er habe feine Denkschrift auf Aufforderung d e s Reichswehrmini sters eingereicht. In ihr be­fänden sich die Beweise, daß im großen Rohmen ver­sucht wurde, Organisationen, die sich auf die Reichs­wehr beriefen, für ein Abenteuer einzu- setzen, dessen Verwirklichung ein furchtbares Uw glück für das Deutsche Reich herbeigeführt hätte. Bereits im Jahre 1923 fei versucht worden, die akti­vistischen Kräfte der nationalen Bewegung zu einem Ueoerfall auf bie französischen Besat­zungstruppen zu provozieren. Im Mittelpunkt dieser Aktion stand damals ein auch in der nach- reoolutionären Zeit viel genannter General, der sich auf ein neu erfundenes Sprengmittel berief. 9m Herbst des gleichen Jahres fei für einen Feld- zugsplan gegen Polen im Bunde mit Rußland Stimmung gemacht worden. Die Seele der Bestrebungen fei der durch die Landsberger Pro­zesse bekanntgewordene Oberleutnant Schulz ge­wesen. Seine, Mahrauns, Denkschrift an den Reichs­wehrminister habe nachweislich den einzigen Zweck gehabt, den Mißbrauch nationaler Kräfte und Or­ganisationen zu landesgefährlichen außenpolitischen Abenteuern zu verhindern.

Die Zusammenkunft deutscher und englischer Industrieller.

London, 24. Rov. (WB.) De bevor- stehente Zusammenkunft zwischen Derttetern ter britischen und der deutschen Industrien wird wahrscheirllich Anfang Drzs»ber ftattfinten und steht in keinerlei Zusammenhang mit der Zu­sammenkunft von Romseh. Sie wird vorwiegend ten Charakter einer Sachverständigen- besprechung tragen, deren Hauptzweck in der Erörterung über das Ausmaß und die Art der Zusammenarbeit der beiden Organisationen zur Förderung der gegenteiligen- Interessen be-