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samte Kriegs- und soziale Fürsorge bearbeitet wird. Ist das aber eine genügende Be­gründung um diese Aufblähung zu erklären? Das Justizministerium hatte 1914 11 Beamte, die 54 200 Ulf. kosteten, heute aber 35 Beamte, die 204 700 Mk. kosten. Für das Fmanzministe- rium hat die Revolution die Aenderung gebracht, daß die Beamten der Hessisch-Preußischen Eisen­bahngemeinschaft von der Reichsbahn übernom­men wurden; auch die Steuerbeamten sind in den Reichsdienst übergetreten. 1914 zählten wir 138 Beamte, die 579 000 Mk. kosteten, heute nur 124 Beamte, die aber 809 000 Mk. Gehalt be­ziehen, also 230 000 Mk. mehr. Es ist selbstver­ständlich nicht zu erwarten, daß das, was in 8 Jahren aufgebaut worden ist, mit einemmale wieder verschwindet, es muh aber den Beamten tm Lande gezeigt werden, daß ein Anfang mit der Verkleinerung der Ministerien gemacht werden muß. Die genannten Ziffern sind aber nur kleine Beträge, wenn man den Blick auf das Ganze wirft. Betrugen 1914 die Gesamtausgaben 74 Millionen, so belaufen sie sich heute auf 126 Millionen Mark, das ist auf die Dauer nicht zu ertragen. Es muß gefordert werden, daß Refor­men und Sparmaßnahmen an Haupt und Gliedern durchgeführt werden und daß nicht an den unteren Stellen mit der Abdrosselung von Aufgaben be­gonnen wird.

Finanzminister Henrich hat beim Voran­schlag für 1926 im Landtag erklärt, das Reich störe immer wieder den hessischen Staatshaus­halt. Die Ausgabenseite des Haushalts mache chm weniger Sorgen als die Cinnahmeseite. Eine sorgsame Finanzpolitik wird aber immer die Ausgaben den Einnahmen anzugliedern su­chen. Wer die letzten Jahre erlebt hat, die Inflation und den Ruhrkampf, der war nicht im Zweifel, daß dies Rückwirkungen auf das Wirt­schaftsleben und die Staatsfinanzen haben mußte; daß diese Entwickelung eintreten werde, konnte man sogar 1918 nach dem verlorenen Krieg voraussehen. Einem Finanzminister durfte das nicht verborgen bleiben; er muhte einsehen, daß er nicht bloß die Finanzen verwaltet, sondern er muhte sich die Frage vorlegen, wie halte ich den Staat gesund, wie halte ich den Kreislauf der Wirtschaft aufrecht? Der Finanzminister mühte in diesem Falle ein Wirtscyafts- Minister sein; er durfte nicht eine Politik treiben, die lediglich darauf ausging, möglichst viel an Abgaben für den Staat aus der Wirt­schaft herauszuholen. Die Wirtschaft hätte ge­schont werden müssen. Von dieser Einsicht hat man in Hessen nichts verspürt, sondern ein Höchstmah von Steuern erlebt. Im Reiche hat man dagegen schon unter Schlieben und erst recht unter Reinhold mit dem Abbau der Steuern begonnen, der nicht zuletzt der Wirt­schaft zugute kommt. In Hessen hat man kein Wort von Steuerabbau gehört, sondern man habe bei dem Finanzminister immer nur eine kalte, enge und fiskalische Betrachtungsweise der Dinge wahmehrnen können. In den Iahren der Inflation war die Steuerschraube aufs schärfste angespannt worden. Es ist kein Ruhmestitel für den Finanzminister, toenn er Überschüsse in den Jahren 1923, 1924 und 1925 ansammelte, als es der Wirtschaft schlecht ging. Finanzminister Henrich weist darauf hin, daß 10 Millionen Mark Aeberschüfse aus früheren Iahren bereit stehen, um zur Deckung des Defi­zits für 1927 verwendet zu werden. Aber der neue Staatshaushalt wird neue Ausgaben bringen; auch steht der Einnahme ausfall noch nicht fest. 12 Millionen Mark mühten für die Crwerbslvsenunterftützung ausgegeben werden, 6 Millionen wird der Ginnahmeausfall an Steuern (Einkommen-, Umsatz- und Körperschasts- fteuer) ausmachen. Das Dauprogramm wird eine vermehrte Ausgabe von 4 Millionen Mark brin­gen. Zu dem zu erwartenden Defizit von 10 Mil­lionen Mark kommen noch 20 Millionen Mark hinzu. Es ist also mit einem G e sam t de f izi t von 30 Millionen Mark zu rechnen, wo- ' von 20 Millionen ungedeckt sind. Auch ein anderer Finanzminister hätte einen ausgegliche­nen Staatshaushalt nicht vorlegen können. Man kann die 12 Millionen Mark Erwerbslosenunter- ftützung nicht der Regierung zur Last legen, man kann auch durchaus zugeben, daß die Ausgaben für den Wohnungsbau notwendig sind, aber man muß sich doch wohl die Frage vorlegen, ob die rigorose Steuerpolitik in Hessen angebracht war. Die Quittung kommt jetzt in den verminder­ten Steuereingängen. Dem Finanz­minister ist als Schuld vorzuwerfen, daß er es so weit hat kommen lassen, daß er nun ratlos "vor dem Defizit steht. Die Tatsache, daß in den letzten Iahren nichts Energisches zur Spar­samkeit geschehen ist, berechtigt zu den schweren Vorwürfen. Ein Wirtschaftsunternehmen sieht ein, daß es in einer Krisenzeit nicht den Ereig­nissen tatlos entgegengehen kann, sondern es weih, daß es zu handeln gilt. Der Finanzminister hätte handeln müssen; er hätte dem Volke den Gedanken der Vereinfachung im Staatshaushalt so einimpfen müssen, daß das Volk mitgegangen wäre. Wenn der Minister dem Volk vor Augen gehalten hätte, wie sich die Dinge hätten entwickeln müssen, er hätte das Volk hinter sich gebracht. Richt, daß 18 Millionen mehr aufgebracht werden müssen, sondern, daß den 18 Millionen keine Aus - gabenersparnifse gegenüberstehen, kenn­zeichnet die Situation.

Der Finanzminister hat immer hcrvorgehoben, daß die Ursache der schlechten Finanzlage Hessens die R e i ch s p a l i t i k, der Ruhrkampf, der Rückgang der Wirtschaft im besetzten Gebiet und die Arbeits­losigkeit seien, deshalb sei R e i ch s h i l f e zu for­dern. Es ist dies ein Gedankengang, dem wir von Anfang an bis zu Ende zustimmen. Wenn wir aber ein moralisches Recht haben, vom Reich Hilfe zu erbitten, so müssen wir auch dem Reich sagen kön­nen, daß wir in finanzieller Beziehung unsere Pflicht getan haben. Der Reichsfinanzminister schwimmt nicht im (Selbe, und er tut nur seine Pflicht, wenn er vor der Hilfeleistung sich die hessi­schen Verhältnisse etwas genauer ansieht. Wir stehen nun vor der beschämenden Tatsache, daß dem Staate Hessen das, was es aus eigener Ent­schluß hätte tun können, vom Reich demnächst zwangsweise auferlegt wird. Das Bild ist nicht er­mutigend. Wir haben immer schon den Regierungs­parteien gesagt, der Gang nach Berlin ist berech­tigt, aber erste Pflicht ist es, daß i h r erst spart, daß ihr durch Verbilligung der Verwaltung die Aus­gaben herabdrückt.

Run rechnet man auf die Hilfe des Reiches, und man muß gezwungen tun, was man längst hätte tun können. Das Beschämendste ist, daß der Finanz­minister, als er keinen Ausweg mehr wußte, den Gedanken der Aufgabe der staatlichen Selbständigkeit verkündete. Diese Erklärung

aus dem Munde gerade des verantwortlichen Mi­nisters nahm sich sehr sonderbar aus. Hier heißt es aber mitgegangen, mitgefangen, mitgehanyen. Das Volk muß verlangen, daß ein Minister Führer des Volkes ist und nicht vor der Entscheidung die Kar­ten auf den Tisch wirft und das Spiel aufgibt. Des­halb tun wir Recht daran, wenn wir das Volk auf« gerufen haben, ein Urteil abzugeben, ob es mit der Führung des hessischen Finanzwesens und mit der Politik der hessischen Regierung einverstanden ist, oder ob ein anderer Weg in Hessen gegangen wer­den soll. Die hessische Bevölkerung ist klug genug, einen Einblick in das hessische Finanzwesen zu ge­winnen und sich durch Parolen, die an dem Kern der Dinge vorbeigehen, nicht beeinflussen zu lassen. Die Studienassessoren in Hessen.

Der Abgeordnete Dr. Keller und die Frak­tion der Deutschen Volkspartei haben im hessischen Landtag den Antrag gestellt, die Re­gierung zu ersuchen, im Voranschlag 1927 die Zahl der planmäßigen Studienrats­stellen um etwa 80 Stellen zu vermehren, und die Studienassessorenstellen entsprechend zu vermindern. In der Begründung heißt es: Rund ein Viertel aller in vollverantwortlicher Stellung befindlichen Lehrer an höheren Schulen ist nicht angestellt. Ein ähnliches Zahlenverhältnis ist weder in anderen Beamtengruppen, noch in den übrigen deutschen Ländern zu finden. Mehr als 115 hessische Studienassessoren haben bereits heute das 35. Lebensjahr erreicht oder überschritten; fast alle sind verheiratet, 85 Proz. Kriegsteilnehmer; ihre Stellen sind durchweg als Dauerstellen anzu­sehen. Ein künftig denkbarer Abbau im höheren Schulwesen wird diese Stellen nicht treffen, weil außer ihnen auch nach den Streichungen des lau­fenden Jahres noch etwa 90 weitere Assessoren­stellen verbleiben. Die geforderte Maßregel ist ohne nennenswerten Einfluß auf die Staatsaus­gaben ; einmal aus dem oben angegebenen Grunde und ferner, weil die Besoldung, bzw. Vergütung der in Betracht kommenden Stelleninhaber sich auch so schon dem Höchstsätze der Grupe 10 nähert, und weil sich der Staat bei Siechtum und Todesfall dieser überalterten Anwärter aus Dil- ligkeitsgründen ja doch Dersorgungsansprüchen nicht widersetzen könnte.

Die Zigeunerpiage in Hessen.

Darmstadt, 24. Ott. Abg. Glaser (Bbd.) hat im Landtag folgende Anfrage eingebracht: 1. Ist es der Regierung bekannt, daß die Zigeunerplage auf dem flachen Land äußerst lästig in Erscheinung tritt? 2. Ist die Regierung bereit, in dieser Sache mehr als bisher zu tun, um Abhilfe zu schaffen oder die Zigeunerplage möglichst einzuschränken?

Die britische Reichskonferenz.

Der australische Ministerpräsident über die deutsche Handclskonkurrcnz.

London, 23. Okt. (WTB.) In der gestrigen Sitzung der Reichskonferenz sprachen die Premier­minister den Wunsch nach einer Hebung des Handels innerhalb des britischen Reiches und nach einer Verengerung der schon so festen Bande zwischen den Dominions und Groß­britannien aus. Sie bezeichneten es als wichtig, bri­tische Filme herzustellen und in den Dominions zu zeigen, und erklärten, die britischen Kraftwagenher­steller sollten größere Anstrengunaen machen, um die Bedürfnisse der Dominions zu befriedigen. Han­delsminister Cunliff Lister gab der lieber» zeugung Ausdruck, daß es eine lebensnotwendig- feit fei, den Handel innerhalb des britischen Reiches zu heben. Der durch die Veröffentlichung des Wirtschaftsmanifestes unternommene Ver­such, andere Länder zur Aenderung ihrer Politik zu bewegen, beurteilte der Minister sehr skep­tisch. Er erklärte, man solle seine Aufmerksamkeit lieoer auf die Entwicklung der britischen Handels­märkte innerhalb des britischen Reiches richten.

Eine Rede des australischen Premierministers Bruce war ganz auf den Ton eingestellt, daß Großbritannien feinen vollen Anteil an der Besse­rung des Welthandels habe, weil es einem riesigen Wettbewerb gegenüberstehe, und daß Australien alles tun werde, um Großbritannien zu helfen, es sicherzustellen, daß britische Waren in zunehmendem Maße auf dem australischen Markt verbraucht wer­den. Das Ansehen des Britischen Reiches im Rate der Völker hänge von seiner kommerziellen Ueberlegenheit und nicht von seinen Streit­kräften oder seiner militärischen Stärke ab. Dies sei auch der Faktor, von bem Jeine Verteidigung in Zukunft abhängen müsse. Weil das große Reich über alle Gebiete der Welt zerstreut sei, müsse seine Flotte aufrechterhalten bleiben. Man müsse sich bei irgendeiner Frage der Rüftungsverminderung klar vor Augen halten, daß Großbritannien seine Handelsverbin­dungen aufrechterhalten und die Wege seines Handels sicher st eilen müsse. Wenn man die Dominions sich stärker entwickeln lasse, dann könne man sicher in die Zukunft des Britischen Reiches blicken. Großbritannien trage heute die Hauptlast der Verteidigung des Reiches. Australien erkenne an, daß es sich ftris auf Die Verteidigung (einer Küsten durch die vritifche Flotte verlassen könne. Es habe eine sehr große Ausdehnung im Ausfuhr­handel der meisten Industrieländer Europas statt­gefunden. In den letzten drei Jahren habe Deutschland nicht auf einer wirklichen Kon­kurrenzbasis gestanden, aber es habe seinen Ausfuhrhandel riesig ausgedehnt. Nur um ein Beispiel anzuführen: Seine Ausfuhr von Eisen und Stahl habe seit 1923 um über 100 Prozent zugenommen. Obgleich sein Textilhandel noch nicht recht wiederhergestellt sei, gewinne es in Maschinen und Metallen seine Vorkriegsstellung wieder. Im Jahre 1923 habe Deutschland Fertig­waren in Höhe von 270 Millionen Pfund ausge­führt; im Jahre 1925 habe die Ausfuhr 326 Millio­nen Pfund betragen. Dies bedeutete eine Vermeh­rung um 20 Prozent. Die Zahlen Großbritanniens im Jahre 1923 feien 579 Millionen Pfund und im Jahre 1925 616 Millionen Pfund gewesen.

Das sei eine Zunahme von 6,3 Prozent. Bruce be­tonte nachdrücklich, daß dies eine äußerst u n = erwünschte Lage sei, und schloß mit der Ver­sicherung, daß Australien entschlossen sei, alles zu tun, was in feiner Macht stehe, um den Handel innerhalb des Britischen Reiches zu fördern.

Eins beSgische Anleihe.

Brüssel. 25. Oft. (WTB. Funkspruch.) In dem gestern abrnd unter Vorsitz des Königs abgehaltenen Ministerrat unterrichtete der belgi­sche Finanzminister Francqui den Minister­rat über die Ergebnisse seiner Londoner Verhand­lungen. Er berichtete über das Zustandekommen einer langfristigen Stabilisierungs­

anleibe in Höhe von 100 Millionen Dollar und teilte mit, daß der Belgischen Rationalbcmk und einer Gruppe von Emissionsbanken die Er­öffnung bedeutender Kredite einge­räumt worden sei.

Der rusfisch-lttauische vertrag.

Eine polnische Protestnote an Moskau

W a r s ch a u. 23. Oft. (WTB) Der polnische Geschäftsträger in Moskau hat dem russischen Außenkommissar Tschitscherin eine Rote der polnischen Regierung übermittelt, in der es mit Bezug auf den am 28. September zwischen Sow- jetrußland und Litauen abgeschlossenen Vertrag heißt: Die Regierung der polnischen Republik stellt neuerdings fest, daß im Artikel 3 des Rigaer Vertrages die Regierung der S. S. S. R. auf alle Rechte und Ansprüche in bezug auf die Gebiete, die im Westen der durch Artikel 2 des genannten Vertrages festgesetzten Grenzen liegen, Verzicht geleistet und die Erklärung ab­gegeben hat, wonach für den Fall, daß in den Bereich dieser Gebiete die zwischen Polen und Litauen strittigen Territorien gehören sollten, die Zuweisung dieser Territorien an einen der beiden vorgenannten Staaten ausschließlick unter die Kompetenz Polens und Li­tauens fallen werde. In weiterer Folge wurde die rechts politische Stellung dieser Gebiete durch die Entscheidung der Botschaf­terkonferenz vom 15. März 1923 bestimmt, welche auf die Initiative der litauischen Regie­rung hin veranlaßt wurde, eine Initiative, der sich die polnische Regierung angeschlossen hat. Durch obige Entscheidung ist die Stellung der fraglichen Territorien endgültig gelöst wor­den, indem sie Polen uni) Litauen in gleicher Weise verpflichtet. Diese für die beiden inter­essierten Parteien bindende Entscheidung kann durch keine unter Beteiligung nur einer der Par­teien geschlossene Ue&ereinfunft in Zweifel gezogen oder in Frage gestellt werden.

Eine neue Flagge der Sowjetunion.

Paris, 24. Oft. (Wolff.) Wie dieChicago Tribüne" aus Warschau meldet, hat die sowjet- russische Gesandtschaft gestern angekündigt, daß die Flagge der Sowjetunion nicht mehr die rote Flagge mit Sichel und Hammer, sondern eine rotgrüne Flagge mit goldener Um­randung und mit Hammer und Sichel im Mittelfelde fein wird. Tschitscherin, der diese Aenderung durchsetzte, hat dies damit erklärt, daß die rote Flagge das Symbol eines Parteikampfes sei und daher bei Straßenkämpfen verächtlich behandelt werde. Eine Großmacht wie die Rußlands müsse aber eine Flagge hyben, die Respekt einflöhe.

Kleine politische Nachrichten.

Der Herr Reichspräsident empfing den neuernannten Polizeipräsidenten von Berlin, Zörgiebel, sowie den Generaldirektor der Deutschen Reichsbahn-Gesellschaft. Dr. Dorp­müller.

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In Fünfhaus bei Wien wurden drei städtische Wohnhausbauten, darunter der Eberthof, er­öffnet. Der Eröffnungsfeier wohnte auch der deutsche Gesandte Graf Lerchenfeld bei. Dize- bürgermeister Emmerling führte u.a. aus: Mit der Eröffnung dieser Anlage wollen wir nicht allein den Mann ehren, der diesen Hamen getragen hat, sondern wir wollen damit zum Ausdruck bringen, daß wir uns eins fühlen mit dem deutschen Volke im Reich. Wir wollen immer und überall, wo wir passende Gelegenheit haben, uns für das Deutschtum, für den Anschluß, für die Zusammenfassung aller Deutschen ein- sehen.

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Botschafter Frhr. v. Maltzan er­klärte Pressevertretern, daß die schweren Steuern ein Hindernis für das wirtschaftliche Gedeihen Deutschlands darstellten. Thoi.rh fei das Er­gebnis einer von Präsident Coolidge am ^Inab- hängigkeitstage abgegebenen Erklärung, daß die Vereinigten Staaten Europa nicht helfen würden, falls die europäischen Staaten sich nicht verstän­digten.

Bei der Sturm-Katastrophe in K u ba ist die deutsche Gesandtschaft außer mäßi­gem Materialschaden unversehrt geblieben. Von dem Gesandtschastspersonal ist niemand verletzt.

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Das liberale Parlamentsmitglied Kenn- worthy hat beschlossen, eine englische Fort- schrittspartei zu gründen. Er erklärte, er werde mit der Arbeiterpartei zusammenwirken.

Die Königin von Rumänien wurde vom amerikanischen Institut für Stahl und Eisen in Reuhork empfangen. Bei dem Empfang, an dem über 1000 Industrielle teilnahmen, erklärte der Präsident Gary, daß zum ersten Male feit dem Bestehen des Instituts eine Frau bei einem Bankett geehrt werde. Die Königin erwiderte, das reiche Amerika solle Europa dabei behilf­lich fein, seine Lebensfähigkeit wiederzugewinnen.

Aus aller Welt.

Der Schwarzwald im Schnee.

Freiburg i. Vc.. 15. Okt. (WTB. Funk- spruch.) Im Schwarzwald sind Samstag und Sonntag weitere Schneefälle nieberge- gangen, und zwar bis in die tieferen Lagen hinab, so daß eine ziemlich geschlossene Schneedecke den ganzen Schwarzwald be­deckt. Auf dem F e l d b e r g und in den höheren Lagen schneit es beide morgen bei einer Tempe­ratur von minus 5 Grad Celsius weiter. Die Schneehöhe auf dem Feldberg beträgt 20 Ztm. Das Wetter Hart wieder auf.

Erdbeben in Armenien.

In Leninakan (früher Alexandropol) wurden durch Erdbeben 15 Personen getötet und 80 schwer verletzt. Etwa die Hälfte der Häuser wurde zerstört. Manche Straßen sind durch Trümmerhaufen un­passierbar geworden. Der Mittelpunkt des Erd­bebens befindet sich 180 Kilometer von Tiflis ent­fernt, südlich von Leninakan. Im Kreise Leninakan wurden 300 Personen getötet und 300 verwundet. Zwölf Siedlungen wurden zerstört, darunter sechs fast ganz. Einer Meldung der Erdbebenwarte von Tiflis zufolge trug das Erdbeben tektonischen Cha­rakter. Die Regierung hat Truppen zur Helfeleistung aufgeboten.

Turfschwindel.

Einem großen Turfschwindel ist die Offener Kriminalpolizei auf die Spur gekommen. Der Berg­werksangestellte Egerer hatte in Altenessen ein Konsortium gebildet, das sich aus Geschäftsleuten, Handwerkern und Turffreunden zusammensetzte, die ihn mit Geld unterstützten. Egerer hat diele Geld­geber im ganzen um 188000 Mark betro­gen. Mit den geliehenen Geldern hatte er drei Rennpferde gekauft. Mit ihm sollen noch andere Rennstallbesitzer in Verbindung gestanden haben, ebenso Trainer und Jockeys.

Großfeuer.

In Gräfenthal bei Saalfeld brach in einem am Marktplatz gelegenen Holzschuppen Feuer aus, das mit rasender Geschwindigkeit um sich griff. Die Feuerwehr war machtlos. Bald waren neun Wohnhäuser und 20 Rebengebäude, die einen großen Häuserblock umfassen, völlig niedergebrannt. 15 Familien sind obdach­los. Die Saalfelder Motorspritze warf allein zwölf Stunden lang ungeheure Wassermassen in den Brandherd, ohne jedoch etwas zu retten. Die Entstehungsursache ist unbekannt.

Vergiftung durch Aohlenoxydgas.

In Elberfeld wurden der Hausmeister bet Rheinisch-Westfälischen Baugewerk-Berufsgenossen- schaft, Bastian, seine Frau und seine 13jährige loch­tet in der Wohnung bewußtlos aufgefunden. Wäy- renb bie Eheleute ins Leben zurückgerufen werben konnten, liegt bie Tochter zur Zeit noch bewußtlos barnieber. Aller Wahrscheinlichkeit nach würbe bas Unglück burch ausftrömenbes KohlenoxHÜgas herbei­geführt.

Tragische Folgen eines Sturzes.

In Langenschwalbach ist der 52 Iahve alte Kaufmann Mondon einem plnglücksfall zum Opfer gefallen. Auf dem Heimweg von einer Ge­schäfts^ rhrt wurde auf der Kemeler Chaussee das Pferd scheu und ging durch Mondon sprang vom Wagen ab uno fiel auf den Hinter­kopf. Er konnte noch zu Fuß nach Hause gehen, verstarb aber an den Folgen des Sturzes. Der Wagenlenker wurde nur leicht verletzt.

Wettervoraussage.

Unruhig und Regenfälle, zunächst milder, später erneut leichte Wkühlung.

Ein neues kräftiges Fallgebiet liegt über den britischen Inseln, das auf unser Gebiet zustrebt. Auf seiner Vorderseite fällt in Westdeutschland bereits Regen. Die nördliche Luftströmung wird damit wieder von einer wärmeren, südlichen und feuchten abgelöst.

Heutige Morgentemperatur: 2,5 Grad Cel­sius.

Aus der Provinzialhauptstadt.

Gießen, den 25. Oktober 1926.

Die Basler Mission in Gießen.

Dortrag:Der Deutschen Anteil an der

Erziehung Afrikas."

hr. Der Redner des Freitagabends, MissionS- inspektor I e h l e, Stuttgart, hat persönlich an der großen internationalen Afrikakonferenz, die vom 14. bis 21. September in Belgien tagte, teil- genommen. Sie war reich an Arbeit und Anre­gungen, ein großes Erlebnis. Der Vortrag be­schränkte sich auf den Anteil der Deutschen an dieser Konferenz. Rachdem wir durch den Schmachfrieden von Versailles unsere sämtlichen Kolonien verloren haben, hat nun die Missions­arbeit doppeltes Interesse gewonnen, einmal das spezifisch-christliche, das ihre ursprüng­liche Wesensart ausmacht und das ihr nicht ge­nommen werden darf, zu dem jetzt noch das deutsche hinzugetreten ist, seit wieder deutsche Missionare die verlassenen Stationen ausgesucht haben. Wie werden die Deutschen auf dieser großen, internationalen Konferenz ausgenommen werden? lieber alles Erwarten war die Auf­nahme der Deutschen sehr gut, es zeigte sich das größte Entgegenkommen auf der Konferenz. An der Spitze der deutschen Delegation standen Pro­fessor Richter, der über 30 Iahre das Studium der Missivnsarbeit betreibt, und ferner Pro­fessor We st ermann, eine Autorität auf dem Gebiet sudanischer Sprachen. In einer der fünf großen Kommissionen, nämlich in der über Schrifttum und Sprache, war Professor Wester- m ann Vorsitzender, in zwei anderen führte Pro­fessor Richter den Vorsitz. Während in der Diskussion alle anderen Wortmeldungen zurück- gestellt wurden, erhielten die Deutschen sofort und zuerst das Wort, sobald sie sich dazu mel­deten. Sie waren geehrte und geschätzte Mitarbei­ter, und sie kamen mit Resolutionen, die auf zwei Vorbesprechungen in Berlin und in Barmen ge­faßt waren und die nun hier vorgelegt wurden. Für diese war man ganz besonders dankbar. Das größte Entgegenkommen herrschte, so daß man keinen Grund hat, im geringsten Klage zu führen über die sonst so gern geübte Hintan­setzung der Vertreter Deutschlands. An änglich war die deutsche Delegation sehr in Sorge, weil sie den Optimismus der Amerllaner nicht zu teilen vermochte; sanitäre Ausgestaltung der Ver­hältnisse, bessere Kleidung, bessere Unterhaltun­gen, Spiele usw., das ist vielleicht amerikanische Methode, aber nicht die Frohbotschaft, die zu verkünden die Deutschen ausziehen. Aber es muh besonders das Wort eines treuen Freundes der deutschen Mission, Oldham, festgehalten sein, der von derWiedergeburt des Missions­betriebes" redete, auch die Angelsachsen müßten sich umstellen auf eine andere, nämlich die deutsche Missionsmethode.

Von den Aufgaben der Evangelisation redete man zunächst. Was das Ziel dieser sein sollte, kleidete Professor West ermann in die Worte. Sie Seele Afrikas gewinnen für Christum". Die Diskussion erstreckte sich auf alle Einzelheiten, die wiederum in eine Resolution zusammengefaht wurden, die die überragende Bedeutung der deut­schen Mission erkennen läßt: Keiner ist Missionar, der nicht mit den Eingeborenen ihre Sprache reden kann und sich nicht eingelebt hat in die Eigenart des Volks, der zum Predigen noch eines Dolmetschen bedarf. Die wichtigste Frage auf der Konferenz war die Erziehungsfrage und das Schulwesen. Veranlassung dazu gab die Phelps- Stokes-Stiftung, die einen Wandel im ganzen Erziehungswesen nach sich zog. Was die deutsche Mission schon von jeher als ihr Ziel angesehen und schon immer in der Praxis betrieben hat, das wurde hier stürmisch gefordert, so daß auch in diesem Punkt der hervorragende Einfluß der Deutschen zu erkennen ist: es kommt nicht nur auf die Kopfbildung in der Schule an, sondern auch darauf, das Herz zu bilden, der Schüler