Unterredun g Stresemanns mit Bande rveldc. Die belgischen Blätter betonen -in ihren Ausführunaen, daß eventuelle Verträge niemals im englandfeindlichen Sinne abgeschlossen werden dürften.
Die Reichsbahnobligationen.
Die deutsche Hilfe für den Franken.
(Eigener Drahtbericht des „Gießener Anzeigers".)
Berlin, 25. Sept. Mit der geplanten Mobilisierung eines Teiles der deutschen Reichsbahn- vbligationen auf dem internationalen Geldmarkt wird ein Experiment unternommen, dessen Gelingen von großer Bedeutung für die Sanierung des Franken und die Befriedung Europas sein würde, dessen Mißlingen aber unabsehbare Folgen für die deutsche Währung und Wirtschaft ebenso, wie für die europäische Wirtschaft überhaupt nach sich ziehen müßte. Die seitens der Franzosen von Deutschland erwartete Konzession besteht eben in der Einwilligung zu diesem Wagnis, dessen Gelingen vor ollem von der Dosierung abhängen wird, in der man Reichsbahnobligationen aus dem Dawesplan mit seinen zum Schuh der deutschen Währung und damit zur Sicherung des ganzen Dawesplan auf geft eilten Transservorschriften herausnimmt. Die internationalen Finanzsachverständigen werden die Grenzen der Kommerzialisierung deutscher Reparationsobligativnen nach sorgfältiger Prüfung ermitteln müssen, damit einerseits die gewünschte Wirkung hinsichtlich der Stabilisierung des Franken — was wieder für die europäische Wirtschaft von großer Bedeutung ist — erzielt wird, ohne daß andererseits dadurch der deutsche Wechselkurs in Mitleidenschaft gezogen wird.
Daran hat nicht nur Deutschland ein vitales Interesse, sondern ebenso die Erwerber der auf Reichsmark lautenden Obligationen, also der internationale Geldmarkt, der die neuerworbenen Obligationen, ihre Verzinsung und Tilgung natürlich nicht der Gefahr der Entwertung aus- aeseht sehen will. Unter diesen Boraiassehungen könnte tatsächlich die Begebung deutscher Obligationen von bedeutendem Ruhen für die politische und wirtschaftliche Befriedung Europas werden. Unter diesen Boraussetzungen wird auch der Reparationsagent Parker Gilbert sich mit dem Projekt einverstanden erklären können.
Die Befürchtungen, daß durch die Mobilisierung von ReichsbaHnobligationen die Höhe der Berpslichtungen Deutschlands aus dem Dawesplan späterhin keinesfalls mehr herabgesetzt werden könne, daß also eine Revision des Dawesplanes nicht mehr möglich sein würde, trifft, wie wir erfahren, nicht zu, denn einer etwaigen Annullierung eines Teiles der Reparationsschuld steht deutscherseits gar nichts im Wege, lediglich der auf dem internationalen Markt ausgegebene Betrag — und das dürste nur ein kleiner Teil der ganzen Reparationsschuld fein — muß auf Heller und Pfennig abgezahlt werden. Was die Verzinsung der zu emittierenden Obligationen angeht, so ist, wie uns heute von wohlunterrichteter Stelle gesagt wurde, durchaus die Möglichkeit gegeben, diese, um einen größeren Anreiz zu geben, mit besseren Bedingungen (höherer Zinssatz, Ausgabekurs unter Pari) auszustatten, wenn andererseits die im Besitz des Reparationsagenten verbleibenden Teile der deutschen Reparationsschuld niedriger verzinst werden, als bisher. Es wird nur daran festgehalten werden, daß die Gesamt- b e l a st u n g aus dem Zinsen- und Tilgungsdienst die bekannte Grenze von 660 Millionen Reichsmark pro Jahr nicht übersteigt.
Darüber hinaus kommt deutscherseits noch die Erledigung einiger restlicher Entwaffnungsforderungen und gewisse Zugeständnisse in Handelsvertragsfragen in Betracht, um die politischen Gegenleistungen zu erhalten, die Frankreich bzw. Belgien als Hauptnutznießer aus der Verwirklichung des Obligationsprojektes zu erfüllen haben werden: Räumung der noch besetzten Gebiete, Konzessionen in der ©aarfrage, Rück- gabe von Eupen und Malmedy und endgültige Beseitigung der Cnt- waffnungskontrolle einschließlich des Jn- veftigationsbeschlusses des Völkerbundes.
Italienische Ratschläge.
Mailand, 24. Sept. (TU.) Der „Popolo d'Jtalia" schreibt in einem offiziös inspirierten Artikel, den er .Gute Ratschläge nach Thoiry" uverschreibt: „OBenn die Deutschen warten konnten, waren sie ohne Zweifel das erste Volk der Welt. Sie haben alles, um diesen Rang einzu- nehmen: Eisen, Kohle, eine große nationale Kultur, Disziplin, Verachtung der Gefahr. Mut zur Initiative, eine bewundernswerte industrielle Struktur und eine sehr günstige geographische Lage. Aber alle diese austerordentlichen Gaben zeitigten nicht immer Früchte aus M a n g e I a m Sin n für das Wartenkönnen bei den Führern und beim Doll."
Kegterungsfrifis in Polen.
Vor dem Rücktritt des Kabinetts Barthel.
W a r s ch a u, 25. Sept. (TU.) Die Sejmsitzung am Freitag dauerte mit unwesentlichen Unterbrechungen von 10 Uhr vormittags bis 9 Uhr abends. Die D:skussion war nicht weniger lebhaft wie in der Sitzung am Donnerstag. Man konnte aber doch bemerken, daß die Ausführungen des Ministerpräsidenten am Donnerstag er werde ge-?-2bc^f?IId den Sejm auflösen, eine ge- toifie Wirkung nicht verfehlt hatten. Kurz vor d Uhr abends fand die Abstimmung über die Ausschußanträge sowie über die entsprechenden Regierungsfassungen in zweiter Lesung statt Der Regierungsvorschlag erhielt überraschenderweise eme geringe Mehrheit. Für die dritte Lesung wurde auf 9 Uhr 30 Min. abends eine zweite Sitzung anberaumt, in der ohne weitere Aussprache die endgültige Annahme des %re 9-r1^ r urvn 9 8 h 0 r f 1 a 9 e 6 über das provisorische Budgetquartal erfolgte. D'e Rechts- parteien haben es vorgezogen, einem Kamps mit Pilsudski selbst aus dem Wege zu gehen und haben ihren Vorstoß gegen den Minister des Innern M l o dz i a n o w sk i und den Unter- rlchtsmmister Suikowski gerichtet. Zum Schluß der Seinisiyung wurden zwei Mißtrauen s- antrage gegen diese beiden Minister einge- die mit 176 gegen 83, bzw. mit 158 gegen 82 stimmen angenommen wurden. Daraus wurde die Sejmsihung auf Samstag vertagt. Die
beiden Minister reichten sofort ihr Rücktritts- gesuch ein. Das Kabinett trat gegen 1/212 Uhr zu einer Sitzung zusammen. Es hat sich mit den beiden Ministern solidarisch erklärt und dem Präsidenten der Republik das Rücktritts- gesuch des Gesamtministeriums überreicht. Der Staatspräsident hat die Gesamtdemission des Kabinetts angenommen und die bisherige Regierung mit der Weiterführung der Geschäfte betraut. Ueber die vermutliche Weiterentwicklung der Lage herrscht zur Zeit Noch Unsicherheit. Der größte Teil der Pil- sudski nahestehenden Presse rechnet damit, daß der Präsident der Republik im Laufe des morgigen Tages Bartels mit der Reubil- düng der Regierung betrauen wird, eine Auffassung, die auch von der Oppositions- preffe geteilt wird.
Gegen die Sparmaßnahmen poincares.
Eine Proteftversammlung von Bürgermeistern.
Paris, 24. Sept. (WTB.) Heute vormittag sind in Paris auf Anregung des sozial-republika- kanischen -Abg. Falcot 150 Bürgermeister der Arrondissements zusammengekommen, in denen durch die kürzlich erlassenen Dekrete die Unter- Präfekturen bzw. Arrondissementsgerichte aufgehoben werden sollen. In einer Tagesordnung protestieren sie gegen die auf dem Wege der Justizreform getroffenen Maßnahmen und ebenso gegen die Derwaltungsreform. Durch beide würde nicht die erwünschte Einsparung erzielt werden. Im Gegenteil, die Zusammenlegung der verschiedenen Stellen schasse infolge größerer Entfernungen und der damit nötigen Dienstreisen eher eine Verteuerung. Äußerem würde das soziale und geisttge Leben der durch diese Maßnahmen Betroffenen Arrondissements gefährdet. In der Tagesordnung wird die Regierung ausgefordert, die Durchführung der Reformmaßnahmen solange hinauszuschieben, bis das Parlament dazu Stellung genommen habe. Die Proteftversammlung verlies ziemlich stürmisch. In der Debatte betonte der radikalsozialistische Abgeordnete Daladter. früherer Minister in den Kabinetten Herriot und Driand, das beste Mittel, um ein Ergebnis zu erzielen, wäre, sofort auf das Parlament energisch einzuwirken, nicht um die Regierung zu stürzen, sondern um zu erreichen, daß die Durchführung der Erlasse der Regierung verzögert werde. Erst wenn die Regierung aus dieser Angelegenheit eine Prestigefrage machen wollte, sollte zur Offensive übergegangen werden. Wenn es gelänge, eine genügende Anzahl von Abgeordneten und Senatoren für diesen Gedanken zu gewinnen, so würde sich die Regierung ihr Vorhaben noch überlegen.
Die Versammlung hatte beschlossen am Freitagnachmittag bei Poincar 6 vorzusprechen. Poincars lieh jedoch erklären, daß er nur die» jenigen Bürgermeister empfangen würde, die Parlamentarier feien, worauf diese zu ihrem Delegierten den Abgeordneten Falcot wählten. Falcot lehnte es jedoch ab, nur mit einer Abordnung von Parlamentariern bei Poincare vor- zusprechen. Poincare erklärte, daß er es nicht bufben könne, daß die Bürgermeister gegen die Gesamtheit der Regierungsbeschlüsse protestieren, daß er jedoch bereit fei, die Bürgermeister derjenigen Gemeinden zu empfangen, deren Lage eine besondere fei, und daß er sie schriftlich verständigen werde, wann er sie empfangen wolle. Einige Senatoren und Abgeordnete unter den Bürgermeistern werden versuchen nochmals bei Poincare vorzusprechen. Unter den Persönlichkeiten, die gegen die Maßnahmen der Regierung protestteren, befindet sich auch der ehemalige Präsident der Republik, L o u b e t.
Die britische Slrafexpedition auf dem Yangtse.
Schangha i, 25. Sept. (WTB. Funkspruch.) Die britische Flottenexpedition auf dem Bangtse zur Wiedererlangung der von den Chinesen beschlagnahmten Schiffe ist bei Jtschang aufgehalten worden. Die chinesischen Plloten weigerten sich, weiter zu fahren. Ohne ic ist ledoch den britischen Schiffen das Passieren der Banglse-Stromschnellen unmöglich. orr, 3« Pe ing herrscht eine Kabinettskrise, ail.e Mrmster sind zurück, e ie en. Tschangtso- Itn wird erwartet, um eine Reorganisation der Regierung zu versuchen. Tschangtsolin soll acht Brigaden zur Unterstützung Wupeifus bestimmt haben, aber die Transportfrage bereitet Schwierigkeiten. Gaiiz im Süden geht der Tupan von Bunnam gegen Kwantung vor. Er soll Raumng, die Hauptstadt von Kwangsi besetzt
Erweiterung der Koalition in Preußen?
B erlin, 24. Sept. (WTB.) Wie der „Reichs- dienst der deutschen Presse" erfahren haben will, ist die Deutsche Voltspartei im Preußischen tanötage an das Zentrum herangetreten, um eine Aussprache über die Möglichkeit einer Regie- riingserwelterung in Preußen herbeizuführen. Die Deutsche Volkspartei wünschte eine Klärung dieser präge noch vor ihrem Kölner Parteitag. Die Auv- sprache wird am Montag zwischen dem oolkspartei- lichen Abgeordneten Leidig und dem Zentrumsabgeordneten H e ß stattfinden. Don dem Ergebnis dieser ersten Fühlungnahme wird es abhänqen in- wiewe'.t sich auch die Demokraten und die 'So'üal- Demofraten an den weiteren Verhandlungen b'ctei--
Das Reichsschulgefetz.
x5- Sept- (TU.) Die in Berlin unter oem Vorsitz des Unterstaatssekretärs a D Dr 7°ntze versammelte Führerschaft des'Evangelischen Reichselternbundes nahm au ber zur entscheidenden Auseinandersetzung stehenden Frage des, Reichsschulgesetzes Stellung ^n einer Garung spricht sie die Erwartung aus, daß d r 'n Aussicht gestellte Reichs-Schulgesetz- i ’n Bälde dem Reichstag zugeleitet und iffenUid) bekanntgegeben wird. Für die Gc- Gltern 9^t im Namen der
fflf T?- Gewissensfreiheit und die volle Gleichberechtigung der Bekenn tnis- chnle und gleiche staatliche Förderung, wie sie den ^eren Schu arten gewährt wird. Die bei Erlaß nh ^’^oerfaniing vorhandenen Schulen sollen blonderes Aniragsverfahren erhalten bleiben unb für andere d.e Möglichkeit eines sofortigen Er
öffnungsverfahrens gegeben werden. Die Bestimmung darüber, was ein geordneter Schulbetrieb ist, soll durch Reichsgesetz getroffen und dadurch auch Schulen mit geringerer Gliederung als geordnete Schulbetriebe anerkannt werden.
Einberufung
des Hessischen Landtags.
D a r m ft a b t, 24. Sept. In parlamentarischen Kreisen rechnet man damit, daß das Plenum des Landtags auf Dienstag, 12. Oktober, einberufen wird. Die Tagung wird wahrscheinlich nur einen bis zwei Tage in Anspruch nehmen.
Kunst und Wissenschaft-
Dem Andenken Wilhelm Raabes.
Der Denkmals-Ausschuß der Gefellschaft der Freunde Wilhelm Raabes, dessen Protektor der Reichspräsident ist, hat einen Aufruf zur Schaffung eines würdigen Raabe-Denkmals zum 100. Geburtstage des Dichters (8. September 1931) in seiner Vaterstadt Braunschweig erlassen.
Der Fall Mayr.
Das Kuratorium der Handelshochschule Mannheim nimmt jetzt zu der Kündigung des Vertrages mit Prof. Dr. Mayr in längeren Ausführungen Stellung. In der Erklärung heißt es: Prof. Mayr, der vorn badischen Ministerium als nebenamtlicher Dozent angestellt war, hatte in einem Prozeß gegen eine Bank als Sachverständiger auszusagen. Dies tat er in sehr leidenschaftlicher Art. und gebrauchte in dem Gutachten Ausdrücke wie Verbrecher, Räuber usw. Die Kammer für Handelssachen des Landes» gerichts Düsseldorf lehnte das Gutachten in dieser Form ab, mit der Begründung, daß er die ruhige Sachlichkeit völlig v er missen lasse. Die Hochschule ließ das Gutachten durch einen Gutachter prüfen. Der seiner Prüfung des Falles ging der Senat nicht auf den Inhalt des Gutachtens ein, sondern nahm lediglich an der Fvrm Anstoß. Ebenso das Karatorium. Die überwiegende Mehrheit war der Ansicht, daß die Art des Auftretens des Prof. Mahr den Anforderungen nicht entspreche, die man an einen Hochschulprofessor stelle und daß damit eine Gefährdung des Ansehens der Hochschulen zu erblicken sei. Das Kuratorium kam daher zu der Ansicht, daß es das beste fei, wenn der Vertrag mit Prof. Dr. Mahr gelöst würde.
Professor Karl Fran; t.
Der Direktor ber Berliner Universitäts-Frauenklinik, ber Charits, Professor Dr. Karl Franz, ist gestern im Alter von 56 Jahren gestorben.
Klemperer nach Berlin berufen.
Der Minister für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung hat Generalmusikdirektor Otto Klemperer vom Wiesbadener Staatstheater zum Operndirektor der Staatsoper am Platz der Republik ernannt. Otto Klemperer wird seine Tätigkeit am 1. September 1927 aufnehmen.
Aus aller Welt.
Rückkehr des Fischereischuhbooles „Ziethen".
Das Fischereischutzboot der Reichsmarine „Ziethen" ist von einer zweimonatlichen Forschungsreise in die Seegebiete nördlich R o r - w egens und später an die M urm anküste nach Wilhelmshaven zurückgekehrt. Die Fahrt des Schiffes diente im Interesse der deutschen Fischerei der Erforschung der biologischen Verhältnisse in den nördlichen Gewässern. In Ausführung des deutsch-russischen Wirtschaftsabkommens, welches den deutschen Fischern günstige Bedingungen einräumt, ist geplant, Richtlinien für die Fischerei herauszugeben, die darauf hinzielen, den Fischbestand in den nördlichen Gewässern im bisherigen Reichtum zu erhalten. Die Reise des „Ziethen", die die erhofften Ergebnisse gezeigt hat, war der erste Schritt in Ausführung dieser Absichten.
Einbruch im Karlsruher hauptzollamk.
Dor einigen Tagen ist in dem Karlsruher Hauptzollamt ein schwerer Einbruch verübt worden. Den Einbrechern fielen für 20000 Mark Steuer-. Wertzeichen für Zigaretten in die Hände. Die Behörden verweigern bisher über die Art des Einbruches jede genaue Auskunft.
Tobesstur; beim Obsipflücken.
In M i l t e n b e r g stürzte der 63jährige Landwirt Hauck beim Obstpflücken von der Leiter und' zog sich einen Genickbruch zu, der den sofortigen Tod zur Folge hatte.
Daldbräude in Südtirol.
3n Südtirol sind zahlreiche Waldbrände aus- gebrochen. Donnerstag si.ru> allein sieben, darunter einer bei Reumartt, der zeitweise den Ort bedrohte, aber von Militär noch rechtzeitig lvka- Irsrert wurde, ausgebrochen. Der Walobrand bei Franzensfeste konnte trotz aller Bemühungen bisher noch nicht gelöscht werden. Auf dem Löffelhorn wütet seit einer Woche ein Waldbrand, ein anderer bei Laos.
Ein Zyklon über Portugal.
Nach einer Meldung aus Lissabon hat ein vier Minuten lang wütender Zyklon große Verwüstungen in der Gegend von Santa rem angerichtet. Ganz besonders wurden die Städte A l p i a r und
* m *: i r i m heimgesucht. Bäume wurden entwurzelt, Plantagen zerstört und Dächer abgedeckt. Der Schaden ist bedeutend. Die Bevölkerimg flüchtete panikartig.
Schwerer Unglücksfall.
In den späten Abendstunden fuhr bei Ahm- to e g e n ein Privattraftwagen in ein von den '?onöverübungen zurücklehrendes Jnsanterie- bataillon hinein. Dabei wurden elf Soldaten verwundet, darunter vier sehr schwer. Das Auto wurde beschlagnahmt. Der Führer be= Haupt et, die marschierende Truppenabteilung wegen der Dunkelheit zu spät bemerkt zu haben.
Sizilianisches Familienschicksal.
Dieser Tage wurde in Sizilien ein 90jähriger •Bauer, der vor 5p Jahren wegen Mordes zu lebenslänglichem Kerker verurteilt worden war, aus dem Zuchthaus entlassen. Als man ihn damals abführte, wurde ihm gerade em Sohn geboren den er aber niemals zu Gesicht bekam. Als der Sohn 20 Jahre alt war, erfuhr er, pQB angeblich falsche Zeugenaussagen das Schicksal eines Vaters verschuldet hatten, 'worauf er aus Rache d i. e b e i d e n Zeugen u m b r a ch t e. De« Sohnes fahrige Kerkerstrafe war verbüßt, als sein prf^nmMnsnb!0t “nb konnten sich jetzt zum erstenmal Vater und Sohn in die Arme schließen.
Aus der Provinzialhauptstadt.
Gießen, den 25. September 1926.
Herbst im Vogelsberg.
Wie ein besonderes Gnadengeschenk sind sie dem Vogelsbera, dem hohen namentlich, gekommen: diese wundervollen Svätsommersonnentagtz. Wohl rollt sich an manchem Busch schon manches Blatt, wohl färbt sich hier und da ein Zweig; denn die Nächte sind kühl. Und schon zeigt sich, nun nicht mehr vereinzelt, sondern stark heroortretend über den Wiesen das — freilich unwillkommene — zarte Rosa der Herbstzeitlose. Noch einmal hat die Sonne sich aufgerafft, als wollte sie, ehe rauher Winter wiederkehrt, ihre ganze Majestät und Schönheit noch einmal fühlen lassen. Wärmend und mütterlich breitet sie ihren Glanz über Berg und Tal: Grüß dich Gott, du herrlich Land — Heimat du!
Die Kinder haben Ferien. Im Vogelsberg freilich heißt für sie „Ferien" meist soviel wie: Frei für die Arbeit im Feld. Manches mag wohl darunter seufzen; indessen — so abträglich die dauernde Anstrengung gar manchem Kinde ist —, es war in nicht gar zu ferner Zeit noch gcMz-anders: Da mußte auch das Schulkind noch, bevor es zur Schule ' ging, ein paar Stunden den Dreschflegel schwingen. Heute ist da doch vieles besser geworden; manches wird sich wohl leider nie ändern lassen, weil es einfach in den Verhältnissen begründet liegt. Wer sich wohl für alle Arbeit fremde Leute nehmen könnte?! Es ijt nun einmal so: Das Gebirge nützt seine Leute rücksichtslos aus; von Kind auf bis in die letzten Tage: keine Schonung.
Hier liegen Dinge verborgen — auch dir verborgen, lieber Leser? —, die einem manchmal schwer zu schaffen machen. Es hat bann etwas Versöhnliches, wenn an irgendeiner Stelle einer - weniger belebten Gaffe dieselben Kinder, die so ein- gefpannt sind, einmal ein freies Stündlein ausfüllen mit Sang und Reigen, mit Spiel unb Scherz.
„Hutzen off de Laawe, Käsebrot eam Schank, — all' däi schiene Määrechen hunn en schöpf (Sangt!“
So sagen sie einander vor unb schütten sich aus vor Lachen. Wobei denn nur zu „erklären" wäre, daß Hutzen soviel wie Dörrobst, Laawe der Speicher und Schank der Schrank ist, und Määrechen eben Mädchen sind. — Unb ein Mädelchen tischt auf:
„Eine Fraa, däi aalte Lerch'
ging de Sunndoag ean die Kerch, — de ferner eas voo dr Kacmzel gefprunge: .Häi, Aal', dou host faalsch gesungel'"
Und so geht's denn weiter in köstlichem Humor, in harmloser Derbheit, — in so gesunder Frische! Gott soll sie euch erhalten, — soll sie noch klären! Wie liebt man euch doch, ihr Knirple mit den blanken Augen, ihr Mädelchen mit den starken Zöpfen!
Laht's euch nun alle sagen, ihr Kleinen — und ihr Großen, über allem Spiel unb Scherz, über aller Frohgemutheit unb rechter Lebenslust, letzt im Herbst: Frucht bringen, das ist's, worauf es ankommt! Rechtschaffene Frucht bringen! Wie wär's, wenn wir darauf uns nun einmal ganz einstellten?! Kn.-U.
Die Förderung von wirksamen Zeitungsanzeigen
aus Anlaß der Gartenbau- und Elektrizitäts- Ausstellung hat eine lebhafte Mitarbeit der Leser des Gießener Anzeigers sowohl als auch der Anzeigenauftraggeber hervorgerufen. Diese Tatsache ist um so erfreulicher, als damit e#e Hebung der Empfehlungsanzeigen in bezug auf Text, Satzausstattung und Biu> angeftrebt und erreicht worden ist, die die Leserschaft in großem Ausmaß zu kritischer Beurteilung veranlaßt hat. Damit war naturgemäß auch ein gründliches Studium des Anzeigenteils unserer Zeitung überhaupt verbunden. In dieser Hinsicht formten also auch die Absichten der Anzeigenauftraggeber wesentlich gefördert werden. Die Auszählung der abgegebenen Stimmen und die Auslosung der ausgesetzten Belohnungen in drei Gruppen wurde amtlich überwacht und hat zu folgenden Ergebnissen geführt.
Die erste Gruppe mit der Anzeige, auf die sich die größte Sttmmenzahl vereinigt, entfiel auf die Empfehlung Rr. 39 der Deutsch-Amerikanischen Petroleum-Gesellschaft. Die orei Belohnungen von je 50 Reichsmark Warden aus- gelost zugunsten der Einsender
Otto Kempsf, Gießen, Goethestraße 69 II, Käthe Lemm, Gießen, Marburger Str. 56, Karl Horeyseck, Gießen, Seltersweg 19.
Tie zweite Gruppe mit der zweitgrößten Stimmenzahl zeichnete die Anzeige Rr. 47 der Oberhessischen Auto- und Fahrradindustrie Otto Göbel aus. Die drei Belohnungen von je 25 Reichsmark wurden ausgelost zugunsten der Einsender
Lehrer Ziegler, Kesselbach bei Londorf, Else Pauly, Gießen, Gnauthstraße 13, Erika Dock, Gießen, Roonstraße 20.
Die dritte Gruppe mit der drittgrößten Stimmenzahl wählte die Anzeige Rr. 40 von Fritz Rowack, Mech. Wäschefabrik und Ausstat- tungshaus. Die drei Belohnungen von je 20 Reichsmark wurden ausgelost zugunsten der Einsender
Wolfgang älhl, Gießen Frankfurter Str. 5 p, Paula Weidenbach, Gießen, Goethestr. 27 II, M. Herrlich, Gießen, Asterweg 44 p.
Die Belohnungsbeträae werden mittels Post- 1 schecks an die Beteiligten überwiesen werden.
Die 10 Anzeigenbesteller, auf deren Cmpfeh» lungsanzeigen sich die größten Stimmenzahlen bereinig 2a, sind der Reihe nach:
1. Deutsch-Amerikanische Petroleum-Gesellschaft mit Anzeige Rr. 39.
2. Oberhessische Auto- und Fahrrad-Industrie Otto Göbel mit Anzeige Rr. 47.
3. Fritz Rowack, Mech. Wuschefabrik und Aus- stattungshaus mit Anzeige Rr. 40.
4. Konsumverein Gießen und -Untgegenb, e. G. m.
b. H. mit Anzeige Rr. 2.
5. Hermanns & Froitzheim mit Anzeige Ar. 79.
6. Emmericher Waren-Expeditivn mit Anzeige Rr. 79.
7. Schade & Füllgrabe mit Anzeige Ar. 26.
8. Franz Bette mit Anzeige Rr. 35.
9. Modehaus Salomon mit Anzeige Rr. 10.
10. Elektrizitätswerke Gießen mit Anzeige Ar. 29. und mit gleicher Stimmenzahl wie die unter 9 und 10 aufgeführten Anzeigenbesteller
11. H. Schaffstaedt G. m. b. H. mit Anzeige Rr. 64.
12. Botina Schuh-Ges. in. b. H. mit Anzeige Rr. 87.
Den 12 Auftraggebern der von der Leserschaft als besonders wirksam bezeichneten Anzeigen wird


