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** Die Herbstferien der Giehener Schulen beginnen am kommenden Montag. Heute ist der letzte Schultag vor -den Ferien, der wohl für manches Mädel und manchen Buben und deren Eltern zu einem kritischen Tag werden wird, da heute in den höheren Schulen Zeugnisse erteilt werden. Der Unterricht wird am 11. Oktober wieder ausgenommen.

Für den Fährverkehr gesperrte Strassen. Wie das Polizeiamt uns mitteilt, sind wegen Dornahme von Walzarbeiten die nachbenannten Strassen bis aus weiteres für jeglichen Fährverkehr gesperrt: die Ludwigstrasse zwischen Wilhelm- und Liebigstrahe, die Wil- Helmstrasse zwischen Ebelstrahe und Äulweg, die Alicest rasse zwischen Ludwigstrasse und Frank­furter Strasse.

** 2) er 45 0 0. (9aft zeichnete sich gestern nach­mittag in dem Gästebuch im Flugplatzcafö ein. Es war Frau Elisabeth Geisel, Diezstraße 11 wohnhaft. Entsprechend der Zusage der Lustverkehr- A.-G. Oberhessen-Lahngau, jedem 500. Besucher des FlugplatzcafSs einen Freiflug zu gewähren, wird Frau Geisel in den nächsten Tagen trotz ihres Alters von 64 Jahren die Luftreise von hier nad) Frankfurt oder Kassel antreten.

Gewerbe- und Maschinenbau­schule Giessen. Das neue Semester beginnt am 1. Rovember. Es empfiehlt sich, so schreibt man uns, die Anmeldungen möglichst frühzeitig einzureichen, da wieder mit einem starken Be­such gerechnet werden mutz. (Siehe heutige An­zeige?)

** Personalion. In den Ruhestand versetzt wurde der evangelische Pfarrer Theodor Rebel zu Laubach auf fein Rachsuchen unter Anerkennung seiner langjährigen treuen Dienste mit Wirkung vom 4. Oktober. Ernannt wurde der Lehrer Gg. Jacobi zu Münzenberg zum Lehrer an der Volksschule zu Vilbel.

---Die Obsternte im Kreise Giessen ist in Völkern Gange. Die Zwetschen bringen eine vollständige Missernte: in den wenigen Orten, wo es Zwetschen gibt, kostet ein Zentner 20 bis 30 Mark. Die Apfelernte ist sehr gering, die Preise sind infolgedessen hoch: der Zentner wird schon am Baume mit 8 bis 10 Mark bezahlt und kostet im Handel 10 bis 15 Mark, je nach den Sorten. Am besten tragen wieder die Goldparmänen, dann gehen noch an: Harbevts-Reinette und Graue Reinette. Die edelsten Sorten haben vollständig versagt. Die Obst Pflanzung an der Strasse Giessen-Rodheim brachte die beste Ernte, und zwar in vorstehenden

Sorten. Eine sehr reichliche Birnen ernte ist aller­orten zu verzeichnen, die Preise sind infolge» dessen sehr niedrig: Honigbicnen kosten nur 1,50 bis 2 Mark, Tafelbirnen höchstens 3 bis 5 Mark. Bon besttragenden Sorten seien erwähnt: Reue Poitean, am reichlichsten an der Strasse Bellers­heim-Dettenhausen, Pastoren- oder Glockenbirne, reichsten Ertrag liefert die Strasse Lang-Göns bis Grüningen, Six Butterbirne, Strasse von Klein- Linden nach Lützellinden unb Grossen-Lind en, Mundnehbirne auf der Strasse Watzenborn-Stein­berg bis Grüningen.

* Deutsche Demokrat! s che Partei. Man schreibt uns: Am morgigen Sonntag, von vormittags 9.30 älhr ab, findet in Dad°Rauheim der Hessische Demokratische Parteitag statt. Wichtige Beratungen und eine republikanische Kundgebung, in deren Mittelpunkt die Dedeutting des Deutschen EinheitSgedankens für unsere hessische Heimat stehen, sind vorgesehen. Die hiesige Demokratische Partei lädt hierzu ihre Mitglieder im heutigen Anzeigenteil ein.

" Kaufmännische Der ufSwett- kämpfe. Deutschland steht fejt Monaten im Zeichen von Wettkämpfen auf allen Gebieten des Sports. Die heutige Wirtschaftslage zwingt je­doch auch, neben der körperlichen Ertüchtigung vor allem die berufliche nicht zu vergessen. Deshalb hat der Deutschnationale Hondlungs- gehilfen-Derband in seinem ganzen hessischen Gau­gebiet als Austakt zu seinen diesjährigen Winter­lehrgängen im Monat Oktober berufliche Wett- kämpse an fast allen grösseren Orten veranstaltet. Kaufmännische Lehrlinge und Iunggehilfen sollen zeigen, was sie gelernt haben und wo es noch fehlt. Reben Preisen des Verbandes winken den Siegern in den Städten Giehen, Mainz, Darmstadt, Worms. Lauterbach Ehrenurkun­den der Hessischen Zentralstelle für Vollsbildung und Jugendpflege.

** Pauschalgebuhren für Heb­ammen. Das hessische Ministerium des Innern und das Ministerium für Arbeit und Wirtschaft hgben neue Bestimmungen über die Bezahlung der Hebammen erlassen. Hiernach ist für alle Ver­richtungen und Aufwendungen der Hebammen bei der nach § 195a der Reichsversicheruygsordnung zu gewährenden Wochenhllfe den Hebammen von den Krankenkassen vom 1. Oktober 1926 ab ein Pauschalsah von 30 Reichsmark zu vergüten. Die Auszahlung dieses Betrages hat spätestens inner1 halb 8 Tagen nach Vorlage der Rechnung zu erfolgen. Die Hebamme ist nicht berechtigt, weiter- gehende Ansprüche an die Wöchnerin zu ft en,en.

** Eine Kindergottesdienst st ati- stik für Hess en. Rach einer von Pfarrverwal­ter Schmidt-Schlitz auf der Mainzer Tagung des Hess. Kindergottesdienstverbandes mitgeteilten, bis jetzt aber noch nicht vollständigen statistischen Ausstellung über die Kindergottesdienste und Sonntagsschulen gibt es in Hessen HO Gemeinde- Kindergottesdienste, wozu noch 27 Sonntags- schulen kommen, die von Schwestern geleitet teer­ten. Sie erfassen ungefähr eine Zahl von 10 000 Kindern. Die meisten Kindergottesdienste bestehen in der Provinz Starkenburg (52), in 0 6er- hessen sind es 33, in Rheinhessen 25. Auch in den Gemeinschaften werden Sonntagsschulen gehalten, die in den vorstehenden Zahlen nicht inbegriffen sind. In 60 Gemeinden sind Kinder- gottesdienste nicht möglich oder üblich.

** Sie Maul- und Klauenseuche wurde neuerdings in Leihgestern (Kreis Gießen), Fried­berg, Melbach unb auf der Görbelheimer Muhle bei Bruchenbrücken (Kreis Friedberg) amtlich festge­stellt. Bei den Schafherden in Großen-Linden und Lang-Göns ist die Seuche erloschen. In Gießen wurde der Sperrbezirk auf die verseuchten Gehöfte (Universitätsgut unterer Hardthof und Viehweide sowie auf das Gehöft des Jos. Stern, Rodheimer Straße 42) beschränkt. Gießen rechts der Lahn wurde gum Beobachtungsgebiet erklärt, das Beob- achtungsgebiet Gießen links der Lahn wurde auf­gehoben.

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Mein Fräulein/ sagt er in verbindlichstem Tone, wir wollen einen Hut l-aben?"Wollen Sie ihn abwechselnd tragen!?" fragte die Kleine zwei­felnd, indem sie errötet. Wir schauen uns an:Ach nein," sage ich,aufsetzen will ich ihn später allein, aber kaufen" Kasimir sieht mich entsetzt an ich meine, aussuchen" Kasimir atmet wie von schwerem Druck befreit aufaussuchen wollen wir ihn zusammen.Unb was wünschen Sie?" Billig natürlich, sehr elegant, angenehm und äußerst haltbar,"Ich meine, bei welchen Ge­legenheiten Sie ihn tragen wollen?" ,Lu allem selbstverständlich, zur Hochzeit und Hagelwetter, bei Tag unb Nacht, zum Begräbnis unb zur Metzel­suppe!" Das Mädel stellt keine weiteren Fragen, sondern holt stillschweiaenb Hüte herbei, s e h r viel Hüte, unb nennt Preise, sehr schöne Preise, unb wir setzen auf, sehr oft fetzen wir auf, bas heißt, ich halte meinen Kopf hin was ein Glück, baß kein Schafott im Hutlaben ist unb Kasimir be= bcckt mir bas Haupt. Von ben breien, bie ihr Urteil abgeben, finb immer zwei zuviel, denn jeder hat eine eigene unb anbere Ansicht. Von dem Möbel finbe ich es entzückenb, baß sie mir jebesmal, wenn ich überzeugt bin, bah mir ein Hut steht, bas Gegen­teil glaubhaft macht. Schließlich merkt sie jeboch, daß sie auf biefe Weife nie einen Hut verkaufen wirb und sie wartet ab, bis einer von uns eine Meinung geäußert hat, bie sie bann mit fünften Worten un­terstreicht. Aber nun stehen sich immer noch zwei Ansichten bei jebem Hut gegenüber. Wenn wir ja wüßten, wer von uns ben besseren Geschmack hat, aber fo ... ?! Schließlich werben wir mübc, alle drei, stillfchweigenb ohne UebereinCunft, unb als ich ben 123. Hut auffetze, sagt Kasimir:Der steht bir gut."Wirklich gut", echot das Möbel.Ja, wirklich gut", sage ich mübe im gleichen Tonfall mit bcrfelben angenommenen Ueberzeugung unb der Kauf wirb getätigt, trotzbem es sich nachträglich herausstellt, baß ich den Hut als Nummer 1 schon einmal aufprobierte . . .

Als ich tags brauf ben neuen Hut norm Spiegel auffetzte, paßt mein Gesicht nicht barunter. Ob ich freunblich ober grimmig breinfchaue, ich habe etwas Lächerliches an mir. Da ich weber Clown noch Hu­morist bin, stört mich bas außerorbentlich, unb ich versuche, ben lächerlichen Zug aus meiner Person zu entfernen. Natürlich hängt bas mit bem Hut zu­sammen. Ich schiebe ihn mehr in ben Nacken unb lasse die Munbwinkel herabhängen blasierter Lebemann! Ich schiebe ben Hut nach rechts unb lächle freundlich grab aus dem Wirtshaus komm' ich heraus! Ich ziehe den Hut in die Stirne unb blicke ernst Alleswisser ber berühmten Detektei! ; Enblich habe ich's heraus: Wenn ich bie Lippen fest zusammenpresse, die Nase wie schnuppernd etwas hochhalte, bie Ohren möglichst bicht an ben Kops an- lege, mit einem Auge verliebt, mit bem anbren ernst blicke unb ben Hui genau 16z Millimeter über bie Augenbrauen in bie Stirne ziehe, Heibet er mich gut.

Nachdem ich mir so mit vieler Mühe den Hut kleidsam aufgesetzt habe, gehe ich von bannen. Wie ich um bie nächste Straßenecke biege, begegne ich meinem Direktor. Devot ziehe ich den Hut unb als ich mein Haupt wieber bedecken will, habe ich keinen Spiegel habet. Ist das ein ungemütliches Gefühl, wenn man weiß, baß man nicht so aussieht, wie man unbebingt ausfehen möchte!! Ich stelle sehr schwermütige Betrachtungen an, aus benen mich ein Wnbstoß weckt, ber mir auf ber Brücke ben Hut vom Kopfe reißt unb ihn temperamentvoll ins Wasser schleubert. Ich springe bem neuen Hut nicht nad), fonbern trage morgen ben alten zum Fassonieren fort. Tacho.

9teformationsfeter in den Schulen

Das ßanbesamt für bas Bildungswesen (Staats­präsident) hat an die Kreis- unb Stabtschulämter unb bie Direktoren ber höheren Lehranstalten nach- stehenbes Ausschreiben gerichtet:

Aus Anregung bes Lanbeskirchenamtes gestatte ich, baß am 3 0. Oktober d. I., bem Tage vor dem Re ormationsfest, an allen Schulen für bie eoangeli chen Schüler unb Lehrer eine Schul­feier tattfinbet, bie ber 40 0jährigen Wie­derkehr des Jahres gewidmet ist, in dem in Hessen die Reformation eingeführt wurde. Nach ber Schulfeier fällt für bie evangelischen Schüler unb Lehrer ber Unterricht aus. Wie weit hiernach die Schulen an biesem Tage ganz zu schließen sinb, bleibt Ihrer Anordnung nach den gegebenen Verhältnissen überlassen.

Giesrcncr Wochcnrnarktpreise.

Es kostete auf deyr heutigen Wochenmarkt Butter 180 bis 200, Matte 35 bis 40, Wirsing 8 bis 10, Weisskraut 6 bis 8, Rotkraut 8 bis 10, gelbe Rüssen 10, rote Rüssen 10, Spinat 20 bis 25; Romischkohl 10, Dohnen (grüne) 18 bis 20, Dohnen (gelbe) 20, älnter-Kohlrabi 6 bis 8, Feld­salat 100, Tomaten 20, Zteiesseln 8 bis 10, Meer-

Bei verstärkter ßuftbemegung wolkig bis bedeckt, kühl und noch Regensälle.

Das warme, fast sommerliche Wetter der letzten Zeit hat seinen Abschluß gefunden. Don England rückt ein Wirbel in südöstlicher Richtung vor und verursacht kühles unb zeitweise regnerisches Wetter.

Bornotizen.

Tageskalen der für (Samstag. Männerturnoerein: Turn- unb Spielplatz, Schiffen- berger Weg: ab 4 Uhr nachmittags Wetturnen. Jungbentscher Orten: 8 Uhr, Palast-Lichtspiele, LichtbilbervortragSchlacht unb Grauen". Licht­spielhaus, Bahnhofstraße:Golbrausch". Astoria- Lichtspiele:Aus Welle 1000".

Tageskalender für Sonntag. Rosen- unb Dahlienschau von 9 Uhr norm, bis 6 Uhr abenbs, Turnhalle am Osroalbsgarten; nachmittags Konzert. Mönnerturnverein: Turn- unb Spiel­platz Schiffenberger Weg: Dorrn. 8 Uhr Wetturnen, nachm. 2 Uhr Schauturnen, nachm. 4 Uhr Hand- ballwettspiel WetzlarGießen; 8 Uhr abenbs, Kath. Dereinshaus, Familienabenb. Gießener Ruder- gesellschaft: 34 Uhr nachm. Dereins-Regatta unb Ab- rubern, anschließenb Siegesfeier. Gießener Rab- sahrerverein 1885: 3 Uhr nachm. Dereinsmeister- schaften. Lichtspieltheater wie Samstag. Pa­last-Lichtspiele:Der Flug um den Erdball", 2. Teil.

Roda Roda, ber Mann mit ber roten Weste, gibt am Mittwoch, 29. September, abenbs 8 Uhr, in ber Aula einenLustigen Abenb" aus eigenen Werken: er wirb Schwänke, Schnurren, Sa­tiren unb Gleichnisse zum besten geben.

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tK ben nächsten Tagen ein zeitgemässes Werk über Geschäftsteerbung zugesteNt werden. Es wird ohne Zweifel den ohnedies gut entwickelten Sinn dieser VefchäftSunternehmungen für die Zeitungsanzeige noch mehr heben.

Im ganzen betrachtet, darf die Einladung des Giessener Anzeigers an seine sämtlichen Leser und Auftraggeber zur Förderung von wirksamen Zeittmgsanzeigen als wohlgelungen bezeichnet werden.

Die Preisträger des Schaufenster - Wettbewerbs sind nunmehr festgestellt. Don den an der Ab­stimmung beteiligten Personen hat niemand 7 der preisgekrönten Firmen auf dem Abftimmungs- zettel aufgeführt. 8 Stimmzettel zeigten 6 der in Frage kommenden Firmen, weitere 156 Zettel wiesen 5 der prämiierten Geschäftsinhaber auf. Die ausgesetzten Preise verteilen sich wie folgt:

a) Stimmzettel mit 6 Firmen: 1. Josef 93ei)er, Giessen, Grabenstr. 12: 2. Luise Drescher, Giessen, Im Gartseld 7; 3. Mathilde Sternberg, Giessen, Marburger Strasse 44; 4. Kurt Geissner, Giessen, Plockstr. 9; 5. Willi Eller meier, Giessen, Teufelslustgärtchen 14; 6. Karl Müller, Alten-Buseck, Brandg. 5; 7. Albert Schneider, Lollar: 8. Minna W a l l w e h, Giessen, Landgraf-Phil.°Pl. 8.

Don den 156 Zetteln mit 5 Firmen wurden 17 durch das Los als Preisträger be­stimmt Es sind dies: 9. Ell-Y Kaiser, Giessen, Gartenstrabe 22: 10. Frieda Stecker. Alten- Buseck, Drandgasse 14; 11. Anton Dodenrö- der, Giessen, Goethestrasse 55; 12. Frau Amn Lepper, Gi-sseir, Afterweg 22; 13. Berta Doe- ger, Lonhorf, Steinstrasse 3; 14. Ludwig Pfaff, Giessen, Mittelweg 15; 15. Hans Höhne, Gie­ssen, Mühlstrahe 29111.; 16. Frau M. Hell­muth, Giessen, Dammstrasse 411.; 17. Erich Sattler, Wieseck, Kirchstrasse 17; 18. E. Eh -- brecht, Giehen, Kaiserallee 33; 19. Arthur Drück, Leihgestern, Bahnhofstrasse: 20. H. Winther, Giessen, Roonstrahe 44; 21. Frau Margarete Stadler, Giessen, Mühlstrahe 6; 22. Frau Lina Ä reu ter, Giehen, Wetzlarer Weg 51; 23. Rudolf Fritz, Giehen, Liebig- strasse 87 ll.; 24. Käthe Stamm, Giehen, Mäus- burg 12: 25. Gretel Meister, Giehen, Eich- gärten 27.

Da die Prämiierung unter Ausschluß des Rechtsweges stattfand, ist eine Beschwerde über die Verteilung der Preise unmöglich.

Ort und Zeit der Abholung der Gegenstände find aus dem heutigen Anzeigenteil zu ersehen.

Mein neuer Hut,

Es war höchste Zeit, baß ich mir einen neuen Hut kaufte, weil mein alter Eigenschaften besitzt, bie es nicht ratsam erscheinen ließen, ihn noch weitere fünf Jahre zu tragen. Dor allem ist er im Laufe ber Zeit eine fo weiche Seele geworben, baß er, wenn ich ihn auf bem Kopse habe, gar nicht weiß, wieviele Dellen er sich zur Verzierung zulegen unb wo überall er sie anbringen soll. Dann hat er zuviel Gewicht, weil er allmählich mindestens ein halbes Pfunb meiner vorzüglichen Haarpomabe in sich aufgenom-- men tjat, die meinen Haarwuchs nicht üppiger, sein Aussehen aber dafür viel glänzender gestattet hat. Außerdem paßt er in der Farbe nicht mehr zu meinen Anzügen, trage ich den blauen, sieht er qrau aus, beim grauen braun unb beim braunen Anzug blau; er hat wohl infolge Altersschwäche jegliche Anpassungsfähigkeit verloren. Immerhin hat er mir so treu gebient, wenn ich Leute nicht grüßen wollte, waren wir gerabegu miteinanter verwachsen baß ich mich keinesfalls einfach von ihm trennen kann. Damit er, ber mich immer von oben herunter anfah, mich auch einmal von der andern Seite kennen lernen Fann, bin ich auf die geniale Idee verfallen, mir ein Paar Sohlen echte Filzsohlen daraus zu schneiden unb sie in meine alten, wollte sagen, in meine zweitbesten Schuhe zu. legen.

Weil ich über keinerlei Einkaufstalent verfuge, bat ich meinen Freunb Kasimir, der immer sehr flott aussieht, sich am Nachmittag mir mir zu treffen. Kasimir ist pünktlich zur Stelle, als ich ihm aber ben Grunb nenne, warum ich ihn horzitiert habe, lacht er schallenb auf. Unb weshalb? Er versteht sich auch so gut" wie ich aufs Einkäufen und nimmt immer seine Schwester bazu mit! Ich lache auch, dann zerre ich ihn kurz entschlossen ins nächste Hutgeschäft, zu zweien muß es doch klappen!!

Im Laden finb, wie wir ä tempo mit einem Blick feftfteüen, brei Verkäuferinnen frei, eine grau­haarige, eine üppige blonbe in mittleren Jahren unb ein rassiges, junges Sing.Das Mittelalter ist gefährlich, bas Altertum hätte ja genug Erfahrung, aber bie Neuzeit ist zu verlockend", flüstert mir Ka­simir zu unb strebt bem Backfisch a. D. entgegen.

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