Für den Büchertifch.
Aus der Geschichte.
— Tannenber g, das Cannae be£ Weltkrieges, in Wort und Bild von General der Infanterie von Fran oi s. Verlag Deutscher Iägerbund, Berlin SW 48. Rechtzeitig zu den allerorts im Reiche stattfindenden „Tannenberg- Feiern" hat der rühmlichst bekannte General der Inf. von Francois ein Buch herausgegeben, das im Gegensatz zu den bisher erschienenen, rein militärisch-wissenschaftlichen Veröffentlichungen, eine wahrheitsgetreue und volkstümliche Darstellung der gewaltigsten Vernichtungsschlacht wiedergibt. Mit seinen 21 bisher unveröffentlichten Abbildungen und acht von dem Verfasser selbst gezeichneten Karten führt das Buch zum vollen Verständnis der genialen Schlacht en an tage unseres Generalfeldmarschalls von Hindenburg. Im Interesse des Ansehens unserer alten Armee und ihrer Führer wird nicht auf den müßigen Streit eingegangen, wer der wahre Sieger von Tannenberg ist. Aur eine, jedem verständliche, Schilderung der Vorgänge auf den heißumkämpf- ten ostpreuhischen Gefilden gibt dieser hochverdiente General. Alles in allem, ein wahrheitsgetreuer Rückblick auf eine schwere, aber stolze Zeit. Der äuherst wirkungsvolle Einband ist gezeichnet von dem Geschichtsmaler Rothgaengel.
Bücher der Wirtschaft.
— Expansion undvolkswirtschaft- l.iche Bedeutung deutscher ^lebersee- banken. Von Dr. Ludwig Lange. (Wirtschafts- ftudien VI.) Preis 3 Mk. Karlsruhe 1926. Verlag G. Braun. Mit der ülnterzeichnung des Dawesabkommens richtete sich das Interesse aller am deutschen Wirtschaftsleben beteiligten Kreise unseres Volkes und des Auslaiides unwillkürlich auf die Entwicklung unseres Außenhandels. Hierzu gab die allgemeine Erkenntnis Veranlassung, daß es uns nur vermöge eines Ausfuhrüberschusses gelingen würde, die Pflichten jenes Vertrages zu erfüllen Dieser Gedanke löste unbewußt ein gesteigertes Interesse für unsere Auslandsbanken aus, denen als Kreditgeber, Treuhänder und Vermittler eine hervorragende Rolle bei der Abwicklung unserer Auhenhandels- geschäste zufällt. Ihnen ist die vorliegende Arbeit gewidmet. Sie behandelt in erster Linie die Entwicklung deutschen Bankwesens in Süd- und Mittelarmerika und führt dem Leser in diesem Zusammenhang ausführlich die vielen und zum Teil unüberwindlichen Schwierigkeiten vor Augen, denen unsere äkeberseebanken sowohl in den Jahren ihrer Expansion wie auch besonders in urrd nach dem Kriege ausgesetzt waren. 430
— Die steuerlichc Belastung der deutschen Privathaushaltungen vor dem Kriege und nach der Inflation. Von Dr. H. Conrad, Oberregierungsrat am Landesfinanzamt in Kassel und Priv.-Doz. Dr. Fr. Raab, Gießen (Der Deutschen-Spiegel. Verlag, Berlin W. 35). — Diese neueste Veröffentlichung des Kuratoriums für Spar- und Ver- einfachungsmahnahmen ist deshalb von besonderer Bedeutung, weil sie einmal zeigt, in welchem Llmfange das Einkommen eines jeden einzelnen Deutschen in den letzten beiden Jahren für öffentliche Zwecke in Anspruch genommen wurde. Die auf sehr eingehendem statistischen Material fußenden Llntersuchungen ergeben den bestimmten Rachweis, daß die Belastung des einzelnen Verbrauchers (nicht nur das der Produzenten) ganz -ungeheuer gestiegen ist im Verhältnis zu seinem Einkommen. Eine Senkung der steuerlichen Belastung liegt also nicht nur im Interesse der Produzenten, sondern im Interesse der Gesamtheit des Volkes. Zur Erreichung dieses Ziels fordern die Verfasser eine sozialere Gestaltung und eine wesentliche Vereinfachung unseres Steuersystems 461
— Das Gesetz zum Schutz der älteren Angestellten, am 21. Juli in Kraft getreten, hat Rechtsanwalt Dr. Daum, Berlin, im-Auftrage des Deutschen Werkmeisterverbandes, Düsseldorf, erläutert. Dr. Baum ist einer der besten Kenner des Angesteütenrechtes und als solcher die geeignetste Persönlichkeit zur sachgemäßen und einwandfreien Erläuterung des an verschiedenen Stellen recht auslegungsfähigen Gesetzes. Der ausführliche Kommentar wird deshalb nicht nur den Arbeitgebern und Angestellten, sondern auch den Gerichten sehr willkommen sein.
Der tausendste Engechorn.
Von Fedor von Zobeltih.
Es sind immerhin Jahrzehnte her, da ich dem lieben alten Kommerzienrat Carl Engelhorn zum erstenmal persönlich gegenübertrat. Er besuchte mich, um auch mich für seine neugeschaffene Romanbibliothek als Mitarbeiter zu gewinnen. Der Gedanke lag damals in der Luft Die Tauchnitz-Edition erschien schon seit 1841, vorbildlicher aber war wohl eine moderne amerikanische Romanreihe: in Deutschland waren dann überaus vielgelesen die blauen Bändchen der Kollektion Spemann, das Urbild der „Insel- bucherei", sie brachten anfänglich freilich nur klassische Werke, die bei dem vermehrten Drang nach literanschen Bildungsmöglichkeiten seit dem nrCr Kriege viel verlangt wurden, später auch Autoren der Gegenwart. Daä war insofern ein gewaltiger Fortschritt, als man damit die Sitte vielbändiger und demzufolge teurer Romane durchbrach, die den minder begünstigten Leser in die Leihbibliotheken trieb, in denen er sich für em Paar Pfennige das Allerneueste ausleihen £ar-n*te’ Leihbibliotheken standen damals in Blute Ich entsinne mich noch recht gut des zähen Kampfes, den in der.ersten Hälfte der Achtziger eme Gruppe von Schriftstellern gegen diese In- : stitute führte, die für sie eine Schädigung ihrer Einnahmequellen bedeuteten. Auch Engclhorn nahm diesen, heute im Sande verlaufenen Kampf insofern auf, als er die Cinzelbände seiner Bibliothek zu dem erstaunlich billigen Preise von 50 Pfennigen auf den Büchermarkt warf. Er stützte sich allerdings dabei zunächst auf die Ausländer weil die Tiebersetzungsrechte noch keine erheblichen Kosten verursachten und weil er erst sehen wollte, wie sich das Unternehmen entwickelte
Sv erschien denn im September 1884 als erster Band von „Engelhorns Romanbibliothek. Ohnets „Hüttenbesiher", dem weitere Romane von Gröville, Braddon, Halevy. Reade, Kraszewski. von dem derzeitig bei uns noch wenig bekannten italienischen Veristen Giovanni Vecga u. a. folgten, doch taucht auch schon im ersten
(Werkmeister-Buchhandlung Düsseldorf (Kommissions-Verlag Otto Klemm-Leipzig.) Preis 1 Mark. 458
Handbuch der Finanzwissen- schäft, in Verbindung mit zahlreichen Fachmännern des In- und Auslandes herausgegeben von Wilhelm Gerlofs und Franz M c i s e l (Verlag von I. C. B. Mohr in Tübingen). Nachdem nun von dem das gesamte Gebiet der Finanzwissenschaft behandelnden Sammelwerk Band I geschlossen vorliegt, beginnt mit der soeben erschienenen 13. Lieferung bereits der 2. Band mit der Behandlung der „Besonderen Steucrlehre", und zwar berichtet in der Abteilung Direkte Steuern der Breslauer Professor Karl Bräuer über Ertragssteuern. 354
Klockhaus, Kaufmännisches Handels- und Gewerbe-Adreßbuch des Deutschen Reiches. Band: Promis Hessen-Rassau, Freistaaten Hessen und Waldeck (Verlag H. Klockhaus, Berlin N 58.) Auf mehr als 1000 Seiten sind geographisch geordnet die Ramen der kaufmännischen Handels- und Gewerbetreibenden nach Städten, Geschäftszweigen und Fobrikationsangaben besonders verzeichnet. Auch die Fernsprechnummern sind jeweils angeführt. Ein brauchbares Rachschlagewerk für jeden Geschäftsmann. 404
Aus Natur und Technik.
— Rassenkunde des deutschen V o l- k e s. Von Dr. H. F. K. Günther. I. E. Lehmann- Verlag, München. Preis geheftet 9,50, Leinen 12, Halbleder 16 Mk. — Innerhalb vier Jahren erschien dieses Werk in zehn Auflagen. Ein Beweis dafür, daß die Beschäftigung mit rassen- kundlichen Forschungen immer tiefer ins Volk eindringt. Rasse war noch vor wenigen Jahrzehnten ein kaum gekanntes Wort, mit viel- und weitdeutigem Inhalt. Erst nachdem durch einige tüchtige Forscher auf diesem Gebiete Klarheit geschaffen wurde, konnten die Grundlagen zur heutigen Rassenforschung freigelegt werden. Run ist es in aller Mund und in der Oeffentlichkeit heiß umstritten. In den Werken Gobineaus „lieber die Gleichheit der Menschenrassen", in Houston Stewart Chamberlains „Grundlagen des 19. Jahrhunderts" wurden zum ersten Male die Rasse in den Mittelpunkt des Weltgeschehens gestellt und Chamberlain sieht in der nordischgermanischen Rasse das Element, das alle Kulturen der Geschichte von der persischen bis zur deutschen gegründet und befruchtet hat. Die Werke von Baur — Fischer — Lenz über den „Grundriß der Erblichkeitslehre und dessen Hygiene" und Günthers: „Rassenkunde des deutschen Volkes" sind Marksteine in der bisherigen Entwicklung der Rassenkunde und bilden die Zusammenfassung der heutigen Kenntnis über dieses so schwierige Gebiet. Die Bedeutung des letztgenannten Werkes liegt nicht zuletzt darin, daß es dem Verfasser meisterhaft gelungen ist, die große Masse des deutschen Volkes für dieses Problem zu interessieren und zu begeistern. Die Volkstümlichkeit, gepaart mit wissenschaftlicher Eindringlichkeit, kann sich kein Werk mit diesem Standardwerk der Rassenkunde messen. An der Hand von 27 Karten und 541 Abbildungen bringt Günther ein ungemein plastisches Bild der fünf europäischen Rassen mit ihren körperlichen und seelischen Eigenschaften, ihren Wandlungen und Vermischungen im Gange der Geschichte, ihr Verhältnis zu Sprache und Sitten. In einem Anhänge ist die Rassenkunde des jüdischen Volkes eingehend und streng sachlich behandelt. Das Werk ist in einem fesselnden anregenden Stil geschrieben, fast frei von Fremdwörtern und überflüssigem Beiwerk und verspricht vielen Lesern Belehrung und Genuß zu verschaffen und auch die Kraft, daraus zu schöpfen, diese hohen Ideen in die Tat umzusehen. (302). — Im gleichen Verlag erschien auch die kleine Schrift von Hanno Konopacki — Konopath „I st Rasse Schicksal?", die einen kurzen, allgemein gehaltenen Beitrag zur Rassenfrage enthält. 313
— Biologische Experimente. Von Dr. W. Schurig. 2. verbesserte und vermehrte Auflage. Mit 203 Figuren im Text. Leinenband 10 Mk. Verlag von Quelle & Meyer in Leipzig. — Die große Bedeutung der Biologie für den Schulunterricht wird heute allgemein anerkannt: darüber hinaus haben weite Kreise den Wunsch, die wundersamen Lebenserscheinungen in der
Jahrgang ein deutscher Rame, der Spielhagens als äleberseher eines Rovellenbandes des nor- wegisch-amerikanischen Schriftstellers Hjalmar Bayesen auf. Im zweiten Jahrgang wird neben den Ausländern Deutschland bereits mehr berücksichtigt. Paul Lindaus kleiner Roman „Helene Jung" eröffnet den Reigen, und ihm folgen Rovellensammlungen von Wilbrandt, Hosten und von Claire von Glümer, denen sich zu Beginn 1886 als literarischer Reuling Ernst Remin mit seiner „Bersaillerin" anschließt. Eine ganze Anzahl von deutschen Schriftstellern, die um diese Zeit noch zu den Anfängern gehörten und sich erst allgemach Bahn brachen, wurden durch Engelhorn in weitere Kreise eingeführt, so Wol- zogen mit den „Kindern der Exzellenz", Baron Roberts mit „Satisfaktion" (beide Romane errangen auch in der Bühnenbearbeitung große Erfolge), Hermine Villinger mit ihren reizenden Schwarzwaldgeschichten, auch Richard Voß und Helene Böhlau als schon bekanntere, doch noch lange nicht genügend Gewürdigte. Bei aller Gegnerschaft zu einer äleberschähung der Auslandsproduktion muß aber doch betont werden, daß Engelhorn viele begabte Schriftsteller jenseits der Grenzen den Deutschen erst näher brachte, beispielsweise Daudet, Maupassant, Farina, Pon- topiddan, Sienkiewicz. die Serao und Burnett (deren „Kleiner Lord" eine ungeheure Auflagenziffer erreichte).
Jedenfalls trat im Laufe der Zeit der Anteil der Deutschen immer stärker hervor, unter dem Einfluß des Krieges gelangte das Ausland kaum noch in die Romanbibliothek, und auch jetzt über* toiegen durchaus die deutschen Autoren, obwohl inan sich keineswegs feindselig gegen die Literatur der ehemaligen Gegner verhält. Als ich den Kommerzienrat Engelhorn zum letzten Male sah - das war in Cannes und noch vor Kriegsbeginn — war er schon aus Kränklichkeitsgr-ünr>en aus der Firma ausgeschieden, die nunmehr als I. Engelhorns Rachf firmiert. Er wußte aber sein älnternehmen in besten Händen, dafür leistete schon die Persönlichkeit seiner Rachfolger, Dr. h. c. Paul Schumann und Dr. Adolf Spemann, die
Pflanzen- und Tierwelt aus eigener Anschauung kennenzulernen. Ein erfahrener Ratgeber dafür steht allen Raturfreunden in diesem bereits in zweiter Auflage vorliegenden Wcine zur Verfügung. Die übersichtliche Darstellung der Versuche von den einfachsten bis zu den schwierigeren ermöglicht auch dem Laien eine schnelle Orientierung. Die große Zahl der Abbildungen trägt das ihrige dazu bei. Für den Laien von besonders großem Werte ist die Beigabe der mikroskopischen Technik. Hier kann jedermann an Hand der völlig durchgeführten Musterbeispiele ohne Vorkenntnisse mikroskopische Präparate, Schnittserien usw. nach erprobten Methoden Herstellen. Möge das Buch, das vor so manchem , Mißlingen bewahren kann, in der Bibliothek jedes Raturfreundes Eingang finden. 414
— D i e Heide. Von Rektor R. Wagner. (Raturwissenschaftliche Bibliothek.) Mit 1 farbigen und 6 schwarzen Tafeln. Leinenband 3 Mark. Verlag von Quelle & Meyer in Leipzig. Der allgemeine Aufschwung der Raturliebe in den letzten Jahren hat auch die Augen für die besonderen Schönheiten einer deutschen Landschaft geöffnet, die früher als öde verschrieen, jetzt Hunderttausende treuer Freunde und Liebhaber zählt. Das sind die norddeutschen Heiden. Sie noch mehr zu erschließen, sie nicht nur künstlerisch zu genießen, sondern auch ihre Flora und Fauna sowie ihre Vergangenheit tennenzulernen. dazu gibt das vorliegende, bereits in 2. Auflage erscheinende, warm und flott geschriebene Buch die Mittel an die Hand. Der poetisch begabte Schriftsteller, der schwärmerische Raturfreund, aber auch der moderne tüchtige Forscher haben sich hier vereinigt, um ein Werkchen zu schaffen, das jedem, der wahres Raturempfinden besitzt, Freude und Genuß bereiten wird. 415
— Seltsame Entdeckungsfahrten der Ameisen Emse und Fleiß und ihre Folgen. Eine Erzählung für die reifere Jugend und für alle Naturfreunde. Von Prof. Dr. K. W. V e r h o e f f. Leinen 6 Mk. Verlag von Quelle & Meyer in Leipzig. — In diesem schon äußerlich höchst ansprechenden Werke haben sich ganz ungewöhnlicher Weise Raturforscher und Dichter die Hand gereicht. „Wahrheit und Dichtung sind zu einem entzückenden Ganzen verwoben. Der Leser erlebt nicht nur die Leiden und Freuden, Sorgen und Kämpfe des fleißigen Ameisenvölkchens, sondern er betritt auch eine Bühne, auf welcher vernunftbegabte Insektengeschlechter, Ameisen. Hummeln, Käfer u. a. zeigen, was sie verbündet zu leisten vermögen. Hummeln leihen den Ameisen ihre Flugkräfte, und die Kinder des Waldes durchstöbern entdeckungslustig ein Bauernhaus. Gefahrvolle Abenteuer unter den Menschen, wilde Kämpfe in den Waldeshallen und harte Arbeit reihen sich in buntem Wechsel aneinander, während seltsame Gestalten die Geschehnisse beleben. Niemals fallen aber dabei die Ameisen aus ihrer Rolle, und selbst vernunftbegabt, erfahren sie die Grenze ihres Können. Bei aller Spannung spüren wir stets den Wissenschaftler, der uns feine Llnmög- lichkeiten zumutet. 192
Schöne Literatur.
— Jens Peter Jacobsens Sämtliche Werke. (Leipzig, Hesse & Becker, Verlag. 3 Teile in einem Bande. In Leinen geb. 6 Mk.) Der Däne Jens Peter Jacobsen gehört zu den Vorbildern und Anregern der jungen deutschen Stürmer und Dränger aus den achtziger und neunziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts. Fand man bei Emile Zola nach all den Schönfärbereien der Epigonen eine peinlich genaue Wiedergabe der Wirklichkeit, zumal der alltäglichen und häßlichen, so entzückte Jacobsen durch eine bis dahin unerhörte Seelenmalerei. Obwohl dieser feine dänische Dichter nun bereits über vierzig Jahre tot ist, ist es, als ob eü noch unter uns lebte. Die vorliegende neue Ausgabe seiner Werke bringt nach einer knappen, das Wesentliche hervorhebenden Kennzeichnung nächst die wundersamen Gedichte (verdeutscht von des Dichters aus der Feder Karl Quenzels zu- Ella Brand) und die zarten Novellen (übertragen von Adolf Strodtmann und Robert F. Arnold). Den zweiten Teil füllt der berühmte Roman „Frau Marie Grubbe" (in der klassischen äleber- sehung Adolf Strodtmanns), den dritten Jacob- sens Hauptwerk, „Riels Lyhne", ein Buch, von
beste Bürgschaft. Die Richtlinien für seine Romanbibliothek, von denen er mir damals in einer anregenden Plauderstunde sprach, blieben im allgemeinen auch die seiner Nachfolger. Diese haben bann, nachdem sie dem Verlag durch die Gewinnung von Dichtern wie Herbert Eulen- berg, Frank Thieß, Otto Wirz und Walter Erich Schäfer neuen Glanz verleihen konnten, es verstanden, der Engelhornschen Romanbibliothek neue hohe Ziele zu stecken.
Das System der vierzehntägigen Erscheinungsform für den Band wurde bis in den Krieg hinein festgehalten, wobei die Doppelbände einzeln, später zusammengebunden verausgabt wurden. Jin Verlaufe des Krieges ver- langfamte sich das Tempo, heute wird allmonatlich ein neuer Roman herausgebracht, bei der verminderten Kauflust des Publikums, über die der Buchhandel nicht zum wenigsten zu klagen hat, dürfte indessen demnächst die Iahresausgabe sich aus sechs Einzel- und drei Dvppelbände beschränken. Die Preiserhöhung war ein natür- gemäßes Ergebnis der wachsenden Teuernis, der Steigerung der Löhne und der Ausgaben für das Material. Jetzt kostet der broschierte Einzel- band 1 Mk., der Doppelband 2 Mk., die Ganzleinenbande: der Einzelband 1,75 Mk.. der Doppelband 3,50 Mk. Das Verfahren geschlossener Jahrgänge, geschlossener Reihen wurde nach der 38. Reihe vorübergehend auf gegeben, um mit Band 1000 eine neue beginnen zu können.
Olm stärksten vertreten in diesem großen Sammelbecken deutschen Schriftwerkes ist Richard Voß (mit 25 Werken). Don der Generation, die man heute schon zu der älteren zu zählen pflegt, fehlt kaum ein bekannt gewordener Name (Heyse Wildenbruch. Wolzogen, F. v. Zobeltih, H. v. Iobeltitz, Stratz. Skowronnek, Hans Hopfen, Helene Böhlau, Daudet, Loti u. a.). Daß diese Vände immer noch begehrt sind, beweist die Höhe der Auslagen.
Vor etwa anderthalb Jahren ist die Sammlung in eine neue Aera eingetreten, die mit dem Novellenband „Der Kampf mit dem Engel" von Frank Thieß begann, in dem der in den letzten I
dem Ibsen gesagt hat. es gehöre zum Aller- mans zu finden sei. Ueberseht ist dieses Be- vorzüglichsten, was auf dem Gebiete des Ro- kenntnisbuch von Mathilde Mann. 438
- Hans Franck hat, wie uns mitgeteilt wird, soeben einen großen Roman unter dem Titel „QKinncr menn“ beendet, in dem die gewaltige Epoche jüngster deutscher Vergangenheit und Gegenwart vom Ausbruch des Weltkrieges an über die Ereignisse des Krieges selber, über Revolution und Inflation hinweg bis zur Stabilisierung der Verhältnisse in unseren Tagen, künstlerisch gestaltet ist. In typischen Figuren, wie wir alle sie noch kennen, und in grandiosen Szenen der Geschehnisse wird die Zeit heraufbeschworen und für alle Zukunft fest- gehalten, die. so nahe sie uns noch liegt, schon in die Nebel der Vergessenheit zurücksinkt. Mit den Arbeiten für den Druck dieses Werkes, das berechtigtes Aussehen erregen wird, und das, wie alle Werke Hans Francks, in d^kb--leipziger Verlage von H. Haessel erscheinen wird, ist bereits begonnen.
Pädagogische Schriften.
— Messer, August: Pädagogik der Gegenwart. Lebendige Wissenschaft. Bd. lll. Mauritius-Verlag, Berlin 1926. Verfasser hat sich die nicht leichte Aufgabe gestellt, in dem vorliegenden Werke eine Darstellung aller derjenigen Strömungen zu geben, die die Pädagogik der Gegenwart durchfluten. Es war dies um so schwieriger, weil dabei eine gaiize Reihe problematischer. ungeHärter, ja z. T. ganz entgegengesetzter unb sich sozusagen in allem widersprechender Fragen behandelt werden mußten. Nachdem zunächst in den beiden ersten Abschnitten! des Buches die Hauptvertreter, darunter auch ältere, der theoretischen (u. a. Willmann, Rein, Natorp, Dudde, Kesseler Paudig, Bergemann. Dilthey. Krieck, Cohn Messer, Litt) und der praktischen Pädagogik (Matthias. Münch, Jahnke, Paulsen. (Sauer, Sallwürk Gaudig, Gansberg. Scharrelmann, Wychgram u. a.) zu Wort gekommen sind, übt Verfasser in einem dritten Abschnitt, vorwiegend an Hand von Kühnels Buch „Die alte Schule" (Leipzig, Klink- hardt) Kritik an dem seitherigen Dildungs- und Erziehungswesen mit seinen Einseitigkeiten und seiner vorwiegend intellektualistischen Einstellung und stellt demselben in einem vierten Kapit^ die neuen Reformvorschläge zur ilebertoinbung des Intellektualismus und die Reformversuche auf dem Gebiete der Arbeitschule, der staatsbürgerlichen Erziehung, der Einheitsschule, der Lehrerbildung, der Jugendpflege und -fürsorge usw. gegenüber. Ein weiterer Abschnitt behandelt die Reform des deutschen Bildungswesens in der Zeit der Republik und gibt z. T. ausführlicher z. T. nur andeutend eine Schilderung der jetzigen Verhältnisse in Preußen, Thüringen, Bayern. Hamburg, Baden und Hessen. Ein Schluhkapitel bringt, gestützt auf die einschlägige Literatur und insbesondere auf die aus der Revolution heraus erwachsene Zeitschrift „Die neue Erziehung", die Reformgedanken unb die Reformtätigkeit des Bundes der entschiedenen Schulreformer mit ihrem Guten, leider vielfach Verkannten, aber auch mit ihren Utopien.
Dem bereits im Vorwort geäußerten Bestreben, in seinen Ausführungen eine möglichst objektive Darstellung der Verhältnisse geben zu wollen, ist der Verfasser gerecht geworden. Wo er zu einzelnen Fragen persönlich Stellung nimmt, geschieht es in ruhiger Sachlichkeit und auch dem anders Denkenden gegenüber in maßvoller Form. Das große Verdienst des Buches besteht darin, daß es dem Verfasser gelungen ist, aus dem Chaos der unendlich reichen zeitgenössischen pädagogischen Literatur ein übersichtliches, einheitliches und verständliches Bild loszulösen. Es fei deshalb jedem, dem die pädagogischen Probleme unsrer bewegten Gegenwart am Herzen liegen, insbesondere der Lehrerschaft, aber auch dem gebildeten Laien, aufs angelegentlichste empfohlen. erspart es doch dem Leser, besonders wenn es ihm mehr auf eine allgemeine Orientierung ankommt, das mühsame Sich-Einlesen in eine unübersehbare Masse von Einzeldarstellungen. Aus der anderen Seite gewährt es ihm die Möglichkeit, an Hand der von dem Verfasser reichlich angeführten Literatur nach Belieben sich in dieses oder jenes Problem zu vertiefen. 285
Dr. Roller.
Jahren so glänzend aufgestiegene junger Dichter das Thema von den magischen Kräften der Natur wieder mit Geist und hinreißendem Schwung aufnimmt. Es folgten daraus u. a. Werke von Johannes Guenther, dem Schweizer Schillerpreisträger Jakob Schassner, von Clara Diebig und dem neu auftauchenden, hervorragenden Künstler Alfred Neumann - - alles Kunstwerke von hohem Rang. Dazwischen stehen mehr volkstümliche Bände von stärkstem Spannungsreiz oder stark ausgeprägten Gemütswerten, und in dieser Zusammenstellung zeichnet sich deutlich das neue Programm der Sammlung ab: sie bringt eine möglichst große Zahl dichterischer Kunstwerke unter Vermeidung literatenhaster Artistik und streut dazwischen hinein populäre Bände — ersichtlich mit dem Ziel, auf diese Weise die Fühlung mit den breitesten Kreisen zu behalten und wertvollstes Dichtergut ins Volk zu bringen. Das Ziel ist hoch, der Weg dahin in unserer Zeit der Verflachung und der Hast verlegerisch wohl oft entsagungsvoll, der Erfolg aber bei der inneren Triebkraft dieser wahrhaften Kulturidee und der offensichtlichen Tatkraft der Leitung letzten Endes wohl sicher.
Eine weitere Thießsche Novellensammlung „Narren" wird den tausendsten Band der Engelhornschen Romanbibliothek füllen. Damit kann der Verlag ein Iubiläuin feiern, wie es', zumal in dieser Zeit der geringen Aufnahmefähigkeit seitens des Publikums, jedensalls zu den Seltenheiten gehört. Den „Narren" soll die Erzählung „Tito" von Ernst Zahn folgen. Der rühmlichst bekannte Schweizer Schriftsteller tritt damit auch in den Reigen der Mitarbeiter ein, und ihr wird ein neuer Roman „Der Kainsgrund" von Axel ßübbe sich anschließen, dessen vor drei Jahren erschienene Erzählung „Gottes Geheimnis über meiner Hütte" starke 'Beachtung fand.
Wenn ich als alter Freund und Mitarbeiter dem Hause I. Engelhorns Nachf. zu dem bevorstehenden Jubelfest des „Tausendsten" meine herzlichsten Glückwünsche ausspreche, so weiß ich, daß ich nicht allein stehe. Der FreundeÄreis der Firma umfaßt triefe, viele HmMertiausende,


