bic Zeil. Gießen spielte durchweg überlegen und siegte mit 3:1 verdient. Dem Spielverlauf nach batte das Resultat aber ein weit höheres sein inüssen. Bestechend spielten beim Sieger Mittelläufer und rechter Läufer. Sm Sturm gefielen Linksaußen und anfangs noch der Halbrechte, während alle anderen Stürmer zu langsam waren. Der linke Läufer hielt nicht Platz. Einen schwarzen Tag hatte die sonst so sichere Verteidiglmg. Der Torwächter spielte oft direkt leichtsinnig.
Die Spieler der Wetzlarer Bezirksligamannschaft nahmen sich, obwohl fertig umgezogen, reichlich -Zeit, bis sie auf dem Spielfelde erschienen und stellten das erschienene Publikum bei dem strömenden Regen auf eine harte Probe. Das Spiel muhte durch diese Bummelei zehn Minuten früher beendet werden, da es bereits dunkelte. Wetzlar F. C. 05 hatte seine derzeit beste (Mannschaft zur Stelle. 1900 spielte in der Aufstellung vom vergangenen Sonntag. Die Leistungen im Spiel wurden sehr durch den heftigen Wind und Regen beeinflußt. Die erste Hälfte sieht den Platzverein als ständigen Angreifer, dessen Ausbeute drei schone Tore waren. <Sin= mal war die Latte Retter in höchster Rot bei einem Fernschuh des Gießener Mittelläufers. Wer einen hohen Sieg der Einheimischen erhoffte, wurde in der zweiten Spielhälste enttäuscht. Hervorgerufen durch die große Boden.glätte wurde die Verteidigung der Spielvereinigung überlastet, da die Läuferreihe dem Wetzlarer Tempo nicht immer gewachsen war unö öfters tatenlos zusah. 3n dieser Drangperiode legten aber die Wetzlarer Stürmer eine solche älnsähigkeit an den Tag, dah es schliehlich nicht Wunder nahm, dah die Torerfolge ausblieben. Doch die Verteidiger der Vereinigung verhalfen selbst dem Gast zum Ehrentreffer. Statt einen Ball direkt zum Torwart zurückzugeben, wird erst ein kleines Kombinationsspielchen aufs eigene Tor gemacht. Der schnellere Gegner saust dazwischen, ein kurzes Hin und Her und der Treffer sitzt in den Maschen. Es zeigte sich wieder der Rachteil von einem bequemen Linienrichter nur an der Seitenlinie. Bei der Giehener Mannschaft mangelt es noch an Einheitlichkeit. Drei Stürmer müssen immer wieder versuchen, Vorlagen aus der Hintermannschaft früher zu erreichen als der Gegner. Die Ausflüge des linken Verteidigers ins Gelände haben zu unterbleiben. Sie nehmen der Hintermannschaft die Sicherheit. Bei Wetzlar tonnte das Spiel des neuen Mittelläufers, der über besondere Körpergröhe verfügt, gefallen.
Am Sonntagvormittag unterlag die 2. Mannschaft der Spielvereinigung einer durch Spieler der 1. Mannschaft verstärkte 2. der Marburger Germania trotz gleichwertigem Spiel. Zwei Lattenschüsse und zahllose darüber und daneben brachten dem Plahverein nichts ein, während die Gäste bei schnellen Durchbrüchen dreimal erfolgreich waren. Einen Treffer muhte der Gießener Hüter aber auch unbedingt halten?
Die erste Jugend fuhr in der Aufstellung wie am Vorsonntage nach Hanau und verlor 1:6, was bei der derzeitigen Spielweise vorauszusehen war. Die 3a°Mannschaft trug in Laubach gegen die dortige 1. das Rückspiel aus und siegte 1:0 rroy reichlichem Ersatz. Vorspiel in Gießen 2:2. Die Schülermannschaft war um 1 älhr zum Spiel nach Heuchelheim bestellt, konnte aber erst gegen 6 älhr spielen. Rachdem die Jungen den ganzen Rachmittag auf dem Heuchelheimer Sportplatz herumgelungert und trainiert hatten, erzielten sie in einem müden Spiel gegen den Platz verein nur ein 0:0. Heuchelheims 1. Jugend hatte der 3. 1900s abgesagt.
D. f. V.
Die Ligareserve muhte sich gewaltig strecken 3.ni> hatte ihre liebe Rot. mit der Ersten des Wer-Schmittener F. C. fertig zu werden. Wählend der ersten H^bzeit sah es gaiq nach einer katastrophalen Riederlage der Platzest aus, die nch in dieser Zeit kaum zu einer einzigen geschlossenen Aktion auf raffen konnte. Ihr Spiel war völlig systemlos. Daß sie trotz des Halbzeitresultats von 4:1 für Ober-Schmitten nach der Pause den Willen aufbrachte, dem Gegner den Ausgleich und sogar den Sieg abzuringen, ist ihr hoch anzurechnen. Allerdings soll nicht veistchwiegen werden, dah die Gäste längere Zeit nur mit zehn Mann kämpften, ein Umstand, der wohl mit am meisten zum knappen 5:4°Sieg der Einheimischen verhalf. In den kommenden Ver- bandsspielen müssen die Letzteren mit besseren Leistungen, wenigstens als denen der ersten Halb
zeit, aufwarten, wenn der Meistertitel nicht abgetreten werden soll.
Die Dritte hatte die Zweite Herborns zu Gast und festigte durch einen einwandfreien 3:l°Sieg aufs neue ihren guten Ruf. Hervorzuheben ist wieder die ruhige und faire Spielweise, sowie die gute Zusammenarbeit aller Mannschaftsteile dieser Els. Mit diesem Geist und Können wird sie sich sicherlich in den bevorstehenden Verbands spie len durchsetzen.
Ihre Reise nach Aschaffenburg zur dortigen „Viktoria" mußte die erste Jugendmannschaft mit zwei Ersatzleuten an treten. Die gegen den mehrmaligen Jugendmeister erlittene 3:0-Riederlage bedeutet für sie durchaus keine Schande. Die Aufnahme beim Gastgeber entsprach den echt freundschaftlichen Beziehungen der Jugendabtei- iungen beider Vereine. Trotz des Minussieges darf die Reise als Erfolg gebucht werden.
Das Treffen der zweiten Jugendmannschaft gegen Daubringens Jugend auf hiesigem Platz endete nach überlegenem Spiel der V. f. D.- Jugend mit 3:0 für diese. Für den Anfang nach langer Ruhepause ein netter Erfolg.
(-) Am morgigen Donnerstag findet aus dem Waldsportplah ein Fußballspiel statt, das weit über den gewöhnlichen Fußball- und Sportinteressententreis hinaus größtes Interesse entgegengebracht wird. Es ist das erste Mal, seitdem in Gießen Fußball gespielt wird, dah eine Marinemannschaft hierher kommt, um sich mit einer hiesigen Mannschaft zu messen. Daß es die erste Elf des Linienschiffes „Helsen" ist, die beste Schiffsmannschaft der Reichsmarine, verleiht dem Ganzen eine besondere Rote. Wie dem Verein für Bewegungsspiele vom Sportoffizier der „Hessen" mitgeteilt wurde, hat die Mannschaft Weihnachten 1925 zum letzten Male gegen Vereine des Westdeutschen Spielverbandes gespielt. Inzwischen hat die Spielstärke der Mannschaft durch das jahrelange Zusammenspiel erheblich zugenommen. Auf Der letzten Sommerreise Der „Hessen", die in spanische Gewässer führte, trat die Elf gegen F. C. Mahon (auf den Baleareninseln). Der Den spanischen Meister F. C. Barcelona 3: 1 geschlagen hatte, an und konnte mit 1: 1 ein respektables ilnent-cbieDcn erzwingen. Ebenso würben in Murcia und Cartagena ausgeglichene Spiele geliefert, in denen sich jedoch die Gegner dank ihrer größeren Ausdauer bei Der Hitze zum Schluß überlegen zeigten. Auch Die Spiele Der letzten Zeit gegen gute norddeutsche Mannschaften wurden knapv, aber sicher gewonnen. Die D. f. D.-Mannschaft wird in stärkster Ausstellung, wahrscheinlich wohl mit Vöck ler, Kreß 1L, Bingel, Bickhardt, P i t s ch, Köhler. Kleinke, Mandler. Flachskamp, Steger und Kreß I. antreten. In diesen anderthalb Stunden gilt es für jeden dieser elf Spieler, wirkliche Propagandaarbeit für Den Sport sowohl wie für den Verein zu leisten. Cs heißt, das Beste ans sich herausgeben und alle Kräfte einsetzen für Den Sieg, durch keinerlei Rörgelei und Kritik am Mitspieler die Homogenität der Mannschaft zerstören, sondern schärfste Selbstdisziplin üben, dabei Ritterlichkeit Dem Gegner gegenüber als erstes und vornehmstes Gebot betrachten. Dies zu befolgen, wird ihnen Ehrensache und Pflicht ihrem V. f. D. gegenüber sein, der ihnen eine Sportanlage geschaffen. die mit Recht eine Der schönsten Hessens genannt werden Darf.
Handball.
Sportfreunde Siegen - F. C. Po!izei Wetzlar 5:5. tz. Die ^leberlegenheit der Siegener Sportfreunde im Vorspiel gegen die Wetzlarer in Wetzlar mit 10:3 überraschte vor 14 Tagen. Wetzlar zeigte damals nicht viel mehr als ein zerfahrenes Spiel, das erste nach der Sperrzeit. Daß sie sich inzwischen besser erholt haben, bewies ihr Abschneiden in Siegen am letzten Sonntag. Die beiden Mannschaften standen sich bei schönem, etwas windigem Wetter mit je einem Ersatzmann auf beiden Seiten gegenüber. Siegen erzielt bald nach Beginn sein erstes Tor. Den schwachen Ball hätte der Wetzlarer Torhüter halten müssen. Doch dann ist Wetzlars Jnnensturm nicht zu halten und in kurzer Zeit liegen sie mit 4:1 in Front. Mit diesem Ergebnis wurde gewechselt. Siegen stellte um, und diese Umftellung bewährte sich derart, daß Sie-
Sturm in Schmalebeck
Roman von Sophie Kloerss.
Copyright 1926 by Aug. Scherl G. m. b. H„ Berlin. 5. Fortsetzung. Nachdruck verboten.
„3a. Und du wolltest nie sagen, woher du das Wort hattest."
„Soll ich es jetzt?" Sie lächelte von unten her die schöne Frau an. „Ich hab' es gehört. Don einem andern, der dich so nannte. — Jawohl. Von meinem sehr gestrengen Herrn Vater. Und ihr meintet, ich schliefe. Standet an meinem Bett, und er legte Den Arm um dich und sagte so. O Hansemutter, du wirst rot wie ein junges Mädchen!"
Was war das, was Friederike am Herzen riß? Neid? Eifersucht? — Sie war doch noch nie mißgünstig gewesen. Aber es tat weh, tief innen. — hätte es nicht auch so im eigenen Hause fein können? Wärme und Liebe und frohe Zärtlichkeit? Hatten sich die Eltern nicht auch aus Liebe geheiratet? — Warum war ewig Nörgeln und Mißstimmung und so viel Schwerfälligkeit? Und so selten ein freies, helles Lachen? — Lag es nur an der Nervosität Der Mutter? Lag es nicht auch an ihr? Wenn sie so heiter gewesen wäre wie Jlsebill. Wenn sie es so verstanden hätte, ihr Herz auszuströmen in liebevollen Worten! Wenn sie nicht so gräßlich schwerfällig gewesen wäre! Innerlich so Derb und ungewandt wie äußerlich! — Und das gute große Kind machte sich die eigene Not noch zum Vorwurf.
Niemand spürte die stille Tragödie. Ruhig ging Riekchen Jessen hin und wieder zwischen ihren Bettlaken, goß und spannte und dazwischen scherzte sie mit ihrem Liebling, dem braunen Hans, Der wie eine Klette an ihr hing.
„Da sind sie wieder! Da sind sie wieder!" Aenne und Brigitte schrien vom Fluß her und deuteten nach Den jenseitigen Wiesen. Sie wandten alle die Köpfe dorthin.
Da ging Eitel Vestrup, Der Zeichenlehrer, mit seinen Schülern und gestikulierte und deutete in die Landschaft, stand still, zog den Stift aus Der Tasche, nahm Den Zeichenblock unter dem Arm hervor, riß Linien und nun---Wie auf Kommando bogen
sich alle nach vyrn, spreizten die Beine und sahen zwischen ihnen hindurch.
„Was heißt das? Um Himmels willen, was heißt Das? SinD Sie alle verrückt geworden?"
„Das ist Vestrups neuester Trick. Die Schüler müssen sich von hinten her und über Kopf Die Land- schäft betrachten. Dann erst geht ihnen Das Bild in Der Landschaft auf."
Eben kamen alle Köpfe wieder empor, und um Eitel Bestrups Haupt wehte das Haar wie eine gelbe Löwenmähne. Jetzt sah er drüben die Frauen und Kinder, schwenkte Die Hand zum Gruß und jodelte, kraftvoll und falsch, Denn er war nur ein Jahr in München gewesen unD hatte es nicht gelernt.
„Heute nacht haben die Nachtigallen gejauchzt", rief er hinüber. „Süßer fangen sie den seligen Göttern nicht auf Des Olympos Höhen. Mir ist noch wonnetrunken davon zu Sinn."
„Ob er immer durch die Beine sieht, wenn er wonnetrunken ist?" murmelte Ilse,
Vestrup sah nur die fröhlichen Gesichter, nicht ahnend, daß diese Heiterkeit auf seine Kosten ging.
„Wie Die Nausikaa und ihre Gefährten Dem gört- lichen Dulder Odysseus — sind die Herrinnen dort, gehüllt in Schönheit und Jugend", improvisierte er.
„Falsch, falsch!" rief Hanse zurück. „Wer Da will dichten, soll sich nach gültigem Versmaß richten."
Die Zeichenschüler, die ungeduldig geworden, setzten sich in Bewegung und ließen ihren Meister zurück. „Täuw, täum!" schrie Vestrup und machte lange Schritte. „Wollt ihr auf mich warten, ihr Bandel Wer da mit Göttinnen spricht, versäumt an den Hammeln die Pflicht." Und er setzte sich wieder an die Spitze Der kleinen Schar.
Vom Doktorhause her tönte eine Glocke. „Mittag, Mittag!" stürmten Die Kinder davon. Die Mutter folgte ihnen. Nur die zwei jungen Mädchen blieben zurück und gossen noch eine tüchtige Flut über das Linnen, ehe sie durch die heiße Sonne nachgingen.
Arm in Arm kamen sie die lange Lindenallee des Doktorgartens hinauf, wie durch eine hohe grüne Tempelallee. All die Millionen Blattherzen zitterten, und ihre Schatten tanzten über den Kies. Ein weißer Schmetterling flog nieder aus Der Höhe, leuchtete auf im einfaüenDen Sonnenstrahl, kreiste um Ilses Haupt unD stieg wieder empor.
"Ein seliger Geist grüßte dich", flüsterte Riekchen.
„Ich bin mehr für Menschen als für Geister."
gen, vor allem durch seinen guten Stürmer Klein, nicht nur den Ausgleich, sondern and) noch Die Führung mit 5:4 erreichen konnte. Dann folgte wieder eine Sturmperiode der F. C. Polizisten, die ihnen durch einen Alleingang von Voß Den mehr als verdienten Ausgleich einbringt. Mit 5:5 endete das von beiden Seiten mit guten, wechselvoUen Leistungen durchgeführte Spiel.
Leichtathletik.
Resultarevom Drettänderkampf.
Der Leichtathletift-Drei°Länder-Kaw.pf Deutschland — Schweiz — Frankreich,
Der, wie gemeldet, mit einem überlegenen deutschen Siege (127,5 P.) vor Frankreich (89,5 P.) und Schweiz (68 P.) endete, erbrachte in Den einzelnen Wettbewerben folgende Sieger: 100 Meter: Körnig-D. 10,9. 200 Meter: Kör- ni g-D. 21,8. 400 Meter: Iinbach - S. 48,8. 800 Meter: Martin-S. 1:54,5. 1500 Meter: Dr. Peltzer° D. 3:59,8. 5000 Meter: Diekmann - D. 15,8,4. 110 Meter Hürden: Troß- b a ch - D. 15,4. Kugelstoßen: Brechenmacher- D. 14,19. Diskuswerfen: H o f f in e i st e r - D. 40,85. Speerwerfen: Molles-D. 54,46. Weit- sprung: Dobermann - D. 7,03. Hvchsprung: Lewden-F. 1,89 Meter. Stabhochsprung: M ö- b i u s - D. und V i n t o u s k y - F. 3,65 Meter. 4X100-Meter-Stafsel: Deutschland 41,8. 4x400-Meter-Stafsel: Deutschland 3:17,4.
Tennis.
Giehener Tennisciub von 1922
1. Tourniermannschaft siegt in Kassel mit 9:6 Punkten gegen Kurhessen-Kassel.
2. Tourniermannschaft in Gießen mit 12:6 Punkten gegen Den Wetzlarer Tennis-Club.
cf. Einzel-Ergebnisse des Wettspiels gegen Kassel: Herreneinzel: Dr. F i s ch er — A ve- marg 6:2, 6:2, Bostroem — O. Wallach 6:3, 6:4, Kirchner Bohne 3:6, 2:6. Roll —S t ra ck 6:3, 6:1, H a m a n h —- 0 i 11 i cf) 4:6, 8:10, Bo ck—Heitmann 4:6, 4:6.
Herrendoppel: Dr. Fischer, Roll — Bohne, O. Wallache 3:6, 0:6, Kirchner, Hamann — Avemarg, Sittich 6:3, 5:7, 6:3, Bostroem, Dock — Strack, F. Wallach 6:3, 4:6, 6: 1.
Dameneinzel: Sri. Kempfs— Frau Strack 2:6, 7:5, 7:5, Frau Werner—Sri. Freytag 7:5, 2:6, 3:6, Frl. Stark— Luck» Hardt 6:1, 3:6, 9:7.
Gemischt: Frl. Kempff, Dr. Fischer — Frau Strack, Bohne 6:1, 0:6, 4:6, Frau Werner, Kirchner — Frl. Luckhardt, Avemarg 7:5, 6:3, Frl. Stark, Hamann — Frl. Frehtag, Strack 6:2, 6:2.
Preußen.
Kreis Wetzlar.
<> Aus dem Kreise Wetzlar. 24. Aug. Der Bezirksausschuß zu Koblenz hat jetzt doch noch den Schluß der Schonzeit für Rebhühner, Wachteln und schottische Mvorhühner auf Den 25. August festgesetzt, so daß der 26. August der erste Jagdtag ist.
O Lühellind en , 24. Aug. Bei den vorgestern in den hiesigen beiden Wirtschaften abgehaltenen Tanzbelustigungen handelt es sich nicht, wie irrtümlicherweise berichtet wurde, um das diesjährige Kirchweihfest, sondern lediglich um öffentliche Tanzlustbarkeiten, Die den Wirten von der Polizeiverwaltung auf Antrag genehmigt wurden. Der Antrag der Burschen auf Erteilung der Erlaubnis zur Abhaltung des Kirchweihfestes ist vom Gemeinderat abgelehnt worden.
<> Dornholzhausen, 24. Aug. Aus Anlaß des erneuten Ausbruches der Maul- und Klauenseuche in der hiesigen Gemeinde fand beute vormittag eine Tlnt ersuchung sämtlicher Klauenviehbe stände durch Veterinärrat Dr. Zürn zu Wetzlar statt. Bei dieser .Untersuchung wurde die Seuche in weiteren 10 Gehöften festgestellt. Zur Einbringung Der Ernte hat das Landratsamt gestattet, daß Die Besitzer nicht verseuchter Gehöfte mit ihren Rindviehgespannen innerhalb Der Gemarkung fahren Dürfen. Der erneute Ausbruch der Seuche hat weiter im Gefolge, daß gemäß der Anordnung Des LanD-
„Was Wunder! Wo Dir alle Herzen zufliegen!" „Ach Riekchen —!" Und eine Pause. Dann, schnell zusammengerafft: „Und wie geht cs Griitz- mann?"
Arme Menschen, Die ihre Gefühle so gar nicht verbergen können! lieber Riekchens Gesicht liefen ganze Purpurwogen. „Ich weiß nicht. Er war seit neun Tagen nicht in Der Stadt. Ich meine---
Ach Jlsebill, ich mein' doch nur, ich hab' ihn so lange nicht gesehen."
„Die Tage zählst Du schon? Aber Riekchen!"
„Nun mirD er schon öfter kommen, wo Du wieder da bist. Ilse, wenn Du ihn doch lieben könntest."
„Beste, wenn! — Und es wäre gar kein Glück. — Von ihm ist es eine Verirrung. Er wird schon einsehen, wo er sein wahres Glück finden kann." _ Riekchen lächelte. Ein freundlich hilfloses Lächeln. So eins: „Du bist gut, aber Das weiß ich besser."
Nun standen sie an Der Pforte, Die beide Gärten verband, lieber ihnen Die leise raunenden Baumkronen, neben ihnen blühender Flieder, alles voll Duft und Sonne und Jugend. Und Da kam es fernher wie ein Dumpfes Murren — ebbte hinweg — schwieg für Sekunden und stieg noch einmal drohender unD herrischer an.
Aber Droben am Himmel war noch keine Wolke zu sehen.
*
Zwölf Mitglieder waren es. Die seit Jahren am Donnerstag um sechs, Sommer wie Winter, sich zum Spiel jufammenfanDen. Die alten Rottmanns, das Fräulein Rosen, Der Kantor Mampcrt, Pastor Jessens, Die beiden Fräulein Schnäpel, Herr Nilius, Fräulein Moorwood, Herr und Frau von Krog. Krogs kamen dazu vom Eichtal herein und spannten im „Blauen Kater" aus.
Gs war auch Sitte, daß in einigen Der Hauser allerlei Jugend an Dem Tage sich Dazu fanD unD Die guten Dmge: Mürbekuchen. SanDtorte, gefüllten Kringel und ein reichliches AbenDbrot mitgenossen. Da aber nicht alle in Der Lage waren, eine so weit- gehenDe GastfreunDschaft zu üben, war Das nur bei Krogs draußen der Fall, bei Melanie Rosen, die in sehr auskömmlichen Verhältnissen lebte, und bei Rottmanns. Da traf sich die Jugend in den Doktorstuben unten und Das Alter oben beim alten Herrn.
Heute waren Rottmanns an her Reihe.
ratsarntes im hiesigen Orte und in einem Umkreise von 5 Kilometer keine Festlichkeiten, mit denen größere Menschenansammlungen verbunden sind, abgehalten werden Dürfen.
kz. Nauborn, 24. Aug. Die V e r b i n d u n g s. straße zwischen Den beiden Flußtälern von Wetzdach und Solmsbach, Nauborn — Schmalbach — Nicder-Oucmbach — Kraftsolms, wird nächstens in Den Besitz Der Provinz übergehen. Eine Anzahl Schönheitsfehler der Straße werden jetzt beseitigt. Einige Stellen werden einer Verbreiterung unterzogen, scharfe Kurven werden durch weiteren Ausbau ausgeglichen, und die auf Der Fahrbahn durch Den schweren Wagenverkehr entstandenen Löcher und Rinnen werden ausgefüllt.
— — Groß-Rechtenbach. 24. Aug. Anläßlich Des vor kurzem gefeierten 25jährigen Amtsjubiläums des hiesigen Rentmeisters Earl hat die Bürgermeisterversammlung der Bürgermeisterei Rechtenbach dieser Tage dem Jubilar nachträglich ein wertvolles Jukäläums» gescheut überreicht.
kz. B i s k i r ch e n , 24. Aug. Die Sehnsucht nach dein glückverheißenden Amerika packte auch den hiesigen Einwohner Heinrich Bessert. Am Sonntag hat er unseren Ort mit Den besten-Glückwün- scheu her Gemeindeglieder verlassen.
kz. Braunfels, 24. Aug. Im hiesigen schattigen Tiergarten sand ein gut besuchtes Konzert, ausgeführt von Dem Stadtorchester Wetzlar unter Mitwirkung des Männergesangvereins Braunfels, statt. — Der Besuch der Kunstgewerbeaus- st e 11 u n g war recht zahlreich. Die altertümlichen Gegenstände aus vergangenen Jahrhunderten, die fast alle aus dem Familienbesitz von Braunfelser Bürgern stammen, bewiesen, wie gerade hier die Freude an altererbtem Familiengute groß ist. Ein beträchtlicher Teil der Ausstellung gilt dem Kunst- handwerk in alter und neuer Zeit. Der Besuch Der Ausstellung kann nur empfohlen werden.
Kreis Biedenkopf.
kz. Waldgirmes, 24. August. Für jeden nassauischen Kirchenkreis wird demnächst eine Ar- beitsge mein schäft für Kirchenmusik gebildet. Sie hat die Aufgabe, dic Kirchenmusik, insbesondere den Choralgesang zu pflegen und zu för< Dem. Die Arbeitsgemeinschaft soll aus dem Geist- lichen des Kirchenkreises und Denjenigen Personen bestehen. Die innerhalb des Dekanats in regelmaßi- - gern Dienst sich her Pflege her Kirchenmusik widmen. < Ebenfalls wird für jeden Kirchenkreis eine Arbeitsgemeinschaft in Schule und Kirche gebildet. Sie setzt sich zusammen aus den Religionslehrern des Kirchenkreises einschließlich des evangelischen Schulrats und aus den Geistlichen des betr. Sprengels. Für kirchliche Vereinspflege und freie christliche ßiebestätig« feit wird in jedem Dekanat ein evangelischer Kreis» wohlfahrtsdienst geschaffen, der sämtliche im Kirchen« kreis vorhandene Vereine, Einrichtungen und Anstalten her evangelisch-christlichen Liebestätigkest umfaßt.
Dillkrcis.
bl. Sinn (Dillkreis), 24. Aug. Am Samstag und Sonntag fanden sich die Kegelbrüder des Dill- L a h n - T a u n u s ° K e g e l b u n d e s hier zum1 6. Bezirkskegelfest zusammen. Die 'Beteiligung her Vereine war gut. — Samstagabenh wurde die Veranstaltung durch einen Kommers eröffnet Musikvorträge hielten die Teilnehmer einige Stunden lang in bester Stimmung beieinander. Im Verlauf des Abends wurde dann auch das Vereins- und Wanderpreiskegeln ausgetragen. Am Sonntag fand das Einzel- und Meisterschastspreiskegeln statt. Sämtliche Vereine zeigten bestes Können. Folgende Resultate wurden erzielt: Den 1. Ehrenpreis errang her Kegelklub „Nassovia"-Herbom mit 257 Holz, ben 2. Ehrenpreis „Goldene Neun"-Sinn mit 234 Holz, ben 3. Ehrenpreis „Gut Hokz"-Nieder- schelb mit 196 Holz. Den 4. Pereinspreis errang „Glückliche Neun"-Sinn mit 166 Holz, den 5. Vereinspreis „Gut Holz"-Sinn mit 158 Holz. Mit dem Wanbemreis geschmückt würbe her Kegelklub „Nas» sovia"-Herborn mit 246 Holz. Die Meisterschaft errang unter scharfer Konkurrenz her Kegler Bertel- m a n n - Herborn. Im Einzelwettkegeln erhielt her Kegelbrüder Tropp, „Gut Holz"-Niederscheld den 1. Preis, den 2. Theodor Cunz, „Goldene Neun"« Sinn, den 3. Willi G i e h 1, „Goldene Neun"-Sinn.
C? Breitscheid, 24. Aug. Der neugegrün« bete Schützenverein Breitscheid hielt an ben letzten Sonntagen sein erstes Probeschießen ab. Leiber verfehlten, mit Ausnahme von einem, bald alle Schützen bas Ziel. Wie sich nachträglich herausstellte, ist mit einer befett geworbenen alten Flinte geschossen worden. Jetzt hat der Verein eine
Den ganzen Tag zogen die Kuchenbüfte schon durch die Etage. Stile, zwanzig Jahre in ihrem Dienst, schnaufte vor Eifer und Hitze, Frau Pastor Rottmann hatte wenigstens kleine Röschen auf den Wangen, und die Spitzenhaube rutschte immer em bißchen nach rechts, ein Zeichen her Erregung — aber her alte Herr saß drinnen am Fenster, sah m bic Kastanien des Marktplatzes und traktierte seinen Homer. Er las ihn immer noch griechisch, von Vossens Uebersetzung hielt er nicht viel. Leise skan- bierte bic Rechte auf her Fensterbank, halblaut murmelten seine Lippen bic tlingenben Verse.
Unb wie er sie sprach, sah er bic ferne Ebene am Sfamanber vor sich, sonnenüberglüht, staubburch- roogt, lärmdurchb raust. Sah bie funfelnben Streitwagen her Griechen heranbrausen gegen bie tobes» mutigen Troer, Helmbüsche flatterten, Speere klangen, heißblütige Männer rangen um Tob unb Leben. — Unb alles um Helena.
Das Weib!
Seit Jahrtausenben her ewige Kampf um Das Weid. — Hunger unb Liebe regieren bie Welt. — Da sank her Leberband auf die Knie, her alte Herr sah jetzt ganz hinaus in bas Baumgrün, aber er sah es gar nicht mehr.
Es kam auch jetzt wieher.
Nur haß man es Politik nannte unb Recht der Länder unb schöne Namen erfanb für bas, was einfach Hunger war.
Dänemark brauchte die Herzogtümer: denn Jitt- land war arm, hatte schlechte Häfen, konnte nie ersetzen, was verlorenging, wenn Schleswig-Holstein sich von hem Reich löste. Unb weil man nicht schlechter leben wollte als bisher, hockten in Kopenhagen bie gelehrten Herren über alten Pergamenten unb lasen sie rechts unb links unb vor- und rückwärts, bis sie herausgelesen, daß bas heilige Work „Up ewig ungebecir eine Farce sei. Daß dänisches Recht unb weibliche Erbfolge auch in Schleswig gültig feien, daß — wenn her Kronprinz Friebrich, Der nur zu bald feinem hinsicchenben Vater auf ben Thron folgen mußte, einmal kinberlos verstarb — über kurz ober lang her Tag vor her Tür mar, her die Herzogtümer auseinanberrifj. Wenn nicht — und sie hofften das alle in Kopenhagen — bann em günstiger Winb auch Holstein her dänischen Krone zuführen würde.
(Fortsetzung folgt.)


