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m. 198 Zweites Blatt

Tirw KlianiHMBBS

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für (Vberhefsen) Mittwoch, 25. August 1926

Rußland in Zentralasien

Don unserem J 6.-Orientkorrespondenten.

Der diesmalige Ausstand in Persien, welcher in vieler Hinsicht einen Abklatsch des Auf­standes, dorstellt, der sich in denselben Gegenden in den beiden an Sowjetrußland grenzenden Pro oinzen Aserbeidschan (Westpersien) und Chorassan <Ostpersien) im Frühjahr 1925 abspielte, lenkt roic; der die Aufmerksamkeit auf die, hinter diesen beiden Aufständen zu suchenden Drahtzieher, die Sowjet- russen und deren Tätigkeit in Zentralasien.

Die Anzettelung dieser Aufstände ist ebenso typisch für die boljchewikische AsienpoliUk, wie der Einfall bolschewistischer Banden in Nordafghanistan im vergangenen Winter. Zum Unterschied von der englischen Politik, welche in diesem Teile Asiens der. zeit eine vorzüglich defensive, auf die Verteidigung Indiens abzielende und daher die innere und äußere Konsolidierung der beiden großen, einen Schußwall des anglo.indischen Reiches darstellen­den Pufferstaaten Persien und Afhganistan an« strebende ist, zeichnet sich die bollchewikische Politik durch ihre in der Richtung Indien orientierte Aggressivität aus. S i n o j e w hat dies in einer Rede seinerzeit klar zum Ausdruck gebracht. Er sagte:Die Achillesverse des englischen Imperiums ist Jlr d i e n. Weshalb wir alles daran setzen müssen, um so weit wie möglich unsere vorgeschobe­nen Posten gegen Indien immer weiter v o r z u - treiben." In einem Aufruf an die roten Trup­pen im südlichen Fcrghana hieß es:Die Sowjet­republik sendet euch an die ©rciucn Afghanistans und Indiens. Das Hochland des Pamir trennt das revolutionäre Rußland von Indien, wo drei­hundert Millionen Menschen von einer Handvoll Engländer in Sklaverei gehalten werden. Auf dieses Hochland pflanzten nun die Boten der Revolution die rote Fahne der Befreierarmee. Damit die Völker Indiens wissen, daß sie in ihrem Kampf gegen den englischen Unterdrücker auf die nahe Hilfe eines befreundeten Volkes zählen könnten." In diesem Aufruf ist natürlich der Skla­verei, welche die moslimitischen Völker Rußlands durch die Bolschewiken unterworfen werden, keine Erwähnung getan.

Der persische Aufstand begann diesmal mit einem Meutern der in Chorassan liegenden Grenz- lruppen, worauf sofort aus Sowjetturkestan turk­menische Banden in der Gesamtstärke von etwa 3000 Mann über die Grenze kamen und sich den Aufständischen anschlossen. Gleichzeitig begannen am entgegengesetzten Ende Persiens bolschewikische Agenten die Stämme aufzuwiegeln. Wenn auch der Erfolg vorläufig kein großer ist, eine Störung der ruhigen Entwicklung des Sonnen- und Löwen­reiches ist angebahnt.

Das Zentrum der bolfchewikischen Asienpropa- aanda ist Turkestan. In dessen Hauptstadt Taschkent befindet sich dasKommunistische Bureau für Zentralasien" unter dem Vor­sitz des als Tschekisten berüchtigtenblutigen" S e - l e n s k i. Dieses Bureau stellt die eigentliche Regie­rung im russischen Zentralasien dar, während die republikanischen Regierungen derbefreiten" Völker nur ein Operettendasein führen.

Gegenüber diesen Völkern haben die Bolsche­wiken dieselbe Politik verfolgt, wie gegen die des Kaukasus. Im nördlichen Kaukasus, in Dagestan, leben ein Dutzend Völkerschaften, welche zwar die ve^chiedensten Sprachen sprechen, als allgemeine Verkehrs- und vor allem Schriftsprache jedoch einen türkischen Dialekt, das K u m y k i s ch e , verwenden. Die Moskowiter haben nun für jede dieser kleinen Völkerschaften eine eigene Schriftsprache geschaffen, und als Verkehrssprache wird das Kumykische immer mehr vom Russischen verdrängt, welches offi­ziell als die O k t o b e r f p r a ch e, die Sprache der Oktoberrevolution bezeichnet wird. Diebefreiten" Völker werden also keineswegs russifiziert, sondern nur oftobrifiert. Der Bolschewismus ist und bleibt doch der gemeinste und leider auch der blutigste Bluff der Weltgeschichte.

In Turkestan war die allgemeine Hauptverkehrs- tprache das osttürkische Usbekisch. Das war den Bolschewiken unerwünscht. Aus demselben Grunde, aus welchem der an den großtürkischen Turan- gedanken erinnernde NameTurkestan" verschwin­den mußte. Es gibt offiziell kein Turkestan mehr, dagegen ein Usbekistan, welches wieder in ein eigentliches Usbekistan und ein Tadschikistan zerfällt, ein Kirgisistan und ein Turkmenistan, Teilrepubliken, in welche das alte Russisch-Turkestan zerrissen wurde. In jeder dieser Scheinrepubliken wurde eine besondere Schriftsprachegegründet", und die ge­meinsame Verkehrssprache soll in Zukunft nur mehr die Oktobersprache sein. Das Usbekische, Turk­menische und Kirgisische haben große Ähnlichkeit mit dem Osmanischen, so daß beispielsweise ein Hebet ohne weiteres eine Konstantinopeler Zei-

Gießener Stadttheater.

Arnold n. Bach:Die spanische fliege"

Die gute, alte Fliege ... Man kann sich gar» nicht mehr besinnen, wann sie zuerst auftauchte, so alt ist sie schon. Dies seltene und leider un­sichtbare Insekt ist von einer erstaunlichen Zäh­lebigkeit wider alle Regeln der Zoologie.

Daß sie seither noch von keinem kritischen Kammerjäger ernstlich und endgültig erschlagen und ausgetilgt werden und dies für ihre Gattung methusalemhafte Alter erreichen konnte, verdankt sie wohl ihrer Entstehung nach bewährten Rezepten. Die bekannte Firma Arnold LDach (Schwänke en gros) versteht sich auf die Her­stellung. Sie weiß, was den Leuten gefällt und sich hält.

Was den Titel und das Ganze betrifft (falls jemand nicht im Bilde sein JoIIte): besagte Fliege ist eine spanische Tänzerin mit einem leider nicht ganz legitimen Rachkommen. Dieser hinwiederum ist em posthumes Schreckenskind, corpus delicti im Witzmittelpunkt von drei schmalen Akten: das menschgewordene, schlechte Gewissen sozusagen, wandelndes Menetekel halb­vergessener Jugendsünden.

Daß weder die Fliege, noch das zum Jüng­ling herangereifte Kind in Wirklichkeit erscheinen, vielmehr sehr brave und unbescholtene Leute aus dem (ehemaligen) Königreich Sachsen nach dem Ratschluß der Herren Arnold und Bach mit der anrüchigen Dame und dem Tingeltangelkiird aus­dauernd verwechselt werden, mag noch gesagt sein. Heil ihnen: sie sind schuld an der aufregenden Jagd nach dem Vater, die man unmöglich in allen Einzelheiten beschreiben kann.

Die Aufführung unter Goll lieh die alten Bekannten fröhlich auferstehen: den ahnungs-

tung lesen kann. Die Bolschewiken legen den größten Wert auf eine sich vom Osmanischen dessen Gebrauch ü e r b o t en ist möglichst ent­fernende Entwicklung dieser Sprachen, um dem großtürkischen Gedanken alle Zukunft zu nehmen. Dagegen drängen sie dem kleinen und daher weniger gefährlichen, überdies von Persien räumlich ge- trennten Volk der Tadjik das Neupersische als Schriftsprache auf, obwohl die Tadjiksprache^ dem Persischen so unähnlich-geworden ist, daß ein Tadjik einen Perser weder versteht, noch seine Literatur zu lesen vermag.

Der Zweck, den die Bolschewiken in diesem Fall verfolgen, ist folgender: Aus dem Kreis jedes der ihnen unterworfenen moslimischen Völker er- ziehen sie eine Anzahl Agitatoren und schaffen eine kommunistische Propaganda- 1 i t e r a t u r, beides bestimmt, auf je ein anderes stamm- und sprachverwandtes Volk außerhalb des heutigen Rußland zu wirken. So sind die tatarischen Kommunisten (Krim und Kasan) vorzüglich für die Arbeit in der Türkei bestimmt, die kaukasisckicn Aserbeidjaner für die in der Türkei und Westpersien, ferner die Turkmenen für Dftperfien, die Usbeken für Nordafghanistan und Chinesisch-Turkestan nsw. Da aber keines der unterworfenen Völker sich der persischen Sprache bedient, welche nicht nur für die Propaganda in Persien, sondern auch in Afgha­nistan und in Indien, dessen Verkehrssprache, das Hindustani, zum Persischen viel Beziehungen auf­weist, und wo selbst das Neupersische vielfach ge­sprochen wird, von großer Wichtigkeit ist, werden die Tadjiks, um das nötige Material an Leuten und Schrifttum zu liefern, kurzerhand persifizicrt.

Die auf die Revolutionierung der benachbarten Länder eingestellte Politik Moskaus in Mittel­asien glaubte die erstere mit der hemmungslosen Unterdrückung der ihm selbst unterworfenen Völker­schaften verbinden zu können. Diese beginnen sich jedoch mit zunehmender Intensität zu wehren. So mußte sich jüngst dasAllrussische Zentralexekutiv­komitee" mit dem Wiederaufleben und der be­unruhigenden Ausbreitung der alten nationalkirgisi­schen OrganisationAlatsch" und der usbekischen antibolschewistischen GesellschaftDjeddidi" befassen.

Selenski hielt in Taschkent eine Rede gegen die Russenfeindlichkeit der usbekischen Kommunisten, woraus ihm aus den Reihen derselben zugerufen wurde:Ihr Russen wollt alles in euren Händen haben. Ihr macht uns zu Kommissaren, aber zu reden haben nur eure Spezialisten und eure Delegierten! Wir sind nur Dolmetscher der Befehle Moskaus." Als die turkestanifchen Organisationen den beliebten nichtbolschewistischen Führer Mona- war Karis zum islamischen Kongreß nach Mekka senden wollten, wurde dieser von der Tscheka verhaftet und an seiner Stelle die Entsen­dung des wegen seiner Käuflichkeit bekannten Kadi Abdul Wahib Karis besohlen. Die Turkestaner werfen den Russen auch vor, daß sie von diesen rücksichtslos wirtschaftlich ausgebeutet würden. Tur­kestan hatte seinerzeit unter Hungersnöten zu leiden, da dessen Getreidebau zugunsten des ren­tableren Baumwollanbaus zurückgegangen war. Nach dem Kriege halle Turkestan zielbewußt wieder den Getreidebau gefördert. Das war nicht nach dem Geschmack Moskaus, welches seit 1922 Tur­kestan mit billigem Getreide überschwemmte und durch Kreditgewährung, Steuerfreiheit und ver­schieden administrative Prakllken die Baumwoll­kultur einseitig begünstigte, so daß diese heute wieder um 75 Prozent der Friedensproduktion er­gibt und anderseits das Land wirtschaftspolitisch durchaus von Moskau abhängig macht. Diese und andere Umstände, wie die Konfiskation der religiösen Stiftungen zugunsten der von den Bolschewiken begründeten Schulen oder die atheistische Propa­ganda, machen es, daß von einigen tausend jugendlichen Kommunisten, dem Produkt bolsche­wistischer Erziehung, abgesehen die gesamte Be­völkerung stark antibolschewistisch orien­tiert ist. Allerdings befinden sich die meisten Einfluß besitzenden turkestanifchen Führer, welche in der Lage wären, die vorhandenen antibolschewistischen Kräfte auch die fortbestehende Komitatjibewe- gung (Basmatji) zusammenzufassen, im Exil, vor allem der frühere Präsident der turkestanifchen Republik, Dr. Mustafa Tjokai, der in Paris lebt.

Zur Erreichung des russischen Zieles, einer Be­drohung Indiens, streben die Bolschewiken eine g e - meiniame Grenze mit diesem an, was nur durch die Unterwerfung Afghanistans oder Persiens mit Belutschistan oder end­lich des chinesischen Turke st ans möglich wäre. Ohne Afghanistan beziehungsweise Persien aus dem Auge zu verlleren, konzentriert Moskau seine Haupllätigkeit gegenwärtig nicht auf diese, sondern auf das weit leichter zuerledigende" Ost- turkestan, die chinesische Provinz H s i n - K i a n g, das einstige Reich Iakub Begs. Die ungefähr eine Million Köpfe starke moslimische Bevölkerung Ost­

losen Assyriologen aus Chemnitz z. D., den Fr. L. Eisig sehr drollig sächselte, den gerissenen Ad­vokaten, den Schwanneke mit Frechheit be­treute, die sittenstrenge Dame vom Mutterschutz, Auguste M a r ck s, die leider einen unwürdigen Gatten besitzt: den Mostrichfabrikanten Klinke. Goll hatte ihn sich nicht entgehen lassen und schoß verschiedene Vögel ab; mit dem trefflichen Refrain: Ick leg mir lang! sicherte er alle drei Aktschlüsse. Aus dem Ensemble seien noch ge­nannt: die Damen Andre und Hehm (die ein Krokodilstränenduett veranstalteten, das später viersttmmig wiederholt wurde), und die Herren Gehre und V v 1 ck.

Der Beifall war zum Teil bei offener Szene so stürmisch, daß man ihn von Herzen einer besseren Sache hätte wünschen mögen.

Dr. Th.

Valencia".

Der Weltschlager und seine Heimat.

Wer heute von Valencia spricht, meint nicht die alte spanische Stadt am Guadalaviar. War sie nicht einmal, Erinnerungen aus der Geschichtsstunde her, hesttg von den Mauren berannt, wurde sie nicht vom Cid erobert, war sie nicht die Hauptstadt eines alten Königreichs? Ach, wer denkt heute noch daran! Seit einigen Wochen ist uns allen Valencia eine höchst naheliegende persönliche Angelegenheit ge­worden. Valencia ist, wie alle wissen, der neueste Weltschlager, und das wäre keine anständige Kapelle, die ihn nicht mindestens dreimal am Abend spielte, von den Kaffeehausnachmittagen ganz zu schweigen, jeder summt den Valencia-Refrain, er verfolgt uns im Traum und Wachen, er ist unaus­rottbar, man kann ihm nicht entrinnen, er gehört zum guten Ton, er ist Zivilisationsfaktor geworden.

turfeftan spricht einen sich vom Usbekischen kaum unterscheidenden Türkdialekt, das Uigurische. Die Kommunistisct)e Partei Turkestans gründete als Tochterpartei eine Uigurische K o m m u - n i st i s ch e Partei mit dem Sitz in Taschkent.

In allen trukestanischen Schulen genießen die Uigurtürken besondere Vorteile. An der kommu­nistischen Universität in Taschkent, deren Hörer auf Staatskosten gut gekleidet, verpflegt und wenig mit Unterricht geplagt werden nicht, wie z. B. an der Bergakademie zu Moskau, deren Hörer buchstäblich hungern, aber allerdings nicht zu Parteiagitatoren ausgebildet werden studierten 1925 etwa 25 uigu- rifdje Studenten. Seither ist deren Zahl erheblich

gestiegen. Das Interessanteste ist jedoch, daß in Tur­kestan ein mehrere Bataillon starke, aus Osttur­kestanern bestehende Uigurische rote Armee gebildet wurde, welche zum E i n s a l ( in das chinesische Turkestan bereitsteht und aus russische Staatskosten unterhalten wird. Eines Tages dürfte der Provinz Hsing-Kiang wohl das Schicksal der Mongolei zuteil werden, wenn England nichts Wirksames unternimmt, den bolschewistischen Vor­stoß an Indiens Grenze zu verhindern indem es etwa einen neuen Pufferstaat, ein zweites Afga­nistan begründet. China selbst ist heute weniger denn je in der Lage, die Bolschewisierung seiner westlichsten Provinz zu verhindern.

Turnen, Sport und Spiel.

Turnen.

Die westdeutschen Schlag- und Faustdallmeisterschaften der D. T. Der Mittelrheinkreis stellt vier neue Meister.

Die Meisterschaftsspiele der D. T. in Schlag-- um) Faustball zur Feststellung der west­deutschen Meister kamen am Sonntag in Frank­furt a. M. zum Austrag. Sämtliche Kreismeister der Kreise 8a (Rheinland), 8b (Westfalen) und 9 (Mittelrhein) waren zur Stelle.

Basonders interessant waren die Faustball­spiele der Turner, die Faustball in höchster Vollendung boten. Auch das Faustballspiel der Turnerinnen von Krefeld und Frankfurt war ein Höhepunkt. Beim Schlagball zeichneten sich be­sonders die Turnerinnen der Turngemeinde Witten aus. Wir lassen nachfolgend die Er­gebnisse folgen:

Faustball der Turner.

Vorspiele: Kruppsche Tgm. Essen Tv. Jahn Kierspe 38: 30. Faust ball der Tur­nerinnen: Tv. Krefeld Tv. 2kahn Minden 55: 31. Faust ball der Aclteren: Unter - barmet Tbd. Tgm. Dortmund 48 : 32. Schla g- 6 a II der Turner: Tv. 2kahn Dortmund Tv. Rheinland Bonn 65:46. Schlag ball der Turnerinnen: Tgm. Witten Tv. Duis­burg 90: 45.

Endspiele: Faust ball der Turner: Tv. Licht-Lustbad Frankfurt Tgm. Krupp Essen 41:17. Faust ball der Turnerinnen: Franks. Tv. 1860 Tv. Krefeld 35:35, Ent­scheidung in der Verlängerung 13:11. Faust- b a 11 der Altersturner. Tgm. Eintracht Frankfurt a. M. Tv. Lkahn Dortmund 66: 36. Schlagball der Turnerinnen: Tgm. Willen (Ruhr) Frankfurter Tv. 1860 83: 48. Die Meister, die die westdeutsche Kreisgruppe am 12. September bei den Endspielen der D. T. in Leipzig zu vertreten haben, sind also: Faust- ball der Turner: Licht-Luftbad Franksuri am Main. Faustball der Turnerinnen: Frankfurter Tv. von 1860. Faust ball der älteren Turner: Tgm. Eintracht Frankfurt am Main. Schlagball der Turner: Frankfurter Tv. von 1860. Schlagball der Turnerinnen: Tgm. 1848 Witten (Ruhr).

3m Ballschlagen wurden folgende Mei­ster festgeskeUt: Schlagballweitschlag: 1. Porgmann, Dortmund, 76,80 Meter. Schlagballhochschlag: 1. Sperl e, Frank­furter Tv. von 1860, 25 Punkte. Ball staffel: 1. Bonn-Kessenich.

Lahn - Dünsberg - Gau.

Gauturnfest zu Ahbach.

xh. Das Fest, das ursprünglich im 3uli zu Ahbach (bei Wetzlar) stattfinden sollte, wurde seinerzeit verboten, well in Atzbach die Maul- und Klauenseuche herrschte. Das Turnen wurde auf den 22. August verschoben. Bei den starken Regengüssen am vorigen Samstag schien es, als ob das für den nächsten Morgen geplante Turnen der Rässe wegen abermals nicht vorgenommen werden könne. Doch über Rächt hellte sich der Himmel auf, und die turnerischen Hebungen konn­ten planmäßig erfolgen. Unter starker Bewölkung begann am Sonntagmorgen baß Wellurnen, das unter der umsichtigen Leitung von Gauturnwart Schmidt reibungslos verlief. Es traten rund 280 Sumer und 70 Turnerinnen an. Die Turner der Oberstufe und Mittelstufe hatten je einen Zwölfkampf (Barren, Reck, Pferd, Freiübung, 100-Meter-Lauf, Weithochsprung) auszuführen. Die 3ugenbtumer sowie die Turnerinnen-Ober- stufe turnten im Reunkampfe (Barren, Deck, Pferd, Freiübung, Laufen, Hochsprung). Die Turne­rinnen der Unterstufe übten im Siebenkampf (Darren, Pferd, Freiübung, 7 5-Meter-Lauf,

Hcchsprung). Für alle offen war noch ein Fünf­kampf in volkstümlichen Hebungen (Weithoch- sprung, lOO-Meter-Laus. Kugelstoßen. Freiübung, Speerwerfen). Als neue und viel beachtete Hebung wurde Schwimmen ausgcführt (100 Meter in der Lahn). 3m allgemeinen konnte man mit dem turnerischen Erfolge wohl zufrieden sein, eine größere Anzahl Turner aller Stufen leisteten MustergAtigcs.

Dem Welturnen folgte am Rachmillag der übliche Festzug durch das reich geschmückte Dorf. Den allgemeinen Freiübungen der Turner folgten die der Turnerinnen: letztere riefen allgemeine Bewunderung hervor und verdienen als Glanz­leistung besondere Erwähnung. Rach einem kurzen Begrüßungschore des GesangvereinsFrohsinn" Ahbach hielt der 2. Vorsiheirde desSüdwest­deutschen Tumverbandes" die Festrede. Hoffent­lich haben die Worte des Redners bei recht vielen Turnern und Festgästen gezüichei. Das gleiche gilt von den Worten, die der 1. Vorsitzende des Lahn-Dünsberg-Gaues vor der Siegerver­kündigung an die Turner richtete. Am Rach­mittag trugen noch die ® aut» erb er i ege durch mustergültige Hebungen an Darren und Reck und die Wiesecker Turnerinnen durch rhythmische Freiübungen zur Verschönerung des Festes bei.

Das Wetturnen hatte folgendes Ergebnis:

I. Turner.

Oberstufe. Zwölfkampf: Ehrensieg: August De st, Wildgirmes, mit 213 Punkten: Ehrensieg: Wllh. Hofmann, Lollar (202); 1. Karl Bechtold, Wieseck und Wilh. Laux, Leihgestern (200); 2. Christian Rühl. Burk­hardsfelden (192), Wilh. Hah n. Großen-Duseck (191) und Ludwig Wagner, Lollar (183).

Oberstufe, Reunkampf: 1. Wilh. Hofmann, Lollar (170): 2. Christ. Rühl. Burkhardsfelden (162); 3. August D e st. Wald­girmes (161).

Mittelstufe. Zwölfkampf: 1. Ludwig Hettche, Lollar (213); 2. Adolf Hasselbach. Lollar (207): 3. Richard Velten. Leihgestern (205).

Unter ft ufe (3ugenbtUrner). Reun­kampf: 1. Wllh. Schneider. Großen-Duseck (168); 2. Karl Kümmel. Rodheim (162); 3. Georg Bernhardt. Waldgirmes (158).

Volkstümlicher Fünfkampf I. Reinhard Schiefer st ein. Launsbach und Wllh. Hofmann, Alten-Duseck (82); 2 Wilh. D e p p l e r. Kinzenbach und Otto Dietz, Lollar (81); 3. Ludwig Ohlemutz, Kesselbach (80).

Alterstufe. Reunkampf: 1. Dalth. Donarius. Großen-Duseck (115).

II. Turnerinnen.

Oberstufe, Reunkampf: 1. Minna Kreiling. Wiefeck (166); 2. Emilie Schmidt. Wiesea (164); 3. Emma Schomber. Wieseck (159).

Unter ft ufe, Siebenkampf: 1. Anna Rahrgang, Londorf (124); 2. Wilma

Schleenbecker. Kinzenbach (123); 3. Wilhel­mine Hasselbach. Londorf (122).

III. Schwimmer (24 Bewerber).

1. Erwin Zimmermann. Allendors 1,51; 2. Arthur Schmidt, Garbenheim, 1,53; 3. Wllh. Keller, Ahbach. 1,55.

Fußball.

Spielvereinigung 1900 Gießen.

ö. Auch das schlechte Wetter am vergangenen Samstag hielt eine stattliche Schar begeisterter An­hänger des runden Leders nicht zu Hause. Voll Spannung sah man dem 2. Treffen der opieBer­einigung 1900 gegen eine bekannte Bezirksligamann- schäft entgegen. Abermals brachte es die Plaginaniz- fchaft zu einem 3:1-Siege. Vor diesem Treffen ver­trieben 1900s 1. Lehrmannschaft und die 3. Mann­schaft Wetzlarer Fußball-Club 05 den Zuschauern

Es hat eigentlich schon lange keinen Weltschlager mehr gegeben. Das blöde Lied von den Bananen, die ausgerechnet von ihm verlangt wurden, war wohl der letzte. Blöd und unendlich stupid sind sie wohl alle, aber darin scheint das Geheimnis ihrer Erfolge zu ruhen; biefe kurze Tonspanne muß sich auch dem ganz Unmusikalischen ins schläfrige Gehör hämmern.

Valencia ist Weltschlager. Man schelte ihn nicht mit der gemeinen BezeichnungGassenhauer"! Ein Gassenhauer ist ein ärmlicher Geselle, der auf Hinterhöfen von bescheidenem Volk gesungen wird, Valencia aber rauscht in blühender Seide über den Kontinent, weht über die Ozeane, schwebt in den sechzigsten Stock eines Wolkenkratzers, Valencia wird gerundfunkt, wallt durch den Aether, Valencia wird auf zahllosen Grammophonplatten übertragen, und die seligen Buddhas von Lahore lächeln, die chinesischen Tempelchen klingen mit Silberglöckchen, wenn sie Valencia hören. Valencia ist eine Welt­macht.

Keiner weiß eigentlich, wie dieser schlager mit der alten spanischen Stadt zusammenhängt. Um es gleich zu sagen: wenig genug. Er könnte, mag man denken, das Preislied eines begeisterten Valencianers auf feine Heimatstadt sein, aber auch das ist nicht richtig, obwohl die Musik von Ios6 Padilla stammt, den man allenfalls für einen gebürtigen Spanier halten mag. Der Text aber ist von zwei Franzosen, sie heißen, um auch diese welthistorischen Namen festzuhalten, Lucien Bener und Jacques Charles. Und sie haben, obwohl ober weil sie zu zweit an der Arbeit waren, Worte von sehr erschreckender Tri­vialität zusammengebracht. Das Ganze aber stammt keineswegs aus Spanien, sondern aus Paris, aus dem großen Revue-Theater, das noch immer seine roten Mühlenflügel durch die Nächte kreisen läßt und Moulin Rouge heißt. Da wird nunSa Revue Mistinguette" gespielt, eine höchst pomphafte, schil­

lernde, lichtüberflossene Szenenfolge von Sentimen­talitäten, Burlesken und Aktualitäten. Ein sinnloser Zusammenhang von Auftritten, der nur durch die ungeheuerliche Schnelligkeit des Szenenwechsels und durch das Tempo urblüfft, in dem das alles vor dem Ahnungslosen vorbeirast. Man kommt nicht zum Nachdenken, und wie herrlich ist das. Man fühlt sich nicht anders als im Kino. Kino ist be­kanntlich ein beneidenswerter Zustand.

Dort marschieren also auch einmal die Blumen auf. Warum? Offenbar fiel den Autoren min­destens sind es ein halbes Dutzend, das Programm umfaßt etwa fünfzehn Seiten, und die Vorstellung dauert bis spät in die Nacht, aber Paris kennt feine Polizeistunde nichts Besseres ein, und man hat immerhin Gelegenheit, Kostüme und Naktheiten zu zeigen, in gewaltigem Umfange. Und da tritt nun Mistinguette auf, die Massary von Paris, die grau, die sich geschworen hat, nicht zu altern, die von der Boulevardlegende mit zahllosen Geschichten um« kränzt wird, und preist Valencia und das Land der Orangebluten, dem sie entstammt, sie, die jetzt nur eine Vorstadtkurtisane ist, aber sich immer noch der Düste ihrer südlichen Heimat wehmutsvoll erinnert. Und Mistinguette rauscht vor die Rampe und singt diese süße Sentimentalität in tollstem Tempo her­unter, sie schreit und kräht, beim die Fanfaren des Orchesters schmettern noch lauter, die Scheinwerfer beißen sich mit brennenden Schwertern durch den dunklen Raum, unendliches Licht flutet über die grellen Farben der Bühne. Schleier wehen, Beine wirbeln, und ein Hauch von Schminke flutet über das Parkett. Das ist also das Auftrittslied Mistin- guettes (etwa um 9 Uhr 30 abends). So begann Va­lencia feinen Siegeslauf durch die Welt.

Das geht nun jeden Abend so. Allabendlich schmettert Mistinguette krähend ihre Dalenciaweise, das Orchester lärmt und rast . . . Kinotempo und Erotik. Zivilisationssymbol.