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seÄschaft in immer steigendem Matze Schwie­rigkeiten sowohl ans staatspolitischem Gebiet wie anch hinsichtlich der rechtlichen und sozialen Stellung des Personals ausgetreten, sowie dah Konflikte aller Art zur täglichen Erscheinung ge­worden seien. Die willkürliche Aus­legung der Reichsbahngefeye durch die Reichsbahngesellschaft, besonders in bezug auf die ausdrücklich festgelegte Währung der erworbenen Rechte des Personals, entspreche in keiner Weise den bei Verabschiedung der Reichsbahngesetze gegebenen Zusicherungen Der Berwaltungsrat versuche den Reichsbahnbetrieb immer mehr von der deutschen Gesetzgebung loszulösen und a l s Staat im Staate eine schrankenlose Auto­kratie zu errichten. Regierung und Reichstag würden von der Rcichsbahngesellschast gehindert, eine im Reichsinteresse liegende notwendige Ein­wirkung auf die Geschäftsführung der Reichsbahn auszuüben.

Die verreichlichung der Wasserstratzenverwaltungen.

Berlin, 24. Aug. (LA.) Heber die ge­plante Heberführung der Wasscrstrahenverwal- tung in die Kompetenz des Reiches erfährt die Lelegraphen-Hnion folgende Einzelheiten:

Schon die Reichsverfassung vom Jahre 1871 hatte dem Reiche ein Aufsichtsrecht über die Wasserstrahcn gewährleistet. Praktisch war da­mit aber wenig anzufangen, weil das Reich aktiv nicht eingreifen tonnte. Artikel 97 der Reichs­verfassung von 1919 hat endgültig die selb­ständige Verwaltung des Reiches für die Wasserstratzen anerkannt. In der Reichsver- sassung sind die Kompetenzen des Reiches und der Länder hierfür genau niedergelegt. Seit dem 1. April 1921 trägt das Reich die vollen finanziellen La st en des Baues der Was- serstrahen und ihrer Unterhaltung. In einem vor­läufigen Staatsvertrag vom 15. Juli 1921 erklärte jedoch dos Reich wegen der starken Bedenken der Länder sich mit einem provisorischen Vergleich durch die die mittleren und unteren Instanzen den Ländern belassen werden sollten auf kurze Zeit einverstanden. Dieses Provisorium soll nunmehr ausgehoben werden.

Seit 75 Jahren bereits besteht eine Rhein- strombauverwaltung, die für die einheitliche Ver­waltung der Stromgebiete über die Länder hin­aus als Vorbild dienen kann. Der Reich will nichr etwa ein System von Reichsschifsahrtsämtern einführen, es will nur die seit Jahrzehn­ten bestehenden Länderbehörden auf das Reich überführen. In den Verhand­lungen mit den Ländern war das Reich gezwungen, den Staatsgerichtshof anzurufen. Dieser hat entschieden, dah das Reich in der Bildung der Wasscrstrahenverwaltung nach der Verfassung maßgebend ist. Ein Retz von bisher 176 Ortsbehorden soll in­folgedessen in zwölf Zentralstellen nach ein­heitlichen Gesichtspunkten organi­siert werden unter Beibehaltung von nur 122 Ortsbehöröen. Der dem Reich zur Verfügung stehende Fonds soll 150 Millionen Reichsmark betragen. Das Reich verspricht sich durch diese Umorganisierung auf dem Gebiete der personellen und sachlichen Ausgaben eine Ersparnis von zwei Millionen Mark jährlich. Die Verreichlichung des verfassungsmäßigen Unter­baues in den mittleren und unteren Instanzen der Wasserstrahenverwaltung soll bis zum 1. April nächsten Jahres endgültig durchgeführt werden. Die Durchführung geschieht in Form einer Vor­lage an den Reichstag und den Reichsrat.

Die süddeutschen Herbst­manöver.

Mergentheim, 24. Aug. (£11.) Die süd­deutschen H erbst manöver werden Bad Mer­gentheim zum Treffpunkt der staatlichen und militärischen Führer Deutschlands machen. Der Reichspräsident. der Reichswehr­minister, der Chef der Heeresleitung, ferner die Inspekteure der Kavallerie, Artillerie und der Rachrichtentruppen, haben im Hotel Kurhaus Quartiere belegen lassen. Die Staats­und Ministerpräsidenten derjenigen Länder, die durch Kontingente an den Manövem beteiligt sind, werden den Reichspräsidenten besuchen und ihm und den anderen Herren der Reichsregie­rung und der Heeresleitung in den Räumen des Hotels Kurhaus ein Essen geben. Zu Ehren des 'Besuches wird der Württernbergische Luft­fahrtverband in Verbindung mit der Kurverwal­tung große zweitägige Flugveranstaltungen durchführen. Die Herbstübungen, die im württem- bergisch-badisch-baherischen Grenzgebiet abgehal­ten werden, gehen diesmal über den seit 1918 üblichen Rahmen eines Divisionsmanövers hin­aus. Die Hebungen der fünften Division (Stuttgart), zu der auch das I. R. 15 in Gießen gehört, finden im Raume AdelsheimTauber­bischossheim Mergentheim Künzelsau statt. Die siebente Division wird ihre Hebun­gen voraussichtlich zwischen Würzburg und Mer­gentheim abhalten. Die Hebungen werden sich also zu einem guten Teil auf dem Gelände ab­spielen, aus dem im Jahre 1909 die Kaisermanöver zur Durchführung kamen. Damals waren an den Hebungen fünf Armeekorps beteiligt, heute nur zwei Divisionen. Die Divisionsmanöver dauern vom 13. bis 15. September, am 16. September ist wahrscheinlich Ruhetag. Vom 17. bis 21. Sep­tember finden dann die Gruppenmanöver der 5. und 7. Division statt.

Der englische Bergarbeiterstreik. Kronrat in Balmoral. Zusammen­stöße mit Arbeitswilligen.

London, 24. Aug. Morgen tritt im Schloß Balrnoral, wo sich der König augenblicklich befindet, ein frontet zusammen, um eine Rot- standsproklamation und eine weitere Proklama­tion zu veröffentlichen, die das Parlament für nächsten Montag einberuft Der Zweck der Parlamentssihung am Montag ist die Bestä­tigung der Rotstandsverordnung. Angesichts der letzten Ereignisse im Bergarbeiter­konflikt wird die Aussprache ziemlich erregt sein. Etwa 300 bis 400 Mitglieder werden anwesend sein müssen. Die Regierung ist bestrebt, die Sit­zung nicht länger als zwei Tage dauern zu lassen. Am Dienstag wird zweifellos eine allgemeine Erörterung der Lage stattfinden. Verschie­dene Minister werden anwesend sein. Bei den Kohlenbergwerken der Grafschaft R o t t i n g h a in sind einige Zwischenfälle zu verzeichnen. Cs dci- samrnelten sich mit Knüppeln bewaffnete Strei­kende auf den Straßen, um die Bergleute, die

die Arbeit wieder aufgenoininen haben, zu be­drohe n. Polizeiliche Verstärkungen mußten herangezogen werden. Man meldet mehrere Zu­sammenstöße zwischen der Polizei und den Strei­kenden z. D. in Marsop, wo letzte Rächt die Polizei gegen die Streitenden vor­gehen mußte, um Die Arbeitswilligen auf dem Heimwege zu schützen. Trotz der Dro­hungen arbeiten mehrere Tausend in den Kohlen­bergwerken der Grafschaft.Daily Mail ' berich­tet, die Einschüchterungsmaßpahmen der Streiken­den uni) des mit Stöcken bewaffneten Pöbels hätten viele Bergarbeiter in Rottinghamshire und Derbyshire verhindert, gestern zur Arbeit zurück- zukebren. Die Behörden ständen auf dem Stand- punkt, daß Streikposten keine Berechti­gung hätten. Es sollten energische Maßnahmen getroffen werden, um die Ei nschüch 1 e r u n g svers uche zu unterbinden. In einer heute gehaltenen Rede erklärte der Gewerkfchaftssekretär Cook, er sei bereit, auf der Grundlage eines täglichen Min­destlohnes von 10 Schillingen den Frieden zu schließen.

Der neue Kurs in Griechenland Die Kabinettsbildung. Kanonen­donner vor Saloniki.

Athen, 24. Aug. l WTB. - Funkspruch.) Ad­miral Konduriotis ist heute abend hier eingetroffen und hat die Präsidentschaft der Re­publik übernommen. General Kondylis be­gann heute die Besprechungen mit den Führern der politischen Parteien, über die Bildung eines Koalitionskabinetts. Die Verhandlun­gen sind kurz vor Mitternacht abgeschlossen wor­den. Die Bildung eines Koalitionskabinetts ist grundsätzlich beschlossen worden. Die Frage der Verteilung der Ministersihe und des Vorsitzes der neuen Regierung soll heute entschieden wer­den. Auch die Frage der Befugnisse des Präsi­denten der Republik soll bereits grundsätzlich geregelt worden sein.

General Kondylis erklärte öcm Vertreter der Chicago Tribüne", sein nächstes Ziel sei die Wiederherstellung der durch General Pangalos abgeschasften Freiheiten. Er stehe über den politischen Parteien, wenn er auch der Führer der national-demokratischen Partei sei. Er werde die Verträge mit Serbien prüfen lassen und sie annehmen, wenn das Urteil befriedigend laute. Inzwischen habe er die Veröffentlichung der Verträge mit Serbien angeordnet. Der Streit wegen einiger Inseln zwischen Italien und Griechenland könne keine Freundschaft auftommen lassen. Er glaube, daß Mussolini, der selbst ein Rationalist und Patriot sei, Griechenland ver­achten würde, wenn es seine Landsleute auf den Inseln aufgäbe.

Die Gattin des- gestürzten Pangalos ist beim Verlassen des Militärhojpitals, wo sie ihren Gatten besucht hatte, von einer zahlreichen Menschenmenge mit Johlen empfangen worden. Pangalos ist von starken Wachen umgeben und soll heute nach der Insel Aeginci verbracht werden, um ihn, wie man sagt, vor der Wut der Achener zu schützen. Von der Südgrenze Bulgariens wird gemeldet, daß dort iLidimitbiqo um 3 Uhr ein lebhafter Kanonen­donner nordöstlich von dem Gebiete Ayootooo gegen Salonikizu gehört wurde. Der bulgarische Grenzschutz hat bereits Vorsorge getroffen, um den Ucbertritt fliehender griechischer Truppenkörper zu verhindern. Die Annahme liegt auf der Hand, daß die Athener Umsturzbewegung nun doch auf einen, wenn auch nur teilweisen, Widerstand gestoßen ist.

2lus aller Welt

Die Kanaldurchschwimmung.

Der deutsche Schwimmer Dierkötter, der am Montagabend von der französischen Küste aus in See ging, um den Kanal zu durchschwim­men, hat am Dienstag früh 6 Hhr zehn Meilen von Dover entfernt, den Versuch aufgegeben, nachdem ihm vom Begleiffahrzeug aus angeraten wurde, wegen des längs der englischen Küste herrschenden Rebels und der zu erwartenden Sturmgefcchr von seinem Vorhaben abzusehen. Auch der zweite deutsche Schwimmer, Otto Kem­merich , hat die Durchquerung des Kanals aufgeben müssen, weil er von einem Tümm­ler einen Stoß gegen den Unterleib erhielt. Die an Bord des Begleitschiffes befindlichen Personen könnten genau bemerken, wie sich der Fisch auf den Schwimmer stürzte. Zu bemerken ist noch, dah die beiden Schwimmer, der Franzose Le D r i a n t und die Amerikanerin Miß K e m - mon. nach zwei bzw. sechs Stunden Schwimm- zeit auf gaben.

Der Budapester Frankenfälscher­prozeß.

Die Königliche Tafel bestätigte als Be­rufungsinstanz in dem Frankenfälscherprozeß voll­inhaltlich das Urteil des Gerichtshofes, nach dem u. a. die Angeklagten Prinz Wrndisch - grät) und Radossh zu je vier Jahren Zucht­haus Derart eilt worden sind. Rur die Strafe Gerös wurde von zwei Jahren auf iy» Jahre Kerker und die Strafe Ra bas von iy2 Jahren Kerker auf ein Jahr Kerker herabgesetzt.

Neuer Bahnfrevel bei Hannover.

An der Einfahrt in den Bahnhof Hille, einem Flecken an der Dahn zwischen Minden und Lübbecke im Westfälischen, ist ein Bahn- frevel verübt worden. Das Weichenschloh war gewaltsam zertrümmert und die Weiche des Hauptgleises auf ein Rebengleis geschoben worden, so daß der Frühzug in das Reben- gleis uni> aus die dort angebrachte Weichen­sperre fuhr. Ein schweres Unglück wurde nur dadurch verhindert, dah der Zug langsame Fahrt hatte. Die Maschine riß die Sperre fort und konnte noch kurz vor dem Ende des Rebengleises zum Stehen gebracht werden. Poli­zeiliche Rachforschungen wurden sofort aufge­nommen.

Ein ausgehobenes Diebesnest.

In Rordhausen hob der Fahndungs­dienst der Reichsbahnverwaltung Kassel ein Diebes- und Hehlernest aus, das von einer Bande unterhalten wurde, die seit Jahren von der Bahn Güter gestohlen haben. Die Diebe sind zum großen Teil Bahnangestellte. Sie stahlen Umladegut mit den Frachtbriefen, stellten das Gut nach Vernichtung der Fracht­briefe unter abzurollendes Ortsgut und ließen es dann von Kutschern der bahnamtlichen Spe­dition, mit denen sie zusammenarbeiteten, zu den Hehlern in die Stadt bringen. 22 Täter sind bisher festgenommen worden. Zwei Diebe haben sich im Gefängnis erhängt. Bei den Hehlern wurden bisher für 20 000 Mark Diebesgüter

bwchRgnaHmt. Man -chätzt den Gesamtwert der gestohlenen Güter aber noch weit höher, näm­lich auf 100 000 Mark. Die Reichsbahnoerwal- lung hat den Beamten, die die Diebstähle auf­deckten und die Verhaftung der Täter herbei- ftihrten ihre volle Qlnerfcnnung ausgesprochen.

Ein Ärnnfenauto vorn Zuge überfahren.

Auf der Bahnlinie Reichenhall Berchtesgaden wurde das aus einem Trans­port zum Krankenhaus befindliche Auto der Freiwilligen Sanftätskolonne Rcichenhall von einem elektrischen Zuge erfaßt und sieben Meter weiter über den Bahndamm in den Garten einer Villa geschleudert. Das Auto wurde vollstän­dig zertrümmert lind der Begleitmann schwer verletzt Eine auf der Tragbare ange- schnallte Frau und der Führer k-'s Autos blieben unversehrt.

UeberfaU auf Polizeibeanfte.

In Wanne - Eicke l überfielen mehrere Leute eine Polizeistreife. Ehe die Beamten sich gegen die Hebermacht zur Wehr setzen konnten, wurden sie n i e d e r g e st o ch e n. Einem Beamten wurde die Schädeldecke vollständig zertrümmert. Er erhielt auch mehrere Lungenstiche. Der andere Beamte wurde ebenfalls schwer verletzt. An­scheinend handelt es sich um einen systematischen Heberfall, da vorher feine Auseinandersetzung vorgekommen ist. Acht Täter konnten s e st ge­nommen werden.

Bombenanschlag auf eine amerikanische Bank.

In derFarmers Deposit and Savingsbant" in Plttsburg ist ein Bombenanschlag verübt worden. Ein Mann in Arbeitskleidern erschien im Schalterraum und verlangte vom Kassierer 2000 Dollar. Als ein Bankschutzmann ihn zu verhaften versuchte, warf der Räuber einen kleinen schwarzen Sack durch einen Stoß mit dem Fuß um, worauf eine Explosion eintrat, die das Innere des Gebäudes zertrümmerte und dem Urheber des Anschlages den Kopf ab­riß. Zahlreiche Anwesende wurden verletzt. Fünf­zehn Personen mußten ins Hospital geschafft werden, darunter sind neun in Lebensgefahr.

Grotzfeuer durch Brandstiftung.

Rach Meldungen aus Greifswald brannte das Haus des Tischlermeisters Iarling in dem benachbarten Wusterhausen vollständig nieder. Anscheinend ist das Feuer von der geistes­kranken Ehefrau des Tischlermeisters an­gelegt 'worden. Die in dem Haus befindliche Frau wurde ein Opfer der Flammen. Infolge des starken Sturmes gerieten auch die benach­barten mit Stroh gedeckten Gebäude in Brand, die gleichfalls vernichtet wurden. Acht Familien wurden obdachlos.

Aulounfall des belgischen ftönigspaares.

Bei Marck ist das Auto, in dem sich das belgische Königspaar befand, gegen einen Brücken­pfeiler gefahren, als es einem entgegenkommen­den 2luto ausweichen wollte. Das Königspaar blieb unverletzt.

Lin Fallschirm zur Rettung von Flugzeugen.

Mik einem Fallschirm von 50 Fuß Durch­messer, der von einem Marineingenieur der Ver­einigten Staaten erfunden worden ist und zur Rettung von Flugzeugen und Fliegern dienen soll, wurde in Los Angeles geprobt. Der Fall­schirm brachte das Flugzeug aus 2500 Fuß Höhe zur Erde, nachdem die Motoren abgestellt worden waren. Das Flugzeug landete auf einem Hügel­abhang, wobei ein Propellerflügel zerbrach, wäh­rend es auf den Rädern weiterrollend, im übrigen unbeschädigt blieb.

Drei Kinder beim Baden ertrunken.

Beim Baden im Rhein sind in der Rahe von Jchtingen in Baden drei Mädchen im Alter von 12 und 13 Jahren ertranken.

Kinderlähmung in Hannover.

In Hannover sind insgesamt bisher 24 Er­krankungen an spinaler Kinderlähmung zu ver­zeichnen. Fünf Kinder sind gestorben.

Flüchtlingselend in Oberschlesien.

In einer Bodenkammer ist in Beuthen (Ober­schlesien) eine fünfköpfige Flüchtlingsfamilie unter­gebracht, die als einzige Kochgelegenheit einen kleinen Spirituskocher besitzt. Als die Frau ein Essen zubereitete und dabei Spiritus nachfüllte, explodierte der Kocher. Drei Kinder erlitten schwere Brandwunden. Eins von ihnen ft a r b nach der Einlieferung ins Krankenhaus, in dem noch die beiden anderen Kinder und die Eltern schwer ver­letzt darniederliegen.

Massenpilzvergistung in einem Kinderheim.

In dem evangelischen Jugendheim St. Mi­chael in Falken berg in der Mark hat sich eine schwere Vergiftungskataftrophe ereignet. 19 Personen, die von einem Pilzgericht aßen, sind erkrankt und fünf bereits gestorben. Drei Schwestern befinden sich noch in schwerster Lebens­gefahr. Die restlichen elf Erkrankten befinden sich auf dem Wege der Besserung. Der Ober­staatsanwalt aus Brenzlau nahm mehrere Ver­nehmungen vor. Die Leichen der fünf verstor­benen Schwestern sind von dem Staatsanwalt be­schlagnahmt worden.

Pilzvergiftungen bei Chemnitz.

In Chemnitz-Ebersdorf erkrankten em Arbeiter, seine Frau und seine beiden Kinder nach dem Genriß von selb st gesammelten Pilzen. Das eine der Kinder, ein fünfjähriger Knabe, starb Die übrigen Familienmitglieder befinden sich jedoch außer Lebensgefahr.

Drei neue Opfer der Tiroler Berge.

Wie derTiroler Anzeiger" meldet, stürzte beim Edelweißpslücken am Pencgal der 26jährige Robert G i e s e ck e aus Eppan ab. Auf dem Titsch im Wal- sertal bei Brixen ereilte die 23jährige L. Mayer aus Brixen das gleiche Schicksal. Am Brenner stürz'e die 13jährige Marie E i s e n st e ck e r aus Pfitch ab. Sämtliche Abgestürzte sind tot.

57 Grad hiße in Spanien.

In ganz Spanien, namentlich auf dem Mittel­plateau, herrscht eine hohe Temperatur, die in den letzten Tagen in Madrid 57 Grad in der Sonne er­reichte. Gestern sind zwei Todesfälle infolge Hitz- schlags zu verzeichnen gewesen.

IDalbbränbe in Frankreich.

An verschiedenen Stellen sind in den Fichten­wäldern längs der Gironde Waldbrände aus- gebrochen. Ächt Gemeinden siitd durch das Feuer zum Teil verwüstet. Die Rauchentwicklung ist so stark, daß man sie in Bordeaux, also etwa 25 Kilometer vom Brandherd entfernt, wahrnehmen kann. Bei Einbruch der Rächt hat die Bevölke- urng, unterstützt von Gendarmen und Soldaten, des Feuers noch nicht Herr werden können. Auch aus der Gegend von Toulon werden Waldbrände gemeldet. Mehrere Hektar Wald 1 sind bereits zerstört.

Aus der KrovinzialhauptstM.

Gießen, den 25. August 1926.

Bergrat Dr. h. c. Grübler f-

Der Generaldirektor der Buderusschen Eisenwerke Wetzlar, Dergrat Dr. h. c. Grüb­ler, ist gestern mittag in Franffurt unerwar­tet verschieben. Dergrat Grübler befand sich feit einiger Zeit wegen seiner angegriffenen Ge­sundheit in ärztlicher Behandlung und war so­weit wieder hergestellt, daß er in den nächsten Tagen wieder zu seinen Angehörigen zurückkehren wollte. Eine plötzlich aufgetretene Lungenentzün­dung machte seinem Leben leider ein viel zu frühes Ende Seit dem Tode des Generaldirettors Kaiser stand der Verstorbene etwa zwei Jahr­zehnte an der Spitze der Buderusschen Eisenwerke, die unter seiner Leitung einen mächtigen -Oluf-, schwung genommen haben. Seiner soliden und vorsichtigen Geschäftsführung ist es zu verdanken, daß die Werke die Zeiten der Inflation und be- sonders die letzten schweren Krisenjahre ohne jede Erschütterung überwunden haben und heute sehr gefestigt dastehen. Auch als Mensch war der Verstorbene ein äußerst vornehmer Tstarakter, dessen versöhnliches Wesen allgemein sympathisch berührte. Sein so früher Tod findet deshalb auch allgemein ein herzliches Mitgefühl.

Bornotizen.

Tageskalender für Mittwoch. 3l/i Hhr: Philosophenwald Sonderkonzert der Reichswehrkapelle. Verein für Bewegungs­spiele: Cafe Krämer, Zusammenkunft. Licht­spielhaus Bahnhofftrahe:Die Wiskottens". Astoria-Lichtspiele:Das Abenteuer im Rächt- expreß".

Wettervoraussage.

Rach vorübergehender Bewölkung vielfach Hefter, warm und trocken.

Gestrige Tagestemperaturen: Maximum 21,2 Grad, Minimum 11,2 Grad, heutige Morgen­temperatur 16,4 Grad Celsius.

** Der Bund' für christlich-evange­lische Erziehung in Haus und Schule hatte seine Mitglieder für den Sonntagnachmittag zu einem Walbspaziergang eingelaben. Der Himmel hatte ein Einsehen, und in einem stattlichen Zug, die fröhliche Kinderschar voran, ging es unter den Klängen einer Musikkapelle dem Gelände der Wald­bühne zu. Nach einem Musikstück und einem gemein­sam gesungenen Lied hielt Pfarrer A u s s e l d auf Grund des GerhardtliedesGeh' aus, mein Herz, und suche Freud'", eine Ansprache über die rechte Freude eines Christenmenschen. Nach seinen Aus- fthrungen soll ein wahrer Christ ein fröhlicher Mensch sein und auch Freude an der Natur haben. Ist doch die Natur gleichsam das von Gott geschaf­fene Bilderbuch zum geschriebenen Gotteswort, der Bibel. Bei Musikvorträgen und Kinderspiel verging die Zeit rasch; die sehnsüchtig erwartete Verteilung der Brezeln erhöhte die Freude der Kleinen. Nach Dankesworten des 1. Vorsitzenden, Staatsanwalt Knauß, und Gesang des ChoralsNun danket alle Gott" trat man in geordnetem Zuge den Heim­weg an. Es war ein schöner Sonntagnachmittag.

** Hausierende Japaner und Chi­nesen. In Gießen und Hmgegenb hausieren Japaner und Chinesen mit Porzellan und Por­zellanerzeugnissen, die nicht als chinesisches Por­zellan, sondern als ein minderwertiges Fabrikat anzusprechen sind. Das Publikum ist dringend vor diesen fliegenden Händlern zu warnen

** Goldene Hochzeit. Am Donnerstag, 26. August, feiern die Eheleute Karl Steller, Schillerstraße 9, das Fest der goldenen Hochzeit.

** Ernennungen. Ernannt wurden: die provisorische Handarbeitslehrerin Elisabeth N i - colay zu Roßdorf, Kreis Darmstadt, zur Hand­arbeitslehrerin an der Volks- und Fortbildungsschule daselbst; die provisorischen Handarbeitslehrerinnen Lina Bohn, Elise Fey, Sophie Horn, Mar­garete Klingler, Therese Kreß, Anna Krieg­baum, Ida Mahr, Sophie Schnittspahn, Elisabeth Weil zu Darmstadt zu Handarbeitslehre­rinnen an der Volksschule zu Darmstadt; der Schul­verwalter Friedrich M ö ß i n g e r aus Darmstadt zum Reallehrer an der Realschule in Gernsheim mit Wirkung vom 1. September 1926 ab; der Lehrer Heinrich Otto zu Rodheim v. d. $)., Kreis Friedberg, zum hauptamtlichen Fortbildungsschullehrer an der Fortbildungsschule zu Friedberg.

*"* Die Maul- und Klauenseuche wurde amtlich festgestellt in dem Gehöft des Georg Theiß IV. in Flensungen, ferner in Wohn­bach, Friedberg- Fauerbach und Ober-Roßbach. Da die Seuche in Inheiden weiter um sich ge­griffen hat, wurden die Gemarkungen Feldheim und Hungen zum Beobachtungsgebiet erklärt. Erloschen ist die Seuche in Aßlar.

** Straßensperrungen. Das Polizei­amt teilt mit: Wegen Ausführang von Bau­arbeiten wird hiermit der Verkehr durch die Eisenbahnunterführu-ng der Eder- st r a ß e vom 25. August ab bis 15. Oktober ds. Js. für jeglichen Verkehr gesperrt. Die von uns unterm 8. Mai angeordnete Sperrung der Schützen st raße zwischen Rodheimer Straße und dem Grenzweg Krofdorfer Straße wftd hier­mit wieder aufgehoben, da die Walzarbeiten beendet sind. Die von uns unterm 29. Juni angeordnete Sperrung der Krofdorfer Straße zwischen Rodheimer Straße und dem Verbindungswege zwischen Krofdorfer Straße und Schühenstraße wird hiermit wieder aufgehoben, da die Walzarbeften beendet sind. Hnsere unterm 4. August 1926 erlassene Bekanntmachung über Sperrung der vorderen Da mm st raße wird hiermit wieder aufgehoben, ha die Pflaster­arbeiten beendet sind.

** Das Lichtspielhaus Bahnhof - strahe bietet seinen Besuchern gegenwärtig ein ausgezeichnetes Programm. Zunächst:Die Wiskottens", ein Film nach dem bekanntesten Roman Rudolf Herzogs. Ein Reigen Promi­nenter, an der Spitze Harry Liedtke, Der« körpert die Hauptfiguren der Handlung. Die prächtige Ausstattung gibt dem Werk einen guten Hintergrund. Den Besuchern der Premiere wurde übrigens insofern eine Heberraschung be­reitet, als sich ein Meiner «Filmstern" persön­lich vorstellte: Inge Falken, das Töchterchen eines früheren Mitgliedes des Gießener Stadt­theaters, die in diesem Film mftgewirkt hat. Ein hübsches Lusffpiel, dessen Hauptdarsteller! dem Tierreiche angehören, vervollständigt das sehenswerte Programm.

** Zum Schwimm- und Rudersport­werbe t a g am letzten Sonntag sei ergänzend nach- aetragen, daß im Einer-Rennen den ersten Platz K. Dietrich (Verein Rudersport), den zweiten K. Georgs (Gießener Ruder-Gesellschaft) und dritten K. W i s k e r (Ruder-ClubHassia") belegte.