Aeitag, 25. )uni 1926
K6. Jahrgang
Nr. 146 Erstes Blatt
Das „doppelköpfige" französische Kabinett
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Annahme von Anzeigen für die Tagesnummcr bis zum Nachmittag vorher.
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Chefredakteur:
Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr. H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Dlumfchoin; für den Anzeigenteil Hans Iüftel, sämtlich in Gießen.
Verwendung der Morganan- leihe,
Stabilisierung des Frankens. Inflation.
Auswärtige Kredite, die die Regierung zu Stabilisierungszwecken aufzunehmen beabsichtigt, und das Washingtoner Abkommen.
Die Regierung wird aufgefordert, sich insbesondere zu dem Caillaux zugeschriebenen Plan, wonach die Inflation die Vvraussehung für die Stabilisierung des Frankens bildet, ausführlich zu äußern. Die sozialistische Gruppe hat ferner beschlossen, das Washingtoner Schuldenabkommen zu bekämpfen, solange es nicht durch eine Transferklausel ergänzt werde. Es liegen eine Reihe von Interpellationsanträgen vor, die sich auf die allgemeine Politik und auf die Finanzpolitik der Regierung beziehen.
Außer der sozialistischen Interpellation, über die bereits berichtet wurde, sind in dec Kammer drei radikale und eine kommunistische Interpellation über die allgemeine Politik der R e g i e r u n g eingebracht worden. Möglicherweise wird die Regierung, so erklärt Havas, ebenso wie im Dezember 1925 bei der Verabschiedung der Loucheurschen Cteuergesetze in der Kammer beantragen, die Debatte über die allgemeine Politik, wenn auch nur für eine Stunde, zu verschieben, damit das Parlament zwei Gesetzentwürfe verabschieden kann, die unbedingt vor dem 30. Juni erledigt sein müssen: nämlich Zusotzkredite für das Haushaltsjahr 1 9 25 sowie lieber- tragskredile aus dem Haushaltsjahr 1925 auf das Jahr 1926. Sollte die Regierung für Dienstag die Diskussion der Interpellationen ins Auge fasten, so würde die Kammer vielleicht für Montag nachmittag einberufen werden, um die genannten beiden Gesetzentwürfe zu verabschieden.
Finanzminister Caillaux erklärte, daß er mehrere Tage Zeit brauche, um einen Finanzplan auszuarbeiten. Unter diesen Umständen ist der Zeitpunkt, an dem sich die neue Regierung dem Parlament oorstellen wird, noch nicht bestimmt, aber es wird als sicher angenommen, daß dies nicht vor Dienstag der Fall fein wird. — Rach Havas ist der formelle Wille des Ministeriums, in außerordentlich kurzer Zeit die Verabschiedung der Finanzgesetze zu erlangen, für deren Anwendung
Günstige Aussichten.
Paris, 24. Juni. (SU.) Die heutigen Besprechungen derpolitischenParteien in der Kammer haben den Eindruck verstärkt, daß die neue Regierung Briand- Gail lau ? mit einer außerordentlich günstigen Aufnahme im Parlament rechnen kann. Der größte Teil der Radikalsozialisten, abgesehen von einem kleinen Teil des linken Flügels, der sich der Stimme enthalten wird, wird für die Regierung stimmen. Das Zentrum und das linke Zentrum sind vollkommen für die Regierung gewonnen. Die äußerste Rechte hält sich in der Reserve. Es bleiben als eigentliche Gegner der Regierung nur die Sozi a l i st e n und die Kommunisten übrig. Man sieht voraus, daß der Einfluß Cail- laux' immer mehr zunehmen wird, so daß Driand schließlich immer weiter zurück- ged rängt werden würde. Für den Augenblick sprechen jedoch diese Argumente mit, und man erwartet, daß die starke Mehrheit, die das Kabinett bei der Regierungserklärung davontragen wird, sich auch weiter erhalten kann. Caillaux hatte heute nachmittag eine erste Besprechung mit dem Gouverneur der Dank von Frankreich und mit dem Sachverstän- digenkomitee. Wie verlautet, werden die neuen Projekte erst nach einem eingehenden Studium fertiggestellt werden. Sie werden sich auf der Dasis der Projekte aufbauen, die Caillaux im vergangenen Herbst bereits vorbereitet hatte. Den Journalisten erklärte Caillaux heute nachmittag, seine erste Finanzhandlung werde darin bestehen, seinen Kaoinettskollegen durch em Schreiben die Einschränlungsbestimmungen des Finanzgesetzes von 19 11 ins Gedächtnis zu rufen. Caillaux wird von seinen Kollegen die strikte Befolgung dieser Vorschriften fordern.
was die pariser preste sagt.
Paris, 24. Juni. (TU.) Das Kabinett B r i a n d wird in der Presse aller Parteirichtungen recht günstig aufgenommen. Man sieht in der neuen Regierung weniger eine politische als vielmehr eine technische Kombination, die ausschließlich zur Regelung der Finanzfrage dienen soll. Das Zentrum der neuen Regierung bildet das Finanzmini st e- rium, das von einem Triumvirat verwaltet werden soll. Ueber die Finanzpläne Caillaux liegen noch keine Angaben vor. Er wird heute vormittag die Ausarbeitung des Programms einleiten.
Aus den Kommentaren der Blätter über das neue Ministerium Briand ist hervorzuheben, daß Caillaux vielfach als der eigentliche Kopf des neuen Kabinetts bezeichnet wird.
Im „I o u r n a l" wird betont, daß das Kabinett der republikanischen Konzentration stark nach links orientiert sei.
„E r e 91 o u d e 11 e" schreibt: „Wenn das Kabinett Briand-Caillaux den Hoffnungen des Landes, das Taten erwartet, entspricht, wird es ein Anrecht auf rückhaltlose Unterstützung der öffentlichen Meinung haben."
Im „Oeuvre" wird ausgeführt: „Caillaux, besten Berufung zu großen Hoffnungen berechtigt, hat von der nun anhebenden Zeit der großen Buße gesprochen. Er ist es gewesen, der in den letzten Tagen erklärte, die Frage, die gestellt sei, sei die der Stabilisierung des Franken, zu der man (o bald wie möglich gelangen müsse. Bravo! Aber warum nicht sofort!"
Im „Quotidien" heißt es: „Rach manchen Tastversuchen hat Briand ein Ministerium gebildet, das ein ausgezeichnetes fein wird, wenn es ein Finanzprogramm hat. Hierüber verlautet aber noch nichts."
Im „Figar o" wird gesagt: „Wenn jemals eine Regierung den Namen „doppelköpfig" verdient hat, so ist es die gegenwärtige Regierung. Wenn die neue Regierung handeln will, muß sie in erster Linie politische Aufgaben erfüllen, die, wie man voraus
sagt, sehr schwierig sein werden.
Die „3ourn£c Industrielle" fragt: Gehen wir dem Versuch einer autoritären Regierung entgegen? Warum nicht? 'Aber man muß daS Ziel wissen, bevor man urteilen kann.
Im „® a ulois" steht: Das Ministerium ist von weniger kartellistischer Orthodoxie als man befürchten muhte. Die wenn auch nur zeitweilige Entfernung gewisser, durch ihre Demagogie zu sehr komprornittterter Persönlichkeiten und die Aufnahme des großen militärischen Chefs Frankreichs in das neue Kabinett scheinen den Wunsch einer Unabhängigkeit anzudeuten. Es wäre beklagenswert, wenn sie nicht in Erscheinung treten würde. Das Vertrauen, das man der neuen Regierung entgegenbringen darf, wird vor allem von ihrer Haltung gegenüber der Kammer und von ihren Handlungen abhängen. Wird die Regierung den Mut haben, sich von jedem parlamentarischen Einfluß zu befreien und die französischen Sparer durch gerechte Finanzmaßnahmen zu beruhigen? Das muh man abwarten. —
Die Abendpresse nimmt das Kabinett Briand-Caillaux mit Zurückhaltung auf. Alles, so schreibt der „Temps". sei neuerdings von dem Finanzsanierungsplan des neuen Ministeriums Briand abhängig. Briand ließ die drei oder vier Finanzminister, die er in seiner Regierung hatte, ruhig gehen. Er habe sogar die verschiedenartigsten Auffassungen, die ihm die Finanzsachverständigen im Laufe der Ministerkrise mitgeteilt hätten, entgegengenommen.
Abg. Schulte (Ztr.) erklätte auch die Zustirn- es vorn Parlament weitgehende Befugnisse ver- I mung des Zentrums zu dem sozialdemokratischen langen wird. v • r | Antrag.
Paris, 24. Juni. (Sil.) Der Kainmer - sihung am Dienstag sieht man in poli- ttschen Kreisen mit Spannung entgegen. Die Sozialisten hielten heute in der Kammer eine Beratung ab, in deren Verlauf beschlossen wurde, die Regierung am Dienstag über die folgenden Punkte zu interpellieren.
Ein franzöfischer Erfolg in Gens.
Genf, 25. Juni. (TU.) In der gestrigen Sitzung des von den militärischen Unter* tommiffionen der Abrüstungskommis* [ i o n eingesetzten Unterkomitees für Marinesragen sind weitgehende Meinungsverschiedenheiten heroorgctreten. Bei der Beratung über die ^Vergleichsmaßstäbe für die Seerüstungen wurde von Englisch-amerikanischer Seite vorgeschlagen, entsprechend den Beschlüssen der Washing- toncr Marinekonferenz von 1922 die einzelnen Schiffsklassen mit ihrem Tonnengehalt zu vergleichen. Die französischen Delegierten erklärten jedoch, es müsse die Gesamttonnage der Flotten der einzelnen Länder untereinander verglichen werden. Die Mehrheit des Komitees trat für den fron- zösischen Vorschlag ein, der darauf mit elf gegen sechs Stimmen angenommen wurde. Die Vertreter Deutschlands, Englands und Amerikas enthielten sich der Stimme. Bei der amerikanischen Delegation hat das Resultat große V e r ft i m m u n g ausge- löst, da hierin nicht nur eine Ablehnung der Ergebnisse der Washingtoner Konferenz, sondern auch eine ernsthafte Durchkreuzung der gesam- ten Abrüstungsverhandlungen gesehen wird. Es wurde verschiedentlich darauf hingewiesen, daß eine Majorisierung der großen Seemächte durch die kleinen Landstaaten für die Kommission untragbare Resultate zeitigen müsse.
Abschluß der internationalen Arbeitskonferenz.
Genf, 24. Juni. ($11.) Die 9. internationale Arbeitskonferenz hielt heute vormittag ihre Schlußsitzung ab. Zunächst wurde der Konventionsentwurf über den Heuervertrag der Seeleute in 2. Lesung einstimmig angenommen. Der Entwurf Über das Seedisziplinar- recht, der gestern als Konventionsentwurf abgelehnt und der Redakttonskommission zur Umarbeitung in eine Empfehlung überwiesen worden war, wurde heute wiederum mit 50:38 Stimmen abgelehnt. Es ist in Aussicht genommen worden, die Ausarbeitung einer Konventton für das Seedisziplinarrecht auf die Tagesordnung der internationalen Arbeitskonferenz zu sehen, die 1928 zur Beratung Über den Achtstundentag in der Marine zusammentreten wird. Rach Ablehnung der Empsehlung über daS Seedisziplinarrecht war die Tagesordnung der 9. internationalen Arbeitskonferenz erschöpft. Es folgten die üblichen Schlußansprachen, woraus der Präsident die Konferenz für geschlossen erklärte.
Die Kohlenfrage im englischen Unterhaus.
London, 23. Juni. (WTD.) Das Unterhaus hat in zweiter Lesung die Vorlage be4 treffend die Reorganisierung des Kohlenbergbaus angenommen.
Im Verlause seiner Ausführungen bemerkte der Vertreter des Dergamtes, Lane Fox, am dringendsten sei die allmähliche Beseitigung der kleinen altmodischen Schachtanlagen. Er verwies dabei auf die verhältnismäßig geringere Zahl der Schächte im westfälischen Kohlengebiet im Gegensatz zu der großen Zahl der englischen. Die Vorlage sei praktisch und zweckdienlich. Eie mache keinen Anspruch auf Vollständigkeit oder auf Durchführung aller Anempfehlungen der Kohlenkommission. Sie bedeute nur eine erste Abschlagszahlung. Der Arbeiterführer Hartshorn, der die Verwerfung der Vorlage beantragte, erklärte, er habe vergeblich auf eine Erklärung darüber gewartet, welchen Einfluß man sich von der Vorlage auf die Lage der Dergwerksindustrie verspreche. Die Vorlage berühre nicht das eigentliche Problem. Zur Frage der Exportpreise erklärte Hartshorn, verglichen mit der Zeit vor der Kohlenbeihilfe habe England nicht mehr Aufträge vom Kontinent erhalten, trotz der eingetretenen Preisverminderung. England habe mehr ausgeführt, aber weniger dafür erhalten. Die Folge der Subventionen sei lediglich gewesen, daß die deutschen Bergwerksbesiher nun ihrerseits unter Berufung auf die Unterbietung der Preise durch den britischen Kohlenausfuhrhandel ihre Regierung um Unterstützungen angegangen wären. Wenn man nicht beginne, die Industrie einheitlicher zu gestalten, so falle die Hälfte der Industrie der Vernichtung anheim. Eine Verminderung der Löhne oder eine Vermehrung der Arbeitsstunden könne das Problem nicht lösen. Er trete für neue Verhandlungen zwischen den streitenden Parteien ein und hoffe, daß der Entschluß zu neuen Verhandlungen das Ergebnis der Debatte sein werde.
Der Konservattve Leslie Schott erklärte, Hartshorn habe in seiner Rede den aufrichtigen Wunsch gezeigt, das Problem lösen zu helfen. Es sei zu bedauern, daß Hartshorn die Vorlage so kühl ausgenommen und keine beftimmten Abänderungsvorschläge gemacht habe. Lloyd George erklärte, er könne sich nicht denken, daß die Regierung der Aufforderung Hartshorns nicht Folge leisten werde. Der vorliegende Gesetzentwurf bringe die Angelegenheit nicht weiter. Dem Premierminister biete sich nunmehr die Gelegenheit, die gesamte Frage noch einmal zur Erörterung zu stellen, um festzustellen, ob man keine Regelung erzielen könne, die nicht nur für die Parteien des Hauses, sondern auch für die gesamte Industrie und Wirtschaft des Landes annehmbar sei.
Die Mittwochsrede des Arbeiterparteilers Hartshorn, in der der Zusammenschluß aller Bergwerke als die einzige Lösung des Kohlenkonflikts bezeichnet wurde, war gestern in den Wandelgängen des Unterhauses Gegenstand lebhafter Erörterung. In Regierungskreisen werden feine Anregungen für eine vorbereitende Konferenz sehr begrüßt, obwohl vielfach bezweifelt wird, daß dieser wie alle übrigen Vorschläge mit Billigung der Bergarbeitergewerkschaft gemacht wurde. Jedenfalls beabsichtigt die Regierung zunächst eine abwartende Haltung einzuneh- men. Die neuen Lohntarife für die von der Achtstundenbill betroffenen Bezirke sind dem „E v e- n in g Standard" zufolge bereits fertiggestellt. Das Blatt bezeichnet sie im allgemeinen sogar als eine Verbesserung der früheren Bedingungen.
Das Mstenabfindungsgefetz vor dem Rechtsausschuh.
Berlin, 24. Juni. In der heutigen Sitzung des Rechtsausfchuffes wurde die Einzelberatung des Fürstenabfindungsgesetzes fortgesetzt. Dor Eintritt in die Tagesordnung beantragte Abg. Stöcker (Komm.), über jeden einzelnen Paragraphen und Abschnitt abzustimmen. Die Kommunisten seien zu diesem Antrag gezwungen, weil der „Vorwärts" ihre Haltung durchaus falsch daroestellt habe.
In der Geschäftsordnungsdebatte darüber erklärte Abg. L i n d e i n e r ° Wildau (Dntl.), die Deutschnationalen würden sich bei allen Abstimmungen wie bisher der Stimme enthalten.
Abg. Dr. R o s e n f e l d (Soz.) wies die Angriffe auf die Berichterstattung des „Vorwärts" zurück.
Der Vorsitzende Dr. Kahl (D. Vp.) erklärte, er werde künftig über jeden Abschnitt besonders ab- stimmen lassen.
Die Beratung wird bei § 8 fortgesetzt, der besagt: Zioillisten, Kronfideikommißrenten, Krondotationsrenten und ähnliche Renten fallen, soweit sie von dem Lande dem Fürstenhause oder einzelnen seiner Mitglieder zur Bestreitung der Hofhaltung oder sonstiger mit ihrer Stellung verbundenen Aufwestdun- gen gewährt werden, entschädigungslos fort. Im übrigen gelten sie als Privateigentum des Fürstenhauses, soweit sie nicht Nutzungen von Vermögens- stlicken sind, die nach der Feststellung des Reichs- sondergerichtes Privateigentum des Fürstenhauses sind ober in die Streitmasse fallen. Ihr Kapital- wert ist mit Anwendung der Grundsätze des Gesetzes über die Ablösung öffentlicher Anleihen in Höhe des Einlösungsbetrages eines Auslöfungs- rechtes festzufetzen, fo daß für Altbefitzan- lei h e n ein Nennbetrag des 25fachen Jahres- betragen der Rente zu gewähren fein würde. Der Kapitalwert ist gemäß den Vorschriften des § 34 Abf. 1 des genannten Gesetzes zu verzinsen und in 30 Jahresraten zurückzuzahlen. Das Reichsfonder- gericht kann auf Verlangen des Landes die Leistung in eine einmalige Kapitalabfindung umwandeln.
Abg. Dr. Everling (Dn.) begründete dazu einen Antrag der Deutschnationalen, die in den Sätzen 3 und 4 enthaltenen AufwertungSbesttm- mungen zu streichen und dafür zu sehen: „Auf die Aufwertung ftnden auch die sonst geltenden gesetzlichen Bestimmungen einschließlich der Vorschriften des Aufwertungsgesehes vom 16. Juli 1925 Anwendung.
Abg. Landsberg (Soz.) trat für einen sozialdemokratischen Antrag ein, der unter Streichung aller übrigen Abschnitte d-m § 8 die Fassung geben will: ZivUlisten, Kronfideikommih- renten, Krondotationsrenten und ähnliche Remien fallen entschädigungslos fort.
Abg. Dr. Pfleger (Bayer. Dp.) wies daraufhin, daß auch vom preußischen Finanzministerium ein Teil der Kronfideikommißrenten als Privatbesih anerkannt werde.
Abg. Barth (Dn.) verwies auf ein_ Gutachten des demokratischen Abg. Dc. Schücking. daß die Kronfideikommißrenten zum großen Teil den Charakter des PrivatbesiheS habe.
Ein Vertreter des preußischen Finanzministeriums ertlärte, das Ministerium habe stets den öffentlich rechtlichen Charakter dieser Rente betont, der eine Entschädigungspflicht ausschliehe. Im preußischen Vergleich sei dieser Standpunkt des preußischen Finanzministeriums auch durch- gesetzt worden.
Abg. Wunderlich ID. Dp.) hält eine formal rechtliche Lösung der Frage für nicht möglich, sondern betont die Rotwendigkeit einer politischen Ausbalanzierung. Der Redner fuhr fort: Es fällt meinen Freunden außerordentlich schwer, der sozialdemokrattschen Forderung zuzu- stimmen, aber weil wir das Zustandekommen des Gesetzes mit der notwendigen Mehrheit für dringend notwendig halten, sind meine Freunde im Ausschuß bereit, hier ein Opfer zu bringen, vorbehaltlich der Zustimmung meiner Fraktion.
Doincars wurde beiseite geschoben und Caillaux habe man gut ausgenommen, obwohl beide für die wesentliche Frage die gleiche Forderung stellten.
Das „Journal des Debats" schreibt, man frage sich, wie'o Briand schließlich zu der Konzentration der Radikalen gelangte, der die Anwesenheit Caillaux' den Stempel aufdrückte. Gewiß habe Briand acht Tage lang einen Weg zurückgelegt, der dem eines Labyrinth ähnlich war. Es war erstaunlich, daß man Herriot die Bildung des Ministeriums hat anvertrauen wollen, das den öffentlichen Kredit und die Finanzen hätte wiederherstellen sollen. Das Ministerium Briand-Caillaux werde ohne große Heberraschung ausgenommen.
Der „3 n t r a n f i g e a n t" schreibt, wenn das Ministerium fest entschlossen sei, keine Politik zu treiben, sondern sich nur der finanziellen Wiederaufrichtung zu widmen, müsse man ihm trotz seiner politischen Zusammensetzung Kredit gewähren.
Das Echo in England.
London, 24. 3uni. ($11.) Die Morgenblätter beschästigen sich ausführlich mit dem neuen französischen Kabinett. Die „$ i m e s' führen an leitender Stelle aus, daß es sich keineswegs um eine Kombination der Rechten und des Zentrums handele. Das Schwergewicht liege vielmehr bei der Linken, obwohl dem Kabinett einige Mitglieder, die mehr oder weniger in Berührung mit den Gruppen der Rechten stehen, angehörten. Auffallend sei die Anwesenheit Caillaux' nicht nur als Finanzminister, sondern auch als Vizepräsident. Was bas zu bedeuten habe, bleibe abzuwarten. Solange aber dieses doppelköpfige Kabinettdie französische Kammer in der Gewalt habe, könne man in die Zukunft und Pläne des Kabinettes nie Vertrauen sehen. Der „Daily $ele- g r a p h" meint, daß die Aussichten des gestern gebildeten Ministeriums im Lichte der kürzlichen Ereignisse betrachtet, nicht sehr vielversprechend erscheine. Die republikanische Vereinigung habe Frankreich bisher wenig Hilfe in seinen finanziellen Schwierigkeiten bringen können. Der diplomatische Korrespondent des „Daily Telegraph" schreibt: ,.3n britischen Kreisen hofft man, daß die Zusammensetzung des neuen französischen Ministeriums Driand in die Lage versetzen wird, in der abessinischen Frage der Obstruktionspolitik am Quai d'Orsay ein Ende zu machen. 3talicn und Großbritannien wollen in Abessinien nur die gleichen wirtschaftlichen Dorteile wie Frankreich erlangen, wozu sie der Dertrag von 1906 berechtigt."
Das Arbeitsprogramm der Kammer.
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iner Börse. )t des „Siebener Anzeigers. Juni Die Börse eröffnete itlicher Haltung. EiM verkehrten recht lebhasi d^ te, Die in den letzten DUt Den, nachgebend, opreng ten rrchig und leicht avge dmarit mr Lagesgeld M
mdon fast unverändert, ter Getreidebörse.
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Erscheint täglich, außer Cb
Sonntags und Feiertags. CHF M ▼
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infolge höherer Gewalt. iXer
MM General-Anzeiger für Oberhefsen
richten: Anzeiger Sieben. v 1
8rantf,urtam’mäii0ii686. vrrck und Verlag: vrühi'sch« Uni-«rfilÄ5-vuch. und Sklnöniderci R. Lange in Sieben. Schristlettung und Geschäftsstelle: Schulftrasse 7.
Die Lage in Portugal.
Madrid, 24. 3unt (TU.) 'Cffiie aus Lissabon gemeldet wird, kann die Militärdiktatur als endgültig gefestigt angesehen werden. Trotz der wiederholten Dersicherung der Regierung, daß die republikanische Etaatsform aufrecht erhalten werde, gehen Gerüchte um. die von einer kommenden Wiederherstellung der Monarchie wissen wollen. Als Abgesandter des ehemaligen Königs Manuel soll Rorion Mattos in Lissabon eingetroffen sein. Primo de River a hat einen Oberst nach Lissabon gesandt, der da Costa Grüße und Glückwünsche überbringen foIL l


