en in diesem Jahre am 10.,
des Gaues
Nachdruck verboten.
25. Fortsetzung.
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Das lachende Haus
Roman von Sophie Kloertz.
Sie wandte sich um und wollte hinausgehen. In der Tür hielt sie noch einmal an. „Sie denken vielleicht, Fräulein, ich red' so, weil ich an der Frau häng'. Aber sehen Sie da den Kasten auf dem Schreibtisch? Der springt auf, wenn man gegen den Knops auf der Seite drückt. In den Dingen^ist der Herr immer recht sorglos gewesen. Sehen Sie mal hinein in den Kasten!"
Mit beiden Händen hatte Rose die Seitenlehnen des Stuhles umklammert, denn ihr war, als stürze sie in einen Abgrund. Ihre Augen aber hingen unverwandt an dein Madonnenbilde, an dem lieblichen gesicht mit der reinen Stirn, den sanften Augen, dem leisen Schmerzenszug um den jungen Mund. War da schon Leid an die Frau herongetreten? Hatte sie lchon das Kind mit Tränen geboren? Die war es. Die! Und was für ein Bild hatte sie sich gemocht. Mußte sie sich machen nach den Andeutungen des Mannes. Es schüttelte sie--
Und cs war doch nicht wahr. Sie glaubte der Frau kein einziges Wort. Darum halle er doch immer wieder und wieder gebeten- um das große Vertrauen, das nur aus grenzenloser Liebe auf- wachsen könne. — Wenn sie ihn liebte, mußte sie auch 'glauben.--Aber immer wieder gingen ihre
Blicke zu dem Bild.
Totenstill war es im Hause.
Der Sturm stieß gegen die Fenster und warf klatschend Schnee und Hagel an die Scheiben. Die Dunkelheit sank über das Zimmer.
Mit einem Ruck stand sie auf. Was war da noch mit einem Kasten? Gut, sie wollte auch das tun, wollte hineinsehen in den Kasten, und was sie auch iände, sie wollte lachen über das Gerede einer eifer- wichtigen Frau. Eifersüchtig für die andere, die sie lieb halle. Und wenn da noch sieben Bilder der jungen Frau lagen, und wenn eins immer holder unb süßer dreinschaute als das andere. — Augen können lügen, sie glaubte nur ihm. Und nun fuhr lie zu ihm, nun ganz gewiß!
Der Deckel sprang aus, als sie den Knops berührte. Lose aufeinandergehäuft die Photographien
11. und 12. Juli in Nidda, dem lieblichen Städtchen am Fuße des Bogelsberges, statt. Die Festordnung ist in allen Einzelheiten bereits ausgearbeitet. Der Hauptfesttag ist Sonntag, 11. Juli Don 6 Uhr morgens an häufen sich da die turnerischen Vorführungen, die ihren Abschluß in der Siegerverkündigung am Abend finden. Diese, sowie die Siegerver- lundigung am folgenden Tage, finden in der würdigsten Form statt und sollen jedem einzelnen Sieger ein tiefes Erleben bedeuten. Einen weiteren Höhepunkt des Festes sieht der Turnverein Nidda in der Jugendfeierstunde am Sonntagmorgen, die ihm besonders dazu geeignet erscheint, die hohen sittlichen Fdeen von Gott, Volk und Vaterland, für die die Deutsche Turnerschaft mit ihrem Herzblut eintritt, zu befestigen und zu verliefen.
Die Anlage des T^> r n p l a tz e s ist — den chiddaer Verhältnissen entsprechend — eigenartig. Der eigentliche Turnplatz ist von dem Dergnügungs- platz abgetrennt und zerfällt wieder in sich in Abteilungen für jede einzelne Geräteart. Zwischen den Abteilungen befinden sich Gänge, so daß jeder die Möglichkeit hat. die Uebungen aus der Nähe zu sehen. Ein dritter freier Platz ist für Freiübungen und volkstümliche Uebungen vorgesehen.
Zwischen Turnplatz und Vergnügungsplatz be- sinden sich die Tribünen für die Vorturner bei den Freiübungen, für die Musik, die von der Reichs- wchrkapelle Fulda und der Feuerwehrkapelle Nidda gestellt wird, und die Oberleitung. Hier — auf den Tribünen — finden auch die Sondervorführungen der Vereine am Samstagabend statt.
Für das Unterkommen und die Verpflegung der Turner und Festbesucher ist aufs beste gesorgt. Gute Quartiere sind in reichlicher Zahl vorhanden, und auf dem Festplatz sind — außer der Turnhalle — Zelte für mehrere tausend Personen in fester Hand. Neben der ernsten Arbeit soll auch die Freude zu ihrem Recht kommen. Es wurden nur gediegene Unternehmungen berücksichtigt. Besondere Sorgfalt wurde auf die Ausstattung des F e st b u ch e s gelegt Eine besondere Anziehungskraft für jeden Tur-
den schlechten Stand der Dickwurzbeete, so daß auch in unserer Gemarkung Mangel an Seypflanzen cintreten wird.
<> Hörnsheim, 22. Mai. Innerhalb der hiesigen Gefolgschast des Jungdeutschen D r « dens hat sich eine K l e in k a l i ber schutz e n - abteiluna gebildet, die sich die Pflege des Schießsports zur Ausgabe macht. Die Gemeinde hat einen Geländestreifen zur Verfügung gestellt, auf welchem ein Schießstand errichtet werden soll.
* Münchholzhausen, 22. Mai. Der hiesige Gesangverein Concordia begeht am 30. und 31. Mai sein 20jähriges Jubiläum, lieber 25 Vereine haben sich zu der Feier als Teil- nehmer angemeldet.
Kreis Marburg.
sch. Marburg. 24. Mai. Sin frecher D i e b st a h l wurde in der Rächt zum Samstag bei dem Gastwirt D. in Gisselberg verübt. Dem Dieb sielen die gesamten Wurst vor- rate ber Wirtschaft In die Hände. Durch einen Landjäger wurde der Täter, der sich als ein in öcr Limburger Gegend entsprungener Slrasge- lüngcitcr entpuppte, fest genommen und in das Marburger Gerichtsgefängnis eingeliesert.
Maingau.
WSN. Frankfurt o. M., 22. Mai. Gestern vormittag explodierten Ecke Waldschmidtstraße und Fasanenstraße durch die Unvorsichtigkeit eines Schlossers, der eine brennende Ziga rette in einen Luftschacht warf, die aus bisher unbekannter Ursache darin angesammel- t e n Gase. Der Schlosser wurde durch den Lust- druck gegen das Gartengiller geschleudert und erlitt eine erhebliche Kopfverletzung, so daß er nach dem Krankenhause verbracht werden mußte.
WEN. Hanau. 24. Mat ©ine fünf- köpsige Diebesbande, die sich seit Weihnachten 1925 zusammengetan und planmäßig Einbrüche in den Deamtenkonsum- verein in der ällanenkaserne verübte, konnte am Samstag fest genommen werden. 3n der Nacht vom Donnerstag auf Freitag wurde wiederum an genannter Stelle eingebrochen. Ein ganz geringfügiger älmstand führte bei der Nachforschung die Kriminalbeamten auf die Spur der Täter. Don den zuletzt gestohlenen Waren konnte ein Teil wieder herbei geschafft werden.
gum Gauturnfest in Nidda.
-ll. Wie bekannt, findet das 53. Oauturnfeft
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2. Mi. Bei der im mdenen diesjährigen eigetung, zu uel» ge Dieter, hauptiäch- »funfcen hatten, wur- enielt, die Haupt-
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ner wird darin die Geschichte des Gaues Hessen bis auf die neueste Zeit bilden, ferner ein Beitrag aus der guten allen Zeit Niddas und die Sescbichle des Turnvereins Nidda, der sich der Ehre wohl bewußt ist, daß ihm die Durchführung des 53. Gauturnfestes in diesem Jahre übertragen wurde.
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—
—
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122
——
63,25
122,13
Zuckerfabrik Frankenthal . .
-Zuckerfabrik Waghäusel . . .
49.4
58,5
49
58.5
—
Frankfurter Börse.
Frankfurt, 25. Mai. Tendenz uneinheillich, Farbenwerte fest. — Die Börse eröffnete nach der dreitägigen Unterbrechung in unsicherer und lustloser Stimmung. Es zeigte sich eine ziemlich ausgeprägte Zurückhaltung. Besonderer Grund für diese Tendenz lag nicht vor, doch dürfte der heranrückende Ultimo einen gewissen Einfluß ausüben. Ein Teil der Spekulation suchte sich glallzustellen. Eine Ausnahme bildete der F a r b e n m a r f t. Größere Auslandkäufe bewirkten hier eine weitere Kurssteigerung, ohne indessen besonders lebhaftes Geschäft zu veranlassen. Die ersten Kurse von I. G. Farben-Jndustrie erreichten bereits die Höhe von 175,5 und waren 3 Prozent über der amtlichen Frei- tagsnotiz. Später stieg Der Kurs bis zu 178 empor, wobei anscheinend viel Material gewechselt wurde. Auch einige Montanwerte ragten infolge größerer ausländis ch e r Kohlenaufträge, die infolge des fortdauernden englischen Bergarbeiterstreiks bei Ruhrzechen eingelaufen find, hervor. Höher wurden Gelfenkirchen, Mannesmann, Phönix und Rheinstahl. Von Elektrowerten waren Lahmeyer um mehr als 1 Proz. höher. Bankaktien ruhig. Schiffahrtsaktien
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schöner Frauen. Gleich zu oberst das Bild einer bekannten Kabarettsängerin. Sehr zierlich, blond, syl* phenhaft — sie hatten in der Gewerbeschule erzählt von ihr, daß sie aussehe wie ein harmloses Kind und verdorben sei bis in die Wurzel. Und nun hier, bei ihm, das Bild--
Aber er hatte ja immer gesagt, daß er ein Schönheitssanatiker sei. Daß er darüber alles andere vergeben könnte. Und schön war das Persönchen. Also -
Sie hob das Bild empor, und es wendend, um es zur Seite zu legen', sah sie hinten eine Schrift. „Ihrem geliebten Aribert mit tausend Küssen zur Erinnerung an den 28. Dezember 1924."
Das ist vor sieben Wochen gewesen. Vor sieben Wochen, als sie heimgefahren war zum Fest. — Unmöglich! Ganz unmöglich!
Ein zweites Bild. Unterschrift: „Meinem geliebten Blondin, Hermine." Pfui Teufel — die mar ja nicht einmal schön, diese hier, die war ja nur frech. — Und darunter ein Mädchen im Kittelkleidchen: „Meinem süßen Schatz in glühender Liebe." — Em reines Kindergesicht, ein lachender Kindermund.
Ein kurzes Stöhnen des Ekels. Die Bilder lagen, wo sie lagen. Rose wandte sich ab. Noch einmal heran an das Mudonnenbild.
„Hast du das gewußt, du? Haft du auch so an ihn geglaubt, du? Tat dir auch alles weh, so rasend weh " und wieder stöhnte sie, aber vor Schmerz. Das Herz tat unsinnig weh, ganz physisch weh, als würde es zerrissen.
Frau Klassen sah unruhig in die Tür. Das arme junge Ding'. Hätte sie doch schweigen sollen, wie ihr Mann cs wollten Aber Rose halle es ihr angetan mit dem lieben Blick und der freundlichen Art. Die — nein, die konnte man nicht so hineinrennen lassen ins Elend.
„Ich will gehen", sagte das Mädchen. „Wollen Sie mir, bitte, meine Sachen —"
Mantel und Mütze tarnen, trocken und warm. Rose ließ sich helfen wie an anderen Tagen.
..Ich glaube, daß Sie es gut gemeint haben, Frau Klassen. Nötig waren diese Wtitteilungen nicht. Ich kam nur hierher, well ich für Herrn von Drockdorf Arbeiten anfertige. Ich werde ihm natürlich nichts davon sagen."
„D, wegen dessen — ich stehe immer für das ein, was ich tu'."
leicht nachgebend. A u t o a k t i e n kaum verändert. Baustoffaktien gehalten, Zuckeraktien etwas niedriger. Der deutsche Rentenmarkt war ziemlich geschäftslos. Ausländische Ren- t e n zeigten eine nachgebende Haltung mit Ausnahme von Zolltürken. Der Freiverkehr blieb ohne Geschäft. Beckerstahl 34, Ben; 72, Brown Boveri 78, Entreprise 10, Growag 61, Kruger-Hall 102, Rastatter Waggon 21, Ufa 52, Unterfranken 79. Der weitere Verlauf litt unter der starken Geschatts- stille, nur Farbenwerte blieben im Mittelpunkte des Interesses bei nach oben gerichteter Tendenz. Die Flüssigkeit des Geldmarktes besteht unverändert fort. Tagesgeld 4—4,5, Monatsgeld 5 bis 6,5, je nach Adresie, Privatdiskont 4,5 bis 4z Proz., Jnduftrieakzepte 51 Proz. Im Devisenverkehr Haden die westlichen Frankenvaluten eine ansehnliche Erholung aufzuweisen. Die Pariser Pfundparität stieg auf 147,5. die Brüsseler Pfundparität auf 148,5. Dagegen ist die Lira mit 126,5 wieder etwas schwächer. Mark und Pfund unverändert.
Berliner Brrse.
Berlin, 25. Mai. Die zuversichtliche Stimmung, die die Börsenwoche vor Pfingsten kenn- ieichnete. übertrug sich auch auf das heutige Ge- chäst. Zu den Hauptstützen der Tendenz gehören ie politische Beruhigung durch den glatten Verlauf der Pfingstdemonstrationen, die unverändert flüssige Lage des Geldmarktes und die bedeutende Verbesserung der Frankenkurse, die besonders dem Montanaktienmarkt im Verein mit der Verschärfung des englischen Dergarbeiterstreiks Anregung gaben. An der Börse waren ferner Gerüchte ver- oreitet, wonach das Reichswirtschastsministerium dem deutschen Kohlenbergbau eine sofortige Staatshilfe finanzieller Art zur Bekämpfung der englischen Konkurrenz zukommen lasten wolle. Eine Bestätigung für diese Behauptung lag bei Börsenbeginn nicht vor. Am Montan« aktienmarkt lagen die ersten Kurse um 1 bis li Prozent höher. Die Aufmerksamkeit der Spekulation war daneben hauptsächlich auf Farben- i n b u ft r i e gerichtet, die mit 175,5 eröffneten und bald 1 Proz. gewannen. Am Elektromarkt war das Geschäft wesentlich ruhiger. Ganz vernachlässigt lagen S ch i f f a h r t s a k t i e n und hei- mische Renten, ferner die meisten Nebenmärkte. Am Geldmarkt hielt die Flüssigkeit weiter an. Tagesgeld 4 bis 6 Prozent, Monatsgeld 5* bis 61 Prozent. Am Devisenmarkt zogen die Kurse für Brüssel und Paris auf energische Interventionen der Bank von Frankreich hin an. Der Zloty lag mit 13z gegen Neuyork etwas fester.
Frank.urtrr Lchlachtviehmarkt.
Frankfurt a. M., 25. Mai. Auftrieb: 1104 Rinder (darunter 356 Ochsen, 48 Bullen, 700 Färsen und Kühe), 438 Kälber, 90 Schafe, 2857 Schweine. — Rinder (Ochsen): Boll- fleischige ausgewachsene höchsten Schlachtwerts 56 bis 61. junge, fleischige, nicht ausgemästetr und ältere ausgemästete 48 bis 55. mäßig genährte junge und gut genährte ältere 40 bis 47; (Bullen): Bollfleischige ausgemästete Färsen höchsten SchlachtwertS 48 bis 52, vollfleischige jüngere 40 bis 47; Färsen und Kühe: Dollfleischige ausgemästete Färsen höchsten Schlachtwerts 53 bis 59, vollfleischige auSgemästete Kühe höchsten Schlachtwerts bis zu 7 Jahren 45 bis 52, wenig gut entwickelte Färsen 44 bis 52. ältere auSgemästete Kühe und wenig gut entwickelte jüngere Kühe 35 bis 44, mäßig genährte Kühe und Färsen 30 bis 43, gering genährte Kühe und Färsen 18 bis 28. — Kälber: Feinste Mast- kälber 73 bis 78, mittlere Mast- und beste Saugkälber 65 bis 72, geringere Mast- und gute Saugkälber 55 bis 64, geringe Saugkälber 45 bis 54. — Schafe: Mastlämmer und Masthämmel 45 bis 50. geringere Masthämmel und Schafe 38 bis 43. mäßig genährte Hämmel und Schafe (Merzschafe) 30 bis 35. — Schweine: Doll- fleischige von 80 biS 100 Kilogramm 78 bis 82, unter 80 Kilogramm 74 bis 77. von 100 biS 120 Kilogramm 78 bis 82, von 120 bis 150 Kilogramm 78 biS 82. Fellschweine über 150 Kilogramm 78 biS 81, unreine Sauen und geschnittene Eber 62 biS 72. — Ma rktverlauf: Sperrmarkt. In allen Biehgattungen ruhiger Handel. Bei Schweinen verbleibt Heberstand.
rankfurtcr Getreidebörse.
Frankfurt a. M.. 25. Mai. Es wurden notiert: Weizen, Wetterauer 29,50 bis 29,75, Roggen, inländ. 19 bis 19,25, Sommergerste für Drauzwecke 22 bls 24, Hafer, inländ. 21,50 bis
Die Frau war eine Westfalin von echtem Schrot und Korn, fest und klar und wahr. „Und wenn ich weitergegangen bin als nötig, — Fräulein Bunsen, ich tat es aus Gutem."
„Ich glaube es Ihnen. Auf Wiedersehen, Frau Klassen."
Gott sei Dank, b < Haustür war in das Schloß gefallen, die Straße dunkel und menschenleer. Jetzt nur niemand sehen. Jetzt nur nicht zwischen Menschen, und wenn es auch die fremdesten wären. Allein den Weg hingehen und würgen an seiner Not —
Das Herz tat gar nicht mehr weh. Das lag wie tot. Aber die odjam, die entsetzliche Scham. — Was heilig und groß gewesen, das lag nun im Schmutz, alles war unter die Füße getreten. Sie, die reine, stolze Role Bunsen, nicht mehr als all die leichten Mädchen, die ihm tausend Küsse schenkten — tausend für einen. Und wenn sie nicht bis zum Letzten gegangen war---Sie schauderte.
Der Brief! — Er war da liegen geblieben. — Die Frau konnte ihn lesen, würde ihn lesen. — Ach, die wußte ja doch, was sie zu denken hatte! Ohne die--
Bon der Dienerin halle sie sich retten lassen müssen, denn sonst — Herrgott, sie wäre nach Berlin gefahren. Ja, sie wäre es, vor sich selber konnte sie das nicht abstreiten. Und bann--bann hätte
sie nie zurückkönnen in bas lachenbe Haus, nie Mutter und Schwestern wieder in die Augen sehen — bann wäre sie verloren gewesen!
Ganz klein zog sie sich in sich selbst zusammen. Als wollte sie sich jedem Blick entziehen. Und sah nicht, wo sie ging, und hörte nicht, als ein Z. dringlicher sie ansprach, und schritt die Straßen hin und über Plätze fort, war naß wieder bis an die Knie, ließ den schmelzenden Schnee in die Jacke nieder- rinnen auf den Hals, ging und ging, und wußte längst nicht mehr, wo sie war.
Als die Uhr sechs schlug, war sie am Sieindomm und schritt, immer geradeaus wandernd, auer über den Fahrdarnrn. Lautes Rufen an ihrem Ohr, dunkle Gestalten um sie h er — Wagen, erleuchtet und klingelnd, Pferbeköpfe, Menschen, die winkten — ein Stoß, irgendwo im Kopf und Rück i ein scharfer Schmerz —: Als man sie aufhob, leg die kleine Rose wie eine weihe Blume ohne Bewußtsein, und aus den Haaren floß Blut. Hart vor einem Wagen
23. 50. Mais, gelb 17,75, Weizenmehl, inländ. Spezial 0 41,75 bis 42.25, Roggenrnch! 28 biS 2825. Wcizcnlleie 9.25 bis 9,50, Roggenkleie tl. Tendenz fest.
Letzte Nachrichten.
Das Münchener Zugunglück.
München. 25. Mai. (WTB.) Die Reichs- bahndirektton München teilt amtlich mit: Infolge des starten Zugverkehrs konnte der Zug 820 nicht sofort in den Bahnhof Ost-Personenbalmhvs gelassen werden, muhte also vor dem Einfahrtsignal gestellt werden. Mittlerweile war der etwa 30 Minuten verspätete Personenzug 814, der zwischen Grafing und München-Ost nicht hält, gleichfalls fällig geworden. Der Blockwärter gab dem Zug das Blocksignal auf Halt. Dieses Block- signal hatte der Führer des Personenzuges 814 überfahren. Er behauptete, es sei auf Fahrt gestanden. Die bisher gepflogenen Erhebungen haben diese Behauptung nicht zu bestätigen vermocht. Die Frage wird noch genauestens untersucht. Als der Zug 814 sich dem Ostbahnhof näherte, hatte dieser Bahnhof dem Führer deS Zuges 820 das AuSfahrtsignal gegeben und der Zug hatte sich schon in Bewegung gesetzt und war einige Wagenlängen weit gefahren, als der Zug 814 mit einer Geschwindigkeit von etwa 60 Kilometer angefahren kam. Der Lokonwtivsührer des 814 hatte daS Einfahrt- signal von München-Ost auf freie Fahrt stehrn sehen und war in seiner Meinung bestärkt, daß seiner ungehinderten Sinsahrt nichts entgegen- stehe. Erst auf ver hältniSmäß i g kurze Entfernung gewahrte der Lokomotivführer des 814 eines der Schlußlichter des eben in Bewegung kommenden Zuges 820. St zog die Notbremse und traf sofort alle Maßnahmen, um den Zug noch in seine Gewalt zu bekommen. Da die Einfahrt gegen München-Ost in einer starken ÄinkSkrümmung liegt, war dem auf der rechten Seite stehenden Lotomottvführer die TluSsich: auf das Zugblocksignal erschwert.
Der Ausstoß erfolgte mit großer Gewalt, vom Zug 820 wurden die zwei letzten Wagen vollständig zertrümmert.
Der übrige Tetl des Zuges blieb so gut wie unbeschädigt. Dom Zug 814 war die Maschine nur wenig beschädigt, aber entgleist. Der als Schutz- Wagen dienende Packwagen war nur ganz leicht beschädigt, dagegen die vier folgenden Personenwagen 4. Klasse aus den Geleisen getoorfeu und stark ineinander geschoben. Mehrere Reisende waren in schlimmster Lage eingeklemmt. Auch wesentlich weiter rückwärts liegende Wagen deS Zuges 814 waren eittgleist und beschädigt. Der Unfall ereignete sich um 10.30 llfor nachts. Die Verletzten mußten teilweise mit Sägen und autogenen Schweißapparaten aus ihrer furchtbaren Laye befreit werden. Alle Stellen arbeiteten mit größter Hingabe uni) anerkennenswerter Aufopferung und unterstützten das Personal der Eisenbahnbetriebswerkstätten aufs wirksamste. Fast alle Verletzten und Toten tonnten bis 1 Uhr nachts geborgen werden. Die AufräumungSarbeiten sind in vollem Gange. Der Verkehr von und nach Rosenheim wird über München°Ost Rangierbahnhof geleitet. DaS Geleise Rosenheim wird morgen früh 8 Uhr, bas Geleise München morgen abend 6 Uhr frei sein.
3m Krankenhaus Isar liegen zur Zeit 83 Verletzte. Don den inS Krankenhaus cinge- lteferten Verletzten sind nochS gestorben. 3m Ostfriedhof München liegen zur Zeit 22 Tote. Die AufräumungSarbeiten sind noch nicht beendet, ein großer Teil der Toten ist noch nicht erkannt. Die Verletzungen sind teilweise furchtbarer Art, zum Teil wurden die Opfer in der Mitte auseinandergerissen.
Nach den bei der Relchsbahnbirektion in Berlin bis heute mittag eingegangenen Meldungen beträgt bie Zahl ber Toten 33, bie ber Schwerverletzten über 7 0.
Der Vulk anausbruch in Japan.
Tokio, 25. Mai. (WTB.) Der Ausbruch des bisher als erloschen betrachteten Vulkans Tokatschi auf ber Insel Hokkaido verursachte ein Getöse, bas noch in einer Entfernung von 32 Kilometer hörbar war. 2000 Personen werben vermißt, 200 sinb in ben Springfluten, bie burch ben Ausbruch entstauben, ertrunken. 60 Häuser würben von ber Lava zugebeckt. In einer Schwefelgrube würben zahlreiche Bergleute verschüttet.
ber Straßenbahn, ben ber Führer im letzten Augenblick stoppen konnte, war sie von einem Rabfahrer niebergestoßen worben.
Um Mitternacht, als Frau Margrit Bunsen schon ganz schwach unb verfallen war vor Angst, würbe in ber Pension angerufen. Ob bort ein Fräulein Dunsen vermißt werbe? Die Dame liege im Krankenhaus an ber Lohmühlenstraße; habe eben nach einem Unglücksfall bas Bewußtsein roiebererlangt unb dies ausgesagt. — So fand bie Mutter ihr Kind.
Als ber Föhn sich aufmachte unb über bie Alpen fuhr, war bie Glut des ©übens in seinem Atem, unb seine Augen brannten wie Sonnenpfeile. Da rissen bie Schneemäntel an ben Felsenhängen, bie Lawinen rannten ihren Tobesweg, Donner war in ben Bergen, ber nicht aus Himmelshöhen nieber« bröhnte, Dergbäche begannen zu rieseln, zu stäuben, wuchsen über bie Ufer, rissen Steine unb Pflanzenwerk mit sich, wälzten sich schlammige Masfen unb wilde Wassermengen nieder durch bie Täler, hinein in bie Ströme, baß bie alten Riesen murrenb aus bcm Schlaf erwachten, sich behnten im festen Bette, bie Häupter hoben unb sich mit ben gewaltigen Schultern gegen bie starren Eisfesseln stemmten.
Das Eis knallte unb krachte. Sprünge wurden zu Spalten, Spalten zu Schluchten, Eisfelber hoben sich, schoben sich, gingen norbwärts auf bie Wanberschast. Unb hinter ihnen, sie drängend und stoßend, die schwellenden Wogen, die ungeduldig vorwärts- ftrebten, bie es nicht abroarien konnten, an die See .zu gelangen, in bie große, starke Unenblichkeit.
Der Rhein hatte Hochwasser, Donau unb Main schufen Not und Verderben, aus dem Riesengebirge her kamen Rübezahls hetzende Waffergeister und bedrängten bie Elbe.
Wo bie Eisbrecher Bahn schufen, in der Fabr- rinne, zogen die Dampfer und Segler ihre Bahn. Im Hafen flitzten bie kleinen Schlepper, unb bie Dampfer der Hasenfahrtsgesellschast machten die stündlichen Runden. An ben Kais war Leben, auf ben Wersten gingen bie Hämmer und rasselten die Maschinen — aber weit draußen, hinter Blankenese unb Flottbek unb bei Kiekvonbiek, da lag der Strom zu beiden Seiten ber Fahrrinne noch weithin unter Eis. Drei Fuß bick — es wollte Zeit, bis die schwere Decke gesprengt war. iF7>tt>etzung folgt.)


