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wird. So ist vor allen Dingen noch immer nicht bekannt, wer der geistige und somit d e r e i g e n t-- liche Urheber der Frankensälschungen selbst ist. Als der Präsident Törekh an den Prinzen die Frage stellte, woher die Idee zu den Fälschungen stammt, antwortete Windischgrätz ausweichend:Die Idee stammt aus gewissen Kreisen, die sich mit diesem Gedanken beschäftigten." Eine überraschende Lösung dagegen hat die Frage, woher das zum Notendruck notwendige Papier stammte, gefunden. Nachdem die Angeklagten in der Llntersuchung und auch während der ersten beiden Prozehtage der Beantwortung dieser Frage geschickt aus dem Wege gegangen sind, ist der Prinz Windischgrätz in der Zwischen­zeit nun doch mit der Farbe herausgerückt. Der Prinz hatte zufällig von dem Lode dcs ge­heimnisvollen Arthur Schultze alias Richard Werner erfahren und so kein Interesse mehr daran gehabt, das Geheimnis der Papierbeschaf- fung weiter zu hüten. So-kam es denn heraus, daß das Papier nicht von dem Sekretär des Prinzen, Raba, sondern durch Schultze vom Ver­band der Deutschen Papierfabriken beschafft wurde. Es bestand aus dem gleichen Ma­terial, aus dem die Franzosen im Ruhrgebiet 5 und 10-Millivnen- markscheine gefälscht haben. Schultze selbst war damals an dem Druck der gefälschten deutschen Banknoten beteiligt und konnte sich so in den Besitz des Papiers sehen.

Man kann sich leicht vorstellen, welche äleberraschung diese Mitteilung des Prinzen Windischgrätz auslöste. Die Enthüllungen des Prinzen können natürlich nicht als eine Ent­schuldigung für das Borgefallene dienen, denn Gelbfälschung bleibt Geldfälschung, auch wenn dem Llnternehmen keine eigennützigen, sondern politische und patriotische Beweggründe zuge­schrieben werden müssen. Aber man tann an diesem Vorfall deutlich ermessen, wie wenig Ursache Frankreich zur moralischen Ent­rüstung über die ungarische Geldfälscheraffäre hat. .Und man sollte auch nicht auf den Hinweis verzichten, daß die Franzosen, die sich in der Frankenfälscheraffäre als die Geschädigten be­trachten, jenen 24 Herren, die heute auf der Anklagebank sitzen, in mehr als einer Hinsicht als Vorbild gedient haben.

Oderhessen.

Landkreis Gießen.

ck. Heuchelheim, 22. Mai. Ein schwe­rer Unglücksfall ereignete sich hier an einer Baustelle des neu verlegten Fernkabels. Einem bei der Fernkabel-Gesellschaft beschäftigten, aus Butzbach stammenden Hilfsarbeiter explo­dierte eine Denzinlötlampe und brachte dem Manne schwere Brandwunden im Gesicht und an den Händen und Armen bei. Nach Anlegung eines Notverbandes wurde der Be^ dauernswerte von dem QUito feiner Firma nach dem Krankenhaus in Nieder-Weisel verbracht.

X Klein-Linden, 22. Mai. Obgleich die verschiedenen O b sta r t« n hier reichlich blühten, läßt doch der Fruchtansatz zu wünschen übrig. Die Z w e t s ch e n haben verhältnismäßig wenig Behang, Birnen und A e p s e l versprechen eine Mittelernte. Der Saaten ft anb ist im Durchschnitt gut. Gras und Klee zeigen ebenfalls einen guten Stand.

Obbornhofen, 22. Mai. Der am 15. Mai in Kraft getretene S o m m s r f a h r p l a n brachte für uns und die übrigen Anwohner der Strecke Hungen Friedberg insofern eine bedeutende Verbesserung,als der Zug, der seither morgens um 11.07 Uhr in Hungen abfuhr, nunmehr schon 9.23 Uhr dort wcgfährt. Es ist oadurch der seither * etwa zweistündige Aufenthalt in Hungen in Wegfall . gekommen; denn aus den Richtungen Gießen, Geln- 6 hausen und Mücke lausen die Züge morgens alle gegen.9 Uhr in Hungen ein, und es ist nun eine so­fortige Weiterfahrt in der Richtung Friedberg mög- v sich. Das ist der eine Vorteil, während der andere, der durch diese Früherlegung bewirkt ist, darin be­steht, daß der genannte Zug jetzt schon 10.20 Uhr in Friedberg ankommt, während man vor dem 15. Mai erst um 12.04 Uhr dort ankam. Wer aus hiesiger Gegend geschäftlich in Friedberg zu tun hat, kann diesen Zug benutzen und bereits 1.33 Uhr wieder die Heimfahrt antreten. Wer seither in Friedberg " Geschäfte zu erledigen hatte, mußte entweder mor­gens um 7 Uhr hinfahren und mittags um 1.30 Uhr zurück, ober er mußte um 11 Uhr hinfahren und abends um 7 Uhr zurück, was in beiden Fällen sehr viel Zeit in Anspruch nahm. Die Neuerung wird hier allseitig freudig begrüßt. Nur haben die Anwohner der Strecke HungenFriedberg einen Wunsch, der leider immer noch nicht erfüllt wurde, nämlich abends fährt der letzte Zug bereits 5.33 Uhr aus Hungen weg, so daß alle Reisenden, die aus der Richtung Gießen kommen, die Rückfahrt aus Gießen bereits mit dem Zug 4.34 Uhr antreten

Ach was," sagte ich,hat doch sogar Des» demvna auch ihr Leben unter den Federn eines Kissens

Barbar, du wärst also auch imstande, eine Frau!

3 wo," sagte ich,eine Frau, wer spricht von einer Frau? Eine Maus, eine freche Maus will ich nur

51nb könntest du je wieder unter einem Oberbette schlafen," unterbrach mich meine Frau, in welchem du ein Leben hingemordet hast ich frage dich, könntest du bagr*

Nein," sagte ich, um mein Gemüt zu retten, iizin, das könnte ich nicht Aber was wollen wir jetzt tun? Eben hat es eins geschlagen"

Weiht du. zähle doch dis tausend," sagte meine Frau,du wirst fei)eit, diesmal, wenn wir wenn du das Oberbett in die Ecke dort hinten legst, sodaß uiu8 die Maus nicht sehen rann, wenn sie herauskommt, und wenn du deinen fürchterlichen Holzpantoffel wegtust, dieses Mvrd- werkzeug..

Also zog ich langsam das Oberbett in die Ecke. Also legte ich den Holzpantoffel weg. Also zahlte ich bis tausend. Lind als ich bei neun* f)undertsieberrundneunzig angekommen war, sprang die Maus heraus und war verschwunden, trium­phierend sah mich meine Frau an.

Das war um halb zwei. Sv gegen zwei schlief ich toiebcr tief und ruhig unter meinem Ober­bette mit dem Loche. Plötzlich kam der Traum mit dem Nudelteig und dem gezackten Rädchen und der Köchin wieder über mich wieder sauste kitzelnd dieses verfluchte Rädchen Über meine Lenden, Wieder kitzelte es mein Zwerch­fell. Aber diesmal habe ich nicht gelacht, son­dern bin mit einem Sckreckensschrei aus dem zweiten Rüdchernmdelteigtraum aufgefahren.

müssen, um in Hungen den Anschluß^ug in der Richtung Friedberg zu bekommen. Es wäre sehr er­wünscht, wenn wieder, wie vor dem Krieg, abends noch ein späterer Zug non Hun­gen nach Friedberg eingelegt werden könnte. Wie man hört, will nun auch unsere Gemeinde der Frage der Erbauung einer Wasserlei­tung nähertreten. Diesbezügliche Verhandlungen sind bereits im Gange, denn unser Dorf besitzt in dem sog.Obborn" eine sehr starke Quelle mit vor­züglichem Wasser. Sollten die Verhandlungen nun die alsbaldige Erbauung der Wasserleitung zur Folge haben, so wäre dies mit Freuden zu begrüßen, da manche der vorhandenen Brunnen unseres Ortes schlechtes Wasser geben.

Kreis Friedberg.

sf. Friedberg. 22. Mai. Dor Eröffnung der gestrigen Stadtverordnetensitzung widmete Bürgermeister Dr. S e y d dem vor kurzem verstorbenen langjährigen Stadtverordneten und Beigeordneten, Ehrenbürger Carl Damm, einen warmen Nachruf, den die Anwesenden stehend anhörten. Zur nochmaligen Beratung kam ein schon vor einigen Jahren gefaßter Beschluß, daß die Lerchen binnen 24 Stunden aus der Wohnung auf den Friedhof in die dazu bestimmten Leichenkammern gebracht werden. Dieser Antrag rief eine lange Aussprache hervor, in der von her einen Seite hauptsächlich ethische und Gefühlswerte vorgedracht wurden, von der andern Seite mehr soziale und hygienische. Die katholischen und evangelischen Kirchenvorstände Haven sich gegen den Beschluß ausgesprochen. Schließlich wurde der frühere Antrag mit 17 gegen drei Stimmen wieder angenommen. Ein Antrag auf Einführung eintv Laternen­reklame. bei der eine hiesige Firma 50 La­ternen pachten will, wurde abgelehnt. Bei der Polizeivervrdnung über das Straßen­verkehrswesen wird bestimmt, daß Autos nur mit einer Geschwindigkeit von 15 Kilometer die Straßen der Stadt durchfahren öürfen, ent­sprechende Anschläge sotten angebracht werden. -- Nach dem Berichte der Marktkommifsion will man davon a b s e h e n, die früher bestehende Pferdemarktlotterie wieder einzuführen, da man sich davon kernen Bortell verspricht, da­gegen soll wieder eine Prämiierung ein« geführt werden, wozu die Landwirtschaftskammer bereits 300 Alt., die Stadt 300 Mk. und der Pferdezuchtverein 100 Mk. bewilligt haben. Im Herbste soll hier ein größerer Obst- und Gemüsemarkt stattfrnden, und zwar im Hofe ünd der Turnhalle der Augustinerschule: die Stadt bewilligte zu diesem Zwecke 500 Mk. Das neuangelegte Rieselfeld in der Elach wird bis zum 1. Juli fertiggestellt und kann dann verpachtet werden. Es umfaßt ungefähr 25 bis 26 Mprgen. Es haben sich zwei Bewerber ge­meldet. Nach einstimmigem Beschluß des Land- Wirtschaftsausschusses wurde es dem Landwirt Friedr. Reiset zum Preise von 40 Mk. für Öen Morgen überlassen. Der Bürgermeister teilte noch mit, daß die städ tis che W e i d en an läge in der Pfingstweide entfernt werden muß, da diese von einem Schädling befallen worden ist, der die ganzen Wurzeln zerstört und daher die Gefahr einer weiteren Verbreitung auf die städti­schen Obstanlagen zu befürchten ist.

Kreis Büdingen.

ld. Nidda, 22. Mai. Neuerdings fallen im Güterverkehr Torfladungen auf, die in un­serer Gegend nut in besonders strohknappen Zei­ten auftauchen. Bei den geringen Heuvorräten und nicht sehr günstigen Aussichten auf die kom­mende Heuernte ist die Landwirtschaft gezwun­gen, das einigermaßen brauchbare Stroh zu ver­futtern und Torf als Streu zu benutzen. Trotz der schwierigen Wirtschaftslage findet die elek­trische Kraft in der Landwirtschaft immer mehr Verwendung. Eigene Schrotmühlen und Kreissägen verringern die Detriebsunkosten und machen sich so bald bezahlt.

ld. Aus dem oberen Niddatal, 22. Mai. Der feuchte Winter hat die W i e s e n u n l r ä u- ter (Hahnenfuß, Herbstzettlose, Pestwurz) über­handnehmen lassen: die Herbstzeitlose, die im Vorsommer ihre Frucht ausbildet, tritt in Unmengen auf. Viele Landwirte sind daher zur Zett mit dem Aus stechen der Herbstzeitlosen be- schäfttgt. In den Diederungswresen des Nidda­tals dringt die Pestwurz, vorn Volke Bach­latte oder Eselslattich genannt, von den Alfern des Flüßchens aus immer weiter in die Wiesen vor. große Flächen der landwirtschaftlichen Nüt­zung entziehend.

Kreis Schotten.

ld. Schotten, 22. Mai. Schon in der Vor­kriegszeit, besonders aber in den Jahren nach dem Kriege, zeigten wenig junge Leute Lust, ein Handwerk zu erlernen. Kaum einer von ihnen wollte sich unter die Hand des Meisters beugen und zog die Arbeit in der Fabrik mit ihrer

»Frau!" rief ich,Frau! Es ist noch eine Maus in meinem Oberbette." Das war um halb drei Ahr.

Nochmal wachen vor dem Loche meines Oberbettes? Nochmals bis hundert -- bis drei­hundert bis tausend zählen? And am Ende war die zweite Maus auch nicht die letzte? Nein...

Am drei Viertel drei Ahr hatte ich selber den abgetrennten Dreiecksflecken auf das Loch in meinem Oberbett genäht -- unter den er­munternden Ratschlägen meiner Frau, die sie auf den Tisch oben zu mir herunter gab.

And ab drei Ahr schlief ich heldenhaft mit zusaimnengebisfenen Zähnen und mit aufgezoge­nen Knien wieder ein. Fest ein. And träumte scharf und deutlich, aber mit verbissener Wur­stigkeit. daß ein halbes Dutzend Köchinnen ein halbes Dutzend Zackenradchen auf einem ein­zigen armen aus gewalzten Nudelteige spazieren­führten. bis der Teig in schmalen Fetzen und Streifen über den Küchentisch herunter hing. And dieser Teig war ich. And eben, als der Teig so träumte ich in das kochende Wasser des Supprnhafens geworfen werden foltte. bin ich schweißgebadet ausgewacht. And die schönste Harzer Sonne schien auf mein Ober­beti, in dem die Mäusemuttec eben mit ihren Kindern auf einem Morgenspaziergange Begriffen war.

Freuden des Fallschirms.

In den Ozean der Lust zu tauchen mit einem modernen Fallschirm ist eines der ange­nehmste Erlebnisse, die es gibt wenn man den Schirm richtig zu gebrauchen versteht." Diese Ansicht sprach ein Mitglied der Familie Spencer aus, zu der die bekanntesten englischen Fali- schirmkünstler gehören. Der Fallschirm wird als »Schwimmgürtel der Luft" immer mehr aner-

größeren Freiheit der Gebundenheit einer Lehr­zeit vor. Heute kann man vielerorts geradezu von einem Andrang auf d i e wenigen Lehrstellen sprechen, die von dem schwer rin­genden Handwerk geboten werden. Ehedem gar nicht gesuchte Lehrstellen im Schuhmacher-, Schneider-. Weißbinder-, Maurer-, Schreiner-, Wagner-, Schmiede- und Zimmermamrsberuf sind heute im Handumdrehen besetzt, und im Laufe der Jahre wird es somit dahin kommen, das; jedes Dorf wieder über diese überall benötigten ländlichen Handwerker verfügt. Die Zeitumstände haben viel junge Leute und ihre Eltern wieder erkennen lassen, daß das Handwerk trotz seiner macherlei Nöte, wenn auch nicht mehr einen gol­denen, so doch noch einen silbernen Boden hat.

Rainrod, 22.Mai. Gin bedauerns­werter Anfall ereignete sich gestern in dem hiesigen S t e i n b r u ch. Der etwa 40jährige Schießmeister Mahr wollte einen ausgebliebe­nen Sprengschuh nachbohren. Dabei entlud sichderSchuh und verletzte den Mann schwer. Mit gräßlich verstümmelten Händen und weniger gefährlichen Gefichtsverlehungen wurde der Anglückliche in die Klinik nach Gie­ßen überführt. (Wie wir auf Anfrage in der chirurg. Klinik hören, hat her bedauernswerte Wann beide Hände bis auf den Daumen an der einen Hand verloren, außerdem ist ihm ein Auge völlig aitSgeriffen wor­den, hinsichtlich des andern bestehl wenig Aus­sicht, daß es erhalten bleiben kann. Lebensgefahr besteht für den Mann zur Zeit nicht, jedoch ist sein Allgemeinbefinden den Amständen entspre­chend schwach. D. Red.)

Kreis Alsfeld.

o. Alsfeld, 24.Mai. Bei dem Bau der neuen Verbindungsstrahe. die sich von dem Leon­hardsturm nach der Hersselüerstrahc zu über die ehemalige Stadtmauer Hinzieht, wurden in dem Pflanzschen Garten unmittelbar am Rande der Stadtmauer in verhältnismäßig geringer Tiefe zwei menschliche Skelette und ein Dolch gesunden. Allem Anschein nach handelt es sich um zwei Krieger, die im Hessen­kriege 1646 bei der Verteidigung des be­nachbarten Fuldertores ihr Leben lassen mußten.

ck Wettsaasen, 22. Mai. Bei einer hier abgehattenen Grundstücksversteigerung wurden geradezu Phantasiepreise gelöst. Für einen hessischen Morgen, ja nach Lage und Klasse, bot man den ansehnlichen Betrag von 1200 bis 1600 Mark. Die Zahl der hiesigen Erwerbs­losen hat sich seither noch nicht ver­mindert. Ob das nahegelegene Braunstein­bergwerk, Gewerkschaft Luise, Nieder-Ohmen, diesen Sommer wieder mit der Arbeit beginnt, ist noch fraglich. Die Dampfsägewerke dagegen sind fast immer in Betrieb. Wäre das Gegen­teil der Fall, so hätten wir viel weniger Er­werbslose. Denn die Gewerkschaft Luise be­schäftigte allein in der Gemarkung Rieder-Ohmen und Bernsfeld etwa 200 Arbeiter.

Kreis Lauterback,

WSN. Lauterbach, 24-Mai. In meh­reren Orten des Kreises Lauterbach sind in letzter Zett die Masern epidemieartig aus­getreten. Da die Krankheit stellenweise auch in Verbindung mit Lungenentzündung aus­getreten ist, waren schon verschiedene Todesfälle zu verzeichnen. Die Bösartigkeit der Krankheit wird allgemein auf den rauhen WitterungScharak- ter in den letzten Wochen zurückgeführt.

Starkenburg.

WSN. D a r m ft a b t, 22. Mai. Die Besucher­zahl der T e ch n i s ch e n H o ch s ch u l e hat im lausenden Sommersemester gegenüber dem vergan­genen Winter- und Sommersemester eine Erhöhung erfahren. Es sind 2345 Studierende und 42 Hörer eingeschrieben. Hierzu kommen noch 279 Gäste, die nur einzelne Vorlesungen belegt haben, so daß sich die Gesamtbesucherzahl auf 2666 stellt.

Preußen.

Kreis Wetzlar.

D Wetzlar, 21. Mai. In der gestrigen Stadtverordnetensitzung ist der Etat für 1926 verabschiedet worden, nachdem er am Montag noch eine Finanzausschußsitzung durch­laufen hatte. Die Sitzung, die diesmal schon um 9 Ahr vormittags begann, brachte nicht die von linker Seite vorausgesagte Generalabrechnung mit der Rechten, vielmehr ging es beiderseits ver­hältnismäßig ruhig zu. Auch der Bürgermeister sah 'bon* einer sonst üblichen großen Statsrede ab und brachte lediglich in der Hauptsache eine Gegenüberstellung der Einnahme- und Ausgabe- Posten der wichtigsten Etatsmittel gegenüber dem Borjahre bzw. der Borkriegsjahre 191344. Eine Aeberraschung gab es noch durch die Mitteilung, dah das abgelaufene Etatsjahr mit

kannt und muß von allen Fliegern als unent­behrliches Rettungsmittel mitgenommen werden. Daher wird 6em Fallschirm die Zukunft ge­hören, je verbreiteter das Fliegen wird. Es dürsten Wohl aber noch einige Jährchen dahin­gehen. bevor diese Kunst soweit verbreitet ist, bah man sich zu einem Vergnügen, mit einem solchen Apparat ausgerüstet, in die Luft wirft, Wie heute der Schwimmer mit Freuden in die Fluten taucht. And doch ist der Vergleich mit dem Schwimmen nicht abzulehnen. Wer seinen Fallschirm zu handhaben versteht, wird nicht mehr Bedenken tragen, Tausende von Metern herabzusprinaen, als der tüchtige Schwimmer, der so sicher und ruhig weite Strecken im Wasser zurücklegt. Die Spencers lernen, wie sie einem Äussrager mitteilten, das Herunterstürzen mit dem Fallschirm Idjon in frühester Kindheit. Der Vater nimmt Söhne und Töchter, wenn sie 12 Jahre sind, undschmeißt sie über Bord". Ra- türlich müssen die Kleinen vorher bereits manche Ballonausstiege gemacht haben und in der Hand­habung geübt fein. Das Durchschneiden der Luft im Fallschirm ist dieser Familie eine Selbstver­ständlichkeit, und sie bekennen, daß ihnen die Lustfahrten mit dem Fallschirm außerordentlich viel Vergnügen beretten. Manche Berusskünstier des Fallschirms haben von ihren Ballons 500 Abstiege und mehr unternommen, und sie halten diese Vorsührung für vollkommen sicher, min­destens so sicher wie Schwimmen oder Autofah­ren. Es gibt zwei Hauptgefahren. Die eiste besteht in dem Versagen des Apparates, die aber durch geschickte Handhabung und durch sorgfältige Prüfung fast vollkommen ausgeschaltet werden rann. Die andere Gefahr liegt darin, dah man an einer unangenehmen Stelle landet, so z. D. in einer belebten Straße, aus der See oder auf einem Schutthaufen.>er wenn man die außer» ordentlich große Zahl von gelungenen Abstiegen

einem Fehlbetrag von rund 100 000 Mark abschließen wird. Hierfür Deckung zu schaffen, glaubte der Bürgermeister schon heute Vorschlägen zu müssen. DaZ Ergebnis wäre als­dann eine weitere Erhöhung der Gewerbesteuer um 200 Prozent vom Ertrag und 360 Prozent vom Kapital gewesen, so dah anstelle der später beschlossenen Zuschläge von 550 Prozent vom Er­trag und 1800 Prozent vom Kapital solche von 750 Prozent bzw. 2400 getreten wären. Eine solche Erhöhung hatten selbst die Herren von der Linken nicht erwartet, wenigstens sah man bei Rennung dieser hohen Zahlen auch hier er­staunte Blicke. Der Etat hat sich gegen die Borlage vom 29. März erheblich verändert, und zwar sowohl bei der Einnahmen- als auch bei der Ausgabenseite. Während von bürgerlicher Seite Aenderungen von rund 160 000 Marl als Er­sparnis in Vorschlag gebracht worden waren, machte die Verwaltung eine Gegenrechnung auf, die zwar etwa die doppelte Summe erreichte, aber in Soll und Haben sich deckte. Die D e r fchlechterung resultiert daraus, dah die K r e i s l a st e n mit rund 100 000 Mark hoher in Ausgabe eingesetzt werden mußten, wahrend nach den ergangenen Verfügungen die Heber- Weisungen an Reichssteuern mit rund 86 000 Mark niedriger einzusehen waren. Voji, einer weiteren Herabsetzung der Gewerbesteuer 'wtre bei dieser Sachlage keine Rede mehr. Die bürgerlichen Par­teien, die bei der diesjährigen Etatsberatung eine geschlossene Einheitsfront bildeten, schickten als ihren ersten Sprecher den Stadtverordneten Köhler (D. Vp.) vor, während die Linke durch den Stadtverordneten Ziegler als Haupt- sprecher vertreten wurde. Rach Schluß der Haupt­referate trat eine Pause von 15 Minuten ein, in der sich die bürgerlichen Frakttonen mit der Deckung des Fehlbetrags aus 1925 beschäftigten. Als Ergebnis gab Stadtv. Köhler die Gr- flärung ab, dah die Behandlung dieser Ange­legenheit auf einen späteren Termin verschoben werden müsse, bis der vollständige Iahresab- abschluß vorliege und eine Vorberatung im Fi­nanzausschuh erfolgt sei. Hierauf wurde die öffentliche Sitzung um etwa eine Stunde unter­brochen, um drei geladenen Bewerbern für den Stadtbauratsposten Gelegenheit zu geben, sich dem Kollegium vorzustellen. Rach Wieder­herstellung der Oeffentlichkeit wurde von ein­zelnen Rednern der Rechten, als auch der Linken noch zu besonderen Etatstiteln Stellung genom­men, besonders beantragte die S. P. D. die Wie­derherstellung einzelner herabgesetzter Positionen. Die hieraus vorgenommenen Abstimmungen fielen jedoch bis auf einen Posten negativ aus. Der Etat wurde bann in einfacher Abstimmung mit den Stimmen der Bürgerlichen gegen die Stimme des Bürgermei­sters und der Linken angenommen. Er schlieht in Einnahme und Ausgabe mit 3577110 Mark ab. Die Verminderung der Schlußsumme gegen das Vorjahr um rund eine Million ist darauf zurückzuführen, dah die Be­träge der städtischen Betriebsverwaltung mit etwa der gleichen Summe auSgesondert worden sind. Don den fonsttgen Derhandlungsgegenständen ist noch bemerkenswert die Bürgschaftsüber­nahme der Stadt für eine Anleihe des Spar- und Bauvereins zum Bau der (von uns bereits gemeldeten) 106 Wohnungen. Die Belastung der Stadt durch Aebernahme des Mietausfalles, der über die vorgesehene Höhe von 150 Prozent der Friedensmiete hinausgeht, schätzt der Bürgermeister für eine Reihe von Jahren auf jährlich rund 28 000 Mark.

<> Hochelheim, 22. Mai. Am 9. Juli fin­den hier die Rcichsjugendwettkämpfe für sämtliche Schulen der Bürgermeisterei Recytenbach statt.

ch. Lützellinden, 22. Mai. Bei der im hiesigen Markwald stattgefundenen diesjährigen letzten Brennholzversteigerung, zu wel­cher sich zahlreiche auswärtige Bieter, hauptsäch­lich aus Klein-Linden, eingefunden hatten, wur­den fehr hohe Preise erzielt, die haupt­sächlich auf die günstigen Zahlungsbedingungen zurückzuführen sind. Es wurde im Durchschnitt für das Raummeter geboten: Fichtenknüppel 8 bis 10 Mk., Fichten» und Kiefernstöcke 3 bis 4 Mark, Kiefernscheiter 12 bis 15 Mk., Fichten- und Kiefernwellen kamen bis zu 14 Mk. pro! 50 Stück. Da wegen Sperrung der Straße Klein-LindenGroßen-Linden die diesjährigen beträchtlichen Rutzholzmengen im hiesigen Mark­wald nicht bis Mitte Mai abgefahren werden konnten, müssen, um einer Bermehrung des über- ausschädlichen Borkenkäfers vorzubeugen, sämt­liche Radelholzstämme bis zu einem be­stimmten Termin entrindet werden. Für diese Schälarbeiten werden durchschnittlich 60 Pf. für den Festmeter bezahlt, so daß bei einer Tages­leistung von 8 Festmeter pro Mann diese Ar­beitsgelegenheit einen willkommenen Verdienst bedeutet. Diele Landwirte klagen hier über

bedentt, so sprechen diese Gefahren kaum mit. Die Schaustellungen mit Fallschirmen, bei denen die Bedingungen günstig ausgewählt und genau berücksichtigt werden, sind natürlich ganz risiko- los. Cs ist viel leichter, von einem Ballon herunterzuspringen als von einem in voller Fahrt befindlichen Flugzeug. Aber auch das ist nur Sache der Aebung, und es scheint nach den Er­zählungen der Flieger, dah gerade das Ab- Ihringen vom Flugzeug besonders lustig und er­frischend ist. Man muß zunächst eine natürliche Abneigung gegen diese merkwürdige Art der Herunterbeförderung überwunden haben, muß eine längere Ausbildung in der Handhabung der Apparate besitzen, die eine ganz erstaunliche Sicherheit gewährleisten, und man wird in dem Flug mit dem Fallschirm ein besonderes Ver­gnügen finden. Cs gibt zwei Arten von Appa­raten: bei dem einen öffnet sich der Fallschirm sofort, bei dem anderen erst etwa 150 Fuß, nachdem man adgesprunHen ist. Wenn der Fall­schirm sich öffnet, empfindet fein Träger eine leichte Erschütterung, und es ist die Aufgabe, diese Erschütterung so geringfügig wie möglich zu gestalten, sowohl für die Sicherheit des Appa­rates wie für das Wohlbefinden des Trägers. All dies ist sorgfältig überlegt und mit mathe­matischer Sicherheit berechnet, und der moderne Fallschirm entspricht allen Bedingungen. Wenn Der Schirm geöffnet ist, dann ist das Herabfallen tatsächlich ein Vergnügen. Die Schnelligkeit des Sturzes wird durch den Apparat geregelt und vollzieht sich in einer Geschwindigkeit von 8 bis 15 Fuß in der Sekunde. Abstürze werden aus größter Höhe vorgenommen, und es verstreichen manchmal 20 Minuten und mehr, bevor der Boden erreicht ist. Bei einem Fallschirm von gewöhnlicher Größe ist daS Aufschlagen auf den Boden nicht unangenehmer, als wenn man von einer 3 bis 4 Fuß hohen Mauer herabspringt.

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