„Ich habe den Tag der Kriegserklä- rung zu meinem Besuch in Genua gewählt, weil Genua neben 'Jtom und Mailand Öen Ruhm hat, der Wage den Ausschlag gegeben zu haben und mit Ueberwindung der Feigheit unfähiger Regierungen das Bolt zum Letzten und Größten angespornt zu haben. Aus den ruhmreichen Maitagen sind die italienischen Aampssaszi entstanden. So besteht eine Verbundenheit zwischen dem Volk, das in den Schützengräben kämpfte und siegte und dem Volk, das den Marsch auf Rom ausgeführt hat. Wir regieren das italienische Volk mit reinen Absichten. Wir betrachten uns nicht als Herren, sondern als Erzieher des Volkes, das immer ein helfe* res Geschick verdient hat und auch finden wird. Ich sehe, daß das Volk arbeitet, und daß die Zusammenarbeit der Klassen zur Tat wird und daß der korporative faszistische Staat geboren und leben wird. Er hat den liberalen demokratischen Staat zu Grabe getragen, einen Staat der gemeinsamen Verantwortungslosigkeit, bei dem sich niemals ein Verantwortlicher nach Nomen, Vorname und Wohnung feststellen läßt und einen Staat des Parlamentarismus, in dem bis zum Ueberdruß geredet wird. Im korporativen Staat finden alle Klaffen Anerkennung und Schutz. In diesen vier Jahren haben wir der Nation Waffen gegeben. Wir haben der Nation vor allem einen militärischen und kriegerischen Geist gegeben, weil die Waffen allein ohne Geist nicht genügen. Der Kampf unter den Nationen wird immer schwerer trotz eines gewissen heuchlerischen und feigen Pazifismus. (Beifall.) Jedes Volk richtet die Schranken seines Egoismus auf und verschließt sich der falschen internationalen Verbrüderung. (Beifall.) Wir müssen also die Zahne zusammenbeißen in diesem Kampf, der heute nur wirtschaftlich und moralisch ist.
Die vorbereitende Abrüstungskonferenz.
Ein Memorandum Paul Boncours.
Genf, 22. Mai. (WTB.) Paul Dvncour, der französische Delegierte, hat dem Redaktions- komitee des Abrüstungsausschusses ein Memorandum unterbreitet, das Ausführungsbestlm- mungen für ein beschleunigtes Versah- ten des VölkerbundsrateS bei der Bestimmung deS Angreifers, und zwar unter starker Anlehnung an das Boraehen des Bölkerbundsrates anläßlich des britisch-bulgarischen Zwischenfalls im Herbst 1925 enthält. Besonderer Wert wird in diesem Memorandum auf größte Schnelligkeit bei der Durchführung der beim plötzlichen Ausbruch eines Konfliktes vom Bölker- bundsrat gegebenen Empfehlungen betreffend militärische und wirtschaftliche Hilfeleistungen gelegt. Der Rat soll im Ernstfälle spätestens 48 Stunden nach Eintreffen der Aachricht in Genf zusammentreten. 'Bei der Beschlußfassung des Bölkerbundsrates über diesen Punkt soll die @ in- stimmigkeitsklausel nicht aufrecht- erhalten bleiben. Für die Durchführung her in Artikel 16 des BöllerbundSpatteS vorgesehenen militärischen Hilfeleistung wird eine enge Zusammenarbeit der General- ftLbe jener ßchthcr vvrgeschlagen, die gegebenenfalls teilzunehmen gewillt sind. Die Empfehlungen, die der Rat in dieser Hinsicht etwa geben würde, müßten sehr schnell erfolge^ und der ständige militärische Ausschuß müßte vorher Untersuchungen darüber anstelien, welches Verfahren am schnellsten arbeitet. Auch für die w irt- sch östliche Hilfeleistung sollen nach dem Memorandum Paul Dvncours im voraus methodische Regeln aufgestellt werden.
Diese Gedankengänge sind von dem französischen Vertreter dem redaktionellen Komitee des . Abrüstungsausschusses in Form einer Resolution 1 unterbreitet worden. Es entspann sich eine mehr- x- stündige ergebnislose Debatte. Lord Robert (Seer I blieb bei seiner Auffassung, daß es sich bei dem Vorschläge teilweise um Paktänderun- aen handle, über die zu beraten der Ausschuß keine Befugnis habe, er erklärte, die Vorschläge sollten vielmehr von Frankreich direkt an den V ö l l erb und Sr at eingereicht werden: evtl, könnte auch der Abrüstungsausschuß in einer Entschließung dem Völkerbundsrat ein Studium dieser Vorschläge empfehlen. Die durch den Gegensatz zwischen Paul Doncour und Lord Cecil entstandenen Schwierigkeiten wurden durch
die Annahme eines englisch-französischen kam- promihonlrags
beseitigt, der die von Paul Boncour gemachten Vorschläge für eine möglichst rasche und sichere Ingangsetzung der sich aus Artikel 16 derVöller- bundsatte ergebenden wirtschaftlichen und militärischen Hilfeleistungen zugunsten des angegriffenen Staates dem Völkerbunbsrate übertoeilen will mit der Bitte, die Prüfung der Vorschläge sofort vornehmen zu lassen. Dieser Empfehlung, mit der sick der Völkerbundsrat im 3um befassen wird, wird das Memorandum von Paul Boncour betflefugt werden. Der von den Vertretern Frankreichs un'o Englands vorgelegte Resolutions-Entwurf empfiehlt im einzelnen dem Rate, die Methoden für eine möglichst rasche Ingangsetzung ter militärischen Hilfeleistungen gegen die Ausdehnung eines plötzlich ausbrcchenven Konfliktes dem stänoigen militärischen Ausschuß deS Pötterbllnbes zu. überweisen, während die Regelung der wirtschaftlichen und finanziellen Hilfeleistungen dem sogenannten gemischten Ausschuß itfeectragen werden soll.
ES wurde dann noch ein Antrag des belgischen Senators de Droucki re angenommen, nach welchem die Frage der internationalen Kontrolle deS Rüstungsstandes der einzelnen Länder durch den VLllerbunb den beiden technischen Unterausschüssen überwiesen wird, ohne baß jedoch, worauf der italienische Vertreter nach- drücklichst bestand, durch diese Untersuchungen über den Kern der Frage bindend entsMeden werb'.^i darf. Die Untersuchungen deS gemischten Ausschusses sollen sich auch auf den chemischen Krieg sowie darauf beziehen, ob das Verbot des Krieges mit chemischen und einigen anderen Kampsmitteln in die Abrüstungskonvention ausgenommen werden kann.
ReichssroMsoSda-entag in Düsseldorf.
Düsseldorf. 23. Mai. tWolff.) Der heutige Sonntag brachte eine große Zahl von $et(- nehmern zu dem 7. Reichsfrontsoldatentag nach Düsseldorf Die Gesamtzahl der Teilnehmer wird auf rund 70 000 geschätzt, welche teils in Sonderzügen, teils In Kraftwagen, zu Pferde, auf Krafträdern und zu Fuß ankamen. Der Tag wurde
eingeleitet durch ein großes Wecken. Dann erfolgten Kranzniederlegungen am Schlageterkreuz, am bergischen Löwen, am Kriegerdenkmal und aus dem Shrenfriedhvf. Die Hauptveranstaltung bildete die Fahnenweihe von etwa 63 Ortsgruppen. Zu diesem Zweck versammelten sich die Stahlhelmleute in den Mittagsstunden auf ben Rheinwiesen. Dunbesführer Seldte - Magdeburg wies bei der Weihe darauf hin, daß der Stahlhelm die vaterländische Bewegung zusam- menfafsen und einen wolle. Rach der Fahnenweihe rückten die Teilnehmer in unabsehbarem Zuge in das rechtsrheinische Düsseldorf. 3n der Tonhalle führte der Bnndessührer aus, wenn der Frontfoldatentag diesmal an den Rhein verlegt worden sei, so gelte eS damit der deutschen rheinischen Bevölkerung den Dank des Stahlhelms dafür darzubringen, daß das Rheinland trotz des Druckes der Besatzung so treu und unerschütterlich die Wacht am Rhein gehalten habe. Am Jäger- hos erfolgte dann der Vorbeimarsch vor der Bundesleitung, der nahezu drei Stunden in Anspruch nahm. Der Zug führte zur großen Ausstellung. wo abenbs im Planetarium der Tag mit einer Gedächtnisstunde für die Gefallenen abgeschlossen wurde. Morgen früh fahren die Teilnehmer nach Köln. Die Veranstaltung in Düsseldorf ist ohne nennenswerte Zwischenfälle verlaufen. Die von den Kommunisten angekünbigten Kundgebungen fanden infolge der straffen Poli- zeim ah nahmen nicht statt.
Role Pfingsten in Berlin.
Berlin. 24. Mai. (XU.) Die Kundgebung, die der Rote Frontkämpferbund am erjten Pfingstfeiertag im Volkspark Reukölln veranstaltete, ist vollkommen ruhig verlaufen. Die Berliner Schutzpolizei hatte starte Kommandos zu Fuß und Lastkraftwagen aufgeboten, um etwaige Störungen der öffentlichen Ordnung und Sicherheit sofort ersticken zu können. Polizei brauchte jedoch an keiner Stelle in Aktion zu treten. Die Kundgebung selbst wurde durch einen großen Aufmarsch eingeleitel. Erst gegen 8 Uhr war der Aufmarsch vollendet. Auf dem Festplatz sprach der erste Vorsitzende deS Roten Frontkämpferbundes, Reichstagsabgeordneter Thälmann. Gr betonte, es gelte nicht nur, die rote Fornt fester im Innern auszubauen, sondern die revolutionäre Theorie in die revolutionäre Praxis umzusehen. Es wurde dann die von den russischen Gewerkschaften gestiftete Fahne mit der russischen Losung „Den Pionieren des Freiheilskampfes — Allzeit bereit" übergeben, wobei Thälmann versicherte, daß sie in den bevor stehenden blutigen Kämpfen zum Stege des Proletariats getragen werden solle. Rach dem Gesang der 3nternattonale erfolgte gegen V«9 Uhr der Abmarsch der Roten Frontkämpfer, Der sich ebenfalls ohne Störungen vollzog.
Der Kutiskerprozeb«
Berlin, 22-Mai. (LU.) Im Kutifkerprozeh äußerte sich heute Dr. Rühe über die Devisengeschäfte mit dem Angeklagten Kutisker. Den Anstoß zu diesen Geschäften habe die Staatsbank durch eine Zeitungsannonce gegeben? in der sie fremde Devifen gesucht habe. Kutister habe der Staatsbank mehrfach Dollar- und Pfundangebote gemacht und es verstanden durch fingierte Telegramme und geschickte Mänipula- tionen seine Angebote glaubhaft zu machen. Der nächste Zeuge, Oberfinanzrat Dr. Hellwig, bestätigte im allgemeinen die Bekundungen deS Vorzeugen. Die Verhandlungen wurden dann auf Mittwoch vertagt.
Die hessische Steuerpolitik
Der Hessische Wirtschafts- und Ordnungsblock schreibt uns: Eine Veröffentlichung des staatlichen Presseamtes, die unlängst durch die Zeitungen ging, zählt alle Erleichterungen auf, die den Stenerpslich- tigen bei Entrichtung der hessischen Sondersteuer vom bebauten Krundvesitz gewährt wird. Selbstver- stündlich steht diese Veröffentlichung des Presseamtes in keinerlei Zusammenhang mit dem „völlig aussichtslosen Volksbegehren" des Hessischen Wirt- schasts- und Ordnungsblockes. Um so interessanter ist es, wenn man diese Mitteilungen der Regierung etwas aufmerksamer unter die Lupe nimmt. Dann wird man folgendes finden:
1. Nach den Vorschriften des Reichsgesetzes über den Finanzausgleich soll die Sondersteuer für den Grundbesitz, der am 31. Dezember 1918 unbelastet war, nur i Prozent des Steuergeldes betragen. In Hessen erhebt man 1 Prozent.
2. Bei Grundstücken, die am 31. Dezember 1918 bis zu 10 Prozent des Friedenswertes belastet waren, soll die Sondersteuer nicht mehr als 0,75 Proz. betragen. In Hessen beträgt sie ein Prozent.
3. Für Grundstücke, die bis zu 80 Prozent des Friedenswertes belastet sind, soll die Steuer nach den Bestimmungen des Reichsgesetzes nur 1,25 Prozent betragen. In Hessen beträgt sie tatsächlich 1,75 Prozent.
4. Nach den Bestimmungen des Reichsgejetzes fall Eigenhäusern, die nicht aber nur aus Grund eine weitere Milderung des Steuersatzes gewährt werden. In Hessen gibt es diese Erleichterung nicht.
Wodurch wiederum bewiesen wäre, baß die De- fretierung der «vonbersteuer durch den Finanz- Minister in dieser Form nicht eine einfache Aus» jübrung des Reichsgesehss ist. Sie ist vielmehr notwendig, um den durch eine verkehrte Finanzpolitik unnatürlich angeschwollenen Finanzbebarf des Staates zu decken.
Kunst und Msienschaft.
Geheimrat Zciebrich Kluge f.
Wie aus Freiburg gemeldet wird, starb dort am Freitagnachmittag der bekannte Germanist. UniversitütSProfesfor Geh. Rat Dr. Friedrich Kluge, einen Monat vor der Vollendung seines 70. Lebensjahres. Kluge, der feit dem Herbst 1919 im Ruhestände lebte, ist geboren im Jahre 1856 zu Köln, habilitierte sich 1880 in Straßburg, wurde vier Jahn später Extraordinarius in Jena, 1886 Ordinarius daselbst und wirkte seit 1893 bis zu seiner Emeritierung in Freiburg i. Br. Kluge hat sich vor allem durch seine Arbeiten auS der Geschichte der deutfchen Sdrache einen Ramon gemacht: von seinen zahlreichen Publikationen feien an dieser Stelle nur genannt. Etymolog. Wörterbuch der deutschen Sprache (1881, 10. Ausl. 1924), Von Luther bis Lessing (67, 5. A. 18), Deutsche Studentensprache (95). Geschichte der got. Sprache (97), Unser Deutsch (07. 3. 21. 14), Deutsche AamenkunLe 17, 3. A. 24) und Deutsche Sprachgeschichte (21, 2. A. 24).
Internationaler Geologenkongreh in Madrid.
In Madrid wurde in Anwesenheit des Königs und der Regierung der 14. Internationale Geologenkongreh eröffnet. Es trafen 1300 Kongreßteilnehmer aus 53 Ländern ein. Die offizielle deutsche Abordnung steht unter Führung der Professoren Krusch. Kaiser und Pompe ck i. Der Präsident des Kongresses, Rubio, grüßte die Teilnehmer und wünschte der Tagung vollen Erfolg. Hierauf erflärte der Acbeitsmini- ster den Kongreß namenS des Königs für eröffnet.
Aus aller Welt.
Eröffnung des Luftverkehrs Berlin — Paris.
'Nachdem die Pariser Luftfahrtverhandlungen Anfang des Monats mit einem positiven Ergebnis geendet haben, sind im Anschluß hieran auch die Verhandlungen der Luftverkehrsgesellschaften über einige neue internationale Strecken abgeschlossen worden. Die Besprechungen Der deutschen, französischen, englischen und dänischen Gesellschaften in Köln ergaben folgendes Resultat: „Am Mittwoch, den 26. Mai wird die Strecke Berlin —Essen—Köln — Paris in beiden Richtungen gemeinsam von der Deutschen Lufthansa und der Farman-Gesellschaft eröffnet. In Köln wird in beiden Richtungen der Anschluß an die von der dänischen Luftfahrtsgesellschaft betriebene Strecke Kopenhagen — Hamburg-Essen— Köln nach und von Paris erreicht. Am 26. Mai wird die Führung Der alten viel umstrittenen Franco-Roumaine- Ltnie, die bisher deutsches Gebiet meiden muhte, geändert. Die diese Strecke jetzt betreibende „Cidna" führt den Verkehr tote folgt durch: Paris— Straßburg— Fürth — Rürn- bera -Prag - -Breslau — Warschau. Die Abzweigung in P rag nach Wien, Budapest, Belgrad, Bukarest, Konstantinopel bleibt weiter bestehen. Die Verhandlungen über Weiterführung der Lufthansastrecke Malmö-Kopenhagen — Lübeck - De r- lin — Dreden über Prag nach Wien werden weitergeführt.
Deutsche Kriegsschiff« in Spanien.
Die deutschen Kreuzer „Amazone" und „Rymphe" sind in Cadiz eingetroffen. Mit den spanischen Behörden wurden offizielle Besuche gewechselt. Rachmittags wurde im Rathaus ein F e st zu Ehren der deutschen Besatzung gegeben.
Ein internationaler Mietecbuub.
Der in Zürich tagende Internationale Mieterkongreh hat die internationalen Leitsätze sowie die Statuten des Internationalen Mieterbundes angenommen, in dessen Zentrale die Organisationen Oesterreichs. Deutschlands, Schwedens, Frankreichs und der Schweiz vertreten find. Den Vorsitz führt Wiath (Zürich). Der nächste Kongreß ist in Prag. Die Grüho der deutschen Behörden überbrachte namens des Generalkynsuls Architekt Kratzer. Es sprachen ferner Bundespräsident H ä b e r l i n sowie der Direktor des 3ntematü>naten Arbeitsamtes, Albert Thomas. In einer Resolution spricht der Kongreß die Erwartung aus, daß die Regierungen und Volksvertretungen die Forderungen der Internationalen Mieterbundes zur Verwirklichung verhelfen.
IDelfreforb eines Hunqerkünstterr.
Der Wiener Hungerkünstler Fred Heller ist Samstagabend 9.15 Uhr nach einer Hungerkur von 46 Tagen und 6 Stunden, was den Weltrekord bedeutet, aus seinem Glaskasten herausgebracht worden. Der Andrang deS Publikums war in den letzten Stunden ungeheuer. Der Hungerkünstler erhielt sofort feine erste Mahlzeit bestehend aus einem Glase Milch, etwas BiScuit und einem Glase Rotwein. Dann wurde er in das Spital der' Barmherzigen Brüder gebracht.
Trauriges Ende einer Kahnfahrt.
Ein junges Ehepaar machte am Sonntag eine Kahnfahrt auf den Kanälen in der Umgebung Löbenaus. An der Schleuse kam der Kahn zu dicht an diese heran, so daß beim Hochziehen deS Schleusenschuhes die Wassermassen sich in den Kahn ergossen und ihn in die Tiefe rissen. Das erst seit zwei Wochen verheiratete Ehepaar konnte mir als Leich rn geborgen werden.
Zwet Kinder beim Dootfahren ertrunken.
2ln der sogenannten Bammelecke in Grünau Bet Berlin sackte ein Boot, in dem sich 15 Kinder befanden, plötzlich wog und die Kinder gingen unter. Zwölf von ihnen, die dos Schwimmens kundig waren, erreichten das Ufer. Eines der Kinder konnte von einem andern Doot ausgenommen werden. Zwei Insassen, die des schwimmens unkundig waren, ertranken. Die Leichen find noch nicht gefunden worden.
Ein weiteres Todesopfer btr Explosion in Haßloch.
Die Explosion der Pulverfabrik Haßloch hat noch ein weiteres Opfer gefordert. Dor Werk- meistor Wilhelm, der durch Glassptitter im Gesicht und an den Augen schwer verletzt worden war, ist trotz einer sofort vorgenommenen Operation am Freitagnachmittag verstorben, fo daß die Explosion. 10 Todesopfer gefordert hat. Rach privaten Schätzungen rechnet man mit einem Schaden von über einer Million Mark.
Vulkanausbruch in Japan.
Tokio, 25. Mai. (WTB. Junksvruch.) Infolge des Ausbruchs des Vulkans Lokatschi aus Hokkaibo in Norbjapcm finb zahlreiche Men chen durch Lava verschüttet und viele Häuser zer- tört worben. 200 Personen sollen getötet worden ein, etwa 1000 werben vermißt.
Wettervoraussage.
Lagsüber weiter warm und heiler bei späterer Bewölkungszunahme. südliche Winde, vorerst feine stärkeren Riederschläge.
Unser Bezirk ist unter den Einfluß höheren Drucks gekommen, der von Südwesten her einem ins Baltikum weiteraezogenen Wirbel gefolgt ist. Bei südlichem Wind sind die Temperaturen wieder ongestiegen. Ein neuer atlantischer Wirbel ist mit feinem Regengebiet bis nach England vorgedrun- fjen. Da sich bno Druckfallgeniet hauptsächlich nord- östlich erweitert, ist mit einem schnellen Vorbringen bes Wirbels auf dem Kontinent nicht zu rechnen. Es bestehen jedoch in Mitteleuropa beträchtliche Temperaturunterschiebe, ble zu bern Auftreten von artlichen Störungen führen können.
gestrige Taaestemveraturen: QHaximum 11,6, Minimum 2,7 Grad Celsius. Heutige Morgentemperatur 9,4 Grad Celsius.
Aus der Provinzialhauptstadt.
Gießen, den 25. Mai 1926. |
Der Familienbund der Familie Bernbeck.
* Heute und morgen findet in Gießen bet 26. Familientag der weitverzweigten Familie Bernbeck statt. Zugleich damit wird das 5 0jährige Jubiläum der Gründung dieses Familienbundes begangen.
Unter den Familien in Hessen besitzt dieser Familienbund wohl die älteste Organisation. Die Anregung zu dem Zusammenschluß gab int März 1876 der spätere, inzwischen verstorbene Geh. Reg.-Rat Provinzialschulrat, Lic. Dr. Karl Leimbach zu Hannover durch einen Aufruf an die Glieder der Familie. Er war der erste Schriftleiter bes seit biesem Jahr bestehenben Familienblattes, bes Korrespondenzblattes der Familie Bernbeck. Das Blatt ist seit dieser Zeit allmonatlich erschienen und hat sich bei etwas beschränkterem Erscheinen auch über die Zeit der Geldentwertung erhalten. Seit 1876 ist man zumeist in Gießen (früher in SteinS Garten) alle 2 Jahre zu einem Familientage zusammengetreten, der meist über 100 Glieder Vrr Familie dort vereinigte. Das Familienstipendium, das bedürftigen Gliedern eine Unterstützung gewährte, ist auch der Inflation zum Opfer gefallen, wie so viele milde Stiftungen unserer Zeit. Der gegen- wärttge Senior der Familie, Geheimer Iustizrat FranzWahlzu Schlitz, hat einen Stammbaum der Bernbecke und ihrer Verwandten verfaßt < 1896), der durch einen zweiten Teil von demselben Verfasser im Jahre 1921 erweitert und ergänzt wurde.
Als ihren Stammvater sieht die Familie, die ihre Abstammungsreihe auf den Vorsteher des Amtes Hattingen am Riederrheim Diderich Bernbeck, geb. um 1614, gest. daselbst am 30. Mai 1677, zurückführt, den Pfarrer Johann Daniel Bernbeck (geb. zu Gießen am 12. Rov. 1757) auf dem Wirberg an, der mit Charlotte Schneider, Tochter des großbritannischen Werbehauptmanns George Schneider und der Luise Lesch von Mühlheim zu Gleiberg, verheiratet war. Don den 13 Kindern dieser Ehe, von denen drei im KindeS- alter verstorben und 3 unverheiratet geblieben waren, werden die 7 Stämme der Familie Bernbeck abgeleitet: 1. Stamm Wahl, 2. Stamm Strack I., 3. Stamm Bernbeck-Langd, 4. Stamm Strack II., 5. Stamm Dernbeck-Lehrbach, 6. Stamm Dichmann, 7. Stamm ©ertba, deren Rach kommen zahlreich im hessischen Beamten stand sich verzweigt und im Verlauf der letzten 50 Jahre weit über die Grenzen des Hessenlandes hinaus sich verbreitet haben.
Für die Stabt Gießen, die von der Familie als Mittelpunkt ihres Geschlechtes betrachtet wirb, ist es von Interesse, zu erfahren, baß ein Sohn, des ältesten nachweisbaren Gliedes, Dibrrich Bernbeck. in Gießen mit Anna Gertraud LooS sich im Jahre 1688 verheiratete und zwei seiner Rachkommen Mitglieder des Rates von Gießen waren.
Uebet die Bedeutung des Ramens Bernbeck sind allerlei wissenschaftliche und genealogische Untersuchungen angestellt worden, die zu einem endgültigen Abschluß bisher nicht geführt haben. Die eine sehr natürliche Lösung will den Ramen so erklären, baß bie Familie von ehrsamen Bäckern abstammt, die zum Unterschieb von anderen einen Bären im Hcruswcrppen geführt haben und im Volksmund dann Bärsn-bäcker genormt wurden. Rach einer anderen Forschung (von Prof. Dr. Aug. Ries-Mainz) kommt in Hattingen und Umgegend die Endung „beef“ in Familiennamen sehr häufig vor, und zwar mit denselben Varianten wie bei Bernbeck geschrieben: — „bed" —, — „decken", „in der Deck", — „aus der Deck". Das „deck" bedeutet hier überall soviel tote „Dach" und hat nichts mit dem süddeutschen — deck — brcker ----- Bäcker zu tun. Die Vorsilbe „Brr" soll auf „Biber" zurückgeführt werden, so daß Bernbeck — Beverbeck auf einen Bach Hinweisen würde, in dem Biber vorkommen. Da das Wappen der Familie Bernbeck Bären aufweist, so könnte dir erste Lösung verständlich erscheinen, wenn nicht dieses Wappen erst aus dem 18. Jahrhundert stammte.
W. Wahl, Pfarrer zu Lang-GönS.
Bornotizen.
— Tageskalenber für Dienstag, Stabttheater: 8 Uhr: „Irrgarten der Liebe. (Ende gegen IO1/« Uhr.) — Ächtspielhaus Bahnhofstraße: „Panzerkreuzer Potemttn". — Astoria- Lichtspiele: Harry Piel.
*
" Die Pfingstfeiertag« hatten diesmal für unsere Stadt ein besonderes Geprägq durch den Besuch der Saarsänger, über beffenj Verlauf wir an anderer Stelle dieses Dlattesi berichten. In den Kirchen war an beiden Feiertagen sehr reger Besuch. Am zweiten FLiertagi z. B. konnten in bet Stablkirche mehr als 2000 Besucher gezählt werben. Die Hauptgottesdienste würben durch Gesänge der Chorschule stimmungsvoll verschönt. Der Verkehr auf bet Reichsbahn war außerordentlich start: schon von Freitag an steigerte er sich gewalttg. Es wurden einer Anzahl Sonderzüge und Vor- und Rachzügc gefahren, um allen Ansprüchen gerecht zu werben. Trotz bieser starken Ausdehnung des Zugbienstes verlief der ganze Betrieb erfreulicherweise ohne Unfall. In Feld und Wald war der Spaziergänger- und Ausflüalerverkehr, der Radler- und Autlerbetrieb gleichfalls recht lebhaft, so bah die Gastwirte unterer Ausflugstätten wohl ebenfalls mit Befriedigung auf die Feiertage zurückblicken können. Alles in allem: es waren Feiertage, mit denen man zufrieden sein konnte, D>;nn auch das Wetter, insoesondere am zweiteir Fest- toge, nicht so ganz pfingstmäßig warm und hell war.
Handwerker - 03 c r | a nt m I u n g. Man schreibt uns: Die Bekanntmachung dos StadtbauamteS im „Gieß. Anz." vom 18. Mai 1926 Rr. 114 bett'. Vergebung der Vauhand- werkerarbeiten zur Errichtung eines Rcun- farnilienhauseS für Reichsbeamte in der Wilhelm- strahe nahm die hiesige Handwerkskammer-Reben- stelle zur Veranlassung, eine Versammlung der für die Llusführung der Arbeiten in Frage kommenden Bauhandwerkerführer der einzelnen Berufszweige einzuberufen. In der Versammlung, ble unter dem Vorsitz des Syndikus Röhr von der Hanbwerskammer-Rebenstelle Maßen statt- fanb, wurde das Verhalten des StadtbauamteS bei der Vergebung der in Frage stehenden Arbeiten eingehend besprochen. Die Versammlung erhob Protest gegen die Art der Vergebung der
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