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m. 119 Erstes Blatt

176. Jahrgang

Dienstag, 25. Mai 1926

Erscheint täglich,außer Sonntags und Feiertag«.

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GietzenerAnzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

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Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lang«; für Feuilleton Dr. H.THynot; für den übrigen Teil Ernst Dlumschein; sür den An­zeigenteil Han» Füstel, sämtlich in Gießen.

Argentinien und der Völkerbund.

Von unserem ^.-Korrespondenten. Buenos Aires, Anfang Wai 1926.

Am 30. Dezember 1925 berichtete die argen- tinifche Presse, daß die Regierung dem Sekretariat des Völkerbundes den Betrag der Iahresquote 1926 in Höhe von 396 156 Pesos überwiesen hätte. Durch diese "Rimesse wurde der breiten Oeffcntlichkeit wieder einmal die anormale Stellung Argentiniens dem Völkerbund gegenüber in Erinnerung ge­bracht, anormal insofern, als es zwar regelmäßig seinen Beitrag zur Erhaltung des Genfer Instituts entrichtet, im übrigen aber keine offizielle Vertre­tung bei demselben unterhält.

Wie vielleicht bekannt sein dürfte, erhielt der damalige argentinische Gesandte in Paris der jetzige Präsident Dr. de Alvear im Jahre 1919 von seiner Regierung den Auftrag, dem Ligasekrc- tariat mitzuteilen, daß Argentinien sich dem Völ­kerbund nach seiner Konstituierung anschließen und die erforderliche Ratifizierung durch den Kongreß nachsuchen würde. Im September 1920 setzte die Regierung den Senat davon in Kenntnis, daß sie offiziell zur Teilnahme an der ersten Völkerbunds­versammlung aufyefordert worden sei, worauf der Senat seine Zustimmung erteilte, daß die Regie­rung Vertreter nach Genf entsenden könnte. Nach­dem dann die argentinischen Delegierten unter Führung des damaligen Außenministers Dr. Pueyr- rcdens auf der Vülkerbundssitzung ihre Stimmen hotten hören lassen, mußten sie auf Anordnung ihrer Regierng den Völkerbund sofort wieder ver­lassen. Die damalige Regierung unter der Präsi­dentschaft des Herrn Hipülite Irigeyen erteilte seinerzeit diese Weisung, weil sie sich durch den Be­schluß der Ligaversammlung, die argentinischen An­träge zu vertagen, verletzt fühlte. Diese oon der argentinischen Delegation eingebrachten Anträge forderten u. a. die Wählbarkeit sämtlicher Mitglie­der in den Ligarat, Bildung eines Ausschusses zur Regelung wirtschaftlicher Streitfragen und Aner­kennung des Grundgedankens des Zwangsschieds­gerichtes.

Nicht genügend bekannt sein dürfte in Europa die Tatsache sein, daß Argentinien selbst für den Fall, daß seinerzeit die Abberufung der Delegierten nicht erfolgt wäre, durch die Schuld seiner Volks­vertreter auch heute noch nicht Mitglied des Völker­bundes sein könnte.

Der Entschluß der damaligen Regierung, sich zu dem Gründungspakt des Völkerbundes vom 28. Juni 1919 zu bekennen, bedurfte nachträglich der Ratifizierung durch den Kongreß. Und da diese Bestätigung bis zum heutigen Tage nach sechs Jahren noch nicht erfolgt ist, so kann die Entsen­dung einer Delegation aus gesetzlichen Gründen nicht angeordnet werden, aus welchem Grunde Ar­gentinien auch auf der letzten Völkerbundsoersamm- lung wieder durch Abwesenheit glänzen mußte. Vom Völkerbund selbst wird Argentinien noch wie vor als Mitglied angesehen, da die noch ausstehende Ratifizierung durch'den Kongreß als interne ar­gentinische Angelegenheit betrachtet wird.

Die Schuld an diesen unhaltbaren Zuständen kann also nicht, wie es vielfach geschieht, der Regierung zur Last gelegt werden. Sowohl die vorige als auch besonders die gegenwärtige Re­gierung haben sich wiederholt dafür eingesetzt, daß bas Parlament diesen wichtigen Punkt der ar­gentinischen Außenpolitik behandeln möge, doch blieben alle Bemühungen in diesem Sinne erfolg­los. Cs ist ja leider eine schon sattsam bekannte Tatsache, daß der argentinische Kongreß sich fast ausschließlich mit Parteipolitik befaßt und da­durch den Fortschritt des Landes in jeder Be­ziehung behindert und eine fruchtbare Tätig­keit der Regierung unendlich erschwert. Geteilte Meinungen innerhalb der verschiedenen Parteien können unmöglich die normale Situation dem Völkerbund gegenüber rechtfertigen. Riemand zwingt ja die Kammer, den Beitritt Argentiniens, falls sie ihn etwa für den nationalen Interessen zuwiderlaufend ansehen sollte, zu ratifizieren, aber sie sollte sich doch vor Augen halten, daß die Zugehörigkeit im Prinzip nun einmal exi­stiert, und daß das Ausbleiben einer kategorischen Definition dem Ansehen des Landes erheblichen Abbruch tut.

Sofern sich also der argentinische Kongreß auch nur einigermaßen seiner Pflichten bewußt ist, wird er in der diesjährigen Sitzungsperiode, die am 1. Mai eröffnet wird, als eine der ersten Angelegenheiten den Beitritt Argentiniens zum Völkerbund behandeln und damit einer seit 1919 herrührenden unhaltbaren Situation ein Ende bereiten. -Und sollte der Beitritt dann endlich bestätigt werden, was in den maßgebenden Krei­sen trotz des Fiaskos der letzten Ligaversamm­lung als sicher gilt, so wird Argentinien infolge seines Reichtums, seines bedeutenden Außen­handels und seiner guten Beziehungen zu allen Stationen zweifellos berufen sein, eine hervor­ragende Rolle im Völkerbund zu spielen.

Das Schankftättengesetz.

Berlin, 22. Mai. (TU.) Dem vorläufigen Reichswir'tschaftsrat ist in diesen Tagen der von der Reichsregierung genehmigte Ent­wurf eines Schankstättengesetzes zur Begutachtung zugegangen. Der Entwurf, in dessen Begründung auch zu der Frage des Ge­meindebestimmungsrechts Stellung genommen wird, will dem Beschluß des Reichstags vom 18. Februar 1925 auf Vorlage eines Gesetzes zum Schutze der Jugend gegen die Ge­fahren des Alkoholisrnus und zur Verbesse­rung des Schankkonzessionswesens unter Ablehnung einer Trockenlegung Deutsch»

45 Jahre D. D. A.

Die Hirschberger Pfingfttagung des Vereins für das Deutschtum im Ausland.

Hirfchberg, 25. Mai. (TU.) Am Somstag- morgen begann in Hirschberg am Fuße des Riesen­gebirges die 45. Jahrestagung des Vereins für das Deutschtum im Auslande. Viele Tausende von Teil­nehmern, darunter wohl 8000 Jugendliche wurden von der Stadt festlich begrüßt. Alle Straßen haben Girlanden-, alle Häuser Fahnenschmuck angelegt. Samstag morgen begann bereits die Arbeit mit einer Frauentagung, bei der die Aufgabe der Frau in der Arbeit für bedrohtes Deutschtum ge­würdigt wurde. Zu gleicher Zeit begann die Stu­dententagung, die eingeleitet wurde, durch eine Begrüßung des Staatssekretärs a. D. von Hintze. Auf dieser Tagung waren Studentengrup­pen aller Landes- und Volksteile ebenso vertreten, wie sämtliche großen Studentenoerbände und Kor­porationen. Das Ziel der Tagung war die Klä­rung all der Möglichkeiten, die gerade der Student zur Erfüllung volksdeutscher Arbeit bietet. Professor Dr. Scheel- Kiel sprach über nationales Mindcr- heitenoolkstum und Staat.

Am Samstagabend fand im Stadttheater die offizielle

Begrüßung der Stabt Hirschberg

für die Teilnehmer der Tagung statt. Der Saal war in den schlesischen Farben und denen von Hirsch­berg rings an der Galerie ausgeschlagen. Der B ü r° germeiftcr von Hirschberg sprach die Hoffnung aus, daß der Name seiner Stadt für viele Grenz- und Auslanddeutsche im nächsten Jahr ein Pro­gramm neuer Hoffnungen und neuen Willens sein möge. Oberstudiendirektor I a h n-Breslau, der Vor­sitzende des Landesverbandes Schlesien, betonte, daß Schlesien ein günstiger Boden für die Grenzland- arbeit sei, weil es am eigenen Leibe er­fahren habe, was alles geschehen könn. Noch vor zehn Fahren dachte noch niemand in Sudeten­deutschland an Möglichkeiten, die heute Tatsachen find. Der Vorsitzende des V. D. A., Staatssekretär a. D. Exzellenz o. Hintze, dankte der Stadt und der Ortsgruppe für die Mühe der Vorbereitung. (St erinnerte an die nationalen Kräfte von 1812, die auch von Schlesien ihren Ausgang nahmen und ließ eine Erinnerung an 1918 und 1919 auftauchen: Als schon die Autonomie Schlesiens aufgerufen war, richteten neun tatkräftige Männer Telegramme über Telegramme an Wilson: Kommt und seht, daß Glatz deutsch ist. Als tatsächlich eine Kommission kam, führte man sie auf die Friedhöfe und durch die Straßen und rettete so Glatz dem Deutschtum. Im Auftrage der Technischen Hochschule Breslau sprach Professor Schmeidler und als Vertreter der Breslauer Universität Geheimrat Kühnemann.

Rachdern noch am Samstag das Wetter nicht gerade vielversprechend für die Pfingsttage aus- gesehen hatte, grüßte Sonntag schon in aller Frühe strahlender Sonnenschein. Der erste Tag der 45. Jahresversammlung des Vereins für das Deutschtum im Ausland sollte ein Festtag sein. Die feierliche Einleitung bildeten zwei Gottes- d i e n st e in der katholischen und der evangelischen Kirche Hirschbergs, in denen das Pfingstwundev in seiner besonderen Bedeutung für das deutsche/ Volk gewürdigt wurde. Rach einem Festessen im Theatersaal begann

der große Festzug.

Rund 15 000 Teilnehmer marschierten Wohl eine Stunde lang durch die Hauptstraßen der Stadt, belebt durch die Fahnen und Wimpeln, zahlreiche Jugendgruppen des V. D. 2L und viele historische Gruppen in malerischen Kostümen und festlich geschmückten Wagen. Der Rachmittag brachte unter riesiger Beteiligung sportlicheVeran- Haltungen. Am Abend fand im Stadttheater eine Festaufführung des Schauspiels »Zwi­schen zwei Grenzen", dargestellt durch die Jugend­gruppe Hann.-Münden des V. D. 3L, statt.

Am Pfingstmontagmorgen trat im Stadtthea­ter die große Hauptversammlung zusam­men. Rach einleitenden Worten von Exzellenz Hintze sprach plniversitätsprofessor Dr. Dolu (Leipzig) über die Stellung der Wissenschaft im Kampfe um das Deutschtum. Bedauerlicherweise, bemerkte der Redner, habe sich im Augenblick der Rot in den Jahren 1918 und 1919 das Resultat deutscher wissenschaftlicher Arbeit in politischer Beziehung als sehr mangelhaft erwiesen. Es gab über die bedrohten Gebiete, über Schlesien, das

lands Rechnung tragen. Er sucht dem gewünsch­ten Schuhe der Jugend zu dienen, indem er die im Rotgeseh vom 24. Februar 1923 und dem Entwurf eines Allgemeinen deutschen Strafgesetz­buches darüber enthaltenen Vorschriften im we­sentlichen übernimmt. Er strebt die geforderte Verbesserung des Schankkonzessionswesens da­durch an, daß er die Vorbedingungen für die Erteilung der Erlaubnis, die zum Betriebe einer Gast- oder Schankwirtschaft oder zum Kleinhandel mit Branntwein erforderlich ist. wesentlich er­schwert, die Vorbedingungen für das Erlöschen und den Verlust dieser Erlaubnis erleichtert und schließlich besondere Maßnahmen gegen eine übermäßige Vermehrung der Gast- und Schank st ätten sowie der Branntwein- lleinhandlungen vorsieht. Der Entwurf will mög­lichst in sich geschlossene gewerbepolizeiliche Re­gelung des Gast- und Schankstättenwesens und des Kleinhandels mit Branntwein treffen, die Mißbräuchen und Ausschreitungen vorbeugt und zugleich einen wirtschaftlich gesunden und geachteten Ga st wirte st and för­dert.

Saarland und Elsah-Lothrmgen zum Seil leicht­fertig zu nennende halbwissenschaftliche Veröffent­lichungen, die, wie sie waren, die Rechtsansprüche unserer Gegner eher unterstützten als die eignen. Hier war in aller Interesse eine empfindliche Lücke auszufüllen.

Geheimrat Kuhnert - Breslau sprach dann übers den deutschen Volksgedanken im deutschen Osten. Sein Vortrag war einer der Höhepunkte der ganzen Tagung. Er schilderte den Binnen­deutschen, den Grenz deutschen und den Zivilis ativnsdeutschen, der als Kultur­träger. als Ingenieur, Arzt und Vertreter an­derer Berufe über die ganze Welt verbreitet sei, den Siedlungs deutschen, der wie im Ba­nat und Siebenbürgen den idealen Begriff deut­schen Volkslebens in seiner ganzen Geschlossenheit verkörpert, den Kolonisationsdeutschen, dessen Wirken ein kurzes, aber arbeitsreiches Blatt der deutschen Geschichte fülle und sprach von den Deutschen in Amerika, die eine Son­derstellung einnehmen und die im Ringen mit dem angelsächsischen Einheitsgedanken ün Welt­krieg ebenso versagt hätten wie die Heimat mit allen ihren geistigen Kräften und die schließlich auch hätten versagen müssen, weil die Unter» ftütjung von der Heimat fehlte. Dafür habe aber gerade das Deutschtum in unseren östlichen Gebieten den Gedanken des Rationalstaats am ersten und besten verarbeitet.

An den Reichspräsidenten.

An den Reichspräsidenten von Hin­denburg wurde folgendes Telegramm gesandt:

Auf eine 45jährige Arbeit für deutsche Kultur­erhaltung im Auslande zurückblickend, sendet der Verein für das Deutschtum im Auslande anläß­lich seiner Iahrestagung aus dem Grenzlande Schlesien seinem Ehrenvorsitzenden, Herrn Reichspräsidenten von Hindenburg, ehrstirchtsoolle Grüße. Inland- und Auslanddeutsch, tum gedenken in Treue und Ehrerbietung des Schutzherrn. gez. Der Vorsitzende: v. Hintze. Vie deutsche schutzbuudtagung in Glatz.

Glatz. 22. Mai. (TU.) Der zweite Tag deS Deutschen Schutzbundes wurde mit einem Refe­rat des Mitgliedes des Preußischen Staats­rates und des Deutschen ReichSrates. Dr. Ham- macher, über die Rheinische Selbsthilfe während der schweren Rheinjahre von 1918 bis 1924 eingeleitet. Er schilderte die unerhörten Versuche des französischen Imperialismus, das rheinische Volk vom deutschen Gesamtvolk ab­zutrennen. Der Redner forderte die Aufhebung der entmilitarisierten Zone und die volle wirt­schaftliche und politische Freiheil. Es folgte dann das grohangelegte Schluhreferat des Vorsitzenden des Deutschen Schutzbundes, Dr. v. L o e s ch. Herr v. Coefd) betonte die ungeheure Bedeutung des Bevöllerungs- uno Siedelungsproblemes, die in der Resolution des bevöllerungs- und siede» lungspolitischen Ausschusses niedergelegt sei. Die Frage der Kulturautonomie müsse baldigst zu einer befriedigenden Lösung geführt werden. Bei der Stellungnahme zum paneuropäischen Problem sei die Frage, von welchem Ge­sichtspunkt aus man an dieses Problem.heran­gehe. Allerdings müsse mit Entschiedenheit von dem sogenannten Paneuropa des Grasen Couden- Hove-Kalergi abgerüdt werden, der von den be­stehenden Ländergrenzen der Friedensverträge von 1919 ausgehe. Es müsse mit aller Ein­deutigkeit festgestellt toerben, daß eine Staaten­organisation Europas, die aus der unveränderten Grundlage der Friedensverträge aufbaue, eine Llnmöglichkeit sei. Das deutsche Doll habe ein Recht auf einen Staat, der alle Volks- bürger des geschlossenen deutschen Siedelungsgehietes umfaßt. Eine Er­starrung der heutigen Staatsgrenzen Europas werde nicht nur allein für das deutsche Volk, sondern auch für viele andere europäischen Völker einen unerträglichen Zustand be­deuten. Rachmittags fand eine Grenzdeutschen- Äunögebung der in Glatz anwesenden Sudeten­deutschen statt.

Die britische Kohlenkrisis.

Die Nefliernnq^atttwort.

London, 22.'Mai. Baldwin teilte den Grubenbesitzern in einem Schreiben mit, daß er ihre unnachgiebige Haltung bedauere, vor allem die Ablehnung des von der Regierung gemachten Vorschlages, den M i n d e st l o h n in letzter Instanz durch Schiedsspruch fe st setzen zu lassen. Er fügte hinzu, die Grubenbesitzer schienen die Vor­schläge der Regierung und den Ernst der heutigen Lage nicht in angemessener Weise zu berücksichtigen.

Den Bergarbeitern teilte Baldwin mit, eine Besprechung mit ihnen wurde feinen rechten Zweck haben, solange sie bei ihrer augenblicklichen Haltung verharrten und sich weigerten, jede A b - änberung des Lohntarifs oder der Ar­beitszeit in Erwägung zu ziehen. Er sei aber zu einer Zusamenkunft bereit, sobald er wisse, daß sie geneigt seien, den gegebenen Anregungen Folge zu leisten. Er fügte hinzu, die Regierung sei angesichts der durch die Absatzkrise heroorgerufenen zunehmen­den Belastung der britischen Finanzen nicht in dec Lage, nach Ablauf dieses Monats noch irgendwelche Subventionen zu ge»6)ren.

Schweres Eisenbahnunglück in München.

Zusammenstoß tut Münchener Oft» bahnhos. Bisher 584 Tote und 6070 Verletzte geborgen.

München, 25. Mai. (WTB.-Funkspruch.) Am Montagabend gegen 11 Uhr ereignete sich in der Münchener Station Ostbahnyof ein schweres Eisen­bahnunglück. Der Personenzug 814 (Salzburg München) überfuhr anscheinend das Haltesignal und fuhr mit voller Geschwindigkeit auf den Personenzug 820 (BerchtesgadenMünchen) aus, so daß mehrere wagen des haltenden Fuges zertrümmert wurden. Es wurden bisher (4 Uhr vormittags) 2 4 Tote und 6070 Schwerverletzte geborgen neben einer größeren Anzahl leicht Verletzter. Genaue Zahlen und Angabe der Toten und Derlehten lassen sich erst nach Beendigung der Ausräumungsarbeiten an­geben. Die Unglücksslätle bietet einen entsetzlichen Anblick. Bei dem beschleunigten Personenzug aus Berchtesgaden, auf den der Zug aus Salzburg- Rosenheim ansgesahren ist, sind von den zwei letzten Wagen nur noch unscheinbare Trüm­mer vorhanden. Die Verletzten und Toten müssen zum Teil aus den Wagen herausge­hauen werden, teilweise werden sie auch durch Schweißapparate aus ihrer Lage befreit

Ein Ermächtigungsgesetz in Polen

Warschau, 25. Mai. Der Ches der pro­visorischen Regierung, Premierminister Bar­thel, kündigte in einer Erklärung vor Presse­vertretern die Rotwendigkeit einer Art Dillalur- regtme in Polen an. Er sagte, es sei unauf- schrebbar, dem Präsidenten für die ilcber- gangszeit bis nach den Reuwahlen eine Reihe von Sondervollmachten zu geben, unter denen der Erlaß einer neuen Wahlord­nung voransteht. Ferner soll er Vollmacht haben, eine Reuvrdnun.g der obersten Zivil- und Militärbehörden vvrzu- nehmcn. den Berwaltüngsapparat ein­schließlich der Kowmunalverwaltüng zu refor­mieren und auch die wirtschastlichen, finan­ziellen und sozialen Verhältnisse auf dein Vor- ordnungswege zu regeln. Gin Rahmengesetz die­ser Reformen wird die Regierung dem Sejm in der Sitzung, die auch die Auflösung beschließen soll, vorlegen. Die Ausführungsbestimmungen bleiben dem Präsidenten überlassen.

Entscheidende Niederlage Md ei Knms

Paris, 24. Mat (Wolsk.) Die sranzösischen Truppen haben T a r g u i f(, den letzten bedeuten­den Stutzpunkt Abd el firinms, genommen. Außerdem haben die Franzosen den Dschebel Beni 3ber und die Boban-Gegend beseht Die Operatio­nen in Marokko werden durch die Einnahme uon Targnisl als abgeschlossen betrachtet. Sämt­liche Stämme von Targnist sollen fi(h am Sonutag- nachmittag unterworfen haben. Abd el Krim hat dem französischen Generalresidenten Steeg durch den Leiter der ins Rifgebiet entsandten Roten Kreuz-Mijsion, Pfarrer Arend, einen Bries mit Berhandlungsvorschlägen überbrin­gen lassen. Die Meldung findet ihre Bestätigung in einer amtlichen Mitteilung des Ministeriums des Aeußern, die besagt daß der Generalresident cm Monicm in Fez eine Unterredung mit Pfarrer Arcnd hatte, der ihm zwei Briefe Abd el Krim- überbrachte. Abd el Krim erklärte darin, daß et durch die von den AUiierlen errungenen militärischen Erfolge sich veranlaßt sehe, sein Schicksal der Großmut der sranzösischen Regierung zu übergeben.

Eine neue Libanon-Republik.

Paris, 25. Mai. Der französische Ober­kommissar in Syrien de Jouvenel hat feierlich das Bestehen der neuen Libanon-Republik ver­kündet. Wie aus besonderer Quelle verlautet, ist dies der Anfang einer durchgreifenden Der - waltun gsreform, durch die Syrien in einen Bundesstaat verwandelt werden soll. Man nimmt allgemein an, daß das endgültige Ulti­matum de Jouvenels, durch das Frankreich eine allgemeine Amnestie für die Aufständischen er­läßt, wenn nach dem 15. Juli kein Schuß mehr fällt, angenommen wird. Sollte dieser Termin verstreichen, ohne daß befriedigende Erklärungen eingehen, so steht eine starke französische Armee bereit, um die letzten Aufstandsherde zu unter­drücken.

Eine pfingstrede Mussolinis.

Rom, 25. Mai. (TU.) Am Montag früh er­öffnete Mussolini den ersten Kongreß derSee- Icutc. Er hielt folgende Ansprache :Unjere ita» lienifchen Seeleute haben große Aufgaben zu er- füllen. Wo einer von ihnen auf dem Meere im Ausland weilt, symbolisiert er das neue saszistische Italien. Das neue Italien schützt eure Rechte, aber dafür fordert der Staat Disziplin von euch. Wir wollen ein großes Volk sein, zäh und diszipliniert. Das ist der neue Geist, den der Faszismus gebracht hat. Euer neues Banner trägt drei Worte: Ar­beit, Faszismus, Italie n." Nach der (Er­öffnung des Kongresses fand ein Frühstück statt, wobei Mussolini den Erzbischof von Genua empfing. Am Abend sprach Mussolini auf d?§ Piazza Ferrari zu einer ungeheuren MenschOV menge. Er fiihrte u. a. cnis: