Schaden durch Auswinterung ist nicht entstanden. Vereinzelt lästt der Stand des Winterroggens zu wünschen übrig. Drohen Schaden hat in den Diederungen des Horloss- und Wettertales das Hochwasser angerichtet. Größere Flächen Winter- weizen sind ersosfen, da vereinzelt das Walser heute noch nicht abgelaufen ist-, in Vingenhenn z. D. wurde durch die strömenden Wassermassen nicht nur das Saatfeld von tiefen Furchen zer- rissen, sondern teilweise der gesamte Kulturboden fortgeschwemmt. Sehr gut hat bis jetzt der Klee überwintert; abgesehen von einzelnen versumpften Stellen zeigt er einen prächtigen Stand. Aller Voraussicht nach bekommen wir ein futterreiches Jahr. In den Baumstücken ist man überall mit den notwendigen Baumpflegearbeiten beschäftigt. Die Bienenzüchter sind allgemein mir der Lieberwinterung ihrer Völker zufrieden.
Kreis Büdingen.
△ Aid da, 24. Febr. Auf Veranlassung des Handelsvereins Aidda hielt im Hotel „Traube" Dr. Göbel von der Jndustrie- und Handelskammer Friedberg einen sehr lehrreichen Vortrag über „Gegenwartsfragen im Steuerwesen". An den sehr beifällig aufgenommenen Vortrag schloß sich eine Aussprache, wodurch noch manche Frage geklart wurde.
Kreis Scholten.
lg. Gedern, 24. Febr. In Anerkennung ihrer25jährigen Zugehörigkeit zur freiwilligen Feuerwehr wurde den Mitgliedern Karl Diehl XL, Wilhelm Schneid- müller und Karl B i e g e r von Bürgermeister Müller mit ehrenden Worten Ehrenurkunden mit dem Ehrenzeichen überreicht. — Dieser Tage fand im Gasthaus „Zur Traube" eine Versammlung der Handel- und Gewerbetreibenden statt, in der Fragen zur Erörterung standen, die für Handel und Gewerbe von allgemeinem Interesse sind. Die rege Beteiligung an der Versammlung zeigte, daß die angeschnittenen Fragen, die zu einer Hebung unseres Städtchens beitragen sollen, größtem Interesse begegneten.
Starkenburg.
* Darmstadt, 24. Febr. Die Gemeinde Dornberg bei Groß-Gerau hat wegen finanzieller Schwierigkeiten die Eingemeindung nach Groß-Gerau beschlossen. Der Groß- Gerauer Gemeinderat hat sich grundsätzlich damit einverstanden erklärt; es sollen nun weitere Schritte zum Vollzug der Eingemeindung unternommen werden. — Bei Arbeiten für eine Stroßenherstellung in Auerbach ist in einer Tiefe von 5 Metern ein Mammutzahn von 1,30 Meter Länge freigclegt morben. Der Zahn wurde in der darauffolgenden Nacht aus der Bauhütte, in der man ihn aufbewahrte, g e st o h l e n.
WSN. Darmstadt, 24. Febr. Wie aus Weimar berichtet wird, ist im Wettbewerb um die in Weimar zu errichtende S t a d l h a l l e der e r st e Preis in Höhe von 7000 Mk. den beiden Darmstädter Architekten Hummel und Rothe zugesprochen worden.
WSN. Offenbach, 24. Febr. Die Offenbacher Stadtverwaltung hatte vor einiger Zeit gegen» den verantwortlichen Redakteur der „Offenbacher Zeitung" Strafantrag auf Grund einer Ausnohmeverfügung aus den Zeiten des Ruhrkampfes gestellt, weil das Blatt am 6. Januar anläßlich einer Steuerprotestversammlung der Offenbacher Gastwirte in einem Artikel „Ist d i e O f f e n- bach er Getränkesteuer rechtsgültig?" diese Frage an Hand eines juristischen Gutachtens verneint und ausdrücklich betont hatte, daß die Offenbacher Getränkesteuer analog den bleichgelagerten Fällen der Städte Worms und Gießen nicht rechtsgültig sei. Der General st aatsanwalt lehnte jedoch die Eröffnung des Strafverfahrens a b mit der Begründung, daß eine strafbare Handlung gar nicht vor liege da sowohl dos Oberlandesgericht wie der hessische Berwaltungsge- richtshof in den Fällen Worms und Gießen die Rechtsungültigkeitserkläruna der Getränkesteuer be- {tätigt hätten. Im Falle Offenbach liege der Fall ebenso.
WSN. Langen, 24. Febr. In den letzten Tagen wlirden hier mehrere Personen verhaftet, die verdächtigt sind, einer Organisation von Banknotenfälschern anzugehören oder nahczustehen. Die Behörden beschäftigen sich bereits eingehend mit der Angelegenheit.
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Die tolle Herzogin.
Roman von Ernst Klein.
Copyright by Earl Sünder, Verlag, Berlin.
1. Fortsetzung Nachdruck verboten
Ibrahim ibn Abdullah grinste und ließ die Hand von der Türklinke sinken.
„Höre an!" fuhr James Wood fort. „Ich habe an Geld tatsächlich nichts weiter auf dieser Welt als dieses Pfund da. Ferner besitze ich diesen Smoking, diesen Ueberzieher und diesen Browning. Jeder Händler gibt dir drauf mindestens zwei Pfünd —"
Der Neger nickte. Das konnte stimmen. Besonders der Browning war ein hübsches Ding.
„Also, mein lieber Ibrahim. Ich will diese Pfundnote oben als die letzte Chance meines Daseins ritliercn, und wenn diese Chance fehlschlägt, mir eine der sechs Kugeln dieses meines Brownings durch den Schädel schießen. Siehst du, da — hinter dem Ohr! Da geht es am sichersten und verursacht wenig Bluterguß. So ein Loch in die Stirn ist unästhetisch. Oder gar ins Herz'. Wäre schade um die weiße Hemdenbrust, nicht wahr? Ich bin zwar nicht so groß wie du, aber ich glaube, das Hemd würde dir doch ganz gut passen. So steht also die Sache. Wenn du mich ohne Entree heraufläßt und ich verliere diesen abgegriffenen Fetzen da, der meine letzte Chance ist, so schieße ich mich tot. Mausetot — versichere ich dir —, und alles, was ich auf, an und bei mir habe, gehört dir. Gewinne ich aber, was ja selbst in einer alexandrinischen Spielhölle möglich ist. gebe ich dir von meinem Gewinnst fünf Prozent ab. Einverstanden?"
„Gewinnen, Sir? Dort droben?"
Ibrahim zog verächllich seinen breiten Mund nach breiter. Herrgott, hat der Kerl ein prachtvolles Gebiß, dachte sich James Wood.
„Man kann's ja versuchen", lächelte er. „Und du verlierst ja nichts dabei — im Gegent/il, du kannst auf jeden Fall nur gewinnen. Das kapierst du doch?"
„Jawohl, Sir — aber--aber — — hm,
wenn Sie gezwungen sein sollten, was ich übrigens nicht hoffe, sich die Kugel in den Kopf zu schießen —"
„Hiniers linke Ohr — vergiß nicht!"
selbst den Mann aus dem Sudan packte ein gelindes Grausen. Sein Vater war bei der Einnahme von Khartum mit dabei gewesen und hatte als wacke-
Preußen.
Die gesetzliche Miete für März.
Wie der Amtliche Preußische Pressedienst mitteilt, tritt in der Berechnung der Miete für den Monat März gegenüber dem Vormonat keine Veränderung ein. Es bleibt bei dem Februarsatz in Höhe von 84 bzw. 80 Prozent.
Kreis Wetzlar.
kz. Wetzlar, 24. Febr. Ein Schadenfeuer zerstörte abends die Feldscheune des Bauunternehmers S t e u I an der Altenberger Straße. Die freiwillige Feuerwehr war schnell zur Stelle und konnte noch die landwirtschaftlichen Maschinen retten. Heber die Ursache des Feuers ist noch nichts bekannt.
J Wetzlar, 24. Febr. Der Ausbau des ersten Teils der Äaunborner Straße wird in ettoa 14 Tagen beendet sein. Die Arbeiten waren durch das schlechte Wetter während der letzten Monate stark behindert worden. Aunmehr ist auch eine gütliche Einigung mit denjenigen Hausbesitzern erzielt worden, die wegen Hergabe ihrer Vorgärten bei dem Bezirksausschuß Einspruch erhoben hatten. Für Anwohner und Passanten bedeutet die Fertigstellung der Straße und ihre Pflasterung mit Kleinpflaster die Erfüllung eines jahrzehntelangen Wunsches, der sich im Lause des Iahres noch nach der Richtung erweitern dürfte, daß Stadt und Kreis übereingekommen sind, auch den zweiten Teil der Straße ab Helgebach in gleicher Weise auszubauen. Wie weiter verlautet, besteht nunmehr auch die Hoffnung, den unteren Teil der Wühl- g r a b e n st r a ß e bis zur Rauborner Straße in der vorgesehenen Breite zu verbreitern. Bekanntlich muhte diese kurze Strecke von rund 100 Meter bei dem Ausbau seinerzeit eingeengt werden, weil das Besitztum der Gärtnerei Linsemeier hier im Wege und käuflich nicht zu erhalten war. Aachdmi nunmehr die Stadt durch den vor einigen.Monaten getätigten Erwerb des Rachbargrunbstückes Oster ein günstiges Austauschobjekt in die Hand bekommen hat, soll auch hier em Gelände- und Hausaustausch mit Herrn Linsemeier angebahnt worden fein, der eine Einigung in beiderseitig günstiger Weise erhoffen läßt.
Dillkreis.
bl. Hirzenhain. 24. Febr. Die neues Schule ist vollendet und wird am 26. d. Mts. ihre Weihe erhalten. Das Haus hat 4 Klassen und 4 Wohnungen für die Lehrer. Die seither zu Schulzwecken benutzten Räume werden von der Gemeinde in Anspruch genommen.
bl. Ballersbach, 24. Febr. Der hiesige Turnverein erbaut eine neue Turnhalle. Im Rohbau ist das Haus bereits vollendet. Leider sind die Mittel zu knapp, um das Werk schnell zu Ende zu führen.
bl. Frohnhausen. 24. Febr. Zwischen unserer Gemeinde und dem Rachbarort W e i d e l- b a ch wird mit dem Bau einerProvinzialstraße begonnen werden. Die Durchführung des Unternehmend erfolgt im Wege der produktiven Erwerbslosenfürsorge. Man wird dabei eine größere Anzahl Arbeitslose beschäfttgen.
LJ bringen ft ein b. Eisemroth, 24. Febr. Am Samstagabend entstand zwischen hiesigen Burschen eine Schlägerei, in deren Verlauf ein junger Mensch mit einem Messer Derart in den Leib gestochen wurde, daß der Schwerverletzte sofort in das Dillenburger Krankenhaus überführt werden mußte. Der junge Mann soll hosfnungslvs darniederliegen. Zwei der Tat verdächtige Burschen sind verhaftet worden.
Maingau.
WER. Frankfurt a. M., 24. Febr. Am sogenannten „Heiligenstock" bei Bilbel ist zur Zeit die große Frankfurter Radiostation im Bau begriffen. Die Grundmauern zu den beiden Funktürmen find hergestellt, vier mächtige Sockel sollen die schlanken Eiseirpfeiler aufnehmen. Das Wohngebäude für das Bedienungspersonal ist im Rohbau fertiggestellt. Mit der Inbetriebsetzung dürfte am Gasthaus „Heiligenstock" ein lebhaftes Treiben zu erwarten sein. — Von heute ab kostet ein Laib Schlüchternbrot zu 1500 Gramm 54 Pfg. (seither 58 Pfg.), Frankfurter Weißbrot zu 900 Gramm 47 Pfg., früher 50 Pfg, helles Schlüchternbrot 900 Gramm 45 Pfg., früher 48 Pfg. — Die
Reichsbahndirektion Frankfurt a. M. teilt folgendes mit: Die von der Presse und durch Rundfunk verbreitete Rachricht von einem geplanten Uebetfall aus den beschleunigten Person e n z u g zwischen den Stationen Salmünster und Steinau ist f a l s ch. Cs steht lediglich sest, daß der Personenzug durch Ziehen der Rotbremse aus Bahnhof Steinau zum Halten gebracht worden ist. Ein mitreisender Gifenbahn- beamter gibt an, daß eine Person auf dem Trittbrett des fahrenden Zuges entlang gegangen sei, ein Abteil bestiegen und die Rotbremse gezogen habe. Rach dem Halten des Zuges sei die Person abgesprungen und habe sich entfernt. Von einer Belästigung von Personen kann keine RÄ>e fein.
WSN. Oberursel, 24. Febr. Seit einigen Tagen wird ein Ibjöhriges junges Mädchen von hier vermißt. Es wurde zuletzt in Oberstedten und Bad Homburg gesehen, wo es unter falschen Angaben Unterkunft in einem Gasthaus und 'Aufnahme in einer Schule suchte. Es wird angenommen, daß das Mädchen sich nach Franksurt gewandt hat.
WSN. H a n a u , 24. Febr. Im außerorbentlidjen Haushaltsplan der Stadt Hanau sind für Regulierung der Kinzigmündung 200 000 Mk. eingestellt worden. Die Bauarbeiten am Main- Hafen werden mit Ablauf dieses Jahres beendet fein. Für Wohnungsneubauten am Main- hafen ist eine Summe von 300 000 Mk. vorgesehen.
Große Straflammer Gießen.
* Gießen, 23. Febr. Gin Weißbinder aus Dorheim hatte für die Fahrt Frankfurt a. M.— Dorheim eine Cisenbahnfahrkarte gefälscht und war daher vom hiesigen Schöffengericht verurteilt worden, aber nur wegen Fälschung einer Privaturkunde. Das Gericht nahin an, daß die von der jetzigen Reichsbahngesellschaft ausgestellten Karten keine öffentlichen Urkunden mehr seien. Rachdem aber inzwischen das Reichsgericht entschieden hat, daß trotz Ueber» gange der Reichsbahn in eine Reichsbahngesellschaft die von dieser ausgestellten Karten öffentliche Urkunden bleiben, mußte der Berufung der Staatsanwaltschaft stattgegeben, und der Angeklagte wegen öffentlicher Urkundenfälschung bestraft werden.
In ähnlicher Weise war ein Einwohner von Ruppertenrod wegen Privaturkunden- fälschung verurteilt worden: er hatte eine Fahrkarte Gießen—Mücke gefälscht. Auch er wurde unter Aufhebung des früheren Urteils wegen Fälschung einer öffentlichen Urkunde verurteilt.
Hinter verschlossenen Türen wurde gegen einen Schweizer aus Lorbach verhandelt, der seine fünf Töchter mißbraucht hatte und deshalb zu 6 Jahren 6 Monaten Zuchthaus verurteilt worden war. Da verschiedene seiner Kinder im Gegensatz zu früher ihr Zeugnis verweigerten, konnten in der Berufungsinstanz nur in zwei Fällen Straftaten festgestellt werden. Die Strafe lautete auf 3Iahre 9 Monate Zuchthaus und 10 Jahre Ehrverlust.
Gerichtssaal.
Der Fall Mack in der vsrusungsmstcm;.
WSN. Darmstadt, 24. Febr. Gestern und vorgestern sand vor der ersten Strafkammer die Berufungsverhandlung in der Strafsache gegen den hiesigen Frauenarzt 5)r. Mack statt, der in erster Instanz wegen Lohnabtreibung zu 1* Jahren Zu chtHOus verurteilt worden war. Das Urteil der ersten Instanz wurde b e ft ä t i g t und nur die bereits verbüßten acht Monate Untersuchungshaft wurden angerechnet. Der wegen Beihilfe Mitangeklagte Dr. Blum kam mit 4£ Monaten U n - tersuchun gshaft davon.
Wirtschaft.
Schwere Schädigung des deutschen Obst- u. Gemüsebaues.
Infolge der erleichterten und ungehinderten. Einfuhr werden die deutschen Markte derartig von ausländischen Waren überschwemmt, daß sich für den heimischen Anbau das Fehlen von Rachfrage, die Schwierigkeit des Absatzes oder gar die Unmöglichkeit des Verkaufes fortwährend stei
gern. Im Jahre 1925 ist bie Einfuhr der hauptsächlichsten Gemüse- und Obstarten, wie Rotkohl, Weißkohl. Wirsingkohl, Blumenkohl. Zwiebeln, Bohnen. Tafeltrauben, Pfirsiche, Zwetschen, Apri- losen, Apfelsinen und Zitronen im Vergleich zu 1913 von 3 937 000 Doppelzentnern auf 6 060000 Doppelzentnern, alfo um 2 123 000 Doppelzentner oder um 54 Pn^ent gestiegen.
Der Wert der eingeführten Mengen hat ftch von 71,6 Millionen M. auf 156,6 Millionen M. erhöht. Der Hauptteil entfällt aus Italien und die Riederlande, denen man weitgehende Zugeständnisse gemacht hat.
Für die obengenannten Waren betrugen die Eins uhr auS Italien 1913 1 164 000 dz, 1925 2 094 000 dz, Zunahme in Prozent 79,9; aus den Riederlanden 1913 712 000 dz, 1925 1 429 000 dz, Zunahme in Prozent 109,7.
Die Einfuhr nach Deutschland bat sich also für Italien fast und für die Riederlanbe mehr als verdoppelt.
Reuerdings besteht die Gefahr, daß man auch Frankreich eine erleichterte Einfuhr ermöglichen teilt Frankreich hat bereits im Jahre 1925 400 000 Doppelzentner der genannten Waren gegen 172 000 Doppelzentner im Jahre 1913. also, wie die Bauernvereine mitteilen, weit mehr als die doppelte Vorkriegsmenge eingeführt. Infolge seines Frankensturzes überflutet es schon jetzt zu Schleuderpreisen den deutschen Markt. Die Gewährung einer Cinfuhrerleichterung würde vollends den Ruin der Obst und Gemüse produzierenden Landwirte bedeuten. G. P. D.
* Der Pfandbriefumlauf Ende 1 9 2 5. Ueber die Entwicklung des Pfandbriefumlaufs im Iahre 1925 liegen jetzt zuverlässige Zahlen vor. Rach einer Statistik, von bet 34 Hypothekenbanken erfaßt sind, waren von bissen Instituten zu Ende des vergangenen Iahres insgesamt 745,25 Millionen Mk. Gold- und Rvggenpfandbriefe in den Verkehr gebracht, davon 91,90 Millionen Mk. Kommunalobligationen. Während im ersten Halbjahr der Monatsdurchschnitt der Umlaufssteigerung sich auf 51,91 Millionen Rm. stellte, betrug die Zunahme im zweiten Halbjahr nur noch durchschnittlich 13,52 Millionen Rm. im Monat. In dieser Entwicklung spiegelt sich deutlich das Abstoppen der Beleihungstäti^eit der Hypothekenbanken wider, zu dem sie durch die Pfandbries-Absatzschwierigkeiten, die bekanntlich im Sommer 1925 besonders scharf einsehten. gezwungen wurden. Bei einer Beurteilung dieser Umlaufsziffer muß man allerdings berücksichtigen, daß in ihnen noch nicht die Ziftem der Landschaften und der übrigen öffentlich-rechtlichen Pfandbrief-Institute enthalten sind. Insgesamt wird sich der Umlauf an Pfandbriefen und Kommunalobligationen per 31. 12. 1925 auf etwa 1100 Millionen Rm. gestellt haben. — Im Ianuar 1926 ist infolge der Anregungen durch die Pfandbriefhaufse wieder eine Zunahme der Emissionstäti^eit zu verzeichnen: diese betrug durchschnittlich wieder etwa 23 Millionen Rm.
* D ie Koh lenp roduktlv n Deutschlands im Januar. Die Probuttionszkffern des deutschen Kohlenbergbaues im verflossenen Monat werden jetzt bekanntgegeben. Danach betrug die Gesamterzeugung an Steinkohlen 11 190 004 Tonnen (Januar 1925: 11928 542 Tonnen), an Braunkohlen 12 222 038 Tonnen (12 375 441 Tonnen), an Koks 2108110 Tonnen (2 385 103 Tonnen). Die Preßkohlenherstellung aus Steinkohlen belief sich aus 481695 Tonnen (433 310 Tonnen), aus Braunkohlen auf 2 919 641 Tonnen (2 976 781 Tonnen). In den einzelnen Revieren hat sich gegenüber dem Januar 1925 die Erzeugung an Steinkohlen, Braunkohlen und Kols im einzelnen ausnahmslos verringert. Das gleiche gilt von der Prehtöhlenherstellung, ausgenommen derjenigen der preußischen Becgwerks- bezirke, die an der oben angegebenen Gesamtsumme der Preßkohlenherstellung aus Steinkohlen mit 433 760 Tonnen partipizieren (Vorjahr 364 027 Tonnen).
* Russische Aufträge für die Ruhrindustrie. - Die Industrie- und Handelskammer zu Essen teilt mit, daß seit einiger Zeit Verhandlungen zwischen Vertretern des sowjetrussischen Donogul-Trustes mit mehreren deutschen Jndustriefirmen aus dem Ruhrbezirk über verschiedene Lieferungen und Jnstallativns-
rcr Mahdi st geholfen, englische Weiber und Kinder abzuschiochten. Doch war er gegen diesen hübschen, eleganten Franken--
Ibrahim bekam ungeheuren Respekt vor ihm. Der brachte es wirklich fertig und gewann „dort oben". Bah — er wollte das Geschäft wagen.
Das Abkommen wurde schriftlich ausgezeichnet, von beiden Teilen unterschrieben, und Janies Wood steckte es zu sich, damit man es gleich bei ihm fände und dem braven Ibrahim keine weiteren Schwierig- teilen mackze. Kurz und bündig stand auf dem Papier:
„Da ich freiwillig aus dem Leben scheide, hinterlasse ich all mein Hab und Gut, das ich auf meinem Körper trage, meinem Freunde Ibrahim ibn Abdullah, Maitre d'hotet in der Maison Astarte.
Alexandrien, den 5. Oktober 1924.
gez. James Wood.
Ibrahim ibn Abdullah."
Ibrahim reichte James Wood das Elfenbeinkärtchen und grinste:
„Ich wünsche mir; Sir, daß Sie mir die fünf Prozent zahlen können."
„Ich wünsche mir das auch!"
Und James Wood stieg leichten Fußes die teppich- belegte Treppe empor.
2. Kapitel.
Oben nahmen ihm zwei Fellachen Hut und Ueber- rock ab. Em dritter ließ sich die Eintrittskarte zeigen und öffnete eine teppichbehängte Tür, die in einen kleinen Empfanasfalon führte. Kein Menfck) war hier zu sehen, mit Ausnahme eines vierten Aeyypters, der mit tiefem Salaam vor James Wood die Portiere zum Spielsaol zurückschlug.
Alle Achtung! Der Raum konnte sich sehen lassen! Ein kreisrundes Gewölbe, mit einer weilen Glas- kuppel überdacht, alles in Gold und Grün. Symbolische Farben? Ist Grün nicht die Hoffnung, das Gold zu gewinnen? James Wood nahm's als Omen und trat langsam naher. Wozu sick) Hals über Kopf in dos Duell mit dem Schicksal stürzen? Selbst ihm, der sich doch um die ganze Erde herumgespielt hatte, bot der Spielsaal der Maison Astarte Neues und Interessantes.
Sieben Tische standen im Ringe längs den Wanden — Roulettetische. Im Orient liebt man es nicht, mit Bakkarat ober Trente-et-Quarante die Zeit zu vertrödeln. Die Elfenbeinkugel — das ist das Spiel des Orients. Sie ist lebendig. Ist ein Dämon, der
über Menschenleichen springt. Sie klirrt. Sie schwirrt. Zauberisä) ist ihre Musik, wenn sie über die kleinen Messingfächer tanzt und tänzelt.--Die Nerven
tanzen mit. Werden fortgerissen--Des Orien
talen ganze Leidenschaft vibriert mit der kleinen weißen Kugel---
In drei, vier Reihen drängte es sich um jeden der Tische — ein lebender Völkeratlas Afrikas, Europas und Asiens. Weiße, braune, gelbe und schwarze Gesichter. Tadellose Smokings aus London und buntfarbene Kaftane der Araber. Kleine, mit hypermoderner Smartheit gekleidete Japaner und große, schweigsame Chinesen. Perser mit hohen Lammfellmützen und weißbeturbante Händler aus Omdurman. Blonde Enakssöhne aus Skandinavien und schwarze Jtalianos. Dunkelhäutige fette Griechen und jovial lachende Amerikaner. Es heißt, in Alexandrien sollen hundertsünfzig Sprachen gesprochen werden — ob das stimmt, weiß ich nicht. Aber das weiß ich, daß in dem grüngoldenen Speisesaal der Maison Astarte mindestens ein Fünftel von den .hundertfünfzig zu hören waren.
Und die Frauen? Ein Spielsaal ohne Frauen? Noch dazu in der Levante? Ausgeschlossen.
Also Frauen waren da. Sogar ein paar recht hübsche. Ueppige Griechinnen aus Smyrna, Araberinnen und Mauresken — reizvoll, lockend, mit dunklen, verschleierten Augen. Manche dieser Priesterinnen modern aufgemacht, manche wieder im hei- mallichen Staat, die klirrenden Münzenkctten um den Hals---.
Geschicktes Management — nickte verständnisvoll James Wood, als er sich in der Mitte des «aales mifstellte und Generalinfpektion abhielt. Eine, zwöi der Frauen schlenderten vorüber und warfen dem hübschen, eleganten Burschen aufsor- bernbe Blicke zu. Er lächelte zurück — hm, Weiber? Jetzt? Nachher--!
Vielleicht---
Bei diesem Vielleicht zuckle plötzliche Nervosität in ihm auf. Gab es nicht einen anderen Weg nodj, das Schicksal in die Knie zu zwingen? Ein Pfund! Für hunderttausenbe armer Teufel ein Vermögen! Für ihn eine letzte Chance! Vielleicht! Unb wenn nicht? Man konnte morgen alles Mögliche versuchen. Sich im Hotel als Interpret anbieten. Eine Stelle als Schreiber in einem Pasfagebureau suchen!
Neee — —. James Woob reckte ben schlanken, sehnigen Körper. Nur nicht sich degradieren. Als Lump zugrunde gehen — aber als vornehmer Lump. Noblesse oblige--!
Unb bann--! Hatte Ibrahim ibn Abdullah
nicht sein Wort?
Er lächelte. Ein Gentleman hält dem andern seine Verpflichtung.
Eine kleine Levantinerin schwebte an ihn heran. Dunkle Augen und weiße Zähne lachten zu ihm empor.
„So in Gedanken, mein Kapitän?"
Da unten sind alle hübschen, stattlichen Männer Kapitäne, Soldaten, Seehelden. Die Frauen des Orients bewundern so gern.
Die Kleine war reizend. Ihr Mund war der eines unschuldigen Kindes, ihre Augen die einer in tausend Künsten erfahrenen Kurtisane. In ihren Nasenflügeln vibrierte die Rasse---
James Wood gab ihr Blick und Lächeln zurück.
„In Gedanken? Kommt man hierher, um zu denken?"
»Nicht für gewöhnlich. Man beginnt erst zu denken, wenn man fortgeht."
Die Kleine war mehr als reizend. Sie war wie das Leben, so wie James Wood es liebte. Geheimnisvoll, mit Abgründen und liefen. Nur keine Langeweile! Man mußte den Teufel lachen hören, wenn man solch Weib küßte--. Und das da vor
ihm war zum Küssen---
Schade — schade!
Nur nicht schwach werden! James Wood schüttelte den Kopf. Sein Mund preßte sich zusammen. Wurde hart —
Mit Erstaunen sah es die Schöne.
„Sie sind traurig, mein Kapitän", sagte sie. „Sie haben Kummer?"
„Kummer nicht. Aber kein Geld habe ich — das ist viel schlimmer. Nicht einmal soviel, um mir einen Kuß von Ihren schönen Lippen zu kaufen."
„Oh--!
Sie machte ein Mäulchen.
„Vielleicht werden Sie gewinnen", tröstete sie. Aber deutlich hörte er aus ihrer weichen Stimme heraus, wie ihre Sympathie für ihn abnahm. Nur noch ans Höflichkeit blieb sie bei ihm stehen---
(Fortsetzung folgt.)


