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Fragen des Gemüts. Er muß imstande sein, sich über alles ein Urteil zu bilden. Es darf auf dem Gebiete des geistigen, seelischen und künstlerischen Lebens nichts geben, wo der Offizier nicht seinen Leuten ein Führer oder mindestens ein verständ­nisvoller Kamerad sein kann. Der Offizier muß in jeder Beziehung dem Soldaten ein Vorbild sein. Es ist demnach kein Zweifel, daß der Offizier zu den Gebildeten seiner Zeit gehören, die beste Schule durchgemocht haben muß.

Sein äußeres Leben ist reich an Entbehrungen. Kein Mensch verfügt so wenig über seine Zeit wie der Offizier, der Tag und Nacht und an jedem Ort im Dienste des Vaterlandes steht. Sein äußerer Lohn ist sehr gering. Die Stellung des Offiziers in Staat und Gesellschaft war durch die Revolution erschüttert und äußerlich noch nicht wieder ganz die alte. Man muß also schon völlig frei sein von der Jagd nach äußeren Gütern, von der Sucht, in der Welt eine besondere Rolle zu spielen, wenn man Offizier fein will. Der einzige Lohn des Offiziers- berufes besteht in dem Bewußtsein, durch seine Arbeit dem Baterlande zu dienen, dem entwür­digten und mißachteten Staate wieder aufzul)elfen und der deutschen Jugend Ideale nahe zu bringen, denen sie in unserer Zeit des Materialismus außer­halb der Schule nur selten begegnet.

Aus allen diesen Forderungen ergibt sich, daß der Offizier nicht zu jung sein darf. Rur ganz selten wird ein Mann, ehe er das 22. Lebensjahr erreicht hat, die nötige Menschenkenntnis und Le­benserfahrung vesitzen, um andere zu führen. Bei einem Söldnerheere, in dem die größere Anzahl der Mannschaften älter ist als der junge Offizier, fällt das Lebensalter doppelt ins Gewicht. Es kann daher heute fein Wehrmachtsangehöriger vor Voll­endung des 22. Lebensjahres Offizier werden.

Im einzelnen gestaltet sich der Weg bis zum Offizier folgendermaßen: Wer die Absicht hat, Offi­zier zu werden, meldet sich wie jeder andere Frei­willige bei dem Truppenteil der Waffengattung und in dem Standort, die ihm aufagen. Der günstigste Einstellungstermin ist der 1. April. Voraussetzung für die Einstellung ist körperliche Tauglichkeit es werden sehr hohe Anforderungen gestellt, Un­bescholtenheit, Mindestgröße von 1,56 Meter. Vor dem 17. und auch nach dem 23. Lebensjahr kann keine, Einstellung mehr erfolgen. Die Freiwilligen habe- sich zu einer Dienstzeit von 12 Jahren zu verpflichten. An Papieren haben sie vorzulegen: Geburtszeugnis, polizeiliches Führungszeugnis, mit polizeilich abgestempeltem Lichtbild, Schulzeugnisse, gegebenenfalls Zeugnisse der Arbeitgeber, möglichst für die letzten zwei Jahre, Freiwillige unter 21 Jah­ren müssen außerdem die amtlich beglaubigte Ein­willigung des gesetzlichen Vertreters, Vaters oder Vormundes, zum zwölfjährigen Dienst im S)eere vorlegen. Unbedingt anzuraten ist, daß nur Freiwil­lige, die das Reifezeugnis einer neunflaffigen höhe­ren Lehranstalt besitzen, die Offizierslaufbohn ein- schlaaen. Alle anderen mit und ohne Primareife tun bei der übergroßen Konkurrenz außerordentlich schwer, das verlangte Ziel zu erreichen und sind im günstigsten Falle stets durch ein höheres Lebens­alter gegenüber den mit ihnen gleichzeitig ein- getretenen Abiturienten benachteiligt, wenn sie ein­mal Offizier geworden sind.

Das dienslliche Leben desjenigen Freiwilligen, der mit der Absicht. die Offizierslaufbahn einzuschla­gen, eingetreten ist, unterscheidet sich in nichts von dem der anderen Freiwilligen. Er wohnt zunächst mit ihnen auf einer Mannschaftsstube und wird in keiner Weise bevorzugt. Naturgemäß wird er von Anfang an besonders scharf beobachtet und erhält frühzeitig neben dem übrigen Dienst eine Sonder- ausbildung, die ihn auf die sogenannte Fahnen- junksrprüfung vorbereitet. Die Abiturienten können nach 1| Jahren Dienstzeit zu dieser alljählich im Jtvi stattfindenden Prüfung zuaelassen werden. Die anderen haben in zwei wissenschaftlichen Prüfungen de^ Nachweis einer etwa den Anforderungen der Reifeprüfung entsprechenden Bildung zu erbringen. Dre Fahnenj^nkerprüfung ist eine rein militärische Prüfung. In ihrem theoretischen Teil werden die Kenntnisse verlangt, über die ein Gruppen- oder Beritt- oder Gelchützführer verfügen muß. Im praktischen Teil werden an die körperlichen Leistungs­fähigkeit der Anwäter bedeutende Anforderungen gestellt: 100-Meter-Laus in 14 Sekunden, 1,30 Meter Hochspcung, 4 Meter Weitsprung, Radfahren, Frei­schwimmen usw. Daneben werden praktische Kennt­nisse in der Handhabung der Waffen und Nach­richtenmittel, Erstatten von Meldungen, Anfertigen von Skizzen, Führen von kleinsten Einheiten im Gefecht und Aehnliches verlangt. Wer die Prüfung bestanden hat, wird, gleichgültig, welcher Waffe er entstammt, zum ersten Lehrgang der Jnfanterie- schule, der am 1. Oktober jeden Jahres beginnt, ein­berufen. Dieser Lehrgang dauert 105 Monate. An­wärter, die nach Charakter, Leistung und Führung in dem ersten Jahr als nicht brauchbar sich er­wiesen haben, können auf eigenen Wunsch oder nach

Ermessen der verantworllichen Stelle nach den ge­setzlichen Bestimmungen entlassen werden. So wird verhütet, daß ungeeignete Elemente jahrelang sich mit durchschleppen und am Ende dann die Ent­täuschung erleben, daß sie ihr Ziel nicht erreichen/

Das Ziel des ersten Lehrganges der Jnfanterie- schule ist, die Offizieranwärter m erster Linie zu ganzen deutschen Mänern, zu Soldaten von streng­ster Ehr- und Pflichtausfassung zu erziehen. Natur­gemäß werden daneben auch hohe wissenschaftliche Anforderungen gestellt. 23 Wochenstunden sind dem fachwissenschaftlichen Unterricht, 14 dem praktischen Dienst gewidmet. Der erste Lehrgang schließt ab mit dem Fähnrichsexamen, das etwa dem früheren Offiziersexamen entspricht. Wer es besteht, kehrt nach kurzem Aufenthalt bei der Truppe nochmals auf 101 Monate zur Schule zurück zum zweiten Lehr­gang, die Fähnriche der Infanterie und Kraftfahr­truppen auf die Jnfanterieschule, z.Z. in Ohrdruf, die Pioniere auf die Pionierschule in München, die Kavalleristen und Fahrtruppen auf die Kavallerie- schule in Hannover, die Artilleristen und Nachrich­tentruppen nach Jüterbog.

Der zweite Lehrgang dient zur Vertiefung und Erweiterung des auf dem ersten Lehrgang Ge­lernten. Kriegsgeschichte tritt als neues Fach hinzu, die theoretische und praktische Ausbildung der eige­nen Waffe nimmt eine bevorzugte Stellung ein. Das Offizierseramen bringt den Abschluß. Wer es be­standen hat, wird zum Oberfähnrich ernannt.

Der Oberfähnrich tut, zur Truppe zurückgekehrt, Zugführerdienst, er nimmt am Offiziersmittagstisch teil und wird zum gesellschastlichen Verkehr des Offizierkorps zugelassen. Nach einigen Monaten wird er dem Offizierkorps zur Wahl zum Offizier oorge- schlagen. Stimmt die Mehrheit des Offizierkorps der Walst nicht zu, so ist eine Beförderung unmöglich. Gewöhnlich werden die Oberfähnriche 41 Monate nach Rückkehr von der Waffenschule zum Offizier befördert. Im allgemeinen dienen bis zur Ernen­nung zum Offizier die Abiturienten vier, die Pri­maner fünf, die übrigen Freiwilligen sechs Jahre. Die Offizieranwärter mit Primarsife werden zu­nächst nur zum Leutnant ohne Rangdienstalter er­nannt. Seine Festsetzung erfolgt ein Jahr später in der Weise, daß die Anwärter entsprechend ihrem Abschlußzeugnisse in der Reihe der dann zur Prü­fung heranstehenden Offiziersanwärter aufgenommen werden.

Wir sehen, der Weg zum Offizier ist schwer. Wer soll ihn gehen? Nur, wer in opferwilliger, bewußter und freier Hingebung des eigenen Jchs an die Gesamtheit sich von keinem übertreffen lassen will.

Oderhessen.

LLndrrcis Gießen.

£ Wieseck, 24. Febr. Die immer drückender werdende Wohnungsnot erfordert beschleunigte Maßnahmen, um in diesem Frühjahr die im Vor­jahr begonnenen Neubauten, zu denen die Gemeinde verbilligte Baudarlehen gibt, feriigzustellen. Der jüngsten außerordentlichen Gemeinderatssit­zung lag ein Kreditvertrag über eine grö­ßere Summe zu günstigen' Bedingungen vor. Im Prinzip erklärte sich der Gemeinderat damit ein­verstanden, wünschte aber, daß vor Abschluß des Vertrags der Finanzausschuß sich nochmals mit der Frage beschäftigt, der zur endgültigen Regelung die erforderliche Vollmacht erhält. Die zweite Frage, die allen Gemeinden schwere Sorgen macht, ist die der Erwerbslosigkeit. Um hier mitzuhelfen, Arbeitsgelegenheit zu veschasfen, soll der Lichten- a u e r Weg ausgebaut werden. Die erforder­lichen Arbeiten sollen ausgeschrieben und der den Zuschlag erhaltende Unternehmer vertraglich ver­pflichtet werden, zu den Arbeiten nur einhei­mische Erwerbslose, soweit sie hierzu ge­eignet sind, zu den vereinbarten Tariflöhnen ein- züstellen. Der Gemeinderat behalt sich geeignete Maßnahmen vor, um diesen Beschluß zur Durch­führung zu bringen. Weitere Straßenbau­arbeiten sind in Aussicht genommen, die aber erst dann in Angriff genommen werden können, wenn das nachgesuchte ministerielle Anerkenntnis als Notstandsarbeiten vorliegt. Bittere Klage wurde darüber geführt, daß die Stadtverwaltung Gießen die Straße zwischen Wieseck und Gie­ßen, für die die Stadt die Unterhaltungspfticht hat, mst Klopfsteinen bestreuen ließ. Jede noch so unscheinbare Vertiefung wurde mit diesen gefähr­lichen Steinen angefüllt, ohne daß vorher der Unter­grund etwas gelockert oder die Steine mit weicherem Material überdeckt wurden. In einem Tage hat es der starke Verkehr nun mit sich gebracht, daß die Steine über die ganze Straße verstreut sind und dadurch ein Verkehrshindernis bilden, das so schnell als möglich beseitigt werden müßte. In der dieser lageftattgefunbenen Generalvers a.mm I u n g der Freiwilligen Feuerwehr wurde der gesamte Vorstand einftimmig wiedergewählt. In

seinem Jahresbericht hob der Erste Kommandant die aufopferungsvolle Tätigkeit der Wehr bei dem letzten großen Brand hervor und fand warme Worte des Dankes an den Gemeindevorftand, der stets ein großes Interesse an einer gut funktionierenden Feuerlöscheinrichtung bekundet habe. Er gab der Hoffnung Ausdruck, daß der neugewählte Ge- meinberat auf dem einmal beschrittenen Wege wei­tergehe. Der oorgelegte Uebungsplan für 1926 wurde gutgeheißen. Zum Schlüße wurde gewünscht, daß der jungen Wehr, die unter großen Opfern zum Wohle der gesamten Gemeinde ins Leben gerufen wurde, aus den Kreisen der älteren Jugend mehr Interesse entgegengebracht wird, da noch weitere Mitglieder erwünscht sind.

t Wieseck, 25. Febr. Am Dienstagabend wurde bei der Dodenburg eine männliche Leiche aus der Lahn gezogen, die am dortigen Wehr hängen geblieben war. Der Tote muß schon längere Zeit im Wasser gelegen haben, da er bereits völlig unkenntlich war. Irgendwelche Papiere, aus denen seine Personalien zu er­sehen gewesen wären, sind nicht vorhanden. Er wird auf 2530 Jahre geschätzt, hatte dichtes schwarzes Haar, war etwa 1,70 Meter groß und war bekleidet mit schwarzen Schnürschuhen, langen schwarzen Strümpfen, kurzer schwarzer Sporthose, grünlichem Sporthemd. Sämtliche Kleidungsstücke waren C. K. gezeichnet. Es scheint sich um eine Person jüdischer Abstammung zu handeln. Bis jetzt konnte nicht festgestellt werden, ob ein Hn» glückssall oder Selbstmord in Betracht kommt. Die Leiche, die schon stark in Verwesung über­gegangen war, wurde auf den hiesigen Fried­hof gebracht.

y. D a u b r i n q c n . 24. Febr. Gestern abend tagte in der Wirtschaft von E. Schäfer dahier die gut besuchte ordentliche Generalversammlung des Vereins Kinderfreund Daubrin - gen. Er unterhält eine Kleinkinderschule und ist Träger dieses Wohlfahrtswerkes. Aus dem Jahresbericht des Vorsitzenden, Dekans Guß» mann, ging hervor, daß bet' Verein 139 Ver- einsmitglieder zählt und ihm eine Reihe von Zu­wendungen gemacht wurden. Besonders genannt und öffentlich bedankt wurde die Firma Rinn und E l o o s , Heuchelheim, die am Orte eine Fabrik unterhält, die Firma Scheidhauer und Gießing, Duisburg - Mainzlar, die Buderusschen Eisenwerke Lollar, der Frauenverein Saubringen, die Reichseisenbahndirektion Frank­furt (Main) und die Gemeinde selbst, deren Interesse an den: sozialen Werke von Bürger­meister Preis in warmen Worten Ausdruck gegeben wurde. Ebenso wurde dem langjährigen, verdienstvollen Rechner, Herrn A l b a ch , für den günstigen Abschluß gebührender Dank ausge­sprochen.

Bg. G r o ß e n - B u f e d, 24. Febr. Zum zweiten Male in diesem Winter ließ die Liga zum Schutze der deutschen Kultur im Saale Gastwirts Wagner einen Vortrog halten. Ingenieur Er tel-Gießen sprach über Rußland. Auf Grund seiner langjährigen Erfah­rungen vor, während und nach dem großen Kriege entwarf er ein Bild über die wirtschaftlichen, kulturellen und völkischen Zustande des neuen Rußland. Es folgte dann eine große Zahl von Lichtbildern, die die Ausführungen erläuterten. Rach einer kurzen Aussprache forderte der Red­ner, nachdem er die Ziele der Liga klargelegt hatte, zur Gründung einer Ortsgruppe auf.

:: Beuern, 24. Febr. Amtsarzt Dr. Orth vom Kreisgesundheitsamt Gießen hielt am Dienstagabend auf Einladung des hiesigen Volksbildungsvereins hier den zweiten Aufklärungsvortrag, und zwar diesmal für die Männer und Burschen unseres Dorfes. Auch dieser Vortrag erfreute sich, wie der vorige, eines überaus starken Desuches. An. der Hand von etwa 60 Lichtbildern schilderte der Vor­tragende die Verbreitung, Hebertragung und Heilung der verschiedener? Geschlechtskrankheiten. Reicher Beifall und der Dank des Vorsitzenden lohnten die für jedermann verständlichen Aus­führungen des Redners.

t Grünberg. 24. Febr. In dem Bericht betr. den Bau. eines Finanzamtsgebäu- des (Rr. 45 desGieß. Anz.") muh es richtig heißen, daß in diesem Gebäude auch die Be­zirkskasse Unterkunft findet, nicht die Be­zirkssparkasse.

. Grünberg. 24. Febr. Eine große Jungviehweide wird gegenwärtig auf dem Warthof bei Grünberg seitens des Land- wirtschaftskammerausschusses für die Provinz Oberhessen angelegt. Es sollen bei günstiger Witterung 30 bis 35 Weidetiere eingesetzt wer­den. Durch Hinzunahme und Einsäen von weiteren 70 bis 80 Morgen wird in diesem Jahre die Weidefläche um das Doppelte vergrößert wer-

Sein oder Nichtsein., Lin Kriminalroman von der Wasserkante.

Von Moritz Schäfer

30. Fortsetzung. _ Nachdruck verboten.

..Na, dann sind Sie ja wohl befriedigt?"

Die Aktien tragen andere Nummern als die laut Depotschein hinterlegten Papiere. Möchten Sie mir nicht erklären"

Nein, das möchte ich nicht! Sie sehen, die Papiere sind do, der Behörde gestehe ich ihr Kon­trollrecht zu. Aber Sankt Bureaukratius hat bei mir nichts zu suchen."

Erlauben Sie in einem korrekt geführten Geschäft"

Ist Ordnung! Aber keine Pedanterie ! Und wenn ein Splitterrichter mit formalistischen Kinker­litzchen kommt, dann sag' ich ihm höflich, aber be­stimmt:Ihr Besuch war mir sehr angenehm, aber es ist Zeit, daß mir ihn beenden! Falls Ihre vor­gesetzte Behörde noch weitere Auskunft in dieser Sache haben möchte, stelle ich ihr anheim, einen mit banktechnischen Gepflogenheiten vertranten Be­auftragten an mir zu schicken."

Die Müdigkeit war verflogen. Der Zorn rüt­telte an Lorenzen, daß er um Haaresbreite die Grenze streifte, bis zu der er gehen durste. Der Tresor flog zu, der Bankier ließ den Beamten stehen und wandte sich zum Gehen.

Langsam folgte ihm der Kommissar. Er schien nicht beleidigt, im Gegenteil, er blickte mit einem gewissen Respekt auf den ooranschreitenden Mann. Daß der viel erlebt hatte, wußte er daß Lo­renzen noch mehr, noch schmerzlichere Ucberraschun- gen bsvorstanden, war nicht zu leugnen. Seine Ehre als Kaufmann war gerettet; wenn ihn die Nerven im Stich ließen, wer konnte ihm daraus einen Vorwurf nrndjen ? Jedenfalls war Klein gesonnen, sich keine Subalternempfindlichkeit zu leisten.

So wollte er sich gerade empfehlen, ohne auf Lorenzens Schlußbemertung einziigehen, da hielt

ihn der Bankier nochmals zurück:(Eine Frage wer­den Sie mir noch gestatten, Herr Kommisiar.W e s- h a l b wurde Mühlfeld verhaftet?"

Eigentlich," erwiederie der Beamte, und ein sarkastischer Unterton schwang in feinen Worten mit,eigentlich wundere ich mich, daß Sie diese Frage nicht schon früher stellten." .

Das Blut drängte Lorenzen in den Kopf. Aber er mußte zugeben, daß der Beamte recht hatte. Es mußte ja scheinen, als habe er Mühlfelds Verhaf­tung erwartet, weil er des Mannes Verfehlungen kannte.

Ich bin etwas zerstreut heute," murmelte er, mir geht mehr durch den Kopf, als Sie ahnen, Herr Kommissar."

Ich ahne nicht nur, ich w e i ß. Weiß, was heute hier vorgcgangen."

Nun, dann werden Sie meine Sttmmunqen begreifen. Aber ich bin noch ohne Ihre Antwort.^

Ihnen den Grund der Verhaftung zu nennen, bin ich eigentlich nicht berechtigt. Da Sie aber doch zweifellos Ihren Geschäftsfreund Mühlfeld richtig eingeschätzt haben, will ich Ihnen in Kürze mit- teilen, daß Ihre Vermutungen richtig sind!"

,Hch staune. Herr Kommissar! Von Vermutun­gen weiß ich nichts."Verzeihung, wenn ich mich geirrt habe. Ich glaubte. Sie ahnten die Wahrheit. Nämlich, daß die Festnahme erfolgt ist, weil Mühl- fcld nn bringehben Derbacht der planmäßigen, fort­gesetzten Verschleppung von steuerpflichtigem Ka­pital unb Vermögenswerten nach bem Ausland steht." x

Lorenzen biß sich auf die Lippen unb schwieg. Der Kommissar wußte offenbar mehr, als er ver­raten bürste. Zweifellos ftanb Mühlselb schon län­gere Zeit unter Beobachtung, unb cs war ben fahnenden Behörden nicht unbekannt, daß er auch Lorenzen in seine Netze ziehen wollte. Einen Augen­blick wallte ein heißer Dank an die Vorsehung in der Brust des Bankiers auf, daß sie ihn vor bem Sturz in die Tiefe bewahrt hatte; bann aber über­fiel ihn rasch roieber eine bleierne Mubigkeit, eine

Abspannung aller Nerven, bis als Reaktion nach ben Aufregungen ber vergangenen Stunben wohl begreiflich war.

Mühlfeld," fuhr der Besucher fort,hat übrigens Komplizen. Er arbeitete nicht nur mit Kongenialen im Jnlande, sondern mit ganzen Konzernen in Dänemark unb wohl auch in ber Schweiz. Die Kapitaloerschiebungen großen Stils würben in ber letzten Zeit durch große Trusts besorgt, nachdem Herr Mühlfeld die letzten Schritte eingeleitet hatte. Die Verbringung von Bankaktien und Wertpapie­ren ins Ausland durch direkten Transport war zu gefährlich geworden, feit man einen Kutter abfing, ber zu biefen Zwecken präpariert war. Man weiß zu biefer Stunbe noch nicht, ob Muhlfelb zu bem Be­sitzer biefes Kutters in Beziehung ftanb, unb ob er an bemGeschäft" beteiligt war, bas burch ben Abfang bes Fahrzeugs vereitelt würbe. Tatfack)e ober ist, daß er auf bem gleichen Wege öfter ge­arbeitet hat. Seit bem Zwischenfall ist er vorfich- tiger unb so muß ich wohl sagen auch groß­zügiger geworben. Die planmäßig inszenierte Ka­pitalflucht würbe durch ein genial ineinanbergreifen- bes System von Kanälen geleitet, bie alle an be­stimmten Zentralen zuscnnmenliefen. Schabe, baß wir bem (Entrepreneur biefes Unternehmens einst­weilen bie Ellbogenfreiheit beschränken müssen."

Können Sie mir vielleicht noch etwas Näheres über bie Festnahme sagen? Unter welchen Umstän- ben erfolgte sie?"

Muhlfelb wurde bei seiner Rückkehr von einem Ausflug nach Warnemünde verhaftet. Er hatte sich in ärztliche Behandlung begebend unb dort erfolgte bie Verhaftung nach Anlegung eines Notoerbanbes."

Eines Notoerbanbes? Ja, mein Gott, so ist er verwundet?"Muhlfelb hat eine schwere Biß- wunbt>, bie sein Gesicht zeitlebens entstellen wirb. Er gibt an, baß ihn der Neufunblänber bes Kapi­täns Hinriks überfallen unb so übel zugerichtet habe."

Lorenzen war weiß geworden wie der Kalk an der Wand Was war da vorgefallen? Welche

den. Ungefähr in zwei Jahren wird der Warthof als Jungviehweide für Fohlen und Rinder voll­ständig freigegeben.

* Lich. 24. Febr. Am Monttrg nachmittag hielt im Kreise ehemaliger Schüler der Landwirt­schaftsschule Lieh Prof. Dr. H. Kraemer (Gießen) einen Vortrag überFragen der heu­tigen Rindviehzucht". Der sehr gut besuchte Vor­trag behandelte in überaus klarer und anschau­licher Weise diese für die obeichessische Land­wirtschaft besonders wichtigen Fragen, insbeson­dere die die Gemüter so bewegende Rassenfrage. Der Standpunkt, den Prof. Kraemer in seinem Vortrag in diesen Fragen vertrat, ist dnstelbe, den bad Landwirtschaftsamt Lich als Wirtschaftsberater in seiner Aufklärungsarbeit bei den Landwirten des hiesigen Vezirks zum Ausdruck bringt.

~ Rodheim a. b. Horloff, 24. Febr, Am Sonntag bot der hiesige Gesangverein der Gemeinde einen Llnterhaltungsabend. Außer Begrühungs- und Schluhansprache durch den Vor­sitzenden und Leiter, Lehrer Dietrich, setzte sich die Veranstaltung aus drei Teilen zusammen: Instrumental-, Vokalmusik unb DühnenstückL» Die Instrumentalmusik bot der Hungener Mando- linenklub in guter Weise, den vokalen Teil be­stritt der festgebende Verein zum Wohlgefallen aller Besucher. Der Verein kann mit seinen Dar­bietungen zufrieden fein.

Kreis Friedberg

ss. Friedberg, 24. Febr. Seit einigen Monaten haben sich die hier bestellenden Ju­gendvereinigungen, wie der Wander­vogel, der Quickborn, die Turnerjugend, die Pfadfinder usw. zu einemIugendrin g" zusammengeschlosfen, um sich gegenseitig näher (ernten zu lernen und bei Veranstaltungen zu­sammen auftreten zu können. Jeden Monat fin­den zur weiteren geistigen Ausbildung Vor­tragsabende statt; so sprach vor kurzem in einem derselben Kreisschularzt Dr. Balser über Kassenhygiene". In dem vorgestrigen Vor­tragsabend sprach zuerst ©tabtofarrcr Ritter überDie Gefahren des Alkohols und die Wich­tigkeit des Gemeinbebestimmungsrechts", bamt Oberprimaner Zrehmann über dieDeutschen Grenzlande". Zum Schlüsse ergriff der frühere Freikorpsführer Gerh. R o h b a ch das Wort.

* Friedberg, 24. Febr. Der hiesige Ge­schichtsverein kann am 1. April auf sein 30jahriges Bestehen zurückblicken. Ziel- bewußt Hai der Verein stets sich bemüht, die Wetterauer Altertums-, Geschichts- und Landes­kunde zu forbern, eine Drücke aus der Vergangen­heit in die Gegenwart zu schlagen. Lieke unb Verständnis für Volk unb Scholle zu wecken. Er hat das int Jahresdurchschnitt von mehr als 5000 Personen besuchte Wetterauer Museum, das Stadtarchiv und die Stadtbibliothek ins Leben gerufen.

gb. Butzbach. 24. Febr. Im ..Hessischen Hof" hielt ber Bürgerverein eine Mit­gliederversammlung ab, in der zunächst über die Tätigkeit des Vorstandes in letzter Zeit berichtet wurde. Hierauf hielt Stadtbaumeister Scherrer einen Vortrag über die Schaffung von Wohnun­gen an Hand der von Regierungsrat Dr. Rind- f u 6 aufgestellten Leitsätze. Anschließend sprach Prof. Dr. Weide über den Fortbestand der Oberrealschule, der infolge der miß­lichen Finanzverhaltnisse stark gefährdet sei. Es wurde der Hoffnung Ausdruck gegeben, daß die Stadt ein übriges tun werde, um den Weiter­bestand der Oberrealschule zu sichern. Stadtv. I a u tz betonte, daß man bie Oberrealschule unter keinen Umständen fallen lassen dürfe. Zu­nächst fei er dafür, daß man die Mittel für ein weiteres Jahr bewillige. Studiendirektor Dr. V i n g e l unterstrich noch einmal die Aus­führungen Prof. Dr. Weides. An der weiteren Debatte beteiligten sich noch der Vorsitzende, sowie Kaufmann Bamm und Seippel. Zum Schluß wurde eine Entschließung angenom­men, wonach die umliegenden Gemeinden noch­mals um einen Zuschuß für die Schule ange­gangen werden sollen.

Q Steinfurth, 24.Febr. Arn Sonntag fand in unserer Kirche ein L i ch t b i l drr v o r t r a g statt, der die Anwesenden in herrliche Partien der deutschen Alpenwelt führte und dann den Ort Ober-Ammergau mit seinen wundersamen Passionsspielen vor Augen führte, mit ah seiner Andacht und Ehrfurcht weckenden Kraft. Stun­den der Andacht erlebte man da, die wohl des Ober-Arnmergauers Wort verständlich machen, wer es erlebt, der wird eS nicht vergessen"!

bs. Aus ber nördlichen Wetterau, 24. Febr. Erst jetzt ist es möglich, einen Lleber- blick zu geben über den Stand der land­wirtschaftlichen Gewächse. Merklicher

neuen Ereignisse sollten noch an seinen Nerven zerren? Der Bankier flehte ben Kommissar um nähere Auskunft an, boch 6er wußte angeblich nichts mehr unb empfahl sich rasch.

Unb roieber ftanb ber gequälte Mann in seiner einsamen Wohnung, roieber hämmerten bie Schla­fen, jagten seine Pulse.

Wo war Anbrea? Warum kam sie nicht? Was roar bas mit Muhlfelb? Aus welchem Grunbe hatte ihn Pascha üb erfüllen?

Daß auch ber Kapitän fein Telephon hatte! Diese Ungewißheit roar ja nicht mehr zu ertragen!

Da plötzlich schrillte bie Torglocke von neuem.

XXIII.

Als Hinriks mit Fink Leoerrenz von ber Enten- jagb zurückkam, machte er ein bitterböses Gesicht. Nichts unb abermals nicyls war bas Resultat, unb ba soll man sich mal roünbern, wenn einem alten Seemann bie Galle überläuft! Getrosten hotte Ohm Hinriks zweifellos, bas ftanb so fest wie bas Amen in ber Kirche, und Fink Leoerrenz behauptete das­selbe von sich, faselte sogar etwas von einer Doublette, roas aber ben Kapitän zu einem entrüstetenholt's Muk" veranlaßte. Jeboch was nützt ber schönste Schuß, wenn man keinen richtigen Hunb zum Ap­portieren hat! Der Hühnerhunb bes Försters, ben sich Onkel Hinriks ausgeliehen hatte, war keinen Schuß Pulver wert, jebenfalls versagte er bei ber Entenjagd jo vollständig, daß ber Kapitän vor­zeitig zum Rückzug blies.

So kam er benn mit seinem Begleiter verärgert bei feinem Hütung an unb wunderte sich, baß Pascha nicht schon von weitem freudig anschlug. Das pflegte er bis in bis letzte Zeit so zu halten, sobalb er Herrchen witterte, unb ber Kapitän legte Wert auf biefe Begrüßung seines vierbeinigen Freundes. Freilich, ber Hund mar alt, unb bei Hundegreisen zählt jeder Tag vierfach. Möglich, baß auch bie Nase nachließ.

(Schluß folgi.)