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Die Verwendung des Reichsbahn - Kredites.

Größere Lieferungsaufträge an die Maschinen- und Bauindustrie.

Berlin. 24. Febr. (TU.) Der Technische Aus­schuß des Verwaltungsrats der Deutschen Reichs- bahngejellschaft beschäftigte sich mit den Not- standsmaßnahmen der Regierung zur Be­kämpfung der Arbeitslosigkeit in Deutschland. Es haben bekanntlich zwischen der Reichsregierung und der Deutschen Reichsbahngesell­schaft Verhandlungen über die Gewährung zunächst eines 50-MiUionen- und dann eines 190-MiUionen- Kredit s stattgefunden. Die Verhandlungen über die finanziellen Bedingungen dieses Kredits find bisher noch nicht voll zum Abschluß gelangt. Das von der Hauptverwaltung der Deutschen Reichs- bahngesellschast im Ausschuß des Verwaltungsrats vorgelegte Programm über die Verteilung des 100-Millionen-äredits fand die Billigung des Aus­schusses.

Oin, Grunde genommen erstreckt sich das Pro- gramm nur aus eine teilweise Wieder­au s n a h m e des im Herbst 1925 ausgestellten Programmes, das infolge der ständig zu- rückgehenten Einnahmen der Reichsbahngesell­schaft stark gekürzt werden mußte: insbeson- tere sollen Berücksichtigung finden: Beschaffung vori Oberbau. Einbau von 3ufl= unt> Stoß- Vorrichtungen. Berstärkung t*on Brücken. Dazu kommen Heinere bauliche Ergänzungen, die nicht länger aufgeschoben werden tonnen, darunter sind auch Wohnungen für Arbeiter und Betriebs- beanite. Auch eine Reihe Dahnhofsbaulen soll in ihrer Durchführung beschleunigt werden. Die Beschaffung von V-Zugswagen. Bierter- .Klassewagen und Spezialgütertoagen ist in ent­sprechendem älmfange geplant. Auch die S?oEo» motiv-Industrie wird durch Rcuauf träge an Speziallokvmotiveu im engeren Rahmen be­rücksichtigt werden. Dabei kommen namentlich in Betracht kleinere Typen für Rebenbahnen und Rangierzüge und Speziallokomotiven, z. D. für Gruben- und Schmalspurbahnen. Die Heraus­gabe der Aufträge soll so schnell wie möglich erfolgen, nachdem die erhoffte Einigung mit der Reichsregierung über die Bedingungen des Kre­dites erfolgt ist.

Die Fürstenabfindung im Rechtsausschuß.

Der Kompromißentwurf.

Berlin. 24. Febr. Der Rechtsausschuß des Reichstages setzte die Beratung des Kom­promißgesetzes über die vermögensrechtliche Aus­einandersetzung zwischen den Ländern und den vormals regierenden Fürstenhäusern fort.

Angenommen werden die Paragraphen 4 und 4a in folgender Fassung:

§ 4. Das Reichssonderge richt stellt, wenn es fie nicht für unerheblich hält, oder wenn nicht beide Parteien darauf verzichten, auf Grund von Reichs- und Landesrecht die Rechts- und Eigentumsverhältnisse fest. Es nimmt die Auseinandersetzung nach Billigkeit unter Berücksichtigung der Vor­schriften in § 5 vor.

§ 4 a. Das Reichssondergericht hat zunächst einen gütigen Ausgleich zu versuchen. 3m Uebrigen bestimmt es sein Verfahren nach freiem Ermessen. Es kann Beweise erheben und Ge­richte um Rechtshilfe ersuchen, insoweit es xmgebracht ist. die für die ordentlichen Gerichte in bürgerlichen Rechtsstveitigkeiten geltenden Dorschristen entsprechend anzuwenden.

§ 5 enthält nur die Vorschriften, auf Grund Deren das Reichssondergericht zu urteilen hat. - - Hier entspann sich eine sehr ausgedehnte Debatte. Es handelt sich darum, daß bei der Zuteilung dec Vermögensstücke zu berücksichtigen ist, ob die vereinzelten Vermögensstücke von den Mitgliedern der Fürstenhäuser seinerzeit auf Grund eines Privatrechttitels oder insbesondere in den Zeiten der absoluten Mv- navchie auf Grund des Volks-, Staats- oder sonstigen öffentlichen Rechts oder gegen Leistungen, die sie nur kraft ihrer Souveränität bewirken konnten, er­worben worden sind.

Abg. Dr. Rosenfeld (Soz.) beantragte, daß vom Reichssondergericht

als Eigentum des Landes im voraus festzu­stellen

und anzuerkennen seien:

1. alle Vermögensstücke, die von Mitgliedern ehemals regierender Fürstenhäuser auf Grund von volksrechtlichen, staatsrechtlichen oder östenüich-recbt- Uchen Titeln, insbesondere in den Zeiten der abso­luten Monarchie erworben worden sind;

2. alle Vermögensstücke, die auf Grund privat­rechtlicher Titel erworben worden sind, wenn der Erwerb erfolgte auf Grund von Leistungen, die nur kraft der staatsrechtlichen Stellung der regierenden Häuser bewirkt werden konnten, oder wenn der Vorbesitzer das regierte Land oder eine dem Land angehörige öffentliche Körperschaft war, oder wenn der Erwerb erfolgt ist m i t M i t t e l n e i n e r öffentlichen Kasse oder gegen Hergabe von Vermögensstücken, die nach diesen Grundsätzen selbst als Staatseigent umzu gelten haben würden;

3. Gegenstände, deren Besitz für dos Land aus Gründen der Geschichte, der Kultur, der Volksbil­dung oder der Volksgesundheit von Bedeutung ist, ferner Theater. Schlösser, Museen, Sammlungen, Parkanlagen und dgl.;

4. Land- und Forstdesitz, soweit er für die finanzielle Leistungsfähigkeit des Landes oder für die Durchführung der staatlichen Aufgaben (Sied­lung, Landabgabe an Kleinbauern, Städteerweite­rung, Schaffung von Erholungsheimen u. dgl.) von Bedeutung ist.

Ferner solle als § 5a eingefügt werden.

Soweit nicht nach den Bestimmungen der vor­herigen Paragraphen Vermögensstücke Eigentum des Landes werden, ist das Eigentum auf das Land zu übertragen gegen Gewährung einer Rente. Das Reichssondergericht setzt für jedes am 9. November 1918 lebende Mitglied eine Rente nach Billigkeit fest.

Nach ausgedehnter Debatte wurde der § 5 iu folgender Fassung in erster Lesung angenommen:

1. Bei der Zuteilung der Vermögensstücke ist zu berücksichtigen, daß die einzelnen Ver­mögensstücke von den Mitgliedern der Fürsten­häuser seinerzeit auf Grund eines Privatrecht» titels oder insbesondere in den Zeiten der abso­luten Monarchie namentlich auf Grund des Völ­ker-, Staats- oder öffentlichen Rechts, oder gegen

Leistungen, die fie nur kraft ihrer Souveränität bewirken konnten, erworben tourten.

2. Gegenstände, auf deren Besitz ein Land aus Gründen der Kultur und Volks­gesundheit Wert legen mutz (Theater, ein­schließlich Theaterfundus und zur öffentlichen Besichtigung fteigegcbene Schlösser mit Inventar, Museen, Sammlungen, Archive und Bibliotheken, Parianlagen u.dgl.> erhält das Land auf fernen Antrag in der Regel zum Eigentum. Ob und in­wieweit für solche Gegenstände oder Einrichtun­gen eine Entschädigung zu gewähren ist, richtet sich nach freiem Ermessen, insbesondere aber danach: a) ob sie bereits vor bet Staats­umwälzung 1918 der O e f f e n t l i ch k e i t zu­gänglich oder nutzbar gemacht waren; b) ob sie im ganzen oder teilweise veräußerlich sind oder nicht; c) ob ein Rnhungswert vorhanden, oder wie hoch er ist; d) ob oder in welchem tlmfangc mit der Untergattung Lasten verbunden sind.

3, Bei der Zuteilung von Land- oder F o r st b e l i tz an die vormals regierenden Häuser sind die Gröhe des Landes und feine staatlichen Notwendigkeiten (Siedlungsmöglichkeiten, Schaffung von Erholungsstätten u. dgl.) ausschlaggebend in Betracht zu ziehen.

4. Vermögensstücke der einen Partei sind auf die andere zu übertragen, wenn dies zur Errei­chung eines billigen Ausgleichs oder einer billigen Entscheidung erforderlich ist.

5. s3ei der Bemessung der den Fürstenhäusern zuzusprechenden Vermögensstücke (Kapitalien oder Rechten) ist dis wirtschaftliche und finan­zielle Lage beider Parteien zu berück­sichtigen. Hierbei soll einerseits durch Zuweisung aus der Masse der vorhandenen Vermögenswerte den vormals regierenden Häusern eine würdige Lebenshaltung ermöglicht werden, anderseits aber berücksichtigt werden, daß die allgemeine wirtschaftliche Lage des deutschen Volkes infolge des Krieges und der Nachkriegszeit eine gegenüber den fricheren Verhältnissen wesentlich schlechtere ist, und daß die Ausgaben in Wegfall gekommen find, die den Fürstenhäusern früher dadurch er­wachsen sind, daß fie Träger der Staatsgewalt waren.

6. Soweit an Vermögensstücken der vormaligen Fürstenhäuser Gebrauchs - oder Nutzungs­rechte an Dritte verliehen oder zugesichert worden sind, sind diese Rechte in geeigneter Weise sicherzustellen.

7. Bei der Aufwertung von Ansprüchen hat das Aufwertungsgeseh vom 16. Juli 1925 mit der Maßgabe Anwendung zu finden, daß für Ansprüche auf Kapitalabfindungen, die für die Lieberlassung von Gebäuden unb Grundstücken an ein Land den früher regierenden Häusern zu­gestanden worden sind, die für die Aufwertung von hypothekarisch gesicherten Geldern maßgeben­den gesetzlichen Bestimmungen auch bann Platz greisen, wenn die Ansprüche auf Kapitalabsin- düngen hypothekarisch nicht gesichert sind.

8. Die den damals regierenden Fürstenhäusern früher znstehenten Z i v i l l i st e n und ähnliche Renten (Kronftbeikommißrenten. Krondotations­renten u. a.) fallen ohne Entschädigung fort.

9. Den Ländern ist aus der vorhandenen Vermögensmasse ein angemessener Ausgleich für die aus der Tlebernahme von VersvrgungS- ansprüchen ehemaliger Hvf bedienste­ter entfiel)enben Lasten zu bewilligen.

Rach Annahme des § 6, wonach u. a. die Verbringung eines ausgezahlten Kapitals ins Ausland nur mit Geneh­migung deS Landes zulässig ist, vertagte sich der Ausschuß auf morgen.

Aus dem Finanzausschuß des Hessischen Landtags.

Darmstadt, 24. Febr. Der Finanzaus­schuß des Hessischen Landtags beschäftigie sich mit zahlreichen kommunistischen Anträgen. Sämtliche Anträge wurden abgelehnt.

Ein Antrag Dingeldeh zu Kapitel 1 (Forst- und Kameralgüter), den Beschluß des Finanz­ausschusses auf Streichung der Dienst- aufwandsentschädigungen aufzuhe­ben und die Regierungsvorlage wiedcrherzu- stellen, tourte durch die Annahme eines gestern gefaßter, Beschlusses über die Tagegelder, für erledigt erklärt. Eine Vorlage, in ter um Zu­stimmung für verschiedene bauliche Herstellungen in der Kaserne an ter Magdalenenstrahe in Darmstadt ersucht wird, tourte gegen 4 Stimmen angenommen. ES sollen dort Räume geschaffen werden zur Unterbringung mehrerer Institute, darunter für das Mineralogische Institut sowie für ein Forschungsinstitut für westdeutsche Hart­steine.

Der Gesetzgebungsausschuß beschäf­tigte sich heute mit ter Regierungsvorlage über daS K u n st st r a ß e n g e s e h. Ein Antrag Rech- thien (Doz.) auf Verstaatlichung der Kunst- strahen tourte abgelehnt. Vier Kapitel des Ge­setzes wurden mit geringen redaktionellen Aen- terungen angenommen.

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Der PctitionSausschuß des Land­tags beschäftigte sich gestern mit zahlreichen An­trägen. Von allgemeiner Bedeutung ist der An­trag des Abgeordneten Dr. Werner, den Gipfel des Hoherodskopfes unter Denk­malschutz zu stellen. Der Antrag tourte in der Form angenommen, daß eine weitere Be­bauung des Gipfels nicht vorge­nommen werden darf.

Kleine politische Nachrichten.

Im Reichsfinanzmimsterium fand die ange­kündigte Konferenz der Finanzmini ft er ter Länder über das Finanz- und Wirtschafts- Programm der Reichsregierung statt. Reichs- finanzminister Dr. Reinhold hob in einer einleitenden Rede die bekannten Hauptpunkte des Programms hervor. Der preußische Fi­nanzmini st er sicherte dem Reichsfinanz­minister die vertrauensvolle Mitarbeit der Länder bei feiner Amtsführung zu. eine Er­klärung. der sich sämtliche Finanzminister an» schlossen. In der Aussprache wurden von einigen Ländervertretern wegen des eingeschlagenen Weges im einzelnen Bedenken geäußert, wah­rend über das nach dem Programm der Reichs­regierung zu erreichende Ziel Einigkeit herrschte.

Der preußische Ministerpräsident und seine Gattin hatten gestern abend zu einem Bier- abend in den Räumen des Siaatsministeriums eingeladen, dem der Reichskanzler mit fast sämtlichen Reichsministern, die preußischen Staats­

Minister und zahlreiche andere Persönlichkeiten des ösftntNchen Lebens folgten.

Nach einer Verordnung des jugoslawischen Un- terrichtsministers wird in der ersten und zweiten Klasse der Bürgerschulen in ganz Slowenien die deutsche Sprache als obligatorischer Unter» richtsqegenstand eingeführt. Mit Beginn des nächsten Schufiahres wird sich diese Verordnung auch auf die 3. und 4. Klasse Der Bürgerschulen erstrecken.

Bei den rumänischen Gemeinde­wahlen haben die Deutschen gut abgeschnitten. In Hermannstabt erreichten sie die absolute Mehrheit. In allen übrigen Städten Sieben­bürgens, wo fie mit ter Rumänischen Volks» Partei zusammengingen. erlangten sie die Mehr­heft ter Stimmen. Im Banat, in Temesvar und Lugos, wo die Deutschen gleichfalls mit der Rumänischen Volkspartei zusammengingeir, gelang es ihnen, die Zweidrittelmehrheit zu erreichen. Auch in Czernowitz haben die Deutschen einen großen Erfolg errungen.*

Im Pariser Auswärtigen 'Amt wurde durch Briand die franzöfisch-rufsische Schul- denfundierungskonferenz eröffnet. Der russische Delegierte 21 a l o w s k i erklärte, zur Debatte ständen die Liauidierung des Dorkriegs- schuldenprvblems und Die Gewährung von Kre­diten. f *

Der Vorsitzende des Sotojettriegs rotes, W o r o f ch i l o f f, wird sich demnächst mft einer Anzahl russischer Generale nach der Türkei begeben, um den türkischen Manövern beizu- wohnen.

Der parlamentarische AntersuchungSausschuß in ter ungarischen Frankenfäl- schunasaffäre hat in seinem Schluhberichi alle Mitglieder der Regierung und der Rational» Versammlung von jeder Schuld oder jetem Ver­dacht ter Beteiligung freigesprochen.

3Salten und Serbien.

Rom, 25. Febr. (TU.) Der unerwarteten Reise des jugoslawischen Ministers N i n t s ch i t s ch nach Rom legt die italienische Presse die größte Bedeu­tung bei, zumal da sich in seiner Begleitung der italienische Botschafter in Belgrad befindet. Man vermutet, daß Nintschitsch die auaenblicklich durch den deutsch-italienischen Zwischenfall hervorgerusene Erregung ausnutzen will, um in Rom und Paris bindende Abmachungen über die Erhaltung des Status quo auf der Basis der bestehenden Friedensverttäge zu erreichen. An­derseits nimmt man an, daß Nintschitsch sich mit Mussolini über die Frage der Völkerbunds- r a t s s i tz e aussprechen will, da er ganz entschieden gegen Polens Eintritt in den Völkerbunds­rat eingestellt sei.

Kunst und Wissenschaft.

Deutscher Dorfkirchentag in Berlin.

In Berlin trat unter großer Beteiligung der deutsche Dorfkirchentag zusammen. 5>ic zweitägi­gen Verhandlungen werten sich insbesondere mit den Problemen ter ländlichen Jugend­fürsorge beschäftigen. Das Hauptreferat über die Psychologie der Landjugend hielt Pfarrer Mahr (Gießen) im Anschluß an das Spran° aerische WerkDie Psychologie tes jugendlichen Alters", der ausführte, daß neben der Stadt- jugend die Landjugend mit ihren eigenen Ge­setzen und Möglichkeiten stehe. Gegenüber einer heimatlos gewordenen Stadtjugend fei sie ge­bunden an Heimat und Scholle. Der Vortragende entwickelte dann den Verhängnis-- vollen Einfluß der Stadt auf die bäuerliche Ju­gend und zeichnete die besonderen Methoden, für die Behandlung der Landjugend.

Ein deutscher Forstmann nach der Türkei berufen.

Professor Bernhard von der sächsischen Forsthochschule in Tharandt ist von ter tür­kischen Regierung in Angora air die Spitze ter türkischen Staatsforstverwaltung berufen worden und wird dem Rufe Folge leisten.

Berufungen.

Der Würzburger Unioersitätsprofessor Noack hat zum 1. April den Ruf eines Ordinarius für Botanik an der Forstlichen Hochschule in Ebers­walde angenommen. Der Ordinarius für alte Geschichte und derzeitige Prorektor der Universität Frankfurt a. M., Professor Dr. Matthias G e l z e r, erhielt einen Ruf an die Universität Freiburg i. Br. als Nachfolger von Geheimrat F a b r i c i u s.

Anterirdifcher Gang am Mannheimer Schloß.

Ein neuer unterirdischer Gang am Schloß wurde an der Rückseite des Schlosses entdeckt. Der Gang beginnt in der Rähc des gegen die Rheinbrücke zu gelegenen Hauptportals führt etwa 70 bis 80 Meter weit in der Richtung auf die Rheinbrücke und mündet in ein großes Gewölbe, das eine Dvdenfläche von viermal fünf Meter und eine Höhe von drei Meter hat. Aus dem Gewölbe führen Luftschächte nach oben, die allerdings verstopft sind. Der Gang ist sorgfältig mit großen Quadersteinen ausge­mauert und dürfte aus der Zeit stammen, wo Mannheim eine Festung war. Der Boden von Gang und Gewölbe ist über 20 Zentimeter hoch mit einem kalkartigen Schlamm bedeckt.

Aus aller Wett.

Das große Los.

Wie die Boss. Zig. erfährt, fiel der Hauptge­winn in der gestrigen Nachmittagsziehung der Preußisch-Süddeutschen Klasscnlotterie von je 500 000 Mart auf das Los Nr. 62099 nach Berlin. In beiden Fällen sind die Lose in 'Achteln ver­kauft worden. Für jeden der 16 Gewinner bleibt nach Abzug aller Steuern ein Betrag von 50 000 Mark. A ch t Arbeiterfamilien, darunter ein greises Ehepaar (der Mann seit Monaten arbeitslos und der Verzweiflung nahe) find über Nacht reich geworden. Von den glücklichen Gewinnern erhielt auch ein Kaufmann die frohe Kunde, und dieser Kaufmann hat gestern den Konkurs ange­meldet.

Totesflug eines französischen Piloten.

Auf Grund einer Wette mit ameritänischeu Kollegen versuchte der französische Flieger C o l - lote, der im Kriege a?t der rumänischen Front tätig war, den Boden des Eifelturms zu durchfliegen. Er geriet dabei anschei­nend in die Antennen drahte der Funk­station und stürzte mit feiner Maschine ab. Das Flugzeug geriet in Brand und Collote tourte als verkohlte Leiche aus den Trümmern gezogen.

Au? der Provinzialhauptstadt.

Gießen, den 25. Februar 1926.

Oberhesfische Gesellschaft für Natur- und Heilkunde.

In der jüngsten Sitzung der O b e r h e s s i s ch e u Gesellschaft für Natur - und Heilkunde wurden aus verschiedenen Gebieten der Naturwissen­schaft kurze Mitteilungen über die Ergebnisse neuerer Forschungen gemacht.

Zunächst sprach Pros. Dr. St ü ft c r über feine Versuche, neue Hilfsmittel zur Erfor­schung der Regeneration dienstbar zu machen. Bildet sich beispielsweise auf der Wundfläche eines entspitzteu Zweiges eine Gewebewucherung, ein sog. Kallus, so können daraus neue Vegetations­punkte hervorgehen, aus denen sich ein beblätterter Sproß, wenn die Wunde unten liegt, unter Um­ständen auch eine Wurzel entwickeln kann, Regenera- ttonsmöglichkeiten, von denen auch der Gärtner häufig Gebrauch macht. Nicht immer führt die Kal­lusbildung zur Regeneration,oft bedarf diese einer gewaltsamen Anregung, etwa durch Hervorrufung neuer Wundreize an einer benachbatteo-SlLlle, aber auch bann kommt es nicht selten lediglich zu einer üppigen Wucherung des Kallus, ohne daß neue Triebe aus ihm hervorgehen. Wie die Versuche des Vortragenden erwiesen haben, kann ein untätiger Kallus durch eine derartige Impfung angeregt wer­den, neue Triebe zu entsenden, man muß nur die geeigneten Objekte ausfindig machen. So erwiesen sich hierfür cntspitzte Zweige von Geranien geeignet, an denen zugleich mit Hilfe der neuen Methode be­sondere Fratzen studiert werden können. Im Anschlüsse hieran berichtete Prof. K ü st e r über neuere Beobachtungen Herrn v. Deimerns an pflanzlichen Gefäßen. Diese aus toten Zellen gebil­deten röhrenartigen Saftleiter besten zur Vergröße­rung ihrer mechanischen Widerstandsfähigkeit gegen Zusammenpressung oder Verbiegung an den Innen­wänden ringartige, oft auch spiralige Versteifungen, die schon seit langem Gegenstand wiederholten Stu­diums gewesen sind. Dennoch ist allen Beobachtern bisher die Tatsache entgangen, daß die flach an der Röhrenwandung anliegenden Ringe längs ihres inneren Umfanges feine Einkerbungen erkennen las­sen, die zu der Annahme zwingen,, daß ein der­artiger Ring aus einer paarigen, unter Umstanden auch einer dreifachen Anlage zu dicht nebeteinanber- gebildeten Ringen heroorgegaugen sein muß, die bei ihrem Wachstum sich zu einem einzigen Ringe ver­einigt haben, besten Entwicklung die. beschriebene Feinstruktur noch erkennen läßt.

In bas Gebiet ber Paläontologie führten dic non Prof. Dr. Harr als Switz und Prof. Dr. Hummel norgetragenen Mitteilungen über fos­sile Schildkröten, die der Grube Messel bei Darmstadt entstammen und in einigen besonders schönen, in mühevoller Arbeit mittels zahnärztlicher Instrumente aus dem umgebenden Oelschiefermatc- rial herauspräparierten Exemplaren norgeführl wurden. Diese Funde gaben Veranlassung zu ein­gehenden stammesgeschichtlichen Forschungen über beu Zusammenhang jener fossilen Schilbkröten mit noch heute lebenden Arten. Das Vorkommen dieser Schild­kröten in dem an organischer Substanz so reichen Oelschiefer läßt als ihre Heimat einen zum ältesten Tertiär gehörigen Eocänsumpf in tropischem Klima erkennen, aus dem auch zahlreiche Vögel, Affen, Fische und andere Tiere und Pflanzen uns bekannt sind. Unter gleichzeitiger Vorführung von Präpa­raten noch heute lebender Schildkröten wurden die Eigentümlichkeiten ber Weichselschilbkröten, die auf ihrem Knochenpanzer keine Hornplatten tragen, sondern nur eine weiche Lederhaut besitzen, denen der hornplattigen gegenübergestellt, um hieran stam- mesgeschichtliche Ausführungen über die Entwicklung der erdgeschichllich sehr alten Anosteira (Schildlose") Schildkröte anzuknüpfeu, die im Laufe der Zeit sich an das Leben in? Wasser und Sumpf anpaßte, inben^beispielsweise die ursprünglichen Kriechfinger zum Teil in Schwimmflossen übergingen, die durch entsprechende Gelenke beim Kriechen auf dem Laube seitlich zusammengefaltet werben konnten. In beu ausgegrabenen Funden war dieses Stadium ber Entwicklung erkennbar. In jenen Schichten des Eocäns sinb aber auch Schilbkröten gefunben wor­den, bie heute Icbeiibe» Formen ganz ähnlich sinb.

Den Vortragsabenb beschlossen Mitteilungen von Prof. Dr. U 11 c r über Ergebnisse ber von ihm ver­tretenen Wellentheorie in ihrer Anwenbung auf das Problem ber A u s d r e i k u n g v o n W ä r m e- weilen, die etwa beim Einbringen ber Sonnen­wärme in das Inere ber Erbe auftreten unb mit außerorbentlich geringer Geschwindigkeit, gewisser­maßen kriechend, sich fortpflanzen, pro Tag nur um ein Meter. Die mathematische Behandlung des Problems mittels ber Fourierschen Theorie ber Wärmeleitung ergibt inbeffen zu große Geschwinbig- keiten, so baß schon Richarz den Wiberspruch zwischen Theorie und Beobachtung durch besondere Annahmen (Berücksichtigung Zeit beanspruchender molekularer Vorgänge) zu erklären suchte. Nach An­sicht des Vortragenden handelt es sich hier indessen um keine physikalische, sondern um eine wellenkiue- tische Frage, die er unter Verwerfung der F. u- rierschen Formel einer abweichenden theoretischen Behandlung unterworfen hat, bei ber bas Zer­legungsprinzip von Fourier nicht in Anwenbung kommt. So kommt er im Gegensatz zu Fourier zur Annahme einer endlichen Frontgeschwindigkeit mit dem besonderen Ergebnis, baß an ber Wellenfront ein deutlicher Temperatursprung bestehen müsse, über dessen Messung allerdings noch keine Mitteilun­gen vorliegen, so daß hiermit die Frage nach einem entscheidenden Experiment gestellt ist. L. H.

Wettervoraussage.

'Weitere Aufklärung, wenig geänderte Tem­peraturen. höchstens vereinzelt Rieberschläge, stellenweise noch Rebelbildung.

Das Hochdruckgebiet über Europa hat sich ausgedehnt, doch hat andererseits das Fallgebiet wieder beträchtlich an Stärke gewonnen, so daß Störungen durch sich abzweigende Teilwirbel nicht ausgeschlossen sind. Im allgemeinen dürfte aber zunächst mit einer Besserung der Wetterlage zu rechnen sein.

Gestrige Tagestemperaturen: Maximum 11,0 Drad E. Minimum 4,0 Grad E. Rieterschläge 1-4 TMlimeter. Heutige Morgentemperatur: 6,2 Grad C.

Schwimm- und Sprmglehrkursus in Metzen,

Die erfreuliche Tatsache, daß man auch float» lichersefts während der letzten Jahre ter P f l c g e und dem Ausbau der Leibesübungen immer mehr 'Beachtung schenkt, ist auch für Hessen festzustellen. Die hessische Regierung hat, um den auf dem Gebiete der Leibesübungen ihr erwachsenden Anforderungen gerecht zu wer­den. schon seit geraumer Zeit eine Einrichtung geschaffen, die - zusammengesetzt aus fachlnn--