-u machen für eine Bewegung, um die Vorurteile, die Jahrhunderte alt find und die sich zum Teil aus der verschiedenartigen Kultur und Geistesoerfas. fung ergeben, zu beseitigen. Wer den umgekehrten Weg cinschlagen will, jcfct sich der Gefahr aus. Schiffbruch zu erleiden. Das hat die deutfch-fran- zöfische intellektuelle Woche bewiesen, die heute zum Abschluß gelangt ist.
Innerpolitisch ist die Lage auch heute noch so ungewiß, wie sie vor acht Tagen war. Erst die kommende Woche wird eine Klärung ermöglichen, da vermutlich am Montag die Kammer sich mit deo Finanz ; Sanierungsgesetzen zu beschäftigen haben wird. Da der Konflikt zwischen der Mehrheit des Finanzausschusses der Kammer und dem Fir.anzministcr noch nicht beseitigt werden konnte, sind Vorausfi^cn unmöglich. Ministerpräsident Briand bemüht sich um einen Ausgleich, d. h. Regierung und Stammet- Mehrheit sollen von ihrem grundsätzlichen Stand»- punkt etwas abgehen und sich auf einer mittleren Linie einigen. Daraus darf man schließen, daß vermutlich auch diesmal keine ganze Arbeit geleistet werden wird und daß die Kammer es nur zuwege bringen tonn, für eine bestimmte Zeitdauer eine Art Atempause zu schaff«t. damit das große Werk der allgemeinen Sanierung und somit auch das Werk der Stabilisierung der fran- zösischen Währung in Angriff genommen werden kann. Man darf sich darüber nicht täuschen: Weite Kreise des französischen Handels und der französischen Industrie haben kein besonderes Interesse an einer raschen Aufwer - t u n ab es Fronten. Bei dem fetzigen Stande der Währung hat die französische Industrie es leicht, auf dem Weltmarkt vorzuherrschen. Sie produziert billig und vorteilhaft und, was für, eine Fremdenstadt wie Poris nicht ohne Bedeutung ist. der Verkauf von Luxuswaren im Einzelhandel suhlt bei der jetzigen Luge sich außerordentlich wohl. Wollte man diese Situation ziffernmäßig zum Ausdruck bringen, dann könnte man sagen, daß Frankreich augenblicklich 60 Prozent seiner Produktion in das Ausland verkauft. Seine Handelsbilanz für 192-5 schließt außerordentlich günstig ab. Sie ist für 1925 aktiv mit rund 1,5 Milliarden Franken, also ungefähr ebensoviel, wie Ende 1924.
Frankreich und Spanien bereiten offenbar eine neue gemeinsame Aktion in Marokko vor. Das darf man schließen aus der Tatsache, daß der hiesige spanische Botschafter mit seiner Regierung verhandelt hat und heute mit neuen Instruktionen nach Paris zuruckgekehrt ist. Auch ein intimer Mitarbeiter des 2lbg. Malvy, der das erste franzö» sisch-fvanifche Abkommen zustande gebracht hat, hat sich in der spanischen Hauptstadt aufgehalten. Marschall Pstain kehrt im Februar für kurze Zeit über Madrid nach Marokko zurück. Das deutet auf eine Wiederaufnahme der militärischen Operationen hin, aber auch auf die Vorbereitung zu einer diplomatischen Offensive, um ;u einer völligen Isolierung des Rifführers Abd el Krim zu gelangen. Aus Syrien liegen noch keine Nachrichten vor, die erkennen lasten, ob die Wahl zur gesetzgebenden Versammlung eine Bestätigung da für gebracht haben, daß sich das syrische Volk mit dem status quo aufindet.
Kunst und Wissenschaft. ®örres als „fünfte Großmacht".
Zu feinem 150. Geburtstag am 25. Januar.
Der „Rheinische Merkur", die Zeitschrift, bte Hoseph Görres ins Leben rief zur Bekämpfung feines Todfeindes Napoleon und zur Stärkung des nationalen Gedankens in den greihelt6trieaen, ist "bereits damals wegen ihrer gewaltigen politischen -Wirkung die „fünfte Großmacht" genannt worden. Jedenfalls wurde durch diese Tat des genialen Schriftstellers zum erstenmal die Weltmacht der Presse erwiesen, die sich seitdem immer deutlicher offenbart hat und in manchen, an die Benennung des Görrensschen Blattes anqclehnten Bezcichnun gen wie „siebente Großmacht" usw. zum Ausbruck kam. Jedenfalls steht Görres unter den Schöpfern einer politischen Tagesschriftstellerei großen Stils obenan, und diese unmittelbare Aeußerung zu den (Stegenmartsfragen lag seinem leidenschaftlichen Temperament und seinem starken Reagieren auf äußere Einflüsse am besten. Die hinreißende Gewalt seiner Austätze hat die uneingeschränkte Bewunderung selbst derer gefunden, die ihm in Anschauung und Wesensart fremd waren, wie z. B. die von Gentz, der an Radel schrieb: „Es hat nicht
leicht jemand erhabener, furchtbarer und teuflischer geschrieben als dieser Merkur." Gentz vergleicht dann feinen Stil mit dem der größten Pathetiker der Weltliteratur, mit Jesais, Dante und Shakespeare. Etwas vom Propheten, vom visionären Seher und vom dämonifchen Rauschmenschen lebte in Görres, der als Erwecket: des deutschen Nationalgeistes, als Vorkämpfer der Befreiungskriege, als Erzieher seines Volkes und als universeller Anreger unsterblich aeworden ist. Unter den Sturm« und Fenergeiftern Der Romantik ist er der glühendste und leidenschaftlichste, aber auch der vom Nebel der Phantastik am meisten umdunkelte. Schon der 22jährige, der mit seinem „Noten Blatt" als feuriger Jakobiner die Fanfare der französischen Revolution in die deutschen Lande bließ, zeigte sich sofort als ein Schriftsteller von hinreißender (gemalt und weitschauendem, politischem Blick. Von seinem stürmischen Revolutionsfieber durch einen Aufenthalt in Paris geheilt, wurde er bann mit 30 Jahren in Heidelberg ein jugendlicher Professor, der den Kreis der Romantiker um sich versammelte, mit Arnim und Brentano, mit den Brüdern Grimm und Eichendorff die Wunder des deutschen Mittelalters und der deutschen Volksdichtung entdeckte. Sein Werk über die „Teutschen Volksbücher", denen sich seine Sammlung altdeutscher Volkslieder an- säsioß, ist eins der wichtigsten Denkmäler der vaterländisch-romantischen Bewegung, das „Grundbuch für die Schätzung eines bislang mißachteten Literaturzweiges", wie Josef Prestel in seiner trefflichen Neuausgabe in der Insel-Bücherei cs nennt. Und bann kam der „Rheinische Merkur", der als Sturmvogel den deutschen Herden auf ihrem Sie- geszug nach Frankreich ooranflog, in dem der Kampf gegen Napoleon in der leidenschaftlichsten und wildesten Weise geführt wurde. Für Görres wurde der Korse zum Inbegriff alles Bösen, zu einem Teufel und Dämon, besten Niederwerfung er den Völkern als heilige Pflicht vorstellte. Auch später hat er noch unermüdlich mit seiner Feder gegen die Reaktion gekämpft und sein mutiges Eintreten für die Freiheit der Völker in der Verbannung büßen müssen. Aber die Höhe seines Lebens und Schaffens war vorüber. Er vertiefte sich in die Mythenforschung, die er auch auf das Persische ausdehnte; er versenkte sich dann in München ganz in den Geist des Mittelalters, besten herrliche Blüten in den gotischen Domen und den mystischen Schriften er wie kein anderer gefeiert bat. Aber er versank zugleich in jenen Wust von Hexen- und Dämonenglauben, der sich so schauerlich in feinem Riesenwerk über die christliche Mystik äußert. Am Vorabend der Revolution von 1848 ist er gestorben, bis zuletzt eine „Großmacht" im Kampf der Weltanschauungen und stets mit beni Volk fühlenb, dessen rieffte Seclenregungen er belauscht hat. „Betet für die Völker, die nichts mehr sind", waren seine letzten Worte.
(Eine Komödie Friedrich Jreffas.
Friedrich Freksae Komödie ,L e i t auf Flasch e n", deren Schöpfer der Mitarbeiter unseres Blattes ist, wird noch in dieser Saison in Hannover zur Ausführung gelangen.
Oberhesfen.
Landkreis (Sieben.
£ Wies eck, 25. Jan. In fein« jüngsten Sitzung beschäftigte sich der Gemeinderat mit der Prüfung der Rechnung für 1924. Als Vorsitzender dieser Sitzung wurde gemäß der Sandgemeindeordnung das Mitglied Karl Kreiling als der älteste der Anwesenden bestimmt. Gemeinderechrwr M ö b u s verlas und erläuterte die Rechnung, die in ihren wesentlichsten Positionen wie folgt abschließt: Rech» rnrngsrest ans dem Jahre 192-3 24 510,96 Mk. Die der Gemeinde gehörigen Gebäude verursachten eine Ausgabe von 6046,16 Mk., denen eine Einnahme von 7946,13 Mk. gegenubersteht. Bei den Grundstücken wies die Rechnung eine Ausgabe von 1215.16 Mk. auf, denen eine Einnahme von 4015.11 Mk gegenübersteht. Die. Waldungen verursachten eine Ausgabe von 8622,90 Mk. und erbrachten eure Einnahme von 33 075,35 Mk Die Gemeindeschäferei erforderte ut Ausgabe 1554,85 Mk., die Einnahmen betrugen 1571,95 Mk. Für die Dcmeindewage mußten 414,74 Mr. verausgabt werden, vereinnahmt wurden 835,72 Mk. Sic Wasseroersorgung erforderte eine Ausgabe von 5337,87 Mk.. hier betragen die Eiimahmen 11001,72 Mk. Ein heiß umstrittenes Kapitel ist die Erwerbslose nfürsorge. Auch
Sein oder Nichtsein.
(Eht Kriminalroman von der Wasserkante.
Von Moritz Schäfer
3. Fortsetzung. Nachdruck verboten.
So ging das alte Jahr zur Rüste und im Hause Lorenzen feierte man Silvester. Man war ganz „en petit comite". — Außer den Ehegatten und Margot war nur Hiririks und der Prokurist Dan- selow, des Bankiers rechte Hand, im Parterresalon der Villa anwesend. Andrea empfand es dankbar, daß ihr Gatte Mühlfelb nicht geladen hatte. Sie hatte ihm aus ihrer Antipathie gegen den reichen Müßiggänger kein tffcbl gemacht, und Lorenzen fand ihre Abneigung begreiflich. „Es geht vielen Leuten so wie dir, lieber Kind," hatte er gesagt, „Mühlfeld i|t eine Natur, die Befremden erregen muß, weil sie mit sich selbst und der Umwelt Verstecken spielt. Dieses KcLettieren mit albernen Eitel feiten, dieses Spiel ntit dekadenten Mätzchen ist aber nicht feines Wesyns Kern. Er möchte gern interessant erscheinen, bas ist eine Schwäche, ich gebe es zu. Die Stärke eines Charakters beruht in einer erprobten Hilfsbereitschaft, mein Liebling. Mühlfelb hat mir in uneigennütziger Weise wieber- holt bie Mitte! zu geschäftlicher Expansion verschafft unb fich dabunü ein Anrecht auf meine Dankbarkeit erworben. Äag er ein Geck sein, meinetwegen. Ich verehre in ihm den großzügigen Altruisten. Indessen, mein Kind, wenn du ihn bei unserer kleinen SilvesterD-ier lieber nicht sehen willst, so ist mir dein W-in'ch Befehl. Mühlfelb sprach überbies bavon, dasz er über Neujahr nach Berlin fahren wollte — gut, ich werbe ihn von bieser Spritztour nicht obwalten."
Aber wenn auch MühlUlb nicht anwesend war, so platzte boch mitten in bi? gemütliche tfeter wie eine Bombe ein Ereignis herein, bas den Geist des in der Reich-Hauptstadt Weilenden heraufbeschwor. Mitten in das ©lä|ertlingen um zwölf Uhr nachts, in das Läuten der Glocken und das Knattern der Feuerwerkstörper. mit denen Straßenbummler bas neue Jahr begrüßten, raffelte ber Fernsprecher.
„Sringenbes Nachtgespräch aus Berlin", mel- bete bie Dame vom Amt. Wie eine Ahnung von Unheil legte sich plötzlich em Schatten über die
kleine Tafelrunde, unb bie Glückwünsche erstorben in lastender Stille. Lorenzen war ans Telephon getreten. Der Anruf ließ nicht lange auf sich warten. „Hallo, Thomas, sind Sie selbst am Apparat?" „Das ist gut. Hier Fedor. Zunächst meine herzlichste Gratulation zum Jahreswechsel. Die Gnädige wohlauf? Silles munter? Das freut mich! Kann auch nicht Hagen! Doch zur Sache, mein Lieber! Seit sechs Uhr warte ich auf Anschluß, verzeihen Sie daher die späte Belästigung. Aber es ist dringend. Habe eine große Sache für Sie." „Sie müssen morgen sofort hierherkommcn, es handelt sich um einen kapitalen Coup. Andeutungen über das Geschäft kann ich Ihnen am Fernsprecher nicht machen, aber wenn Ihnen an einem totfidjeren Milliardengewinn gelegen ist, erwarte ich Sie morgen abend im Adlon. Ich lasse die Gnädige tau- iendmol um Verzeihung bitten, daß ich ihr den Gatten zum Fest entführe, aber ich bin ihrer Vergebung gewiß, denn Business for ever! Als Bankiersgattin wird sie das begreifen! Sie kommen? Schön, das Hobe ich erwartet! Also auf frohes Wiedersehen und noch recht viel Vergnügen heute nacht."
Das Vergnügen aber war gestört. Man trennte fich bald, unb jeder hing seinen Gedanken noch. Lorenzen mar ernst und schweigsam.
IV.
Mühlfeld empfing seinen Freund in einem eleganten Salon des Hotel Adlon. „Es freut mich, daß Sie gekommen sind, Thomas," sagte er, naclchem er seinem Gast eine Importe angeboten unb sich selbst einen Glimmstengel in bas stereotyp lachelnbe Gesicht gesteckt hatte. „Die Sache yat Eile unb wir müssen die Gelegenheit bem Schöps fassen. Also hören Sie: Es gilt, einen großen Hanbel mit Dänemark ins Werk zu setzen Warnemünbe ist ber günstigste Aus. suhrhasen für unter Unternehmen, bas zu ben erfolgreichsten gehört, zu betten bie Nachkriegszeit Veranlassung bietet. Nu passen Sie mal ganz genau auf, lieber Freunb. Sie verdienen heule ein anständiges Geld, aber die Mark wirb weiter sinken: sie stürzt, wie unschwer oorouszusehen ist, mit Ve hemenz m ben Abgrunb. Dann können Sie sich mit ben schönen bentschen Assignaten die Zimmer tapezieren laßen. Aber bas ist schließlich nicht Zweck ber Hebung. Auch bie besten Effekten nutzen nichts mehr
hier in Wieseck wird von mancher Seite verbreitet, baß die Gemeinde einen wesentliche Teil zu den Kosten dieser sozialen Einrichtung aus ihren Eiirkunsten beizutragen Hobe. 2In Hand der votckiegenden Rechnung Konnte die äl „Haltbarkeit derartiger Behauptungen sestgestellt werden, wie es ja schon immer für jeden Ginfichtigen fest- stand: die Einnahmen betrugen bei diesem Kapitel 23 403,54 Mk. Diese Summe wird restlos vom Reich überwiesen. Die Ausgaben betrugen 24 359,71 Mk. Die ^RehrauSgaben erklären sich mit Sonderzuweisungen, wie Weihnachtsbethilfe usw., an Erwerbslose. Die Gemeinde Wieseck mit ihrer überwiegenden Arbeiterbevölkerung ist als Ävtgemeinde anerkannt unb demzufolge vom Ausbringen des einen Reuntel. wie im Reichs- geseh vorgesehen, befreit. Die allgemeine Ber° irxaltung weist eine Einnahme von 1318,13 Mk. auf, an Ausgaben stehen dem gegenüber 22 189,23 Mark. Die öffentlich? Sicherheit erforderte eine Ausgabe von 2160,25 Mk, vereinnahmt wurde nichts. Für das (Feuerlöschwesen trmr'ycn 2012,42 Mark ausgegcben, eingenommen wurden 400 Mk. AuS Z'iw:i'u!7gen steht bei der Armenpflege eine Einnahme von 1709,24 Mk. x-u Buch, die Ausgaben erforderten 8139,41 Mk. Dies ist ein Beweis, daß einesteils viel Armut vorhanden ist, auf der anderen Seite der Gemeinderat bestrebt war, der größten Rot abzuhrlfen. Die Schulen erbrachten ebenfalls aus Pleberweisungen eine Einnahme von 15 234,52 Mk., während die Ausgaben 33 430,92 Mk. erforderten. Die älnterhal- tun-g deS Gem^indefriekchoses machte eine Ausgabe von 1668.65 Mk. notwendig, die Einnahmen betrugen 370 Mk. Stark belastet wird die Rechnung durch die Unterhaltung der Straßen: hier steht einer Einnahme von nur 10 Mk. eine Ausgabe von 24 231,92 Mk. gegenüber, in Verbindung hiermit steht die Unterhaltung de8 Kanalnetzes, welche 4690,55 Mk. erforderte unb keine Einnahme erbrachte. Für Landwirtschaftszwecke wurden 482,96 Mk. vereinnahmt. Da dieser Betrieb seit jcher Zuschußbetrieb ist, machte sich eine Ausgabe von 6352,55 Mk. notwendig. Die Regelung der Grenzverhäktniste sah man in Einnahme mit 4712,40 Mk., in Ausgabe nut 3634,06 Bkark zu Buch stehen. Sin heutzutage wichtiges Kapitel ist die soziale Fürsorge (Unterstützung der Alt- icnte Sozialrentner). Aus Uederweisungen wurden 7495,57 Mk. vereinnahmt. Da die Gemeinde zu diesen Kosten einen Anteil beizutragen hat, beziffern fich hier die Ausgaben auf 10 607,46 Mk. Der der Gemeinde vvm Reich zugewiesene Anteil an Reichseinkvmmensteuem belauft sich insgesamt auf 28 674.22 Mk. Da die Umsatzsteuer usw. etwa 6000 Mk. ausmachen, brachte also die Lohnsteuer für die Gemeinde eine Einnahme von 20 000 Mk. Die Gemeindeumlagen einschließlich der Gebäudesondersteuev wiesen eine Einnahme von 66973,72 Mk. auf. Aus der Ausgabenseite stehen 17 171,02 Mk. Für dev. Ausgleichsfonds wurden 24 080,25 Mk. verausgabt. Die Betriebs rech nung schließt mit 217 932,24 Mk. in Ausgabe und 247,626,78 Mk. in Einnahme ab. In der Vermögensrechnung erscheint zunächst die Ausgabe für das errichtete Doppelwohnhaus. Dic Gefaintbatekosten belaufen fich auf 24 852,18 Mk Für den Erwerb von Straßengelände wurden 1453,15 Ml. auSgcgeben. Die RubrU Kapital- und Erneuerungsfonds brachte eine Einnahme von 34 958 33 Mk. und eine Ausgabe von 8653 Mk. Die Gesamtsumme der Abteilungen Betrieb und Vermögen schließt ab mit 282 585.11 Mt. als Einnahme und 252 890,57 Mk. als Ausgabe. Für 1925 verbleibt somit ein Rechnungsrest von 29 694,54 Mk.
X Allenborf a.d.L., 23.Jan. Die Arbeiten der hiesigen Feldbereinigung sind nunmehr in ein neues Stadium getreten, da in diesen Tagen ber Wunschtermin für bie Interessenten abläuft. Die Pläne zur Ausführung bcs neuen Wegenetzes liegen ebenfalls offen, unb ein völlig neues Gemarkungs- bilb entsteht. Besonders verdient die große Erweiterung des Ortsbebauungsplanes hervorgehoben zu werben, so boß ein Mangel an Baugelände nicht mehr eintreten kann. Auf dem sog. Trieb ist ein großer Sportplatz geplant.
br. Kesse I b a ch, 23. Ian. Der hiesige Turnverein bereitete mit seinem diesjährigen Wintervergnügen den Mitgliedern und Gästen einige sehr genußreiche Stunden. Die Vortragsfolge war vielseitig und abwechslungsreich zu- fanimengeftellt. Mit besonderem Interesse verfolgte inan die Aufführung ..Am Waldkrug", die mustergültig herausgcbrachl wurde. Sämtliche Darbietungen fanden lebhaften Beifall. Eine
wenn der Staat feinen Bankerott erklärt, wozu es letzten Endes doch noch zu kommen scheint. Wer weise ist, baut vor. Seit das Bankgeheimnis aufgehoben ist, sind die Panzerplatten durchsichtig geworden. Deshalb, mein Lieber, ist es Pflicht der Selbfterhaltung, fein sauer verdientes Papier in solche Schätze umzuwechseln, die nicht von den Motten gefressen werden. Ich halte es außer Barem mit Gold, Platin und Steinen. Eine Anzahl meiner intimeren Freunde ist gleicher Ansicht. Kurz und gut, ich habe bereits im Mai ein kleine Sendung nach dem Ausland in Sicherheit gebracht. Aber die Sache muß organisiert w den! Selbst ist der Mann! Jede Banküberweisung , vom liebel, seit sie im Aus lande Hand in Hand mit den deutschen Behörden arbeiten, um die sogenannte Flucht steuerpflichtigen Vermögens ins Ausland zu verhindern. Aber ich werbe dem Herrn Fiskus ben Gefallen nicht tun, die Nutznießung bes mit meinem Risiko Verbienten seiner plumpen Raffsucht zu überlassen."
Lorenzen würbe unruhig. ,Was Sie mir ba an= vertrauen, lieber Freund," sagte er erregt, „ist eine fengiige Geschichte. Indessen .ich habe kein Recht, Ihre Maßnahmen zu kritisieren, unb wenn —"
„Unb wenn", unterbrach ihn Mühlfelb lachend, Jter deutsche Michel in Ihnen sich regt unb bie Stirn runzelt, so falten Sie um wie eine Fliege. Sie sind ein Pedant, mein Lieber! Aber tun Sie mir Öen e.nzigen Gefallen unb stellen Sie fich mal auf mein Denken «in! Jagen Sie bie Bedenken zum Teufel und feiern Sie die Feste, wie sie fallen. Feste leiern^ jetzt die smartneß und die Geschäftsklugheit alle Tage! Seien Sie kein Frosch, und machen Sie mit! Es gilt — wie nenn’ ich'v doch gleich, ohne Ihrer mimosenhaften Empfindlichkeit wehe zu tun — nun, cs gilt, ehrlich erworbenen Besitz systematisch vor ben Klauen bes Kuckucks zu bewahren. Wie bringen von April ab alle vierzehn Tage Sendungen der angebeuteten Art nach der dänischen Küste 'runter und nehmen außerdem noch eine Anzahl Ampullen mit Kokain an Bord. Wir —"
„Wir verlassen", fiel ihm Lorenzen mit bebender Stemme ins Wart, „die Wege bes reellen Geschäfts und werben zu Verbrechern! Wir beteiligen uns an planmäßiger Bermögcnsvcrskhteppung unb betreiben Schiebungen in großem Ssil! _Fcbor! Wie können Sie mir so etwas raten! Sinb Sie denn so fe’te vom Zeitgeist angekränkelt, baß Sie nicht mehr wissen.
Verlosung und Tanzvergnügen schlossen den schönen Abend, aus den der Verein mit Befriedigung zurückblicken kann.
: Beuern. 23. Ian. Am Freitag abend hielt der hiesige Evang. Kirchengesangverein seine Generalversammlung ab. Der Schriftführer erstattete den Jahresbericht, aus dem folgendes zu entnehmen ist: An den wichtigen Sonntagen des Kirchenjahres und bei öffentlichen kirchlichen Trauungen seiner Mitglieder verschönerte der Verein durch vorgetragene Chöre unsere Gottesdienste. Am Sonntag vor Pftngsten wurde das Kirchengesangvereinsfest des Dekanats Girßcn in Beuern gefeiert. ES nahmen 10 Kirchengefcmgvereine daran teil. Am 21. Juni beteiligte sich unser Verein am VolksmissionSfest in Alkendvrs a. d. Lda. Am 19. Juli unternahm der Verein aus drei Leiterwagen eine Familienfahrt nach Lich und Kloster Arnsburg. Vei dem am 20. September vorigen Jahres in Gießen stattgefundenen Guftav-Adost-Fest wirkte der Verein mit bei den Massenchvren, die in der neuen Festhalle am Trieb gesungen wurden. Am 1. Weihnachtsfeiertage veranstaltete der Verein in der Kirche ein Konzert, daF^ich eines guten Besuches erfreute. Die Mitgliederzahl beträgt am Ende des Kalenderjahres 77 aktive und 82 Passive Personen, also insgesamt 159. Aus dem als mustergültig zu bezeichnenden Rech- nungsvericht des Dereinsrechners Reinhard R a n s t, war zu ersehen, daß der Verein in finanzieller B?ziehung gut dasteht. Mit zu dem günstigen Stand der Dereinskasse trägt auch der Umstand bei. daß namentlich von privater Seite der Verein gut unterstützt wird. So war u. a. das gesamte für das Weihnachtsionzert zu benötigende Rvtenmaterial von Mitgliedern und Freunden des Vereins gestistet worden. Wie alljährlich, so soll auch dieses Jahr wieder, und zwar im Februar, ein Familienabend statfindcn. Die Musik stellt das Orchester des Vereins. An diesem Familienabend sollen alle Gründer des Vereins (der Verein besteht seit 1886) und solche passiven Mitglieder, die dem Verein länger als 35 Jahre angehören, zu Ehrenmitgliedern ernannt werden. Aktive Sänger erhalten bereits nach 25 Jahren eine Ehrenurkunde. Der Der- einsrechner, Reinhard Ranft, wird die Geschichte des Vereins zusammenftellen.
* Bersrod, 23. Ian. Die hiesige Ge°- meindejagd wurde an die seitherigen Pähler Wikh. Am en d und Martin Abermann von Gießen auf weitere sechs Jahre verpachtet. Der neue Pachtpreis beziffert sich auf 850 Mk. jährlich, gegen 400 Mk. pro Jahr bisher. Das Revier umfaßt 135 Hektar Wald und 300 Hektar Feld.
o Göbelnrod, 25. Ian. Am Samstag wurde unser Dorf durch Feueralarm erschreckt. 3n dem Holzstall des StraßentvartLs Jäger, der in unmittelbarer Rühe de- Hauses des Landwirts und Kirchenvvrstehcrs Sann steht, war Feuer ausgebrochen, das bei dem starken Wind und den Breirnvorräten. die dort lagerten, eine ernste Gefahr für das Sannsche Haus bedeutete. Don bem Sohn des Besitzers alarmiert, war in wenigen Minuten die nötig? Hilfe da, und die glücklicherweise in Ordnung befindliche Wasserleitung lieferte daS nötige Wasser zur Bekämpfung des brennenden Schuppens. So konnte nach kurzer, anffrengenber Arbeit bei der Hilfsbereitschaft von jung unb alt das Feuer gelöscht werden. Verbrannt sind außer Holz, das nicht versichert war, einige lairdwirtschafüiche Geräte und Maschinen, bie in dem Schuppen aufbewahrt wurden, sie waren aber versichert. Heber bie Ursache bes Brandes verlautet, daß heiße Asche gezündet habe. Ein großes Glück war, daß der Branb am Sage ausbrach und gleich von ber Familie Jäger bemerkt wurde.
* Lich, 23. Jan. Das vom Kriegerverein Lich veranstaltete Militärkonzert brachte ein volles Haus. Die Darbietungen der Gießener Militär-Kapelle unter Lei- tung ihres tüchtigen Obermufikmeisters W. S3 ö b c v fanden großen Anklang. Vor allem lösten dic alten Militärmär'che bei den Kameraden siäristen Brifall aus. Ebenso war bet Fliegervortrag am Abend sehr stark besucht: er wird wohl allen Besuchern sowohl der vollendeten Vortragsweise wie auch des Inhalts und der hervorragend klaren Bilder wegen unvergeßlich bleiben. Rach einem kurzen von Dr. Walter als Bezirksvorsitzendeir auf die KriegenrmerMchast Hassia und den Verein Lich ausgebrachten Spmrch ging man zum Tanz
wie weit Sie in ber Sucht nach raschem Gewinn gehen bürfen? Gewiß, ich zweifle nicht: ein regelrechter Fischzug bieser Art bringt reiche Fänge — aber wo wäre bie 3winger.be Beweiskraft, bie ge» rabe mir bie Beteiligung an einem so einblütigen Unternehmen plausibel machte? Ich bin gutsituiert, mein Geschäft blüht, ich stehe in Ansehen unb soll bas auf Spiel setzen, oloß weil ich auf krummen Pfaben etwas rascher unb etwas mehr ernten kann als auf geraben? Nein, Feobor! Suchen Sie sich einen Desperabo für Ihre Pläne — ich bin nicht von ber Partie. Niemals!"
Mühlfelb blieb ganz ruhig. Die hochgrabige Entrüstung seines Freunbes, vor bem er sich plötzlich so schamlos becouvrierte, schien ihn sogar zu belustigen. Er kniff bas linke Auge zu, blies Nauchringe in bie Luft unb sagte leichthin, inbem er sich in seinem Sessel wohlig behüte: „Verschwören Sie nichts, bester Freund! Alles Neue will begriffen fein, unb wenn Sie ruhig über meinen Dorscklafl nachbenken, werben Sie finben, baß er etwas Zwmgenbes hat. Wenn wir unb bie anberen, bie bas Geschäft mit- machen, unsere ehrlich erworbenen Kröten vor bem Fischreiher Staat, ber in seiner Unersättlichkeit beständig ben Schnabel aufhält, in Sicherheit bringen, so ist bas irnser gutes Recht. Soll ich mir bis zu 90 Prozent von meinem Erwerb wegfteuern lassen? I, baß ich reif wäre für bie Schellenkappe! Nein, mein Lieber, bas können Sie in Ihrem Loyalitäts- fonatismus nicht verlangen. Ich hoffe, Sie bekehren sich noch zu meiner Anschauung, benn ich gönne keinem mehr ben großen Gewinn, als gerabe Ihnen. Von Ihrem Nimbus, mein Lieber, werben Sie nichts einbüßen, Ihr Strahlcnglanz bleibt ohne Rost und Flecken, benn natürlich vermutet kein Zollwächter in bem Segel!utter, ben sich Herr Lorenzen nach meinen Angaben bauen läßt, hoppelte Wände unb Bexierbodcn! Laßen Sie mich ausreden, lieber Freund! Wieso ich gerade auf Sic verfalle, ben Mann mit dem großen Renommee und der palen- tierten Ehrlichkeit? Nun, lieber Lorenzen, das w.ll ich Ihnen sagen: Sie erscheinen mir geradezu prädestiniert, meine Pläne in großzügiger Manier ver- wirklichen zu helfen, benn Sie werden in allernächster Zeit bie Erfahrung machen, daß mit dem legitimen Sport ber Flachrennen nichts mehr los ist."
(Fortsetzung folgt.)


