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öic Völkischen als Schutzengel der feigen Mord- buben gekemrzeichnot. Wir brauchen einen ülnter- suchun^uuSschuß, um volles Licht in das Dunkel zu bringen.

2Ibg. *21 e umu n n (3entr.) nimmt den R i ch­lor st a n d gegen die Angriffe des Vorredners ein Schutz. Dio Zentrum»,'raktivn habe daS größte Interesse an der Aufdeckung und Aufklärung der Fememorde. Sic werde darum dem Anträge der Sozialdemokraten zustirnmen.

Abg Schneller (Ä'omnt.) erklärt sich gleich­falls mit dein sozialdemokratischen Anträge cin- oerstandcn. bezweifelt aber, bah in diesem Aus­schüsse volle Aufklärung geschaffen werben kann. Bor allem mühte die Frage geklart werden, welche Organisationen hinter den Feme- nwrdern sieben und welche Behörden sic begün­stigt haben.

Abg. Rosenberg (Dem.) gab namens seiner Fraktion eine Erklärung ab, in dec eS u. a. heißt: Die Beunruhigung der Oeffentlichkeit, die wogen der Fememorde entstanden ist. wird ver­stärkt durch djc Talfache, daß die bisher über die Fememorde geführten Gerichtsverhandlungen meist unter Ausschluß der Oeffentlichkeit vor sich gegangen und zu einem Abschluß geführt worden sind. ES kann kein Zweifel sein, daß sich die Geheimorganisationen angemaßt haben, unter Nichtachtung von Leib und Leben deutscher Staatsbürger über politisch Andersdenkende selbst Gericht abzubalten. Verantwortlich für diese un­erträglichen Zustände und entsetzliche Verrohung dos politischen Lebens in Deutschland ist die maß­lose nationalistische Hetze. Das deutsche Volk bat Anspruch auf volle Klarheit über die Geheim- Organisationen, ihre Geldgeber und die Parteien und Persönlichkeiten, die hinter ihr stehen. Die demokratische Fraktion hält darum die Einsetzung eines LlntersuchungsauSschusses sür dringend ge­boten.

Vizepräsident Beil ruft nachträglich den Abg. Sänger zur Ordnung wegen dessen auS den: Stenogramm festgestellter Redewendung, Ludendorff sei verrückt.

Abg. Stöhr (Völk.): Wir erklären, daß wir jeden Mord, gleichgültig, aus welchen Gründen er verübt ist, auf das schärfste ablehnen. Wir Iefp nett den politischen Mord ab aus sittlichen, morali­schen und religiösen Gründen, aber auch aus Gründen der politischen Vernunft. Man kann mit der gewaltsamen Beseitigung des Trögers einer Idee die Idee selbst nicht beseitigen. Gewöhnlich kommt auch nichts besseres nach, öas ergibt sich aus der Aufeinanderfolge der Außen­minister: Stresemann nach Rathenau. Wir sehen dem Untersuchungsausschuß mit vollkommener Ruhe entgegen. Wir lehnen ihn aber ab, weil wir nicht glauben, daß aus ihm etwas herauskommen wird. Die Ahndung solcher Verbrechen soll man den ordentlichen Gerichten überlassen. Der Redner be­zeichnet es weiter als albern, wenn man den Alten- tatsplan gegen Stresemann mit den Völkischen in Verbindung bringt. Während von den Völkischen der politische Mord verworfen worden ist, hat 1916 der ,,Vorwärts" Friedrich Adler, der den Minister Stürgh ermordet hatte, anläßlich dieser Tat ge­radezu verherrlicht. Angesichts dieser Haltung hat die Sozialdemokratie das Recht verwirkt, sich über die angeblichen Fememorde zu erregen. (Lebhafte Zustimmung rechts.) Die kommunistischen Gewalt­haber in Rußland haben von ihren Gegnern mehr Leute umbringen lasten, als Rußland im Weltkrieg verloren hat. (Widerspruch bei den Kommunisten.) Alle Parteien sollten die übliche Methode auf- geben, bei einer Mordtat den Mordbuben einer po­litischen Partei an die Rockschöße zu hangen. Wirk­liche Fememorde sind nur in Mecklenburg vor­gekommen, aber von den Mördern gehört fein ein­ziger zur Völkischen Freiheitspartei.

Als Abg. Stöhr am Schluß feiner Rede mit einer Handbewegung zu den Sozialdemokraten hin vonHeuchlern^ spricht, kommen stürmische Pro­testrufe der Sozialdemokraten. Erst nach einigen Minuten legt sich der Lärm, und der Abg. Stöhr ruft:Mit uns, nicht mit Ihnen (zu den Sozial­demokraten) marschiert die neue Zeit!"

Die Völkischen beglückwünschen den Redner, die Sozialdemokraten' und Kommunisten rufen: Heul! Heul!

Damit schließt die Aussprache. Da mehr als ein Drittel der Mitglieder es beantragen, wird nach der Geschäftsordnung der Untersuchungs­ausschuß ohne weiteres beschlossen. Er soll mit 21 Mitgliedern beseht werden.

Nm 6 Uhr vertagt sich das Haus auf Dienstag 2 Uhr. Auf der Tagesordnung steht die E n t» gegennafjme der Regierungserklä­rung.

Hessischer Landtag.

Darmstadt. 23. Ian. Präsident Ade­lung eröffnete die Sitzung um 9l,'e ilfjv. Abg. Frau Roth fragt an, warum mit dem Bahn - bau Bensheim-Lindenfels nicht begon­nen werde: im Interesse der Arbeitslosen wäre ein baldiger Beginn notwendig. Ministerialrat C r a p p erwidert, daß die Verhandlungen rod) nicht so weit seien, um mit dem Bai beginnen zu tonnen.

Das Haus setzt die Beratungen über daS Ekpostz des Finanzministers fort Abg Dr. Müller (Dbd.) bedauert es, daß die gestrige Rede des Abg. Dr. Leuchlgcns als unverant­wortliche Hetze vom Finrnzminister bezeichnet worden sei. Der Finanzminister sollte vielmehr den Gründen der von dem Abg. Dr. Leuchtgens erwähnten Mißstimmung unter den Landwirten nachgehen. Der Finanzminister sei in bezug auf das Ausschöpfen der Steuerquellen sehr optimistisch, diese wären bald erschöpft. Der Redner führte dann als Zeugen einer zu großen Belastung der Wirtschaft insbesondere der Land- wirtschrft Stellen aus Aeußerungen der Demo­kraten Dr. Fischer und Dr Reinhold, des ehe­maligen Sozialdemokratetr Ealwer und des Dolksparteilers Dr. von Richter an Es wird darin bargelegt, daß die steuerliche Belastung gewachsen, das Doltseinlommen abci zucückge- gangen ist Rach den demokratischen Urteilen über die Finanzlage der Länder müßten diese ihre Ausgaben e ins chrä nke n. Das Shstem des Reichsbanipräsidenten Schacht führe allerdings nicht Da*u. der den Frauen empfiehlt, sich nicht zwei Hüte im Jahre anzu- sch'tsfen, selbst aber ein großes Gehalt ein­st ecke. Der Finanzminister hat gestern selbst zu­gegeben, daß wegen des niralistischrn Systems marche Steuerzahler nicht erfaßt w rb n; dafür würden aber viele Steuerzahler z u hoch ver- anlagt. Die Steuern auf den Hausbesitz sind "beinah so hoch wie die Miete, die hohe Besteuerung des Gewerbes Dort .uerf d ess en Produkte. In manchen Fabril.m sind megen der I Steuern die P r o d u t t i v n » lv st e n saft auf |

das Doppelte gestiegen Bor dem Bauernauf­stand protestierte man gegen eine Abgabe von 10 Proz. des Reinertrags, heute verschlingen aber die Steuern 25 Proz. Der Redner schließt mit einer Warnung, die Steuerlast zu hoch zu vermehren.

Aba. K i n b t (Dnil.) spricht für die Schaffung einer Notgemein schäft, denn auf dem bis­herigen Wege komme man nur zu einer weiteren Zerspaltung des Volkes. Der Redner zitiert die Sparsamkeitsideen des neuen Reichsfinanzministers Reinhold und hält den Demokraten vor, daß sie in Hessen nichts ^etan hätten, um schon früher die Ideen zu verwirklichen. Unbedingt müßten S t c u e r n a dj l ä f f c eintreten. Die Lohnsteuer fei von der Weimarer Koalition geschaffen worden, erst eine Rechtsregierung habe die Heraufsetzung des Existenzminimums gebracht. Es sei erfreulich, daß Ftnanzminister Henrich endlich die Erz - bcrgerfdje Finanzreform ablehne; selbst Zentrumskreise rückten jetzt immer mehr davon ab. Eine Herabsetzung verschiedener Steuern wäre jetzt eher am Platze als eine Heraufsetzung: vor allem müsse an Ausgaben gespart werden. Um den Wohnungsbau zu fördern, empfiehlt der Red­ner die Aufnahme einer Anleihe, damit dadurch auch die Sondersteuer ermäßigt werden könne. Eine großzügige W o h n u n g s b a u p o l i t i k könnte vielen Arbeitern und Handwerkern in Hes­sen Arbeit geben.

An eine Aufhebung der Hochschulen in Hessen sei nicht zu denken.

Rheinhessen sei wirtschaftlich so gut wie ruiniert. Der Gedanke, die ftaatlidje Selbständigkeit aufzu­geben, wäre bedauerlich, seine Partei würde sich scharf dagegen wenden.

Abg. K a u l (Soz.) menbet sich mit feinen Aus­führungen hauptsächlich gegen die Abgeordneten des Bauernbundes. Die Rede des Abg. Dr. Leuchtgens könne man als Mistgabel-Bolschewismus bezeichnen. Die Rot der Erwerbslosen fei viel größer als die der Bauern, auch der Kleinbauern. Für die von dem Abg. Kindt vorgeschlagene Notgemein- fdjaft bedanke sich seine Partei, denn diese Not­gemeinschaft richte fid; nicht, wie die frühere, gegen einen äußeren Feind, sondern gegen die deutsche Republik. Auch die weiteren Darlegungen des Red­ners sind Auseinandersetzungen mit den Vorrednern der Rechtsparteien. Während der Rede kommt es vielfach zu Zwischenrufen und Unruhe im Hause. Die Sozialdemokratie werde, so schließt der Redner, nicht ruhen, bis Hessen in einem Einheitsstaate auf­gehe.

Abg. Glaser (Bbd.) erklärt, die Finanzämter gestatteten oft nicht einmal den kleinen und mitt­leren Betrieben die gesetzlichen Abzüge bei der (Ein- kommensteuer. Der Redner erinnert u. a. daran, daß das M i n i st e r p e n s i o n s g e s e tz immer noch nicht abgeändert ist. Minister Fulda beziehe für eine zweieinhalbjährige Tätigkeit 15 000 Mark Mi- nisterpension jährlich. Der Redner erörtert hierauf verschiedene Steuerfragen.

Ädg. Heinstadt (Ztr.) meint, die Parteien im Hause redeten sich immer mehr auseinander: so werde keine Einigkeit erzielt. Jede Volksschicht leibe Not. Man müsse daher das Volksganze im Auge hoben. Das Zentrum fei immer bereit, einen Weg Au gehen, der das Volk nicht so sehr belaste. Erst müsse man sich einmal im Finanzausschuß zusam­mensetzen und beraten, wie Abstriche vorgenommen werden können.

Abg. Frau Balser (Dem.) wendet sich gegen die politischen Reden im Hause, der Bürgerkrieg wäre an die Wand gemalt, und tagelang wäre nur von der Not der Bauernschaft gesprochen worden. Die Rednerin schildert demgegenüber die Notlage vieler Familien, der Obdachlosen usw. in Darm­stadt.

Nachdem noch verschiedene Abgeordnete Erklä­rungen abgegeben haben, wird die Debatte über das Finanzexvosö geschloßen.

Das Haus stimmt hierauf einer Vorstellung des Hessischen Anglerbundes (Sitz Mainz) auf Herabsetzung der Gebühr des Berechtigungsscheins für die erweiterte Handangel zum Fischen auf dem Altrhein und dem Neurhein zu. Ferner werden Anträge der Abgeordneten Freiherr von Hey! und Heinstadt über Fischereiwesen angenommen.

Das Haus nimmt ohne Debatte

eine Entschließung zugunsten der Hochwasser­geschädigten an.

Die Entschließung hat folgenden Wortlaut:

Land und Reich werben in einer Reihe von Anträgen aus allen Mitgliedervereinigungen des Landtags zu einer Rettungstat für die durch das Hochwasser an Haus, Vieh und Feld geschädigten Volksgenosien ausgefordert. Die Anträge während der heute zu Ende gehenden Vollversammlung des Landtags zu behandeln, war nicht möglich, da der Regierung Zeit zur Prüfung der Anträge und zur Vorbereitung ihrer Maßnahmen gelaffen werden muß. Der Landtag glaubt aber nicht auseinnnber- gehen zu dürfen, ohne den durch den Schlcksals- sd)iag hart Mitgenommenen, bei der ohnehin schweren Wirtschaftslage desto schwerer getroffenen Landsleuten sein tiefes Mitgefühl und seine ern st hafte Bereitwilligkeit zu hel­fen, versichert zu haben. Die Regierung aber for­dert der Landtag auf, von sich aus alle ihr zur Verfügung stehenden Mittel anzuwenden, um Not und Schaden zu lindern.

Im Verlauf her weiteren Verhandlungen wenden sich Abgeordnete aller Parteien gegen b i c Aufhebung v o n E i s e n b a h n werk­st a 11 e n in Hessen. Abg. Dr. Werner (Dntl.) protestiert gegen die geplante Aufhebung der Betrrebswerkstätte in Gießen. Abg. Dingeldep <D. Vp.> weist auf die große Schädigung hessischer Interessen hin. die eine Aufhebung der Gießener Eisenbahnweristätte be­deute: schließlich folge der Aufhebung der Werk­stätten in Hessen der Abbau der Cisenbahn- direktion nach.

Finanzminister Henrich erklärt, daß die Regierung alles tun werde, um Schädigungen vom Lande fernzuhalten.

Präsident Adelung weist nach der An- nnhme eines entsprechenden Antrages auf die Einmütigkeit beß Hauses in dieser Frage hin.

Die Sitzung wirb hierauf geschlossen. Der Präsident teilt noch mit, daß das Haus wahr- fcheinlich am Dienstag in acht Tagen zusammen- treten werde, um noch die Anträge zum Woh­nungsbau zu beraten. Der Landtag wird dann in etwa 4 Wochen sich wieder versammeln, um den Staatsvoranschlag zu beraten.

Chamberlains Pariser Reise.

Paris, 24. Ian. (Havas.) Es scheint sich zu betätigen, daß Staatssekretär Sir Austen Eham- berlain am Mittwoch aus dem Süden nach Pa­ns kommt, von wo er am Freitag die Weiter­reise nach London antreten wird. Es ist ist sehr

wahrscheinlich, daß er gelegentliche seines Aufent­haltes in Paris mit Ministerpräsident Briand über verschiedene außenpolitische Fragen sprechen wird.

Die französische Manzsamerung

Paris, 24. Ian. (WB.) DerTemps" vor- össentlicht den Bericht des Finanzaus­schusses der Kammer über das Finanz­projekt, das die Mehrheit des Steuerausschusses angenommen fiat und das dem Entwurf des Steuerausschusses der Linksparteien entspricht. Während der D o u rn e r s ch e Entwurf im gan­zen 8,8 Milliarden Franks enthält, die sowohl zum Ausgleich des Budgets, als auch zur Amor­tisierung . der schwebenden Schuld und Rück­zahlung der von der Bank von Frankreich an den Staat geleisteten Vorschüsse bestimmt waren, ^zweckt der Gesetzentwurf des Finanzaus­schusses im wesentlichen nur den Aus­gleich des Budgets.

Er sieht zur Deckung des voraussichtlichen Defizits von rund 4,2 Milliarden Einnahmen in Höhe von 4,370 Milliarden vor, die sich wie folgt verteilen: Einsparungen 500 Millionen, Ein­kommensteuer 900 Millionen. Besteuerung der Börsenoperationen 200 Millionen. Erportsteuer 720 Millionen. Erhöhung der Tabakpreise 500 Millionen, Kriegsgewinnsteuer 150 Millionen, Besteuerung von Oel, Benzin und Alkohol 350 Millionen. Erhöhung der Poft-. Telephon- und Telegraphengebühren 200 Millionen. Autosteuer 50 Millionen, verschiedene Einzelsteuern, dar­unter für Versicherungsverträge und Par- sümeriewaren 195 Millionen, von den Behörden zu vereinnahmende Gebühren und Stempelsteuern 80 Millionen, Kaffee- und Salzsteuer 85 Millio­nen, Erbschaftssteuer 400 Millionen.

Der Entwurf des Finanzausschusses sieht außerdem die Schaffung einer auto­nomen AinortisierungSkasse vor, die mit der Tilgung der schwebenden Schuld beauf­tragt werden soll. Der Entwurf sieht feine be­sonderen Einnahmequellen für die Amortisations- kasse vor, sondern weist ihr die äleberschüsse airs dem allgemeinen Budget nach erfolgter Abrech­nung zu. sowie Stiftungen, die ohne bestimmte! Zweckangabe dem Staate vermacht werden, ferner den Erlös aus dem Verkauf von Häusern, die dem Staate gehören, sowie der Ertrag von später zu bestimmenden Lotterien uub ähnliches.

Teuerungskundgebungen in Frankreich.

Marseille, 25. Ian. (Havas.) 2000 Be­amte und staatlich? Angestellte haben hier gegen die Teuerung protestiert and für 1926 die Ein­führung einer je nach den Schwanlungen des Frankenkurses beweglichen Gehalts- skala beantragt. Dieselbe Forderung haben auch die Liller Beamtenverbände gestellt.

Der Kampf gegen die deutsche

Sprache in Südtirol.

München, 23. Ian. (WTB.> Aus Innsbruck wird gemeldet, daß der Pfarrer Josef Gasser in Altrei nad) einem Verbot der Regierung, in der Schule Religionsunterricht zu "erteilen, von dem Dekan von Caoalese ersucht wurde, den Religionsunterricht in der Kirche in deutscher Sprache zu erteilen, da die Kinder Altreis vom italienischen Re­ligionsunterricht nichts verständen. Als der U n - ter prüf eft Prandi von der Erteilung des Religionsunterrichts in der Kirche hörte, schrieb er dem Pfarrer, daß der Unterricht in der Kirche offenbar zu dem Zweck erteilt werde, um durch Deeinflussung des schwachen Geistes der Kinder e, n an ti-italienisches Werk zu tun. Der Pfarrer wurde in dem Schreiben aufgeforbert, den Unterricht einzuste 11e n.

Ein königliches Dekret vom 17. Januar be- stlmmt. daß in denjenigen Elementar schu­len der neuen Provinzen, die nicht vollständig italienisiert siird, kein Schüler in eine höhere xlaffe versetzt werden kann, wenn er nicht e i n Examen in her italienischen Sprache besteht. Zu diesem Zwecke muhten mindestens fünf Tlnterrichtsstunden im Italienischen inner­halb des Normalstundenplanes erteilt werden.

Cardinal Mercier

Brüssel. 23. Jan. (Wolff.) Der Erzbischof von Mechcln, kardinal Mercier, Primas von Belgien, ist heute seinem schweren krebsleiden er­legen. Der Leichnam wird in der, Kathedrale $f (Bitbule aufgebohrt. Die Beisetzung in Mrcheln er­folgt auf Staatskosten.

Der nun aus dem Leben Getretene war einer öer glühendsten belgischen Patrioten, zugleich die Seele des Widerstandes des belgischen Volkes gegen die Besetzung durch die deutschen Truppen und einer der Eckpfeiler der antideutschen Propaganda. Sein unversöhnlicher Haß gegen Deutschland, seine ent­schiedene Stellungnnl - für die Sache des belgischen Volkes während dec Besetzung hat den Kardinal, der schon vor dem Kriege dank seiner hohen kirch­lichen Wurde und seiner bedeutenden philosophischen Werke einer der angesehensten Männer Belgiens war, zum belgifdjen Nationalheros gemacht, dem einzigen in der kurzen Geschichte Belgiens, dein ein­zigen, den Wallonen und Vlamen gleichermaßen arterienen. Der verstorbene Kardinal war 1851 als eobn eines Pächters geboren, wurde nach Beendi- gung seiner Studien Professor der Philosophie an öer Universität Löwen, 1906 Erzbischof von Me- cheln und Primas von Belgien, ein Jahr später Kardinal.

vor neue» Winren iit China.

Eine Drohnote Rußlands.

ü c 1 a u , 23. Jan. (WB.) Tschitscherin richtete an Tuanschiyui eine Note, die innerhalb drei Tagen erstens die vollständige Wiederherstellung der Ordnung in der Mandschurei, zwei­tens die D u r d) f ü I) r u n g des Vertrags und drittens die Freilassung Iwanows, des Leiters der ostchinesischeit Balm verlangt. Die Note schließt:

Denn die chinesische Regierung aus irgend­welchen Gründen außerstande ist, eine friedliche Lösung der Frage zu gewährieisten, so bittet die Sowjetregierung die chinesische Regierung, ihr die (Erlaubnis zu geben, mit eigenen Kräften die Durchführung des Vertrags und den Schuß der beiderseitigen Interessen sicherzustellen."

Aus Befehl dec- reon'riionive i Konnte:s sind Die russischen Truppen i.ni fernen Osten er­heblich vermehrt worden. Die Eisenbahn­

verbindung zwischen Wladiwostok und Eharbin ist unterbrochen. Tfchangtsolin drahtete der Zentralregierung in Peking, daß er gegen je­des Kompromiß mit den Sowjetleuten sei und fordert die Abberufung des russischen Ver­walters der chinesischen Ostbahn. Die Beziehun­gen zwischen beiden Ländern sind sehr gespannt. Eine Erneuerung des Bürgerkrieges steht unmittelbar bevor.

Die Truppen Fengyusiangs gehen seit zwei Ta­gen nördlich von Tientsin in der Richtung auf Lan° chow vor, wohin sich eine mandschurische Streit­macht auf dem Marsche befindet. Nach weiteren Nachrichten soll sich Wupeifu von Hankau her auf dem Marsch befinden, um sich mit Tschangsolin zu vereinigen und durch umfassende Bewegung die Streitkräfte Fengyusiangs zu vernichten. Die Bahn­linie PekingHankau und PekingMukden ist unterbrochen. General Fengyusiang hat seine Ab­reise nach Moskau verschoben.

Aus aller Welt.

Unterschlagungen bei der Kasseler Stadtverwaltung.

Durch einen merkwürdigen Zufall" ist eine große Anzahl von Unterschlagungen beim E l e k t r i z i - t ä t s w erk in KasseI aufgedeckt worden, die fast k'N Jahr zurückreichen und die Höhe von etwa 12 000 Mark erreichen. Ein Bureauhilfsarbeiter, der die Liste der Großabnehmer zu führen hatte, fälschte, um für seine kostspieligen Nebenbeschäfti- gungen Geld zu haben, die Unterschriften seiner Vorgesetzten, stellte Quittungen aus und ließ das Geld in seinen Taschen verschwinden. Der Bote, der die Zähler ablas und bas Geld eintaffierte, wurde mitverhaftet.

Zwei Kinder verbrannt.

In ilnterro6c (bayr. Schwaben) brannte in der Rächt zum Sonntag das Anwesen eines Hof­besitzers nieder. Eine zwölf- und eine vier­jährige Tochter kamen in den Flammen um. Als Brand st ifter wurde ein Handwerksbursche verhaftet.

Drei Kinder ertrunken.

Düsseldorf, 25. Januar. (WTB. Funk- spruch.) In Ratingen spielten gestern nach­mittag 5 Kinder im Alter von 5 bis 7 Jahren in einem Steinbruch. in dem sich Wasser befand. Als die Kinder das dünne Eis auf dem Wasser betraten, brachen sie ein. Zwei von ihnen wurden in erstarrtem Zustande aus dem Wasser gezogen, die übrigen drei nur als Leichen geborgen.

Eisenbahnwagen als Mahnungen.

Die Stadtverwaltung von Wiesbaden hat eine Anzahl ausrangierter Eisenbahnpersonen­wagen von der Karlsruher Eisenbahndirektioir an gekauft. Diese eignen sich besser als die zum Ankauf in Aussicht genommenen Baracken für Rotwohnungen und stellen sich viel billiger. Ein Wagen kostet 300 Mk.. mit den Transport­kosten nach Wiesloch 360 Mk. Die Wagen werden auf fester Grundlage in Form eines Hofes zu- sam mengest eilt und ergeben 10 Wohnungen, die 9600 Mark Kosten verursachen. Cs haben sich schon 48 Familien um diese Wohnungen bewor-- ben.. Der Bürgerausschuß erklärte sich mit dem Ankauf der Eisenbahnwagen und der Einrichtung derselben als Rotwohnungen einverstanden.

Wettervoraussage.

Roch meist bedeckt, westliche bis südliche Luft- strömuna, milder, noch vielfach Riederschlage oder Rebelbildung.

Der Wirbel über Skandinavien ist abgezogen, doch greift der nachfolgende bereits mit Aus­läufern bis nach dem finnischen Meerbusen über. Die Temperaturen liegen in Mitteleuropa schon durchweg über plus 2 Grad Celsius. Mit wei­terer Erwärmung ist zu rechnen.

Gestrige Tagestemperaturen: Maximum 5.4, Minimum minus 0,9 Grad Celsius. Riederschläge: 4.2 Millimeter. Heutige Morgentemperatur: 2,2 Grad Celsius.

Aus der Proviuzialhauptstadt.

Gießen, den 25. Januar 1926.

Vsm Provmziakausschuh.

Die Lürgermeisterwahl in Burkhards.

Zn Burkhards fanden im Jahre 1925 zwei Dürgerrneist erwählen statt. Bei der ersten Wahl am 14. Juni erhielten der Bürger- meister Heinrich Kneipp II. 141 Stimmen, sein Gegenkandidat Wilhelm Kunkel 140 Stimmen. Zwei Stimmzettel waren ungültig. 'Der Kreis­ausschuh des Kreises Schotten hob am 7. Juli 1925 die Bürgermeisterwahl wegen vorgekom- mcner Wahlbeeinslussungen auf. Bürgermeister Heinrich Kneipp II. hatte dann gegen dieses Urteil Berufung an den Provinzialausschuh ver­folgt, die jedoch einige Zeit danach zurückge­nommen wurde. Bei der am 27. Septenrber statt­gehabt en zweiten Wahl entfielen auf Bürger­meister Heinrich Kneipp II. wiederum 141 (Stim­men, während sein Gegenkandidat Kunkel 142 Stimmen erhielt. Auch diesmal wurden zwei Stimmzettel von der örtlichen Wahlkoimnission für ungültig erklärt. Diese (Stimmzettel enthielten im Druck den Namen des Heinrich Kneipp II. Das Beizeichen war aber von H. auf III. ab­geändert. und die Stimmzettel wiesen über dem Namen braune Flecken auf, die möglicherweise durch Aufgießen von Kaffee verursacht sein konn­ten. Gegen diese Feststellung der Wahlkommission verfolgten innerhalb dec dreitägigen Ossenlage- frift der Wahlakten Bürgermeister Heiirrich Kneipp II. und Parteigänger von ihm Einspruch und begehrten, daß die beiden Stimmzettel für gültig erklärt und zu Gunsten des Bürgermeisters Heinrich Kneipp II. gerechnet würden. Sie be­gründeten den Einspruch damit, daß cs in der Gemeinde nur eine Person mit dem Namen Heinrich Kneipp gäbe und die betreffenden Wäh­ler sicherlich in Llnkenntnis darüber, ob dieser das Deizeichen II. oder Hl. führe, das Deizeichen von H. auf III. geändert hätten. Wenn diese zwei Stimmen dann den 141 Stimmen zugezählt toür- ben, sei der bisherige Bürgermeister Heinrich Kneipp II. wiedergewählt. Der Kreisausschuh Schotten vertrat die Ansicht, dah die beiden Stimmzettcl von der Wahlkommission zu recht für ungültig erklärt worden seien, insbesondere, weill die Person des Gewählten nicht unzweifelhaft zu erkennen war, denn einen Heinrich Kneipp III. gibt es in Burkhards nicht. Wenn die beiden Wähler den bisherigen Bürgermeister Heinrich Kneipp II. hätten wählen wollen, so hätten sie t ?n gedruckten Stimmzettel -unverändert abgeben mii-T Gegen dieses Erkenntnis verfolgte der bisherig.- Bürgermeister Kneipp wiederum Be­rufung an den Provinzialausschuh mit dem Ein­trag, das Kreisausschnhurteil auszuheben, dis

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