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176. Jahrgang

Montag, 25. Januar 1926

Nr. 20 Erstes Blatt

SietzenerAnzeiger

General-Anzeiger für Oberheffen

vrnckvndVerlag: vrühl'fche Univerfitätr-Vuch- und Zteindruckerei «.Lanze in Stehen. Zchriftleitung und Geschäftrftelle: Zchulstrahe l.

Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher.

Preis für \ mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig: für Re­klameanzeigen von 70 mm Breite 35 Neichspfennig, Platzvorschrift 20° mehr.

Chefredakteur:

Dr. Friedr. Will). Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Will). Lange: für Feuilleton Dr H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Blumschein: für den An­zeigenteil Hans Füstel, sämtlich in Bietzen.

Erscheint täglich, autzer Sonntags und Feiertags.

Beilagen:

Gießener Familienblätter Heimat im Bild Die Scholle.

Monatr-kezugspreir:

2 Reichsmark und 20 Reichspfennig für Träger­lohn, auch bei Nichter­scheinen einzelnerNummern infolge höherer Gewalt. Fernsprechanschlüsse: Schriftleitung 112, Ver­lag und Geschäftsstelle 51. Anschrift für Drahtnach­richten: Anzeiger Siesten.

Postscheckkonto: zranlsurt am Main 11686.

Deutschnationaie Kritik. I

Eine Ncde des Parteivorsitzenden Hergt.

Diele selb, 25. 3on. ($11.) Auf dem Landesparteitag der westfälischen Deutschnatio­nalen sprach Staatsminister a. D. Dr. Hergt über die außen» und innenpolitischen Zukunfts-- ziele vom Standpunkt der Deutschnationalen Dolkspartei. Scheinbar sei das letzte Fahr ein großes Fahr gewesen. Fn außenpolitischer Hin­sicht aber müsse man ein völliges Fiasko ans der ganzen Linie feststellen. Es nrüsse einem schaudern vor den zahlreichen verpaßten Gelegen- heilen.

Stresemann müsse er zum Vorwurf machen, daß er die ganze Entwickelung, wie sie vor unS liege, mit offenen Augen habe vor sich gehen lassen und daß er niemals soviel Energie irnt> soviel Selbstbewußtsein aufgebracht habe, inn solche Verhandlungen abzulehnen. Hergt be­zeichnete es in diesem Zusammenhang als eine Unmöglichkeit, daß ein Minister, und besonders ein Außenminister, zugleich Parteivorsitzender sei. Als Außenminister könne nur ein Fachminister in Frage kommen, schon mit Rücksicht auf das Auf­treten dem Ausland gegenüber, wo auch nur Fachminister auf diesem Posten ständen. An der Derttschnationalen Volkspartei übte der Redner Kritik, weil sie ihrem ursprünglichen Programm untreu geowrden sei. Die Deutschnationalen seien während der ganzen sieben Fähre der Typ der zu weit getriebenen Bescheidenheit gewesen. Die Sonderinteressen seien auch bei der Deutschnatio­nalen Volkspartei zu stark in den Vordergrund getreten zmn Rachteil der großen nationalen, christlichen un dsozialen Fdeey, wie sie das Par­teiprogramm verkörpere.

Die neue Regierung Luther sei repu­blikanisch-demokratisch abgestempelt, sei links orientiert, denn die Drücke zu den Sozialdemo­kraten hinüber sei zu offensichtlich geschlagen worden. Was man von einem solchen Kabi­nett zu erwarten habe, müsse aus den Erfah­rungen der Vergangenheit heraus vor der Zu­kunft erschrecken lassen. Die Opposition s- st e l l u n g, die die Deutschnativnalen der neuen Regierung gegenüber eiimdjmen würden, sei die Fortsetzung der geraden Linie, die die Partei bisher verfolgt habe. Fm Gegensatz zu ihrer Haltung in den letzten Monaten werde die Deutschnationäle VoWpartei jetzt positiv kraft­voll vorgehen. Die ersten Anzeichen dafür seien in der bevorstehenden Veröffentlichung eines Wirtschaftsprogramms und in einer Reihe von Anträgen zugunsten des Mittelstandes, in Steuer­sragen usw. zu erblicken. Hergt sprach sich auch für einen Abbau der Parlamente aus. Er schloß mit der Versicherung, daß die Deutschnationalen zu gegebener Zeit wieder den Eintritt in die Regierung anstreben würden.

Neichsangestelltentagung der veutschnattonalen Volkspartei.

Berlin. 24. Fan. (V. D. Z.) Fn einer auf der 7. Reichsangestelltentagung der Deutsch- nationalen Volkspartei in Berlin gefaßten Ent­schließung kommt zum Ausdruck, daß die wirt­schaftliche Ursache für die ungeheure Stellen­losigkeit unter den deutschen Angestellten in der Einengung des Lebensraumes der deutschen Wirtschaft durch den Versailler Vertrag zu suchen sei. Von der Regierung wird Schutz des deutschen Arbeitsmarktes, Kün­digung des Dawesplanes und Befreiung Deutsch­lands von den Desahungstruppen verlangt. Des­gleichen solle die Reichsregierung den Anschluß Deutsch-Oesterreichs fordern, bevor ein Antrag zum Eintritt Deutschlands in den Völkerbund gestellt werde. Fn seinem innerpolitischen Re­ferat führte Reichstagsabgeordneter Schlange- Schöningen aus, die Wirtschaft könne nicht mehr funktionieren, weil der Staat nicht mehr funk­tioniere. Er fordert Rückkehr zum konstitutionel­len System, Einschränkung der Rechte der Pro­vinzen und Stärkung der Regierungsgewalt des Reichspräsidenten.

Ausschußtagimg der 1 Demokratischen Partei.

Berlin, 24. Fan. (VDZ.) Der Partei­ausschuß der Deutschen Demokratischen Partei trat in Berlin zu einer Tagung zusammen, an der die neuen demokratischen Reichsminister Dr. Külz und Dr. Reinhold sowie auch Dr. G e st­ier teilnahmen. Fn einem einteitenDen Referat betonte der Parteivorsihende Abg. Koch, an der langen Dauer des regierungslosen Zustandes sei die falsche Handhabung unseres politischen Systems, die die Verhandlun­gen viel zu sehr den Parteien überlasse, anstatt sie einem führenden Manne anzuver­trauen. nicht ganz ohne Schuld. Der Parteiaus­schluß. stimmte drei Entschließungen zu, die u. a. Dem Parteivorsitzenden Koch das volle Vertrauen ausfprechen und bedauern, daß die Sozialdemo­kratie in partei-egoistischer Weise ihre Mitwir­kung an der Regierung versagt hat. Die Nach­giebigkeit des Reichskanzlers gegenüber den par­tikular istifchen Tendenzen der Bayerischen Dolks­partei wird verurteilt. Die Fimenpolitik der neuen Regierung müsse auf dem Boden der Re­publik und der Rcichseinhstt die durch den Lo­carnopakt bedingte politische Linie fortsehen. Not­wendig sei eine Republikamsierung der Verwal­tung und Abstellung der außerordentlichen Miß­stände in der Fustiz, den Ilniversitäten usw. Der Geist von Locarno müsse sich vor allem in einer sofortigen und sichtbaren Aenderung des De-

Reichsmarine und Revolution 1918.

Aus dem Untersuchungsausschuß des Reichstags.

Berlin, 23. Ian. (WTB.-Funkspruch.) Im Untersuchungsausschuß des Reichstages über die Ursache des Zusammenbruches von 1918 setzte heute der sozialdemokratische Abg. D i t t m a n n sein Referat über die Unruhen in der Marine fort. Aus den Aeußerungen hervorragender Persönlich­keiten gehe hervor, daß 1917 die Malrosen-Un- ruhen zu einer Waffe gegen die Linkssozialisten gemacht werden sollten. Diese Tendenz beherrschte die ganzen kriegsgerichtlichen Verfahren. Es sollte Anklagematerial gegen die USP., insbesondere die Abg. Dittmann, Haase und Vogtherr, Frau Zietz und diejenigen Personen der USP.-Zentrale gewonnen werden, mit denen die Matrosen ge­sprochen hatten. Aber mit dem Material der Kriegs­gerichtsräte wußte niemand etwas anzufangen. Am 27. August teilte Vizeadmiral Ebbing­haus dem Admiral v. Trotha mit, daß die Parteiführer, auch die Konservativen, erklärt hät­ten, daß sie auf Grund des vorliegenden Mate­rials ihre Zustimmung zur Verfolgung Dittmanns usw. nicht geben würden. Das sog. Geständnis des Matrosen E a l m u s liest sich wie ein Kinogramm. Er gab an, am 2. August während seines Ur­laubes die USP.-Zentrale in Berlin be­sucht zu haben. Auf der Treppe sei er von Dittmann abgefangen worden und auf der Straße habe Ledebour sich zugesellt. In einer sehr nobel eingerichteten Wo! ung seien sie von drei Offizieren, zwei Feldwebeln, zwei Unteroffi­zieren und einem Zivilisten erwartet worden. Man habe gegessen und getrunken und dann habe Lede­bour den Fall der Marine-Meuterei aus­einandergesetzt. Dittmann habe ihm 5000 Mk. für die Organisation an Bord versprochen. Außerdem sollte bei der nächsten Anwesenheit des Kaisers in Wilhelmshafen ein Attentat mit einer Höllen­maschine verübt worden. Ealmus würde 10 000 Mark Handgeld bekommen, für seine Flucht sei alles vorbereitet, nach dem Gelingen des Attentats sollte er noch das Zehnfache erhalten. Die Sache fei dem Ealmus unheimlich geworden, er fei auf­gesprungen und habe mit gezogenem Revolver die Anwesenden aufaefordert, den Attentatsplan zu zerreißen. Das habe man auch getan. Bei den folgenden Vernehmungen stellte der Untersuchungs­richter fest, daß Dittmann am 2. August, wo sich die Geschichte mit Ealmus ereignet haben sollte, ebenso wie Ledebour in Schweden geweilt habe. Ealmus hat nunmehr im letzten Sommer in Essen erklärt, Kriegsgerichtsrat Dr. Lösch habe ihm immerfort mit Erschießen gedroht, um belastende Aussagen gegen die Abgeordneten herauspressen zu wollen. Um sich vor dem Tode zu retten, habe er die ganze Geschichte frei erfunden. Als auf Drängen Hindenburgs und Ludendorffs das deutsche Waffenstillstandsangebot herauskam, hät­ten die Admiräle auf eigene Faust einen Flöt- tenüorftoß gegen England geplant. Das wäre Rebellion, offene Meuterei, wäre Hochver­rat gegen die verfassungsmäßige Reichsregierung und gleichzeitig Landesverrat gewesen. Nunmehr rebellierten die Heizer und Matrosen gegen die Re­bellion der 'Admiräle. Die Rebellion wurde zur Revolution, sie war der Funke, der im ganzen Reiche und in der Armee die gleiche Explosion hervorrief. Auch N o s k e, der damals von der Regierung nach Kiel geschickt wurde, sei von den Admirälen belogen worden. Wäre die Rebellion auf den Schiffen von der USP. gemacht worden, so hätten die Matrosen in Kiel gewiß nicht Noske zu ihrem Führer gewählt. Der Flottenvorstoß hätte bei der Entente als heimtückisches Verhalten der Reichsregierung gedeutet werden können und die völlige Unterwerfung und Vernichtung Deutsch­lands hervorgerufen. Vor diesem Schicksal Volk und Land gerettet zu haben, sei das Verdienst der Heizer und Matrosen, die den wahnsinnigen Plan der Admiräle vereitelt hätten.

Die Rede des Abg. Dittmann wurde von den zahlreich erschienenen sozialdemokratischen Parlamentariern mit starker Kundgebung aus­genommen.

Vorsitzender Abg. Dr. Philipp (Dn.) stellt fest, daß der Berichterstatter bei seinen sechsstün­digen sehr temperamentvollen Ausführungen eine Reihe von Wendungen gebraucht habe, die par­lamentarisch nicht zulässig seien. (Leb­hafte Zustimmung.) Als

Korvettenkapitän Lcmaris

zu Beginn seiner Ausführungen erklärt, er müsse die von Dittmann gegen die Marineleitung vor­gebrachten Vorwürfe entschieden zurückweisen, er­hebt sich bei den Kommunisten und Sozialdemo­kraten großerLärm, die ihm zurufen, er habe nichts zu kritisieren, sondern nur zu widerlegen. Eanaris erklärt zunächst, daß Vizeadmiral von Trotha bewiesen habe, daß bis zum Schluß in der Marine bis auf einige Ausnahmen zwi­schen Offizieren und Mannschaften ein ausgespro­chen vorzügliches und ungetrübtes Ver­trauensverhältnis bestanden hat. Kapitän Eanaris sucht dann nachzuweisen, daß die Rä­delsführer der Meuterei der Flotte enge Be­ziehung zu der P1SP. hatten, und daß die von dort ausgehenden Einwirkungen ihnen den Rücken stärkten und ihnen das Material für ihre die Disziplin untergrabene Tätigkeit lieferten. Die Verbindung der Meuterer mit der USP. gehe aus den Akten einwandfrei hervor. Darum muß angenommen werden, daß auch umgekehrt die Mitglieder der USP. Kennt­nis hatten von der Absicht der Matrosen, die auf einen Flottenstreich und auf eine ge­waltsame Beendigung des Krieges hinausgingen. Anklage und Bestrafung seien wegen vollen­deten Kriegsverrats erfolgt.

Eanaris weist dann die Behauptung zurück, daß die Todesurteile nicht gerechtfertigt ge­wesen seien. Der Flottenchef ist mit außer­ordentlicher Sorgfalt vorgegangen. Er hat eine Entscheidung erst nach längerer Rück­sprache mit einem Mitgliede des Reichs­militärgerichtes gefällt.

Kobes habe ausdrücklich erklärt, die i>omPrinz­regenten Luitpold" ausgerückten Leute hätten: ihm einen schlechten Dienst erwiesen, weil die organisierten Meuterer erst in vier Wochen nach der Stockholmer Konferenz schlagfertig gewesen wären. Auf keinen Fall sind die Ausschreitungen in der Flotte auf Provokation durch Spitzel zu- rückzusühren. Die verspätete Absendung des Ab­schiedsbriefes von Reichpietsch an seine Eltern ist auf ein außerordentlich bedauernswertes Ver­sehen des verantwortlichen Kriegsgerichtsrates zurückzuführen. Der Kriegsgerichtsrat ist seiner­zeit gerügt worden. Die Behauptung, daß in­folge der Verzögerung eine Begnadigung un­möglich gemacht wurde, ist falsch. Das Gnaden­recht des Kaisers war auf den Flottenchef über­gegangen. Er hatte sich nach langen Erwägungen im Bewußtsein, daß von seiner Handlungsweise die Erhaltung des wichtigsten Kriegsinstrumentes, der Flotte, für das deutsche Volk abhing, ent­schlossen, bei den Rädelsführern, die offene Re­volution propagandiert hatten, von dem Gnaden­recht keinen Gebrauch zu machen. Zur Aufklärung der Vorgänge regte Korvettenkapitän Eanaris die Vernehmung weiterer Zeugen an.

Als Korvettenkapitän Eanaris unter großer Unruhe fein Referat beendet hatte, fragte der sozialdemokratische Abg. Dr. Moses, ob dieser Korvettenkapitän identisch sei mit jenem Kapi­tänleutnant Eanaris, der im Prozeß gegen die Liebknechtmörder als Beisitzer fun­giert habe und der beschuldigt werde, dem Lieb­knechtmörder Leutnant Vogel zur Flucht ver- holfen zu haben. Wenn es derselbe Marm sei, dann muffe der Ausschuß es als Brüskie­rung seitens des ReichZwehrministeriums an­sehen, das einen solchen Vertreter bestimmt habe, mit dem man einfach nicht zusammen arbeiten könne. Als Korvettenkapitän Eanaris es ablehnte.

sa tzungsregimes auswirkcn und auch dem Saargebiet in kürzester Frist die Möglichkeit geben, in freier Abstimmung feine Zukunft zu bestimmen. Der Parteiausschuß erörterte auch Die Frage der Fürstenabfindung.

Ausfchußtagung der MittelftcmdsparLei.

Berlin, 24. Fan. (VDZ.) Der Parteiaus­schuß der Reichspartei des deutschen Mittelstan­des hielt in Berlin eine Tagung ab, in der nach längerer Debatte eine Entschließung fol­genden Fnhalts angenommen wurde: Die Reichs­partei des deutschen Mittelstandes unterstützt die auf einen Preisabbau gerichteten Bestre­bungen, betrachtet aber die bisherigen Maß­nahmen nach dieser Richtung als verfehlt, weil sie die äl r s a ch e n Der allgemeinen Neue­rung nicht berührten. Eine Preissenkung ist nach ihrer Auffassung nur möglich durch Befrei­ung der werktätigen Schichten von Den Lasten eines übermäßig an geschwolle­nen Verwaltungskörpers, Befreiung Der Wirtschaft von jeder behördlichen Reg­lementierung und Damit von Der Zwangs­wirtschaft auf allen Gebieten des Wirtschafts­lebens einschließlich Der Wohnungszwangs­wirt s cha s t . Wiedereinführung des Lei­stungsprinzips und Damit Beseitigung des gegenwärtigen Lohn- uni) Gehaltssystems, das

Die Löhne herabdrückt und die Leistungen herab- setzt.

Deutscher Reichstag.

Ein Untersnchuugsausschnß für die Fememorde.

Berlin, 23. Fan. Der Reichstag erledigte zunächst die noch ausstehenden Bestimmungen zum Etat für 1926 und geht Dann über zur Be­ratung des fozialDemokratischen Antrages auf Einsetzung eines Tlntersuchungsausfchufses, Der ,die Femeorganifationen und die mit ihnen im Zusammenhang stehenden Morde und sonstigen strafbaren Handlungen zu untersuchen hat.

Abg. Saenger (Soz.) begründet den An­trag. Um die Aufdeckung Dieser Moroe hat sich besonders der preußische Fnnenminister ein großes Verdienst erworben. Drei Tlrsachen haben be­sonders zur Ausführung dieser scheußlichen Morde geführt, die Verhältnisse in Dar Reichswehr, die deutsche Justiz und die n a t i o n a 11 [t ifqje Hetze. Die femeorganifationen können nur be­stehen, wenn sie Kontakt mit einer politischen Organisation haben. Fast durchweg -sind Die Fememörder ehemalige Offiziere oder Feldwebel. Die Fememorde sind in allen Fällen in ganz be­sonderer Feigheit und Dabei in viehisch-roher Weise d::rchgcsührt worren. Die meisten Der ermittelten Mörder gehören der Schwarzen

auf diese persönliche Frage einzugehen, kam es zu stürmischen Kundgebungen der Linken. Man riefMörder!",Helfershelfer!",Feiger Lunrp!" und der Vorsitzende hatte große Müh', die Ruhe wiederh rzusttllm. Der kommunistische Abg. Dr. Rosenberg beantragte eine Unter­brechung der Sitzung, Damit man vorn Reichs­wehrministerium einen anderen Vertreter er­langen tonne. Die Abgg. Foel (Z.) und Dr. Bergstraeßer (Dem.» regten an, der Aus­schuß möge über diese Frage in einer ge­schlossenen Sitzung beraten. Diesem Vor­schläge wurde zugestimmt. Vorher erhielt noch der

Abg. Drüninghaus

von der Deutschen Volkspartei das Wort zum Korreferat gegen Dittmann.

Der Abgeordnete erklärt, die ganzen Ausfüh­rungen Ditlmanns trugen den Stempel, soweit die Verhältnisse in der Marine in Frage kommen, einer durch nichts gerechtfertigten Verleumdung. Die von ihm miedergegebenen Auszüge aus den Akten find lediglich darauf einge­stellt, ihn selbst und die USP. zu entlaßen. Es steht fest, daß die Unterredung, die Richpietsch in Berlin mit einigen Abgeordneten der USP.. vor allem mit Dittmann gehabt hatte, der Aus­gangspunkt war für jene unglückseligen Ver­hältnisse. wie sie in der Marinemeuterei von 1917 ihren Niederschlag gefunden hatten. Naiv fei der Versuch Ditlmanns. die Revolution auf das Ver­hältnis zwischen Offizieren und Mannschaften zu­rückzuführen. In der weitaus großen Zahl ist das Verhältnis ein außerordentlich Gutes gewesen. Dittmann. dem die Verhältnisse in der Marine vollkommen unbekannt find, hat auch eine Reihe ganz konkreter unrichtiger Angaben ge­macht. Die Sammlung der Unterschriftsliften für Stockholm an Bord der Schiffe hat Dittmann als eine ganz natürliche Reaktion gegenüber der neu- gegründeten Vaterlandspartei dargeftellt. Tatsäch­lich wurden die Unterschriften bereits gesammelt, ehe die Vaterlandspariei existierte. Die Stockhol- mer Konferenz war bereits geschlossen, als die eben genannte Organisation aufkam. Wenn Dittmann weiter ansführr, daß die Hochseeflotte ein gänzlich überflüssiges Kampfinstrumenl ge­wesen ist, so darf ihm wohl nicht entgangen fein, daß während des ganzen Krieges nicht eine einzige Schiffsgranate auf deutschen Boden gefallen ist. Das Hal man der Hochsee­flotte zu verdanken. Qdjarfc. Verwahrung muß ein­gelegt werden gegen die beleidigende Art, wie Dillmann von' der alten Wehrmacht gesprochen hat. Wir haben den Krieg geführt in dem heißen Bemühen, unserem Vater lande zu dienen.

Eine Erklärung des Neichswehrministers.

Berlin, 23. Fan. (WTB.) In der heutigen Kabinetlsihung stellte der Reichswehr­mini st er fest. Daß Die im ülnlersuchungsaus- schuß des Reichstages gegen den Korvetten­kapitän Eanaris erhobenen Beschuldigungen vollkommen unbegründet sind. Der Ge­nannte war nach Ausbruch der Revolution ge­wählter Beisitzer in einem Verfah­ren gegen Offiziere, die des Mordes an Rosa Luxemburg beschuldigt waren. Fn Diesem Prozeß wurde Der Oberleutnant Vogel mit Gefängnis bestraft. Als Vogel kurz vor Antritt seiner Strafe die Flucht ergriff, wurde Eanaris der B e i h i l f e zur Flucht Vogels ver­dächtigt. Eine von Reichswehr Minister Noske veranlaßte gerichtliche LIntersuchung ergab jedoch die völlige Haltlosigkeit dieser Beschuldigung, allein schon aus Dem Grunde, weil Eanaris sich zu der ange­gebenen Zeil in S ü d De u t schl an D be­fand. Eanaris blieb daher in feiner Vertrauens­stellung beim Reichswehrministerium.

Reichswehr an. Deren Mitglieder trugen Reichs­wehruniform und Den Adler in der Kokarde aber umgekehrt. Dafür zirkuliere die Erklärung: Die Krähe ist abgeschossen. Der schlimmste aller Feme­mörder sei Der Oberleutnant Schulz. Er war ein Mitglied Der Schwarzen Reichswehr im Reichswehrkommando H. Das schwarze Reichs­wehrregiment durfte gemeinsam mit der legalen Reichswehr vor dem Reichswehrminister Dr. G e ß l e r und Dem Chef der Heeresleitung v o n Seeckl Parademärsche vorführen. <Hört, hört! links.) Als eine Revision der ZitaDelle Spandau, in der Schwarze Reichswehr lag, stattfinden sollte, ging dort zwei Tage vorher eine Warnung seilens des Hauptmanns Keiner vom ReichZwehrm.niste- rium ein. (Hört, hört! links.) Eine schwere Schuld hat die Deutsche Fustiz auf sich geladen, deren Verhalten die Meinung hat aufkommen Innen, daß in Deutschland das Leben eines Republi­kaners weil weniger gilt, als das eines Natio­nalisten. Die dritte Quelle Der Verbrechen ift die nationalistische Verhetzung. Diese Hetze richtet sich jetzt sogar auch gegen Den Reichspräsidenten von Hindenburg. Wenn dummes Zeug geredet wird, kann natür­lich Ludendorff nicht fehlen. Er bezeichnet im .Völkischen Kurier" Hindenburg als eine Gefahr für den nationalen Willen. Merken denn Die Völkischen immer noch nicht, Daß Ludendorff verrückt ist? (Llnruhe bei Den Völkischen.) Fn Ludendorff L Organisation werden Die Feme­mörder in Schutz aenommeiL Somit