Einzelbild herunterladen

Nr. ZOl Erster Blaff

176. Jahrgang

ßrellag, 24. Dezember 1926

Gießener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

tnt und Verlag: vlM'scht UnIverfilSlr-vuch. enö Steiniruderei R. lange in Sieden. Schristieiinng und S-schäsirftelle: rchnlMade L

Linahmr von Bnjetgev für die lageenumm.-r dis -umJiod)mittog vorher.

Preis für \ rom hobt für Anzeioen oo.i 27 mm Drelle örtlich 8, au*®ärts 10 Deichspsennig, für Re» klameanleigen von 70 " m Dreile 35 Reichspfenmg, Playvorfchrifl 20' . mehr.

Lhefredadleur

Dr Friedr Will) Longe, tträntroorthd) iür *Dol tik Dr Fr Wilh Gange, für Feuilleton Dr Sy Ihpriot; für den übrigen Ic.l Ernst $lum|d)tin; für den An« jeigenteil i.Dertr H Deck, färntlid) in (Biegen.

Erich »ini t ö g i i <±), flufjer Sonntag» und Fttenogs Beilagen.

Ciefjenei FamtltendlLtter Heimat im DUd Die Scholle Jtonon«Ffjsgsrr<ts;

2 Reichsmark und 20 De,ch»pfennig für Träger* lohn, auch det Richier- fcheinen rir.jrlnrr'Jlummtnt infolge höhere! ißta-ulL Fernfprechanlchlüff«;

51. 54 und 112

Inschrift für Drahinach» richten Hnjftgcr Hiehea. Pofl|d):dlonfo: grenffurl am Main 1168«.

Freude, Hoffnung, Liebe! Don D. Friedrich Riebergal l, o. Professor der Theologie an her Phil.pps-Uarversllär Marburg.

TDlt hell klingen im8 d ese drei Wörter ins Ohr. Aumal zur WeihnachtSzeill Wer möchte nicht sich freuen, wer ntchl hoffen, wer nicht Lieb« empfangen! Aber ebendarum tut es manchem In der övek weh, gerade In d.eser Zeit, wenn er nicht- davon spürt, wenn er niederge- schlaaen. ohne Aussicht auf Deskrung. ohne das Glück. geliebt zu werden, dieser Tage verbringen muß. Sollte da gar nicht- zu raten und zu helfen fein? (Ls käme nur einmal darauf an. zu fragen, wa- denn der Degenstand der drei beglückenden Gefühle sein soll. Dielleicht, daß man ft: an ganz verkehrte Dinge hängt. ES ist auch für jeden andern Dlick In d efer Wethnachtszeit von Werl, einmal zu verfolgen, wie jene drei Gefühle, die fett alten Zeiten die Donnen- und JahreSwettde begleiten, immer wieder im Lauf d.r © schichte Inhalt und Gegenstand gewechsell haben. 3n dem Mah. wie die Kultur diese aber im höchsten Dltrn« genommen aufstieg, gewannen sie einen immer höheren Gehalt. Freilich nur in denen geschah die-, die mit ihrem eignen Leben das diese- Ausstiege- begleiteten. D.« Masse bleibt Immer dahinter zurück.

Wenn man fragt: Woran lag denn den Men­schen der vergangenen Zeiten etwas, wenn sie diese Zeil al- eine heilige feierten und mit allerlei Gebräuchen begingen? dann bekommt man viele Antworten. Wir irren uns, wenn wir an- nehmen, e- sei vor allem die Freude an dem Ende de- winterlichen Abnehmens d r Tage und an dem nun wieder ansteigenden Licht? gewesen. Man empfand in jenen Zeiten viel nüchterner und praktischer. Es handelt sich stets um die Gönne al- Spenderin der Wärme, nicht nur des Lichte-, der Wärme, die die Aecker ihre Frucht tragen Iaht. GS sind alle- Gefühle und Bräuche, die mit der Fruchtbarkeit der Erde zufammen- hängen. die unfern weihnachtlichen Gewohnheiten und Anschauungen zugrunde liegen. 3n ihnen sprechen sich zuerst jene Gefühle auS. die später einen immer höheren Gehalt empfangen.

Freude. Don zwei Seiten erhielt unser Weihnacht-sest f.'incn freud gen Zug. 3m alten Römischen Reich wurden um d e Ze t der Sonnen- we-.de zwei Feste gefeiert, die sich grober De- liebtbeü erfreuten: das Sadmalienfest am 17. De­zember und dnS Kalendenfest am 1. 3anjar. Die Sitten und Gebrauch? von diesen beiben Festen sammelten sich später an dem 25. 5>xy?m6er an. Die andere Wurzel ist das nord sch? 3ulfest. Snn Sinn uxir von Hau- aus die Beschwörung der Sonne. Es sollte ihr auf dl-sem maa schon Wege Kraft zugeführl werdm, ihre keil fche Zeit zu überwinden und wieder den Aufstieg zu ge­winnen. ES ist nun e ne häufige Erscheinung, bah religiöse Feste v.t wc'.lliche Umschlägen: wir brau­chen nur an das Wort Kirchweihe zu denk-n. Do ist eS auch mit diesem 3ulfest gegangen. An die gottesdienstlichen Gebräuche schlossen sich Spiel und Scherz. Umzüge und Tänze an. bis diese schlich!ich alleine herrschten. Das 3.'l:est wurde zu einem rechten Aaudfeft. das Schmausereien und Trinkgelage zum 3nha!t halt?. Daraus wurde unter mancherlei Einflüssen das liebe Haus- und Familienfest, das uns heute so froh macht. Heimkehr ins Elternhaus, frohes Zu­sammensein um d.m Weihnachtsba :m. h er und da auch ein junger Bund unter den Lichterbcum geschlossen das ist das. was uns im ganzen als Gegenstand wcihnachtiicher Fre d' ver A igen steht. Und daS ist gut Wir haben in dieser Gegenwart, die die Menschen auseinanderreiht. eine solch: Simml'.ng nötig.

Aber Darüber hinaus liegt noch ein höherer Gegenstand der Freude. Es ist der. dnn das christliche Fest ins Gedächtnis ruft. Es gilt einem. Der in Die Welt getreten ist als Träger einzigartiger Kräfte, die es wert sind, dah man ihrer in befer zeitlichen 6itf ernung noch dank­bar gedenkt. Man sollte sich in allem frohen Lärm Der Tage einen Augenblick verwahren um sich ganz still ober mit einem Der lieben Weih- nachtslicder an Di fern höchsten Gegenstand Der Fre de auch selber zu freuen.

Hoffnung. Zweierlei Absichten hegte man in jenen ältesten Zeiten mit all den Bräuchen. Die in Mittwinterzeit geübt wurden. Man wollte mit reich gedeckten Tischen Der Gottheit ein Opfer Darbringen. Damit sie Gedeihen im neuen 3ahre schenke. Es sollte ein gutes Dorzeichen für die nächste Zukunft sein, wenn man den winterlichen Maibaum errichtete. 11 nD Dann wollte man Die bösen Geister vertreiben. Die in der Dunkelsten Zeit Des 3ahres am ärgsten ihr Wesen trieben. Dazu tourte in Der römischen und in Der germanischen Welt allerlei Toten­zauber getrieben. Ginsluß auf tie Zukunft galt e« ui gewinnen, dah in Haus und Feld und Stall Unheil abgewehrt und Gedeihen gesichert werde.

3n unserer Gegenwart wird zwar auch manche Hoffnung dieser Art gehegt. Die Das wirtschaftliche unD Das häus'iche Leben des einzelnen angeht. Aber über Dem allen steht, wenigstens für alle besseren Glieder unkres Bolk.'s. Die Hoffnung. Dah Das Reue Jahr uns als Bolk und Reich fördern und Der Hohe ent­gegenbringen möge. Wie nun Di? finsterste Zeit im 3ahr überwunden ist. so mag es jetzt oft heißen. möge auch Die Sonnenwende unseres staatlichen Lebens eingetreten fein - Allein was hat diese astronomische Sache mit unferm Reich au tun? Was ist jene Re^e mehr als ein schöner Vergleich. Der aus einem Sinnbild für einen Augenblick stimmungsvoll seine Rahrung zieht ohne allen Grund?

Landau vor dem pariser liabinetkrat.

Die dem Reichsaußenminister Dr. Stretemann nahestehendeTägl. Rund« sch a u schreibt in einem sehr bemerkenswerten Ar­tikel, der sich mit der politifd)en Seite des Landauer Urteile befaßt, es versiehe sich von selbst, daß die Affäre R o u z i e r nicht mit dem Ab­schluß des Gerichtsverfahrens ihr Bewenden haben könne. Es lei vielmehr unbedingt notwendig, daß jegt der Fall politisch behandelt und in eine Atmosphäre gehoben werde, in der das schrei­ende Unrecht, das in Germersheim und in Lan­dau noch der Ansicht des gesamten deutschen Dolkes geschah, wenigstens zum gerangen Teil wieder gut« gemacht werden könne. Es stehe wohl fest, daß der deutsche Botschafter in Paris, Herr o. Hoesch, in diesem Sinne tätig sei, und daß er dauernd die Füh­lung mit dem Auswärtigen Amt in Paris aufrecht- erhalle, um dort die Schwere des Falles und den Ernst der Vage in ihrer ganzen Bedeutung begreif­lich zu machen. Eine bestimmte Forderung scheine Herr d. Hoesch nicht zu vertreten, da man es der Entscheidung der französischen Regierung Überlassen müsse, in welcher Weise sie

dem fchwerbeleidigten deutschen RechlsgesÜhI eine Genugtuung

geben wolle. Daß eine solche Genugtuung notwendig sei, daran roerbe'man wohl auch in Paris nach den diplomatischen Schritten, die dort erfolgten, nicht mehr zweifeln. Es läge nahe anzunehmen, daß die französische Regierung zum mindesten das. p r o o o « zierende Mißverhältnis beseitigen werde, das in der gleichzeitigen Freisprechung Rou- ziers und der Verurteilung der Angeklagten, zum Teil von Rouzier schwerverletzten Deutschen bestehe. Es läge durchaus im Interesse der Politik, Die Briand verfolge, wenn mehr geschehe. Ger­mersheim fei kein Ruhmesblatt in der G e - f d) l d) t e der französischen Befatzungs« a r m e e. Je eher man das in der Befreiung der Einwohner von der Desatzungslaft zum Ausdruck bringe, desto besser.

Frankreich habe aus dem Gebiete der Be- fatjungooerminberung noch ein feierlich gegebe­nes Versprechen elnzutöfen.

Man solle nicht zögern, mit Germersheim den An­fang zu machen un*i diesen als ersten Schritt zu bctrad)len, dem die Räumung des besetzten Gebiets baldigst folgen müsse. Zu dem aber, was geschehen muh, möge man sich in Paris s o rasch als möglich entschließen, damit man den guten Wil­len sieht, dem Unheil, daß französisches Militär und französische M'iitärjustiz gestiftet haben, durch die Mittel der Politik entgegenzuwirken.

Neue Anweisungen an Hoesch.

Berlin. 23. Dez. DasD. T." will wissen. D-ah Botschafter o. Hoesch nach seinem Besuch bei Derthelot von Den zuständigen Stellen Der Reichsregierung angewiesen worben sei. bei der französi.schen Regierung in Dem Sinne vorstellig zu werden. Daß sie im Falle Router einen Motzus linden möge. Der Der be­rechtigten Entrüstunng in Deutschland im Sinne einer Genugtuung Rechnung trage. Die Reichsregi.'rung selbst habe keine Dorschläge gemacht, weil sie die Auffassung vertrete, daß es Sache Frankreichs fein müffe. eine L ö - sung zu finden. Die auf eine Wiedergut­machung hinauslause.

Heute Ministerrat in Paris. - Ho? ch bei PainleoS.

Paris. 24. Dez. lWTB. Funlspruch.) Heute vormittag findet ein M l n i st e r r a t statt. Rach Dem ..Matin" soll er sich mit Der Frage des Urteilsspruchs von Landau beschäf­tigen.

Matin" glaubt ferner berichten zu können. Daß Botschalt?r v. Hoesch gestern abend nach 7 Uhr Kriegsminister P a i n l e v e einen pri­vaten Besuch abgestattet habe. Da der Deutsche Boischa t:r bcsonDers vertrauens.o.le Beziehun­gen zu Painlevö unterhalte, habe er es offen­bar für nützlich erachtet, mit Dem Chef Der >ran- zöf.schen Armee und Dem Ches Der franch,'ijchen

Militärgerichtsbarkeit eine Besprechung zu füh­ren. bei Der er sicher sein tonnte, daß beider­seits Der gleiche Wunsch herrschte. Die öffentliche Meinung wieder jju beruhigen. Herr v. Hoesch wolle offenbar nicht zulassen. daß das Werk' Der Deutsch-französischen Annähe­rung abhängig sei von dem Vorfall und seinen bedauerlichen Folgen.Metin' glaubt, daß Ge­neral © u i II a u m a l Befürworter einer Be» gnaDigung sei und daß sich wahrscheinlich der heutige Ministerrat mit seinem Dorschlag. allen Derurteilten von Landau Straf- e r l a ß zu gewähren, beschäftigen werde. Die Begnadigung würde schon am WeihnachtStage ausgesprochen werden. Da die verurteilten Deut­schen Revision eingereicht haben, scheine man in juristischen Kre fen einzuwenden. vor Der Einreichung Der Revision über eine Begnadi- gungsmahnahme eine Entscheidung zu treffen, aber ein Präzedenzfall sei durch den Fall des Oe- nerals v. Rathusius geschaffen. Den Mi­nisterpräsident Herriot begnadigt habe, trotz­dem er bereits einen Revisionsa-ntrag unterzeich­net hatte.

Zwiespalt

im französischen Kabinett?

Paris, 23. Dez. (TU.) D e Stfflungnahme der R e i chs r e g i e r u n g und ter deutschen O e f f e n 11 i d) fe 11 zum Landauer Ur.eil hat in Paris tiefen Eindruck gemacht und in politischen Kreisen starke Rervositäl he.- vorgerufen. Es hat Den Anschein, als wäre man an offizieller Stelle eher geneigt, durch einen Begnadigungsakt Den Eindruck Des VanDauer Urteils zu verwischen, als nochmals den ganzen Prozeß Durch eine höhere 3nstanz aufrollen zu lassen. Unlo trollierba.e Gerüchte wollen von einem neuen tiefen Zwie­spalt innerhalb De« Kabinetts wissen. Man geht sogar so weit. P o i n c a r ö als Den 3 nspira 1 vr des Landauer Urteils zu be­zeichnen. der auf diesem Wege versucht hätte, die Briandsche Außenpolit f zu desavouieren. General (Builloumat in Daris.

Paris, 23. Dez. (WTB.) Der Oberbefehlshaber des Lefatzungsheeres in den Nhetnlanden, General Guillauniat, ist in Paris nngefommen. Die Reife steht in Verbindung mit dem Urteil des franzüf ifchen Kriegsgerichts in Landau.

Die Freisprechung Nouziers rechtskräftig.

Berlin, 23. Dez. (SIL) Die 24stündige Frist ist nunmehr abgelaufen, ohne dah die französische Anklagebeyörc« gegen das frei- sprechende Urteil im Falle Rouffer Revision ein- gelegt hat. Die Freisprechung Rouziers ist damit rechtskräftig geworden.

Die sozialistiict e Pro e aklion qecen Cor bau.

Beim Vorstand der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands traf ßeftern abend folgendes Tele­gramm aus Paris em, als Antwort auf das Tele­gramm, das tags zuvor von den deutschen Sozial- bemofraten Muller, Wels und (Srifpicn an den französischen Parteivorstand gerichtet worden war:

Wir haben die Intervention sofort e i n g e l e 11 e t und haben gute Hoffnungen auf einen Erfolg. Paul Saure, Leon Blum."

Spende für die Verurteilten von Germersheim

Berlin. 23. Dez. lWB) 3m A-.schlich an eine Protestkundgebung des West au«- schusfes gegen das Landau.r Ur.eil (teilten der Berein Der Pfälzer in Berlin und der ReiHs- verband der Rhetnländer der Geschäftsstelle .Deutscher Rhein" l 000 M a r k zur Birfü^ung, die an Die Hin ter bliebenen Müllers unD Die Verurteilten von Germers­heim. soweit sie b-dürftig sind, zu Weihnachten verteilt werden sollen.

Wie ganz anders ist es, wenn wir uns wieder auf jenen Höhepunkt festlicher Gedanken besinnen. Zwischen Weihnachtsfreude und Zu- kunstshoffnung steht nicht ein leeres Sinnbild aus Der Rarur, dah alles wieder gui werden müsse, sondern eben jene geistige Kraft. Deren Gedächtnis im Mittelpunkt deS Festes steht. Wenn diese allgemeiner würde, wenn Zucht. Güte und Wahrhasttgkeit wüchsen in unferm Volk, dann erst hätte jene Hoffnung auch einen festen Grund und brauchte nicht bloß eine fest­liche Redensart zu bleiben, die keiner ernst zu nehmen hat.

Liebe. Auch Die Gaben, Die wir uns zu Weihnachten schenken, haben ihre Geschichte. Auch sie hingen mit jenen Bräuchen und Zeremonien zusammen. Die Der Fruchtbarkeit galten. Man gab etwa Den Geistern, von Denen man Das Gedeihen des Feldes erwartete, Kuchen zu essen. Man veranstaltete Auszüge. bei Denen man Gaben brachte und Segenssprüche sagte. Wer kein Geschenk gab. Den trifft Unglück. Auch Die 3irlgaben galten derselben Aufgabe, Den Segen Der Ernte zu sichern. Segensrute und Früchte spielten Dabei eine Hauptrolle.

Mit diesen Gaben ging es. wie es oft mit solchen Opfern ging. Als der Glaube an die Gaben heischende Gottheit aufbörte. gab man ihnen eine Wendung und verwandelte sie in Liebesgaben an Die Mitmenschen. Erst feit Dem

3a&re 1400 etwa fing man an sich zu beschenken: die Bescherung Der Kinder ist gar erst im sechzehnten 3ahrhundert aufgekommen. Sie war ursprünglich auf Den St. Nikolaustag festgelegt, wovon wir noch Spuren zumal in katho.ifchen Gegenden haben. Aber Die prote tanlische Gei t- lichkeit hat das 3hre dazu getan, daß sie von dem Rikolaustag auf Den Christtag verlegt wurde.

So schenken wir denn heute aus Liebe, nicht aus berechnendem Sinn, um Glitter freund­lich -u stimmen. So viel höher dieser unser Brauch ist als jener heimische, es gibt noch einen höheren. Es liegt wieder im Geiste jener seelischen Kräfte. Die im Mittelpunkt des Festehs stehen, wenn wir nicht bloß Grben schenken. Die einen Rutz en bringen oder Freude machen seelischen Kräfte. Die im Mittelpunkt des Festes i tt)cnn wir uns seelisch ausgeben, wenn wir lieb haben in Dem Sinn Des Einen, von Dem Das Scft seinen schönsten Ramen hat. Gaben als Sinnbilder innigster Hingebung und Verbunden- heft, vergebende und vergessende Liebe, tragende aeduldige Liebe. Die immer paeder neu anfangen läbt. Die sich etwas zumutet von Selbstverleugnung und schweigender Güte Das ist die Höhe Der Liebe.

Freude. Hoffnung. Liebe. ... Dem Menschen ist nimmer fein Werl gerauht, solange er an kiese Drei Worte glaubt.

Weihnachten.

Don Dr. jur. Heinrich (9 e r I a n b. o. Professor Der Rechte an der Universität Jena.

Wieder naht sich das Weihnachtssest. Die Kerzen flammen aus an den bunt geschmückten Bäumen, um die sich groß und klein drängt. Und in den Jubel der Kinder mischt sich Die Sehnsucht der Alten, die urewige Sehn­sucht der der Kämpfe fo müden Menschheit nach dem Frieden auf Erden, den alle wollen, der aber nicht kommt, da zwar die Ge­danken leicht beieinander wohnen, in der Welt der Tatsachen sich aber leider die Dinge hart und härter im Raume stoßen.

Die Glocken läuten, die Lieder klingen. Aber können sie uns auch auf Augenblicke aus den irdischen Wirrnissen in die Sphäre des Ewigen erheben: der Tag ist doch da mit seiner Härte, seine Forderungen stehen unabweisbar von uns. Und die Botschaft des Glaubens hilft uns nicht über die Tatsachen des Wissens hin­aus. Trotz ihrer Weihnachtsfreude ist die Zeit bitter e r n ft, und das Jahr geht trüb zu Ende, wie es begonnen hat.

Sind wir nicht undankbar? Hst nicht be­reits vieles besser geworden seit jenem surchtbarcn Oktobertag, da Prinz Max die Niederlage des deutschen Volkes der Welt verkündete, seit jenen unheilsvollen Nooernb r- tagen, da die alte Zeit der Schwäche und Hoff­nungslosigkeit einer zermürbten Gegenwart zum Opfer fiel? Leben wir nicht heute in leid­lich gesicherten Verhältnissen, ist nicht die wirt­schaftliche Lage auch des einzelnen eine ganz andere als in den Stürmen der In- und De­flation? Und beginnt nicht auch in außenpoli­tischer Hinsicht die leise erste Spur einer Mer- genröte den kommenden Tag zu verkünden?

Wer seine Gedanken und Sorgen auf Gegenwartsinteressen, auf den Tag einstellt, wird diese Fragen bejahen. Wer Politik auf lange Sicht, wer die Zukunft unseres Vclkes im Auge hat, muß sie verneinen.

Gewiß, man muß Der Politik Stresernann einräumen, daß sie Augenblickserfolge zu buchen hat. Die Kontrollkornmissionet'. werden deutschen Boden, den sie lange genug geschändet haben, endgültig verlassen. Die Inoestigationsbestimmungen, wie man sie jetzt vereinbart hat, sind für Deutschland erträg­lich, obwohl man ja nicht übersehen sollte, daß im Hintergrund Immer noch die Frage Der Kontrolle der Rheinlande steht, eine Frage, die noch nicht gelöst ist, und die man, was be­denklich stimmt, besonderen Verhandlungen Der Rheinlandmächte vorbehalten hat. Daß Die so erzielten Erfolge erfreulich sind, wird kein Vernünftiger leugnen, und es ändert daran auch nichts die Tatsache, daß die letzten 2(b= rüftungsfragen, Deren Wichtigkeit nicht unter- schätzt werden darf, ebenfalls erst gelöst wer­den sollen.

Aber all das Erreichte, was ist es gegen­über der deutschen Frage? Unter ihr verstehe ich die für uns unerträgliche Doppel- Tatsache, daß wir waffenlos gemacht und gehalten, wehrlos dem Zugriff des Mäch­tigeren ausgesetzt sind, und ferner, daß wir kein einheitliches Deutsches Reich mehr sind, da große Teile unseres Volkes gewaltsam und wider ihren Willen von uns losgeristen wur­den und sich nicht mit uns vereinigen dürfen. Sie deutsche 3 r r e D e n t a ist die euro­päische Schicksalsfrage, die gelöst werden muh, wenn der Frieden in Europa wahr werden soll. Ihrer Lösung sind wir im letzten Jahr keinen Schritt näher gekommen. Nach wie err kennt Die Gewaltpolitik unserer Gegner und namentlich unseres Erbf eindes Frankreich kein ' anderes Ziel ihrer Politik uns gegenüber, als uns darniederzuhalten, uns wehrlos und schwach zu machen für alle Zeiten, auch :o nn man uns eine gewisse wirtschaftliche Prosperi- töt schon im Hinblick auf unsere Kontributionen zuzubilligen nicht abgeneigt fein sollte.

So stehen wir nach wie vor wehrlos und bedeutungslos in eingr roaffenftarrenben W^t, in einem Europa so krisenschwanger. daß in der Tat Der Völkerbund das letzte Mittel rt, um dem abermaligen Ausbruch des Wffl n- brandes vorzubeugen. Wohin wir feh-n, Gegensätze, vital für die einzelnen Völker, iin- uberbrütfbar, auf die Dauer mit Notwendig­keit zum gewaltsamen Austrag Dräng, nb. Da ist bie syrische Frage, in ber sich Encffanb und Frankreich als unversöhnliche Feinbe gegen- überstehen: ba bringt bas Mlttelmeeryr^bl"m und die entschlossene Erpansicnsoolitik Mus­solinis Italien in Gegensatz auf ber ein-n Seite zu Frankreich, auf ber anberen Seite zu Jugoslawien. Wohin man hört, hört man von Rüstungen unb Truopenverschiebungen. Bünbnisse werben abgeschlossen, bie auch unter dem Namen der Freundschaits und Schiebs- oerträge ihren wahren politischen Zweck nicht mehr verbergen können. Konflikte von Welt­bedeutung bereiten sich vor, von denen nur