Wirtschaft.
• Bevorstehender Aufruf der 3n« flationsvfandbriefe. In der nächsten Rümmer der Preußischen Gesetzsammlung gelangt die ^Zweite Verordnung über die Aufwertung der Ansprüche aus Pfandbriefen und Schuldver- schreibungen landschaftlicher (ritterschastlicher) Kreditanstalten, von Stadtschaften, Pfandbrief- äintern unb gleichartigen öffentlich-rechtlichen Kreditanstalten für den städtischen Grundkredit und von Landeskulturrentenbanken" zur Veröffentlichung. Aach der Verordnung sind den Pfandbriefschuldnern der angegebenen Kreditinstitute, die die Aufwertungshypothek durch Einlieferung von Pfandbriefen zurückzahlen, die von ihnen bisher gezahlten Zinsen bis $u einem bestimmten Betrage zurückzuerstatten. 5>ie Verordnung gibt sodann den in der Verordnung aufgeführten Kreditanstalten das Recht, die von ihnen ausgegebenen Pfandbriefe aus eigenen Mitteln aufzukündigen. Durch dieses Kündigungsrecht sollen die Kreditinstitute in die Lage verseht werden, die in der Rachkriegszeit ausgegebenen Pfandbriefe, die sogenannten Znflationspfandbriefe, aufzurufen, um so die Durchführung der Aufwertung nicht unerheblich zu vereinfachen.
* Die Insolvenzen der dritten N o - vemberwoche. Die infolge des Feiertages nur fünf Tage umfassende dritte Novemberwoche zeigt sowohl hinsichtlich der Konkurse (95 gegen 116 in der Zeiten Novemberwoche), als auch hinsichtlich der Geschäftsaufsichten (20 gegen 29 in der Vorwoche) feine wesentlichen Veränderungen. Nach Unternehm mungssormen verteilt, wurden Konkurse eröffnet bei einer Aktiengesellschaft (3 in der Vorwoche), 7 Gesellschaften m. b. S). (12), 1 Kommanditgesellschaft (1), 5 eingetragenen Genossenschaften (4) und 4 offenen Handelsgesellschaften (3). Geschäftsaussichien wurden über 3 G. m. b. 5). (4) und 2 Kommanditgesellschaften (—) neu verhängt. 25 Konkursverfahren wurden mangels Masse eingestellt.
* Mannesmannröhren-Werke A.-G., Düsseldorf. Wie der DHD. von Verwaltungsseite erfährt, wird die Verlegung des Geschästs- fahres auf den 31. Dezember bereits der ordentlichen Hauptversammlung (am 16. Dezember) zur Genehmigung oorgelegi werden. Es dürfte für das per 31. Dezember 1926 ablaufende Geschäftsjahr von sechs Monaten mit ungefähr demselben Dioidenden- satz (5 Prozent), diesmal allerdings für ein halbes Jahr, zu rechnen sein.
* Deutsche Petroleum A.-G., Berlin. In der gestrigen Aufsichtsratssitzung wurde der Abschluß für das Geschäftsjahr 1925 vorgelegt, dessen Fertigstellung infolge der mehrfachen Aenderungen in der Organisation eine Verzögerung erfahren hat. Die damit zusammenhängenden Vereinfachungen und Ersparnisse haben bis zum Ende des Berichtsjahres eine genügende Auswirkung nicht mehr finden können. Der Abschluß weist daher nach Abzug von Steuern, Generalunkosten und Abschreibungen einen Verlust von 2 273 308 Rm. aus, der aus dem Reservefonds gedeckt werden soll. Im laufenden Jahr hat sich die Geschäftslage und die Liquidität der Gesellschaft wesentlich gebessert.
* Hamburg-Amerikanische Paket- sa h r t - A.-G. in Hamburg. Die Zulassung der 21 Mill. RM. neuen Stammaktien zur Berliner Börse, deren Ausgabe in der Hauptversammlung vom 2. August beschlossen wurde, ist soeben erfolgt. In dem Prospekt wird ausgeführt, daß das laufende Geschäftsjahr 1926 bisher günstiger verlief, als das Vorjahr. Die Besserung sei in der Hauptsache auf das lebhafte Passagiergeschäft zurückzuführen, während die Höhe der Frachtraten nach wie vor in keinem richtigen Verhältnis zur Höhe der Betriebskosten stehe. Immerhin dürfe bei weiterem normalen Verlauf des Geschäftsjahres mit der Zahlung einer mäßigen Dividende gerechnet werden.
* Barmenia-Lebensversicherungs- Gesellschaft in Barmen. Unter dieser Firmenbezeichnung wurde in Barmen eine neue Lebensversicherung gegründet. Die Gründer sind u. a. Allba Nordstern Lebensversichernng-A.-G., Berlin-Schöneberg, und der Barmer Bankverein. Die neue Lebensversicherung steht in engster Verbindung mit der Barmenia-Krankenversicherung und ist in erster Linie als Klein-Lebensversicherung gedacht.
Franksurter Börse.
Frankfurt a. M., 24. Nov. Tendenz erholt. Obgleich sich in den Ursachen für die Geschäftsstille an der Börse nichts geändert hat, war der Markt heute doch etwas freundlicher veranlagt, wobei sich aber nur für einige Spezialwerte etwas Interesse zeigte. Die zuversichtliche Stimmung war hauptsächlich getragen durch den Stillstand in der bisherigen scharf rückläufigen Kursbewegung, und ferner durch das erneut lebhaft einsetzende Geschäft in ausländischen Renten, von denen Türken und Bosnier bevorzugt wurden, ^(n den Aktienmärkten bewirkten verschiedentlich vorgenommene Deckungen bis zu 2 Proz. betragende Erholungen, die vereinzelt auch etwas darüber hinausgingen. Daneben waren aber auch neue Rückgänge festzustellen, die sich etwa im gleichen Ausmaße hielten. Die mehr stimmungsmäßige Besserung vermochte sich aber im Verlaufe nicht weiter auszuwirken, auch konnte sich eine größere Umsatztätigkeit nicht entwickeln, da die Zurückhaltung noch nicht überwunden ist. Am Montanmarkt wurden fester: Bochumer plus 1, Buderus und Harpe- ner je plus 0,5, Mannesmann plus 3 Proz. Deutsch- Lux und Gelsenkirchen blieben zunächst unverändert. Rheinstahl, Riebeck und Kali-Westeregeln gaben dagegen 1, 0,5 bzw. 2 Proz. nach. Am Chemie- markt behielten I. G. Farben ihre unsichere Haltung bei. Nach anfänglichen Schwankungen wurde die "erste Notiz auf 331* Proz. festgesetzt. Scheideanstalt minus 1,5, Holzverkohlung minus 0,5 Proz. Elektroaktien lagen ruhig und kaum verändert. Nur Siemens gaben erneut 2 Proz. nach. Der Bankenmarkt hatte etwas lebhafteren Verkehr. An der Spitze standen Darmstädter, die 5,5 Prozent anzogen. Metallbank plus 1,25 Proz. Die übrigen Werte dieses Gebietes waren behauptet. Schiffahrtsaktien bröckelten weiter ab. Ha- pag minus 1,25 Proz. Bauaktien leicht erholt. Wayß & Freytag plus 1,5 Proz. Zuckeraktien lagen uneinheitlich, aber überwiegend leicht anziehend. Stärker befestigt waren Frankenthal plus 1,87 Proz., dagegen Waghäusel minus 0,75 Proz. Motorenwerke leicht erholt. Zellstoff- a k t i e n stärker aufgebessert. Aschaffenburg plus 2,25 Proz., Waldhof plus 3,5 Proz. Oelwerte neigten jum Nachgeben. Maschinenaktien kaum verändert. Von ausländischen Renten waren Anatolier in einer neuen Aufwärtsbewegung begriffen. Deutsche Anleihen wurden etwas reger umaefetzt, jedoch ohne wesentliche Kursbesserungen. Im Freiverkehr war das Geschäft luftlos und die Kurse kaum verändert. Der spätere Verlauf brachte keine wesentlichen Aenderungen. Die Slurfe hielten sich auf dem leicht erhöhten Niveau.
Am Geldmarkt ist die Lage weiter flüssig. Tagesgeld 4 Proz., Monatsgeld 5* bis 6) Prozent. Privatdiskonten 4* Proz., Industrie-Akzepte 47's Prozent. Im Devisen verkehr gaben Paris und Mailand gegen London erneut nach auf 139 bzw. 116. Das englische Pfund stellte sich gegen Kabel auf 4,8494. Die Reichsmark notierte gegen Kabel 4,2135.
Törientnrie.
D«um:
5% Deutsche Reichsanleihe . 4% Deutsche Reichsanleihe . 3V.% Deutsche Reichsanleihe 3% Deutsche Reichsanleide . Deutsche Sparprämicnanieih« 4% Preußische Konsuls . . . 4% Hessen...........
3'A% Hessen..........
3% Hessen...........
Deutsche Wertb. Dollar-Aul- dto- Doll.-Schatz-Antreisng. .
47o -iolltürken 6% Goldmenkaner Berliner Handclsqesellschqtt- Commerz- und Prrvat-Bank. Tann ft. und Nationalbank . Deutsche Bank.........
Diskonto Commandit . . . . Dresdner Bank........
Metallbank...........
Mitteldeutsche Kreditbank. . Ocsrerrcichischc Kreditanstalt. Rcichsbank...........
Bochumer Guß........
Buderus............
Caro..............
Dculsck-Luremburg......
Gelsenkirchener Bergwerke. . Harpener Bergbau......
.Naliwcrkc Aschersleben.... Kaliwerk Westeregeln.....
Laurahültc...........
Mannesmann Mansicldcr Oberbedarf Phönix Bergbau Rheinische Braunkohlen. . .
Rheinstahl Riebeck Montan Tellns Bergbau Bereinigte Stahlwerke.... Hamburg-Amerika Paket. . . Norddeutscher Lloyd.....
Cheramische Werke Albin . . Zementwerk Heidelberg . . . Philipp Holzmann......
Anglo Cont Guano Chemische Mayer Alapiu. . . «Goldschmidt..........
Holzverkohlung F G- Karben-Industrie. . . Rütgcrswcrke.........
Schcidcanstalt Allg. Elektrizitäts-Gesellschaft Bergmann...........
Elektr. Lieferungen......
Licht und Kraft........
Mainkroftwcrke........
Schuckert............
Siemens & Halske......
Adlcrwerke Kleyer......
Daimler Motoren Hcyligenftacdt.........
Meguin.............
Mannheimer Motoren ....
Frankfurter Alinaturen . . . Konservenfabrik Braun . . Metallgescstschaft Frankfurt. Pct. Union A.-G........
Schuhiabrik Herz.......
Sichel..............
?>cllstoff Aschaffenburg.... Wellston Waldhof.......
Zuckerfabrik Frankenthal . . Zuckerfabrik Wagl-äusel . . .
Frankfurt a.M
Berlin
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| 17.62
—
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—
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—
243
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205.5
204
203.75
205.9
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178
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—
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167
168
168
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—
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—
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—
—
-
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—
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—
—
331.5
331,5
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—
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—
—
162.5
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—
159.4
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—
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151
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—
—
—
159.5
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159
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198
198
197,75
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109
109,5
108,75
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109,25
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—
—
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—
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—
41,75
—
16
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179
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—
123
—
122
—-
65
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—
4,75
145.75
147.25
—-
225
228
225
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95.5
97,9
95,13
119
119
119,25 I
—
Devifenmartt Berlin—Frankfurt <l M.
Telegraphische Auszahlung.
23. Novbr.
24. Novbr.
Amtliche Notierung
Amtliche Notiernna
Geld
Briet
Geld
Bries
Amst--Roti-
168,23
168,65
168,21
168,63
Bucn- Aires
1,709
1.713
1,708
1,712
BrN'Antw
68,53
68.67
58,54
58.68
Christinnia
108,01
108.29
107,57
107,83
Kopenhaacn
112,09
112,37
112,09
112,37
Stockholm .
112,22
112,50
112,21
112.49
Helsingfors-
10,581
10,621
10,578
10,618
d talten . . .
17,70
17,74
17,68
17,72
London. . .
20,40f
20,455
20.401
20,453
Rcuyork . .
4,208
4,218
4,2075
4,2175
Paris....
14.90
14,94
14,53
14,57
Schtvei; . .
81,10
61,30
81,10
81.30
Svaiucn.
63.67
63.83
63.74
63,90
Japan . . .
2,067
2,071
2,067
2,071
Rio de Jan.
9,512
0.514
U.52O
0.522
Wien in D-- Ccft. abgcst
59,965
59,505
59,37
59,51
Prag . 7 . .
12,459
12,499
I2,4o7
12,497
Belzrad . .
7,422
7,442
7.422
7,442
Budapest. .
5.892
5,912
o,88S
5,908
Bulgarien
3,037
3,047
3.037
3,047
Lissabon . .
21,525
21,575
21,525
21,575
Danzig. . .
81,61
81,81
61,64
81,84
Konstantin.
2,123
2,133
2,12
2,13
Athen. . .
5.23
5.25
5,23
5,25
Kanada .
4.212
4.222
4,212
4,222
Nru uay . -
4.175
4.185
4.175
4.185
Cairo . .
20,924
20.976
20,924
20,976
Banknoten.
Berlin, 23 Novbr
Geld
Briet
Slmcriknnilche Noten.....
Äelgische Noten..... . .
Dänische Noten .......
Englische Noten........
Französische Noten......
Holländische Noten...... Italienische Noten......
Norwegische Noten......
Deutkch-Oesterr-, ä HM) Kronen Rumänische Noten......
Schwedische Noten......
Schweizer Noten.......
Spanische Noten.......
Tschechoslowakische Noten . . Ungarische Noten.......
4.198
58.40 111.87 20.367
14,92 167.88
17,66 107.88
59.28
2,28 111,92 80,90 63.49 12,425
5.852
4,218 58,70
11'2,43 20,467
15,00
168.72
17,74 108.42
59.68
2.32
112,48
81,30
63,81
12,485
5.892
Berliner Börse.
Berlin, 24. Nov. Die Tendenz der heutigen Börse zeigte teilweise ein freundlicheres G e - sicht. Im ganzen blieb jedoch das Effektengeschäft von allgemeiner Unsicherheit und Zurückhaltung beherrscht. Außer den Papieren, in denen Deckungskäuse stattfanden und deren Sturfc Besserungen erzielten (so Darmstädter plus 3,5, Mannesmann plus 2,75 Proz.), eröffneten die Werte nur in wenig befestigter Haltung. Infolgedessen war die Gesamtentwicklung des Kursniveaus nicht ein- heillich, und die Mehrzahl der Veränderungen war auf 1 bis 1,5 Proz. nach beiden Seiten beschränkt. Der Anleihemarkt zeigte behauptete Tendenz, ebenso die Nebenmärkte. Verschiedene M a - schinen - und Metall-Aktien wurden lebhafter umgesetzt (Drenftein, Ludwig Löwe usw.). Am Geldmarkt hält die Flüssigkeit an. Tagesgeld 5, Monatsgeld 6 bis 7 Proz. Im Devisen- verkehr war Paris erneut stärker abgeschwächt auf 140,50 bis 141 gegen das Pfund. Auch Mailand neigte zur Schwäche. Oslo stellte sich gegen London auf 18,98. Die übrigen Valuten waren nicht wesentlich verändert.
Frankfurter Getreidebörse.
Frankfurt a. M., 24. Rov. Es wurden notiert: Weizen. Wetterauer, 29,75 Mk.; Roggen, inländischer, 24,75; Sommergerste für Drauzv^cke
24 bis 26,50, Hafer, inländischer. 19,50 bis 20; Mais, gelb, 19.50; Weizenmehl, inländisches. Spezial 0, 41,50 bis 41,75; Roggenmehl 35 bis 35,75; Weizenkleie 11,50; Roggenkleie 12. Tendenz: Ruhig.
Berliner Produktenbörse.
Berlin, 23. Nov. Die Preissteigerungen an den nordamerikanischen Märkten übten im Berliner Weizengschäft einen ausschlaggebenden Einfluß, da die Gestattung der argentinischen Forderungen wegen des dortigen günstigen Weizenstandes "im Augenblick noch wenig übersichtlich erscheint. Die Tendenz war wohl stetig, ging aber im Termin- handel über den Vortagsschlußstand, bei relativ kleinen Umsätzen,' nicht hinaus. In Roggen bleibt das Inland mit seinem Offertenmaterial sehr zurückhaltend und in den Forderungen erhöht. Die ziemlich kräftige Deckungsfrage bestätigte erneut und bewilligte im Zeitgeschäft Aufgelder von 2 Mark, für spätere Monate von 1,75 Mark. Gerste matt. Hafer gut gehalten. Von Mehlen zeigt sich etwas Frage nach Roggenmehl, allerdings zu unveränderten Geboten. Es notierten (1000 Kilogramm): Weizen, märkischer, 274 bis 277 Mark; Roggen, märkischer, 227 bis 233; Sommergerste 220 bis 250; Wintergerste 195 bis 208; Hafer, märkischer, 178 bis 188; Mais, loco Berlin, 195 bis 199; (100 Kilogramm): Weizenmehl 35,75 bis 38,75; Roggenmehl 32,75 bis 34,50; Weizenkleie 12,25; Roggenkleie 12 bis 12,25; Viktoriaerbfen 56 bis 60; kleine Speiseerbsen 32 bis 35; Futtererbsen 21 bis 24; Peluschken 20 bis 22; Ackerbohnen 21 bis 22; Wicken 23 bis 25; Lupinen, blau, 14 bis 15; Lupinen, gelb, 14,50 bis 15,50; Serradelle, neu 21 bis 22,50; Rapskuchen 15,80 bis 16; Leinkuchen 20,40 bis 20,60; Trockenschnitzel 9,50 bis 9,60; Soyaschrot 18,80 bis 19,30; Kartoffelflocken 25 bis 25,50 Mark.
Buntes Allerlei.
Zobelzucht.
Die immer mehr in Aufnahme kommende Zucht von Pelztieren hat nicht nur beim Silberfuchs, sondern auch beim Marder gute Erfolge erzielt. Wie aber steht es mit dem kostbarsten Pelztier, dein sibirischen Zobel? Diese Frage ist noch recht ungeklärt. Daß der Zobel in der Gefangenschaft zur Vermehrung zu bringen sei, wird zwar vielfach, so auch im „Brehm", behauptet, aber diese Angabe ist leider völlig unverbürgt. Die russischen Zobelfarmen, die während des Krieges eingerichtet wurden, haben keine Erfolge gezeitigt; auch die Petersburger Versuchsstation, die jetzt von neuem die Zucht des Zobels aufgenommen hat, ist noch ohne sichere Ergebnisse. Trotzdem behaupten die besten Kenner dieser Tiere nach wie vor, daß eine Zuchtmöglichkeit besteht, ja, daß sogar die Zobelzucht leichter fei als die des «Silberfuchses. Man sollte daher auch in Deutschland solche Versuche unternehmen. Wenn auch die Temperaturunterschiede zwischen ihrer Heimat und unseren Gegenden ungeheuer groß sind, so bleibt es doch wesentlich, daß die Rollzeit in den Januar, also in unsere kälteste Zeit, fällt, und m dkeser Epoche erlangt das Zobelfell die höchste Schönheit. Jedenfalls ist die Zobelzucht eine dringende Forderung, denn unter den jetzigen Verhältnissen steht diesem Pelzwild der Untergang bevor, wenn es nicht gelingt, dem Wilderertreiben durch strenge Maßnahmen Einhalt zu tun, oder durch die erfolgreiche Aufzucht das Aussterben dieser kostbaren kleinen Pelzträger verhindert wird.
Elektrische IHannequins.
Die Schaufenster einiger großer Modegeschäfte • in Paris und London bieten jetzt ein Schauspiel, das große Menschenmengen fesselt. Wo man früher gewohnt war. die Modepuppen in mehr oder weniger natürlicher Haltung stehen, sitzen oder liegen zu sehen, da sieht man jetzt bewegliche Figuren, die sich in ihrer kostbaren Kleidung höchst natürlich bewegen. Eine solche Gestalt, in einem goldgestickten Kimono gekleidet, hält in der schmalen Hand eine lange Zigarettenspitze, in der eine brennende Zigarette steckt; sie zieht an der Spitze und bläst eine Rauchwolke aus ihrem Mund. Andere elegante schlanke Gestalten, in die neuesten Abendkleider oder schwere Pelze gekleidet, wandeln graziös Durch den Raum, drehen sich um ihre eigene Achse wie ein richtiger Mannequin und lassen sich so von allen ©eiten bewundern. Diese „lebendigen Mannequins" sind neue in Paris erfundene Mechanismen, die durch elektrische Motoren im Innern getrieben werden. Der Rauch, der aus dem Mund der Schönen kommt, wird durch Chemikalien im Innern hervor gerufen. Die Gesichter find außerordentlich realistisch gearbeitet. Die Puppen haben sehr sorgfältig tyergeftellte Gebisse und Perücken aus Menschenhaaren. So ist die Illusion ganz erstaunlich und der Erfolg dementsprechend groß.
Der „Starost" der Meere.
Die Seeküste, die Polen besitzt, ist zwar nur ein enger Streifen der Ostseeküste von etwa 70 Kilometer, aber zum Gebieter dieser Küste, an der nur wenige, den Polen nicht gerade freundlich gesinnte kafchubische Fischer wohnen, ist jetzt ein General ernannt worden, der den pompösen Titel „Starost der Meere" führt. Pilsudsky hat einen seiner Getreuen mit dieser Stellung bedacht, die die Seegeltung Polens wenigstens in einem Namen ausdrücken soll, wenn auch sonst nichts dafür vorhanden ist. Der „Starost der Meere" ist offiziell dem Woy- woden des nordwestlichen polnischen Gouvernements Pomorze unterstellt, bezieht aber selbst das Gehalt eines Woywoden und erhält seine Befehle direkt von Warschau. General M. Zaruski, der neue „Starost der Meere", blickt auf eine wechselookle Laufbahn zurück, die chn mit dem von ihm beherrschten nassen Element nur wenig in Berührung gebracht hat. Er stammt aus der Ukraine und ist in seiner Jugend einmal auf See gefahren. Nach einigen Reisen kehrte er zurück, heiratete und eröffnete in der Tatra ein Gasthaus, in dem er besonders den Wintersport pflegte und sich um die Einführung des Skilaufes verdient machte. Während des Krieges tat er Dienst in Pilsudskys Legion, wurde bann Offizier der polnischen Armee und war Adjutant des Präsidenten Wojciechowsky. Er gehört stets zu den Getreuen des Marschalls, und so hat ihn beim jetzt Pilsudsky zu dieser besonderen Ehrenstellung auserkoren.
Vüchertisch.
— DerheiligeAlltag. Deutsche bürgerliche Dichtung 1770—1870. Gesammelt und eingelötet von Ernst Lissauer. 323 Setten 8°. Propyläen-Verlag. Berlin. — Der Sinn dieser Anthologie wird vom Herausgeber in drei Gedanken gefunden. Das Buch soll eine Sammlung guter Gedichte geben, es soll die innere Verbundenheit einer Reihe von Dichtern über Landschaft und Geschlechterfolge hinweg aufzeigen und soll endlich ein deutsches Kulturblld entwickeln. Denn man
das Ganze in sich ausgenommen hat. den Emzel- stimmen dieses großen Konzertes mit dein innerrr Ohr aufmertfam gefolgt ist, und wenn endlich das Auge in den eingestreuten Reproduktionen (nach Spiyweg. Runge, Kersting, Steinle u. a.) gleichsam die sinnfälligen, äußeren Hilfen, die sichtbare 'Notenschrift dieser lyrischen Melodie gefunden hat, dann wird man sagen müssen: es ist ein gutes Buch. eins, das man bei aller Vertrautheit mit seinem Inhalt, in dieser Form und mit dieser Bestimmung als etwas Desonderes. Reues, Eigentümliches, in jedem Falle aber etwas Wertvolles und ganz Deutsches empfindet. Das deutsche Bürgertum des Jahrhunderts zwischen 1770 und 1870 bedeutet in diesen Gedichten mehr als einen soziologischen oder gar politischen Begriff, es bedeute! eine geistige Form, einen deutschen Stil. Die Anthologie gliedert sich in die Abschnitte „Das Haus". . Die Familie", ..Kalender", ,,5ag und Tagewerk", „ Freunde und Gäste", „Aus-- klang". Schiller. Goethe. Claudius. Eichendorff, Hebbel. Mörike. Keller. Storm — das find nur ein paar Dichter, die man hier findet, die hier nicht fehlen dürfen; der Maler gedachten wir schon. Es bleiben noch die weittchichtige. literarische Einführung Lifsauers. Mundarlerklä- rungen und sorgfältig gearbeitete Register lobend zu erwähnen. 679
— 3n einem Aufsatz in Heft 10 der ..E uro- Päischen Gespräche" (Deutsche Verlags- Anstalt, Stuttgart und Berlin) legt der frühere Militärattache der Zaren- und Kerenski-Regierung in Tokio, Generalmajor Vakhontoff, bic fernöstliche Politik Rußlands bar. 21. Vagts gibt einen weitausholenden Ueberblid über den Sinn und die jüngstzeitliche Anwendung der Gleichgewichtspolitik, die nach Wilsons Fehlschlag ihre Renaissance erlebt hat. 3m DolumLn^enteil findet der außenpolitisch Interessierte die Texte der jungst abgeschlossenen Verträge: des russisch- litauischen, des italienisch-rumänischen, des italienisch-spanischen, die Protestnote 2lbessiniens beim Völkerbund gegen die zwischen Italien und England über seine Wasserkräfte getroffenen Abmachungen und manches andere mehr, wodurch sich diese Zeitschrift als außenpolitisches 2311- dungs- und Quellenwerk fortdauernd qualifiziert.
— Reichs-Telegramm-Adreßbuch. 4. Ausgabe, 1400 Seiten, Lexikon-Formal, geb. 38,50 Mk. Verlag: Reichs-Telegramm-Adreßbuch nach amtlichen Quellen bearbeitet G. m. b. H.» Berlin SW. 19, Leipziger Straße 76. — Die 4. Ausgabe des auf Grund eines Vertrages mit dem Reichspost * Ministerium herausgegebenen Reichs-Telegramm-Adreßbuches ist soeben erschienen. Die neue Ausgabe ist durch ein vollständiges Dezugsquellen-Verzeichnis ergänzt, das sämtliche Inhaber von Telegramm-Adressen nach Branchen geordnet enthält. Das alphabetische Branchen-Verzeichnis, das für den Auslandgebrauch in alle Welthandelssprachen übersetzt ist, umfaßt ca. 12 000 Branchen. Die Zusammenstellung des Werkes ist nur auf Grund der vom Reichspostministerium gelieferten amtlichen Unterlagen erfolgt. 689
— Hans Reiser. Batsuma. Eine Donquichotterie aus Schwabing, Berlin, Deutsche Buch-Gemeinschaft. — Georg Deschl — oder wie er sich zu nennen Pflegt: Batsuma von Landen — leidet an Perzeptionsphantasmen, die auf Reiz- zustände in den Sinneszentren zurückzuführen sind. Wahrend er in bettlerhafter Verfassung die Straßen von Schwabing und seiner Umgebung auf» und abwandert, glaubt er sich in die 2ltmo- sphäre der Tropen versetzt, wobei er in tönenden Redensarten erstaunliche ethnologische Kenntnisse entwickelt. Es ist völlig unmöglich, auf fein halluzinatorisches Denken irgendwelchen Einfluß zu gewinnen. Zuweilen geschieht es, daß die Intensität seiner Sinnestäuschungen abnimmt, daß er zu normalen Urteilsbildungen gelangt, die in nachtwandlerischer Sicherheit die Fehler und Schwächen der Menschen beleuchten. Mißhandlungen, die chm in reichlichem Maße zuteil werden, nimmt er mit stoischem Gleichmut auf. Auch metaphysischen Tröstungen ist er zugeneigt. Obgleich er keine Anstrengung scheut,. auf seiner seltsamen Wanderfahrt taktfesten Schritt zu halten, bringen ihn Hunger und Elend gänzlicher Zerrüttung, ja dem Untergang nahe. 3m letzten Stadium erbarmt sich seiner ein menschenfreundlicher Arzt und verschafft ihm ein behagliches Unterkommen. Der Qkrfaffer rollt eine Fülle spannender und farbenprächtiger Situationen auf. Die Gegenwart wird mit flutendem Lichtstrom beleuchtet. Das Buch ist bei aller Phantastik, die darin lebt, durchaus aktuell. Das Beste, waS man von ihm sagen Fann, ist: daß es bedächtige Leser zum (Nachdenken führt. 493
Alfred Bock.
— Friedrich Grave: Chaotica ac di vi na. (Verlag Eugen Diederichs in Jena.)
Das geistige Riveau ist bedeutend und erlaubt de facto, die psychologischen Probleme, einschließlich der psychoanalytischen, neu einzuordnen, weil diese Probleme ihren: Sinne nach doll verstanden und innerlich assimiliert sind. Zugleich ist die Unterscheidung zwischen geistigen Akten und nur intellektuellen Vorgängen völlig gelungen; auch ist klar herausgestellt, wie wirkliche Erkenntnis immer auf das Rotwendige gebt Als eigentliche Basis für das Erkennen erkennt der Verfasser das Eingehen-Können auf den Rhythmus des Objekts. Damit wird die Möglichkeit des Erkenntnisbereichs in eine feste Beziehung zum Rhythmus der einzelnen Persönlichkeit, zur „Substanz" des einzelnen Menschen gebracht. 3n dieser einen Hinsicht sieht der Verfasser zu eng, obwohl gerade die Engigkeit seines Gesichtsfeldes die Schärfe bedingt, mit der die Probleme der menschlichen Tiefe hier umrissen sind. Er sieht insofern hier zu eng, als Substanz vom Gesichtspunkt des wirtlich zum Menschentum Erwachten in allen Fällen zwar das Format vorbedingt. zu dem der einzelne Mensch erwachsen kann. Aber nur dieses. Dicht aber kann von hieraus über den möglichen Zugang zum Geist an und für sich entschieden werden. Jedenfalls kann dies vom Standpunkt schöpferischen Wirkens nicht zu- gelassen werden. daß es so, ist — selbst wenn sich dies in fast allen Fällen der empirischen Wirklichkeit als wahr erweisen würde. 3m tiefsten richtig ist die Darstellung der kosmischen Schuld und des pathologischen Ortes im Lebensraum der Seele. Hier wird keiner, der den innerseelischen Ansah- puntt der Krankheit lösenden Kräfte kennt, anderes erfahren haben. So findet man vor allem die stets nach neuen Realisierungen strebenden Kräfte des menschlichen Lebens in dieser Schrift bestätigt.
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