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die Zufallsmehrheit einer Abstimmung in Genf verwehrt worden ist oder nicht. So wird nie­mand im Ernste glauben wollen, daß sich ein Land wie England, das wiederholt von einer Kohorte kleiner Staaten, die in Frankreichs Fahr­wasser segelten, überstimmt wurde, die Festlegung in solchen Fällen als völkerrechtlich bindend an­erkennt.

löenn man des weiteren erfährt, dah die Mehrzahl der Beschlüsse in unmittelbarer Ab­hängigkeit von rein politischen Wünschen gesaht worden ist, so geht auch hieraus hervor, dah es sich in der Tat um recht brüchige Maßnahmen handelt. 3n erster Linie ist es F r a n k r e i ch ge­wesen. das sich mit Hilfe ergebener Anhänger eine Abstimmungsmehrheit so gut wie gesichert hatte und ganz offenkundig für die Verwirk­lichung seiner politischen Ziele kämpfte. Frank­reichs Vorgehen ist es demnach zu danken ge­wesen, wenn die einfachsten militärischen Grund­sätze politischer Auswertung unterliegen muhten. Frankreich hat mit Hilfe seiner Tra­banten alles getan und nichts unterlassen, um seine eigene Macht zu stärken, Teutschlands Be­deutung hingegen klein zu halten. Cs strebt ganz unverhüllt dem Ziele zu, die unbestritten mili­tärische Vormacht im Völkerbünde zu werden. Es hat durch die Blume erklären lassen, dah es solange nicht an eine Herabsetzung seiner Reserve­bestände an Mannschaften und an die Verringe­rung seiner Wehrmacht an sich denken könne, als thm die Aufgabe zufiele, für den Frieden in Europa aufzukommen.

Die Gründung eines Zentralbureaus beim Völkerbund, dem eine Rachrichtensammel- und Austauschstelle angeschlossen werden soll, wird Frankreich ebenfalls für seine Zwecke aus­nutzen, um sich eine Art internationalen Gene­ralstabs zu schaffen. Las Bureau ist von der Hnterkommisfion bereits genehmigt wordeir Man hat auch festgelegt, dah es überraschende Untersuchungen an Ort und Stelle auf Anzeige irgendeines Staates hin vornehmen solle, damit auf diese Weise dir beschlossenen Abrüstun^smahnahmen nicht umgangen würden. 3m Verein mit anderen Staaten habrn die deut­schen Vertreter darauf hingewiesen, dah die Durchführung derartiger Maßnahmen lediglich dazu dienen würde, die Völker gegeneinander aufzubringen, die Spionage zu begünstigen und die Verletzung militärischer Geheimnisse zu för­dern. Außerdem sei es mit der Würde und der Souveränität eines Staates nicht vereinbar, wenn solche Kontrollen vorgenommm würden. Trotz dieser Einwendungen hat die Hnterkommisfion beschlossen, der Abrüstungskonferenz die Ein­setzung des erwähnten Zentralbureaus mit allen Gerechtsamen zu empfehlen, ein glatter Triumph Frankreich!

Es kommt aber noch besser. Bei Prüfung der Frage, wie der Begriff der F r i e d e n s r ü st u n- g en zu umschreiben sei, hat die Hitterkommission erklärt - und diese Erklärung würde selbst den Weisen Ben Akiba in Erstaunen versetzen dah weder militärisch ausgebildete Reserven, noch in Depots lagerndes Kriegsgerät, ebensowenig die Organisation von Mobil- »nachungsbehörden Einrichtungen darstellten, die als Friedensrüstungen zu bezeichnen wären. Hin­gegen sei anzuerkennen, dah Polizeitruppen aller Art, Gendarmerie, Zoll- und Forstbeamte als Zähler der Friedensrüstungen zu gelten hät­ten; ferner alle Verbände, die auf Grund ihrer Zusammensetzung, Stärke, Ausbildung, Be­waffnung und Ausrüstung .ohne weitere Mobil- machungsmahnahmen als Feldtruppen verwendet werden könnten. Rach unserer Ansicht wird das Ziel der Abrüstung durch derartige Festset- jungen in nebelhafte Fernen verwiesen, denn die Bedeutung der ausgebildeten Reserven wird ebenso wie die Frage der Bedeutung des Kriegs­materials auf den Depots in einer den tat­sächlichen Verhältnissen schroff widersprechender Weise herabgesetzt. Offenbar beabsichtigt Frank­reich die Millionen seiner auf Grund der all­gemeinen Wehrpflicht ausgebildeten Reservisten gegen das auf das freiwillige System ohne ' Reservisten angewiesene Deutschland jeder vergleichenden Bewertung zu entziehen. Daß die Erfahrungen des Weltkrieges die Bedeutung des Materials an erste Stelle rucken, scheint von l Frankreich übersehen zu werden. Dabei rüstet es selbst auf das fieberhafteste und unterläßt 5 nichts, um sein Kriegsgerät zu vervollständigen und zu vervollkommnen. Rur Deutschland ' soll hiervon ausgeschaltet werden. Es steht unter dem Zwange von Versallles und ist dem­nach an sich schon, was die Derellstellung von Äriegsgerät betrifft, von engsten Fesseln be­schwert.

Hm auf alle Fälle gesichert zu fein, ist Frank­reich aber noch weiter gegangen. Es hat sich

den Grundsatz anerkennen lassen, dah unter den Begriff ausgebildeter R.s.rvisten nicht nur solche Mannschaften fielen, die unter der Fahne gedient haben, sondern daß hierzu das gesamte technisch ausgebildete Personal eines Staates zu rechnen sei. Was Frankreich hiermit bezweckt, liegt auf der Hand. Es will gegebenen- falls ein Mittel haben, um seine eigenen, mili­tärisch durchgebildeten Reservisten gegen angeb­liche Reservebestände Deutschlands aufrechnen zu können.

Betreffs der chemischen Kriegsfüh­rung hat die Hnterkommis.ion beschlossen, sämt­liche Staaten sollen künftighin verpflichtet sein, mit all ihren chemischen Erzeugnissen demjenigen zu helfen, der von einer anderen Macht mit der verbotenen Gaswaffe angegriffen würde. Der Er­folg wird unseres Erachtens der fein, dah dadurch die sogenannte Sanktion gegen den Gaskrieg zum verschärften Gaskrieg führen wird.

Auch in Fragen der Luftstreitkräfte hat Frankreich es verstanden, s inen Vorteil voll zu wahren. Es hat dem seltsamen Grundsatz Anerkennung verschafft, daß zwischen der zivilen und militärischen Luftfahrt eine Hnterscheidungs- möglichkeit nicht bestünde. Man müsse vielmehr dem ZivUluftfahrpersonal einen militärischen Wert zumessen. Auch mit dieser Auslegung ist Deutschland am schwersten betrof- f e n worden, da es über militärische ßuftftreit» fräfte überhaupt nicht verfügt.

Hnsere kurze Betrachtung zeigt uns, dah die Hnterkommissivn ganze Arbeit geleistet hat, um Frankreichs Vormachtstellung zu sichern. Deutsch» land hingegen milllärisch weiterhin zu verge­waltigen. Die Völterbundstagung hat zwar ein gewisses Einsehen bewiesen, indem sie bestimmte, es solllen künftig lediglich technische Gesichts­punkte bei den Beratungen über Abrüstungs­fragen gültig fein. Ferner ist von der Tagung bestimmt worden, daß den Mehrheitsbeschlüssen die Ansichten der überstimmten Staaten beigefügt werden sollten. Ob hierdurch reinlichere Ver­hältnisse geschaffen werden tonnen, muß dahin­gestellt bleiben. Wir glauben es nicht. Allzu unverhvlen pocht Frankreich auf seine Macht. Hnd so lange es von seinen Trabanten nicht im Stich gelassen wird, wird es auch kaum ein ande­res Verfahren einschlagen.

Peruanischer Brief.

Von unserem P-Derichterstatter. (Rachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten!)

Lima (Peru), Ende Oktober 1926.

Der Streit zwischen Peru und Chile um das Tacna-Arica-Gebiet, der immer wieder auch in die große Politik hineinspielt, hat trotz aller Vermittlungsaltionen immer noch keine Er­ledigung gesunden. Diese Landstriche zwischen den beiden wichtigsten Staaten der südamerikani­schen Westküste, um die sich früher niemand recht gekümmert hat, sind nach der Entdeckung der Möglichkeit, aus ihren ausgedehnten Wäldern Kautschuk zu gewinnen, zum ständigen Zank­apfel und Hnruheherd geworden. Der Versuch einer nordamerikanischen Kommission unter dem Vorsitz des Generals L a s s i t e r, eine Volks­abstimmung durchzusühren, ist durch die Heberfälle, Gewalttätigkeiten und Sabotageakte aller At, die der peruanische Präsident L e g u i a in seiner Rede bei der Erö snung des Kongresses Chile noch einmal leidenschaftlich vorgeworfen hat, völlig gescheitert, so daß Lafsiter die Hnmöglichkeit seines Vorhabens einsah und das Land verlieh. Die Peruaner haben das Feld geräumt und den zurückgekehrten peruanischen Abstimmungsleiter Freyre Santander mit großer Begeisterung empfangen. Wenn man je­doch überlegt, welchen Erfolg die künstlich ge­schürte Volksbegeisterung und das mit vollen Händen hinausgeworfene Geld gehabt hat, so steht man vor einem Nichts. Vielleicht kommt für Peru noch einmal die Zeit der Ernte; jetzt ist wieder chilenisches Militär in die strittigen Gebiete eingerückt und dürfte wohl sobald nicht wieder hinauszubekommen sein.

Der Tacna-Arica-Streit hat nicht nur poli­tische Folgen für Peru gehabt, sondern sich auch in starkem Matze aus die ganze wirtschaft­liche Lage ausgewirkt. Denn der Kursrückgang des peruanischen Pfundes ist zu einem erheb­lichen Teil auf die Politik der Regierung zu­rückzuführen, die, um alte Löcher zuzustopfen, neue weit größere ausgerissen hat. Der Haus- hallsplan des Staates war zwar nach außen hin immer int Gleichgewicht, aber am Ende jedes Haushaltsjahres war regelmäßig ein Defizit vorhanden, das dann durch Anleihen in London oder Reuhort gedeckt wurde. Zur Sicherheit sind entweder Teile der Goldreserve oder Steuern

und Zölle verpfändet worden, so dah der perua­nische Staat heute nur noch über wenige Ein­nahmequellen dieser Art direkt verfügen kann. Der Hauptgrund für die schlechte Bewertung der Peruanischen Währung ist das gesunkene Ver­trauen in die Politik der Regierung, denn noch jetzt hat Peru eine Golddeckung von etwa 75 Prozent für das ausgegebene Papiergeld. Auch die Handelsbilanz Perus weist zahlenmäßig einen beträchtlichen Exportüberschuß aus, doch ist diese Aktivität nur mit erheb­lichen Einschränkungen für das Land wirksam. Die großen Expor.gewinne, die bei der Ausfuhr fast der gesamen Erdölindustrie und eines großen Teiles der Daumwoll- und Zuckerproduk­tion erzielt werden, bleiben restlos im Auslande, da diese Wirtscha.tszweige in ausiändifchcr Hand si,rd. 3nsbesondere steht die Erdölindustrie völlig unter nordameri.aniichem Ein luh. Hinzu kommt, dah zahlreiche wegen poetischer Gegnerschaft des Landes verwiesene Familien, die gerade zu den reichsten zählen, ihre Einkünfte aus Grundbesitz und Landwirtschaft in Frankreich ober England verzehren. Natürlich spielt auch eine gewisse Spekulation mit hinein, die von Reuyor! aus die Kursschwankungen des Peruanischen Pfundes mit Geschick zu ihrem Vorteil auszunutzen weih.

Aeuherlich hat Peru und vor allem die Hauptstadt Lima in den letzten 3ahren einen außerordenllichen Aufschwung genommen. Wenn man von Lima nach dem Hasenort Callao auf der breiten Asphaltstraße, der Avenida Progreso, hinuntersährt, so sieht man zu beiden Seiten eine große Anzahl von Reubauten, die von Siedlungs­gesellschaften, fogenanntenurbanisaciones er­richtet worden sind. Rings um Lima entstehen neue Vorstädte, die durchweg aus kleinen mo­dernen Ein- bis Zweifamllienhäusern bestehen, wodurch die allgemeinen Wohnungsverhältnisse erheblich gebessert und die Bestrebungen zu einer gewissen Citybildung sehr gefördert worden sind. Während noch vor fünf Fahren die Hauptver­kehrsstraßen riesige Löcher im Katzenkopfpflaster aufwiesen, über die hochbeladene zweirädrige carretas schwankten, verkehren jetzt überall Last­autos und unzählige Autobusse neben den vielen Privatautos, die kaum noch Luxusartikel sind, in den tadellos asphaltierten Straßen. Heber 16 000 Kilometer für Autos fahrbare Chausseen durch das ganze Land, von denen 6000 Kilo­meter schon fertiggestellt sind, sind im Daupro- gramm vorgesehen. Auch ausgedehnte Be­wässerungsanlagen zur Gewinnung neuen Kulturlandes sind zum Teil schon in den letzten 3ahren unter Leitung nordamerikanischer In­genieure ausgell'chrt worden, doch hat die Re­gierung nod> erheblich weitergehende Pläne. Peru hat in der Tat sehr große wirtschaftliche Möglich­keiten, deren rationelle Ausnutzung jedoch immer wieder durch die Politik verhindert oder hintan- gefwlten wird.

Die einheimische 3nbuftrie gewinnt langsam an Boden, wofür die Z e m e n t s ab r ika t i o n ein lehrreiches Beispiel bietet. Wenn auch die Qualität des peruanischen Zements iwch nicht erstklassig ist, so liegt sein Preis doch so weit unter dem des importierten, dah man ein merk­liches Nachlassen der Einfuhr feststellen kann. Leider wird hiervon besonders Deutsch­land betroffen, das in der Einfuhr an erster Stelle steht. Zur Zeit ist der Bedarf an diesem wichtigsten Baumaterial infolge der zahlreichen staatlichen und privaten Bauten außerordentlich groß. Auch Peru hat sich bei der .Umarbeitung des Tarifs vor drei 3'ahren hinter einer hohen Zollmauer verschanzt. Waren damals auch zu­nächst fiskalische Gründe maßgebend, so ist bei den neuen Aenderungsbestrebungen ein gewisser pro­tektionistischer Einschlag unverkennbar. Eine Kom­mission von Regierungs, 3ndustrie- und Handels­vertretern ist mit der Beratung der Zollsätze beschäftigt und es ist nicht unmöglich, daß die 3mporteure allerlei unliebsame Heberraschungen erleben.

Der deutsche Handel mit Peru hat das während des Krieges verloren gegangene Terrain so gut wie ganz wieder zurückgewonnen, wenngleich die Konkurrenz der Vereinigten Staaten, zum Teil wegen der kürzeren Liefer­fristen und günstigeren Zahlungsbedingungen be­trächtlich geworden ist. 3ntereffant ist es auch festzustellen, welche Anstrengungen England zur Stärkung seines Einflusses macht. Der General- Manager derTimes", Lints Srnjth, der kürzlich auf einer Reife durch Südamerika auch in Peru allen einflußreichen Stellen feinen Besuch machte und ein Bankett gab, tarn nicht nur studienhalber, sondern ausgesprochen als Handelspropagandist. Der Besuch Dr. Luthers, der von der peruani­schen Regierung mit den größten Ehren emp­fangen wurde, hat zweifellos eine ganz ausge­zeichnete Wirkung hinterlassen. Richt nur,

dah Dr. Luther während seines Aufenthaltes auf einem Galadiner beim Präsidenten Gelegenheit! zu einer klugen Rede sand, daß er im Rundfunk zum ganzen Lande sprechen konnte, dah einDr. Luther-Pokal" zwischen einem deutschen und einem peruanischen Fuhballklub ausgetragen wurde, usw., auch nachher wurde manch Zeichen dafür deutlich. 3m Senat fand der Senator Curlettt Worte wärmster Anerkennung für Deutschland, das sich nach einem unglücklichen Kriege durch rastlose Arbeit wieder emporgebracht fcü>e und es ist sicher, dah ganz allgemein eine Stär­kung des deutschem Ansehens und eine Belebung der Beziehungen zwischen Peru und Deutschland angebahnt worden ist.

Oberhessen.

4 Lanvtrcis HUctzen.

n. G r o ß e n - L i n d e n , 23. Rov. Gestern begann hier der Kvchunterricht für die Fvrtbildungsschülerinnen. Der Hnter- richt wird in der Turnhalle erteilt, 20 Mädchen nehmen daran teil.

Lang-Göns, 23. Rov. Der Ge­flügel- und Kaninchen zu chk verein veranstaltete in der Turnhall.' eine Ausstel­lung, Me mit 200 Rummern beschickt war. Die Preisverteilung hatte folgendes Ergebnis. Hühner: Ehrenpreis und 1.Preis erhielten Otto May für Minvrki, Bürgermeister Müller für sc^varze 3taliener, K. Müller für schwarze Zwerg°3taliener, Rich. Kaiser für Lvmpschom, W. Vellen für gelbe 3t limer, Qt Grünebaum. K. Stoll, W. Bing. W. Rausch; 1. Preis unk» 2. Preis: Hch. Zeitz. 3. Preis: £tto Müller; 1. und 2. Preis: W Dem I.; Ebretlvreis und 1 Preis: W Dern II. für rebhubnfarbige 3ta- liener. Tauben: Drei Ehrenpreise: Rich. Kai­ser (Hess. Kröpfer). Kaninchen: Wllh. Merz für Hasenkaninchen zwei Ehrenpreise, 1., 2 und 3. Preise; W. Wagner Tür Silber-Kaninchen Ehrenpreis. 1. und' 3. Preise; W. Merz Ehren­preis für Schwarzloh-Kaninchen; K. Kehr dritte Preis für Schwarzloh. Der Besuch der Aus­stellung war sehr gut.

X Mttenborf (Lahn), 23. Rov. Nachdem die annähernd 100 Reklamationen, bi« aus Anlaß der neuen Lan dzuteilun g durch die Zusammenlegung der Grund­stücke bei 6er Feldberernigungskommis.ion ein­gelaufen waren, zum größten Teil durch münd­liche Verhandlungen erledigt sind, wird demnächst ein Schiedsgericht über die noch schweben­den Fälle en.scheiden. Viele für hiesipe Verhält­nisse übergroße Parzellen wurden w i e- der geteilt; weiter wurde versucht, die Re­klamanten durch Zutei ung von Austauschgeländ« -u befriedigen; wo nachweisbare Härten vorlagen, wurde Abhilfe geschaffen. Die neuen Wege sind jetzt genau abgegrenzt, die gesamte Feld­mark zeigt gegen früher ein völlig verändertes Bild. 3edes Stück Land kann jetzt vom Wege aus erreicht werden, was früher unmöglich war. Der Erwerb von Baugelände ist nun auch viel leichter, da fertig abgegrenzte Bau­plätze itv einer Anzahl vorhanden sind, daß ein Mangel an solchen voraussichtlich in absehbarer Zeit nicht eintreten wird. Vor einigen Tagen fand die erste Verpachtung von Ge­lände der Ausmärker statt, die Pacht­preise bewegten sich zwischen 2 bis 6 Pfennig pro Quadratmeter.

t Grünberg, 23. Rov. Bei der gestrigen Treibjagd in den staatlichen Waldun- ?l e n zwischen Weickartshain und Laubach, Ober- örfterei Riederohmen, wurden 14 Rehe, 3 Hasen. 2 Schnepfen und 2 Füchse geschossen. An der 3agd waren 20 3äger beteiligt.

L Lich, 23. Rov. Zu den landschaftlich reiz­vollsten Punkten m unserer Hmgebung zähl! die Hardt, deren unbewaldeter T.il der volkstürn- Uchste Festplatz der Sicher ist und zu Volksver­sammlungen wie in vergangenen Zecken auch heute noch gern benutzt wird. Mächtige Sichen und Linden von ehrwürdigem Alter laden zur Rast ein und finden immer w edrr die Be­wunderung der Raturfreunde, deren Weg Über die Hardt führt. Daß eine dieser mächtigen Linden zu den bemerlenswertest en Bäu­men der näheren und weiteren Hmgebung ge­hört, dürfte aber nur wenigen bekamt sein, noch weniger die Tatsache, daß dieser jahrhund riealte Recke ferner ganz besonders typischen Gestalt wegen für würdig befunden worden ist zur Aus­nahme in eins der bedeutendsten b o t a n i» und Bieber mit eigner ©emarLmg selbständig zu Pflanzenwelt", einer dreibändigen stattlichen Pflanzenkunde über die g.famt: Pflanzenwelt der Erde. Dort finden wir im 2. Band auf Düte 388 das wohlgelungene Bild des ehrwürdigen Baumes

Das grotze Würfelspiel.

(IRartina DilemarZ

Roman von Franz Lover Kappus.

49 Fortsetzung Nachdruck verboten

Auch Lily ist hier", jprad) sie dann. Leises Un> behagen brannte in der Brust. Doch rasch kam sie darüber hinweg, als sie Carstens Stimme wieder hörte.

Lily?"

Du kennst Lily noch gar nicht", besann sich Julie.

Immer erstaunter wölbte Carsten die Lippen.

Nur Martina kenne ich. Wie geht es Martina?" Ohne die Antwort abzuwarten, trat er zu Julio. ..Du bleibst doch da einige Zett wenigstens?" Seine Mienen zuckten.

Einmal mutz es gejagt werden, dachte Julie. Kurz nahm sie die Unterlippe zwischen die Zähne. 3um letztenmal stiegen weichliche Empfindungen aus. Warm schaute sie Carsten an.

Nur bis zum Abend, Bernhard Carsten. Es geht nicht anders." Julie seufzte verhalten.Wir müssen nach Amerika. Lily ist nach Hollywood ver­pflichtet. Ich reise mit ihr."

Die Hände auf dem Rücken, schritt Carsten zwei­mal auf und nieder.

Das ist ganz drüben, Hollywood?"

Ganz drüben, Bernhard Carsten. In Kalifor­nien, weißt du?"

Und euer Schiff?" Bom anderen Ende der Terrasse klang die Frage.

Die .Prinzessin Mafalda'." Nur eine Sekunde srockte Julie.Uebennorgen schissen wir uns in Genua ein."

Langsam kam Carsten naher.

..Gehen mir vielleicht in den Garten."

Zwischen zwei flammenden Beaten saß Lily auf einer Bank und rauchte eine dünne Zigarette. Träl­lernd sprang sie auf. Unbefangen drückte sie Car­

sten die Hand. Wie herrlich er es hier habe, ver- I sicherte sie. Den ganzen Tag könnte man da herum- I lungern.Wie zum Nichtstun geschaffen ist diese Welt."

Ein paar Wochen vielleicht", lächelte Carsten. Aber ansonsten: immer muß der Mensch eine Be­schäftigung haben."

Womit verbringen Sie eigentlich die Zeit?" fragte Julie. Namenlos lächerlich kam sie sich vor, weil sie Carsten nicht duzte.Immerfort kann man jq nicht in den Büchern stecken."

Das tu' ich auch nicht." Auf einmal wurde Carsten lebhaft. Und er erzählte, wie er sich das Leben eingerichtet hatte. Jeden zweiten oder dritten "Tag fuhr er nach Neapel hinüber. Viele Stunden ging er im Nationalmuseum umher, schauend und staunend.Was es da alles gibt: antike Waffen, Bronzegeräte, Papyrusrollen mit rätselhaften Schriftzeichen lauter versunkene Wellen." Un­ruhig flog sein Blick.Auch dqs waren Menschen aus Fleisch und Blut, auch das waren Menschen wie wir. Jeder hatte seine Freuden, jeder seinen Kummer." Sein Antlitz faltete sich ernst.Vielleicht ist das der einzige Weg, den Frieden zu finden. Alle Unglücklichen sollte man in das National­museum nach Neapel führen."

Der schwarze Diener brachte Erfrischungen: un­wahrscheinlich große Pfirsiche, Ananasschmtten auf Eis, hellgrüne Turkestan-Melonen, dazu leichtes Backwerk in einer edlen Kristalljchale. Roter Chianti fiel in die Gläser.

Noch eine Weile sprach Carsten weiter.

Dann griff er nach seinem Römer.

Aus gute Fahrt!" Sonderbar glänzten feine Augen.Biel Glück drüben, Fräulem Lily! Und auch hier." Stumm nickte er Julie zu.

Die Gläser klangen aneinander.

Mit einem Sag sprang Lily auf die Beine. Ich will doch auch Sorrent sehen", sagte sie, als wundere sie sich über ihre Vergeßlichkeit.Sie sind doch nicht böse, Herr Carsten?" Bezaubernd lächelte sie ihn an, ehe sie ging.

Schweigend schritten Carsten und Julie auf und ab.

Und Carsten erzählte. Wieder sprach er von allem, was er gesehen hatte. Auch über Rom wußte er schon Bescheid. Bramante, Michelangelo und Raffael waren ihm geläufige Begriffe. Aber nur Seine Zunge und sein Gedächtnis redeten. Alle die Schönheit war an ihm vorübergegangen. Allein die Distanz der Jahrhunderte rührte an Win Herz.

Darüber wurde es abend.

Beide Arme voll Blumen, kam Lily zurück.

Die ganze Gesellschaft ist mit dem Motor­boot da," lachte sie atemlos,denke nur, Mama: bie gan^e Gesellschaft!"

Bis zum Molo begleitete Carsten Julie und Lily.

Ein halbes Dutzend Herren brachten die beiden auf das Boot. Laute Stimmen schwirrten durchein­ander. Knatternd hob der Motor an. UebermüUges Lachen scholl darüber. Ein heller Tenor schmetterte die ersten Takte eines Liedes.

Dann warf sich der spitze Bug dem dunklen Wasser entgegen.

Still stand Carsten auf dem Molo, bis der leuch­tende Strich erlosch.

XXXVII.

Ich weiß, daß ich eine komijchs Rolle spiele, yräulem Wklemar. Ich weiß das sehr gut." Bitter verzog Heddenhauien bas Gesicht.Vielleicht ver­achten Sie mich eoen deshalb?

Verachte» ist ein au starker Ausdruck", sagt« Martina und blickte nach der großen Uhr der Bahn­hofshalle. In einer halben Stunde ging ihr Zug. Nur über Ihre Konsequenz staune ich, Herr Hed- denhausen."

Noch schlimmer. Sie kennen doch die Redens­art: Nur Ochsen sind konsequent. Ich danke Ihnen für das Kompliment."

Martina seufzte ungeduldig.

Das heißt: ich soll verschwinden?" Hedden- Hausen blähte den starken Körper.Ach Gott, nun werden Sie ja Ruhe vor mir haben. Wie lange bleiben Sie eigentlich in Harzhurg?"

Wie aus den Wolken gefallen war Martina.

Auch darüber sind Sie informiert?" Heddeichausen nickte Schmerzlich.

Der Fluch des Geldes. Alles ist mit Geld zu machen." Kurz starrte er vor sich hin. Dann zog er mit der Rechten eine tiefe Quart durch die Lust. Nur eines nicht." Und er wiederholte:Wie lange also?"

Drei Wachen, Herr Heddenhausen. So lange habe ich Urlaub."

Drei Wochen.' Heddenhausen verlor den Blick in den vielen drängenden Menschen. Immer neue Massen strömten heran. Frauen, Männer und Kin­der ballten sich vor den sperren. Langgezogen klan­gen die Namen der Stationen. Ferne Lokomotiven pusteten.Uebermorgen reise ich nach Ostende. Ich will es mal mit dem Spiel versuchen." Heddenhausen schwang die Faust hoch.Was bleibt so einem armen Hund anders übrig?"

»Roch niemand ist an gebrochenem Herzen ge­storben; Sie erinnern sich doch, Herr Hedden­hausen?"

Haha", machte Heddenhausen, als freute er sich über die Wendung der Dinge.Sehr gut er­innere ich mich." Beängstigend war der Ton, in dem er das jagte.Keine Sorge, Fräulein Wilemar. Ich vertrage schon etwas."

Der Zug nach Magdeburg, Halberstadt und Harzburg wurde ausgerufen.

Auf Wiedersehen, Herr Heddenhausen."

Martina wandte sich dem Knäuel zu, der durch die Sperre absloh.

Demütig blieb Heddenhausen an ihrer Seite.

Noch einmal Ihre Hand, Fräulein Wilemar! Vielleicht kommt es gerade auf diesen Händedruck an Roulettekugeln sind launenhaft. Ehe man sich's versieht, ist alles beim Teufel* Sein» Stimme wurde brüchig.Nicht bäje fein, Fräulein Wilemar."

Biel Glück, Herr Heddenhausen", sprach Mar­tina beklommen.Auf Wiedersehen."

Heddenhausen lachte verzweifelt.

(Schluß folgt)

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