die Zufallsmehrheit einer Abstimmung in Genf verwehrt worden ist oder nicht. So wird niemand im Ernste glauben wollen, daß sich ein Land wie England, das wiederholt von einer Kohorte kleiner Staaten, die in Frankreichs Fahrwasser segelten, überstimmt wurde, die Festlegung in solchen Fällen als völkerrechtlich bindend anerkennt.
löenn man des weiteren erfährt, dah die Mehrzahl der Beschlüsse in unmittelbarer Abhängigkeit von rein politischen Wünschen gesaht worden ist, so geht auch hieraus hervor, dah es sich in der Tat um recht brüchige Maßnahmen handelt. 3n erster Linie ist es F r a n k r e i ch gewesen. das sich mit Hilfe ergebener Anhänger eine Abstimmungsmehrheit so gut wie gesichert hatte und ganz offenkundig für die Verwirklichung seiner politischen Ziele kämpfte. Frankreichs Vorgehen ist es demnach zu danken gewesen, wenn die einfachsten militärischen Grundsätze politischer Auswertung unterliegen muhten. Frankreich hat mit Hilfe seiner Trabanten alles getan und nichts unterlassen, um seine eigene Macht zu stärken, Teutschlands Bedeutung hingegen klein zu halten. Cs strebt ganz unverhüllt dem Ziele zu, die unbestritten militärische Vormacht im Völkerbünde zu werden. Es hat durch die Blume erklären lassen, dah es solange nicht an eine Herabsetzung seiner Reservebestände an Mannschaften und an die Verringerung seiner Wehrmacht an sich denken könne, als thm die Aufgabe zufiele, für den Frieden in Europa aufzukommen.
Die Gründung eines Zentralbureaus beim Völkerbund, dem eine Rachrichtensammel- und Austauschstelle angeschlossen werden soll, wird Frankreich ebenfalls für seine Zwecke ausnutzen, um sich eine Art internationalen Generalstabs zu schaffen. Las Bureau ist von der Hnterkommisfion bereits genehmigt wordeir Man hat auch festgelegt, dah es überraschende Untersuchungen an Ort und Stelle auf Anzeige irgendeines Staates hin vornehmen solle, damit auf diese Weise dir beschlossenen Abrüstun^smahnahmen nicht umgangen würden. 3m Verein mit anderen Staaten habrn die deutschen Vertreter darauf hingewiesen, dah die Durchführung derartiger Maßnahmen lediglich dazu dienen würde, die Völker gegeneinander aufzubringen, die Spionage zu begünstigen und die Verletzung militärischer Geheimnisse zu fördern. Außerdem sei es mit der Würde und der Souveränität eines Staates nicht vereinbar, wenn solche Kontrollen vorgenommm würden. Trotz dieser Einwendungen hat die Hnterkommisfion beschlossen, der Abrüstungskonferenz die Einsetzung des erwähnten Zentralbureaus mit allen Gerechtsamen zu empfehlen, ein glatter Triumph Frankreich!
Es kommt aber noch besser. Bei Prüfung der Frage, wie der Begriff der F r i e d e n s r ü st u n- g en zu umschreiben sei, hat die Hitterkommission erklärt - und diese Erklärung würde selbst den Weisen Ben Akiba in Erstaunen versetzen — dah weder militärisch ausgebildete Reserven, noch in Depots lagerndes Kriegsgerät, ebensowenig die Organisation von Mobil- »nachungsbehörden Einrichtungen darstellten, die als Friedensrüstungen zu bezeichnen wären. Hingegen sei anzuerkennen, dah Polizeitruppen aller Art, Gendarmerie, Zoll- und Forstbeamte als Zähler der Friedensrüstungen zu gelten hätten; ferner alle Verbände, die auf Grund ihrer Zusammensetzung, Stärke, Ausbildung, Bewaffnung und Ausrüstung .ohne weitere Mobil- machungsmahnahmen als Feldtruppen verwendet werden könnten. Rach unserer Ansicht wird das Ziel der Abrüstung durch derartige Festset- jungen in nebelhafte Fernen verwiesen, denn die Bedeutung der ausgebildeten Reserven wird ebenso wie die Frage der Bedeutung des Kriegsmaterials auf den Depots in einer den tatsächlichen Verhältnissen schroff widersprechender Weise herabgesetzt. Offenbar beabsichtigt Frankreich die Millionen seiner auf Grund der allgemeinen Wehrpflicht ausgebildeten Reservisten gegen das auf das freiwillige System ohne ' Reservisten angewiesene Deutschland jeder vergleichenden Bewertung zu entziehen. Daß die Erfahrungen des Weltkrieges die Bedeutung des Materials an erste Stelle rucken, scheint von l Frankreich übersehen zu werden. Dabei rüstet es selbst auf das fieberhafteste und unterläßt 5 nichts, um sein Kriegsgerät zu vervollständigen und zu vervollkommnen. Rur Deutschland ' soll hiervon ausgeschaltet werden. Es steht unter dem Zwange von Versallles und ist demnach an sich schon, was die Derellstellung von Äriegsgerät betrifft, von engsten Fesseln beschwert.
Hm auf alle Fälle gesichert zu fein, ist Frankreich aber noch weiter gegangen. Es hat sich
den Grundsatz anerkennen lassen, dah unter den Begriff ausgebildeter R.s.rvisten nicht nur solche Mannschaften fielen, die unter der Fahne gedient haben, sondern daß hierzu das gesamte technisch ausgebildete Personal eines Staates zu rechnen sei. Was Frankreich hiermit bezweckt, liegt auf der Hand. Es will gegebenen- falls ein Mittel haben, um seine eigenen, militärisch durchgebildeten Reservisten gegen angebliche Reservebestände Deutschlands aufrechnen zu können.
Betreffs der chemischen Kriegsführung hat die Hnterkommis.ion beschlossen, sämtliche Staaten sollen künftighin verpflichtet sein, mit all ihren chemischen Erzeugnissen demjenigen zu helfen, der von einer anderen Macht mit der verbotenen Gaswaffe angegriffen würde. Der Erfolg wird unseres Erachtens der fein, dah dadurch die sogenannte Sanktion gegen den Gaskrieg zum verschärften Gaskrieg führen wird.
Auch in Fragen der Luftstreitkräfte hat Frankreich es verstanden, s inen Vorteil voll zu wahren. Es hat dem seltsamen Grundsatz Anerkennung verschafft, daß zwischen der zivilen und militärischen Luftfahrt eine Hnterscheidungs- möglichkeit nicht bestünde. Man müsse vielmehr dem ZivUluftfahrpersonal einen militärischen Wert zumessen. Auch mit dieser Auslegung ist Deutschland am schwersten betrof- f e n worden, da es über militärische ßuftftreit» fräfte überhaupt nicht verfügt.
Hnsere kurze Betrachtung zeigt uns, dah die Hnterkommissivn ganze Arbeit geleistet hat, um Frankreichs Vormachtstellung zu sichern. Deutsch» land hingegen milllärisch weiterhin zu vergewaltigen. Die Völterbundstagung hat zwar ein gewisses Einsehen bewiesen, indem sie bestimmte, es solllen künftig lediglich technische Gesichtspunkte bei den Beratungen über Abrüstungsfragen gültig fein. Ferner ist von der Tagung bestimmt worden, daß den Mehrheitsbeschlüssen die Ansichten der überstimmten Staaten beigefügt werden sollten. Ob hierdurch reinlichere Verhältnisse geschaffen werden tonnen, muß dahingestellt bleiben. Wir glauben es nicht. Allzu unverhvlen pocht Frankreich auf seine Macht. Hnd so lange es von seinen Trabanten nicht im Stich gelassen wird, wird es auch kaum ein anderes Verfahren einschlagen.
Peruanischer Brief.
Von unserem P-Derichterstatter. (Rachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten!)
Lima (Peru), Ende Oktober 1926.
Der Streit zwischen Peru und Chile um das Tacna-Arica-Gebiet, der immer wieder auch in die große Politik hineinspielt, hat trotz aller Vermittlungsaltionen immer noch keine Erledigung gesunden. Diese Landstriche zwischen den beiden wichtigsten Staaten der südamerikanischen Westküste, um die sich früher niemand recht gekümmert hat, sind nach der Entdeckung der Möglichkeit, aus ihren ausgedehnten Wäldern Kautschuk zu gewinnen, zum ständigen Zankapfel und Hnruheherd geworden. Der Versuch einer nordamerikanischen Kommission unter dem Vorsitz des Generals L a s s i t e r, eine Volksabstimmung durchzusühren, ist durch die Heberfälle, Gewalttätigkeiten und Sabotageakte aller At, die der peruanische Präsident L e g u i a in seiner Rede bei der Erö snung des Kongresses Chile noch einmal leidenschaftlich vorgeworfen hat, völlig gescheitert, so daß Lafsiter die Hnmöglichkeit seines Vorhabens einsah und das Land verlieh. Die Peruaner haben das Feld geräumt und den zurückgekehrten peruanischen Abstimmungsleiter Freyre Santander mit großer Begeisterung empfangen. Wenn man jedoch überlegt, welchen Erfolg die künstlich geschürte Volksbegeisterung und das mit vollen Händen hinausgeworfene Geld gehabt hat, so steht man vor einem Nichts. Vielleicht kommt für Peru noch einmal die Zeit der Ernte; jetzt ist wieder chilenisches Militär in die strittigen Gebiete eingerückt und dürfte wohl sobald nicht wieder hinauszubekommen sein.
Der Tacna-Arica-Streit hat nicht nur politische Folgen für Peru gehabt, sondern sich auch in starkem Matze aus die ganze wirtschaftliche Lage ausgewirkt. Denn der Kursrückgang des peruanischen Pfundes ist zu einem erheblichen Teil auf die Politik der Regierung zurückzuführen, die, um alte Löcher zuzustopfen, neue weit größere ausgerissen hat. Der Haus- hallsplan des Staates war zwar nach außen hin immer int Gleichgewicht, aber am Ende jedes Haushaltsjahres war regelmäßig ein Defizit vorhanden, das dann durch Anleihen in London oder Reuhort gedeckt wurde. Zur Sicherheit sind entweder Teile der Goldreserve oder Steuern
und Zölle verpfändet worden, so dah der peruanische Staat heute nur noch über wenige Einnahmequellen dieser Art direkt verfügen kann. Der Hauptgrund für die schlechte Bewertung der Peruanischen Währung ist das gesunkene Vertrauen in die Politik der Regierung, denn noch jetzt hat Peru eine Golddeckung von etwa 75 Prozent für das ausgegebene Papiergeld. Auch die Handelsbilanz Perus weist zahlenmäßig einen beträchtlichen Exportüberschuß aus, doch ist diese Aktivität nur mit erheblichen Einschränkungen für das Land wirksam. Die großen Expor.gewinne, die bei der Ausfuhr fast der gesamen Erdölindustrie und eines großen Teiles der Daumwoll- und Zuckerproduktion erzielt werden, bleiben restlos im Auslande, da diese Wirtscha.tszweige in ausiändifchcr Hand si,rd. 3nsbesondere steht die Erdölindustrie völlig unter nordameri.aniichem Ein luh. Hinzu kommt, dah zahlreiche wegen poetischer Gegnerschaft des Landes verwiesene Familien, die gerade zu den reichsten zählen, ihre Einkünfte aus Grundbesitz und Landwirtschaft in Frankreich ober England verzehren. Natürlich spielt auch eine gewisse Spekulation mit hinein, die von Reuyor! aus die Kursschwankungen des Peruanischen Pfundes mit Geschick zu ihrem Vorteil auszunutzen weih.
Aeuherlich hat Peru und vor allem die Hauptstadt Lima in den letzten 3ahren einen außerordenllichen Aufschwung genommen. Wenn man von Lima nach dem Hasenort Callao auf der breiten Asphaltstraße, der Avenida Progreso, hinuntersährt, so sieht man zu beiden Seiten eine große Anzahl von Reubauten, die von Siedlungsgesellschaften, fogenannten „urbanisaciones“ errichtet worden sind. Rings um Lima entstehen neue Vorstädte, die durchweg aus kleinen modernen Ein- bis Zweifamllienhäusern bestehen, wodurch die allgemeinen Wohnungsverhältnisse erheblich gebessert und die Bestrebungen zu einer gewissen Citybildung sehr gefördert worden sind. Während noch vor fünf Fahren die Hauptverkehrsstraßen riesige Löcher im Katzenkopfpflaster aufwiesen, über die hochbeladene zweirädrige „carretas“ schwankten, verkehren jetzt überall Lastautos und unzählige Autobusse neben den vielen Privatautos, die kaum noch Luxusartikel sind, in den tadellos asphaltierten Straßen. Heber 16 000 Kilometer für Autos fahrbare Chausseen durch das ganze Land, von denen 6000 Kilometer schon fertiggestellt sind, sind im Daupro- gramm vorgesehen. Auch ausgedehnte Bewässerungsanlagen zur Gewinnung neuen Kulturlandes sind zum Teil schon in den letzten 3ahren unter Leitung nordamerikanischer Ingenieure ausgell'chrt worden, doch hat die Regierung nod> erheblich weitergehende Pläne. Peru hat in der Tat sehr große wirtschaftliche Möglichkeiten, deren rationelle Ausnutzung jedoch immer wieder durch die Politik verhindert oder hintan- gefwlten wird.
Die einheimische 3nbuftrie gewinnt langsam an Boden, wofür die Z e m e n t s ab r ika t i o n ein lehrreiches Beispiel bietet. Wenn auch die Qualität des peruanischen Zements iwch nicht erstklassig ist, so liegt sein Preis doch so weit unter dem des importierten, dah man ein merkliches Nachlassen der Einfuhr feststellen kann. Leider wird hiervon besonders Deutschland betroffen, das in der Einfuhr an erster Stelle steht. Zur Zeit ist der Bedarf an diesem wichtigsten Baumaterial infolge der zahlreichen staatlichen und privaten Bauten außerordentlich groß. Auch Peru hat sich bei der .Umarbeitung des Tarifs vor drei 3'ahren hinter einer hohen Zollmauer verschanzt. Waren damals auch zunächst fiskalische Gründe maßgebend, so ist bei den neuen Aenderungsbestrebungen ein gewisser protektionistischer Einschlag unverkennbar. Eine Kommission von Regierungs, 3ndustrie- und Handelsvertretern ist mit der Beratung der Zollsätze beschäftigt und es ist nicht unmöglich, daß die 3mporteure allerlei unliebsame Heberraschungen erleben.
Der deutsche Handel mit Peru hat das während des Krieges verloren gegangene Terrain so gut wie ganz wieder zurückgewonnen, wenngleich die Konkurrenz der Vereinigten Staaten, zum Teil wegen der kürzeren Lieferfristen und günstigeren Zahlungsbedingungen beträchtlich geworden ist. 3ntereffant ist es auch festzustellen, welche Anstrengungen England zur Stärkung seines Einflusses macht. Der General- Manager der „Times", Lints Srnjth, der kürzlich auf einer Reife durch Südamerika auch in Peru allen einflußreichen Stellen feinen Besuch machte und ein Bankett gab, tarn nicht nur studienhalber, sondern ausgesprochen als Handelspropagandist. Der Besuch Dr. Luthers, der von der peruanischen Regierung mit den größten Ehren empfangen wurde, hat zweifellos eine ganz ausgezeichnete Wirkung hinterlassen. Richt nur,
dah Dr. Luther während seines Aufenthaltes auf einem Galadiner beim Präsidenten Gelegenheit! zu einer klugen Rede sand, daß er im Rundfunk zum ganzen Lande sprechen konnte, dah ein „Dr. Luther-Pokal" zwischen einem deutschen und einem peruanischen Fuhballklub ausgetragen wurde, usw., auch nachher wurde manch Zeichen dafür deutlich. 3m Senat fand der Senator Curlettt Worte wärmster Anerkennung für Deutschland, das sich nach einem unglücklichen Kriege durch rastlose Arbeit wieder emporgebracht fcü>e und es ist sicher, dah ganz allgemein eine Stärkung des deutschem Ansehens und eine Belebung der Beziehungen zwischen Peru und Deutschland angebahnt worden ist.
Oberhessen.
4 Lanvtrcis HUctzen.
n. G r o ß e n - L i n d e n , 23. Rov. Gestern begann hier der Kvchunterricht für die Fvrtbildungsschülerinnen. Der Hnter- richt wird in der Turnhalle erteilt, 20 Mädchen nehmen daran teil.
—Lang-Göns, 23. Rov. Der Geflügel- und Kaninchen zu chk verein veranstaltete in der Turnhall.' eine Ausstellung, Me mit 200 Rummern beschickt war. Die Preisverteilung hatte folgendes Ergebnis. Hühner: Ehrenpreis und 1.Preis erhielten Otto May für Minvrki, Bürgermeister Müller für sc^varze 3taliener, K. Müller für schwarze Zwerg°3taliener, Rich. Kaiser für Lvmpschom, W. Vellen für gelbe 3t limer, Qt Grünebaum. K. Stoll, W. Bing. W. Rausch; 1. Preis unk» 2. Preis: Hch. Zeitz. 3. Preis: £tto Müller; 1. und 2. Preis: W Dem I.; Ebretlvreis und 1 Preis: W Dern II. für rebhubnfarbige 3ta- liener. Tauben: Drei Ehrenpreise: Rich. Kaiser (Hess. Kröpfer). Kaninchen: Wllh. Merz für Hasenkaninchen zwei Ehrenpreise, 1., 2 und 3. Preise; W. Wagner Tür Silber-Kaninchen Ehrenpreis. 1. und' 3. Preise; W. Merz Ehrenpreis für Schwarzloh-Kaninchen; K. Kehr dritte Preis für Schwarzloh. Der Besuch der Ausstellung war sehr gut.
X Mttenborf (Lahn), 23. Rov. Nachdem die annähernd 100 Reklamationen, bi« aus Anlaß der neuen Lan dzuteilun g durch die Zusammenlegung der Grundstücke bei 6er Feldberernigungskommis.ion eingelaufen waren, zum größten Teil durch mündliche Verhandlungen erledigt sind, wird demnächst ein Schiedsgericht über die noch schwebenden Fälle en.scheiden. Viele für hiesipe Verhältnisse übergroße Parzellen wurden w i e- der geteilt; weiter wurde versucht, die Reklamanten durch Zutei ung von Austauschgeländ« -u befriedigen; wo nachweisbare Härten vorlagen, wurde Abhilfe geschaffen. Die neuen Wege sind jetzt genau abgegrenzt, die gesamte Feldmark zeigt gegen früher ein völlig verändertes Bild. 3edes Stück Land kann jetzt vom Wege aus erreicht werden, was früher unmöglich war. Der Erwerb von Baugelände ist nun auch viel leichter, da fertig abgegrenzte Bauplätze itv einer Anzahl vorhanden sind, daß ein Mangel an solchen voraussichtlich in absehbarer Zeit nicht eintreten wird. Vor einigen Tagen fand die erste Verpachtung von Gelände der Ausmärker statt, die Pachtpreise bewegten sich zwischen 2 bis 6 Pfennig pro Quadratmeter.
t Grünberg, 23. Rov. Bei der gestrigen Treibjagd in den staatlichen Waldun- ?l e n zwischen Weickartshain und Laubach, Ober- örfterei Riederohmen, wurden 14 Rehe, 3 Hasen. 2 Schnepfen und 2 Füchse geschossen. An der 3agd waren 20 3äger beteiligt.
L Lich, 23. Rov. Zu den landschaftlich reizvollsten Punkten m unserer Hmgebung zähl! die Hardt, deren unbewaldeter T.il der volkstürn- Uchste Festplatz der Sicher ist und zu Volksversammlungen wie in vergangenen Zecken auch heute noch gern benutzt wird. Mächtige Sichen und Linden von ehrwürdigem Alter laden zur Rast ein und finden immer w edrr die Bewunderung der Raturfreunde, deren Weg Über die Hardt führt. Daß eine dieser mächtigen Linden zu den bemerlenswertest en Bäumen der näheren und weiteren Hmgebung gehört, dürfte aber nur wenigen bekamt sein, noch weniger die Tatsache, daß dieser jahrhund riealte Recke ferner ganz besonders typischen Gestalt wegen für würdig befunden worden ist zur Ausnahme in eins der bedeutendsten b o t a n i» und Bieber mit eigner ©emarLmg selbständig zu Pflanzenwelt", einer dreibändigen stattlichen Pflanzenkunde über die g.famt: Pflanzenwelt der Erde. Dort finden wir im 2. Band auf Düte 388 das wohlgelungene Bild des ehrwürdigen Baumes
Das grotze Würfelspiel.
(IRartina DilemarZ
Roman von Franz Lover Kappus.
49 Fortsetzung Nachdruck verboten
„Auch Lily ist hier", jprad) sie dann. Leises Un> behagen brannte in der Brust. Doch rasch kam sie darüber hinweg, als sie Carstens Stimme wieder hörte.
„Lily?"
„Du kennst Lily noch gar nicht", besann sich Julie.
Immer erstaunter wölbte Carsten die Lippen.
„Nur Martina kenne ich. Wie geht es Martina?" Ohne die Antwort abzuwarten, trat er zu Julio. ..Du bleibst doch da — einige Zett wenigstens?" Seine Mienen zuckten.
Einmal mutz es gejagt werden, dachte Julie. Kurz nahm sie die Unterlippe zwischen die Zähne. 3um letztenmal stiegen weichliche Empfindungen aus. Warm schaute sie Carsten an.
„Nur bis zum Abend, Bernhard Carsten. Es geht nicht anders." Julie seufzte verhalten. „Wir müssen nach Amerika. Lily ist nach Hollywood verpflichtet. Ich reise mit ihr."
Die Hände auf dem Rücken, schritt Carsten zweimal auf und nieder.
„Das ist ganz drüben, Hollywood?"
„Ganz drüben, Bernhard Carsten. In Kalifornien, weißt du?"
„Und euer Schiff?" Bom anderen Ende der Terrasse klang die Frage.
„Die .Prinzessin Mafalda'." Nur eine Sekunde srockte Julie. „Uebennorgen schissen wir uns in Genua ein."
Langsam kam Carsten naher.
..Gehen mir vielleicht in den Garten."
Zwischen zwei flammenden Beaten saß Lily auf einer Bank und rauchte eine dünne Zigarette. Trällernd sprang sie auf. Unbefangen drückte sie Car
sten die Hand. Wie herrlich er es hier habe, ver- I sicherte sie. Den ganzen Tag könnte man da herum- I lungern. „Wie zum Nichtstun geschaffen ist diese Welt."
„Ein paar Wochen vielleicht", lächelte Carsten. „Aber ansonsten: immer muß der Mensch eine Beschäftigung haben."
„Womit verbringen Sie eigentlich die Zeit?" fragte Julie. Namenlos lächerlich kam sie sich vor, weil sie Carsten nicht duzte. „Immerfort kann man jq nicht in den Büchern stecken."
„Das tu' ich auch nicht." Auf einmal wurde Carsten lebhaft. Und er erzählte, wie er sich das Leben eingerichtet hatte. Jeden zweiten oder dritten "Tag fuhr er nach Neapel hinüber. Viele Stunden ging er im Nationalmuseum umher, schauend und staunend. „Was es da alles gibt: antike Waffen, Bronzegeräte, Papyrusrollen mit rätselhaften Schriftzeichen — lauter versunkene Wellen." Unruhig flog sein Blick. „Auch dqs waren Menschen aus Fleisch und Blut, auch das waren Menschen wie wir. Jeder hatte seine Freuden, jeder seinen Kummer." Sein Antlitz faltete sich ernst. „Vielleicht ist das der einzige Weg, den Frieden zu finden. Alle Unglücklichen sollte man in das Nationalmuseum nach Neapel führen."
Der schwarze Diener brachte Erfrischungen: unwahrscheinlich große Pfirsiche, Ananasschmtten auf Eis, hellgrüne Turkestan-Melonen, dazu leichtes Backwerk in einer edlen Kristalljchale. Roter Chianti fiel in die Gläser.
Noch eine Weile sprach Carsten weiter.
Dann griff er nach seinem Römer.
„Aus gute Fahrt!" Sonderbar glänzten feine Augen. „Biel Glück drüben, Fräulem Lily! Und auch hier." Stumm nickte er Julie zu.
Die Gläser klangen aneinander.
Mit einem Sag sprang Lily auf die Beine. „Ich will doch auch Sorrent sehen", sagte sie, als wundere sie sich über ihre Vergeßlichkeit. „Sie sind doch nicht böse, Herr Carsten?" Bezaubernd lächelte sie ihn an, ehe sie ging.
Schweigend schritten Carsten und Julie auf und ab.
Und Carsten erzählte. Wieder sprach er von allem, was er gesehen hatte. Auch über Rom wußte er schon Bescheid. Bramante, Michelangelo und Raffael waren ihm geläufige Begriffe. Aber nur Seine Zunge und sein Gedächtnis redeten. Alle die Schönheit war an ihm vorübergegangen. Allein die Distanz der Jahrhunderte rührte an Win Herz.
Darüber wurde es abend.
Beide Arme voll Blumen, kam Lily zurück.
„Die ganze Gesellschaft ist mit dem Motorboot da," lachte sie atemlos, „denke nur, Mama: bie gan^e Gesellschaft!"
Bis zum Molo begleitete Carsten Julie und Lily.
Ein halbes Dutzend Herren brachten die beiden auf das Boot. Laute Stimmen schwirrten durcheinander. Knatternd hob der Motor an. UebermüUges Lachen scholl darüber. Ein heller Tenor schmetterte die ersten Takte eines Liedes.
Dann warf sich der spitze Bug dem dunklen Wasser entgegen.
Still stand Carsten auf dem Molo, bis der leuchtende Strich erlosch.
XXXVII.
„Ich weiß, daß ich eine komijchs Rolle spiele, yräulem Wklemar. Ich weiß das sehr gut." Bitter verzog Heddenhauien bas Gesicht. „Vielleicht verachten Sie mich eoen deshalb?
„Verachte» ist ein au starker Ausdruck", sagt« Martina und blickte nach der großen Uhr der Bahnhofshalle. In einer halben Stunde ging ihr Zug. „Nur über Ihre Konsequenz staune ich, Herr Hed- denhausen."
„Noch schlimmer. Sie kennen doch die Redensart: Nur Ochsen sind konsequent. Ich danke Ihnen für das Kompliment."
Martina seufzte ungeduldig.
„Das heißt: ich soll verschwinden?" Hedden- Hausen blähte den starken Körper. „Ach Gott, nun werden Sie ja Ruhe vor mir haben. Wie lange bleiben Sie eigentlich in Harzhurg?"
Wie aus den Wolken gefallen war Martina.
„Auch darüber sind Sie informiert?" Heddeichausen nickte Schmerzlich.
„Der Fluch des Geldes. Alles ist mit Geld zu machen." Kurz starrte er vor sich hin. Dann zog er mit der Rechten eine tiefe Quart durch die Lust. „Nur eines nicht." Und er wiederholte: „Wie lange also?"
„Drei Wachen, Herr Heddenhausen. So lange habe ich Urlaub."
„Drei Wochen.' Heddenhausen verlor den Blick in den vielen drängenden Menschen. Immer neue Massen strömten heran. Frauen, Männer und Kinder ballten sich vor den sperren. Langgezogen klangen die Namen der Stationen. Ferne Lokomotiven pusteten. „Uebermorgen reise ich nach Ostende. Ich will es mal mit dem Spiel versuchen." Heddenhausen schwang die Faust hoch. „Was bleibt so einem armen Hund anders übrig?"
»Roch niemand ist an gebrochenem Herzen gestorben; Sie erinnern sich doch, Herr Heddenhausen?"
„„Haha", machte Heddenhausen, als freute er sich über die Wendung der Dinge. „Sehr gut erinnere ich mich." Beängstigend war der Ton, in dem er das jagte. „Keine Sorge, Fräulein Wilemar. Ich vertrage schon etwas."
Der Zug nach Magdeburg, Halberstadt und Harzburg wurde ausgerufen.
„Auf Wiedersehen, Herr Heddenhausen."
Martina wandte sich dem Knäuel zu, der durch die Sperre absloh.
Demütig blieb Heddenhausen an ihrer Seite.
„Noch einmal Ihre Hand, Fräulein Wilemar! Vielleicht kommt es gerade auf diesen Händedruck an Roulettekugeln sind launenhaft. Ehe man sich's versieht, ist alles beim Teufel* Sein» Stimme wurde brüchig. „Nicht bäje fein, Fräulein Wilemar."
„Biel Glück, Herr Heddenhausen", sprach Martina beklommen. „Auf Wiedersehen."
Heddenhausen lachte verzweifelt.
(Schluß folgt)
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