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Wieseck. dem sich die weiteren Dererne an­schlossen, bis 10 Minuten nach der vorausberech­neten Zeit (12,25 Hbr nachts) der Stab in Treysa an den 13. (Kasseler) Kreis übergeben werden konnte. Trotz der immer später werdenden Racht- stunde hatten sich an der zu durchlaufenden Strecke zahlreiche Zuschauer eingefunden, die die Läufer lebhaft begrüßten.

Nurmis neuer Weltrekord.

Am Dienstagabend fand in Wien auf der Hohen Warte ein sportliches Abendmeeting statt, das zu Ehren Rurmis veranstaltet wurde. Der iglnne unternahm hierbei den Versuch, den Welt­rekord über 5000 Meter zu schlagen. Es gelang ihm jedoch nicht, seine eigene Bestleistung von 14:28,6 zu erreichen, da er diesmal zur Be­wältigung der Strecke 14: 34 benötigte. Dagegen stellte er einen neuen Weltrekord über drei englische Meilen 4827 Meter, in 14:07,4 auf.

Iugend-Klubmeisterschaften der 1900er Leichtathleten.

ö. Unter der sachkundigen Führung des Zugendleiters W. Schmidt wurden am Sonn­tag die internen Zugendmeisterschaften der Leichtathletik-Abteilung der Spielvg. 1900 abge­halten. Die in allen Konkurrenzen gezeigten Leistungen sind Beweis dafür, wie sorgfältig der Veranstalter seine Jugendlichen durchbildet. 3n der ^-Klasse erwiesen sich als die besten Hopfen­müller, Lohnes, Meyerhofs, Maus und Peters, der den Hochsprung mit 1,61 Meter gewann. Zn der 8°Klasse tritt Krämer (1911 geb.) mit einem Weitsprung von 5,44 Meter hervor. Von Len Jüngeren verdienen W. Schüz und der 12- jährige W. Gräf ein besonderes Lob. Am Rach- mittag wurden die meisten Läufe, der Hochsprung und zwei Staffeln abgewickelt. Die Ergebnisse sind:

^-Klasse 08 09.

100 Meter: 1. Lohnes 11,9; 2. Meyerhofs 12,1; 3. Hopfenmüller 12,2.

4 00 Meter: 1. Meyerhofs 57,7; 2. Lohnes 58,3; 3. Wolf.

80 0 Meter: 1. Peters, 2. Meyerhofs 30 Meter zurück. Außer Konkurrenz R. Depperling vom Mal 2,09.

60MeterHürden. 1. Hopfcnmüller 9,3; 2. Maus 9,5. Die Läufer ernten für ihre vor­züglichen Leistungen viel Beifall.

Diskuswerfen: 1. Hopfenmüller 29,40; 2. Wolf 28,75; 3. H. Müller.

Kugelstoßen beidarmig: 1. Hopfen- müller 17,94; 2. Wolf 17,29; 3. Meyerhofs 16,62.

Hochsprung: 1. Peters 1,61; 2. Hopfen­müller 1,51; 3. Lohnes 1,51.

Weitsprung: 1. Maus 5,84; 2. Meyer­hofs 5,83; 3. Lohnes 5,70. Dieses Ergebnis muß als vorzüglich bezeichnet werden.

8-Klasse 10,11.

10 0 Meter: 1. Müller (vom Mal) 12,8; 2. Gudelius; 3. Krämer.

800 Meter: 1. Guyot 2:29,4 (vom Mal); 2. Kraushaar (vom Mal) 2:29,8; 3. Speyer (20 Vorgabe).

60 Meter Hürden: 1. Voll; 2. Guyot. Beide Läufer sind noch sehr jung und verdienen daher ein besonderes Lob, daß sie sich dieser schwierigen Hebung widmen.

Kugelstoßen: 1. Müller 9,38; 2. Gerling­haus; 3. Otto.

Weitsprung: 1. Krämer 5,44; 2. Müller 5,18; 3. Gerlinghaus 5,03.

OKlasse 1912.

100 Meter: 1. W. Schüz (vom Mal) 13,2; 2. Dree; 3. Rübsam.

500 Meter: 1. W. Schüz 1:29,8; 2. 21. Becker 1:30; 3. Rübsam 1:30,2.

Weitsprung: 1. 21. Decker; 2. W. Schüz; 3. Dree.

Kugelstoßen: 1. Decker 7,78; 2. Dree; 3. Rübsam.

Speerwerfen: 1. W. Gräf 30,20 (1); 2. 21. Decker 25,50; 3. E. Morler 24,80.

Jahrgang 13/14.

5 0 Meter: 1. Detz (2 Meter Vorgabe); 2. Z. Dernet (2 Meter Vorgabe); 3. Gräf (vom

Weits prung a. d. Stand: 1. W. Gräf 2,21; 2. W. Momberger; 3. L. Loh.

Schlagballweitwurf: 1. Gräf 54,10; 2. L. Loh; 3. H. Decker.

Jahrgang 15 und jünger.

5 0 Meter: 1. R. Sabeberg (1 Meter Dorg.); 2. H. Grün (vom Mal); 3. 21. Rüffer.

Weitsprung a. d. Stand: 1. H. Grün 1,84; 2. 21. Rüffer 1,71; 3. E. Schmitz; 4. O. Schmidt.

Schlagballweitwurf: 1. A. Dötz.

Wetzlarer Sport.

h. Die Herb st wettkämpfe des Ver­ba ndesfür Leibesübungen im Kreise Wetzlar wurden am Sonntagvormittag mit den Stadt st affelläufen eingeleitet.

Zunächst wurden die S e n i o r st a f f e l n ge­startet, die ein eigenartiges Gepräge hatten; sie gingen nämlich in allen Klassem allein über die Dahn. Hm 11 Hhr lief die Hauptklasss ohne jede Konkurrenz ab. Der F. C. 05 Wetzlar, der schon in den beiden Vorjahren Sieger ge­blieben war, gewann mit seiner Rennmannschaft (20 Läufer) den Wanderpreis m neuer Bestzeit zum dritten Male und damit endgültig. Das gleiche Ergebnis hatte die Klasse der 2. Mann­schaften, die ebenfalls der F. C. 05 konkurrenzlos gewann. Zn der Landklasse blieb der T. D. Braunfels und in der Klasse der Richtrasensport­vereine der Ruderverein 1919 Sieger.

Erst in der ältesten Zugendklasse waren 2 Vereine, der F. C. 05 und der Turn­verein am Start. Beide Mannschaften (ä 9 Läufer) lagen bis zum letzten Wechsel auf gleicher Höhe. Erst dann kam der F. C. durch starke Behinderung seitens eines T. D.-Zugendlichen mit ea. 6 Metern ins Hintertreffen. Der benachteiligte Verein hat Einspruch erhoben.

Zn der jüngeren Zugendklasse ge­wann die F. C.-Zugend (9 Läufer) mit ca. 30 Meter Vorsprung vor dem Turnverein. Dritter wurde F. C.s zweite Mannschaft, so daß im Gesamtklassement F. C. mit drei ersten, einem zweiten (Einspruch) und einem dritten Sieg an der Spitze steht.

Am Rachmittag wurden die Einzel- wettbewerbe durchgeführt, die folgende Er­gebnisse brachten:

100-Meter°Lauf: 1. Kurz, Braunfels, 11,9 Sek. 2. Gerlach, T. V. Wetzlar, 12 Sek. 3. Zerndt, B. C. Wetzlar, 12,2.

2 0 0 Meter: 1. Zerndt, D. C. 28,2 Sek. 2. Kurz, Braunfels, 28,8 Sek.

800 Meter: 1. Bachmann, F. C. 05 Wetz­lar, 2 Min. 19 Sek. 2. Hertstein, B. C. 2,25 Min. 3. Schürmann, F. C. 2,25,8 Min.

3000 Meter: 1. Wahl, Braunfels, 10,7,6 Min. 2. Bärwinkel, Ruderverein 19 Wetzlar, 10,10,6 Min. 3. Dambach, D. Z. K. Wetzlar, 10,15,1 Min.

4xl00-Meter-Staffel: 1. F. C. 05 Wetzlar, 45,9 Sek. 2. B. C. 46,2 Sek. 3. T. V. Wetzlar, 47 Sek. desgl. für Landvereine: 1. Launs- bach, 51,5 Sek. 2. Kinzenbach, 52 Sek.

Schweden staffel: 1. D. C. 2,14,2 Min. 2. T. V. Wetzlar. 2,16 Min.

3x1000 Meter: T. V. Braunfels 8,54 Min. 2. F. C. 9,18,5 Min.

Ho chs Prung: 1. Derghäuser, Rieder- girmes. 1,65 Meter. 2. Schieferstein, Launsbach, 1,65 Meter (durch Stechen entsch.). 3. Gerlach, T.V., 1,55 Meter.

Weit- und Stabhochsprung wurden wegen Mangels an Zeit nicht ausgetragen.

Speerwerfen: 1. Koch, F. C., 38,05 Meter. 2. Linnerh, Braunfels, 36,60 Meter. 3. Winter, Launsbach, 36,20 Meter.

Diskuswerfen: 1. Dademasch, F. C., 31,20 Meter. 2. Maus, F. C. 28,70 Meter,

Außer Konkurrenz warf Paulus, F. C., 40, 30 und 41 Meter!

Kugelstoßen: 1. Depler. Kinzenbach, 10,03 Meter. 2. Kurz, Braunfels, 10,02 Meter. 3. Winter, Launsbach, 9,78 Meter. Außer Kon­kurrenz stieß Paulus, F. C., 12, 42 Meter!

Erbitterte Kämpfe lieferte sich die Zugend in zwei Jahrgängen 08/9 und 10 u. jgr. Zm span­nendsten Rennen des Tages siegte der F. C. 05 Wetzlar über 4X100 Meter in 48,4 Sek. vor dem T. V. Wetzlar mit Drustbreite, im Jahrgang 08/9. Für 10 u. jgr. kämpfte der T. V. Braunfels die F. C.-Jugend erst in den letzten Metern über 4X100 Meter in 54,1 Sek. nieder. 2. F. C. in 54,2, i/2 Meter zurück. 3. T. D. Wetzlar. ____

Die Jugendeinzelwettbewerbe wurden nur z. T. wegen der Kürze der Zeit durchgeführt. Fälschlicherweise ließ sich das Kampfgericht dazu bestimmen, die Dreikampfergebnisse einfach auf die Einzelwettbewerbe zu übertragen, so daß also in den Einzelwettbewerben Sieger nominiert wurden, die in diesen überhaupt nicht gestartet waren.

Die Bezirksliga in Hessen - Hannover.

tz. Von den drei am vergangenen Sonntag stattgefundenen Spielen war der Kampf Svg.

Göttingen gegen den AltmeisterSport" Kassel der bedeutendste. Bemerkenswert ist, daßSport" mit seiner Mannschastsverjüngung keine Erfolge erzielen konnte. Ergebnis 1:2.

Einen leichten, überlegenen Sieg errang der S. C. 03 Cassel in Münden über die dortige S. Vg. mit 0: 6, der, hätte Münden nicht seinen bekannten guten Wächter im Tor gehabt, leicht noch hätte höher ausfallen können.

Wieder gelang dem F. V. Einbeck erst gegen Ende der Spielzeit ein unentschiedenes 3: 3, dies­mal gegen die Casseler Tura, nachdem letztere bei Halbzeit noch 0: 3 geführt hatten.

Weitere Ergebnisse vom Sonntag

sch. Am vorigen Sonntag hatten die alten Herren des D. f. B. Gießen den neu ge­gründeten Fußballverein Steinbach zu Gast. Ergebnis 9:2 für V. f. D. Gießen.

ck. Zum ersten Verbandsspiel trafen sich in Heuchelheim Spielv. 1920 Heuchelheim i und Spielv. Haiger I. Das Spiel endete 3:1 für Heuchelheim. Damit konnte Heuchelheim die ersten Punkte einheimsen. Es wurde sehr fair gespielt. Der Schiedsrichter S-P^e ck h a r ö t vom SportvereinHessen" in Gießen war her­vorragend.

In Lich spielte D. C. 20 Gießen gegen V. f. R. Lich. Das Spiel schloß mit 2:5 Toren f ü r Lich. Schiedsrichter Guntrum waltete korrekt seines Amtes.

as der Sonntag bringt.

Städtehandball Metzen-Wetzlar.

sch. Die von Sportlehrer Schneider ins Leben gerufene Städtehandballmann- schäft wird am nächsten Sonntag gegen die gleiche Mannschaft aus Wetzlar spielen. Es ist erfreulich, daß alle Gießener Vereine ihre Besten dazu bergeben, die Farben unserer Stadt würdig zu vertreten. Gilt es doch am Sonntag gegen einen Gegner anzutreten, der weit über die Grenzen Hessens bekannt ist. In der letzten Spielsaison konnten die Wetzlarer sich bis in die Endrunde um die Westdeutsche Meisterschaft durchkämpfen und errangen dort ganz achtbare Erfolge. Die Gießener konnten im letzten Spiel gegen die Koblenzer Städtemannschaft ein Hnent- schieden (4:4) herausholen. Das Spiel findet auf dem Platz des Männerturnvereins am Schiffen- bergertoeg statt. Räheres in der gestrigen An­zeige.

Die Bezirksliga in Hessen-Hannover.

tz. Der kommende Sonntag bringt in Kassel zwei Spiele. Tura wird gegen Münden in Kassel ziemlich sicher siegen. Einen ungleich här­teren Kampf bringt das Zusammentreffen von Spielverein Kassel-Rothenditmold ge­gen die S. Dg. Göttingen, das, im Voraus betrachtet, zwei ungefähr gleich starke Gegner iufammenbringt. In der Südgruppe fällt das Spiel V. f. B. Gießen gegen F. C. Wetzlar durch das Ausscheiden der letzteren aus der Bezirks­liga aus. Es finden also nur zwei Kämpfe statt. D. f. B. K u r h e s s e n Marburg hat die Kasseler Hermannen zu Gast. Auch hier ist eine Voraussage schlecht möglich. Wohl »den interessantesten Kampf des Sonntags bringt aber das Spiel Borussia Fulda gegen Kur- Hessen Kassel in Fulda. Gerade auf dem Fuldaer Platz hatten die Kasseler alle Mühe, sich zu behaupten. Unter normalen Umständen wird das auch diesmal wieder der Fall sein. Das Ergebnis kann nur sehr knapp werden.

Die DerbandsZpieke im Deutschen Arbeiter-Sporwund.

£, Rach dem spielfreien vorigen Sonntag werden am kommenden Sonntag die Spiele um

die Bezirksmeisterschaft fortgesetzt. Bis zum Ab­schluß der Rachrunde sind es nur noch wenige Spiele, die durchzusühren sind, so daß sich das Interesse mehr und mehr den Spielen zuwendet, in denen die Spitzenmannschaften antreten. Dies sind einmal Gießen und Wetzlar mit je 16 Punkten, wobei das Spiel der beiden Mann­schaften, das Gießen gewann, von Wetzlar aber angefochten wurde, nicht berücksichtigt wurde, da der Protest noch nicht endgültig erledigt ist. Beide Mannschaften haben noch gegen recht spielstarke Gegner anzutreten, so daß der schließliche Aus­gang noch ganz ungewiß ist. Diesen beiden Mannschaften folgen mit je 15 Punkten Mar­burg und Lollar. Beide haben in der Rach- runde erfolgreicher abgeschnitten als in der Vor­runde, so daß alle Veranlassung besteht, sie in den Kreis der ernsthaften Mitbewerber um den Meistertitel einzubeziehen. Zn weiterem Abstande folgen dann erst Wieseck, Raunheim und als Schluß Alsfeld.

Wetzlar muh bei feinem Rachbarverein Rau nheim antreten. Zn Wetzlar müßte man schon den Sieger sehen, wenn es nicht aus seiner Spitzenstellung verdrängt werden will. Auf der anderen Seite spielt Raunheim einen wenig zarten Fußball, und kennt sich schließlich auf feinem ungünstigen Sportplatz besser aus. Ein hohes Resultat ist jedenfalls nicht zu erwarten.

Gießen als der aussichtsreichste Meister­schaftsanwärter trägt sein fälliges Verbandsspiel auf eigenem Platz gegen Collar aus. Auch bei diesem Spiel stehen die meisten Siegesaus­sichten bei Gießen, falls Gießen nicht mit einer unangenehmen Ueberraschung aufwartet. Unter normalen Verhältnissen kann Lollar, wetin es den Kops nicht verliert, eine empfindliche Riederlage verhüten, vorausgesetzt, daß es den gefährlichen Gießener Sportplatz gut überwindet, und das vorhandene Loch im Gießener Sturm auszunutzen versteht.

Heuchelheim empfängt als Gegner Wie- s e ck und mühte eigentlich auch der gewinnende Teil sein, zunnl Wieleck noch mit Ersah antreten muß. Dies macht eine Umstellung der Mannschaft notwendig, wodurch sie in ihrer Gesamtheit ge­schwächt ist. Das Verlustspiel Heuchelheims ge­gen Raunheim läht für den Sonntag gar keine Rückschlüsse zu; es war eben nur ein unglückliches mwi nm niin i,

Sturm in Schmalebeck

Roman von Sophie K l o e r s s.

Copyright 1926 by Aug. Scherl G. m. b. 5)., Berlin.

30 Fortsetzung. Nachdruck verboten

Wie er dastand, das Gläschen mit Madeira in der zierlichen weißen Greisenhand, den schmalen Kopf mit den silberweißen Scheiteln ein wenig dem Jubilar zugeneigt, und mit seiner gütigen Stimme sagte:Der Gegen Gottes und die Liebe ihrer Freunde möge Ihr Leben so wie heute auch ferner­hin jeden Tag in Sonne tauchen", da wurden Frau Luisens Augen feucht, und sie sah ihren Rottmann an und gelobte sich, ihm für die letzte Lebensspanne noch einmal und viel ernster und tiefer als an jenem Tag vor fünfzig Jahren.

Unruhe und Lachen und Sprechen. Gäste und Gaben. Enkel, die fangen, Freunde, die es so gren­zenlos gut meinten, Lieferanten, die bei dieser Ge­legenheit ein bißchen Gutes erwischten in der Küche Mile und Marn Eggers, und überall Blumen­duft und Kuchengeruch, und nirgends ein ruhiges Fleckchen für ein paar alte müde Leute. Bis endlich Hanse durchgrrff und die alten Herrschaften in das Sprechzimmer des Doktors brachte.So, Vater, so, liebe Mutter, nun ruht Euch erst ein Stündchen hier auf dem Sofa. Bis es Kirchzeit ist. Sonst haltet Ihr nicht durch den ganzen Tag."

Ihr selber schwirrte der Kopf. Und immer einmal sah sie unruhig nach Ilse aus, denn die wollte ihr gar nicht gefallen. Was für dunkle Schatten das Mädchen um die Augen hatte. Wie es oft ganz in Gedanken versank, dreimal angerufen werden mußte, und sich dann mit übertriebenem Eifer in ein Gespräch ober eine Arbeit stürzte.

Rur einmal war sie ganz dabei gewesen, als Georg Grützmann eintrat, sein Riekchen am Arm, und hinter ihnen Pastor Jessen mit seiner glück­strahlenden Frau. Da hatte Ilse die Freundin in die Arme geschlossen und gesagt:Du sollst so glüdliii' werden, mein Riekchen, wie du es verdienst, und kein Mensch verdient es so wie du."

Für Schmalebccker Verhältnisse war es ein bißchen viel auf einen Tag, eine goldene Hochzeit und eine Verlobung. Man mußte sich erst daran ge­wöhnen. Das Leben nahm ja plötzlich ein Tempo

an Und als wollte es die Menschen aus einer Aufregung in die andere stürzen, kam mittags die Post und brachte die langerwartete und nun doch alles erschütternde Nachricht, daß Christian VIII. zwei Tage zuvor heimgegangen sei.

Die Menschen, die das Rottmannsche Haus nach dem Gratulieren verließen, blieben auf der Straße stehen und redeten aufgeregt weiter.

Vor der Post stauten sich die Wißbegierigen, denn es war ein Schneider aus Kiel in der Kutsche gewesen, der hatte es dort als sicher gehört, und man konnte zum Abend schon den Hamburger Korrespondenten erwarten, der immer alle großen Ereignisse Schwarz auf Weiß brachte. Und dann was wurde bann?

Madam Eggers, mit fieberroten Wangen und heißen Augen wutschte immer hin und her zwischen Küche und Stube. Sie reichte Wein hemm an solchem Tag, wo die Haustöchter auch präsentierten, war das keine Erniedrigung sie schnitt Torten, sie bot hier an und nötigte dort, und ihre Augen und Ohren waren überall.

Zitternd vor Erregung kam sie hinaus.Mile. Mile. Er hat sie genommen. Der dicke Grützmann Hat sie richtig am Ann."

Unser Ilse?"

Ach was, euer Ilse! Riekchen hat er. Und die Mutter! Sollst mal die Mutter sehen. Na, wo er Geld hat wie Heu. Und sie hat mir drei Schillinge abgezogen von der Gesellschaftshaube. Die alte Geizkruke. Das kann ihr so passen." Sie lachte so laut und gellend, daß Mile ^ang erschrocken herum­fuhr.Ja, wo was ist, da fällt was hin. Und mein Fiete--och, der soll nicht mal auf die Schule.

Mile, ist sag' man,ne große Schweinerei ist das Leben."

Was redest du denn? So sprichst du doch sonst nicht. Tust doch sonst immer so fein, Angeline--"

Madam Eggers, mit fieberroten Wangen und heißen Augen, merkt, daß von der Sandtorte nur noch ein Eckchen übrig war und packte das eilig in ihren Korb. Fiete so gern Sandtorte.

Nu haben sich die Alten hübschen hingesetzt zum Schlafen. Nachher gehen sie ja in die Kirche. Was der Propst woll sürne Rede hält? Seit drei Tagen hat der Küster tue Kirchenöfen geheizt, euer Doktor hat das Holz dazu geschickt. Ich war vorhin mal drin in der Kirche. Ist schön warm. Und am Altar alles

voll Grün, hat Herr Milius geschickt. Und en großer Teppich vor dem 2lltar, und--" Sie verstaute

schnell ein Gläschen Gelee mit in den Korb. Gelee hielt sich, das konnte man immer brauchen, und hier stand der ganze Keller voll von Eingemachten. Es kam auf ein paar Gläser mefjr ober weniger gar nicht an. Die Gläser natürlich die Glaser brachte sie bei Gelegenheit wiedero lieber Gott, nein, man war doch ein ehrlicher Mensch. Wie hält' sie woll man eins von Frau Pastors Gläsern behalten können. Da hatte auch noch ein Paket belegter Brötchen Platz. Waren vom Frühstück übrig geblie­ben, wären morgen doch man trocken gewesen. Und Fiete hatte immer solchen Hunger, wenn er abends von der Arbeit kam.

Mile, nu kuck, nu geht ja woll der Propst mit Jessens weg. Hat ja en großen Pelz an. Ja, das rentiert sich, in Altona der erste bei der Kirche zu sein. Na ja, na ja, ist noch nickt aller Tage Abend. Ob er woll zu Jeßens mit reingcljt?"

Der kleine zierliche Propst mit dem klugen Kopf ging mit hinein zu Jessens.Wenn Sie ein Stünd­chen für mich Zeit haben, lieber Amtsbruder?" Wer hätte für solche Ehre keine Zeit gehabt?

Sie saßen in den roßhaarbezogenen Sorgen­stühlen dicht am Ofen und rauchten eine Zigarre, und der Propst gab sich sehr menschlich und gar nicht als Vorgesetzter, versank dazwischen immer einmal in feine Gedanken, und Johannes Jessen konnte das Gefühl nicht los werden: Irgend etwas hat er auf dem Herzen. Er will nur nicht mit der Tür ins Haus fallen.

So nach einer kleinen halben Stunde, da kam esWas ist das eigentlich hier in Schmalebeck, lieber Amtsbruder, für ein wunderliches Treiben mit anonymen Briefen? Man hat schon bei uns in Altona davon erfahren."

Ja, ja, das ist eine häßliche Sache, anständige Menschen werden angegriffen, und aus den kleinsten Harmlosigkeiten werden böse Klatschereien gemacht."

Sind die Dinger immer harmlos?"

Jessen berichtete von der Reise an die Elbe, die eigentlich an den Rhein hätte gehen sollen, und wie der Whistklub wegen seines Prassens angegriffen sei, was doch gewiß Verleumdung,wenn man ja auch sagen muß, daß die alten Herrschaften, die sonst nicht mehr viel vom Leben haben, sich gern bei der Gelegenheit einen guten Happen gönnen. Und daß

verschiedene Kaufleute böse herunter gemacht wären, wegen schlechten Gewichts, und der Bäcker wegen seiner Unsauberkeit--"

Nun also," sagte der Propst,es ist wie überall bei solchen Dingen, ein Körnchen Wahrheit ist an der Sache. Man hätte auch dies Körnchen vermeiden sollen. Aber wir sind allzumal Sünder." Und plötz­lich, scharf betont:Das würde mich nicht erregen, wenn es sich nicht um einen Diener der Kirche han­delte. Man hat auch Sie, lieber Amtsbruder, mit einem häßlichen Verdacht beworfen."

Mich?" Johannes Jessen fuhr ordentlich hoch aus seinem Stuhl.Was in aller Welt habe ich denn verbrochen?"

Sie können sich denken, daß ich auf anonyme Zuschriften nichts gebe. Doch diese haben sich dreimal wiederholt, und da ich befürchten mußte, daß man Sie auch an anderen Stellen in ähnlicher Weise an- greisen möchte, kam ich herüber. Die goldene Hoch­zeit war nur der willkommene, unauffällige Vor­wand."

Aber um des Herrn willen, was kann man mir vorwerfen? Din ich zu lax im Amte? Meine Frau meint es oft. Ader ich bin kein Streiter, ich habe mehr Mitleid und Erbarmen als Zorn.--"

Nein, es handelt sich nicht um Ihr Amt. Man spricht von Ihrem Privatleben."

Da hatte er überhaupt keine Antwort mehr.

Es wird angedeutet, daß eine Dame in Ihrer nächsten Nachbarschaft sich Ihrer besonderen Neigung erfreuen dürfte. Daß Ihre Familie unter dieser un­erlaubten, hm Liebe litte. Daß Sie sogar mit dieser Dame einsame Fahrten über Land machten. Daß man nicht wissen könne, wie weit das alles ginge, sintemalen die Gärten durch ein Pförtchen verbunden wären, und man unauffällig herüber und hinüber schlüpfen könnte. Es heißt, daß bereits Gemeindemitglieder an dieser Sache Aergernis ge­nommen --"

Da hielt sich Johannes Jessen nicht mehr. Auch ihn erfaßte gerechter Zorn.Das ist unerhört. Das kann nur auf eine einzige Frau gehen, denn die kleine Pforte zwischen Den Gärten ist nur einmal vorhanden. Aber diese Frau anzugreifen, ist eine Gemeinheit. Jawohl, eine Gemeinheit. Der fann fein Mensch etwas nachsagen. Dafür lege ich meine Hand in das Feuer."

(Fortsetzung folgt.)

Rama buttfrlnn

L MARGARINE 7