Einzelbild herunterladen

Zreltag, 1\. September 1926

176. Jahrgang

Nr. 224 Erster Blatt

GietzenerAnzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

Druck und Verlag: Bruhl'sche Universitäts-Buch- und Lteindruüerei R. Lange in Sieben. Schriftleitung und Geschäftsstelle: Zchulstratze 7.

konischen

Lu

Der BesatzungsLruppen

Dr.

Dr.

der diploma- Telegraph"

G a ß n e r (Oppenheim), Regierungsassessor Metternich (Bingen) und Landgerichtsrat Mayer (Mayen).

London, 23. Sept. (TU.) Wie tische Korrespondent des »Daily

Erscheint täglich,außer Sonntags und Feiertags.

Beilagen.

Gießener Familienblätter Heimat im Bild Die Scholle.

MonalL-vezvgrprelr:

2 Reichsmark und 20 Reichspfennig für Träger­lohn, auch bei Richter- fcheinen einzelnerRummern infolge höherer Gewalt. Fernsprechanschlüsse: 51, 54 und 112.

Anschrift für Drahtnach» richten: Anzeiger Sietzen. Postscheckkonto:

Frankfurt am Main 11686.

stellen soll. Das könne nur durch Ratifika­tion der britischen und amerikanischen Schul­denabkommen geschehen. Aber ohne eine solche Ratifikation werde Amerika nicht für irgendeine

Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Rachmittag vorher.

Preis für \ mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig; für Re- klameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Playvorschrist 20°,, mehr.

Chefredakteur:

Dr. Friedr. Will). Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wich. Lange; für Feuilleton Dr. H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Blumschein; für den An­zeigenteil i.Dertr. H.Bcck, sämtlich in Dietzen.

Frankfurt a. M., 23. Sept. (Wolff.) Die Franzosen sollen tatsächlich mit dem Abtransport von 5000 bis 6000 Mann begonnen haben. Am

Die Lage in China.

London, 24. Sept. (WTB. Funlspruch.) WieMorning Post" aus Schanghai meldet, sympathisieren bereits zahlreiche siihrende Chi­nesen mit Tschangkaischeck, dem Führer der Kantonarmee. Der ganze Feldzug der Süd­truppen werde von dem russischen General Ga­lan geleitet. 250 russische Stabsoffiziere be­fänden sich bei den Südtruppen. Kar ach an verbleibe im Sowjetkonsulat in Schanghai. Alle Depots der British Associated Petroleum-Com­pany seien geschlossen worden, dagegen seien die Depots der American-Standard-Oil-Companh nicht angetastet worden. Der Kommandant der Kantontruppen plane eine Beschießung Wu- tschangs, das immer noch Widerstand leiste. Er habe die ausländischen Dampfer, die auf dem Bangtse gegenüber Wutschang vor Anker liegen, ausgefordert, ihre Liegeplätze zu ver­lassen. Der amerikanische Admiral habe sich geweigert, den Hasen zu verlassen. Die Mehrzahl der in der Konzessionszone lebenden Ausländer habe sich auf die Kriegsschiffe ge­flüchtet. Man befürchte, daß die sowjetistische Propaganda der Südtruppen unter den Trusten Der Marschälle Wupeifu und Tschangtsolin Un­ruhen Hervorrufe. Sn Peking arbeite man an der Bildung eines Ministeriums, in dem S u n- s ch u a n f a n g einen größeren Einfluß haben solle. Rur unter dieser Bildung dürfe er aktiv an den Operationen gegen Kanton sich beteiligen. Man erwarte den Abschluß eines Bündnisses zwischen Tschangtsolin, Wupeifu und Sunschuan- fang zur endgültigen Aiederringung der roten Truppen Kantons.

Dr. Stresemann beim Reichspräsidenten.

Mobilisierung der Dawesvorzugsobligationen haben sein.

Die Verminderung

Zur Rede des Reichsaußenministers vor der deutschen Kolonie in Genf schreibt derTemps", was besonderen Anstoß erregt habe in dieser Rede sei die Behauptung, daß die feierliche Art, wie Deutschland in Genf zugelassen worden sei, ein sicherer Beiveis dafür sei, daß die Anschuldi­gungen hinsichtlich der Berantwortlichkeit Deutschlands für den Krieg gewisser­maßen durch die im Völkerbünde vertretenen Mächte zurückgenommen und so die Kriegsschuldfrage indirekt geregelt worden sei. Dagegen verwahrt sich derTemps". Man würde, so erklärt er, die Dinge seltsam fälschen, wenn man die Großmut, mit der man Deutschland ausgenommen habe, als eine Art moralische Reparation, die man Deutschland nicht schulde, ansehen würde und die eine wahr­hafte Tlngerechtigkeit bilden würde gegenüber den Völkern, die die schmerzlichen Opfer des Angriffes vom August 1914 geworden seien. Die Rede Stresemanns scheint uns, so schreibt derTempS" weiter, wesentlich inspiriert von innerpolitischen Befürchtungen.

Der Außenpolitiler desJournal des De- bats" schreibt: Die Lage ist klar. Stresemann hat außerhalb des Völkerbundes patriotische Erklärungen abgegeben, die er vor dem Völker­bunde nicht Hütte machen können, ohne feierliche Proteste hervorzurufen. Seine Bekundungen über die Kriegsverantwortlichkeit müsse öffentlich zu­rückgewiesen werden. Briand muß dies tun. Die Freunde Stresemanns erblicken in ihm einen zweiten Bismarck. Werden wir ihnen helfen, diese Prophezeiung zu realisieren?

Die Mobilisierung der Dawes- obligationen.

Die neue griechische Verfassung.

Athen, 24. Sept. (TAl.) Der Präsident der Republik, Konduriotis, unterzeichnete gestern die neue Verfassung, die von einer parlamentarischen Kommission ausgearbeitet wurde. Die Rationalversammlung wurde für aufgelöst erklärt. Mit einem Aufruf an das Volk, die Sdeale höher zu stellen als Parteigeist, hat gleichzeitig Ministerpräsident K o n d y l i s sein Amt niedergelegt. Er will jedoch das Ministerium bis zum Ende der Wahlen weiter­leiten. Rach der Regierungsbildung will sich Kvndylis aus der Politik für immer zurück­ziehen, um dem Lande die Rückkehr zum normalen parlamentarischen Leben zu erleichtern. Er bittet seine Freunde und Mitarbeiter, sich anderen repu­blikanischen Parteien anzuschliehen oder unab­hängig zu bleiben, aber immer Republikaner. Ferner rät er dem Volke, durch seine Haltung zur Gesundung des politischen Lebens und zur Einstellung der Kämpfe um die Re­gierungsform beizutragen. Die Armee for­dert er auf, sich jeder Einmischung in die Politik zu enthalten.

hat die Rheinlandkommission ferner den Beamten, deren Ausweisung bereits früher aufgehoben wor­den war, nunmehr die Erlaubnis zur Wie­deraufnahme ihrer Amtstätigkeit er­teilt. Diese Entscheidung bezieht (ich u. a. auf Poli­zeiinspektor Schuchardt (Koblenz), Polizei­inspektor Janke (Bendorf bei Neuwied), Stu­dienrat Natter (Mayen), Kreisdirektor Dr.

Deutschlands Eintritt in den Völkerbund und diettolonialf rage

Von

Gouverneur z. D. Heinrich Schnee, M. d.R.

Der Eintritt Deutschlands in den Völkerbund hat die Hindernisse beseitigt, welche dem Wieder­eintritt unseres Vaterlandes in den Kreis der kolonisierenden Mächte entgegenstanden. Mach der Völlerbundssahung sind diejenigen Gebiete, die infolge des Krieges ausgehört haben, unter der Souveränität der sie beherrschenden Staaten zu stehen, als Mandate unter Aussicht des Völkerbundes zu verwalten. Die Rück­gabe deutscher Kolonien an Deutschland kann hier­nach unter der Geltung der Völkerbundssatzung und des Versailler Diktates nur in der Form der Alebertragung von Kolonial man- baten erfolgen.

Die deutsche Außenpolitik hat seit jenem Memorandum des Rcichsaußenministers Dr. Stresemann vom September 1924, in dem er die Voraussetzungen für den Eintritt Deutschlands in den Völkerbund niederlegte, dieses Ziel be­ständig vor Augen gehabt. Sn dein Memorandum war in Bezug auf die Kolonien gesagt worden: Deutschland erwarte zu gegebener Zeit aktiv an dem Mandats!) st em beteiligt zu werden. Die Locarnoverhandlungen haben bann, zwar nicht zu festen Versprechungen in Bezug auf die Zuteilung bestimmter Koloxialmandate an Deutschland geführt, wohl aber ist, von den eng­lischen wie französischen verhandelnden Staats­leuten anerkannt worden, daß Deutschland als Mitglied des Völkerbundes ebenso auf Alefoer- tragung von Kolonialmanvaten Anspruch er­heben könne, wie jedes andere Völkerbundsmit­glied. Damit war die Eignung Deutschlands zur Verwaltung von Kolonien anerkannt und die koloniale Schuldlüge der Alnfähigkeit und Ain-- Würdigkeit Deutschlands zum Kolonisieren, mit der die Wegnahme der deutschen Kolonien be- uünbet worden war, fallen gelassen worden. Hieraus müßte sich, wenn es nach Recht und Gerechtigkeit ginge, konsequenterweise die Rück­gabe seiner Kolonien an Deutsch­land ergeben.

Soweit ist aber der edle Grundsatz, die Ge­rechtigkeit herrschen zu lassen, der nach der Ein­leitung zur Dölkerbundssahung mit für die Er­richtung des Völkerbundes maßgebend war, noch nicht in die Praxis überführt worden. Smmerhin aber scheint das eine klar, daß es eine auf die: Dauer unmögliche Situation sein würde, wenn Deutschland als Mitglied des Völkerbundes und als ausdrücklich zur Alebernahme von Kolonial­mandaten geeignet erklärter Staat tatsächlich von der überseeischen Kolonisation ausgeschlossen blei­ben sollte. Wie soll sich das Verhältnis des neuen Mitgliedes zu denjenigen Mitgliedern des Völkerbundes gestalten, die ihm unter dem Vor­wande deutscher kolonialer Unfähigkeit und Ain» Würdigkeit seine Kolonien weggenommen haben und sie trotz Beseitigung dieses Vorwandes be­halten und selbst Deutschland überhaupt von der Mandatverwaltung ausschliehen wollen?

Zwischen dem deutschen Außenminister und dem französischen Außenminister Briand hat am 17. September ds. 38. jene Desprechung in 2 h o i r y stattgefunden, bei der sie der bekannten Presseverlautbarung zufolgeihre Auffassungen über die Lösung der gesamten Fragen in Einklang gebracht haben", und ihren Regierungen darüber Bericht erstatten werden. Da über den Inhalt dieser Besprechung nichts Räheres an die Oeffentlichkeit gelangt ist, so läßt sich nicht er­kennen, in welchem Maße dabei eine Lösung der kolonialen Frage vorgesehen ist. Bekanntlich hat Frankreich als Kolonialmandate den über­wiegenden Teil von Kamerun und etwa 2/3 von Togo erhalten, Gebiete, die gegenüber dem un­geheuren eigenen französischen Kolonialbesitz in Afrika für Frankreich ohne große Bedeutung sind.

Die von England herüberdringenden Stim­men klingen bisher ziemlich ablehnend. Man hört da die geradezu wie Hohn klingende Wendung: Deutschland tönne Kolonialmandate erhalten, wenn welche frei werden; es seien aber nun einmal feine frei. Der Kolonialminister 2Imcrt) hat in Reden seltsame Ansichten über die Mandatverwaltung geäußert, wonach Eng­land die Mandatgebiete aus eigenem Rechte dauernd halte und nur mit ser­vitutähnlichen Verpflichtungen zugunsten des Völ­kerbundes belastet sei. Aus die Alnhaltbarkeit seiner merkwürdigen Ideen hingewiesen, hat Olmert) in Ermangelung irgendwelcher sttch- haltigen Gründe nur zu sagen gewußt. was er gesagt habe, habe er gesagt. Die englische kon­servative Presse ist auf den Ton des britischen possesive instinct abgestimmt, wie ihn John Galswvrthy in seinerForsyte Saga" so glänzend charakterisiert.Wir haben die deut­schen Kolonien einmal in Besitz und geben sie nicht wieder heraus." Daß es sich, ganz abgesehen von allen anderen Gesichtspunkten, um eine Lebensnotwendigkeit für das über­völkerte Deutschland handelt, eine Ergänzung seiner zu schmalen Dodengrundlage durch über­seeische Kolonien zu erlangen und daß eine dau­ernde Verständigung zwischen Deutschland und England nicht möglich ist, solange diese Lebens­notwendigkeit von englischer Seite mißachtet wird, wird einfach beiseite geschoben. Die deutschen Bemühungen, dieses vor aller Welt klarzustellen. werden als unbequem empfunden. DieTimes" lassen ab und zu wohlwollende Warnungen an die deutsche Adresse ergehen, man möchte doch im Interesse der sonstigen Verständigung mit England die koloniale Sache ruhen lassen.

25. September werden das 51. Infanterieregi­ment, das Artillerieregiment 312 und eine Ma­schinengewehrabteilung die Stadt Koblenz ver­lassen. Ob und welche andere Truppenteile nach Koblenz verlegt werden sollen, steht noch nicht fest, doch nimmt man an, daß das Bataillon: Infanterie, das in Diez a. d. Lahn liegt, nach Koblenz kommt, da Diez von Truppen frei­gemacht werden soll.

Jurückgenommene Ausweisungsbefehle.

Koblenz, 23. Sept. (Wolff.) Der Reichs- kommissar für die besetzten Gebiete teilt mit: In Durchführung der Koblenzer Befriedungs­vereinbarungen vom 10. September hat die Inter­alliierte Rheinlandkommission 7 9 A u s w e i - sungsbefehle zurückgenommen. Es han­delt sich dabei um den früheren Wiesbadener Re­gierungspräsidenten Dr. M o m m , Direktor Dr. Ley (Boppard), Oberregierungsrat Dr. Pralle (Birkenfeld), Kriminalpolizeikommissar Luden- dorfs (Aachen), Direktor Jutra (Kreuznach), Oberbürgermeister M a h l a (Landau), Kassierer S i f f e r t (Kusel), die Aerzte Dr. Rieck und Dr. R i s s o n (Mayen), Amtsrichter Frisch und Amtmann Werber (Kehl). In weiteren 23 Fällen

Brisenstimmung in Warschau.

Der Kamps um das Budget im polnischen Sejm.

Warschau, 24. Sept. (TAI.) Die polnische Regierung hat sich bei den Beratungen des von ihr vorgelegten provisorischen Haushalts­quartal in der Haushaltskommission weitere Ab­striche an ihrem Voranschlag gefallen lassen müssen, trotzdem der Regierungsvertreter aus­drücklich erklärt hatte, die Regierung werde den abgeänderten Voranschlag nicht annehmen.

Die erste Rede in der Hauptaussprache im Plenum des Sejms hat nunmehr sogar den Eindruck erweckt, als ob nicht einmal der ab» geänderte Voranschlag im Sejm zur Annahme gelangen könne. Beachtenswert war besonders die Rede des deutschen Sejmabgeordneten Dr. P i t s ch, der erklärte, daß die Erwartungen, die man nach den Maiereignissen in die Verspre­chungen der neuen Männer gesetzt habe, schwer getäuscht worden seien. Die deutsche Minder­heit habe die Hoffnung auf eine Besserung von selten dieser Regierung aufgegeben. Dr. Pitsch erinnerte in diesem Zusammenhang an die 80 Dombenattentate, die allein in der letzten Zeit auf Deutsche und deren Eigen­tum in verschiedenen Ortschaften stattgefunden hätten, und die bis zur Stunde noch nicht auf­geklärt worden seien. Keine Verhaftung sei bisher erfolgt. Die deutsche Sejmfraktion werde gegen die Regier ung und ihr Budget- Provisorium stimmen.

Die Aussprache wird am Freitag fortgesetzt. Ministerpräsident Bartel empfing gleich nach Schluß der Sitzung die Vertreter der Presse und erklärte in sehr erregtem Tone, die Streichungs­beschlüsse der Dudgettommission seien reine Ten­denzbeschlüsse gegen die gegenwärtige Regierung. Die Dudgetkommission habe sachliche Rückfragen bei den von ihren Streichungen betroffenen Ressorts nicht getan. Dieser Beschluß des Aus­schusses sei für die Regierung umnaßgeblich, die Verantwortung falle auf diejenigen, die damit eine unzweckmäßige Krise hervorzurufen suchten. Die Regierung werde entsprechend zu antworten wissen.

Man spricht im Zusammenhang mit diesen scharfen Erklärungen Bartels von der Möglich­keit der S e j m a u f l ö s u n g. Es sei nicht aus­geschlossen, daß die Regierung sich entschlösse, keine Reuwahlen auszuschreiben und ohne Sejm weiterzuregieren. Es fehlt auch nicht an Aeußerungen, die im Zusammenhang mit dieser Möglichkeit von einem gewaltsamen Sturz des Kabinetts Bartel sprechen.

Empfänge

beim Reich-spräsidenien.

Berlin, 23. Sept. (Wolff.) Der Herr Reichspräsident empfing heute den königlich spa­nischen Botschafter Soler y Guardiola, der in nächster Zeit einen längeren Airlaub antritt; ferner den von dem ägyptischen Gesandten be­gleiteten ersten Kammerherrn des Königs von Aegypten Hassanei n Bey, sowie den Be­fehlshaber des amerikanischen Geschwaders in Europa, Vizeadmiral Wells, dessen Flaggschiff, der KreuzerMemphis" sich zur Zeit in Kiel be­findet. Der Admiral war vom Kapitän und den höheren Offizieren des Kreuzers, sowie dem amerikanischen Geschäftsträger und dem Marine­attache begleitet.

Der Reichsauhenminister Dr. Stresemann ist am Donersiagnachmittag wieder in Berlin einge- troffen und hat noch am gleichen Abend dem Reichspräsidenten Vortrag gehalten. Das ist ein Akt, dem keine besondere Bedeutung beizumessen ist, hat sich doch auch der Präsident der französischen Republik über die in Genf und Thoiry gepflogenen Unterhaltungen orientieren lassen. Verschiedene P a- riser Blätter wollen aber besser unterrichtet ein und behaupten, ein Konflikt Hindenburg Stresemann stände unmittelbar vor der Tür, da Herr Briand dem deutschen Außenminister in Thoiry rund heraus erklärt habe, an ein französisches Ent­gegenkommen könne nicht eher gedacht werden, als bis Deutschland seine Entwaffnung restlos durchgeführt und auch sämtliche nationalen Verbände aufgeböft habe. Es handelt sich bei dieser Behauptung natürlich nur um einen der be­kannten Versuche, bei uns innerpolitische Schwierigkeiten hervorzurufen, aus denen man dann in Paris politisches Ka - p i t a l zu s ch l a g en gedenkt.

In der gleichen Richtung bewegen sich auch die Aeußerungen verschiedener Presseorgane, die sich auf die von Herrn Dr. Stresemann vor der deut­schen Kolonie in Genf gehaltene Rede gestürzt und vor allem an seinem Passus über die Kriegs- schuldlüge Anstoß genommen haben. Daß die­ses Hineinfunken in die sich nun anbahnenden deutsch-französischen Verständigungsoerhandlungen Herrn Briand gerade nicht angenehm ist, darf wohl aus den Beschwichtigungsversuchen einer Reihe be­deutender Pariser Zeitungen herausgelesen werden, die sich alle Mühe geben, ein Zerreißen der eben angetnüpften Fäden zu vermeiden, an denen auch manche recht bedeutende französische Hoffnung hängt. Dr. Stresemann wird nun zunächst einmal in den das Wochenende aussüllenden Kabinettssitzungen ge­meinsam mit seinen Ministerkollegen die deutsche Marschroute festlegen, so daß dann vielleicht schon die in Thoiry vereinbarten direkten Verhand- l u n g e n ihren Anfang nehmen können.

Der Außenminister wieder in Berlin.

Berlin, 23. Sept. (TU.) Reichsaußenminister Dr. S i r e s e m a n n ist um 5 Uhr nachmittags mit dem fahrplanmäßigen Schnellzug von Montreux über Bafel und Frankfurt auf dem Anhalter Bahn­hof in Berlin wieder eingetroffen. 2Nit ihm kehrten von der deutschen Delegation Staats­sekretär Weißmann und der Reichspressechef Dr. kiep wieder nach Berlin zurück, während die übrige Delegation in Genf verbleibt. Auf dem Bahn­hof hatten sich schon eine geraume Zeit vorher der Reichskanzler und die Minister H a s l i n d e, Bell und Cnrtius eingefunden, sowie der zur Zett in Berlin auf Urlaub befindliche Botschafter Freiherr o. 7N a l h a h n und rNinisierialdircktor Köpke vom Auswärtigen Amt. Bon den auslän­dischen Vertretungen sah man den englischen Bot­schafter Lord d'Abernon, den französi­schen und den tschechischen Geschäfts­träger sowie den belgischen, den pol­nischen und den Schweizer Gesandten. Kurz vor 5 Ahr lief der Zug ein. Die Herren be­gaben sich zu dem im Hinteren Teil des Bahnhofs haltenden Salonwagen und überbrachten dem Reichsauhenminister ihre Glückwünsche. Dr. Strefe- mann begab sich gleich daraus zum Herrn Reichs­präsidenten, um ihm über die Genfer Ber- fjanölungen Bericht zu erstatten. Rach etwa einftün- bigetn Boilrag dankte der Reichspräsident dem Reichsaußenminister für seine müheooUe Arbeit und gab der Hoffnung Ausdruck, daß Sie jetzt ange­knüpften Berhandlungen zur Lösung noch schweben­der schwieriger Fragen und zur baldigen Be­freiung des Rheinlandes und des Saargebietes führen möchten. Am Freitagoor- miftag wird das Reichskabinett zu einer Ka- binettssihung zusammen treten, die sich mit Gens und den Besprechungen von Thoiry beschäftigen wird.

Was man in Paris erwartet.

Paris, 23. Sept. ('SAI.) Die Pariser Mit­tagspresse erwartet, daß nach der Rückkehr Strese- mamrs nach Berlin ein Konflikt zwischen i h m und dem Reichspräsidenten aus­brechen wird. Der Berliner Korrespondent des Paris Midi" berichtet, daß die deutschen Ratio­nalisten auf eine französische Regierungskrise hoff­ten. Die Bedingungen der Vereinbarungen von Thoiry bezögen sich jedoch vor allem auf eine endgültige Entwaffnung Deutschlands und vor allem auf die Aufhebung der illegalen militärischen Verbände. Ihre Fortexistenz würde von Frankreich auf jeden Fall als eine Herausforderung und als ein schweres Hindernis für die Verwirklichung des Abkommens von Thoiry betrachtet. DemParis Midi" zufolge hat Briand dies Dr. Stresemann erklärt und Stresemann seinerseits formelle Ver­sprechungen in dieser Hinsicht gemacht. Es sei nicht die Verwertung der deutschen Cisenbahnobliga- tionen, die Anlaß zu inneren Schwierigkeiten in Deutschland geben werde, sondern vielmehr die politische und verfassungsmäßige Offensive, die Stresemann gegen die militärischen Organisa­tionen einleiten müßte. Cs sei notwendig, reinen Tisch mit diesen Dingen zu machen, wenn man nicht wolle, daß die militärischen Organisationen schließlich der Stein des Anstoßes würden, über den das ganze Gebäude der Annäherung und Zusammenarbeit scheitere.

schreibt, findet der französische Vorschlag auf Mobi­lisierung eines beträchtlichen Teiles der Dawes­obligationen auf dem internationalen Geldmarkt sowohl bei britischen als auch ameri­kanischen Bankiers wenig Gegen­liebe. In diesen Kreisen ist man der Ansicht, daß Frankreich, wenn es Geld zu verhältnismäßig nie­drigem Zinsfuß wünsche, in erster Linie seinen internationalen Kredit wiederher-

Iskarten nd 3.- nur im bei Challier g, 27. Sept.

irmgsblatt.

^Sungsblatt

Dachschau an

^Nachrichten.

^.ungsblatt ^Arbeitszeit und Klauenseuche

Feldbereinigu.rg n - Diensinach.

Ale.

* $om oi

A>n ersten »7 ,nz über

' b-r K!rch, S i|1 ein, c ^idrachr i« n' 7"hl, unh Mental

';ÄS-

1111 *

i. 29 3uli

BgeE

mg NF

Marl

rKS tut««1""

ilöfl lmmiliag ihM MH leischhalle

'Kauf.

M gibt die Sehendes Mj»

-Klasse, 54,36 .Klasse. 45,16fm trennt nach Losen st bis zum 27. ;

bei unterzeichn?' wo alsdann d>e Holz 'st mit Nmd Bedingungen m geben. Freie Aus loten bleibt vorbe«

»

en Mittet derMch Herba-öeife (fyeMrau®.^« W. -.65, »«

Kunglp Narret 91poi^M.6-W Waldlällitidl.