Ausgabe 
24.8.1926
 
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...ckiios beschäftigt sich mit der vom Splstopai im -Kirchen st reit weiter einzunehmenden Haltung. Wie verlautet, hat der Ausschuß durch Vermittlung des päpstlichen Legaten Curuana In Har maa dem Vatikan einen eingehenden Be­richt drahtlich übermittelt. Wie an­genommen wird, werden alle weiteren vom Epi­skopat in der Frage der Registrierung der Geist­lichen und der Wiederaufnahme des Gottes­dienstes zu unternehmenden Schritte von der Antwort des Pap st es abhängen. Der Plan, entsprechend der Anregung des Präsi- dentm Calles eine Abänderung der auf die Kirche bezüglichen Verfassungsartikel anzustreben, besteht in bischöflichen Kreisen un­verändert fort. Von Persönlichkeiten, die der hohen Geistlichkeit und der Regierung nahe- stehen. wird versichert, daß der versöhnliche Geist, der im wesentlichen die Konferenz zwischen Calles und den Prälaten beherrscht habe, geeignet sei. zu einem Hebereinkommen zu führen, bei dem beide Teile ihre Würde gewahrt wissen könnten.

Japans neue Auswandemngs- politik.

Tokio, 23. Aug. (WTD.) Ein Mitglied des japanischen Auswärtigen Amtes erklärte, Japan habe seine gesamte Auswanderungspolitik urnge st osten, nachdem es die Zwecklosig­keit und die Torheit seiner früheren Bemühun­gen, seine Bevölkerung dorthin zu senden, wo sie nicht gewünscht werden, eingesehen habe. Japan beabsichtige in Zukunft Hokkaido, For­mosa und seine anderen Besitzungen zu k o l o ni­st e r e n. Es beabsichtige jedoch nicht, Aus­wanderer nach Australien, Kanada oder anderen Ländern zu entsenden, da es erkenne, daß seine bisherige Politik viel Schwierigkeiten und viel Verstimmung verursacht habe. Iapans Politik sei jetzt, den Handel mit anderen Ländern, ins­besondere denen im Süd-Pacific zu ver­bessern, Industrielle und Fabrikanten zu er­mutigen. sich auf die Herabsetzung der Kosten zu konzentrieren, die Qualitäten zu verbessern und eine riesige Ausfuhr aufzubauen. Die Vorlage, die das Cinwanderungsprogramm nach Hokkaido enthält, wird dem Landtag in seiner kommenden Tagung vorgelegt werden.

Einberufung

des Auswärtigen Ausschusses.

Berlin. 23. Aug. (TU.) Der Auswärtige Ausschuß des Reichstages ist von seinem Vorsitzen­den Herat nunmehr endgültig auf Donners­tag, 26. August, 10 Uhr vormittags, einberufsn worden. Auf der Tagesordnung steht: Entgegen­nahme einer Erklärung der Reichsregierung über d i e gegenwärtige außenpolitische Lage.

Das neue Waffengesetz.

Berlin, 24. Aug. (WTB. Funkspruch.) Wie eine Korrespondenz mitteilt, wird der Entwurf des neuen Gesetzes über Schießwaffen und Schieß­bedarf einige wichtige Erweiterungen erfahren. Während bisher nur für die Führung von Schuß­waffen an öffentlichen Orten ein Waffen­schein erforderlich war, wird nunmehr der Be­sitz von Waffen überhaupt von der Ertei­lung einer Lrlaubnis abhängig gemacht. Auch Kleinkaliberbüchsen dürfen nicht ohne Waffenschein erworben werden. Außerdem werden die Führung von Kleinkaliberwaffen durch poli­tische Organisationen sowie das Abhalten von Schießübungen in militärischer Form verboten '-werden.

Aus aller Welt.

Der Anschlag ans den Kölner v-Zug noch nicht aufgeklärt.

Berlin, 24. Aug. (WTB. Funkspruch.) Rach Blättermeldungen aus Hannover erklärte Ober­staatsanwalt Dr. Stelling, der die Ermittelun­gen zur Aufklärung der Ursache der Eisenbahnkata- ströphe bei Leiferde leitet, daß sowohl in einigen Fällen der Verdacht einer Täterschaft bestehe, der oder die Täter seien aber noch nicht ermittelt worden. So wurde in Grußendorf, Kreis Gifhorn, am Sonntagabend der frühere Händler W. N. festaenommen. Er wird von einem Arbeiter namens Mohle aus Essen bezichtigt, das Eisenbahnattentat bei Leiferde verübt zu haben. Mohle selbst konnte fein Alibi nachweisen, wahrend W. Ns. Alibi nicht einwandfrei war. Er behauptet, in der fraglichen Nacht bei feinen Eltern in Han­nover zu Besuch gewesen zu sein. Die beiden Ge­nannten kennen sich vom Zuchthaus her. Der Händ­ler befindet sich noch in Haft.

1000 Mark Belohnung für den Weichensteller von Leiferde.

Bekanntlich hat gelegentlich Des Anfalles bei Leiferde der auf dem Block Ar. 169 dienst­tuende Weichensteller Klausmann durch seine Geistesgegenwart verhindert, daß ein von Han­nover kommender Zug in den entgleisten Zug hineinfuhr. Klausmana brachte den nur noch etwa zwei Kilometer entfernten Zug da­durch zum Halten, daß er in peinlicher Aus­führung seiner Dienstvorschriften das bereits auf Frei stehende Signal auf Halt stellte und dem Zug entgegenlief. Von der Verwaltung der Reichsbahn wurde dem Weichensteller für sein umsichtiges Handeln die Anerkermung aus­gesprochen. Er erhielt eine besondere fiel« stungszulage in Höhe von 1000 Mark.

6ifenbahnunfä(Ie in Frankreich.

Infolge falscher Weichenstellung ist der Ekpreßzug von Cette nach Rimes auf Öem Bahnhof Montpellier mit einem Per- sonsnzug zusammengestoßen. Der Zugführer konnte noch im letzten Augenblick bremsen, doch war der Stoß so stark, daß elf Passagiere in den beiden Zügen verwundet wurden Ein anderer schwerer Unfall trug sich auf der Strecke LilleParis zu. Der Führer des Eilzuges, der einen Defekt an der Lokomotive entdeckt hatte, stieg auf den Tender. In demselben Augenblick durchfuhr der Zug eine Drücke. Dabei wurde dem ZuMhrer der Kopf vom Leibe gerissen.

Die Torheit des Ueberholens.

Bei Alsheim rannte in dem Augenblick als ein mit zwei Personen besetztes Motorrad einen Personenkraftwagen überholen wollte, der Lenker des Motorrades in eine Gruppe Radfahrer, die einen Pfungstädter Rad­fahrerverein cmgehörte und sich auf einer Aus

flugtour befand, hinein. Dabei wurde ein Ra:, fahrer derart unglücklich angefahren, daß er mit voller Wucht gegen einen Baum geschleudert wurde und jetzt feinen Verletzungen erlegen ist.

50 000 Kraftwagen in Berlin.

Im Verkehrsamt Charlottenburg wurde D)n- nerstagmittag das 50 000. Kraftfahrzeug abge­nommen. Dor dem Kriege gab es in Berlin: rund 10 000 Kraftwagen, so daß sich also die Anzahl der Automobile in Berlin seitdem ver­fünffacht hat.

vier Opfer der Berge.

Die im Ferienheim des Deutschen Verbandes für Jugendwohlfahrt bei Mittersill (Salzburg) zum Sommeraufentholt weileitden 18 Realschüler unternahmen am 19. August einen Ausflug. Einige Schüler machten während einer Rast auf eigene Faust eine Exkursion, wobei ein Realschüler aus Bonn tödlich a b st ü r z t e. Seine Leiche wurde ge­borgen. In den Kaunser Bergen bei Innsbruck ist ein 29jähriger Betriebsleiter einer Münchener Firma tödlich verunglückt. Der Obmann der Wiener Sektion des Deutsch-Oesterreichischen Alpen­vereins, Schattauer, mit Sohn und Tochter ist in eine Gletscherspalte des Venediger-Gebiets abgestürzt. Der Sohn war tot. Der 50jährige Graveur William Hartwig aus Berlin ist bei einem Aufstieg im Glöckner gebiet tödlich verunglückt. Auf dem Uebergang vom Klein-Glöckner zum Groß- Glockner ist er im weichen Schnee ausgerutscht und 700 Meter tief abgestürzt. Die Leiche wurde von einer Führerexpedition völlig zerschmettert aufge­funden.

Ein neuer Höhenflugrekord.

Der französische Flieger C a l l i z o hat den von ihm aufgestellten Weltrekord im Höhenflug, der 12 066 Meter betrug, verbessert. Er landete nach 2 Stunden und 25 Minuten auf dem Flugplatz von Le B o u r g e t bei Paris, nachdem er eine Höhe von ungefähr 12 800 Metern erreicht hatte. Die ge­naue Höhe wird erst nach der Prüfung der Meß­instrumente angegeben werden können.

Tagung des Deutschen Forstveceins.

Zu der Tagung des Deutschen Forstvereins, welche vom 22. bis zum 28. August in R o st o ck stattfindet, sind etwa 700 Teilnehmer eingetroffen, darunter auch Vertreter der Staatsforstverwal- tungen von Oesterreich, Dänemark, Spanien und Ungarn und zahlreiche österreichische Fachgenos­sen. Die Bildung einer deutsch-österreichi­schen Arbeitsgemeinschaft zur Bearbei­tung gemeinsamer forstlicher Fragen sowie eines Ausschusses für das koloniale und ausländische Forstwesen wurde in die Wege geleitet. Als Ort der nächsten Mitgliederversammlung wurde Frankfurt a. M. gewählt.

Schirokko in Südfkankreich.

Aus Montpellier wird gemeldet, daß in Südfrankreich seit drei Tagen ein furchtbarer Schirokko weht. Der größte Teil der Ernte ist bereits verbrannt. Zahlreiche Bäume und be­sonders die Weingärten haben schwer gelitten.

Ein Oberförster unter Mordverdacht verhaftet.

Im Schneeberggebiet waren vor einiger Zeit zwei Iäger erschossen aufgefunden worden. Der Verdacht richtete sich anfangs gegen Wilderer. Am Samstag wurden nun, wie dieRachtaus­gabe" aus Wien gemeldet, der Oberförster der betreffenden Gutsverwaltung, Reugebauer, und ein Holzarbeiter unter dem Verdacht des Mordes verhaftet. Es heißt, daß sich Reugebauer ver­schiedener Betrügereien schuldig gemacht hat und u. a. selbst Wilddieberei getrieben haben soll. Aus Furcht vor Strafe soll er die beiden Iäger getötet haben. Aus dem Zimmer der beiden Gelöteten hat er das Tagebuch entfernt, da es für ihn kompromittierende Angaben enthielt.

Furchtbare Bluttat eines Trunkenboldes.

In einem Dorfe bei Amiens hat ein dem Trünke ergebener Witwer in einem Anfall von Säuferwahnsinn seine drei schlafenden Kinder im Alter von 5 bis 14 Iahren und feinen 74jährigen Schwiegervater ermordet. Darauf erhängte er sich selbst.

, Zwölf chinesische Bankiers hingerichlet.

Daily Mail" berichtet aus Tokio, Marschall Tschangtsolin habe am Donnerstaa 12 chine­sische Bankiers, darunter sieben Millio­näre, hinrichten lassen, weil sie seinen Befehl, daß Banken in der schwer entwerteten mand­schurischen Währung nicht spekulieren dürfen, nicht befolgt hätten.

Aus der Provinzialhauptstadt.

Gießen, den 24. August 1926.

Ausbau der Lahnkanalisierung.

Die langjährigen Bemühungen des Lahnkanal- oereins und der Behörden und Interessenten, die mit ihm zusammen fidj. für den Ausbau der unfertigen Lahnkanalisierung einsetzten, haben endlich den Er­folg gezeitigt, daß zunächst das untere Ende, etwa 70 Kilometer von der Mündung bis Steeden, ober­halb Limburg in Angriff genommen wird. Die Mit­tel dazu, 4,2 Millionen Reichsmark, find gesichert. Die Arbeiten an den drei Scyleusenbauten sind be­reits vergeben. Die Staustufe Dausenau fällt an die Firmen Peter Bauwens, Köln, und Heinrich Rede­mann, Düsseldorf, die sich dafür zusammengeschlossen haben, die Staustufe Nassau an die Firmen Dycker- Hoff & Widmann, Biebrich, und Polensky & Zöll­ner, Köln, und die Staustufe Diez an Philipp Holz­mann, Frankfurt a. M. Die Oberleitung und Aus­sicht über alles hat das Wasserbauamt Diez. Mit den Bauten wird unverzüglich begonnen und wohl mindestens 600 bis 700 Erwerbslose beschäftigt wer­den. Die Unternehmerfirmen dürften nur solche Er­werbslose anstellen, die durch den zuständigen Kreis­arbeitsnachweis ihnen überwiesen werden.

Es steht zu erwarten, daß mit der Vollendung des Ausbaues zu Ende des nächsten ober Anfang übernächsten Jahres ein erheblicher wirtschaftlicher Aufschwung im engeren und weiteren Bereich des neuen Kanals eintreten wird. Denn die Bodenschätze Nassaus bedürfen nur einer billigen Absuhrmöglich- feit, um namentlich im rheinischen Jnoustrierevier und Holland verstärkte Abnahme zu finden.

Das jetzt in Angriff genommene Stück des Ka­nals reicht vorn Rhein nur bis zum ersten Verkehrs­zentrum an der Lahn, dem Limburger Becken mit feinem bedeutenden Eisenbahnknotenbank. Die wei­tere Aufgabe wird die Ausdehnung über Weilburg b>s zum zweiten Berkehrszentrum um Wetzlar Wiegen mit dem oberhesfischen Hinterland fein. Der Verkehr von dort ist stärker zu schätzen, als auf der unteren Lahn, und auch bei ihm dreht es sich oor allem um Steine und Mineralien, deren Ver­sand mit der Reichsbahn an der Frachthöhe scheitern, so daß also durch den Kanal ein neuer Verkehr ae- schafien wird.

(yuKcsier ÄsochenMcrrrLpret»c.

Es kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt das Pfund: Butter 190, Matte 30 bis 35, Käse (10 Stück) 60 bis 80, Wirsing 10 bis 15, Weiß­kraut 8 bis 10, Rottraut 20, gelbe Rüben 10 bis 15, rote Rüben 10, Spinat 25, Römischkohl 5 bis 10, Dohnen, grüne 15 bis 18 do. gelbe 20 bis 25, Unter-Kohlrabi 6, Erbsen 30, Tomaten 20 bis 50, Zwiebeln 15 bis 20, Meerrettich 80, Rhabarber 20, Kartoffeln 5, Frühäpfel 20 bis 25, Falläpfel 8, Birnen 10 bis 25, Zwetschen 25 bis 35. Mira­bellen 20 bis 40, Honig 35, junge Hahnen 90 bis 100, Suppenhühner 100 bis 120, Preiselbeeren 60; das Stück: Eier 13 bis 14, Blumenkohl 50 bis 120, Salat 5 bis 15, Salatgurken 10 bis 50, Ein­machgurken 2 bis 4, Endivien 12, Ober-Kohlrabi 5 bis 10, Rettich 5 bis 20 Pfennig.

Bornotizen.

Lageskalender für Dienstag. Stadttheater: 8 Hhr, Gastspiel des Dad-Rau- heimer Kurtheaters,Die spanische Fliege". Iungdeutscher Orden: Druderabend. Licht­spielhaus, Bahnhofstraße:Die Wiskottens". Astoria-Lichtspiele:Das Abenteuer im Racht- expreh".

Sonderkonzerte. Man schreibt uns: Für das am Mittwochabend im Philosophenwald angekündigte 3. Sonderkonzert unserer Militär­kapelle hat Obermusikmeister Gober einen Ope­rettenabend gewäh.t. Es werden daher nur Ouvertüren, Fantasien, Melodien, Walzer usw. aus Operetten gespielt werden. Gin Besuch ist sehr zu empfehlen, zumal es sich um leichte und zumeist bekannte Melodien handelt. Das Konzert findet voraussichtlich im Saal statt (Streichmusik). Bei guter Witterung ist Blasmusik im Freien vorgesehen.

** Blaue Jungens in Gießen. Von dem Marineverein Gießen wird uns zu dem Fußball­wettspiel zwischen der Fußballmannschaft des Li­nienschiffs Hessen und dem V. f. B. folgendes ge­schrieben: Das Linienschiff Hessen, im Jahre 1911 in Dienst gestellt, gehört der Braunschweigklasse an. Während des Weltkrieges hat es sich an fast allen Seegefechten und Unternehmungen, besonders an der Schlacht am Skagerrak beteiligt und ausgezeichnet. Seit jeher bestand zwischen allen Gliedern der Be­satzung bestes Einverneymen. Aus diesem Grunde erklären sich auch die Höchstleistungen der Besatzung, besonders auch in sportlicher Hinsicht. Der Backbord- kutter war in früheren Jahren 4 Jahre lang Sieger im Kaiserpreispullen; ja er galt während dieser Zeit als das schnellste Ruderboot der Welt. Die Fußball­spieler, die sich des besten Rufes im In- und Aus­lande erfreuen, waren schon im Jahre 1912/13 Mei­ster der Hochseeflotte. Auch wollen wir nicht uner­wähnt lassen, daß von der Besatzung des Schiffes mit veralteter Takelage in einer Stunde, als Höchst­leistung ihrer Schiffsklasfe, 850 Tonnen Kohlen über­nommen wurden. (Siehe heutige Anzeige.

£ Eine Sanitätsübung größeren Stils veranstaltete am Sonntag gegen Abend die Ko­lonne Gießen des Arbeiter-Samariter-Bundes. Der Hebung lag folgende Annahme zu Grunde: In der Röhe des Philosophenwaldes mußte ein Flugzeug eine Rotlandung vornehmen und fuhr dabei in das zahlreich anwesende Publikum (im Philosophenwald-Restaurant fand gerade eine Veranstaltung statt), wobei eine größere An­zahl Schwer- und Leichtverwundeter zu verzeich­nen waren. Aus dem Trieb fanden die leicht­athletischen Wettkämpfe gerade ihren Abschluß, die dort beschäftigten Samaritermannschaften lei­steten die erste Hilfe. Hm 6.25 Hhr wurde das Depot in der Walltorstraße zur weiteren Hilfe­leistung angerufen. Bereits um 6.34 Hhr trafen die Mannschaften mit Auto, Tragbahren und dem notwendigen Verbandsmaterial an der Hn- fallstelle ein. Hüter der Leitung des Kolonnen­arztes Dr. Siegfried Klein wurden zunächst dieSchwerverwundeten" sachgemäß verbunden und mit dem Auto nach dem Schuhenhaus ge­bracht, das als Krankenhaus angenommen war. Das zurückkehrendc Auto brachte dann auch den Rest der Verunglückten nach dem Krankenhaus. Sämtliche Arbeiten, wie das Anlegen der Ver­bände und der Transport der 18 Verwundeten, wurden sachgemäß und zur vollsten Zufriedenheit ausgeführt. Dies und die schnelle Bereitschaft der Kolonne bewiesen ihre zuverlässige Hilfe­leistung im Ernstfälle. Hm auch die Möglichkeit des Richtvorhandenseins von Tragbahren zu üben, war angenommen worden, daß diese bei dem angenommenen Hnglück nicht ausreichten, und es wurde eine solche aus Aesten und sonstigen Behelfsmitteln angefertigt. Die Hebung, bei der nach Möglichkeit der Charakter der Wirklichkeit gewahrt wurde, sand bei den recht zahlreichen Zuschauern vollste Anerkennung.

= Dom hessischen Tierschuhver­ein. Der Tierschuhverein für Hessen wird seine diesjährige Hauptversammlung am 13. September in Bingen abhalten. Die Tagesordnung bietet außer den geschäftlichen Gegenständen einen Dor­trag mit anschließender Aussprache über ein Thema aus dem Gebiete des Raturschuhes, ins­besondere des Vogelschutzes.

WER. Vorsicht vor Giftpflanzen! Ieht xst wieder die Zeit, wo verschiedene gefähr­liche Giftpflanzen, z. B. Bilsenkraut, Rachtschatten, Stechapfel, Cisenhut, Tollkirsche, gefleckter Schier­ling, Hundspetersilie usw. reifen. Da die Kinder die Samenkapseln und Beeren dieser Pflanzen gern zu ihren Spielen verwenden, kann leicht ein Hnglück geschehen. Die Eltern sollten daher den Kindern einschärfen, nichts zu genießen, als was ihnen von Erwachsenen gereicht wird. Schon eine Deere des Rachtschattengewächses z. B kann den Tod eines Kindes herbeisühreii.

WSR. Ein gutes Hasenjahr. 1926 soll ein außerordentlich gutes Hafenjahr sein. Zu zweien, dreien und vieren begegnen- einem diese Tiere iir Wald, Flur und Feld, und zwar nicht abgemagert, wie es in manchen trockenen Iahrgängen der Fall war, sondern wohlgenährt und überaus fett. Das ungewöhnlich milde Früh­jahr bis April hat den ersten Wurf sehr be­günstigt; während in anderen Iahren infolge strenger Kälte und hesfigen Schneefalls die jungen Häschen zu Dutzenden zugrunde gingen, wurden Heuer die meisten verschont. Schließlich kann man noch auf einen späteren zweiten Wurf rechnen.

** Straßensperrungen. Das Polizeiamt teilt mit: Wegen Neubefestigung wird hiermit die Hälfte der Fahrbahn der R o d h e i m e r Straße zwischen Schützen- und Krofdorfer Straße für jeg­lichen Verkehr bis auf weiteres gesperrt. Die Walzarbeiten im Schiffenberger Weg zwi­schen Erdkauterweg und der Privatstraße zwischen den Fabriken von Bänninger und Gail sind beendet Die untern 12. Juli d. I. erlassene Sperrung des Schiffenberger Wegs wird daher wieder aufgehoben.

** Verlorener Personalausweis. Das Polizeiamt teilt mit: Der dem Polizeiwacht.

meister Peter Markert ausgestellte Personalaus­weis ist verloren gegangen und wird deshalb für ungültig erklärt. Wir haben demselben am 12. d. M. einen neuen Polizeiausweis, der die Nr. 24 trägt, ausgestellt.

Personalie. Ernannt wurde am 20. Iult ds. Is der Oberamtsrichter Berthold Rausch in Lich zum Amtsgerichtsdirektor bei dem Amtsgericht Bad-Rauheim.

Oberhessen.

Landkreis Gießen.

X K l e i n - L i n d e n , 23. Aug. Am vergangenen Sonntag hielt der hiesige Kriegerverein eine Mitgliederversammlung ab, welche sehr gut besucht war. Zur Beratung stand der Beitritt zu der neu zu gründenden Sterbekasse in der Kriegerkameradschaft Hassia. In Anbetracht^ der günstigen Bedingungen wurde der Beitritt als vorteilhaft erkannt. Den einzelnen Mitgliedern werden Formulare zur Beitrittserklärung zuge­stellt; auch den älteren Mitgliedern ist der Beitritt möglich. Als weiterer Punkt stand die Errichtung eines Denkmals für die im Weltkrieg Gefallenen zur Besprechung. Für unseren groÜLN Ort, welcher viele Opfer im Kriege gebracht hat, ist es wenig rühmlich, daß bis jetzt das schon vor vielen Iahren ausgetauchte Projekt zur Errich­tung eines Ehrenmals keine feste Gestalt ange­nommen hat. Auch die Lösung der finanziellen Frage ist sehr schwierig. Alle Kameraden waren sich darüber einig, daß, wie man zu sagen pflegt, die stehen gebliebenen Räder wieder mit aller Energie in Bewegung gesetzt werden müßten. Der erste Vorsitzende wurde beauftragt, wegen dieser Sache erneut mit den örtlichen Stellen in Ver­bindung zu treten und über das Ergebnis Bericht zu erstatten. Leider wurde mitgeteilt, daß im Zusammenhang mit dieser Angelegenheit einige Mitglieder ihren Austritt erklärt hätten; man hofft jedoch, daß sich die Gemüter mit der Zeit wieder beruhigen. Ein neues Mitglied wurde in den Verein aufgenommen. Bis zur Reuwahl des Vorstandes wurde Kamerad Fr. 3ung als zweiter Vorsitzender und Kamerad Fr. Klein als Schriftführer einstimmig gewählt.

f Grünberg, 23. Aug. Am Samstagnach- mittag hatte der V. H. C. Zweigverein Offenbach eine Wanderung hierher unternom­men. Einige Grünberger Mitglieder waren ihnen bis Saasen entgegengegangen, um sie dort zu be­grüßen. Abends fand ein geselliges Zusammensein der beiden Zweigvereine statt. Die Räume waren überfüllt. Die Begrüßungsansprache hielt der Vor­sitzende, Oberrealschuldirektor Angelberger, in recht humorvoller Weise, wobei er auf die Ehre, die dem Grünberger Zweigverein durch diesen Besuch zuteil wurde, hinwies. Hierauf dankte der Vor­sitzende der Offenbacher V. H. E.er, Herr Sern, für die erwiesene Gastfreundschaft und gab in seiner Ansprache dem Wunsche auf ferneres Zusammen­gehen und -wirken Ausdruck. Zur Verschöne­rung des Abends trug die Kapelle der Offenbacher sehr viel bei.

t Grünberg, 23. August. Große Verdienste um die Stadt hat sich schon seit Jahren der hiesige Verkehrsverein erworben. Unermüdlich ist er bestrebt, die Wege um Grünberg zu verschönern, die Anlagen auf beiden Seiten des Brunnentals für bequeme Spaziergänge auszugestalten unb mit Sitzgelegenheiten zu versehen. Die Tätigkeit des Vereins erstreckt sich auch auf den Stadtwald. Dieser bietet von den schön angelegten Waldwegen be­deutende Fernfichten, z. B. auf Hoherodskopf, Wasserwerk Inheiden, Grube Friedrich, Stadt­kirche von Friedberg, Münzenberg, Taunus u. a. m. Ueberall findet man Sitzgelegenheiten, die sehr aus­giebig von den zahlreichen Sommerfrischlern und Grünberger Spaziergängern benutzt werden.

d Wirberg, 23. August. Das 5. Wirberger Missionsfest fand am Sonntag hier statt. Während am Samstag vom Wirberg nichts zu sehen war (er hatte seine Nebelkappe auf), brachte der Sonntag das ersehnte Festwetter. So kamen die Missionsfreunde von nah und fern in stattlicher An­zahl zusammen, nach der Zahl der Geldstücke beim Opfer geschäht, waren es etwa 400 Erwachsene und eine stattliche Kinderschar. Der Posaunenchor von Bersrod unter Leitung von H. Stroh hatte wieder die Begleitung der Choräle und die Festmusik über­nommen. Das Fest konnte im Freien neben der Kirche im sogenannten Sandgarten gefeiert werden. Festprediger war Missionar Walther aus Beuern, der in der Feier über Jesaias 49, 15 pre­digte über die wunderbare Liebe Gottes. Nach der üblichen Kaffeeepause begrüßte der Ortspfarrer die Gäste und wünschte Segen für sie und die Mission. Dann sprach Missionar Walther im Anschluß an Lukas 19, 10 von den Negern und seiner Wirksam- keit bei ihnen. Gerne lauschte jung und alt seinen anschaulichen Schilderungen. Hierauf grüßte Dekan Schmidt, Grünberg, die Festgemeinde und wünschte ihnen den doppelten Segen der Freunde der Mis­sion. Nachdem die Kinder eine Kindergabe für die Mission überreicht hatten, sprach der Ortepfarrer das Schlußgebet und ein kurzes Schlußwort mit dem Dank des festgebenden Kirchenvorstandes, aus­klingend in die Einladung zum 6. Miffionsfest auf dem Wirberg übers Jahr. Die Festkollekte ergab 75 Mk. einschließlich der Kindergabe. Trotz der schwierigen finanziellen Lage der Kirche Wirberg, die ihr Kapital zur Unterhaltung von Kirche und Pfarrhaus in Höhe von 30 000 Mk. in Friedenszeit der Stadt Grünberg geliehen hat und keine Einnahme mehr daraus hat, mußten dieses Jahr einige dringend notwendigen Arbeiten an den kirchlichen Gebäuden vorgenommen werden. Die Dächer und der Turm wurden ausgebessert, und das Pfarrhaus, dessen Verputz teilweise heruntergefallen war, von außen verputzt und neu gestrichen. Auch Beltershain mußte notgedrungen das Dach der Kirche einer gründlichen Ausbesserung unter­ziehen. Die Kirchendecke hatte schon notgelitten durch Hereinregnen durch das undichte Dach. Ebenso stand Harbach vor der Aufgabe, dringend not­wendige Ausbesserungen an dem alten Kirchlein vorzunehmen. Das Dach wurde ausgebessert und das Innere der Kirche neu hergestellt. Bei der Deckenreparatur stellte sich heraus, daß die vom Pfarrer seit langem gehegte Befürchtung, daß eines Tages ein Stück der Decke herunterfallen würde, berechtigt war. Nun ist das Stück erneuert, und unser Gottesbaus macht einen würdigen Eindruck von innen. Auch das Aeußere ist einer Herstellung bedürftig, die aber für dieses Jahr zurückgestellt werden muß. Eine kleine Feier wird am kommen­den Sonntag in dem neu hergestellten Gotteshaus stattfinden.

' Hungen 23 Aug. Das seltene Fest der goldenen Hochzert feierten dieser Tage in unserer Gemeinde das Ehepaar Heinrich Sei-« bert VII. im Kreise der Kinder und Kindes- kmder und unter lebhafter Anteilnahme der ganzen Gemeinde.