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er den verschiedensten Ressorts vorgestanden. Be­kannt wurde er auch durch die Geschichte der Crbschafi von 15 Millionen Franken, die ihm Chauchard, der Gründer des großen Pariser Warenhauses nach langjähriger Freundschaft ver­macht hatte. Auch der aus den Pyrenäen stam­mende

Justizmlnister Louis Varthou ist schon Ministerpräsident gewesen. Auch er ist Mit­glied der Akademie, als großer Diktor-Hugo-Kenner und leidenschaftlicher Bibliophile berühmt. Don Hause aus ist er Rechtsanwalt, wurde 1889 Depu­tierter, hat in verschiedenen Kabinetten die Posten eines Unterrichtsministers, eines Ministers der öffentlichen Arbeiten, eines Innenministers, eines Postministers und schließlich den eines Justizmini­sters bekleidet. Während des Krieges war er eine Zeitlang auch Minister des Auswärtigen. 1922 wurde er zum Präsidenten der Reparationskommis­sion ernannt. Als ein in Finanzfachen besonders be­fähigter Kopf gilt der neue Handelsminister

Maurice Bokanowsky.

Er ist von Haus aus ebenfalls Advokat, wurde 1914 Deputierter und machte sich als Generalberichterstat­ter für das Budget in der Finanzkommission schnell einen Namen. Da er jedoch kein glänzender Redner ist. hat er bisher kein wichtigeres Amt innegehabt. Er ist lediglich in dem kurzen Märzkabinett Poin- cares 1924 Marineminister gewesen.

Der neue 3nnenminiffer Albert Sarraut ist 1872 in Bordeaux geboren. Wie die meisten französischen Politiker, war er ursprünglich Advokat, dann Schriftsteller, lange Jahre Deputierter des Dc- pcirlements Aude, mehrmals Unterstaatssekretär und 1911 bis 1914 Generalgouverneur von Jndochina. In Bivianis Kriegskabinett war er Unterrichts- Minister, kehrte aber bald nach Jndochina zurück. Bon 1920 ab war er in drei aufeinander folgenden Kabinetten Kolonialminister, im März 1925 wurde er Botschafter der Republik in Angora. Durch seine außerordentlich geschickte publizistische Tätig­keit im Einkreisungfeldzug gegen Deutschland ist

Andre Tardieu, der neue Minister der öffentlichen Arbeiten, be­rühmt geworden. Er ist geborener Pariser, der fick nach Abschluß seiner Studien dem diploma­tischen Dienste zuwandte. Später wurde er Aus- laudrcdakteur desTemps". 3m Kriege, an dem er zuerst als Soldat teilnahm, wurde er von der Regierung nach Washington geschickt, um dort die Interessen Frankreichs publizistisch zu vertreten. Während der Friedensverhandlungen war er dann einer der wichtigsten Helfer Cle- menccaus. in dessen letztem Kabinett er Minister der befreiten Gebiete wurde. 1921 übernahm er dann die Leitung deS Elemenceau-DlattesL'Ccho national", in dem er vor allem die Grundsätze des Versailler Vertrages verficht.

Londoner Presseftimmen.

Mehr Besorgnis als Vertrauen".

London, 23. Juli. (TU.) Die Rückkehr Poincar^s ruft in der englischen Presse keine sonderliche Degeisterunng hervor. Es sei ein Rame, so erklärt dieDaily Rews" an leitender Stelle, der im Ausland nicht viel Vertrauen genieße. Er sei der hervorragendste Vertreter derjenigen Schule, die Deutschland alles zahlen wolle. Er verfolge eine Politik, die nicht nur Großbritannien und Amerika gegenüber moralisch unfair sei, sondern in finanzieller Hin­sicht auch verheerende Folgen für Frankreich selbst haben werde.

DieTS> estminster Gazette" führt aus, Poincare sei es gewesen, der durch die Ruhr- besehung den Gedanken vertreten habe, daß man .Deutschland zum Zahlen veranlassen und dadurch alles in Ordnung bringen werde. Der Dawesplan sei das Zugeständnis ge­wesen, daß die Erwartungen PoincaröS nicht zu 7 halten waren, und vielleicht werde sich erweisen, daß der Dawesplan selbst auch preiSgegeben wer­den müsse. Das Locarno-Abkommen sei einer der soliden Gewinne, die erst gesichert worden seien, nachdem Poincare beseitigt war. Vielleicht werde er Briand wegen dieses politischen Wechsels zürnen, aber er werde sein Amt unter Verhält­nissen übernehmen, die wenig geeignet seien für politische Revisionen und für Veränderungen in der internationalen Politik. Poincars werde diesmal ein besserer Realist sein müssen, als bei seiner letzten Amtsführung, wenn er das Vertrauen wieder Herstellen und das parlamen­tarische System erhalten wolle.

DerDaily Telegraph" sagt, alle Freunde Frankreichs würden Poincarä in diesem Augenblick ihre guten Wünsche mitgeben, auch diejenigen, welche mit seiner früheren Amts­führung in verschiedenen Punkten durchaus nicht einverstanden seien. Es sei eine Ironie, daß die gleiche Kammer, von der Poincare jetzt die Mehr­heit fordern werde, seinerzeit gewählt worden sei, um seiner Herrschaft ein Ende zu machen. Aber die allgemeine Empfindung sei, daß nicht mehr die Schanzen übrig seien, und daß es ein Verrat an Frankreich bedeuten würde, die gegen­wärtige Möglichkeit unbenutzt zu lassen. Di« Zeit fordere eine nationale Regierung mit besonderen Vollmachten. Die drohende Gefahr sei ebenso ernst, als wenn plötzlich eine Kriegserklärung erfolgt wäre. Hoffentlich werde die französische Kammer dem glänzenden Beispiel der belgischen Kammer folgen, die ihrem König Vollmachten in den Finanzangelegenheiten erteilt Hat, und werde sich um Poincare scharen. Cs sei kein anderer Ausweg zu entdecken, der die parlamentarische Regierungsform erhalten könne.

Lloyd Georges Blatt, dieDaily C h r o - nicle", schreibt, Poincarö sei als Premier­minister und Außenminister ein Staatsmann ge­wesen, mit dem die Leiter der britischen Politik in der Vergangenheit nur schwer hätten auskommen können. Aber die Umstände, die damals die Reibungen verursacht hätten', würden hoffentlich nicht wiederkehren. Man müsse Poincare im Interesse Frankreichs und ganz Europas Glück zu seiner schwierigen Aufgabe wünschen.

Im Gegensatz zu anderen Blättern äußert die ..Financial Times" starke Zweifel über die Aussichten des Kabinetts Poincare und sagt: Die Rückkehr Poincarös zur Macht erscheint wie ein Sieg der Hoffnung über die Erfahrung. Poincare hat einen beträchtlichen Anteil an den Methoden gehabt, die zu dem gegen­wärtigen finanziellen Zusammenbruch geführt haben. Seine falsche Beurteilung der seiner­zeitigen Lage hat ihn in den Augen des Aus­landes aus der Reihe der großen Staatsmänner gestrichen. Seine Vergangenheit erweckt außer­halb Frankreich mehr BesvrgniSals Ver­

trauen, öUiajoici, mit weicher Begeisterung er in Frankreich selbst begrüßt wird. Ob sein Eigensinn, der einer seiner vorherrschenden Charaktereigenschaften ist, jetzt einem nützlichen Zweck dienen wird, bleibt abzuwarten. Aber auch dann darf man nicht vergessen, daß der Erfolg ober Mißerfolg der Kabinettspolitik von den unverantwortlichen Politikern abhängt, die in den letzten Jahren eine Regierung nach der anderen gestürzt haben. Berücksichtigt man dies, so ist es unmöglich, etwas anderes als ernste Besorgnis über die finanziellen Aussichten Frank­reichs in der unmittelbaren Zukunft zu hegen.

Frenrdenfeindttche Kund­gebungen.

Paris, 24. Juli. (WTB. Funkspruch.) Gestern abend ist es auf dem Boulevards an den Abfahrtsstellen der Auto-Gesellschaft, die Rachtrundsahrten durch Paris für die Aus­länder veranstaltet, zu feindlichen Kundgebungen gekommen. Die Wagen wurden mit Rufen und Pfeifen empfangen. Der Ordnungsdienst muhte eingreisen, um die Menge zum Auseinander­gehen zu veranlassen. Rach einem Funkspruch aus Reuyork hat sich die amerikanische Presse bisher mit der kommentarlosen Wiedergabe der Meldungen von den fremdenfeindlichen Kund­gebungen beschränkt. Senator Reed erklärte, daß solche Ausschreitungen gegen Amerikaner ungerecht und unberechtigt seien. Er werde einen Boykott gegen französische Waren Vorschlägen, wenn die amerikafeind­lichen Kundgebungen weiter andauern würden.

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Der ameriiümsche Gläubiger.

Der Streit um die englischen Anleihen.

London, 23. Juli. (Wolff.) Das eng­lische Schatzamt hat eine Veröffentlichung bekanntgegeben, in der es zu den Erklärungen des amerikanischen Schatzamtes über die eng­lische Schuld an Amerika Stellung nimmt. Die Schrift befaßt sich mit den Einzelheiten, die mit den von Amerika erhaltenen Anleihen zu- sammenhängen, und weist die Unterstellung zurück, daß die Schuld nur für reine Wareneinkäufe ausgenommen wurde, ferner, daß die Waren nur in Amerika eingekauft werden müßten und weiter das Geld nur für solche Zwecke verwandt werden dürfe, die das ameri­kanische Schatzamt gut hieß und endlich, daß das Geld nur in Tlebereinstimmung mit den von dem amerikanischen Kongreß aufgestellten Bedingun­gen für Kriegszwecke Verwendung finden dürfe. Großbritannien habe sich Pfunde und neutrale Valuten besorgt, um alle während des Kriegs auftretenden Bedürfnisse decken zu können und habe außerdem die Last getragen, seine kon­tinentalen Alliierten mit den von ihnen benötigten Pfunden zu versorgen.

Wenn die Vereinigten Staaten sich bei Kriegs­ausbruch nicht fähig gefühlt hätten, diese zu­sätzliche Last von England abzunehmen und dies nicht als Tatsache hingestellt hätten, so wäre England in der Lage gewesen, aus denHilfs- quellen, die es seinen Alliierten zur Verfügung gestellt hatte, alle in Amerika notwendigen Ausgaben zu bezahlen, wodurch die englische Schuld an Amerika wahrscheinlich niemals entstanden wäre.

Das brittsche' Schatzamt hält es für notwendig, diese Tatsachen zu erwähnen, weil sie zeigen, daß fein Vorwurf gegen England wegen der Verwen­dung der in Amerika aufgenommenen Dettäge er­hoben werden forme.

In Erwiderung der englischen Presseangriffe, daß Amerika jetzt dre Ausgaben für den Krieg eintreibe, den es früher seinen eigenen Krieg genannt hat, schreibt dieWorld", daß Amerika den Krieg nicht mehr als eine heilige gemein­same Sache betrachte, weil die europäischen Alliierten bei Kriegsende gezeigt hätten, daß Amerika einem romantischen Unsinn gefrönt habe, als die Sieger den Waffenstillstand zur Teilung der Deute mißbrauchten. Als die Alliierten Deutschlands Kolonien nahmen und ihm ein unmögliches, törichtes System von Wiedergutmachungen auferlegten, war es für Amerika mit dem Gedanken der heiligen Allianz vorbei.

Ls ist Zeit für Europa, einzusehen, daß dieser Gefühlsumschwung zu dem Mißtrauen gegen Europa hauptsächlich aus der Tätigkeit des Völkerbundes erfolgte. Es sei Amerikas Heber- zeugung, daß es von den europäischen Alliier­ten zum besten gehalten werde.

DieRew Vork Times" meint, die englische Presse fühle, daß es mit der britischen Würde un­verträglich sei, wie ein Fischweib zu schimpfen. Jedenfalls werde in den englischen Blättern der Wert der englisch-amerikanischen Freundschaft genügend gewürdigt, um sie nicht als überflüssig zu stören, pleberdies befinde sich England in der gleichen Lage gegenüber Frankreich und Italien wie die Vereinigten Staaten gegenüber allen ehemaligen Alliierten. Die Schuldentilgungsver­träge sein ein abgeschlossenes Geschäft, und die gegenseitigen Beschuldigungen könnten nicht den Siegel von den Verträgen reißen. Rationale Leidenschaften dürften nicht künftige Verhandlungen stören, die bessere Ergebnisse zei­tigen könnten.

Rach derAssociatd Preß" beabsichtigt das amerikanische Schatzamt, die öffentlichen ÄuSein- andersetzungen mit Großbritannien über die Frage der Verwendung der von England in Amerika während des Krieges geliehenen Gelder nicht weiter fortzusehen. Der stellver­tretende Schatzsekretär Winston erklärte, das ihm neuerdings zugegangene Zisfernmaterial beweise deutlich, daß der größte Teil der von England in Amerika während des Krieges gemachten Aus­gaben für kommerzielle Zwecke erfolgt sei.

Die Gehälter

der Kontroll-Kommission.

Berlin, 23. Juli. (Wolff.) Wie eine Korrespondenz berichtet, sind die Gehälter der Interalliierten Kontrollkommission neu festgesetzt worden. Danach beträgt das monatliche Gehalt eines Generals rund 2780 Mark, eines Obersten 2000 Mark, eines Oberstleutnants oder Majors 1680 Mark, eines Hauptmanns 1380 Mark, eines Leutnants 1000 Mark, eines Unteroffiziers 460 Mark und eines Gefreiten oder gemeinen Sol­daten 360 Mark.

Das Reichsehrenmai.

($in Vorschlag des preußischen Ministerpräsidenten.

Berlin, 23. Juli. (TU.) Angesichts des Streites um das Ehrenmal für die im Krieg« Gefallenen Hat, wie der ' Amtliche Preußische Pressedienst mitteilt, der preußische Minister­präsident an den Reichskanzler ein Schrei­ben gerichtet, in dem er auf den ursprünglichen Plan hinweist, die sogenannte Schinkelwache in Berlin zu einem Erinnerungsmal für die Gefallenen umzugestalten. Durch die Wiederauf­nahme dieses Planes würde vermutlich der jetzt entstandene Streit verstummen. Sollte sich die Reichskanzlei nicht für Berlin entscheiden können, so werde gebeten, sich dann wenigstens für das Rheinprojekt zu entscheiden, da die Rhein­lande durch die Leiden, die sie in den letzten Jahren für ganz Deutschland ertragen muhte, einen Anspruch daraus haben, in erster Linie berücksichtigt zu werden.

Aus aller Wett.

Eine Radiogrohstakion in den bayrischen Bergen.

Der Ausbau der Radiogroßstation des H er­zog s st a n d e s, die mit einer Energie von 1000 Kw. arbeitet (Rauen arbeitet mit 400), und hauptsächlich dem Verkehr nach O st a s i e n dienen soll, ist jetzt von der Reichspost übernommen worden, nachdem die Arbeiten im Jahre 1924 eingestellt worden waren. Es ist beabsichtigt, die Einrichtung sobald als möglich in Betrieb zu setzen.

Kampfflieger Müsthoff f.

Der aus dem Weltkrieg bekannte Kampf­flieger Wüsthoff, Inhaber des OrdensPour le Merite", der vor einigen Tagen bei Kunst­flügen auf dem Dresdener Flugplatz abstürzte, ist seinen schweren Verletzungen erlegen.

Der KreuzerHamburg" in Japan.

Tokio, 24. Juli. (WTB. Funkspruch.) Der deutsche KreuzerHamburg" ist als erstes vormals feindliche Schiff feit dem Kriege in Yokohama vor Anker gegangen. Er wurde in Yokohama mit bemerkenswert freundlichen Kundgebungen emp­fangen. Der Kreuzer wird am 30. Juli wieder in See gehen.

Grohfeuer bei Reichardl.

In der vergangenen Nacht geriet in Wands - deck auf dem Gelände der Reichardt-Schokoladen- Werke der rechte Flügel eines großen vierstöckigen Gebäudes in Brand. In diesem Gebäude befindet sich eine Nährmittelfabrik, welche zur Zeit jedoch still lag. Die Bekämpfung des Feuers wurde außerordentlich durch Wassermangel er­schwert. Die Bade-Bassins der Kakao-Werke Rei- chardt wurden leer gepumpt. Zu diesem Zwecke muß­ten über die Bahngleise vis zur Unglücksstelle weit über 100 Meter Schläuche gelegt werden. Der Wind jagte einen ungeheuren Finkenflug über das Ge­lände und bedrohte stark die übrigen Gebäude, ins­besondere die Stallungen Es gelang schließlich, den Brand in der Hauptsache auf den rechten Flügel des Gebäudes zu oeschränken. Bis in die frühen Morgenstunden waren die Feuerwehren tätig. Das Feuer selbst war eines der größten der letzten Jahre in Hamburg und Umgebung.

Der Tod in den Bergen.

Beim Abstieg vom Habicht bei Fulpmes sind der Leipziger Kaufmann Hohe und seine Tochter tödlich verunglückt. Eine mit einem Bergsteiger voranstcigende Touristengesell­schaft wurde von den Stürzenden beinahe m i t- gerissen und nur durch den Führer am Seil gehalten.

Schweres Boolsunglück.

Am Donnerstag ereignete sich in der Rähe von Hadersfeben ein Bootsunglück, dem wahrscheinlich drei junge Leute zum Opfer fielen. Auf einer Ruderfahrt nach FlensburgSonder­burg kentert« ein Doot mit fünf Insassen. Zwei Ruderern gelang es, an Land zu schwimmen. Man nimmt an, daß die drei anderen ertrun­ken sind.

Elf Mann bei einer Bootsfahrt ertrunken.

Dei Peterborough (Ontario) ertranken elf Mann im Alter von 16 bis 20 Jahren, die eine Bootsfahrt machten, als der Kahn während eines Sturmes umkippte. Vier der jungen Leute versuchten sich zu retten, indem sie sich an das umgestürzte Boot anklammerten. In dieser Lage blieben die älnglücklichen, die sämtlich Schwimmer waren, fünf Stunden lang. Allmählich ermüdeten sie und versanken in den hochgehenden Fluten des Sees.

Unschuldig im Zuchthaus gestorben.

Das Schwurgericht Auber hatte 1915 den Tagelöhner Michael Wagner wegen Tot­schlages zu 12 Jahren Zuchthaus ver­urteilt. Wagner starb nach Abbüßung von drei Jahren und beteuerte noch kurz vor seinem Tode seine Unschuld. Wie in den letzten Monaten ermittelt wurde, hatten tatsächlich die Arbeiter Jakob und Rikolaus Triller und der Bürgermeister D e h von Holzheim bei Reu­markt in der Oberpfalz bei einer Prügelei den Totschlag verübt. Die Tater, die den unschuldigen Wagner ohne Gewissensbisse im Zuchthause hatten sterben lassen, wurden zu Ge­fängnisstrafen von einem bis vier Jahren ver­urteilt.

Fremdenlegionswerber in Pommern.

Aus Pommern berichtet dasB. T." das Auftauchen eines Werbers für die französische Frem­denlegion. Der Werber hatte fünf junge Leute, die er mit Alkohol traktierte, durch Versprechungen fort« gelockt. Vier von ihnen gelang es, zu entkommen. Von einem nimmt man an, daß er der Fremden­legion in die Hände gefallen ist.

Tornado und Hochwasser in Australien.

Bei Melbourne hat ein Tornado zwei Kirchen und mehrere Häuser zum Einsturz gebracht. In der Gegend von Ereemantle stürzte durch Hoch­wasser des Swanflusses die große Gisenbahnbrücke ein, so daß die Stadt völlig abgeschlossen von aller Welt ist.

Wettervoraussage.

Rach zunächst heiterem, trockenem Wetter und kräftiger Erwärmung bei südlichen Winden erneute Regensälle.

Gestrige Tagestempcraturen: Maximum 22,4 Grad Celsius, Minimum 12,7 Grad Celsius. Heu­tige Morgentemperatur 18,1 Grad Celsius.

Aus der Provinzialhauptstadt.

Gießen, den 24. Juli 1926.

Ein vergeblicher Wunsch an die Reichsbahn?

In unserer Rr. 155 gaben wir einem Artikel Raum, in demein Fahrplanwunsch an die Reichsbahn" vorgebracht wurde. Wir baten, den Personenzug 70 4 (ab Gießen 4 Uhr früh) 10 Minuten früher abfahren zu lassen, damit er in Frankfurt den dringend notwendigen An­schluß von Gießen her an den beschleunigten Personenzug über Darmstadt und Mannheim nach Süddeutschland, ab Frankfurt 6.23 früh, erreichen könne. In dankens­werter Weise hat die Industrie- und Handels­kammer Gießen mit einem Schreiben an die Reichsbahndirektion unter dem 10. Juli unsere Anregung zu der ihrigen gemacht,da auch die von uns (Handelskammer) vertretenen kauf­männischen Kreise an einer solchen Verkehrs­verbesserung das größte Interesse haben".

Leider waren unsere und der Handelskammer Bemühungen bis jetzt erfolglos, denn die Reichsbahndirektion Frankfurt a. M. hat die Er­füllung des Gießener Wunsches mitdem nach- stehenden Schreiben vom 16. Juli an die In­dust ie- und Handelskammer Gießen (einstweilen?) abgelehnt:

Der an sich sehr erwünschte Zusammen­schluß des Pz. 704 (W) Gieß en-Frankfurt a. M. Hbf. mit dem B.P. 998 Frankfurt a. M.- Mannheim-Freiburg bzw. Basel in Frankfurt a. M. Hbf. läßt sich leider nicht ermöglichen.

Der Pz. 704 (W) wird jetzt in Friedberg durch den Schnellzug l) 192 Berljn und Ham­burg-Frankfurt a.M.-Basel überholt und nimmt dort den Anschluß vom Pz. 4262 (W) von Hungen auf, der wegen des Berufsverkehrs nicht aufgegeben werden kann. Auch liegen auf der Strecke Frankfurt a. M. West-Frankfurt a. M. Hbf. die Berufszüge 4102 (W) Stockheim- Frankfurt a. M. Hbf. (an 6.04 Dm.), 2004 (W) Usingen-Frankfurt a. M. Hbf. (an 6.09 Dm.), 2155 (W) Cronberg-Frankfurt a. M. Hbf. (an 6.15 Vm.), die sich im Abstand folgen, so dicht, daß Pz. 704 (W) betrieblich frühestens 6.21 oder 6.22 Vm., d. h. 1 Minute vor Abgang des B. P. 998 in Frankfurt a. M. Hbf., ein­treffen könnte. Da eine Späterlegung des schon sehr beschleunigt durchgeführten B. P. 998 we­gen seiner wichtigen Anschlüsse nicht angängig ist, sind wir zu unserem Bedauern nicht in der Lage, Ihrem Wunsche zu entsprechen. Im übrigen erreicht Zug 704 in Frankfurt a. M. den um 6.30 dort abgehenden Personenzug 916 Darmstadt-Heidelberg und Mannheim und bietet für die Bedürfnisse des Fernverkehrs die Möglichkeit, auf die in Frankfurt um 7.04 und 7.15 abgehenden Schnellzüge nach Mann- heim-Daden-Daden und Heidelberg-Bafel über­zugehen."

Die Reichsbahndirektion bezeichnet den Zusam­menschluß der beiden Züge mit Recht alssehr erwünscht". Ihre trotzdem ablehnende Entschei­dung mochten wir aber als n i ch t r e ch t st i ch h a l ° t i g ansehen. Wir find der Meinung, daß es bei gutem Willen möglich wäre, den Wunsch unserer Stadt nach dieser vortrefflichen Zugverbindung zu erfüllen, wenn man den Personenzug ab Gießen, wie erbeten, einige Minuten früher abgehen und dann in etwas erhöhter Geschwindigkeit laufen lassen würde, und wenn man dasselbe auch bei dem Zuge ab Hungen eintreten ließe. Beide Züge würden dann in einem früheren Zeitpunkte in Friedberg ein­treffen. Wenn dort der etwa 10-Minuten-Aufenthalt des Gießener Zuges und der etwa 15-Minuten- Aufenthalt des Hungener Zuges auf nur 2 Mi­nuten eingekürzt würde, so konnte der Gießener Zug mit dem Hyngener Anschluß noch vor dem V-Zug vielleicht bis nach Groß-Karben, sicherlich aber bis nach Nieder-Wollstadt vorankommen und erst dort von dem Schnellzug überholt werden. Die gewonnene Zeit würde dann wohl ausreichend sein zur früheren Ankunft in Frankfurt und damit zur Herstellung des Anschlusses an den beschleunigten Pcrsonenzug. Wenn die Reichsbahndirektion die Züge von Ufingen und von Cronbergals Hemmnis für den Gießener Zug anfieht, so wäre vielleicht zu erwägen, dem Gießener Zug den Vor- rang vor den beiden anderen zu geben, denn es ist doch wohl anzunehmen, daß von den zahlreichen Orten an der GießenFrankfurter Strecke mehr Interessenten für den beschleunigten Personenzug kommen werden als aus den wenigen Ortschaften der Kronberger Strecke. Wir mochten deshalb die Reichs­bahndirektion bitten, noch einmal in eine E r- wägung des G i e ß e n e r W u n f ch e s e i n ° zu treten und dabei in wohlwollender Weise die Gesichtspunkte zu würdigen, die hier niedergelegt sind. Denn man kann sich doch wohl nicht gut auf den Standpunkt stellen, daß die weniger bemittelte Bevölkerung eben entweder mit dem Bummelzug fahren, oder gegen höhere Ausgaben den Schnellzug benützen möge.

Erinnerungen und Gedanken auf einem Stadtbummel.

Wer bei einem Rundgang durch die Innen­stadt sich umsieht, wird finden, daß Gießen sich letzt langsam aber stetig verschönert. Eine be­trächtliche Anzahl Häuser hat durch die Hand der Maler und Weißbinder ein stattliches, teil­weise farbenfrohes Aussehen bekommen.

Cs sei hier vorläufig nur auf die frühere Hirsch-Apotheke am Markt hingewie- sen, deren reiches Gebälk und Fachwerk dem Marttplatz zur Zierde gereicht. So alt wie das Gebäude ist das Aeußere allerdings nicht, denn Ende der siebziger Jahre wurde mit erheblichem Kostenaufwand durch den damaligen Besitzer, Apotheker Hempel, das ganze Balkenwerk er­neuert und das Haus, das die Aufmerksamkeit der Fremden erregt, vor dem Verfall bewahrt. Es hat damals allerdings nicht an Stimmen in der Bürgerschaft und der Stadtverordnetenver­sammlung gefehlt, die nicht nur diesen Bau, sondern das ganze Bauviertel zwi­schen Marktplatz und Wettergasse nieder­gelegt wünschten und damit die Vergrö­ßerung deS Marktplatzes herbeiführen wollten. Auch nach der Riederlegung der alten Häuser, aus deren Grund das zur alten Hirsch-Apotheke nicht passende Fabersche HauS steht, erhoben sich Stimmen für die Entfernung des Häuser­blocks, weil der Platz den Ansprüchen des Wochenmarktverkchrs nicht mehr genügte. Die Errichtung des Kriegerdenkmals gab den Anstoß zur Verlegung des Wochenmarktes nach dem Lindenplah und in die Marktlauben, die nach Riederlegung d:s Schmied W'l herschen Hauses errichtet wurden mit der Absicht, nach