Samstag, 24. Juli 1926
176. Jahrgang
Nr. 171 Erstes Blatt
Das Kabinett Poincare
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Paris. 23. Juli. (WTB.-Drahtmeidung.) Wie t)avas mitteill. sind aus Grund der bisherigen ver- Handlungen polncarLs folgende Portefeuilles endgültig befehl:
Ministerpräsident, Finanzen und Wiederaufbau: poincare,
Justiz und elsaß-lothringische Angelegenheiten: Barthou,
Auswärtige Angelegenheiten: Brianb, Inneres: Albert Sarraut, handel: Bokanowfky, Kolonien: Leon Perrier, Oeffentliche Arbeiten: Tardieu, Pensionen: Louis Warin, Krieg: painleve, Marine: Leygues.
Unterricht: herriot, Ackerbau: Queuille, Arbeit: Andre Falllöres.
eine Täuschung. Amerika blieb kühl bis ans Herz hinan. Der Krieg war für Wallstreet im wesentlichen ein Geschäft gewesen. Man hatte keine Lust, von dem Anlagekapital mehr einzu- büßen, als notwendig war. „QBir sollen den Amerikanern die Uniformen bezahlen, in denen -unsere Soldaten gefallen sind", hat Caillaux einmal in begreiflicher Erbitterung über die nüchternen Finanzleute in Washington gesagt und hatte damit noch nicht einmal ganz Recht, denn die Vereinigten Staaten bestehen ja nicht so sehr auf Bezahlung der eigentlichen Kriegsschulden, sondern wollen nur nicht auch die nach dem Waffenstillstand Frankreich vorgestrcckten beträchtlichen Summen in den Schornstein schreiben. die man in Paris unter der Aera Poincare für die ungeheuren Rüstungen und die Kolonial- | feldzüge verpulvert hat.
Hetzt steht man vor dem Richts. Amerika gibt feinen roten Heller, bevor Frankreich nicht das Schuldenabkonnnen akzeptiert, gegen das sich die Kammer sträubt. So stand Herr de Monzie, Finanzminister im Eintagslabinett Herriot, in der denkwürdigen Rachtsitzung des 21. Juli vor dem Parlament und wendete verzweifelt beide Taschen: kein Geld für die laufenden Ausgaben, die Bank von Frankreich vor der Aussicht, ihre Schalter schlichen zu müssen. Der Rest des Mor° ganfonds, 30 Millionen Dollar müssen die Situation retten. Der Schleier fällt, die Wahrheit ist grausig. Panik im Parlament, Panik in Poris, Sturm auf die Danken. Strahentumulte. wie man sie in der Hauptstadt seit dem Kriege nicht mehr erlebt hat, Zusammenrottungen vor dem Palais Bourbon, Bedrohung von Deputierten, der Ruf nach dem starken Mann: Poincares Stunde . hat geschlagen.
Ohne die sonst üblichen langen Empfänge und Beratungen erhält er vom Präsidenten der Republik den Auftrag zur Kabinettsbildung, 24 Stunden später präsentiert er dem Staatschef seine Ministerliste. Das „Kabinett der nationalen Einigung" geht an die Arbeit. Der Charakter des Kabinetts wird durch die Uebemahme des Finanzministeriums durch den Ministerpräsidenten selbst bestimmt. Man mag es als Ironie des Schicksals betrachten, das; gerade der Mann, dessen verfehlter Politik der starken Faust Frankreich ein gut Teil fernes heutigen Elends verdankt, nun als Retter in der Rot gerufen wird. Aber man wird auch anerkennen müssen, daß Poincare vieles mitbringt, was ihn zur Lösung einer Aufgabe befähigt, an der vor ihm so viele gescheitert sind. Bor allem gen.eßt er das Vertrauen der Danken und weiter Greife des französischen Bürgertums, Imponderabilien, die bei einem Kanrps um die Währung gar niayt hoch genug einzuschähen sind. Und bann hat er die Energie und den persönlichen Mut, nut aller Rücksichtslosigkeit auch Maßnahmen duraizu- sehen, die unpopulär sind. Ohne solche wird er ebensowenig auskommen, wie seine Vorgänger, die wohl die Erkenntnis hatten von dem, was nottut, aber nicht in der Lage waren, ihrer
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es heißt:
„Um 7 Uhr hat sich poincare ins Elysee begeben, um dem Präsidenten der Republik die endgültige Zusarnmenfehung seines Kabinetts mitzuteilen. Nachdem der Präsident der Republik die Ernennungsdekrete, die morgen früh im „Journal Osficielle" veröffentlicht werden, unterzeichnet hatte, stellte der Rlinisterpräsident seine Mitarbeiter dem Staatsches einzeln vor."
Beim Verlassen des Elysees erklärte Poincare den Journalisten: Wir wollten ein Kabinett der nationalen Einigung bilden, in
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Uebeweugung Geltung zu verschaffen. Daß die Kammer ihm keine Schwierigkeiten machen wird, ist so gut wie sicher. Hat er doch in seinem Kabinett, das sechs ehemalige Ministerpräsidenten zählt, Rationalisten reinsten Wassers, wie T a r - dien, einstmals Clemenceaus rechte Hand, und Leute des Linkskartells, wie Herriot. Zweifellos wird auch er vom Parlament ein Ermächtigungsgesetz fordern, und die Kammer wird nicht wagen, ihm das gleiche zu verweigern, was sie wenige Tage vorher Caillaux ablehnte.
Das lag vielleicht wesentlich an der Persönlichkeit Caillaux'. Caillaux ist der Öffentlichkeit sowohl wie den Deputierten ein Duch nut sieben Siegeln, ein unheimlicher Mensch, dessen Gedanken keiner kennt, dem man aber alles zutraut, was er für seine Pläne förderlich hält. Höchst ungern bcaibt sich das Parlament ohnehin seiner Macht und seines Kontrollrechts. Einem Manne tote Caillaux würde ein Ermächtigungsgesetz das Sprungbrett zur Dikta t u r sein. Das war der allgemeine Glaube der ängstlichen Deputierten, und Cai Hau- tat nichts ihn zu entkräften. Ueber- dies hat Caillaux durch seine hochfahrenoe. schroffe Art sich viele persönliche Gegner geschaffen. auch die Erinnerung an seine Rolle im Weltkrieg, die Tardieu zur rechten Stunde aur- frischte, trug nicht dazu bei, ihn der Kammer als Finanzdiltator zu empfehlen. Es waren also persönliche Gründe, wenn man einen Mann nicht an's Ruder ließ, der schon hundertfältige Proben seines Könnens als Finanzpolitiker und Staatsmann abgelegt hat. .
Man hat aber vermieden, diese wahren Gründe für den Sturz des Kabinetts Driand—
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Dr. Friedr. Will;. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange: für Feuilleton Dr. H.THyriot: für den übrigen Teil Ernst Dlumschein; für den Anzeigenteil Hans Iüstel, sämtlich in Gießen.
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Unterstützung Poincarös darstellt. Morineau hat auf die Teilnahme im Kabinett verzichtet unter ausdrücklichem Hinweis darauf, daß er als Führer der nunmehr größten parlamentarischen Gruppe im Parlament die Unterstützung des neuen Kabinettes führen wolle. Wie allgemein angenommen wird, wird das neue Kabinett Poincare sowohl in der Kammer als auch im Senat eine große Majori- tät finden, jedoch ist die Stellung des Kabi- nettes von den Finanzplänen abhängig, die Poincare der Kammer am Dienstag vorlegen wird. Im Senat hat gleichfalls die Bildung des Kabinettes allgemeine Zufriedenheit ausgelöst. Sämtliche größeren republikanischen Gruppen des Senates haben Poincarö ihre Unterstützung zugesagt.
Das neue Kabinett.
Das neue Kabinett besteht aus vier Senatoren und neun Abgeordneten. Von den Senatssrak - Honen ist die Republikanische Vereinigung durch Poincars, die republikanische Linke durch Barthou, die radikale Fraktion durch Sarraut und Perrier vertreten. Von der Kammer gehören zwei Ra- dikale (Herriot und Quellte), zwei Sozialrepubli. faner (Briand und Painlevs), je ein Mitglied der radikalen Linken (Fälliges), den Linksrepublikanern (Leygues), der demokratisch-republikanischen Linken (Bokanowsky) und der demokratisch-republikanischen Vereinigung (Marin) an. Tardieu steht den Linksrepublikanern nahe. Mit 2lusnahme von Falliörss haben sämtliche Mitglieder des Kabinetts früher schon Ministerposten bekleidet. Sechs davon waren bereits Ministerpräsidenten.
Der neue Ministerpräsident Poincare
ist gebürtiger Lothringer, wurde in Paris Advokat, als Anwalt der Vereinigung französischer Dühnenschriftsteller schnell bekannt und durch seine schriftstellerische Tätigkeit bald Mitglied der Akademie. 1867. im Alter von 28 Jahren, wurde er von feinem Heimatdepartement in die Kammer gewählt, jchon 6 Jahre später wurde er zum erstenmal Minister, 1903 Senator, 1912 erstmals Ministerpräsident. Hatte er bislang das Finanzministerium verwaltet, so übernahm er nun das Außenministerium und nahm gemeinsam mit Delcasss die alte antideutsche Politik wieder auf, die in der früheren Aera Caillaux geruht hatte. 1913 wurde er gegen den Widerstand Clemenceaus mit 483 von 870 Stimmen zum Präsidenten gewählt. 1914 ging die Saat auf, die er und seine Mitarbeiter gesät hatten. Rach dem Waffenstillstand war er derjenige, der auf schärfste Friedensbedingungen drang und später feine Gelegenheit versäumte, als Gegner jeglicher Milderung des Versailler Diktats hervorzutreten. 1922 übernahm er als Rachfolger Driands die Kabinettsbildung und nun begann die Aera des Ruhreinbruchs mit all seinen Schrecken. DieMai- wahl von 1924 brachte der Linien einen ungeahnten Sieg, durch den Porncarö zum Rücktritt gezwungen wurde. Seitdem ist er in der Oefferrt- lichkett lediglich als begehrter Kriegervereinsredner hervorgetreten.
Das Außenministerium wird weiter durch Driand verwaltet, das Kriegsministerium übernimmt wieder Painlev 6 , der es ja auch schon in den vorgehenden Kabinetten DriandS inne- gehabt hat. Deide sind Sozialrepublikaner uuö mehrmals Ministerpräsidenten gewesen. Auch H e r r i 0 t s politisch^ Laufbahn ist der Oeffcnt- lichkeit bekannt. Sechsmal Minister und Ministerpräsident war auch schon
der neue Marlneminister Georges Leygues,
der geborener Gascogner ist und als Literat sich einen Ramen gemacht hat. Lange Zeit war er auch Vorsitzender der Kammerkommission für auswärtige Angelegenheiten. Als Minister hat
entgegengesetztesten politischen Ansichten und den verschiedensten Finanzprogrammen vereinigt, bekundet die sozialistische Fraktion, die ihr Finanzsanierungsund Währungsprogramm hat, ihre Entschlossenheit, jede Regierung zu bekämpfen, deren Aktionsprogramm ihr als wirkungslos und als eine Bedrohung ^^moralischen und materiellen Interessen der Arbeiterklasse erscheint.
Herriots Eintritt.
Verstimmung in der radikalen Fraktion.
Paris, 23. Juli. (WTD.) Herriot hat an den Vorsitzenden der republikanischen Kammer- srattion. den Abgeordneten Cazal, einen Dries gerichtet, um seinen Entschluß zum Eintritt in das Kabinett Poincars zu rechtfertigen. Er er- llärte, er tue dies schriftlich, weil er nicht die notwendige Zeit gehabt habe, persönlich vor der Fraktton zu erscheinen. Rachdrm er entsprechend seiner äleberzeugung dieRechte des Parlaments verteidigt habe, sei er mit seinem Kabinett der republikanischen Cinten vor die Kammer getreten, um die Grundsätze und die neuen Dvttrinen der radikalen Partei zu vertreten. Aber trotz der ihm von der radikalen Partei gewährten Llnterstützung sei er geschlagen worden. Jetzt, wo man sich bemüht habe, wie in der Zeit des Krieges, die nationale Einigkeit herzustellen und man auch ihn aufgefordert habe, habe er sich vor seinem Gewissen nicht für berechtigt gehalten, den Mih- erfolg dieses Versuchs möglich zu machen. E r übernehme allein die Verantwortung für diesen Entschluß. Er stelle der Parier die "Beurteilung anheim, wie sie darüber auch denken möge. Er könne versichern, daß er der sein ganzes Leben lang vertretenen Lieberzeugung treu bleibe. Er sei nur von dem Willen geleitet worden, der Republik, dem parlamentari- «scheu Regime und dem Lande zu dienen.
Die radikale Kammerfraktion hielt nachmittags unter dem Vorsitz von Cazal eine Sitzung ab. Das von ihr ausgegebene Kommunique besagt, daß sie das Schreiben Herriots lediglich zur Kenntnis genommen hat. Cs verlautet jä>och, daß es wegen des Eintritts Herriots in das Kabinett Pvmcarä zu lebhaften Auseinandersetzungen gekommen ist, insbesondere von M a l v Y wurde gerügt, daß Herriot seinen Entschluß ohne affuielle Benachrichtigung der Partei und ohne ihren Entschluß obzuwarien gefaßt habe.
Die Aufnahme im Parlament.
Starke Majorität
für Poinear6 wahrscheinlich.
Paris, 23. Juli. (TU.) 2m Palais Bour- bonne wurde die Rachricht von der Bildung des Kabinettes Poincare bei allen Parteien mit Ausnahme der äußersten Rechten und der Kommunisten, sowie eines Teiles der Sozialisten mit einem gewissen Gefühl der Erleichterung aufgenommen. Die Oppositton, die von Seiten der .Radikalsozialisten noch im Laufe des heutigen Vormittages dem Kabinetts Poincar6 gemacht wurde, hat jetzt eine Abschwächung erfahren. Die Teilnahme Herriots an dem neuen Kabinett wird, wie im allgemeinen angenommen wird, die Radikalsozialisten daran hindern, Poincare gegenüber eine ablehnende Haltung einzunehmen, so daß auf diese Weise das neue Kabinett als Gegner nur die Sozialisten und Kommunisten, sowie diejenigen finden wird, die vergeblich erwarteten, ein Ministerportefeuille zu bekommen Größere Bedeutung wird allgemein der Haltung Morine a u s beigemeffen, dem Führer der republikanischen Zwischengruppe, die eine entscheidende
dem alle Parteien vertreten sind. Wir haben ver- sucht, unsere Aufgabe mit der größtmöglichen Großzügigkeit aufzufassen. Ich muß sagen, daß es mir nicht schwer gefallen ist, weil ich mich bemüht habe, mein Ministerium zu bilden, ohne die besonderen Wünsche weder der einen noch der anderen zu berücksichtigen. Wenn wir uns bei allen Anregungen ausgehaltcn hätten, die man uns gegeben hat, bann würden wir bis in alle Ewigkeit nach einer idealen Lösung suchen und im Augenblick gilt es wirklich, keine Zeit zu verlieren. Das Ministerium wird am Dienstag vor das Parlament treten. Ich werde sofort bei dem Bureau der Kammer unsere Finanzentwürfe ein» bringen.
Die Haltung der Sozialisten.
Paris, 23. Juli. (WB.) Die sozialistische Parlamentsfraktion hat folgende von Buisson, Renaudel und Morel vorgelegte Entschließung angenommen: Angesichts einer Regierung, die Männer mit den
Caillaux klipp und klar zum Ausdruck zu bringen. Herriot, der den Angriff gegen die Regierung als Kammerpräsident leitete, hat vielmehr in der Toga des Gralshüters der bedrohten Verfassung mit weinerlicher Theatralik Prinzipien aufgefahren, mit denen man kein Land retten kann, wenn Gefahr im Verzug ist. Wenn ihm auch der Sturz des Kabinetts geglückt war, so hatte er sich mit feiner verfehlten Taktik doch selbst um die Möglichkeit gebracht, Driands und Caillaux' Erbe zu übernehmen. Mit Recht hält ihm der „Vorwärts", das Zentralorgan der deutschen Sozialdemokratie, vor, daß außergewöhnliche Zeiten auch außergewöhnliche Maßnahmen cr- forteiten, daß eine Verfassung für normale, nicht aber für außergewöhnliche Zeiten bestimmt sei, und daß dem Parlament als dem Vertreter der Volke souveränität es frei stehen müßte, sich bestimmter Rechte zu begeben, denn ohne Regierungsvollmachten, ohne Verzicht auf den zu komplizierten parlamentarischen Mechanismus sei eine so fortgeschrittene Inflation nicht zu überwinden. Die Lektion kommt für Herriot nicht unverdient, verdient war auch die Riederlage, die b:e Kammer ihrem bisherigen Präsidenten bereitete, als er mit einem Kabinett vor sie hintrat, das den Stempel der Hilflosigkeit allzu deutlich an der Stirne trug. So blieb Herriot eine Episode und Poincare hatte die Genugtuung Rachfolger des Mannes zu werden, der ihn vor zwei Jahren, nach den Maiwahlen 1924 geftürzt hat.
Bei uns in Deutschland löst die Wiederkehr Poincarss, möge sie auch aus rein innerpolitischen Gründen bedingt sein, begreiflicherweise gemischte Gefühle aus. Auch wir haben das größte Interesse
daran, daß PoincarS eine Frankenstabilisierung und Finanzsanierung glücken möge, leidet doch gerade unsere Wirtschaft schwer unter dem französischen Währungsverfall. Aber wir erinnern uns auch, daß Poincars als einer der Urheber des Weltkrieges dokumentarisch bloßgestellt ist, daß ferner gerade er alles getan hat, durch spitzfindige Auslegung des Versailler Vertrages die Vernichtung Deutschlands zu vollenden, daß er es war, der den Rühre.ul ruch mit all seinen furchtbaren Folgen für unser Volk herbeigeführt hat. Eine gewisse Beruhigung ist es wenigstens im Augenblick, daß Briand auch weiter das Außenministerium verwalten wird, imd daß den Kabinettschef seine finanzpolitischen Sorgen wohl vorläufig abhalten werden, in die Uußcn- polilik aktiv einzugreifen. Aber man wird es uns nicht Übelnehmen dürfen, daß wir mit einigem Mißtrauen die ersten Taten des neuen Kurses erwarten. Es harren wichtige Dinge dringend der Erledigung: vor allem bedürfen die letzten Vorgänge im besetzten Gebiet einer baldigen Klä.ung, die Frage einer Reduktion der Besatzungstruppen und einer Verkürzung der Räumungsfristen steht noch zur Debatte, der deutsch-französische Handcls- öertrag ist noch immer nicht unter Dach und Fach und schließlich naht in wenigen Wochen die Genfer Dölkerbundstagung, die über unsere Ausnahme in den Völkerbund beschließen soll. Poincars ist kein Freund von Locarno und seinen Abmachungen: er wird sich nicht über sie Hinwegsetzen können, es wird jedoch unserer schärfsten Aufmerksamkeit bedürfen, einem Poincars gegenüber unsere Rechte zu wahren, die wir Männern wie Briand und Herriot nur mit unsäglicher Mühe abgerungen haben.
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anhaltend regne« ingünstige Detter Harkt für Weizen ! weiter befestigt igroste Anregung, m des amtlichen n kleinsten Gren« »es Inlandes nur r ist, andererseits der uittenüablen sehr zurüchallen Tggen im Liefe« ?n Xonate etizxi durchweg 1 Ht äll Mte wtb •tirtOtectem Bvf laum ‘Berührtet W begehrt bei Es notierten her ilt und neu) 190 205; neue Winter« art, 200 618 210; Z8; Aaps 355 bis nehl 38 bis 40; Mizenüeie 10,50 bis 11.50; Heine :erbsen 21 bis 26, ckerbohnen 24 bis nen (blau) 15 bis Rapskuchen 14,80 j 19,80; Trocken« Dt 20,40 biS 20.90; Karl.__
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DonBriand zu Poincare.
Die Fieberschauer der Inflation schütteln Frankreich. Krankheitssymptome, die wir selbst erst in einem weit späteren Stadium des Markverfalls kennengelernt haben, zeigen, wie der französische Volkskörper heute schon empfindlich reagiert auf die Unterminierung seiner Wirtschaft. Die andere gesellschaslllche Struktur Frankreichs briftgt es mit sich, daß dort schon geringfügige Schwankungen der Wechselkurse ganz allgemein und viel härter empfunden werden, als dies bei unVv der Fall war. Für die breite Schicht des französischen Rentnertums, die keine gleitende Gehaltsskala kennt, ist natürlich jede, mit dem Frankensturz unvermeidliche Preiserhöhung für die Güter des täglichen Dedarss ein Gradmesser ihrer langsamen Verelendung. Trotzdem scheint die Erkenntnis von dem, was not tut, erst jetzt langsam zu dämmern. Das liegt wohl vor allem an der bekannten Steuer- scheu des französischen Kleinbürgers, der bei einer rigorosen Sanierung der Staatsfinanzen einen Teil seiner Rente einzubüßen fürchtet, und noch nicht glauben will, daß der Frank auch an innerem Wert verloren hat. Dazu kommt, daß weite Kreise der Großindustrie und des Handels sich mit Händen und Füßen gegen eine Stabili
sierung sträuben. Man fürchtet die Deschränkung , ,
des Exportmarktes und die Reinigungskrisis, die Poincare stellte heute abend 7 U^r (eine Mitja auch Deutschland nach Einführung der Renten- arbeitet dem Präsiden en der R e p u b i k mark hat durchmachen müssen. vor. Von 6.30 Uhr ab trafen bie neuen Minister
So ist es schon aus wirtschaftlichen Gründen v°r dem E y,ee em Zuech ersch.er.der Landw.rt- verständlich, wenn die Deputierienkammer als '^smlNlster QueulIle dann Barthou und greifbarer Exponent dieser Mentalität wohl in nach ihm B 0 k a no m {f tj1,, bet■ im besprach mit ihrer aroßen Mebrbeit einsah daß etwns ge- Pressevertretern erklärte, daß eine der schönsten fd>eben9 müsse daß sie sich aber bislang nicht Taten sei, die er kenne, dag politische Manner, die entschließen könnte, Maßnahmen gutzuheißen, die sich noch unlängst^mdselig ?egenubergestanden ihre Wähler unsanft aus dem gern gehegten Hutten, sich heute ausgelohnt und die Bildung des Tramn cvecken würden, eine Stabilisierung sei Kabinetts ermöglicht hatten, wodurch einer gesahr- vhne schwere Opfer des Volkes selber möglich Situation abgeholfen worden sei. Tar-
Mit Mangel an moralischem Mut wird man bi eu erkundigte sich bei den Journalisten, wie die die Seelen läge der Herren Deputierten vielleicht Oeffentlichke.t das Kabmett ausnehme und war ub" am treffendsten bezeichnen. Das Problem „Wie die günstigen Antworten...e^eut Hierauf erschien sage ichs meinem Wähler?" glich dem heißen Eisen, Herriot, denmanbeglückwünschte. J o n a ö das feiner anpacken wollte. Jahrelang hatte man erklärte den Journalisten „Das neue Kabinett halt dem Volke erzählt, der bochc bezahle alles; als st-n Versprechen. Es .st punktl^ es. sind genau Dm das mit dem Inkrafttreten des Dawesplanes Minuten vor 7 Uhr. Alle M>nister begaben sich nicht mehr glaubhaft zu machen war, tröstete hieraus zum Präsidenten der Republik Kurz nach man den Bourgeois mit der sicherlich zu ertoar- | 7 Uhr wurde ein Kommunique veröffentlicht, in dem teni>en großen Geste des edelmütigen Amerika, das eines Tages die inzwischen ungeheuerlich angewachsenen Schulden streichen und in Erinnerung an den gemeinsamen Kampf gegen das „monstre allemand“ dem französischen Verbündeten mit einem großzügigen Pump ä tond perdu unter die Arme greifen werde. Auch das war
Metzener Anzeiger
General-Anzeiger für Oberhessen
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