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Nr. 95 Drittes Blatt

Außenpontijcye Umschau.

Don Prof. Dr. Otto Hoetzsch, M. d. R.

Die neue Lage in Europa" so lesen wir jetzt häufiger in der ernsten englischen Presse. Die Times" undManchester Guardian" haben ihre Betrachtungen über die Situation so firmiert. Was soll das Heiken? Was ist das Neue, das man in England ganz besonders stark empfindet?

Man glaubte durch das Locarnowerk, für das sich ja Chamberlain in wohlverstandenem englischen Interesse so eingesetzt hatte, einen großen, vielleicht dauernden Erfolg im Sinne Englands erzielt zu haben. Man hatte sich soweit engagiert, als eben nicht zu vermeiden war, in bezug auf die Garantie der Westoerhältnisse Europas. Dian hatte sich von den Ostsragen desinteressiert, mit denen man nichts zu tun haben will. Man hatte Deutschland an dieses > Werk gebunden und in den Völkerbund herein* , gepreßt, in der Erwartung, auf diese Weise im > Völkerbund die eigene Position gegen Frankreich l zu verstärken und was doch immerhin der hinter- ; gedanke bleibt Deutschland so im Gefolge der | englischen Politik zu halten, jedenfalls von einer , selbständigen Verbindung mit dem Osten, mit Ruß­land fernzuhallen. Das letztere vor allem in der all­gemeinen Betrachtung der Lage, die ja mit dem russisch-englischen Weltgegensatz heute nicht aktuell bezeichnet ist, aber im weiteren doch damit gekennzeichnet wird, zumal die russische Presse und Politik nichts unterläßt, diesen Gegensatz recht stark und an jeder Ecke hervorzutreiben.

Das Locarnowerk selbst scheiterte zwar nicht, aber die Krönung kam nicht zustande mit dem Ein­tritt Deutschlands in den Völkerbund. Vielmehr trat eine Krise im Völkerbund ein, die es heute fraglich erscheinen laßt, ob überhaupt der Abschluß der Lo- carnobemühungen im Völkerbund gelingt. Und so trat hervor, was jeder eigentlich auch wußte, daß der Völkerbund an sich eine aktive Politik nicht machen kann, sondern das Wesentlichste eben bleiben die Beziehungen der Mächte in Allianz und Gegen­satz. Damit gewann die deutsche Politik in einem gewissen Grade ihre Bewegungsfreiheit wieder, die sie mit den Sicherheitsoerhandlungen, mit dem An­schluß an Locarno und der Bereitwilligkeit, in den Völkerbund zu gehen, aufgegeben hatte.

Man kann heute angesichts der deutsch- russischen Verhandlungen sagen, daß diese deutsche Politik mehr Glück als Verstand ge­habt hat. Und das Neue in der Situation Europas empfindet aus begreiflichen Gründen gerade darin empfindlich die englische Politik darin, daß Deutschland ohne seine Schuld gegenüber dem Völ­kerbund volle Freiheit hat und ebenso volle Freiheit hat, sein Verhältnis zu Rußland nach seinen Inter- esien vorher aus eine neue Basis zu stellen. Wenn das auf der anderen Seite so überraschend emp­funden wird, so kommt das daher, daß tatsächlich die deutsche Politik das Jahr 1925 hindurch stark die Richtung nach Westen eingeschlagen hatte, was die Möglichkeit erkennen lieft, daß sie zu einerWest­orientierung" bereit sei. Gerade die habe ich immer entschieden bekämpft. Denn wenn man nun schon einmal, wie es Dr. Stresemann tat, Anfang 1925 diese Sicherheitsoerhandlungen mit eigenen An­regungen begann, so lag auf der Hand, daß das zu einer Spannung mit Rußland führen mußte. Seit Dezember 1924 lag die russische Anregung vor, die Beziehungen zu Deutschland zu vertiefen und zu erweitern. Während des ganzen Jahres 1925 hat die russische Presse und Politik auch alles getan, sehr häufig in anmahlicher und übertriebener Form, Deutschland von dem Schritte nach Genf fern- zuhalten.

Das war russisches Interesse. Deutsches In­teresse war es, auch nicht den Schein einer ein­seitigen Westorientierung aufkommen zu lassen. Wer sicher und frei von Illusionen durch diese Ver­handlungen ging, mußte gleichzeitig mit den nach Locarno führenden Erörterungen die Ver­handlungen mit Rußland weiterspinnen und keinen Zweifel" daran lassen, daß einer vertragsmäßigen Bindung Deutschlands nach Westen ebenso eine ver­tragsmäßige Sicherung Deutschlands nach Osten, das heißt mit Rußland, ergänzend folgen müsse. Je früher und je offener man das aussprach, um so sicherer war man davor, daß das nicht eintrat, was eben jetzt eingetreten ist, nämlich wieder der Knall- essekt einer Ueberraschung darüber, daß Deutschland seine selbstverständlichen Lebensinter­essen in solchen Vertragsabschlüssen wahrt.

Dieser Knalleffekt, das Zusammenfallen der deut­schen Antwort in Genf, der russischen Abrüstungs­note In Genf und derTimes"-Jndiskretion war sehr unerwünscht und unangenehm. Das Wesent­liche ist das indes nicht. Genau wie beim Rapallo­vertrag muß die andere Seite sich daran gewöhnen, daß Deutschland seine Freiheit, nach leinen eigenen Interessen Verträge zu schließen, sich wahrt. Und was können die Westmächte eigent-

Die Wetterberatung im Luftverkehrsjahr 1926.

Don Dr. QI. Peppler, otbtL Honorarprofessor der Technischen Hoch­schule Karlsruhe, D'rektor der Badischen Landes- Wetterwarte.

Die Vermehrung der Fluglinien und Starts erfordert auch in diesem 3ayre einen Ausbau deS schon seither bestehenden Flugwetterdienstes. Da die Organisation dieses Dienstes weitere Kreise, besonders diejenigen, die sich demnächst des Flugzeugs für Reisen bedienen wollen, in­teressieren dürfte, sollen die Maßnahmen, die seitens des Reichsverkchrsministeriums zur Si­cherung deS Flugverkehrs in Kürze getroffen werden, hier geschildert werden.

In diesem Iahre sind 21 Flugwetter­warten an nachfolgenden Flughäfen in Tätig­keit: Aachen, Berlin, Braunschweig, Breslau, Bremen, Dortmund, Dresden, Elbing, Essen, Friedrichshafen, Fürth, Frankfurt a. M.. Halle, Hamburg, Hannover, Karlsruhe, Königsberg, Köln, Leipzig, Lindenberg. Mannheim, Magde­burg, München, Plauen, Rostock, Stettin, Stutt­gart und Weimar. Dagegen werden die Flug­häfen mit geringerem Flugverkehr: Alleinstein, Baden-Baden. Braunschweig. Chemnitz. Darm- stadt, Düsseldorf. Erfurt. Flensburg. Freiburg (Dr.), Gera, Gießen, Görlitz, Kassel, Krefeld, Konstanz, Lübeck. Marienburg, Reichenhall, Schwerin, Sellin, Stolp, Stralsund, Swinemünde, Tilsit unö ZBi Hing en zunächst keinen Plahmeteoro- logen erhalten und von Rachbarwetterwarten fernmündlich beraten werden.

Die Grundlage jeder meteorologischen Bera­tung deS Luftverkehrs ist neben dem allgemeinen funkentelegraphischen Beobachtungsmaterial, wie

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)

Samstag, 24. April 1926

tich mehr verlangen, als wenn das geschieht im großen Rahmen der Verhandlungen und Abschlüsse, die in Locarno zustondekamen? Es wird doch der aufrichtige Versuch gemacht, diesen Vertrag zwischen Deutschland und Rußland mit der Idee^ von Lo- , carno. das heißt dem Gedanken des Sicherheits- ; und Garantieoertrages und mit dem Völkerbund- pakt, das heißt den Artikeln 16 und 10, in lieber* einftimmur.g zu halten und zu bringen. Auch ist keine Rede von einem Geheimabkommen, selbstver- »ländlich wird der Wortlaut des neuen deutsch-russi­schen Vertrages der Oefsentlichkeit und dem Völker­bund mitgeteilt.

Der Haken ist aber nun, inwieweit die Auf­fassung, die wir von der Auslegung des Artikels 16 haben, und die wir unserem Abschluß mit Rußland zugrunde legen, auch von der anderen Seite, dem Völkerbund und seinen Mächten geteilt wird. Ge­rade im Hinblick darauf ist die sogenannteLegali­sierung" jenes Schreibens der vier Großmächte in Locarno an Deutschland über Artikel 16 unablässig von uns gefordert werden. Aber trotz des nachdrück­lichen und unablässigen Drängens hat die Reichs­regierung nichts getan, um eine Auslegung des Ar­tikels 16, die den deutschen Interessen namentlich nach Osten gerecht wurde, von der anderen Seile bestätigen zu lassen. Niemand glaubt, daß jene (be­kanntlich wörtlich dem Genfer Protokoll entnom­mene) Antwort von Locarno jeden Zweifel aufhebt und jsde Sicherheit gibt.

Darum wird die Auseinandersetzung gehen, wenn der deutsch-russische Dertragsentwurs oder Vertrag bekanntgegeben ist. Wir wissen nicht, wie er aussehen wird, wir halten unser Urteil zurück, bis wir ihn sehen und wissen, wie er die Probleme des Artikels 16, des Neutralitäts- und Freund­schaftsverhältnisses löst, und behalten unsere Kritik vor. Aocr daß dieser Schritt getan wird, daß der Locarnoverirag die Ergänzung durch einen deutsch- russischen Vertrag erfährt, war absolut notwendig, und ist richtig, und zu bebauem ist nur, daß das nicht früh genug und zu einem geeigneteren Zeit­punkt geschah.

Der Kampf, der möglicherweise entsteht schon rüstet Dr. Benesch seinen Fragebogen in dieser Beziehung! muß durchgefochten werden! Deutschlands Recht, seine Interessen durch beson­deren Vertragsschluß auch mit Staaten außerhalb des Völkerbundes zu wahren, ist unbestreitbar. Es tut das ja auch gar nicht, indem es aus dem Lo­carnowerk heraustritt. Daß es das nicht innerhalb des Völkerbundes tun kann, ist nicht Deutschlands Schuld. Daß es seine Lebensinteressen aus seiner zentralen Lage heraus und aus seiner Machtlosig­keit heraus, aus der Notwendigkeit, die Gemeinsam­keit mit Rußland zu vertiefen und zu verankern, wahrnehmen muß, ist gleichfalls klar, lind stößt man dabei noch einmal in der Auseinandersetzung um den Artikel 16 auseinander, so begrüßen wir das nur. Denn besser diese Auseinandersetzung jetzt als später, wo sie immer schwieriger würde!

Nach beiden Richtungen also hatte die deutsche Außenpolitik mehr Glück als Verstand: daß sie frei vom Völkerbund diese Ergänzung des Westvertrags­werkes herbeiführen kann, und daß sie damit noch einmal Gelegenheit erhält, die deutschen Interessen gegenüber Artikel 16 wahrzunehmen und durchzu- setzen. Daß Rußland mit Tschitscherins Note jetzt so brüsk dem Völkerbund absagte, und daß der Völker­bund m seiner Krisis Deutschland mit Studienkom­mission, Abrüstungs- und Wirtschaftskonferenz un- bedingt bei sich festhalten will, das sind sehr wirk­same Trümpfe im deutschen außenpolitischen Spiel dieser Monate. Die Reichsregierung ist in diesen weittragenden Entscheidungen dem deutschen Volk dafür verantwortlich, daß diese Trümpfe nicht leicht­sinnig weggegeben werden, und das Parlament soll über die innenpolitischen Kämpfe und Wirtschafts­sorgen hinweg der Regierung, der Außenpolitik aufs schärfste auf die Finger sehen, daß das ver­hütet wird!

Das Römische Meer.

Von unserem römischen ki-Korrespondenten.

Rom, Ende April.

Bis zum Weltkriege war nur die Adria das Mare nostrum. Ein Titel, den der nur in Wien gemütliche, in Triest aber höllisch eifersüchtige k. k. Nachbar mit zäher Leidenschaft bestritt. Und im Grunde waren es mehr verletzte Eitelkeit und ge- kränkter Nationalstolz als naturpolitische Notwen­digkeiten, die in Rom schon zum Kriege rüsteten, als man sich in den Kabinetten noch fleißig bemühte, den zerfressenen Dreibund einzumotten. Der Glücks­fall eines Hasardspielers hat Italien bann richtig den erstrebten Titel gesichert. Freilich schoß aus dem blutgebüngten Boden der slawische Spröß- l i n g nach, und Rom hatte um so mehr Grund, den Erben als neuen Rivalen zu fürchten, als nun der Panslawismus plötzlich breitspurig im Herzen

es den öffentlichen Wetterdienststellen schon lange für die Tagesprognose und die Wetterkarte zur Verfügung steht, und die Orientierung über die europäische Wetterlage abgibt, ein dichtes, spe­ziell für die Flugberatung geschaffene Reh von Deobachtungsstationen innerhalb Deutschlands und nach Möglichkeit längs der Flugstrecken. Da­bei muß durch die sprunghafte Entwicklung des Luftverkehrs der schon im Vorjahre bestehende Meldedienst wesentlich ausgebaut werden. Die Gliederung dieses Meldenehes ist eine dreifache:

1. Regelmäßig von den Luftverkehrsplänen unabhängig stündlich erfolgende Meldungen von 43 amtlichen meteorologischen Stationen, also durch meteorologisch geschul­tes Personal. Die Meldungen erfolgen von 5 älhr morgens bis 12. teilweise auch 2 äÖjr nachts. Die Meldungen aller deutschen Stationen laufen auf verschiedenen Wegen, teils durch Drahttele­graphie, teils durch Flugkabel oder auf dem Funkweg an die Zentrale des deutschen Luft­fahrerwetterdienstes, das Aeronau­tische Observatorium Lindenberg, das die gesammelten Meldungen während der Zeit von 10 Minuten vor bis 8 Minuten nach jeder vollen Stunde auf Welle 1680 ausstrahlt.

2. Rur zu den Startzeiten, zu denen Flüge angeseht sind, meldende Postämter: Strecken­meldestationen. Die Beobachtungen erfolgen durch Postbeamte. Ihre Zahl ist im Interesse der Kostenersparnis gegen das Vorjahr wesentlich herabgesetzt worden. Eine Verminderung der Post- ämtermeldungen war möglich, nachdem die unter 1. genannten regelmäßig erfolgenden Meldungen erweitert worden waren. In Betracht kommen im ganzen für sämtliche deutschen Flugstrecken 11 Postämter. Die Meldungen werden an die nächst gelegene Flugwetterwarte auf dem Draht­weg oder telephonisch abgesetzt.

Europas stand, mit dem einen Fuße an der Ostsee, mit dem andern an der Adria. Es gab eine Zeit nach dem Kriege, wo sich der Wille in Italien regte, den Gegner sofort zu fällen, bevor er anwurzeln konnte, aber hinter dem Willen stand nicht die nötige Kraft, denn D'Annunzios verwegene Haufen waren dem üppig ins Kraut geschoßenen Kommu­nismus nicht gewachsen.

Die Umstürzler gaben, wie ihnen später der sieg.» reiche Faszismus als schwerste Schuld vorwarf, kampflos Stuck um Stück der Flanke Italiens preis, b. h. ber auf ben irredentistischen Landkarten zu Italien geschlagenen balmatinischen Küste bis Griechenlanb herunter, Fiume und Dalona. Als Musiolini die Macht ergriff, war es für einen Krieg mit dem inzwischen erstarkten Jugoslawien zu spät, man mußte gute Miene zum bösen Spiel machen, Frieden heucheln, bis die großen Rüstungen die diplomatische Maske überflüssig machten, ya, um sich gegen ein unerwünscht vorzeitiges Losgehen ber Flinten vom anberen Ufer her zu schützen, war es sogar ratsam, einenA b r i a p a f t" zu schließen, ber allen unschulbigen politischen Kinblein als nach­eiferungswerter Friebenswillendeweis vorgehalten werden konnte. Fast gleichzeitig schützte sich Musio­lini durch einen ähnlichen Freunbschastsvertrag mit ber Schweiz gegen bie nordwestliche Gefahr, ohne baß ber Eidgenossenschaft bie ihr zugebachte Rolle als Schilbwache gleich zum Bewußtsein ge­kommen märe.

Jetzt hatte Rom Rücken- und Flankenfreiheit, es konnte dem Haupt gegner ins Gesicht schauen: Frankreich. Die Gegensätze zwischen den lateinischen Schwestern sind in den letzten Jahren überall in bet Welt bis zum Aeberdruß erörtert worden, so daß es sich erübrigt, die Fragen von Korsika, Rizza, Savoyen und Tunis ins Licht zu rücken, Uebrigens darf dabei nicht vergessen werden, daß auch ein Mussolini trotz aller Kraftworte diese Probleme nur aka­demisch erörtern kann, solange die Haupt­frage nicht gelost ist: wo nehme ich die für die Kriegsmaschinerie nun einmal unerläßlichen Be­triebsstoffe Eisen und Kohle her? Hier und nirgend anderswo ist die Achse für die auswärtige Politik Italiens zu suchen, hier ist Rom gebunden und nur durch Bündnisse und Konzessionen kann es sich von dieser wirtschaft­lichen Knechtschaft loskaufen. Hier kommt sogar das wehrlose Deutschland dazu, das unter Umständen entscheidende Wörtlein bei der Aus­einandersetzung im Mittelmeer um die Hege­monie mitzusprechen.

Mussolini ist daher reichlich kühn gewesen, als er das kaiserliche Wort kopierte von der Zukunft, die auf dem Wasser liege, und darüber hinaus das ganze M i 11 e l m e e r als Mare nostrum erklärte. Wilhelm II. hatte in den gewaltigen Bodenschätzen seines Reiches wenig­stens ein schier unzerstörbares Fundament für das schwungvoll gedachte, aber als Provokation in England aufgefaftte Wort: Mussolini dagegen stellt einfach eine Pyramide auf die Spitze, im Glauben, es genüge schon sich hinaufzuschwingen. die Dismarckstiesel anzuziehen, den Rapoleonshut aufzusehen und die Faust zu ballen. Die Pyra­mide wird aber nur dann nicht umfallen und ihn erschlagen, wenn sie auf der einen Seite von den starken maritimen Schultern Englands und auf der anderen von dem arbeitsamen Rücken Deutschlands gestützt wird. Ohne Bilder: was will Italien gegen Frankreich ausrichten, wenn ihm Deutschland kein Eisen liefert und England die Mausefalle in Gibraltar und Suez zuschließt?

In den Stunden der Einkehr verschließt man sich denn auch in Rom dieser Erkenntnis nicht. Daher die Wut auf Deutschland, als es sich in Locarno und Genf Frankreich armäfterte, eine Wut, die sich in den Drennersanfaren entlud. Als sich Berlin nicht einschüchtern lieft, kam bald wieder die vernünftige Ue&erlegung oben­auf und einer geschickteren deutschen Diplomatie könnte es gar nicht schwer fallen, die Süd­tiroler Frage aus der Welt zu schaffen. Der gegebene Dermittlungsweg geht über die Kolonien, die Italien so am Herzen liegen. Es besteht gar kein Zweifel darüber, daft Rom als erstes greifbares Ergebnis eines Verstän­digungsaktion die deutschen Mandatsansprüche in Genf unterstützen würde, sofern gleichzeitig, möglichst aber vorher Italien etwas von der kolonialen Erbmasse erhält. Inzwischen hat nun aber die Wilhclmstrafte wie üblich langsamer gearbeitet, als es für Mussolinis Ungeftüm er­träglich ist. Er führte, wieder den deutschen Kaiser kopierend, den pomphaften Tripolis- ritt aus. der von Frankreich mit dem berühmten Panthersprung nach Agadir auf eine Stufe gestellt wird. Wie mir von wohlunterrichteter französischer Seite versichert wurde, ist darin der ausschlag­gebende Grund für die Ci 'lcitung und Beschleu­nigung der Friedensverhandlungen

3. Gefahrenmelde st eklen, die nur bei unsicherer Wetterlage oder dem Eintritt gefahr­drohender Wettererscheinugen Meldungen ab­geben. Hierfür kommen 2 Arten von Gefahren­meldungen in Betracht:

a) Postämter und Flughäfen, die bei un­sicherer Wetterlage von den Flugwetterwarten telephonisch angerufen werden können. In der diesjährigen Flugperiode werden 105 derartiger Gefahrenmeldestellen in Deutschland tätig sein.

b) Postämter, die nur bei Eintritt gefähr­licher Witterungserscheinungen der nächsten Flug­wetterwarte auf dem Drahtweg sofort Mittei­lung machen. Hierzu sind insgesamt 3 6 Stellen vorgesehen. Die Flugwetterwarten haben dafür Sorge zu tragen, daß diese Gefahrenmeldungen baldmöglichst der Rachbarwetterwarle mitgeteilt werden, vor allem auch in den stündlichen Funk­sprüchen an Lindenberg wiederholt werden, damit dort eine älebersicht über die Gefahrenzone im ganzen Reiche gewonnen werden kann.

Da an Sonntagen Kursflüge nicht stattfinden, wird aus Sparsamkeitsgründen nur ein ganz be­schränkter Meldedienst weniger Stationen für gelegentliche Flüge aufrechterhalten werden. Streckenmeldungen werden nicht gegeben.

Auf Grund des durch die verschiedenen Meldenehe zugeführten Materials erfolgt die Beratung des Flugzeugführers, die persönlich durch den diensttuenden Flugplahmeteo- rologen und durch Wetterzettel zu geben ist. die dem Piloten ausgehändigt werden. Diese Wetter­zettel haben für alle Flugwetterwarten einheit­liche Form, die sich im wesentlichen an den inter­nationalen Wetterzettel anschließt. Eie sind in zwei Exemplaren herzustellen, deren eines der Flugzeugführer erhält, während das andere bei bett Akten der Wetterwarte bleibt. Rach dem

mit Abd ec Krim zu suchen. Herr öauer- wein vom .Marin" tut doppelt begriffsstutzig, wenn er nun eine Inspektionsreise durch Italien zur Erforschung der italienischen Kriegsziele un­ternimmt. Man sollte meinen, deutlicher, als es Mussolini zum Ausdruck brachte, könne matt Tunis nicht ans ordern.

Die Spannung über dem Mittelmeer nimmt von Tag zu Tag zu. 3m französischen Senat jammert man über die Unterlegenheit der Flotte gegenüber der italienischen, im römischen Senat jammert man umgekehrt. In beiden Lagern aber wird mit einem Fieber gerüstet, das man dem Völkerbund für seine friedlichen Be­strebungen wünschen möchte. Doch darf man mit Sicherheit annchmen, daß der gewerbsmäßig« Pazifismus ebenso prompt nach Beginn bei Kanonenkonzerts vom Leder ziehen wird, wie 1914.

Mussolini hatte die Absicht, auf der Rück­reise von Tripolis mit seinem Paradegeschwader auch Malta anzulaufen. Einige Stunden, nach­dem das Wort vomrömischen Meer" gefallen war, wurde dieser Plan plötzlich in dasselbe Meer versenkt. Sollte etwa der Mann, der mit Chamberlain unter vier Augen gesprochen hatte, über das in Rapallo vereinbarte Maß hinaus- gegangen sein? Auch Lord Haldane wollte an­geblich in der deutschen Flotte keine Gefahr für England erblicken, wollte sie am Schnürchen haben wie der Knabe sein Segelschiffchen. Mussolini wird doch nicht die Schnur abschneiden und n a dfce igenem Willen steuern wollen? Aus­einandersetzung im Mittelmeer, ja, Italien gegen Frankreich, very well, aber alles hübsch unter Aufsicht der englischen Gouver­nante. Auch Deutschland lieft sich ja auf 10:16 stellen.

Mussolini hat nicht gut daran getan, einen Meerestitel zu fordern, den ihm der Union Iack wirksamer bestreiten kann als seinerzett den Untertitel der Doppeladler.

Oberhessen.

Landkreis Gießen.

X Wieseck. 23. April. In dem weit über die Grenzen unserer Gemeinde mit Interesse verfolgten Rechtsstreit der Evangeli­schen Kirchengemeinde Wieleck gegen die bürgerliche Gemeinde Wiefeck wegen der Frage der Baulast an den kirchlichen Gebäuden hatte, wie erinnerlich, das Land­gericht Gießen am 1. Oktober 1925 der Klage statt gegeben und die bürgerliche Gemeinde ver­urteilt. Die von dem Gemeinderat hiergegen eingelegte Berufung wurde nunmehr laut Urteil des Oberlandesgerichts Darm­stadt vom 20. d. MtS. kostenpflichtig zurück­gewiesen.

i, Wiefeck, 24. April. Am Sonntagabend findet im Saale des Gastwirts Braun ein Kon­zert statt, das. wie die seitherigen derartigen Veranstaltungen, für unsere musckliebmde Ein­wohnerschaft ein Ereignis werden dürfte. Aus- sührender Teil ist die bekannte Kapelle M a n k - Wiefeck, die mufikalische Leitung liegt in den Händen deS Darmstädter Kammervirtuosen L. Kümmel. Die Piston-Solis dieses Künst­lers. der bekanntlich ein Kind unserer oberhessi- schen Heimat ist, haben ihn weit über die Gren­zen deS Hessenlandes hinaus einen Ramen gemacht.

:: Beuern, 23. April. Am Mittwoch begannen im neuen Schulsaal, der im vorigen Jahr durch den Abbau der dritten Lehrrrstelle freigeworden war, zwei Kochkurse für Mäd­chen von Beuern und Bersrod. An den Kursen nehmen 31 Mädchen teil, 25 von Beuern und 6 von Bersrod. Rur 10 davon sind Pflicht­teilnehmer auS dem 3. Fortbildungsschnljahr, bie übrigen nehmen freiwillig an dem Kursus teil. Die Kurse werden geleitet von der Haushal­tungslehrerin Frau Schneider in Großen» Duseck und laufen das ganze Jahr hindurch an einem Dor- bzw. Rachmittage. Die notwendigen Haushaltungsgegenstände sind auS Gemeinde» mitteln beschafft worden. Den Herd hat die Ge­meinde Bersrod gestellt. Am Mittwochabend fand im alten Schulsaal ein Aufklärungs­vortrag für unsere Landwirte statt. Daurat Steinbach vom Kulturbauamt Gießen sprach überDas Wesen und die Vorteile der Dränage und überDie Gründung einer ö ff entlüften Wassergenossenschaft auf gesetzlicher, Grundlage". Kulturinspektor K u 11 m a n n ergänzte die Aus­führungen des Redners. Heber die Rotwendig­keit der Dränageanlage gerade in unserer an vielen Stellen sehr nassen Gemarkung waren sich alle anwesenden Landwirte einig, so daß öie Gründung einer Wassergenossen­schaft zur Trockenlegung des nassen Geländes

Fluge vermerkt der Flugzeugführer auf der Rück­seite des Wetterzettels den während des Fluges auf der Strecke angetroffenen Wetterzustand und übergibt den Zettel der Flugleitung, die ihn an die Flugwetterwarte aushändigt. Diese sendet die Wetterzettel wöchentlich der Zentrale in Lindenberg zur weiteren Bearbeitung ein.

Die Angaben der Flugzeugführer über die tatsächlich angetroffene Witterung sind besonders wertvoll. Einmal geben sie die Mög­lichkeit, den Wirkungsgrad der meteorologischen Beratung festzustellen. dann können sie für eine aeronautische Meteorologie Deutsch­lands. die durch die Arbeiten des Flugwetter­dienstes im Laufe der Zeit entstehen wird, An» haltspuntte liefern. Die Berichte werden um so wertvoller sein, je gründlicher die meteorologische Ausbildung des Flugzeugführers ist.

Vorstehender, von der Zentrale des deutschen Flugwetterdienstes in Lindenberg entworsene Or­ganisationsplan enthält nur die innerdeutschen Linien. Für die über die Grenze hinwegführen­den Luftverkehrslinien wird vom Reichsverkehrs­ministerium in gemeinsamen Verhandlungen mit den beteiligten Flugwetterwarten eine besondere Regelung getroffen werden. Wegen der Siche­rung der Strecken über Belgien, Frankreich und der Tschechoslowakei können Verhandlungen erst nach Abschluß der Pariser Besprechungen statt­finden.

Die Abgabe der zahlreichen Meldungen zur Sicherung des Flugverkehrs, wobei zu den meteo­rologischen noch die erheblich umfangreicheren Betriebsmeldungen (Start-, Landemeldungen usw.) hinzukommen, stellt außerordentlich hohe Anforderungen an das Inlanddraht- und Funknetz. 3m 3ahre 1925 wurden allein durch daS Flugfunknetz 4.2 Millionen Telegramm-