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Var btt Ansicht, haft man bad Angebot nicht zurückweifen sollte. Es wurden deshalb Unterschriften zur Erlangung der Konzession von fast allen Anwesenden abgegeben, jedenfalls wäre es zu begrüßen, wenn die Lache zustande käme.
•!• Stockhausen, 23. Febr. Dem Vernehmen nach soll der Betrieb auf der hiesigen Eisen st ein Wäsche Mitte dieser Woche wieder ausgenommen werden. Damit erhalt mancher Arbeitslose wieder Arbeit und Verdienst. Hoffentlich folgen die anderen Vergwerks- betriebe in unserer Gegend bald nach.
Hreis Friedberg.
gb. Butzbach, 23. Febr. Infolge eines Schlaganfalls entschlief gestern der langjährige ersie Geistliche unserer evangelischen Gemeinde, Pfarrer Loos. Ein allseits hochgeachteter und beliebter Seelsorger hat unsere hiesige Gemeinde plötzlich verlassen. Seit 1888 hier tätig, war er mit der Gemeinde verwachsen und hatte nicht nur für die Kirchengemeinde, sondern auch für städtische und sonstige Angelegenheiten stets ein lebhaftes Interesse. So rief er den Evangelischen Arbeiterverein und den Evangelischen Kirchenchor ins Leben und half tätig und eifrig mit bei der Gründung des Gemeinnützigen Bauvereins. Sein Andenken wird in der evangelischen Gemeinde hochgehalten werden. — Der für den 18. März angesetzte Jubiläums-Faselmarkt kann infolge weiterer Ausbreitung der Maul- und Klauenseuche in den benachbarten Orten an diesem Tage nicht abgehalten werden. Die Faselmarkt-Gesellschast hat deshalb in ihrer gestrigen Sitzung beschlossen, den Markt und die damit verbundene Verlosung auf den 2 9. April zu verlegen. Die mit dem Faselmarkt verbundene Bullenauktion des Landwirtschaftskammerausschusses der Provinz Oberhessen wird voraussichtlich gleichfalls auf diesen Tag verlegt werden.
C Bieder-- Flor st ad t, 23. Febr. Die Vorträge von Dr. Sell über die ^Tuberkulose als allgemeine Doliskrankheit" waren nachmittags und abends sehr stark besucht und wurden mit großer Aufmerksamkeit verfolgt. Heber 100 Lichtbilder unterstützten sehr gut das Wort, zeigten die Gröhe der Gefahr und liehen bei den Zuhörern den Willen aufkommen, gegen diese Krankheit anzukämpfen.
Kreis Schotten.
□ Laubach. 22. Febr. Gestern fand hier im Gasthof „Zur Traube" eine zahlreich besuchte Versammlung statt zwecks Gründung eines Horloff-Wettertal - Sängerbundes. Es traten bei die Gesangverein» der Stadt Laubach („Eintracht" und „Harmonie"), der Stadt Hungen, der Dörfer Wctterfeld, Röthges, Gonterskirchen, Ruppertsburg, Villingen, Langd. Steinheim. Der Beitritt anderer Gesangvereine ist noch in sicherer Aussicht. Zum Bundesdirigenten wurde Rektor Schaad in Hungen, zum 1. Präsidenten Lehrer M o ? t e r in Gonterskirchen gewählt. — Auf der Holzversteigerung der gräflichen Försterbezirke Oberseen und Frcienseen, die vorgestern im „Solmser Hof" dahier stattfand, waren die Preise etwas höher, als auf der ersten Versteigerung, aber immer noch niedriger, als bei denen der Ilmgegend. Es kosteten pro Raummetern Buchenscheiter 12 bis 15 Mark. Buchen- knüppel 8 bis 10 Mark. BuchenstöckL 5 bis 7 Mark und teilweise, darüber: Vuchenreiferknüppel 4 bis 6 Mark. — Gestern abend hielt Oberstleutnant v. Hagen im ..Schühenhof" einen Vortrag über die Masurenschlacht vom Februar 1915. Der Vortrag war vom hiesigen Kriegerverein angeregt worden. Für das E h r e n d e n k m a l des Weltkriegs fand eine Tellersammlung statt, die ein gutes Ergebnis batte.
„?“ Eichelsdorf. 23. Febr. Mit Beginn des neuen Schuljahrs wird zum erstenmal ein im allgemeinen äußerst starker Jahrgang in die Volksschule ausgenommen. Die Lücken, die die Kriegsjahre in die Schulbänke gerissen, werden allmählich von unten auf wieder verstopft werden. Hier werden nicht weniger als 26 SchulrÄlruten ausgenommen, eine Zahl, wie sie in der Vorkriegszeit nur selten erreicht wurde. Das starke Anwachsen der Unterklasse, die _ im neuen Schuljahr schon weit über 70 Schüler zählen wird, stellt die Gemeinde vor die Aufgabe, für die Beschaffung eines 3. Schulsaales Sorge zu tragen, um unhaltbaren Schulverhältnissen begegnen zu können. — Die Holzhauerarbeiten im Walde gehen, soweit sie nicht schon vorher beendet, im Lause dieser Woche größtenteils zu Ende. Die Ausgabe der Losholzscheine ist noch reicht erfolgt, dürste aber nicht mehr lange auf sich warten lassen. Holzversteigerungen in unserem Bezirk fanden gleichfalls noch nicht statt.
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Sein oder Nichtsein.
Ein Kriminalroman von der Wasserkante.
Von Moritz Schäfer.
29. Fortsetzung. Nachdruck verboten.
XXII.
Es war gegen acht Uhr, fast zwei Stunden nach dem, normalen Geschäftsschluß, als Lorenzen endlich ben Befehl geben konnte, die Rolladen herabzulassen. Mit einem Händedruck für jeden einzelnen schickte er das überarbeitete Personal nach Hause. Er selbst war zum Umfallen müde und völlig ausgepumpt. Aber jetzt, da er allein war und sich eben anschickte,-die Wohnung auszusuchen, siel's ihm heiß auf die Seele: Wo war Andrea? Hatte sie keine Ahnung von den Dingen, die sich vorbereiteten? Warum kam sie nicht, um in der Stunde der Gefahr an der Seite ihres Mannes zu stehen? Gewiß, er hatte ihr nichts gestanden, ihr peinlich jede Kenntnis seiner geschäftlichen Lage fcrngehalten. Aber ein Weib, das seinen Gatten wirklich lieb hat, weiß trotzdem Bescheid. Und was ihr Worte nicht verraten, sagt ihr des Herzens Stimme. Das häßliche Wort,.Eheirrung", kam ihm in den Sinn. Aber dann rankte sich doch die Hoffnung wieder auf. Vielleicht war sie gar nicht zu Haufe, wußte überhaupt nicht, daß die Situation sich zuspitzte. Sonst märe sie sicher gekommen. Sie liebte ihn ja schließlich doch, wenn auch auf ihre kühle, nordische Art. Und er — halle er sie nicht brüsk behandelt? Hatte er etwas'anderes, als abweisende Kälte für sie übrig gehabt, wenn sie um sein Vertrauen bat? Und heute gar? Was hatte er getan, um ihre sorgenden Zweifel zu bannen? Ein paar nichtssagende Worte am Fernsprecher — nicht einmal zu einer offenen Aussprache von An- ' gesicht zu Angesicht hatte er sich die Zeit genommen. Bei gutem Willen hätte er schon eine Viertelstunde erübrigen können. Und er beklagte sich noch?
Kreis Alsfeld.
te* Alsfeld, 22. Febr. Aus der Stadt- vorstandssihung: Zu Beginn der Sitzung gab der Vorsitzende eine Eingabe der Bewohner der Llntergasse bekannt, worin diese um baldige Inangriffnahme der Kanalisation dieser Straße nachfuchen. Die Eingabe wurde der Baukommifsion zur Prüfung überwiesen. — Die Erweiterung der Hochdruckwasserleitung durch Einführung der Zulaufschen Quelle in Ober-Dreidenbach soll im folgenden Frühjahr zur Ausführung gelangen unter der Voraussetzung, daß die Stadt für diese Erweiterung das in Aussicht gestellte Darlehen aus dem Auslandskredit erhält. Der von dem Kulturbauamt vorgelegte Voranschlag von 8000 Mark wurde genehmigt. Zur Ausführung der Arbeiten dürfen nur Alsfelder Arbeller verwendet werden. — Instandsetzung des Sportplatzes: Die Alsfelder Sportvereine haben sich in einer Eingabe an die Stadt über die schlechte Beschaffenheit des Platzes beklagt und vor allen Dingen eine Trockenlegung des Platzes verlangt. Rach sehr eingehender Aussprache wurde beschlossen, den vorgelegten Voranschlag in Höhe von 4000 Mark zu genehmigen. Mit der Ausführung der Arbeiten soll alsbald begonnen werden, unter teilweiser Inanspruchnahme des vom Qlrbeitß- und Wirtschaftsmini- sterium für Vornahme von Rotftandsarbeiten für die Badeanstalt bewilligten Betrages. - - Errichtung einer Badeanstalt: Diese Angelegenheit füllte den größten Teil der Sitzung aus. Der Vorsitzende gab zunächst eine Darstellung über den derzeitigen Stand der Sache, woraus zu entnehmen war, bah man sich hinsichtlich der Platzsrage für die zu errichtende Badeanstalt noch nicht schlüssig gemacht hat, da bezüglich der Wosserzuführung für die einzelnen Projekte noch Dedenten bestehen. Andererseits aber war man einmütig der Ansicht, daß man für die zahlreichen Erwerbslosen sobald wie möglich eine ausreichende Arbeitsgelegenheit schaffen müsse. Es wurde auch die Ansicht vertreten, man solle an Stelle der Badeanstalt eine mehr produktive Arbeit in Angriff nehmen, vor allen Dingen die Herstellung und den Ausbau von Wegen. Rach sehr ausgedehnter Debatte über diese Angelegenheit wurde nachstehender Deschluh gefaßt: Das Projekt der Badeanstalt wird vorerst zurückgestellt. Der für diese Arbeiten bewilligte Zuschuß für öffentliche Rotftandsarbeiten soll zur Herstellung von Wegen verwendet werden, womit nwglichft bald begonnen werden soll. Die Baukommifsion wird ermächtigt, die aus der Ausführung dieses Beschlusses sich ergebenden Arbeiten selbstständig zu vergeben. Die von ihr zu treffenden Beschlüsse werden genehmigt. — An die Sitzung schloß sich eine nicht öffentliche Sitzung an.
*!* Merlau, 22. Febr. Gestern fand zum zweiten Mal Bürgermeisterwahl statt, nachdem im Mai vorigen Jahres zum ersten Mal gewählt worden war. Bei der ersten Wahl wurde Landwirt Wilhelm K o 6) e n d ö r s e r mit 8 Stimmen Mehrheit gewählt. Infolge Einspruchs hatte der Provinzialausschuh Reuwahl angeordnet. Diesmal erhielt Kochendörfer wiederum die Mehrheit, und zwar mit 11 Stimmen gegenüber dem seitherigen Bürgermeister Konrad S ch o m b e r. Die zweite Wahl verlief ruhiger als die erste.
Starkenburg.
* Darmstadt, 23. Febr. Am 21. Februar beging die hiesige Israelitische Religionsgemeinde durch einen Festgottesdienst das 5 0- jährige Bestehen ihrer Synagoge. Bei der Feier waren anwesend: Minister v. Brentano, Finanzminister Henrich, Provinzial« direktor Dr. Kranzbühler, Oberkirchenrat B ü ch l e r als Vertreter des Prälaten der evangelischen Landeskirche, D. Dr. Diehl, Oberbürgermeister Dr. G l a f s i n g sowie die Rabbiner aus Alzey, Bingen, Gießen, Offenbach, Worms und verschiedene Vertreter der israelitischen Religionsgemeinden Hessens. Rabbiner Dr. Bruno Italiener hielt die Festpredigt.
WSR. Erbach i. 0., 23. Febr. In der Stahlwarenfabril von Lutz in Mümling-Grum- bach ereignete sich ein tödlicher Unglücks- fall. Durch Zerspringen eines Schleis- steins wurde der 24jährige Arbeiter Seitz so schwer verletzt, daß der Tod alsbald eintrat.
Rheinhessen.
WSR. Mainz, 23. Febr. Der seit März vorigen Jahres wegen Ermordung seiner Drau- und seiner Schwiegermutter von der Mainzer Staatsanwaltschaft steckbrieflich
Als Lorenzen mit schweren, schleppenden Schritten die Treppe hinaufging, begegnete ihm Ella.
„Ist meine Frau oben, Ella?"
„Nein, Herr Lorenzen, die gnädige Frau ist schon gegen 5 Uhr ausgegangen und noch nicht zurück."
„Wohin, wissen Sie nicht?"
„Nein. Die gnädige Frau hat nichts hinter- lasien."
„Jedenfalls warten wir mit dem Abendbrot, bis sie zurückkommt."
„Sehr wohl, Herr Lorenzen."
Die alte Dienerin war gekränkt. Das hatte sie denn doch nicht verdient, daß ihr der Herr mit keinem Worte erzählte, wie sich alles abgespielt. Mein Gott, so dumm war man denn doch in der Küche nicht, daß man nicht gewußt hätte, was sich im Kontor vorbereitete. Und auch das konnte dem Herrn nicht unbekannt sein, daß Ella die einzige vom ganzen Hauspersonal war, die mit ganzem Herzen Anteil nahm an allem, was das Wohl und Wehe der Herrschaft betraf.
Eben, als Lorenzen das Wohnzimmer betrat, schrillte die elektrische Klingel am Haustor. Ein paar Minuten später meldete der Diener: „Herr Kriminalkommissar Klein wünscht Herrn Lorenzen zu sprechen."
„Lassen Sie den Herrn hierherkommen."
Ein Kriminalkommissar? Und zu dieser Stunde? Was mochte das wieder sein? Lange zu grübeln brauchte Lorenzen nicht, denn schon trat der Beamte ein.
Er war in Zivil und grüßte höflich.
„Vom Ansehen kennen Sie mich wohl schon, 5)err Lorenzen? Oder wünschen Sic. daß ich mich legitimiere?" v
„Ohne Umschweife, wenn ich bitten darf. Was führt Sie zu mir, Herr Kommissar?"
„Sic kennen den Privatier Fedor Muhlfeld, Herr Lorenzen?" r „
„Mühlfeld? Gewiß, wir sind sogar befreunbet.
verfolgte 43jährige Techniker Ernst Meher konnte in Augustwalde im Kreise Raugard in Pommern verhaftet werden. Meyer, der dort unter dem Romen Ingenieur Krüger De- schäfllgung gesunden hatte, hat bereits eingestan- den, daß er im Februar 1925 in Budenheim feine Braut und deren Mutter erschossen hat. Er wurde im Stettiner Polizeigefängnis einge- eingeliefert.
Preußen.
Kreis Wetzlar.
ch. Lützellinden, 23. Febr. Rachdem die Holzhauerarbeiten im hiesigen Oberwald in der vorigen Woche beendigt wurden, ist die Markwald-Rotte noch in voller Tätigkeit. Da der im Markwald durch WindfaU entstandene Schaden in diesem Jahre besonders groß ist. dürfte diese Rotte, die sich fast ausnahmslos aus Erwerbslosen zusammenseht, eine bis Ostern dauernde Arbeitsgelegenheit finden. — Das Projekt der Autolinie Gießen-Rieder- t [ e c n hat in unserem Dorfe bereitwillige Aufnahme gesunden, um so mehr als Gießen der hauptsächlich in Frage kommende Absatzort aller land- wirtschastlicheir Erzeugnifie unseres Ortes ist. Sollte der Fahrpreis nicht allzu hoch bestimmt werden, so dürste eine starke Inanspruchnahme dieses lang ersehnten Verkehrsmittels sicher sein.
Kreis Marburg.
][ Marburg. 23. Febr. In einer heute hier im Haus Freidhos unter dem Vorsitz des Landwirtschastsschuldirektors Schlicht abgehaltenen, sehr zahlreich besuchten Landwirteversammlung wurde die Gründung einer Vieh- Verwertungs-Genossenschaft für den Kreis Marburg endgültig in die Wege geleitet. Zum Vorsitzenden wurde Landwirt Daniel Schäfer aus Heskem und zum Stellvertreter bzw. zweiten Vorsitzenden Ambrosius Peil aus Mölln gewählt. Im Laufe der Versammlung sprachen die Herren Dr. Schröter aus Hün- seld, sowie Säfimann und Ehlers von der Viehverwertungszentrale in Frankfurt über „Die Rotwendigkeit unsd die Vorteile der Viehver- Wertungs-Genossenschaft".
Dittkreis.
bl. Dillenburg, 23. Febr. Rach dem neuesten Stand befinden sich im Dillkreis 2065 Vollerwerbslose mit 2399 Zuschlagsemp- fängern. Die Zahl der Rotslandsarbeiter beträgt gegenwärtig 190.
11 Eisemroth. 22. Febr. Die Pro - vinzialstraße Cisemrot h—H artenrod ist nun endgültig fertiggestellt und dem öffentlichen Verkehr übergeben worden. Die Strahenverbindung zwischen dem Dillkreis und dem Kreis Marburg ist damit hergestellt und mit Fuhrwerk und Auto passierbar.
Mamgau.
WSR. Frankfurt a. M, 23. Febr. In dem in Frankfurt a. M. abends 11.40 illjr abgehenden, in Fulde 2.11 Ähr früh ankommenden beschleunigten Personenzug wurde in der Rächt zum Sonntag zwischen Salmünster und Schlüchtern, wo der Zug wegen starker Steigung sehr langsam fährt, ein 2taub überfall verübt. Der Räuber, ein baumlanger Kerl, sprang auf den fahrenden Personenzug auf und drang in ein Abteil, in dem ein Reisender allein saß, der jedoch die Geistesgegenwart hatte, sofort die Rotbremse zu ziehen. Der Zug hielt sofort. Ein Beamter faßte den Strolch, dem es jedoch gelang, unter Zurücklassung seiner Mühe und seines Rucksackes in die angeschwvllene Kinzig zu springen und zu entkommen. Die Polizei hat die Verfolgung eingeleitet.
Frankfurt a. M., 23. Febr. (WSR.) Die heutige Stadtverordnetenversammlung brachte die l'/Jtünbige große Etatsrede des Oberbürgermeisters Dr. Land mann. Der Etat schließt ab: Im Ordinarium der allgemeinen Verwaltung mit 115 603 400 Reichsmark, im Ordinarium der Betriebsverwaltungen mit 46 342 800 Reichsmark, im Cxtraordinarium der allgemeinen Verwaltung mit 43 597 800 Reichsmark, im Extraordinarium der Betriebsverwaltung mit 19 896 900 Reichsmark. — Der Magistrat hat einem Uebereiniommen mit dem Bockenheimer Diaronissenverein zu- gestimmt, wonach der Diatonissenverem durch Gewährung eines Darlehens von 5 00 000 Mark in die Lage versetzt wird, den Bettenbestand seines Diaionisfenheimes um 100 zu erhöhen, mit der Verpflichtung, der Stadt das Vorrecht der Zuweisung von Patienten aus den Stadtteilen Bockenheim, Rödelheim und aus den benachbarten Bezirken bis zur Belegung sämtlicher Betten dritter Klasse einzu-
„Sie stehen auch in Geschäftsverbindung mit ihm?"
„Allerdings."
„Wissen Sie, wo sich Herr Mühlseld zur Zeit aufhält?"
„Nein. Wie sollte ich?"
„So will ich Ihnen verraten, daß Mühlfeld vor einer Stunde verhaftet wurde."
Lorenzen griff sich an die Stirn. Ein Schwindel erfaßte ihn, das ganze Zimmer schien sich um ihn zu drehen. Doch ruhig, als bemerke er die Erregung Lorenzens nicht, fragte der Beamte weiter:
„Sie sagten soeben, Herr Lorenzen, daß Sie mit Mühlseld in Geschäftsverbindungen standen. Welcher Art waren die Geschäfte, die Sie zusammen machten?"
„Eine Zwifchenfrage, Herr Kommissar Ist das eine verantwortliche Vernehmung?"
Der Beamte lächelte verbindlich. „Sie kommen als Zeuge in Betracht, Herr Lorenzen." Und mit verdächtiger Naivität setzte er hinzu: „Was dachten S i e ?"
„Ich dachte nichts anderes, selbstverständlich." Die offenbare Erleichterung, die sich in den Zügen des Bankiers widerspiegelte, strafte seine Worte Lügen.
„Sie wollten nur erklären —"
„Ganz recht, Herr Kommissar. Herr Mühlfeid ist ober war, wie Sie wollen, mein Kunde. Er hak ein größeres Depot bei mir."
„Ihn dieses Depot handelt es sich. Mühlseld hat für seine eventuelle Haftentlassung eine hohe Kaution angeboten. Diese Kaution will er in Wertpapieren hinterliegen, die bei Ihnen in Verwahrung sind. Ich weiß natürlich nicht, wie sich der Staatsanwalt zu dem Begehren des Arrestanten stellt: aber wenn das Kaulionsanerbieten angenommen wird—" „Die Papiere stxhen zur Verfügung", unterbrach Lorenzen und fühlte, wie es ihm eiskalt über den Rücken lief.
„Wir haben nichts anderes erwartet", erwiderte der itommiftar mit verbindlicher Verbeugung. Aber
räumen. Hiermit wird der Beitenbedarf der städtischen Anstalten auf zweckmäßige Weife entlastet und der Bettenbedarf in den nordwestlichen Stadtbezirken siir längere Zeit mitgefichert. — Vor längerem hatten die städtischen Behörden dem Abschluß eines Vertrages zugestimmt, der eine Gesellschaft ermächtigen sollte, im Stadt- wald nach Bodenschätzen zu schürfen. Die Gesellschaft hat inzwischen mitgeteilt, daß sie mit Rücksicht auf die unglückliche Wirtschaftslage beschlossen habe, vom Abschluß des Vertrages abzufehen und nach Besserung der Wirtschaftsverhältnisse auf die Sache zurückkommen wolle. Die Schürfungen werden also vorerst noch unterbleiben.
auch seine Worte standen im Widerspruch zum Ausdruck seiner Miene. Darin stand zu lesen, daß er tatsächlich etwas anderes erwartet hatte. Und daran war Mühlfelds diabolischer Hohn schuld gewesen, als er die Behörde wegen des Geldes an Lorenzen verwies.
„Verwahren Sie," fragte der Beamte in leichtem Zone, als handle es sich um etwas ganz Nebensächliches — „verwahren Sie die Depots Ihrer Kundschaft in Safes?"
„In feuer- und diebessicheren Panzerkassenge- wölben, Herr Kommissar."
„Es würde Ihnen wohl Mühe machen, mir diese Gewölbe zu zeigen?"
„Nicht im Geringsten. Ich würde Sie dann bitten, sich mit mir nach den Kellerräumen zu begeben."
„Und die Schlüssel, Herr Lorenzen, haben Sie die a u ch zur Hand? Oder hak Ihr Kassierer--"
„Die Schlüssel sind in meinem Besitz."
„Wenn ich also bitten dürste, mich zu führen —"
Sie gingen hinüber in den für das Geschäft reservierten Flügel und' stiegen durch hallende Korridore in die unterirdischen Kassengewölbe hinab. Hier war die mustergültige Ireforanlage aus Betonmauern mit eingelegten Panzerstäben unterge- brackt, die selbst gegen Termiten Schutz zu bieten imstande war. Federlose, unaufsperrbare Sicherheitsschlösser bewahrten den Inhalt vor Dietrich und Stemmeisen.
Der Bankier öffnete einen der Tresors und schloß bann mittels komplizierten Protektorschlüssels den Safe Nr. 43 auf.
„Bitte nachzusehen, Herr Kommissar. Safe Nr. 43 enthält das Depot Mühlfelds."
„Ich habe," sagte der Beamte, indem er einen gefalteten Bogen aus der einen Brusttasche zog, „ein abschriftliches Verzeichnis der hinterlegten Papiere."
Lorenzen sah dem Beamten über die Schulter, wie er die Papiere mit hem Verzeichnis verglich.
„Stückzahl und Summe stimmt." (Fortsetzung folgt.)
Wirtschaft.
Die deutsche Handelsbilanz auch im Januar aktiv.
Die Bilanz des deutschen Außenhandels ist auch im Januar, wie im Vormonat, aktiv. Der Ausfuhrüberschuß im Januar beträgt insgesamt 68 Millionen Reichsmark, im reinen Warenverkehr 87 Millionen Reichsmark (gegen 36 Millionen Reichsmark im Vormonat). Die reine Wareneinfuhr im Januar zeigt gegenüber dem Vormonat eine Verminderung um 50 Millionen Reichsmark. Zurückgegangen sind: die Lebensmitteleinfuhr um 19, die Rohstoffeinfuhr um 27 und die Fertigwareneinfuhr um 3 Millionen Reichsmark. Bei der Ausfuhr sind nur unwesentliche Veränderungen festzustellen. Die Ausfuhr an Fertigwaren liegt im Januar um ein Geringes (drei Millionen Reichsmark) über der Ausfuhr im Dezember.
Wirtschaftliche Ausländerei der Reichsbahn.
Der Deutsche Hanbelsdienst verbreitet die nachstehende Meldung, die so unglaublich klingt, daß wir dem Handelsdienst die Verantwortung für die Rich- ttgkeit seine» Mitteilung vorerst Überlassen müssen. D. Red.
Während bekanntlich vor kurzem erst Italien dazu übergegangen ist, bei Ausschreibungen das Inland zu bevorzugen, selbst wenn es 10 Prozent teurer als das Ausland ist, beschreitet augenscheinlich die Reichsbahn den umgekehrten Weg. Wie dem DHD. von unterrichteter Seite mitgeteilt wird, hat das Eisenbahnzentralamt die Schwellenlieferungen im Jahr 1925 im Werte von nahezu 7 Mill. Rm. ausschließlich im Ausland untergebracht. Die Einfuhr dieser Schwellen ist teilweise sogar durch ausländische Spediteure besorgt worden. Die Cindeckung bei deutschen Firmen wäre nicht teurer zu stehen gekommen. Früher bestand die Bestimmung, daß die inländischen Holzlieferungen sogar einige Prozent teurer sein dürften als die Auslandsschwellen.
Zu dieser Meldung teilt die Reichsbahn mit, daß sie ihren Bedarf für 1925 zur Hälfte im Inland und zur Hälfte in den Oststaaten gedeckt habe, da Deutschland nicht in der Lage sei, den vollen Bedarf zu decken. Hierzu wird dem DHD. von seinem Gewährsmann mitgeteilt, daß es sich nicht um den Bedarf von 1925 handele, sondern um den im Jahre 1 925 zur Ausschreibung gelangten Bedarf für 1926, der völlig im Ausland gedeckt sei, Weik die deutschen Preise um ein Geringes über den
Gerichtssaal.
Zuchthaus für versuchten Giftmord.
WEN. Freiburg, 23. Febr. Das Schwurgericht verurteilte den 29 Jahre alten Kaufmann Otto Gerson Pfaff aus Freiburg-LittenweUer, der in den Monaten Juni bis Mitte September v. I. versucht hatte, seine ein Jahr jüngere Frau durch Beifügung von Atropin und Sublimat in Milch und Tee zu vergiften oder doch wenigstens ihren Gesundheitszustand schwer zu beeinträchtigen, zu drei Jahren Zuchthaus und fünf Jahren Ehrverlust.
Den Bruder erstochen.
WSN. Limburg, 23. Febr. Das hiesige Schwurgericht verurteilte gestern den Bergmann und Landwirt Adolf Müller aus Eibach bei Dillenburg, der am 17. Juli v. I. nach einem erregten Streit, der sich um die elterliche Erbschaft gedreht hatte, seinen Bruder Oskar mit einem Messer erstochen hatte, an dessen Folgen dieser nach einigen Tagen im Dillenburger Krankenhaus gestorben ist, unter Zubilligung mildernder Umstände, da der Angeklagte Epileptiker ist, zu zwei IahrenGefängnis. s


