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Wupeifu.

Don unserem F. M. >Vi.-Berichterstatter. (Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten I)

Schanghai, Februar 1926.

Kleber Marschall Wupeifu, nach Sun- h a t s e n, dem Vater der chinesischen Republik, wohl den bekanntesten aller 3ungchinesen, ist in Der Presse aller Länder schon viel geschrieben worden. Der letzte Artikel, der seine Biographie enthielt und den ich zu lesen bekam, begann mit den Worten:Wupeifu, den ich gut kenne, dessen Gast ich dreimal war..." Dieser Artikel war in der Zeit erschienen, als Marschall Wu kraft seiner militärischen Lleberlegenheit die Ge­schicke des großen chinesischen Reiches entschei­dend beeinflußte. Später,, als er, ein Geächteter, ein besiegter General, mit einer Prämie auf seinen Kopf, von Provinz zu Provinz fluchtete, rühmte sich niemand seiner Bekanntschaft, Hnb doch war es gerade dann,rebus in adversis", daß man seinen wirklichen Wert erkennen konnte.

Glück ist verdienter Zufall. Es war nur ein Zufall, der ihm vor etwa 20 Jahren auf der Kriegsschule Fengyuehsiang zum Kamera­den und den damaligen Oberst Tsaokun zum Lehrer gab. 3n 20 Jahre längem harten und unerfreulichen Frontdienst hat Wupeifu es sich verdient, daß dieser Zufall, wenigstens teilweise, sein Glück wurde. Er hat für seinen ehemaligen Lehrer, der sich später mehr für politische Ge­schäfte interessierte, die militärischen Ausgaben erledigt, und so die Voraussetzungen geschaffen, die Tsaokuns Erwählung zum Präsidenten über­haupt in den Bereich des Möglichen brachte. Das war. nachdem Wupeifu 1920 die Anfu- Partei und 1922 Marschall Tschangsolin an der großen Mauer bei Shanhaikwan geschlagen hatte. Aber das chinesische Volk hat ein sehr gesundes Urteil über den Wert der Persönlichkeit. Cs liebt keine Führer, Präsidenten oder Kaiser, die immer andere mit dem Vollbringen der Helden­taten beauftragen. So standen, trotz aller, oder vielleicht gerade infolge aller Erfolge Wupeifus der Ernennung Tsaokuns zum Präsidenten aller­hand Schwierigkeiten entgegen, die sich erst mit Hilfe von vielen Millionen englisch-amerikani­schen Kapitals überwinden lassen. Die Spatzen pfeifen es von den Dächern, daß damals das ganze chinesische Kabinett bestochen worden ist. Niemand sagt, daß auch Wupeifu seinen Anteil abbekommen habe, obwohl er vielleicht es am wenigsten verdient hätte. Aber daß er es gedul­det, ja, überhaupt ermöglicht hat, mußte er oft als Vorwurf hören, als sich das Regiment Tsao­kuns als ein großes Fiasko erwies. Wupeifu hatte seit langen Jahren die erste brauchbare chinesische Armee auf modernen Grundlagen ge­schaffen. Das war sein Verdienst. Er hat diese Armee benutzt, einem korrupten Politiker zur Macht zu verhelfen. Das war ein Versager. Er hat sich dann benutzen lassen, die ehrgeizigen, wahnsinnigen Pläne des Präsidenten durchzu­führen, welche auf eine Llnterwerfung ganz Chinas unter gleichzeitiger Brüskierung der Mächte herausliefen, ohne aber auch nur die geringste Gewähr für geordnete Verwaltung der eroberten Gebiete geben zu können. Das war ein Fehler. Aber schließlich hat Wu, als er all dies erkannt hatte, nicht den Mut gefunden, seinen Fehler einzugestehen. Das war ein Verbrechen.

Man kann über Tschangtsvlin denken, wie man will: Daß er auf verwaltungstechni­schem Gebiete für die drei mandschurischen Pro- vinzer Hervorragendes geleistet hat, steht außer Frcge. Nur ein Querkopf, dem an dem politi- > schen Prinzip der Einheit Chinas mehr gelegen war als an dem Wohl der einzelnen Provinzen, y konnte sich die Aufgabe stellen, China der Fähig­keiten eines Tschang zu berauben. Das war aber Wupeifus Ziel, als er im Frühjahr 1924 seinen großen Angriff gegen die Mukden-Partei begann. Hnö man kann über Fengyuehsiang auch denken, wie man will: Als er aber durch feinen Verrat im letzten Sommer seinen ehemaligen Kameraden Wu in die Verbannung schickte, und China, wenn auch nur für kurze Zeit, die Per- ^sönlichkeit Tschangtsolins erhielt, war er zu­mindest das Werkzeug in der Hand einer Vor­sehung, die es mit China nicht ganz schlecht meinen kann. Denn China hat viele Wus, aber nur wenige Tschangs.

3m Unglück hat Wupeifu gezeigt, daß er ein gerader Charakter ist. Wie es so in der Welt ist: Ein alter Fuchs, wie Tuanchiyue, dessen ein­zige Siege eigentlich das Vermeiden von Nieder­lagen sind, hatte die Macht, auf den Kopf eines ehrlichen Haudegen wie Wu eine Prämie aus­zusetzen. Damals ist Wupeifu nicht in eine inter­nationale Niederlassung geflohen, um sich in allen Hauptstädten mit Festessen traktieren zu lassen. 3n den ungastlichsten Provinzen Chinas hat er auf die Treue seiner Mannen vertraut. Und das alte China Je6t noch, wenn es auch in Shanghai und Peking manchmal anders scheint.

Das neue Dom- und Diözesan- museum in Mainz.

Von Leo Sternberg.

3ch engekoube niemerme daz funne von Mykene ge Ganzlichiu schoene tagete nie ze Kriechenlant, die taget hie.

Nicht Kellerluft eines Museums empfängt uns, Geschichte schlagt ihre Tore auf. Räume, wo Reichsversammlungen stattfanden, und der Primas von Deutschland zur Rechten und zur Linken Kronen austeilte, beherbergen die künst­lerischen Zeugnisse kurfürstlichen Glanzes an der Stätte ihrer Entstehung.

Der Dvmkreuzgang mit dem Jüngsten Ge­richt des großen Naumburger Meisters Dom Ende des 13. Jahrhunderts bildete den Auftakt. Durch ihn betritt man die hochorange glühende Ka­pitelshalle, deren Schmalseiten ganz von den sechs in Rodinscher Großartigkeit gehaltenen Aposteln eines Weltgerichts aus dem Jahre 1270 und der michelangelesken Figur des Baumei­sters vom Ostlettner beherrscht werden, während an den Breitseiten die stolze Madonna aus der Fuststraße, die königliche Dornenkrönung vom 3ahre 1310, das berühmte Chorgestühl Daniel Brendels, ein spätgotischer Oelberg aus St. 3gnah und vorromanische Steinreliefs sich den Rang streitig machen.

Die sich anschließende lichtblaue Kapitelstube beherbergt die aus den Mainzer Wirkereier» seit dem 15. Jahrhundert hervorgegangenen Bild­teppiche des Doms, deren unvergänglich? Farben noch heute in allen Schattierungen leuchten.

Unter ihnen fesseln immer wieder die beiden architektonisch und rhythmisch überlegen gestal-

Natürlich hat Wupeifrr auch ein außen­politisches Programm. Das braucht man ja hier­zulande wie eine Visitenkarte. Wu sagt, er sei antijapanisch. Er sagt... aber das mag wohl daran liegen, daß 3apan ihm nicht so recht vertraut, und die großen Angebote immer anderen hat zukommen lassen. Man verstehe mich recht, Angebote, die China einen Vorteil bieten. Denn persönliche Vorteile haben noch nie Wupeifus Entschlüsse beeinflußt. Aber daß er nur aus Prinzip durchaus und immer antijapanische Po­litik triebe und treiben wird, erscheint reichlich unwahrscheinlich. Dazu ist Wu erstens ein viel zu opportunistischer Chinese... er ist doch letzten Endes nicht antijapanisch, sondern Prochine- fisch... und dann dürften doch selbst seinem beschränkten politischen Verständnis mittlerweile so einige Zweifel an der englisch-amerikanischen reinen Freundschaft für China aufgestohen sein. Wir werden wohl Wupeifrr kaum jemals als Bundesgenossen des 3apanfchützlings Tschangtso- lin sehen, inzwischen hat der Draht die Nach­richt gebracht, daß dies doch geschehen ist. Die Einigung zwischen Wu und Tschang ist aber wohl auf eine Verständigung der beiderseitigen Hintermänner England und 3apan zurückzu- führen, die angesichts der südchinesischen Boykott- bctoegung zu einer Uebereinkunft gelangten. Die Red.) Aber von dem Antiimperialisten Feng, der nicht nur gegen 3apan. sondern gegen alles ist, was heute auf chinesischem Boden nichtchine­sische Politik treibt, trennen ihn keine Schranken.

Das ist der Politiker und der Heerführer Wupeifu. Es gibt noch zwei andere Wus: den Organisator und den P r i v a t m e n s ch e n.

Uebergehen wir den ersten, der als Führer der Tschili-Partei deren geradezu sprichwörtliche Un­fähigkeit in der Verwaltung auch auf sich beziehen muß. Tschangtsolin hat Städte geschaffen und Magazine angelegt. Wupeifu suchte seinen jetzi­gen Feldzug zu finanzieren, indem er in der Provinz Honan für drei Millionen Dollar Papier­geld zwangsweise auflegen wollte. Er mußte er­kennen, daß ein krummer Weg nicht gerade wird, wenn ihn auch ein gerader Mensch betritt.

Bleibt noch der Privatmensch zu betrachten. Der eingangs erwähnte Artikel weih viel Gutes von ihm zu berichten, schildert Wupeifu als neuen Typ Ostasiens in seiner Offenheit, Vertrauens­seligkeit, Lebenslust. 3ch habe Wupeifu nur ein­mal, bei einem offiziellen Empfang gesehen. Er ißt gern, trinkt gern und redet gern. Wo ist da der neue Typ? Die persönliche Feindschaft zwi­schen ihm und dem christlichen General soll daher stammen, daß ihm Feng einmal zum Geburtstag eine Weinflasche mit Wasser zum Geschenk machte. Denn Fengyuehsiang ist Temperenzler. Das ist der neue Ty Ostasiens, der Temperenzler mit der Weltverbrüderungsidee. Der Mäßig- keitsvereinler mit dem Weltbeglückungswahn. Den alten Chinesen genügte es, die kleine Welt ihrer großen Heimat zu beglücken. Die. alten Chinesen trinken auch gern einen guten, lauen Reiswein. Sie kennen und lieben die Sprüche und Lieder der Philosophen und Dichter, die auch alle gern einen guten Tropfen tränten.

Solch einalter Chinese" ist Wupeifu. Was brauchen wir denn einen neuen Typ? Er ist so schon recht sympathisch in der Menge der zweifel­haften Größen Chinas.

Turnen, Sport und Spiel.

Atemgymnastik und Fußballspieler.

Von

Sportlehrer Schneider, Gießen.

Es wird im allgemeinen übel auf genommen, wenn man eine Körperübung einer vernünftigen Kritik unterzieht, denn jede hat ihre begeisterten Anhänger, die sie energisch verteidigen, ohne einzuräumen, daß sie irgendeinem Vorwurf un­terliegen können. Richtig ist, daß alle Leibes­übungen das Verdienst haben, im Organismus eine Reihe von allgemeinen Wirkungen hervor- zurufen, die geeignet sind, die Gesundheit und die Körperkraft des Menschen zu heben u'nd zu Steigern. Hieraus ergibt sich mit Notwendig­keit die Folgerung, daß keineswegs alle gym­nastische Hebungen in allen Fällen und für alle Personen empfehlenswert sind. Man hat hier nach dem Resultat, das man erzielen will, eine Anzahl unter den verschiedenen Formen der Gymnastik zu treffen, und es gibt keine einzige Hebung, die unbedingt beanspruchen könnK, besser als alle anderen zu sein. Diejenige Hebung ist die beste, welche die günstigsten Erfolge in bezug auf das erstrebte Ergebnis ge­währleistet. Dies ist beim Fußballspieler im Vortraining in erster Linie die Atemgymnastik, in zweiter Linie sind es bestimmte Freiübungen, die den durch das Fußballspielen vernachlässigten Oberkörper gleichziehen sollen.

Warum gehört als Vortraining zum Fuß­ballspielen eine gesunde Atemübung? Man kann die Symptome, die ein Fuballspieler darbietet, der unter dem Einfluß einer , angestrengten Hebung steht, in zwei Perioden einteilen: Dre erste Periode ist das Außer-Atem-Kommen, die zweite das Ermüden der am meisten angestreng­ten Körperteile oder Muskeln. Die schlimmste Periode, die auch während des Spielens am meisten auf tritt, ist die erstere, das 2lußer- Atem-Kommen, wohingegen eine Ermüdung des Körpers oder speziell der Beinmuskulatur mei­stens erst nach dem Spiele eintritt.

Wodurch entsteht nun das Außer-Atem- Kommen oder welche Wirkungen hat die Atem- g'nmnastik dagegen? Die Hauptursache des AiEer- Atem-Kommens während des Spieles ist die über­mäßige Erzeugung von Kohlensäure, welche durch die körperliche Anstrengung vergrößert wird. Die Kohlensäure ist für unseren Körper ein Gift, dessen Anhäufung im Lebenshaushalt nach eini­gen Minuten den Tod herbeiführen würde. Sie bildet sich unaufhörlich im Organismus während der ganzen Zeit, innerhalb deren die Wärme erzeugt wird, und wenn der Organismus unter gewöhnlichen Verhältnissen davon feinen üblen Einfluß merkt, ist dies dem Hmstande zu ver­danken, daß er die Kohlensäure unausgesetzt durch die Lunge ausscheidet. Bei natürlicher Arbeit des Körpers erzeugt der Organismus nur soviel Kohlensäure, als bei natürlicher Atmung deö Menschen durch die Lunge ausgeschieden werden kann. Bringt der Organismus dagegen weniger Kohlensäure hervor als im natürlichen Zustande,

so nimmt das Bedürfnis. Atem zu holen, ab. Ein Beispiel dafür ist der schlafende Mensch, er erzeugt weniger Kohlensäure als ein Wachen­der, und seine Atemzüge sind hierbei ruhiger und weniger zahlreich. Man hat beim Menschen für eine gegebene Zeit durch die Atmung er­halten: 0,35 Gramm Kohlensäure beim Schlaf, 0,60 Gramm Kohlensäure während des Wachens und Sitzens und 1,65 Gramm Kohlensäure wäh­rend des Laufens. Die Anwesenheit der Kohlen­säure im Heberfluß führt also zur Empfindung der Atemnot. Diese oder die Vermehrung des Bedürfnisses, Atem zu holen, führt eine Steige­rung der Atmungstätigkeit mit sich. Während längerer oder kürzerer Zeit, je der nach der Fähigkeit und Geschicklichkeit des Menschen, Atem zu holen, wiegt die zunehmende Tätigkeit her Lunge den Heberschuh der Kohlensäureproduktion auf und das Hnbehagen bleibt erträglich. Wenn aber die Arbeit sich steigert, überholt schließlich die Kohlensäureerzeugung das Ausscheidungs- Vermögen der Organe; die Lungenzellen genügen nicht mehr, um alle Kohlensäure, die das Blut ihnen zuführt, abzusetzen, und dieses Gas sam­melt sich an. Wenn in diesem Augenblick die Arbeit aufhört, so fällt die Gaserzeugung auf den normalen Zustand zurück, das überflüssige Gas wird ausgeschieden, das Hnwohlsein und die Atemnot hört auf. Wenn dagegen die anstren­gende Hebung fortgesetzt wird, erreicht die An­sammlung von Kohlensäure schließlich eine hohe Dosis und tänn schwere Unfälle, ja sogar den Tod durch Ersticken herbeiführen.

Da die Ausscheidung der Kohlensäure beim anstrengenden Fußballspiel durch die Lungen­zellen erfolgt, so wird derjenige Spieler nicht so leicht an der Entfaltung seines Könnens durch die Atemnot gehindert, der sich durch Atemgym­nastik eine kräftige und ausgedehnte Lunge ver­schafft. Hm dies zu erreichen, sind zwei Methoden empfehlenswert: 1. Gymnastische Hebungen, um den Brustkorb und die Rippen- möglichst auszu- weiten, um der Lunge ein größeres Ausdehnungs­vermögen zu geben; 2. Atemübungen, um die Lunge selbst zu stärken.

Zu 1 trägt eine mäßige Bewegung der Arme nach hinten, Kreisen der Arme seitwärts, Strecken nach vorwärts, Heben nach aufwärts, sowie der Hang mit gestreckten Armen dazu bei, die Rippen möglichst auszuweiten, den Gelenken der Rippen­teile eine Beweglichkeit zu geben, die große Atmungsbewegung ermöglicht und sich dem Fest- bletben des Brustkorbes beim Ausatmen wider­setzt.

Zu 2: Brust-. Bauch- und Vollatmung. Bei der natürlichen Atmung des Menschen wird nur ein Teil der Lungenbläschen in Tätigkeit ge­setzt, was zur Folge hat, daß diese Bläschen oder Zellen sich stark entwickeln, die nicht in Anspruch genommenen Bläschen nein bleiben und Reserveoläschen darstellen. Wird nun an die Lunge eine größere Anforderung von Tätig­keit gestellt, tote es im Fußballspielen oft der Fall ist, so treten die Reservebläschrn auch in Tätigkeit, sind aber durch ihre natürliche Be­engtheit nicht in der Sage, den Anforderungen

teten gotischen Rückladen das Auge, auf deren einer die Hoffnungsvolle auszieht, jubelndder Welt Ehre liebt mich seh re", obwohl die Dlu- mengetfter warnenSie ist fallz", und auf deren anderer an die Zurückkehrende, die erfahren hat der Welt List sind mir unmehre", das Mahn­wort der Dlumengeister ergeht:Such got" I

Wie in eine Kapelle tritt man unter die erlesenen Kunstwerte der Kapitelkammer. Noch gariz in dem alten Gold und den ursprünglichen Farben von 1485 leuchtet ein Schrein der hei­ligen Anna selbdritt mit feinen zarten blonden Hausbuchrnei sterengeln auf. Die heilige Katha­rina von Ilbenstadt tritt mit der schmalbrüstigen Grazie ihrer vergeistigten Körperlichkeit verträumt aus der Ecke. Die überaus weiche Madonna mit der Traube und die scharfgeschnittenen Köpfe der Hei­ligen Martinus und Donisazius hüllen sich in die intime Atmosphäre mittelrheinischer Herzens­nähe. Auch der Schmerzensmann aus Alsheim, der an die Art des Hans Backofen gemahnt, und die Pietä von Appenheim, eines der älte­sten Vesperbilder, gehören in diesen Kreis.

Eine Vitrine aber bewahrt eine Anzahl von Köpfen, die beweisen, daß die vollendete Schöp­fung über allen Zeiten steht und mit feurigen Zungen zu jeder Gegenwart redet. Es bleibt ein Rätsel, mit welchen Mitteln der Meißel zu­gleich das Siegel des Genies auf die mit ra» vennatisch stilisierter Krone geschmückte Stirn des Erzbischofs Gerhard v. Eppstein und die lächelnde Weltverachtung dämonischer Weltlust in die Grübchenwangen prägen konnte. Ebenso undurch­dringlich und deshalb vielleicht demselben Mei­ster zuzuschreiben: der lockenumrahmte Kopf, in dessen Gesichtszügen edele Zusammengerafftheit, Brutalität und Grausamkeit ineinander spielen.

Einer problematischen Natur, die aus der Polarität der Erscheinungen Honig zu saugen gelernt hat, ver­dankt auch die zwiespältige Einheitlichkeit der lachen­den Teuselsmaske ihre elementare Frische. Der Jünglingskops des Ostlettners von 1250 jedoch, dem die tiefumschatteten Augen wie die wunde Bewe­gung um Sippen und Stirn den Ausdruck unmittel­baren Lebens verleihen, verkörpert so duftig das leidvolle Spiel der inneren Kräfte, daß uns der sko- pasische Kunstgeist des 4. Jahrhunderts v. Ehr. an­zuwehen scheint.

Noch ist die wählerische Sammlung, die nicht durch Mittelmäßigkeit ermüdet, nicht allzu umfang­reich. Nur Bestem ist eine Stelle eingeräumt. Aber, wenn nicht alles trügt, ist mit diesem vortrefflichen Grundstock die erste Bauhütte errichtet zur Pflege und Erforschung mittelrheinischer Kunst. Und darin läge seine vornehmste Bedeutung.

Ganzlichiu schoene tagete nie ze Kriechenlant, die taget hie.

Ein Denkmal für einen Hund.

In der Stadt Nome in Alaska ist kürzlich ein Denkmal für einen Hund errichtet worden, bei dessen Enthüllung der gefeierte HundBalw" und sein Besitzer, der Eskimoführer Gunnar Kasson, zugegen sein konnten, lieber die Vorgeschichte zu dieser Ehrung lesen wir in der ZeltschristJagd und Hundewelt": Jrn vorigen Jahre brach in Nome eine Diphlheritis-Epidernie aus, die rapid um sich griff, weil jedes Serum, aber auch die genügend große Menge Desinfektionsmittel fehlte. Da die Stadt bald in die Gefahr des Aussterbens geriet, sandte man trotz der herrschenden Polarnacht und der grimmigen Kälte verschiedene Schlitteiiexpeditionen aus, welche die fehlenden Arzneimittel herbeischaffen sollten. Der harte Winter und hoher Schnee ließen aber sogar

gerecht zu werben, wenigstens nicht fo, als die täglich in Gebrauch genommenen Zellen es ver­mögen. Dieser Hmstand zwingt uns, durch Atemübungen die Leistungsfähigkeit der Reserve­bläschen zu steigern, und dies erreichen wir durch die Brust-, Bauch- und Dollatmung. Bei der Drustatmung soll die Luft nur in die Brust ein- und ausgeatmet werden. Die Dauchatmung führt man am besten in der Rückenlage aus. Hierbei muh die Brust völlig ruhen und das Zwerg­fell den Leib herausdrücken. Bei der Vollatmung füllt sich der untere Teil der Lungen, sodann die Brust. Bei all diesen Atemübungen soll soviel frische Luft wie irgend möglich in die Lunge eingeführt werden. Ebenso empfiehlt es sich, vor und nach diesen Hebungen alle in der Lunge befindliche Lust .auszustoßen, um die Gewähr zu haben, daß sich nun alle Bläschen wieder mit frischer Luft füllen können. Vorbedingung zu diesen Hebungen ist unbedingt der Aufenthalt in der frischen Luft.

Sehr wohltuend wirken diese Hebungen für gesunde und kranke Menschen während des Auf­enthaltes in Fichten- oder Tannenwald.

V. s. B.

(-) 3n Ergänzung des Montagberichts sei noch mitgeteilt, daß das in der Vorschau er­wähnte Spiel der dritten Mannschaft ge­gen die erste des Sportvereins Nieder- Weise l "doch am Sonntag ausgetragen worden ist. Die eifrige Dritte konnte auch dieses Tressen zu einem respektablen Erfolg gestalten, indem sie die spielstarken Gäste mit einer 4:1 Nieder­lage nach Hause schickte. Nieder-Weisel stellte eine körperlich kräftige Mannschaft, die die feh­lende Technik durch Eifer aufzuwiegrn versuchte. Bemerkenswert ist, daß sie die vorjährige Ver­bandsspielserie in der S-Klasse ungeschlagen! durchspielen konnte, während sie durch einen Irrtum für die diesjährigen Verbandsspielc weder vom Süd- noch vom Westdeutschen Ver­band verpflichtet wurde. Die V. f. D.-Mannschaft war in allen Teilen gut besetzt und hat den Sieg vollauf verdient.

Das Spiel der zweiten Mannschaft wurde von Friedberg abgesagt.

Oderhessen.

Landkreis Gießen.

X Klein-Linden, 23. Febr. Am Sonntag­abend fand in der hiesigen Kirche ein Licht- bildervortrag unter Leitung von Pfarrer Ackermann statt. Den sehr zahlreich erschiene­nen Gemeindegliedern wurde in mehr als 45 BildernJerusalem und das Heilige Land" vor Augen geführt. Gemeinsame Gesänge geistlicher Lieder verschönten die Darbietungen.

* Lollar, 23. Febr. Am Samstag trat der hiesige Seeverein (ehern. Flottenverein) nach langer Zeit mit einem Lichtbildervortrag wieder in die Oeffentlichkeit. Heberdie Fahrten der Möve" während des Weltkrieges sprach in fes­selnder Weise Eisenbahnobersekretär G o e r k e aus Offenbach, der ehemals als Offizier die Husarenritte" dieses Schiffes mitgemacht hatte. Reicher Beifall wurde ihm zuteil. Major a. D. Volkmar, der Schatzmeister des Landesver­bandes. legte die Ziele des Seevereins dar.

:: Beuern, 23. Febr. Aus Einladung des hiesigen D o lks b i ldun gs v e re i n s sprach am Sonntag abend im Saale des Christoph Wag­ner Professor Dr. Helmke von Gießen über Die Römer in der Wetterau". Der Redner schilderte in leicht verständlichen Worten die Ansiedelungen der Römer im Süden und Westen unseres Vaterlandes vom 3ahrhundert vor bis ins dritte 3ahrhundert nach Christi Geburt. Reicher Beifall und der Dank des Vereinsvor- sitzenden loh'.cken die vortrefflichen Ausführungen. Die Zahl Dor Erwerbslosen hat in dieser Woche 70 überschritten. Von diesen er­halten gegenwärtig 59 die ihnen gesetzlich zu- stehende^ Arbeitslosenunterstützung.

s. A l b a ch. 23. Febr. Begünstigt vom schön­sten Frühlingswetter unternahm der Lahn- Höhenbund am Sonntag eine Dundesfahrt nach Albach. um die hiesige Ortsgruppe zu be­suchen. Die Veranstaltung im Saale derStadt Lich" nahm bei guten Reden, Instrumental- und Gesangsvorträgen einen allseits befriedigenden Verlauf.

is. Steinbach, 23. Febr. Auch für unsere Gemeinde besteht jetzt Aussicht, ein direktes Verkehrsmittel mit Gießen zu bekom­men. Eine Firma aus Bremen beabsichtigt, einen Autoverkehr zwischen Gießen, Annerod, Steinbach, Albach, Burkhardsfelden, Hattenrod, bis Grünberg zu betreiben. Der Betrieb soll ohne jede Derbiirdlichkeiten der betr. Gemeinden auf Kosten der Firma eingerichtet werden. Ob dies auf die Dauer möglich fein wird, bleibt abzuwarten, feine gestern abend auf dem hie­sigen Rathaus abgehaltene Dürgerversammlung

die geschulten Polarhunde scheitern, die ausgesandten Schlitten erreichten nicht einmal die Bestimmungs- ' orte und kamen unverrichteter Dinge fbicber zu­rück. Nur ein einziger Schlitten konnte den Hin- und Rückweg bezwingen und die sehnlichst erwartete Medizin bringen. Aber auch dieser Schlitten wäre unterwegs verkommen, wenn nicht der Führerhund Balto" die Meute der Zughunde in einem fast menschlichen Berantwortlichkeitsgefühl immer und immer wieder angefeuert hätte zu neuer Kraftan­strengung. Dem Hüngertode nahe und mit erfrorenen Gliedern kamen die Hunde endlich und nach unge­heuren Strapazen am Ziele an, um mit den mit­gebrachten Arzneien die Stadt vom Untergang zu retten. Bemerkenswert ist schließlich, daß Balto den großen Medikamentenschlitten auf der Rückreise un­gefähr 50 Kilometer weit durch Nacht und Eis selbständig zurückführte, da der leitende Eskimo durch eine Schneelawine verschüttet worden war.

EinvorgeschichtlichesKulturvolk in Südafrika?

Das Museum des Staates Rhodesien (Südafrika) ist zur Zeit mit der Erforschung ausgedehnter Ruinenfelder im Zimbabwedistrikt (Südafrika) be­schäftigt. Auf einem langgestreckten Landstrich an der Südgrenze von Portugiesisch-Ostafrika, der bei 60 englischen Meilen Länge etwa 40 Meilen breit ist, finden sich die Ueberreste von steinernen Häusern, von Aquädukten und anderen Bauwerken. Beson­deres Interesse erregen in ausgedehntem Maße in Terrassen gelegte Berghänge: diese Terrassen werden durch steinerne Mauern gestützt. Es handelt sich hier offenbar um die Ueberreste eines alten Bewässe­rungslandes, welches von einem auf hoher Kultur­stufe stehenden Volk etwa vor acht bis zehn Jahr­tausenden angelegt sein muß.