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Berliner Regierung zu einer energischen Politik ouftcffen wird und vor einer Fortsetzung der Besprechungen üvcr die Rhnnlandräumung schon in Verfolg der Li Locarno gegebenen Zu­sagen auf Rückwirlungen eine Abänderung der unhaltbaren Zustände in der De­satzungszone heröeisührt. 3n biesem 5u< sammenhang wird Deutschlarrd besonders darauf achte-: müssen, das; bei den für den März vor­gesehenen neuen Verhandlungen ü er die Rhein­landsräumung unter keinen älinständen eine neue Kontrolle für das besetzte Gebiet in Gestalt von Zivillommissionen ge- schaffen wird, da das Landauer Kriegsgerichts- " urteil bewicsen hat. daß die Regierungen in den alliierten Hauptstädten nicht in der Lage sind, ihre Ausführungsorgane zu einer verständnis­vollen und liberalen Behandlung der Bevöl­kerung der besetzten Gebiet: anzuhalten. Man wird es in ganz Deutschland im Gedächtnis behalten, Last auch heute noch schwerste Ver­brechen an deutschen Staatsangehörigen bei der Praxis der Militärgerichte keine dem allgemeinen Rechtsempiin.^n erl^prechende Sühne finden.

Amtliche deutsche Schr'tte

Koblenz, 22. Dez. (IDolff.) Der Reichs- koinmissar für die befehlen Gebiete, Botschafter Freiherr Langwerth von Sim­mern, hat heute dem Stellvertreter des hiesigen französischen Oberkommandos gegenüber die tiefe Erregung der Bevölkerung des besetz­ten Gebietes über das Urteil in Landau zum Ausdruck gebracht und die Besorgnis ausgesprochen, datz dieses Urteil die von den Locarnomachten ver­folgte Politik der Verständigung und Befriedung in beklagenswerter Weise beeinträchtigen Fenne. D.n gleichen Sinne hak sich der Rllchskomnisfar tele­graphisch an den in Paris weilenden Präsidenten der Interalliierten Rheinlandkommission, T i r a r d, gewandt. Ferner ist, wie den Blättern mitgekeilt wird, Botschafter v. hoesch beauftragt worden, bei der iranzösischen Regierung Vorstellungen wegen des Falles Rouzier zu erheben, um alle juristischen Möglichkeiten zu erschöpfen. Wie der vorwärts meldet, wurde der französische Bot­schafter in Berlin, de Margerie, bereits von Dr. Stresemann empfangen, der den Bot­schafter auf die allgemeine Entrüstung des deutschen Volkes über das Landauer Urteil und auf die sich hieraus ergebenden Gefahren für die verstündignngspolitik aufmerksam machte.

Wie dieTägliche Rundschau" über den Eindruck des Landauer Urteils in Berliner diploma- klfcken Kreisen erfahrt, fleht das Kriegs­gerichtsurteil im krassen Widerspruch zu der durch Loeamo und Z;oiru e'mgeleileten Befrie­dungspolitik, die seinerzeit ausdrücklich durch die Rote der Bolschafkerkonferen; vom 14. November 1925 feftgelegk wurde, und in der Deutschland ;u- gesagt worden ist, daß in Zukunft in den Rhein­landen eine sehr liberal? Politik zur Anwendung gelangen und eine Revision der Rheinland­ordonnanzen im Geiste des vertrauens und der Entspannung erfolgen werde. Sollte das mit dem deutschen Rechtsempfinden unvereinbare Landauer Kriegsgerichtsurteil rechtskräftig werden, so würde für das deutsche Volk eine neue Situation entstehen, deren möglichen Auswir­kungen sich keine deutsche Regierung entziehen könne. Man weist in Berliner diplomatischen Kreisen daraus hin, dafz es keiner deutschen Regierung auf die Dauer möglich sein werde, der deutschen Oesfentlichkeit gegenüber d i e These von dem guten Wil­len der Gegenseite aufrechtzuerhalten, wenn die gegenwärtig In den Rheinlanden von den Besat- zungsbebörden getriebene Sonderpolitik nicht einer gründllcyen Revision unterzogen würde.

Heber die juristischen Möglichkeiten, ein? Aende- tung des Urteils tjerbehufütjren, hören wir, datz eine Berufung nicht zulässig ist, sondern nur eine Revision, die nach französischem Recht binnen 24 Stunden nach dem Urteilstage eingelegt werden muh. Das ist befannllld) inzwischen ge­schehen. Die Reviflonsoerhandl'mg findet vor dem ^Kriegsgericht in Mainz statt. Sie wird sich lediglich auf die Prüfung der Frage erstrecken, ob das Urteil Fnu'gefjoben und die Sache zur nochmaligen Entschei­dung an ein anderes Kriegsgericht verwiesen werden soll. Die Revision kann gc- mäh Artikel 74 des frcmzpsifckien Mililärstralgeseh- buches nur auf Formfehler gestützt werden. Die Be­deutung, die dem unerhörten Urteil der französischen Militärjustiz auch an den amtlichen deutschen Stellen zugemessen wird, erhellt unter anderem aus der Tatsache, dah ohne den geringsten Zeitverlust alle erforderlichen Schritte gegen dieses Urteil ergriffen wurden. Man mnh auf das bestimmteste erwarten, dah die französische Regierung, vor allem aber Briand, alles tun werden, um das empörende Un­recht nach Möglichkeit wieder gutzumachen. G schiehk das nicht, dann kann man wohl getrost all? Hoffnungen auf eine baldige wirkliche Befrie­dung Europas im vielberufenen Geiste von Locarno fallen lasten.

Ein Schlag gegen die Verständigungspolitik.

EineErklärttnstdcsNcichsministersDr.Bcll.

Berlin, 22. Dez. (WTD.) Der Reichs­minister für de besetzten Gebitt? Dr. Bell gab einem Vertreter des Wolsfschen Telegraphen- buteai'8 gegenüber folgende Erklärung über das fra-.zös.sche Krirglgrr.chtsurteil in Landau ab: M it Empörung und Entrüstung hat das gesamte deutsch: Volk das unerhörte Fehl' urteil des srarzöfischrn Kr.cgsgerichis Ln Landau vernommen. Rouzier ist fre gesprochen. Deutsche Bürger sind zu schweren Gefängnis strafen ver- urteüt, unter diesen auch ein Mann, der in einer Heidelberge.' Klinik an den Schüssen von Rouzier schwer fr.mf darnird rliegt und nun in einem, unserem Rechtsempfinden in3 G:s.cht schlagenden Abwesenhcitsverfahren zwei Lahre Gefängnis erhielt.

Rouzier Xyit einen deutschen Bürger getötet und zwei andere Deutsche durch Schüsse verletzt, einen in lebens­gefährlicher Weise. Zeder, der der Beweisauf­nahme vor dem französische Gericht folgt, sah die Schuld klar hervorlr:ten. Trotzdem dieser Freispruch, der der Gerechtigkeit Hohn spricht. Diese Verhältnisse sind einfach un­tragbar. Wenn das Leben der Einwohner dem Kriegsgericht so leicht wiegt, so fühlt sich die Bevö.kerung in einem Zustand der Recht­losigkeit, der im schre endsten Gegensatz stehl zu den Bemühungen, eine Rechtsordnung des Friedens zwischen Deutschland und Frankreich zu schaffe.

3m ganzen Volke können solche unbegreiflichen Vorkommnisse nur als ein Schlag gegen die Verständigungspolitik wirken.

Llnser Mitgefühl wendet sich den schwer­geprüften Volksgenossen cm R^:in zu. Wir wollen mit allen Kräften helfen und alles tun, um in diesem einzelnen Falle dem Recht zum Sieg zu verhelfen. Wir wollen aber darüber hinaus gegen ein System kämpfen, dem ein solches Fehlurteil entsprungen ist. Alle Deutschen müssen auS dem Landauer Urteil d^e Lehre ziehen, daß wir keine bringenßere Aufgabe haben, als. die, unserem Volke am Rhein die Freiheit und dem deutschen Staate die Souve­ränität in diesem Gebiete wieder zu erringen. Diesen Appell richte ich an das ganze deutsche Volk. So lange bie Besatzung auf deutschem Boden_ andauert., ist immer die Gefahr für solche tief- bedauerlichen Ereignisse gegeben, die bie schärfste Bedrohung der Verfländ'gungZ- Politik bedeuten, ülnerlähliche Voraussetzung ,ür die ersprießliche Fortführung dieser Verständi- gungspolit'k ist das Bewußtsein einer gesicherten Rechtfprech mg. Wir erwarten, daß d.e berufe­nen französischen Instanzen gerade im Sanbauer Fall alles tun, um das begangene Unrecht wieder gut zu machen Die einzige Sicherheit gegen die Wiederkehr solcher, bie gesamte Politik beider Länder schwer grfährbenoen Dorkemm- nisfe bietet die alsbaldige Beseitigung der Besatzung.

Reue pariser Preffeftimmen.

Paris, 23. Dez. (WTD. Funkspruch.) Lin­ier dem schlechten Emdruck, den das Urteil des französischen Kriegsberichtes in Landau nicht nur in Deutschland, srndern auch in anderen Ländern herrorgerusen hat, beschäftigen sich heute ei ge Blätter mit der Angelegenheit. Die Mehrzahl schweigt aber immer noch. Der der Regierung nahestehendePetit P a r i f i e n will den Sinn der Entrüstung in Deutschland nicht begreifen und erklärt:Es handelt sich nicht so sehr darum, die in Landau verurteilten Persönlichkeiten zu verteidigen, vielmehr versuche man, um mög­lichst schnell die Räumung der Rhein­lande zu erreichen, da die Lleorrredungsmittel sich als ohnmächtig erwiesen hätten, durch einen sogen. Skandal Frankreich einzuschüchtern." Der® a u 10 i s" leugnet, daß der Falt Rouzier mit der Desetzungssraze verbunden werden kann, erklärt aber bann:Einerseits kann bas Llrteil von Landau, ob es gut oder schlecht ist, auf alle Fälle vor ein anderes Gericht, ja sogar voc ein internationales Schiedsgericht gebracht werden, da Frankreich und Deutschland Schieds- gerichtsverträge unterzeichnet haben und dem Völkerbund angehoren. Andererseits gibt es eine Politik von Locarno, 'die aber noch nicht den Friedensvertrag von Versailles annulliert hat, der das Statut der Rheinlandbes.tzung vor- sieht. Kann diese Politik durch ein einfaches Urteil in Frage gestellt werden, bann war Lo­carno für die Deutschen nur ein provisorischer Vorwand zur Entspannung, um sich möglichst bald von den Fesseln von Versailles zu befreien. DerAvenir" schreibt:Wenn wir die militärischen Richter in Irgendeiner Form des­avouieren, dann heißt das eine Politik des Ver­zichtes und der Feigheit betreiben." 3n der Vict 0 ire" schreibt Hervö: Er könne nur die Versicherung abgeben, daß abgesehen von eini­gem prosessionalen blöden Pazifismus daS Ur­teil mit allgemeiner Befriedigung ausgenommen wurde.Ere N 0 u - veile" schreibt:Das Urteil von Landau ist kein richterliches Urteil, eS ist ein politisches Urteil.

18 Monate nach Locarno haben wir das Recht, zu fragen, wer die Verantwortung dafür zu tragen hat, daß in Deutschland ein gerechter Sturm der Entrüstung entfacht worden ist. Wir glauben, dah es die Pflicht unserer republika­nischen Freunde in der Regierung ist, unver­züglich die durch das Kriegsgericht oerudeUfen Deutschen begnadigen zu lassen.

Auch Zxx5 radikale BlattV 0 l 0 n16" schreibt: Die Dinge könnten so nicht bleiben Die Regierung dürfe nicht zulassen, daß ihre eigenen Vertreter im Kriegsgericht ihre Politik in Gefahr brächten Eine sofortige Richtig­stellung müßte erfolgenMatin" schreibt: Unter ben derzeitigen Umständen Ui ein Irr­tum wie bas Landauer Urteil geeignet, beun­ruhigend zu wirken und bie Manöver ber Ratio­nalisten zu begünstigen Der gewerkschaftliche _Peuple" sagt: Man hätte allenfalls ver­stehen können, daß bieser Prozeß mit einem a l I- gemeinen Frei sprach endete, aber die Ver­urteilung aller deutschen Angeklagten und der Freispruch von Leutnant Rouzier sei ein Skandal. Das Urteil fordere die Begnadi­gung der Deutschen, und es fordere, dah die aufrührerischen rheinischen Generalstäbler zur Vernunft g bracht werden.

Eine Vorstellung der deutschen Sozialdemokraten.

Berlin, 22. Dez. Der Vorstand der Sozial­demokratischen Partei Deutschlands hat an den Vorstand der französischen Sozialistischen Partei nachstehendes Telegramm gerichtet:

Das Landauer Krieg^erichtsurterl erzeugt in ganz Deutschland tiefe Entrüstung, nach unserer Ueberzeugung mit vollem Recht. Der Freispruch Rouziers und die gleichzeitige Ver­urteilung der deutschen Angeklagten, darunter aktiver Republikaner, sind geeignet, der deutsch-französischen Entspannung entgegenzuwirken, die von den Aegierun- gen und von der Mehrheit beider Völker erstrebt wird. Wir ersuchen Euch, unverzüglich bei der französischen Regierung vorstellig zu werden, um mindestens au3 Anlaß des Weihnachtsfestes d i e sofortige Enthaftung der Verurteil­ten zu erwirken, unbeschadet der notwendigen Revision des Urteils.

gez. Müller, Wels, Crispien.

DieVoss. Ztg." meldet aus Paris, daß die französische sozialistische Parteileitung auf das Telegramm beschlossen hat, bei der französifchen Regierung zugunsten der Aufhebung des Landauer Urteils sowie der soforti­gen Haftentlassung der deutschen Angeklagten v 0 r st e l l i g zu werden

Der Glückwunsch der Richter.

Germersheim, 22. Dez. (WTD.) D.e französische Kommandantur hat, um Ausschrei­tungen ber erregten Devölkerang zu verhindern, angeorönet, daß bie Wohnung des fr: gespro­chenen Rouzier bis zu dessen Abreise aus 0er- mcrSfjeim durch Gendarmerieposten be­te a dj t wird De Bevölkerung zeigt tiefste Er­

regung über das Urteil. Diel besprochen wird, daß nach der Freispr^hung des Rouzier das gesamte Richterkollegium nrch ün Ge­richtssaal auf den Unterleutnant Rouz.er zutrat und ihm ostentativ in Gegenwart der Ver­urteilten beglückwünschte.

Ein englisches Urteil.

London, 23. Dez. (W. T. 2. Funkspruch). Daily Chronicle" sagt in einem Leitartikel: Niemand kann überrascht fein, über den all­gemeinen Unwillen, der in Deutschland über das franzis sche K.iegszerichtiurteil empfunden wird, denn gleichviel. ob irgendwelche b:r verurteilten Deut chen schuldig waren oder nicht, so scheint erhebliches Beweiämaterial vorzuliegen dafür, dah der freigesprochene französische Leutnant nicht unschuldig war. Die wahre Maral des Falles geht aber über Einze.'- pe.souen hinaus, sie deutet aus Die Notwendigkeit hin, die Besetzung zu beenden. Solange wie di? Besetzung andauert, können solche Zwi­schenfälle sich jeden Tag ereignen und so lange dies der Fall ist, kann es keinen sicheren beutsch- franzcsische.n Frieden geben."

Keine Auslandreise Dr. SLres2manns.

Berlin, 22. Dez. (Wolff.) Der Reichsminister des Auswärtigen wird mit Rücksicht auf die p 0 l i t i s ch e L a g e die auf ärztliches Anraten vor. gesehene längere Erholungsreise nach Aegypten jetzt nicht antreten. Eine Reise nach Oslo in Verbin­dung mit der Verleihung des Friedens-Nobelpreises ist für die nächste Zeit nicht geplant.

Die Bünbmspolitifin Europa.

London, 23. Dez. (Funksprach.) Der diploma­tische Korrespondent desDaily Telegraph" schreibt: ym Zusammenhang mit der augenblidlid) ziemlich gespannten Sag: in Südosteuropa verdiene die Tatsach:, daß Sowjetruhlanb vor kurzem bei ausländische Werften eine An­zahl zum Teil großer U-Boote bestellt habe, die öffentliche Aufmerksamkeit. Objektive Beobachter in London teilten dies: Ansicht, dah irgendeine ausgesprochene französisch- russische Annäherung nv.wend'.gerweise zu einer italienisch-deutschen An­näherung führen müsse, wodurch Europa wiederum in verschiedene Lager geteilt werden würbe. Wirk.i he Staatsmä:mer der West­mächte mühten eigentlich in ber Lag? sein. eine solche Gefahr für bi: Wohlfahrt bes Kontinents zu verhindern, ab:r bas werbe nicht geschehen dnrch ben allgemeinen diplomatischen Brauch, unwillkommene Entwicklungen unbeachtet zu lassen.

Deutschland und der neue Kurs in Litauen.

Berlin. 22. Dez. Der litauische Gesandte in Berlin, der während des Umsturzes in Kowno weilte, erklärte, bah bie Beziehungen zu Deutsch­land durch bie Aenberung nur verbessert werben können, well bie persönliche Ein­stellung ber jetzt führenden Männer einem engeren Zusammmenarbeiten nur g ü n ft l g fei. Der, Memelländern gegenüber werde bie Regierung sich bemühen, zu einer Verstänbi- g u n g zu kommen, schon im Interesse beS Zu­sammen gehnis mit Deutschlanb. Die Regierung wirb ben Autonomieforberungen ent­gegenkommen unb bas Memelstatut genau beachten.

Die englandseindliche Propaganda in China.

London, 22. Dez. (Wolsf.) DieTimes" mel­det aus Hankau, daß dort am 20. d. M. abends eine Versammlung abgehalten worden ist, an der eine größere Anzahl Delegierter teilnahm, um gegen d i e Engländer zu agitieren. Die Haupt­redner waren nationalistische Führer. Das Thema war die Frage eines heftigen Boykotts gegen die Engländer. Borodin hiell eine Rede, in der er für den Sturz der Briten mit ihrem Alliierten Tfchangtsolin eintrat. Der Sohn Sun« yatsens ermahnte die Bersammlung, nicht zu glauben, daß die Engländer Freunde Chinas seien. Lampson arbeite in Wirklichkeit auf bie Zer- ftörung Chinas hin. Die einzige Methode sei, durch einen Bonkott vollständig jeden britischen Handel und jede vritische Industrie zu vernichten.

Die Arbeitslosigkeit in Frankreich.

Paris. 22. Drz. (WB.) 3m Generalrat des Seine-Departements wurde befanntgegeben, daß am 21. Dezember in Paris und dem ganzen Seine-Departement 6147 Arbeitslose Anträge um Arbeitslosenunterstützung eingere cht hatten. Zwi­schen 'Vertretern des Innenministeriums und des Arbeitsministeriums wurde beschlosfen, d-ie Lei­ter der industrieller Betriebe auszu ordern, einen gewissen Ausgleich zwischen ausländi­schen und französischen in den betrefsen- den Betrieber beschäftigten 2[rbeit2r.t vorzuneh­men. 3m Seine-D^vartement allein tinrrbm nur 1900 Personen gezählt, bi? sich um Arbeitslosen­unterstützung bewarben. Dir Gesamtzahl ber Ar­beitslosen in ganz Frankreich soll noch nicht 50000 erreicht haben.

Tacna-Arica;

La P az, 22.D:a. (WTD. Fsnkspruch.) Wie El Diario" meldet, hat Peru in Beantwortung des von bem amerikanischen Staatssekretär Kel­logg gemachten Vorschlags, das strittige Ge­biet von Tccna-Arica an Bolivien abzu­treten, folgendes vorgeschlagen:

1. Peru soll Tacna unb bie Stadt Arica erhalten:

2. Peru und Chile sollen an Bolivien das ganze Gebiet südlich von Tacna und Arica

is zum Fluß Camarones abtreten:

3. Chile soll das Salpetergebie! von ChlldayS bsh.rlten:

4. Bolivien soll Port Ditor erhalten.

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Wechselnd bewölkt mit vorübergehendem zeit­weisen Aufklaren, starker Nachtfrost, auch tagsüber Temperaturen um den Gefrierpunkt unb darunter, trocken.

Gestrige Tagestemperaturen: Marimum: minus 5,0 Gr. Celsius, Minimum: 0,7 Gr. Celsius. Heutige Morgentemperatur: minus 5,7 Grad Celsius.

Bericht über die Wetterlage auf dem hoherodskopf vorn 23. D^ember, morgens 8 Uhr.

Windrichtung: Nord-Ost. Windstärke: stark. Lufttemperatur: minus 12 Grad Celsius. Höchst­temperatur in ten letzten 24 Stunden: minuS 6 Goad Celsius. Gesamtschneehöhe: 46 Zerrtimeter. Drschaffenheit der Schneedecke: puLrrformig. Sportmöglichkrit: vorzüglich.

Odenwald unb Sauctlanb.

Schneehöhe im Odenwald: 3050 an. Sportmöglichkeit: Sehr gut.

Schneehöhe im Sauerland: 3060 cm. Sportmöglichleit: Sehr gut.

2Ius aller Welt.

Tie Spartätigleit in Tcutschland.

Am Ende der 3nflation war von 20 Milliar­den Spareinlagen, bie Ende 1313 bei ben brut­schen Sparla.sen vorhanden waren, ber 800. Teil, d. h. rund 25 Millionen Rentenmark übriggeblie­ben. Ülnmittelbar nach dem Aufhören t>:r Geld­entwertung setzte nun die Spartätigkci: in Deutsch­land in sehr starkem Maße ein. 3m 3ahre 1924 betragen die Spareinlagen bereits wieder 600 Millionen Mark. 1925 1,6 Milliarden Mark und am 1. Oktober 1925 2.7 Milliarden Mark. Es handelt sich nun nicht allein um Spar­einlagen, sondern auch um Kapitalum - Wandlungen, da die in der Inflation in Devisen, Aktien und Waren angelegt«!. Spar­einlagen ihren Weg wieder zurückfandcn. ferner ein Teil der Aufwertung ben Sparkassen zufloß. 3edenfalls zeigt das Anwachsen der Spareinlagen eine erheb iche Kapitalneubil­dung. Bezüglich der Berufsbildung der Sparer entfällt ber größere Teil der Einlagen auf die gleichen Kreise, die vor bem Kriege ihr Gelb zur Kasse brachten. Bemerkenswert ist, daß trotz geringerem Einkommen der Zuwachs an Spareinlagen die Umwandlung an der Kapitalanlage berücksichtigend größer tsd als in ber Vorkriegszeit. Trotz verringerter Sparmöglichkeit wird also mehr als voc bem Kriege gespart jedenfalls ein erfreuliches Zeichen.

Kältewelle aus Nutzland.

Mittwoch ist in Berlin ein plötzlicher Tem­peratursturz eingetreten, ber bas Thermorntter von 2 Grad Wärme in den Mittagsstunden auf 4 Grab Kälte In ben Abendstunden hat sinken lassen. Dieser Temperatursturz ist auf eine ge­waltige Kältewelle zurück-uführen, die aus Ruß­land kommend, über Deutschland hereingebrochcn ist. Aus Königsberg wurden Mitt'oochabenb 14 Grab, aus München 9 Grab, aus Posen 8 Grad unb von ber Zugspitze 19 Grad Kalte gemeldet.

katastrophales Glatteis in Lccds.

3nfolge Glatteises ere g-ietcn sich in Leeds mehr als 50 Unfälle durch Beinbrüche. Verrenkungen, Kopfwunden unb Quetschungen. Die Stadtverwaltung lieh Tausenbe von Tonnen Asche auf bie wie mit Glas überzogenen ©traben streuen. Wan sah viele gut gekleidete Leute, bie sich Stoss-Fetzen, Taschentücher oder Säcke um bie Stiefel gebimben hatten.

Dean Gilbert in Konkurs.

DaS Amtsgericht Potsdam hat über daS Vermögen des Komponisten 3ean Gilbert, ber in einer ganzen Reihe von beutschen Städten, so auch in Frankfurt a. M., Buhnen für Qpere t t enaufführungen gepachtet hat, ben Konkurs eröffnet Zu ben Leidtragen* den gehören neben den mnnittelbarcn Geld­gebern auch zahlreiche Bühnenkünstler, ferner ein großer Theaterverlag und bie Liefe­ranten von Kostümen und Dekorationen. Die Passiven werden auf mehrere hunderttausend Mark geschäht. Aktiva sind nicht vorhanden.

3000 filier Dein In der Slrahrnrlone.

Ein von Trier kommendes Weinauto ge­riet im Hunsrück beim Nehmen einer steilen Anhohe ins Rutschen, wobei ber Anhänger sich quer über die Straß? stellte. Vier Fuderfässer, enthaltend kostbare Tropfen des edlen Reben­saftes, rollten auf di e Erde. Drei bet' Fässer gingen in Trümmer und ihr 3nhalt ergoß sich auf bie Erb^ Auf ber Stelle, wo, sich bie Fässer entleert hatten, bildete sich als­bald eine Eisfläche, bie später einem Per­sonenauto zum Verhängnis tourba.

Einsturz eines Koksofens.

Bei Pont ä Wouffon ist ein ün Dau be­findlicher Koksofen, dessen Pfeiler schon etwa 30 Meter hoch emporragten, eingestürzt unb hat zahlreiche am Bau bejinbliche Arbeiter unter seinen Trümmern begraben. Dis jetzt find vier Tote geborgen, brei Arbeiter werden noch ver­mißt, neun wurden verletzt.

Ein 77jähriger Greis vom Zuge gelötet

Auf bem Bahnhof Rockenhauie.i b.i 3^reaz- nack wollte der 77 3ahre alt? frühere Gerber 3vyairn Diehl einen spielenden Knaben vor einer herarmahenden Rcmaiermaschine wogreißen. Da­bei geriet b?r alte Mann selber uat?r bie Räi_er unb würbe auf ber Stelle getötet Der Knabe blieb unverletzt.

Tödlicher Anglücksfall.

3m Spessartdorie Hain fiel bnrn Schweine­schlachten das ö'/zjäh-.-izie Söhnten brr Familie Gensnec in eine mit heißem Wasser gefüllte Bütte. Dec Knabe erlitt dabei so schwere Verbrühung^, baß er noch am Abend verstarb.

Schweres Fliegerunglück In Amerika.

3n Rantoul (3ULicidj sties-en-rend eines FlugeS über einem Felde in der Nnh? des hie* figen Militärflugplatzes zwci Militärflugzeuge in ber Luft zusammen Die vier Flieger, sämtlich Offiziere, würfen getötet.

Entdeckung von Salzlagern In Galizien.

Dci Bohrungen naj> neue.« Napytayuellen in Galizien hat die Standard Oll Company in der Nähe ber Stadt K 0 l 0 mea ein riesiges Salzlager entbedt Das Laqer soll nach vor­läufigen Berechnungen eine Viertelmilliard: Ton­nen Salz enthalten und einen Wert von 25 bis 30 Milliarden cloty ha'en.

Anschlag auf einen elektrischen Zug In Holland.

Montagabend wurde auf ei rjn nach cem Haag fahrenden elektrischen Zug ein Anschlag verübt. Drei Männer hatten an einer unüber­sichtlichen Stell? schwere Kanalisations­rohren über die Schienen gelegt Der Führer des Zuges bemerkte jedoch das Hindernis, konnte jedrch nicht mehr brrmsen, so baß der Zug mit doller Geschwindigkeit ü5?t bas Hin­dernis fuhr. Glücllicherwr se wurde eine Ent­gleisung dadurch verhindert daß eine Röhre In der Mitte zerbrach, Die Täter wurden in ben I Dünen, wo sie sich versteckt hielten, verhaftet