Raiffeisen-Tagung in Frankfurt.
CSeCt Frankfurt a. Hl., 22. Rov. Zu der diesjährigen Verbandstagung des Raiffeisenverbandes Frankfurt am Main waren aus bet näheren und weiteren Hingebung. Frankfurts außerordentlich zahlreiche Interessenten erschienen, so daß der große Saal i)er Volksbildungsheimes bis auf den letzten Platz gefüllt war.
Der Vorsitzende des Frankfurter Verbandes, Dr. Rolden. ging in längeren Ausführungen auf die Entwicklung des Frankfurter Verbandes in den Vachkriegsjahren ein und gedachte auch des Rückschlages, den die Ziele der Organisation durch die außerordentlichen Verluste erlitten, von denen die Rcriffeisenban A.-G. im vergangenen Jahre betroffen wurde.
Der Generaldirektor der gesamten deutschen Raiffei'enorganisation, Freiherr d. (Braun,Berlin, gab dann «ine höchst interessante Zusammenstellung kund über die Entwicklung der Vaisfeisenorganisation, wobei er besonders eingehend auf die Raiffeisenbank A.-G. einging. Die Verluste, die diese Dank im vergangenen Jahre erlitten habe, seien dadurch entstanden, daß große Kredite ohne genügende Sicherheiten gegeben worden seien. Allerdings habe man für den Gesamtderlust von nahezu 40 Millionen Mark eine ganze Reih« von Pfändern in die Hand bekommen, deren Flüssigmachung aber bei der gegenwärtigen wirtschaftlichen Lage nicht gerade rentabel sei. So verfüge die Organisation über drei große Ozeandampfer von je 10 000 Tonnen, ferner über eine Wurstfabrik, über eine Gummiwarenfabrik, über Brauereien in Bayern, über chemische Fabriken verschiedener Art und außerdem auch über verschiedene Zigarrenlager in Berlin. Der Redner gedachte in anerkennenden Worten der Preuß. Zentralgenvssenschaftskasse, die in dankenswerter Weise in die Bresche gesprungen sei und einen Kredit von 40 Millionen gegen Bürgschaft der einzelnen Verbände zur Verfügung gestellt habe. Bisher sei es der Gesamtorganisation gelungen, Bürgschaften in Höhe von 36 Millionen zu leisten, die restlichen 4 Millionen dürften demnächst folgen. Der Gesamtorganisation sind jetzt 4 0 0 0 0 Genossenschaften mit 3 Millionen Mitgliedern angeschlossen. Er hoffe, daß es durch einmütiges Zusammenarbeiten ermöglicht werde, über die Krise hinwegzukommen, und daß bei weiter ansteigender Wirtschaftskurve auch die Pfänder ihrem Werte entsprechend liquidiert werden könnten. Als das Hauptziel der Organisation bezeichnete er die Bemühungen, die Produktion der Landwirtschaft in Deutschland auf die größtmöglich« Höhe zu bringen, um das deutsche Volk möglichst aus der eigenen Produktion heraus mit den notwendigen Lebensmitteln zu versehen.
Hieraus gab der Generalsekretär G r i s a r einen eingehenden Bericht über die Tätigkeit des Frankfurter Verbandes und seiner Genossenschaften. Dem Frankfurter Verband gehören darnach 70 0 Genossenschaften mit fast 6 0 0 00 Mitgliedern an. Diese zerteilen sich in 594 Kreditgenossenschaften, 68 An- und Verkaufsgenossenschaften, 16 Dresch-, 14 Winzer-, 3 Molkerei- und 3 sonstige Genossenschaften, Di« Spareinlagen, die bei den Kreditgenossenschaften am 1. Oktober 1923 nur 2500 Mark betrugen, stiegen am 1. Oktober 1924 auf 526 000 Mark. Bereits am 1. Oktober 1925 betrug die Sparsumm« 1,8 Millionen und erreichte am 1. Oktober 1926 die Summe von 3,1 Millionen Mark. Die Vorkriegssumme habe
allerdings über 17 Millionen Mark betragen. Die Filiale Frankfurt der Deutschen Raiffeisenbank erzielte nach den Aus ührungen des Redners einen 11 m f a 1) mit den Vereinen in Höhe von 15,5 Millionen Mark mit der Hauptgenossenschaft einen solchen von über 26 Millionen Mark, während der Gesamtumsatz fast 77 Millionen Mark betrug.
In seinen abschließenden genossenschaftlichen Betrachtungen und Bemerkungen dankte der Ver- bandsvorsihende Dr. (Kolben den Referenten für ihre wissenswerten Ausführungen und Anregungen, gab feiner Freude über die rege Anteilnahme der Genossenschaftler an dem Ver- bandstage Ausdruck und schloß mit der Erwartung, daß auch für die Zukunft die deutsche Landwirtschaft mit der gleichen Anhänglichkeit und Treue zum Verbände stehen werde.
Daiffeisen-Hauptgenossenschast e. G. m. b. H. lWarrnanstalt) zu Frankfurt a. M.
Die Genossenschaft hielt am Samstag ihre erste ordentliche Generalversammlung ab. Aus drm Geschäftsbericht war zu entnehmen, daß das erste Geschäftsjahr ein günstiges Ergebnis gebracht hat. Das Wiederaufleben der Wirtschaft hat auch seinen günstigen Einfluß auf die Landwirtschaft ausgeübt. Der Warenabsatz belief sich im ersten Geschäftsjahr, das nur sechs Monate umfaßt, auf 1 002 227 Zentner im Gesamtwerte von 6144914 Mark. Die Bilanz weist nach den erforderlichen Abschreibungen und Rückstellungen einen Reingewinn von 24140 Mark auf, woraus 6 Prozent Dividende auf das Geschäftsguthaben der Mitglieder ausgeschüttet werden. Ferner werden zur Bildung eines Reservefonds 10 000 Mark, sahungsmäßiger Zuschuß an den Raiffeisen-Verband Frankfurt a. M. 5000 Mark und zur Bildung des Detriebsrücklagefonds 5283 Mark Rest verwandt. Die Zahl der Mitglied-Genossenschaften betrug am Ende des Geschäftsjahres 456 mit 471 Anteilen ä 500 Mark und 5000 Mark Haftsumme.
Vüchertisch.
— Joseph Ponten: Die luganesifche Landschaft. Mit zwölf Bildern nach Aquarellen non Hermann Hesse und Julia Ponten. Deutsche Verlagsanstalt, Stuttgart, Leipzig und Berlin. — In dieser Beschreibung einer Sommerreise nach Lugano will Ponten mehr geben als nur Beschreibung, mehr als ein zufälliges Feuilleton. Er will die Landschaft in ihrem Wesen erfassen, sich Rechenschaft geben über die Gefühle, die eben diese Luganeser Landschaft erweckt. Der Mittelpunkt des Erlebnisses ist der See. Ausgehend vom allgemeinen, was der „See* in der Landschaft bedeutet — er ist das Absolute, er sammelt in sich alle Empfindungen, Sin- neswahrnehmungen und Gedanken — kommt Ponten zur Besonderheit des Luganer Sees und zur eingehenden Schilderung der ihn umgebenden Ufer. In vollendeter Schlichtheit, dem natürlichen Weg am Ufer entlang folgend, gibt er ein Bild der Orte, der Rebenhügel und Wälder. Die Landschaft entsteht vor uns in Form und Farbe. Die Aquarelle von Hermann Hesse und Julia' Ponten verstärken den Eindruck des Wortes. Das kompositionell gleicherweise ausgezeichnete Werk betont zum Schluß die Absicht des Verfassers, der Naturbeschreibung neue Bahnen zu weisen in geophysischer Erf. fsung der Landschaft. Er will den naturschwärmenden Laien helfen durch ein Bewußtwerden und Klären der unoestimmten Gefühle vor ihr zu tieferem Erlebnis. 459
— Karl Herrmann: Öffentliches Recht und Zuständigkeit, Grundsätzliches
de lege ferenda, Gießen 1927, Verlag Emil Roth. Der Verfasser zeigt in feiner kleinen 34 Seiten fassenden Drosckuire, wie durch das späte Heran- wachsen der Verwaltungsgerichtsbarkeit viele öffentlich rechtlichen Ansprüche heute statt vor den DerwlatungSgerichten aus Grund ausdrücklicher Kvmpetenzbestimmung vor den ordentlichen Gerichten geltend gemacht werden müfien. Aber auch wo keine ausdrückliche Kompetenz- Vorschrift bestehe habe die Rechtssprechung in falscher Ericnutnis Ansprüchen aus öffentlichen Rechtsverhältnissen den Rechtsweg vor den ordentlichen Gerichten zugewiesen. Der Der- fas'er polemisiert hier gegen die vielfach angegriffene Stellung des Reichsgerichts: aus einem öffentlichen Rechtsverhältnis könnten auch nur össeniiiche Rechten und Pflichten erwachsen, wenn auch die Rechtstitel oftmals analog lägen. In der Folge führt bann der Verfasser aus, daß für Fälle der Kollision zwischen öffentlichen und privaten Rechten, die er trotz seiner strikten Trennung zwischen privatem und öffentlichem Rechte für möglich hält, das öffentliche Recht vorgehe, und sieht dies als primär gegenüber dem vom öffentlichen Rechte abgeleiteten und begrenzten Privatrecht an. Das Schriftchen bietet manches Interessante, läßt aber auch manchen Zweifel unbeantwortet. (683)
— Bevölkerungsbewegung und Devölkerungsbilanz in d.en Gemeinden des Volksstaates Hessen 1910 bis 1 925. Darmstadt, Hess. Staats- Verlag. — Dem Gemeindeverzeichnis für den Volksstaat Hessen, das für jede Gemeind« die Zahl der Wohnhäuser, die Zahl der Haushaltungen, die Bevölkerung nach Geschlecht und Konfession, die Volkszählung von 1910 und 1925 enthält, hat die Zentralstelle für die Landesstatistik jetzt ein neues Heftchen in gleichem Format folgen lassen über die Bevölkerungsbewegung und Devölkerungsbilanz in den einzelnen Gemeinden von 1910 und 1925. Die Heber- sichten enthalten: 1. die Einwohnerzahl vom 16. Juni 1925, 2. die Zunahme seit dem 1. Dezember 1910, 3. den Heberschuß an Geburten bzw. Sterbefällen dieses Zeitraumes, 4. den Wanderungsgewinn bzw. Verlust, ferner für den Zeitraum vom 1. Januar 1911 bis 1. Juli 1925: 5. die Eheschließungen, 6. die Lebendgeborenen, 7. die Totgeborenen, 8. die Gestorbenen ohne die Totgeborenen. Die Angaben für die Eheschließungen, für die Geborenen und Gestorbenen sind in folgender Weise gegliedert: 1911—14, im wesentlichen die Zeit vor dem Krieg, 1915—18, im wesentlichen die vier Kriegsjahre, 1919—22, die vier Jahre nach dem Krieg, 1923 und 1924, die nächsten zwei Jahre, erstes Halbjahr 1925, die Zeit bis zur Volkszählung. Bei den Gestorbenen sind außerdem die Kriegsjahre für die Zivil- und M.litärpersonen unterschieden. Aus den Tabellen ist für jede Gemeinde der starte Geburtenrückgang und die erhöhte Sterblichkeit während des Krieges zu ersehen, ebenso die beträchtliche Zunahme der Eheschließungen nach dem Kriege. Preis des Heftchens einschl. Versandspesen 1.65 Mk. 518
— Selbstkostenberechnung durch d i e Kalkulationsbuchführung im Zusammenhänge mit der Hauptbuchführung. Für die Praxis bearbeitet von Willy Stöckel. Reinhold Wichert, Verlagsanstalt «Soll und Haben", Berlin SW. 61. — Die Broschüre setzt sich die Ausgabe, die praktische Durchführbarkeit der „Sewstkostenberechnung durch die Kalkulations- buchsührung im Zusammenhänge mit der Haupt- buchsührung" zu zeigen. Ein allgemeiner Teil gibt eine Einführung in den Aufbau der Kalkulationsbuchführung. Den wichtigen und interessan
ten Gebiete der Kostenverrechnur^ und -Verteilung sind mehrer« Abschnitte gewidmet. Für die Hebernahme der Ergebnisse der Kalkulationsbuch- führung in die Hauptbuchführung sind zahlreich« Gesichtspunkte zu beachten, auf die in einem weiteren Abschnitte besonders hingewiesen wird. Hm den Zusammenhang der Kalkulationsbuchführung mit der Hauplbuchführung leicht verständlich zu machen, bringt der zweite Teil Zahlenbeispiele, auf die ein Geschäftsgang auf gebaut ist. Die Vorteile der Verknüpfung der Kalkulationsbuchführung mit der Hauptbuchführung werden so verdeutlicht. Ein Schaubild gibt einen klaren Heberblick über die inneren Zusammenhänge der gesamten Konten. 653
— Wir haben unsere Leser schon auf den in Lieferungsform, erscheinenden Bericht »Rasmussens T h u l e f a b r t. Zwei Jahre im Schlitten durch unerforschtes Eskimoland" des dänischen Forschers Knud Rasmussen hingewiesen. Dieser Tage erscheint die Buchausgabe des vollständigen Werkes, das durch die Person des Autors, des heute besten Kenners aller Eskimo- völker. und durch die Besonderheit drs_ Gegenstandes, der noch nie mit solcher Vollständigkeit und Liebe behandelt wurde, geeignet ist, berechn ticftes Aufsehen zu erregen. Wir werden das bei der Frankfurter Sozietätsdruckerei erschienerte Werk seinerzeit noch einer eingehenden Kritik unterziehen.
Schöffengericht Gießen.
: Gießen, 22. Noo. In der Nacht vom 15. zum 16. (September 1926 war in einem hiesigen Konfektionsgeschäft eingebrochen und eine steche von Anzügen und Mänteln gestohlen worden. Im Oktober gelang es, einen der Diebe sestzunehmen. Er wurde zu 9 Monaten Gefängnis verurteilt.
Der schon zehnmal wegen Diebstahls vorbestrafte Knecht Johann Balzer aus Schönfelden batte am 11. Oktober 1926 zu Friedberg-Fauerbach em Fahrrad gestohlen. Wegen wiederholten Rückfalldiebstahls erhielt er 2 Jahre Zuchthaus.
Ein hiesiger Schausteller hatte bei einer auswärtigen Firma unter dem Namen seines Stiefbruders Waren bestellt, da er noch der fraglichen Firma Geld schuldete und deshalb nicht beliefert wurde. Wegen schwerer Urkundenfälschung wurde auf die Mindeststrafe von einer Woche Gefängnis erkannt.
Rundfunk-Programm
des frankfurter LenderS.
(Aus der ,Radio-Hmscbau".)
Mittwoch, 24. November.
3.30 bis 4 Hhr: Die Stunde der Jugend. 4.30 bis 5.45 Hhr: Konzert des HauSorchesterS: Arthur Sullivan: Granville Bantock. 5.45 bis 6.05 Hhr: Die Bücherstunde. 6.15 bis 6.45 Hhr: Die Schachstunde. 6.45 bis 7 Hhr: E.ne Viertelstunde Raturkund« lSenckenbergviertelstunde), unter Leitung von Professor Drevermann. 7 Hhr: Hebertragung aus dem Frankfurter OpernhaaS: „Der Golem". Oper von Eugen b Albert.
Sprechstunden der Redaktion.
12 bi» 1 Uhr mitlag», 5 bis 7 Uhr nachmittags. Samstag nachmittag geschlossen
Für unverlangt eingesandte Manuskripte ohne beigefügtes Rückporto wird keine Gewähr übernommen
Unreigenaufträge sind lediglich an öle Geschäfts stelle zu richten
„Seit ich den Tag mit Brotella als Frühstück beginne, bin ich ein besserer Mann; gesundheitlich, geistig, körperlich, in jeder Beziehung besser und leistungsfähige!
Brotella bat mich zu einem neuen Menschen gemacht*
Dr. pbit Wilb. Ungnade, Generaldirektor.
fluch Sie können ein „besserer" Mann werden, wenn Sie zu der Erkenntnis gelangen, daß zu einem gesunden Körper in erster Linie ein gesunder, reiner Darm gehört; daß die Forderung des Tages beißt: Darmkulturi Ein reiner Darm — ein gesunder Körper: Körperpflege ebne Darmpflege ist keine Körperpflege.
nad> Prof. Dr. Geweckt ♦
macht den Darm, macht den ganzen Körper gesund, weil es den Darm reinigt, kräftigt, glättet, schleimt und zur Selbstarbeit erzieht, weil es den ganzen Verdauungstraktus und damit den ganzen Menschen verjüngt. Brotella ist zugleich ein prächtiges, billiges, wohlschmeckendes Frühstück und Abendessen.
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