Var grotze Würfelspiel.
Martina wilemar.)
Roman von Franz Toner Kappus.
48. Fortsetzung. Nachdruck verboten.
„Einer von uns zweien muß ja weiter denken." Mit stillen, gebändigten Bewegungen fing sie zu essen an.
„Wie ein Jahr so lang war der Vormittag", sagte er nach einer Weile, schon wieder verloren. „Jmmor wenn ich aus dich warte, fürchte ich, daß du verschwindest. Irgendwie verschwindest, ich weiß ja nicht, in einer Versenkung oder sonstwie." Mühsam raffte er sich auf. „Was isfs also mit dem Wagen?"
Die Sabukowa legte Messer und Gabel hin.
„Wie stellst du dir alles weitere vor?" fragte sie lächelnd. Als Kreuch nicht antwortete, nickte sie leise. „Darum muß ich an die Zukunft denken. Immer wollen wir doch beisammen bleiben?"
„Immer," erwiderte Kreuth düster, „immer." Lauernd blickte er auf. „Wie das sein soll: ich habe keine Ahnung." Auf einmal riß er die Schultern herum. „Du bist reich — das ist das Unglück."
Die Augen der Sabukowa senkten sich.
„Ich bin nicht reich, mein Lieber."
„Und das Auto?"
„Wir wollen es kaufen, wenn es entspricht." Beide Hände hob die Sabukowa an den Hals. „Merkst du nicht, daß meine Perlen fort sind?" Ihre Zähne schimmerten. ,£fa, fort sind sie. Mit dem Erlös wird der Wagen gekauft. Der oder ein anderer. Zehntausend Mark sind angezahlt."
Kreuth krümmte den Rücken und streckte ihn wieder.
„Phantastisch", murmelte er.
„Ich liebe dich ja", sprach die Sabukowa bedächtig. „Und ich liebe dich, weil ich mich selbst liebe. Darum will ich nicht, daß du für fremde Leute arbeitest. Du sollst dein eigener Herr sein."
„Und dann?"
Langsam fiel der Kopf der Sabukowa in den Nacken. Leise zuckte ihr schönes Gesicht. „C'est la vie“, sagte sie nachdenklich. „Warum sollten wir nicht versuchen, brave und glückliche Bürger zu
werden?" Sie lächelte überlegen. „Die tollsten Kapriolen schlägt das Leben. Vielleicht ist so ein Dasein auch eine Extravaganz wie manches andere. Auf den Standpunkt kommt es an."
Immerfort starrte Kreuch an denselben Punkt. Fernes, orgelndes Singen erklang. Wie hinter schweren Portieren verschmolzen die Geräusche des Lokales zu festlichen Akkorden. Endlich schaute er auf.
„So weit hast du gedacht, Maria?"
Die Sabukowa triumphierte.
„Noch weiter." Sie griff nach ihrem Täschchen. „Mit dem Wagen allein ist es nicht getan. Auch eine Fahrtlizenz gehört dazu."
„Eine Fahrtlizenz," wiederholte Kreuch, „freilich: eine Fahrtlizenz." Bekümmert nickte er. „Man ist sehr "sparsam damit. Monate kann es dauern, bis eine neue Autodroschke losgelassen wirb."
Die Sabukowa blätterte in ihrem Notizblock.
„Das ist unser Mann." Sorgfältig riß sie ein Blatt aus dem Block. „Morgen fahren wir nach Pankow. Eine alte Pferdedroschke ist in Pankow zu verkaufen. Die erstehen wir, zusammen mit dem Gaul. Damit haben wir eine Fahrtlizenz in der Hand."
Tags daraus ging es mit dem leise surrenden Maybach in die Lindenstraße, hoch im Norden.
Der alte Knoll war nicht sentimental. Seit vielen Wochen stand seine hochb'etagte Schimmelstute lahm im Stall, faustgroße Löcher klafften in der abgeschabten Polsterung der Droschke, zum Aussterben war das Geschäft ohnedies verurteilt.
In wenigen Minuten wurde man Handelseins. Die Sabukowa bezahlte ein paar hundert Mark und nahm einen kleinen, schmierigen Zettel in Empfang. Pferd und Wagen erhielt der alte Knoll zum Geschenk.
Kaum ein Wort sprach Kreuth auf der Rückfahrt. Ihm war, als glitte er über spiegelblanke See. Alles lag in Sonnenschein und Frieden. Sichere Küsten winkten.
Auch die Sabukowa saß still.
Auf einmal drehte sie den Kopf zur Seite. Ihr Lachen gurrte. „Wann tanzen wir?"
„Tanzen, Maria?" Vergeblich wühlte Kreuth in den Schächten seiner Erinnerung.
„Heute noch müssen wir tanzen", sprach die Sabukowa bestimmt.
Kreuth ftaunte sie an. „Nie wieder will ich tanzen", sagte er leise. Aber schon in der nächsten Sekunde wußte er, daß er gelogen hatte.
„Nie wieder?" Ein zweitesmal fragte die Sabukowa: „Nie wieder?" Ihr Antlitz spannte sich hochmütig.
„Nur mit dir, Maria."
Schon lächelte die Sabukowa wieder.
„Es gibt keine außer mir."
„Bis in alle Ewigkeit tanze ich mit dir", versicherte Kreuth inbrünstig. Hoch gingen die Wogen auf einmal. Wilde Brandungen rauschten.
„Man wird dich kur; halten müssen, mein Lieber."
Kreuth haschte nach ihrer Hand.
Aber erst nach einer Minute reichte die Sabukowa ihm einen Finger.
XXXVI.
In Castellamare hallen Frau Julie und Lily die elektrische Bahn bestiegen. Mehr und mehr stockte das Gespräch zwischen ihnen. Lange schauten beide schweigend zu den Fenstern hinaus. Tiefblau leuchtete der Golf von Neapel. Winzige Dampfer und Fischerbarken schwammen in der Ferne .Bald waren nur noch die Rauchfänge und Zipfelchen der schimmernden Segel zu sehen. Irgendwo weit drüben mußte Posilipo liegen, wo man gestern am Grabe Virgils gestanden hatte. Scheinbar endlos breitete sich das Meer, weit und unermeßlich und irgendwie beruhigend. Das ganze Leben verlor seine Schwere. Klein und nichtig war alles.
„Was Bernhard Carsten wohl sagen wirb?" fragte Julie plötzlich. „Auf biefe Ueberraschung ist er bestimmt nicht vorbereitet."
Lily lächelte traumverloren.
Erst später wanbte sie ber Mutter den Blick zu. Minuten vergingen, bis sie wieberholte: „Bernhard Carsten." Es war, als riefe ber Name lebhafte Erinnerungen. Tastenb fragte sie bann: „Hast du-ihn sehr geliebt, Mama?"
Aus ihrem Platz wuchs Frau Julie in die Höhe.
„Was spricht du da? Was fällt dir denn ein, Lily?" Ihre Lippen verschoben sich hart.
Lily lüpfte die Schultern.
„Und wenn?" Unmerklich ruckte sie mit dem Leid. „Nicht einen Augenblick habe ich es dir übel genommen. Der Mensch ist, keine Rechenmaschine.
Nur die Gasser ringsum glauben immer, baß Un< geheuerliches geschieht. Dabei geht alles mit höchst natürlichen Dingen zu."
Noch eine Weile schüttelte Julie den Kopf. Dann sank sie in sich zusammen. Hilflos flocht sie die Finger ineinander.
„Ich hätte an euch denken sollen; an den Vater, an dich, an Martina."
Aber Lily wehrte ab.
„Die Familie ist fein Argument." Bekräftigend nickte sie den Worten nach. „Nichts ist ein Argument, wenn das Blut fein Recht fordert. Leben heißt erleben, Leben ist Bewegung." Sonderbar starr lächelte sie wieder. „Nur im Grab ist Ruhe. Früh genug kommt man ins Grab."
In Sonne gebadet lag Sorrent.
Nichk leicht war Carstens Haus zu finden. Auf dem Wege nach dem Capo di Sorrento träumte es einsam. Leuchtend grüßte das flachgegiebelte Dach aus den Palmen und Maulbeerbäumen des Gartens. \
Julie ging voraus.
Ein schwarzer Diener führte sie auf die Ter. raffe.
Im hellen Leinenanzug erhob sich Carsten von einem Tisch. Ueberall lagen Bücher uno aufge» schlagene Alben.
Lachend schwenkte Julie den Arm.
„Habe ich Wort gehalten, Bernhard Carsten?* Beide Hände streckte sie ihm entgegen.
Einen Herzschlag lang stand Carsten unschlüssig.
„Du hast Wort gehalten, Julie." Ties beugte er sich über ihre Rechte. Dunkelbraun war fein volles Gesicht, als er wieder aufrecht stand. „Es .st schön, daß du dich meiner erinnerst. Ich danke dir, Julie." Einen halben Schritt trat er zurück und musterte sie. „Prächtig siehst du aus: juntjr frisch, blühend." Fragend blickten seine 2lugen.
Aber Julie lachte nur.
„Und du, Bernhard Carsten? Was macht der Weltschmerz?" Nach allen Seiten drehte und wendete sie den schlanken Körper. „Gar nicht nach Welt« schmerz sieht es hier aus. Immer das Meer vor den Augen, der blaue Himmel über dir, ein Duft wie im Paradies — und die vielen Bücher — jetzt bist du doch zufrieden, Bernhard Carsten?"
Julie überlegte einen Moment.
(Fortsetzung folgt.)
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Tagesordnung:
1. Vorlage der Jahresrechnung für 1925 und Emlaftung des Vorstandes
2. Wahl der Revisoren f.d Rechnungsj.1926
3. Genehmigung d. Voranschlags für 1927 4. Erhöhung der Beiträge für orb. Mttgl 5. Beschlunfasfung über d.neuenLatzungen s Der Entwurf zu den Satzungen liegt im Lesezimmer vöm 25. d.M. ab in mehreren Exemvlaren zur Einsichtnahme aus 9588l) Der Vorstand.
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