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CMitinung gemildert oder ganz ausgeschie- o c n werden."

DieDeutsche Tageszeitung' knüpft m diese Aussiihrungen Dr. von Eampes an und lagt ihrerseits dazu:Entscheidend für unser Thema ist, daß diejenigen, die der Verfassung der Republik in erster Linie schufen, immer wieder beteuert haben, jetzt solle der von ihnen be­kämpfte Zustand des früheren Staates, das) ab­weichende Meinungen über die Staatsfornt ihre Träger zu (Staatsbürgern minderen Rechts mach­ten. in Deutschland aufhören; und daß dieser Standpunkt auch in der Verfassung zu grundsätz­lichem und deutlichstem Ausdruck gelangt ist. Es soll hier die Frage, ob diese Patentrepubli- t'aner schon damals unehrlich waren ober es heute erst find, nicht untersucht werden: fest steht jeden­falls. das) diejenigen Deutschen, die trotz mon­archischer Grundüberzeugung zu ehrlichem Dienst am Staat auf dem Boden der bestehenden Ver­fassung bereit sind, auch verfassungs­treu und jedenfalls in viel höherem Matze ver- fassimgstreu sind als die Terroristen^ S t r e- oer und Schnüffler, die allen Staatsbür­gern, die nicht den monarchischen Gedanken feier­lich abschwören, entgegen der Absicht und dem Sinn der republikanischen Verfassung die G l e ich- berechtigung im neuen Staat ver­sagen wollen. Diese Patentrepublikaner, die in ihren Motiven stark auseinandergehen mögen, in dem Willen zur Anduldsamkeit aber einig sind, verhindern nicht nur gewaltsam, dah das deutsche Volk zu einem Ausgleich der inneren Gegensätze, zu Ruhe und Frieden kommt; sie geben auch nicht nur der Abneigung gegen diese Republik immer neue Rahrung sie miß­achten und beugen auch ganz bewußt die von ihnen selbst maßgebend geschaffeneVerfassung. Sie finD also nicht verfassungstreu, sondern ver- tassungsseindlich. In dieser Richtung bedurften die Ausführungen des Herrn Dr. v. Campe einer Ergänzung; einer Ergänzung aber, die durchaus in der Linie ihrer eigenen Logik liegt. Natürlich richten sich diese Ausführungen, nicht gegen diejenigen, die sich auch innerlich auf die Republik einzustellen suchen, weil sie ihre unge­störte Erhaltung in absehbarer Zeit um des inneren Friedens willen für notwendig halten; auch nicht gegen die Republikaner aus innerer Ueberzeugung, die in ehrlichem Ringen der Geister den republikanischen Gedanken in Deutschland zu vertiefen und zu stärken suchen; ihnen verargt auch der Monarchist ihr Bestreben nicht, der seinerseits bereit ist. sia) in dieser deut­schen Rotzeit im Interesse friedlicher Zusammen­arbeit der verschiedenen Volkskreise in der Werbe­arbeit für den monarchischen Gedanken Schranken aufzuerlegen. Sie sollen nur di- leider immer zahlreicher werdenden Patentrepublikaner treffen, deren .Unduldsamkeit in immer stär­kerem Maße den inneren Frieden in Deutschland stört. D»nn diesen Patentrepu­blikanern geht es -- abgesehen von ideologischen Fanatikern letzten Endes gar nicht so sehr um den republikanischen Gedanken, den sie ja durch ihren unehrlichen und aufreizenden Terrorismus seiner schädigen; ihnen kommt es vielmehr vor allem darauf an. mittels der Repu­blik ihre parteipolitischen und oft genug auch persönlichen Geschäfte zu machen. Ihnen ist darum auch die republikanische Verfassung n u r Mittel zum Zweck, das sie zu handhaben suchen, wie es eben für ihre höchst persönlichen Zwecke am besten patzt."

In Berlin finden in einigen Abständen Be­leidigungsprozesse statt. Die der Reichsbank- präsi dent Dr. Schacht gegen Gegner der AufwertungSgesehgebung und Opfer der Inflation anstrengt, weil diese ihn in Versammlungen oder Presseartikeln als Schuldigen dieser Entwicklung hinstellen. ImTag" schreibt darüber Dr. G. Schulhe-Pfaelzer:

Ratürlich braucht sich kein rechtschaffener " Wann solche Verleumdungen gefallen zu lassen.

Und Herr Schacht, der Kluge. Korrekte, ist doch wahrhaftig über solche Vorwürfe erhaben. Er selbst hat erklärt, daß ihn diese Beleidigungen, l persönlich falt liehen, er müsse aber im Staats- . interesse diese peinliche Sache klarstellen.

F Daß dieser kühle Finanzmarm innerlich nur mit eisiger Ironie antwortet, wenn solche Spritzer » seine weiße Weste suchen, möchten wir gern glauben. Aber ebenso stark darf man bezweifeln, daß ein öffentliches Interesse diese häßlichen Prozesse erforderlich mache. Cui bono? Die Er­bitterung steigt, keine verlorene Inflationsmark wird dadurch zurückerobert. Ein armes Opfer kommt hinter Schloß und Riegel, weil zufällig ein Kriminalbeamter das eine böse Wort no­tierte.

Aber die Zahl derer, die ihren Zorn in unvorsichtiger Schrift und Ülebc zum Ausdruck brachten, ist Legion. In jedem Zeitungshaus, bei jedem Abgeordneten türmen sich seit Jahren die Briefe der Entrüstung. Im Petitionsausschuß des Reichstages, im Büro des Reichspräsidenten, allüberall wimmelt es von beleidigenden Schrei­ben. in denen die Verarmten Gott und die ganze Welt anftagen. Kämen alle diese hemmungslosen Kundgebungen vor den Kadi, so müßte die rächende Obrigkeit mindestens hmiderttausend Jahre Gefängnis verhängen. Cui bono? Macht man ein Unglück dadurch gut, daß man plan- . mäßig Reues schafft? Kann man auch nur einen der Betroffenen beschwichtigen, indem man Exem­pel statuiert? Vielleicht wird dieser ober jener eingeschüchtert nur noch heimlich mit den Zähnen fnitfdjen. Aber heilt man damit soziale Wunden? Allein die Salbe des verstehenden und ver­zeihenden Schweigens kann langsam Linderung schaffen. Mit platterAufklärung" ist ja auch nichts getan. Wenn sich Herr Schacht mit über­legener Miene und dem leichten Hohn des Bes­serwissenden hinstellt und die glatten, einwand- freien Tatsachen reden läßt, so bleibt das bei allen denen ohne Eindruck, die nicht mit dem Verstände, sondern mit dem enttäuschten Gefühl urteilen... Warum richten sich die Angriffe der Ergrimmten, Verzweifelnden gerade so häufig gegen Herrn Schacht? Warum nicht gegen den Reichssinanzminister? Schacht hat die Inflation ebensowenig gemacht wie die Rentenmark, die einst demokratische Wahlkämpfer für fein und ihr Konto in Anspruch nahmen. Unser Reichsbank­präsident liebt das schneidige Auftreten und hat 'ich mehr als einmal dazu verleiten lassen, den Svarern ohne Vermögen und Rente sowie den sonstigen Gläubigern a. D. ins Gesicht zu sprin­gen Selbstverständlich war er sachlich im Recht. Aper in gewissen Fragen kommt es nicht auf das AZas sondern auf das Wie an. ES war ein falscher Mut zur Unpopularität. Die Menschen, t men er ihre Dummheit beweisen wollte, hat er erst recht im Gehirn verwirrt. Seine Finger­

spitzen versagten. Sonst hätte er empfinden müssen, daß es weiser sei,'auf Beweise zu ver­zichten. die durch ihre messerscharfe Richtigkeit verletzen.

Der Selbstgerechttgleit deS einwandfreien Ge° ioaltigen im Reiche des Geldes setzten die Unter­liegenden die Bosheit kleinlichen Aeides ent­gegen. Sie meinten, Herr Schacht wäre doch ein chwerreicher Mann pnd hätte darum gut reden. Warum sollte ein König auf dem Felde der Finanzen nicht auch ein guter Sachwalter seines eigenen Besitzes sein! Wer sich auf die Erhal­tung und Mehrung des ©einigen nicht versteht, wird vielleicht auch dem öffentlichen Säckel nur chlechte Dienste leisten tonnen. (Ächerlich gehört persönlicher Reid, aus sachlicher Riederlage ge­boren. zu den gemeinen Betätigungen mensch­licher Seele. Aber es war ja nicht nöttg. die schlechte Gegenwirkung durch krasse Betonung überkorrekten Hand^ns herauszufordern...

Oberhessen.

Landkreis Gietzen.

XKlein-Linden,22. Nov. Ein gutes Stuck Kulturarbeit ist jetzt von unserer Gemeinde zu Ende geführt. Rachdem vor zwei Jahren mit ber Urbarmachung einer größeren Fläche Oedland links der Kreissttahe GießenWetzlar begonnen wurde, war diese im Laufe des gegenwärtigen Jahres in kleineren Parzellen einer Anzahl verheirateter Erwerbs­losen zur unentgeltlichen Benutzung überlassen worden. Runrnehr wurde die gesamte Fläche mit annähernd ICO jungen Ob st bäum en b e - pflanzt. Auch Privatbesitzer haben größere Parzellen mit jungen Bäumen bepflanzt, so daß große Obstplantagen entstanden sind, durch die die Wirtschaftlichkeit der Grundstticke bedeutend er­höht wird. In dein Schaufenster ber Fahrrad- Handlung W. Jung VI!I. ist gegenwärtig das Modell eines Denkmals für die Ge­fallenen unseres Ortes im Weltkrieg ausgestellt. Falls cs zur Annahme gelangt, wird unser alter Friedhof eine gründliche Umgestal­tung erfahren, da das Ehrenmal dort errichtet werden soll. Rachdem die Erträge früherer Sammlungen zur Aufbringung der Kosten für dieses Denkmal der Inflation zum Opfer ge­fallen find, soll jetzt durch neue Sammlungen von Haus zu Haus versucht werden, die erforder­liche Summe aufzubringen.

* Lollar. 22. Rov. Am Samstag abend sanden sich die Mitglieder der hiesigen Frei­willigen Feuerwehr zu einer Feier zusammen, die dem einjährigen Beste­hen der Feuerweh rkapelle gewidmet war. Die Stapelte hat unter der Leitung des Herrn Fritz Deines sehr erfreuliche Fort­schritte in der musilalischen Vervollkommnung gemacht und schon wiederholt sehr beifällig auf­genommene Proben ihres Könnens abgelegt. In mehreren Ansprachen wurden der Kapelle und den Mitgliedern der Wehr beachtenswerte Worte gesagt; die Feier umrahmte die Kapelle mit ihren vortrefflichen Darbietungen. Reicher Beifall wurde den wackeren Musikern zuteil.

: Beuern, 22. Nov. Am gestrigen Sonntag tagte in der alten Schule eine Versammlung, die von dem Wagenfchmied Karl Volk von hier wegen der Llutoverbindung Beuern Großen- B u s e ck einberusen war. Volk will das Unterneh­men, das schon Gegenstand vieler Verhandlungen war, als Unternehmer selbst in die Hand nehmen. Er wollte nun feststellen, wieviel hier wohnende Ar- beiter in Gießen tätig sind und das Auto benutzen wollen. Es unterschrieben 38 Mann, von denen etwa 30 wohl den ganzen Winter über in Gießen beschäftigt sind und für die Benutzung des Autos in Frage kamen. Volk beabsichtigt, Anfang nächster Woche einige Probefahrten zu machen mit einem 15- bis 20fitzigen Wagen amerikanifcken Systems, ähnlich dem, der auf der Strecke HolzheimGießen zur Zeit gefahren wird. Da dieser Wagen den gan­zen Verkehr auf einmal nicht bewältigen kann, wäre Volk gezwungen, zu den Arbeiterzügen morgens und abends zweimal zu fahren, was beit Nachteil hätte, daß ein Teil der Fahrgäste auf die zweite Fahrt warten müßte. Sollte den Fahrgästen diese Art der Beförderung nicht zusagen, so hat Volk für diesen Fall bereits einen Lastwagen von 3 Tonnen vorgesehen, ber umgearbeitet etwa 40 bis 50 Fahr­gäste fassen würbe. Dies wäre wohl die einfachste Lösung, jedoch wäre bei dem zweiten Wagen der Verbrauch an Betriebsstoff größer als bei dem ersten, leichteren Wagen. Man hofft nun, daß das Verkehrsmittel bald in Betrieb kommt.

p Gr ü n b c rg , 22. Rov. An dem Fußwege GrünbergFreiensen, Gemarkung Gisentnute, wo vor zwei Jahren der Wald abgeholzt und die Fläche zu Ackerland angelegt wurde, läßt gegen­wärtig die Grubenverwaftung Weickarts­hain nach Eisenstein schürfen. In meh­reren Versuchsschächten war das Ergebnis sehr gering, dagegen bei anderen, dem Wald nähev gelegenen recht gut. Hier hat man Lager von 7, 9 und 11 Meter Stärke angetroffen, und zwar von bester Qualität. Anscheinend erstreckt sich das Lager auch in den Wald hinein, wo später nach Einholung der Genehmigung weiter ge­schürft werden soll. Die Steine liegen so günstig, daß sie im Tagbau gefördert werden können. Wahrscheinlich wird der Abbau bald in An­griff genommen werden. Die Grube Weickarts­hain wird ihren Betrieb voraussichtlich im De­zember mit einer Belegschaft von 80 bis 90 Mann wieder aufnehmen. Die Grube Stockhausen befindet sich bereits wieder im Betrieb.

is. Steinbach, 22. Rov. Ein hiesiger Fahrradhändler wurde dieser Tage von einem Gauner geprellt. Der Schwindler gab an, bei der Ueberlandanlage des Elektrizitäts­werkes Gießen beschäftigt zu sein, und bat um ein Fahrrad, um in Lich rasch eine Besorgung erledigen zu können. Da gegenwärtig größere Reparaturen an der Leitung vorgenommen wer­den. schenkte der Händler den Angaben Glauben und überließ dem Fremden ein n e u e s D a m e n- Fahrrad. mit dem der Bursche auf Rimmer- Wiedersehen verschwand. Rachdem die Maul- und Klauenseuche hier erloschen und die Sperre zwei Tage ausgehoben war. ist sie jetzt erneut in einem Gehöfte ausgebrochen.

o Ober-Bessingen, 22. Nov. Bei ber jüngsten Treibjagd in unserer Gemarkung kamen 15 Hasen, 2 Rehe und 1 Fuchs zur Strecke, das ist kaum ein Drittel des Vorjahres.

Hungen. 22. Rov. Am Samstagnach­mittag besuchten die Lehrer des Bezirkes Hungen, sowie einige andere Interessierten unter Führung des Direktors Schiffmaun aus Hungen die Hünengräber bei den drei Teichen. Drei derselben wurden im Sommer unter Schiffmanns Leitung geöffnet. Zwei Gräber, die nach Vittingen zu liegen, waren Skelettgräber,

in denen die Toten auf Steine gebettet wurden. Sie wiesen keine weiteren Furche auf. Bei dem dritten, das in dem WalddistriktPfaffenwiese" liegt, handelt es sich um ein sog. Drandgrab. ES wurde ganz freigelegt und soll auch offen bleiben, do es die ganze Anlage eines solchen Grabes noch prachtvoll erhalten zeigt. An einem benachbarten Daum soll eine erläuternde Zeich­nung angebracht werden. Ein ringförmiger Stein- toall umgibt die ganze Anlage, *Dic tn der Witte durch einen anderen Steinwall getrennt ist, so daß die Vermutung naheliegt, c3 drehe sich um ein Doppelgrab In der einen Hälfte wurde, wie Direktor Schiffmann ausführte, die Derbren- nungsstätte mit hochaufgehäusler Asche und nähe dabei Scherben eines Topfes sowie zwei Arm- spangei: aus Dronzedraht mit ovalem Querschnitt gesunden. In der anderen Hälfte sand man nur einen Topf. Jedoch find noch weitere Funde möglich, unter den Wurzeln dreier Bäume, die noch nicht gefällt werden konnten. Durch Einsetzen von Steinen wurden die genaueren Fundstellen sofort bezeichnet. Rach genauer Untersuchung der Funde durch Prof. Helmke-Gießen handelt es sich um ein Grab aus der Hallstadt­zeit, es dürfte aus der Zeit um 750 v. Ehr. Ge­burt stammen. Reicher Dank wurde H-errv. Schiss- mann von den Zuhörern ausgesprochen und der Hoffnung Ausdruck verliehen, daß er, der ein genauer Kenner der geologischen Verhältnisse unserer Gegend ist, denrnächst auch einmal die Führung einer geologischen Wucherung über­nehmen möge.

Utphe, 22. Rov. Da nach Beendigung der Feldarbeiten für Den Bauersmann nun die müßigere Zeit des Jahres kommt, hat unsere Voltsbibliothek wieder regelmäßige Aus­leihtage eingerichtet, um dem verstärkten Lese­bedürfnis im Winter Rechnung zu tragen. Dank eines Zuschusses der Gemeinde- und der Kreis­kasse, sowie zahlreich eingezahlter Beitrage tonnte der B ü cherbestand um etwa 25 Bücher be­reichert werden. Dies war allerdings nur da­durch möglich, daß fast alle Bücher von ter Gesellschaft für Volksbildung in 'Ber­lin bezogen wurden, die den ihr als Mitglieder angehöreichen Büchereien Vorzugspreise gewährt. In keiner Gemeinde sollte mehr eine Bücherei fehlen, zumal gerade heute nur wenige in der Lage sind, sich selb-- Bücher zu beschaffen. Außer» dem ist eine gute Bücherei auch das wirksamste Gegenmittel gegen die um sich greifende Schund­literatur. Unsere Bücherei, deren Bändezahl sich nun auf über 600 beläuft, wird wieder sehr rege benutzt. Am Freitag wurde unter außer­ordentlich starker Beteiligung, auch von auswärts, unser langjähriger Flurschütz Eichenauer zu Grabe getragen. Der Verstorbene, der trotz seiner 73 Jahre sich noch bester Rüstigkeit erfreute, hat fein Amt über 11 Jahre bekleidet und genoß allseitige Achtung. Wie an seinem Grabe hervor- gchoben wurde, ist er einer von denen er war früher Bergmann -- die den ersten Schacht der Grube ..Friedrich" in Trais-Horloff an legten.

Kreis Bnvnigen.

Ridda. 22. Rov. Im Kafiiwsaaie hielt Samstagabend Dr. Gretschmann aus ©ieften einen interessanten Vortrag über Berg­fahrten in Höhen zwischen 3000 und 4000 Meter über dem Meere. Sehr gute Lichtbilder trugen wesentlich zum Verständnis der Aus­führungen bei. Dem Redner wurde von den zahlreichen Zuhörern reicher Beifall gespendet.

Kreis Scholten,

? Schotten. 22. Rov. Im Rathaussaal Hierselbst fand eine Bürgermeisterder- f a m m l u n g unter Leitung des Krelsdirektvrs Geh. Reg.-Rctt Bocckmann statt. Verschiedene Gerüchte über geplante Abbau Maßnah­men der Regierung beunruhigen dauernd die Bevölkerung des Vogelsberges. Die Versammlung nahm entschiedene Stellung gegen diese Vorhaben und brachte zum Ausdruck, daß man sich gegen einen etwaigen Abbau des Kreisamtes, des Dauamtes scharf zur Wehr sehen müsse. Reuerdings schwirren sogar Ge­rüchte umher, nach denen die Regierung die Auf­hebung aller Kreise plane und nur in jeder Pro­vinz ein Amt belassen wolle. All diese Pläne bringen natürlich die Bevölkerung in dauernde, ungeheure Erregung. Auch wurde scharf ver­urteilt. daß die Regierung dem Vogelsberg sein eigenes landwirtschaftliches Amt genommen und verlegt hat. Wenn man den Vogelsberg wirtschaftlich heben will, so kann man dies nur durch tatkräftige Förderung seiner Vieh- und Weidewirtschaft erreichen, und dazu ist ein eignes, selbständiges Amt mit einem tüch­tigen Spezialisten in Viehzuchtfragßn notwendig. Die Versammlung verlangte daher Beibehaltung bzw. Umwandlung der jetzigen Außenstelle in ein eignes selbständiges Spezialamt. Die Wünsche unö Forderungen der Bürgermeister wurden in einer Entschließung an die Regierung zusammengefaht. Besprochen wurde ferner die Abhaltung von Amtstagen in den drei übrigen Bezirken: Gedern, Laubach, Ulrichstein. Räher referiert wurde über die Einbringung der G em e i n de gefäl le, die bei der schlech­ten wirtschaftlichen Lage überall auf Schwierig­keiten stößt. Ebenso mürbe die Sicherstellung der Gcmeindeforderungen behandelt. In einem außer­ordentlich interessanten Vortrag sprach dann Oberforstmeister Dr. Baader über das neue Forstverwaltungsg.es etz. Auf die Wahl- sahrtswirkungen des Waldes, das staatliche Aus­sicht»- und Waldbewirtschaftungsrecht der Gc- meilidewälder, auf die Holzverwertung ging der Redner besonders ein. Eine Reihe anderer ^nlle, Anleiheablösungsgeseh. die neue Erwerbswsea- unterstützung u. a. m. wurden besprochen. Ein ein­faches @ffen in derKrone" schloß sich an. Rach- mittags wurden den Bürgermeistern unter Mit­wirkung der Schottener Freiwilligen Feuerwehr drei verschiedene Motorspritzen vor­geführt, die gut funktionierten und große Wasser­massen ausstrahlteir. Vom Kreis ist die An­schaffung einer oder mehrere» solcher Spritzen geplant.

ane Schotten. 22. Rov. Im Anschluß an Öen Bericht über die feierliche Grund st ei n - legung zum Dau derneuenTurnhalle ist noch mttzuleilen: Der Bau ist schon rüstig vorgeschritten. Die Halle wird lediglich für den reinen Turnbetrieb hergerichtet und mit allen zeitgemäßen Geräten versehen werden (schwedische Sprossenwände, Rundlauf u. dgl.). Der Fußboden wird nach Art einer Scheuertenne aus Lehm­boden mit Ochsenblut vermischt hergestellt, da­durch ist Staubfreiheit und Weichheit des Do- öens gesichert. Im neuen Dorderbau wird ein großer Singsaal für den Männergesangverein: 1 Ungerichtet, auch eine Wohnung für den Diener

vorgesehen, in den unteren Räumen befinden sich Brause- und Wannenbäder, Zentralheizung und die Wirtschaftsräume. Mit Der alten Festhalle zusammen wird die bebaute Fläche ca. 1200 Qua­dratmeter groß fein. Die Bauarbeiton werden sehr gefördert, der Rohbau soll baldmög- lichst fcrtiggeftdlt werden.

Laubach, 22. Nov. Bei der Treib j a g ö in den hiesigen Gemeindewaldungen (Päch­ter Fabrikant S ch u n k vom Windhof) wurden nur 11 Hasen (früher immer gegen 40 Stück) geschossen. 25 Jäger nahnicn teil!

S H1 f r>, 22. Rov. Am c-amstag fand zwi- scheu den beteiligten Gemeinden Hungen. Schotten. Ridda. Ulfa. Rodheim. Rabertshausen Langd eine neue Besprechung über einen zu gründen­den Zweckverband statt. Der die Führung einer Autolinie zwischen den genannten Gemeinden betreiben soll. Die ausgestellte Satzung wurde eingehend besprochen und soll den Gemcinderaten zur Genehmigung vorgelegk werden.

Kreis Alsscld.

M Alsfeld, 22. Rov. Die hiesige, unter Leitung von Studienrat G r a e b c r stehende sehr rührige Dürergesellschaft hatte Unioersi- tätsprofelfor Di. von Aster aus Gießen zu einemFaustvvrtrag" gewonnen. Der am Samstagabend im Physiksaale Der Ober-Real- schule stattfand. Der Vortragende gab in seinen tief durchdacht ei, geistvollen 1' .stündigen Aus­führungen ein Bild über die Welt- und Lebens­anschauung in Goethes Faust". Er verstand, tem aufmerksam lauschenden Zuhörertreis in antdpaa- licher, allgemein verständlicher Weise ein Bild zu geben über Goethes uncrgriinDüdie-^JBfcifter- werk, inöbefonberc über die Idee Faust". Die Zuhörer dankten mit recht lebhaftem Beifall.

er. Homberg a. d. O h m. 22. Nov. Seit einigen Tagen weilt hier eine Aurgradungs- kommission aus Belgien. bestehend aus drei Herren, die die wahrend des Krieges in Gefan­genschaft in Homberg oder Umgebung verstorbenen und hier beerdigten belgischen Staatsangehörigen ausgraben. Sie befördert deren Gebeine mittels 'Autos in ihre Heimat.

I Ruppertenrod, 22. Nov. Unsere Ge­meinde plant für kommendes Jahr den Bau einer Wasserleitung, «chon vor dem Krieae, als unsere Nachbargemeinde Ober-Ohmen ihre Wasserleitung baute, wurden auch hier viele otimniti, für einen gleichen Bau in unserem Orte laut. Man verhandelte damals mit Ober-Ohmen über die Abgabe von Wasser, das feine Quellen in reichlichem Maße liefern. Die Quellen sind so stark, daß in Ober-Ohmen selbst in dem sehr trockenen Jahre 1921 noch Wasserüberfluß l)errschte. Am Dorf- misgang läuft aus der Vber-Ohmer Leitung noch so viel Wasser fort, daß damit eine ganze Ge- mcinde gespeist werden könnte. Man konnte sich seinerzeit aber nicht über die Abfindungssumme an Ober-Ohmen einigen. Dieser Tage weilten nun einige Herren der Kulturinspektion Gießen in Ober- Ohmen, um mit der Gemeinde über dic Abtretung von Quellen zu verhandeln. Es wurde beschlossen, daß Ruppertenrod in der Gemarkung Ober-Ohmen nach Quellen bohren kann, doch muß dabei das Ge­lände einige hundert Meter im Umkreis um die Ober-Ohmer Quellen gemieden werden, lieber die Zahlung einer Entschädigung ist noch nichts Bc- stimmtes beschlossen. Doch wird das auch hauptsäch­lich Sache der Grundeigentümer sein. Für unsere Gemeinde bedeutet der Bau einer Wasserleitung in der jetzigen Zeit eine große finanzielle Leistung, har sie doch erst mit vieler Miihe und ansehnlichen Kosten ein stattliches Schulgebäude errichtet. Aber alle Ortsbürger werden dem Plane zustimmcn, denn das Wasserschleppen, besonders im Winter, ist eine Plage.

z. Elbenrod, 22. Nov. Zwischen der hiesigen Gemeinde und den beiden benachbarten preußischen Höfen Kraußenberg und A f t e r o d e besteht zur Zeit ein interessanter Rechts st reit. Beide Hofgüter gehören wohl schon feit Jahrhun­derten in bezug auf Kirche und Schule zu Elben­rod. Als der Vertrag damals abgeschlossen wurde, gehörte der Kraußenberg vier Besitzern und Aste- rode zwei. Es wurde bestimmt, daß beide Höfe von allen Kirchen- und S ch u l l a st c n ein Achtel zu trggen hatten. So ist es auch die Jahre her ge­halten worden. Inzwischen gingen auf dem Krau- fienberg zwei Güter ein, und das Land rourbe, ver­steigert. Die Zahl der Besitzer auf beiden Höfen verringerte sich demnach auf vier. Da diese in letzter Zeit in finanzieller Beziehung durch Reparaturen an der Kirche sehr stark herangezogen wurden, stell- len sie an die hiesige Gemeinde das Ansinnen, ihre Leistungen entsprechend der Verringerung der Be­sitzerzahl von einem Achtel auf ein Zwölftel hcrabzu- setzen. Die Gemeindevertretung lehnte dies, ebenso rote einen Vcrmittliingsoorschlag von einem Zehntel ab, indem sie sich auf das ftitherige Recht stützt. Infolgedessen haben Kraußenberg und Slfterodc die Absicht, sich in Kirche und Schule von Elbenrod zu trennen und sich an ihre politische Gemeinde, den preußischen Ort Hattendorf, anzuschließen. Schritte in dieser Beziehung sind schon getan. Für die Gemeinde Elbenrod würde dies beim Beharren auf dem bisherigen Standpunkte neben dein Auf­geben einer Jahrhunderte alten Gemeinschaft auch einen finanziellen Ausfall bedeuten, der sich im Lause der Zeit recht empfindlich bemerkbar machen dürfte. Im beiderseitigen Interesse ist auf eine Eini­gung zu hoffen. Ein magerer Vergleich ist immer noch besser als ein fetter Prozeß.

Starkenburg.

WER. Offenbach, 22. Rov. Der Sän­gerverein Offenbach kann Anfang Dezem­ber Die H u n D e r t j a h r f e i e r seines Bestehens begehen. AuS diesem Anlaß wird am 1. Dezember unter Mitwirkung erster Kräfte ein Festkon­zert im Frankfurter Saalbau ftattfinDcn. Am Samstag, 4. Dezember, wird im Offenbacher Stadtgarten eine akademische Feier ver­anstaltet werden. Außerdem ist eine große Jubi­läumsausstellung vorgesehen.

Preußen.

Kreis Wetzlar.

C Wetzlar, 22. Rov. Am nächsten Diens­tag findet eine StadtverorDnelensitzung statt. Deren wichtigster BeratungsgegcnstanD wohl die Erweiterung Des Krankenhauses ist. Bekanntlich ist Dieses erst seit etwa zwei Jahren in 'Benutzung genommen, nachdem Das frühere Lehrerseminaraebäude Durch einen ent­sprechenden Umbau hierzu eingerichtet worden war. Durch eine tüchtige Anstaltsleitung, die be­sonders in operativem Sinne Hervorragendes leistet, ist Der Zuspruch von Kranken DauernD im Wachsen begriffen, so Daß Die AnstaltSräume schon seit langem nicht mehr aus reichen.