.'und in Verbindung gebracht wird, hat in Paris zroße Beunruhigung hervorgerufen. Aach >em „Petit Parifien" beschäftigt lich die Regie- una mit Maßnahmen, die bei einem weiteren fallen der fremden Devisen zur Steuerung der >rohenden Arbeitslosigkeit in An- vendung kommen sollen. Das Gerücht über ein bevorstehendes Stabilifierungsdekret wird von der Regierung dementiert.
Neuorientierung in Belgien?
Was Frankreich von der belgisch-schwedischen Heirat fürchtet.
Don unserem 8.-Korrespondenten.
Paris, 22. Nov.
Der rechtsgerichtete „Avenir" kritisiert lebhaft, öaß der Quai d'Orsay es außer Acht gelassen habe, jie möglichen Folgen der Heirat des katholischen 'Kronprinzen Leopold von Belgien, des Alliierten Frankreichs, mit der lutherischen Prinzessin Astrid oon Schweden vorauszusehen, die kein Wort i r a n z ö s i s ch könne, und die einem deutschfreundlichen Hofe entstamme. „Paris-Midi" !enkt die Aufmerksamkeit darauf, daß der belgische Kronprinz nur ein Achtel französisches Blut gegenüber sieben Achtel deutschem in seinen Adern habe, und daß das skandinaviscbe Blut diese Mischung ivch weiter verwässern könne. Zweifelsohne werde man sich damit trösten, zu erklären, daß König Albert, der Sohn einer Prinzessin von Hohen- zollern, eine bayerische Prinzessin geheiratet habe, und daß weder er noch die Königin 1914 gezögert hätten, ihre Pflicht als belgische Patrioten zu erfüllen. Dieses Argument habe seinen Wert, aber man muffe feststellen, daß es nicht genüge, diejenigen vollkommen zu beruhigen, bte die Legende von der Geschichte zu unterscheiden wüßten, und die in außenpolitischer Hinsicht nichts dem Zufall üüer- kassen möchen. In Belgien sei man sicherlich erstaunt gewesen, von der Heirat des Kronprinzen zur gleichen Zeit wie von seiner Berlobung zu erfahren. Die Königin habe sich, wie man erzähle, selbst bemüht, die Angelegenheit aufzuklören mit dem Hinweis, es fei eben alles wie der Blitz gekommen. Etwas Beunruhigung fei aber doch im Geiste des royalistischen belgischen Volkes zurückgeblieben, und zwar um so mehr, als flämische Zeitungen sich nicht genierten, zu behaupten, daß die Heirat ihrer Politik zum Triumphe verhelfen wurde. So könne man in der Zeitung „De Schelde" lesen: Stehen wir am Vorabend einer nach Norden gerichteten Politik, einer neuen belgischen Politik? Wir werden das bald wissen, und zwar aus der Art und Weise, wie die Belgier gegenüber den Flamen vorgehen werden.
Chamberlain über den Völkerbund.
Für eine Zusammenarbeit der europäischen Großmächte.
London, 22. Nov. (WTD.) Der Staatssekretär des Aeußern Chamberlain naJjm im Parlamentsausschuß für den Völkerbund das Wort zu einem Rückblick auf die Sitzungen des Völkerbundes im März und September und erk ä te dann u a.: 3m Völkerbund sind alle Staaten gleich und die Zustimmung des geringsten ist ebenso notwend g, wie des größten, obgleich anerkannt toerben muß, daß einige Staaten durch ih-re Verpflichtungen mehr einsehen als andere und im Notfälle also größere Opfer bringen müßten. Dringend notwendig ist es, daß die vier großen europäischen Mächte im Völkerbund zusammenarbei- t en, bis der Völkerbund so stark ist, daß er seinen Willen oder fein Urteil jedem Staat auferlegen kann, der sich widerspenstig zeigen sollte. Nichts würde katastrophaler sein, als der Versuch, den Völkerbundsrat in zwei Lager zu spalten und nichts verhängnisvoller als der Gedanke, daß kleine Staaten selbst Nutzen daraus • ziehen könnten, wenn sie Differenzen unter den Großmächten herbeiführten. Chamberlain t warnte davor, daß Staaten nach Genf gehen mit der öffentlich verkündeten Verpflichtung zu einer * besonderen Politik, so daß sie daran ver- , hindert werden, ihre Zustimmung zu einer entgegengesetzten Ansicht zu geben, was häufig not- wendig sein werde, wenn eine Vereinbarung erzielt werden solle.
Eine deutsch-englische Industriellen - Konferenz.
London, 23. Nov. (WTD. Funkspruch.) Der politische Korrespondent der „Daily Mail" schreibt, i)ie vor Monaten begonnenen Vorbereitungen für eine erste Zusammenkunft zwischen den Verbänden der deutschen und der britischen Industrien sind jetzt beendet. Am Freitag und Samstag nächster Woche wird die Konferenz in London abgehalten werden. Der Verband britischer Industrien wird von seinen hervorragendsten Mitgliedern vertreten werden. Die Namen der deutschen Vertreter sind in London noch nicht bekannt. Zweck der Konferenz ist, einige der vorhandenen Schranken für den Handel zwischen den beiden Ländern zu beseitigen. Man hofft, daß die Konferenz einen Gewinn für weiter- reichende Schritte im Laufe der nächsten Jahre bilden wird. Die Desprechungen werden im wesentlichen einen praktischen geschäftl ichen Charakter haben und Fragen betreffen, die in den Bereich praktischer Wirtschaft der Gegenwart fallen. Der Verband britischer Industrien erwartet durch baldige, wenn auch kleine Erfolge den Weg für eine engere Zusammenarbeit im Handel zwischen den beiden Ländern zu bahnen. Irgendwelche Beschlüsse werden den beiden Körperschaften in ihrer Gesamtheit zur Betätigung unterbreitet werden.
Die Prüfung der Äriegss tiuldfrage.
Berlin, 23. Nov. (TU.) Im Reichstag ist zu der heute beginnenden auswärtigen Debatte ein Antrag sämtlicher bürgerlicher Parteien eingegangen, der die Reichs- regierung ersucht, in eine Prüfung der Frage einzutreten, wie die Satzungen des Bölter- b u n d e s und des ständigen internationalen Gerichtshofes Möglichkeiten bieten. eine Prüfung der Kriegsschuldfrage durch diesen Gerichtshof zu erreichen.
Das Berginverfahren.
Die Verwertung dec bisher als minderwertig geltenden Kohlensorten, wie Gasflammenkohle und Flammenkohle, die besonders in Staubsorm bisher so gut wie gar keinen Absatz sanden, ist den Kohlenforschern seit Beginn der wissenschaftlichen Erforschung der Auswertungsmöglichkeiten der Kohleprodukte ein schwer zu lösendes Problem gewesen. Es lag nahe, eine Lösung dadurch zu erreichen, daß man diese Kohlensorten durch besondere Verfahren veredelte und zur Grundlage einer neuen Iirdustrie machte. Dr. B e r g i u s ist nicht der erste, dem es gelang, aus derartigen Kohlen Oel zu gewinnen, aber sein Verfahren hat gegenüber anderen den großen Vorteil, daß es nicht eine reine Laboratoriumsarbeit darstellt, sondern daß seine praktische Auswertung sich absolut rentabel gestaltet. Auf der Kohlenkonferenz in Pitts- b u r g hat Dr. Dergius jetzt nähere Angaben gemacht über die Art und Weise seines Verfahrens und über die Gewinnung des Bergin, und damit die Aufmerksamkeit der interessierten Welt auf sich und seine Erfindung gelenkt.
Das Berginverfahren beruht in feinen Grundzügen auf der Erwägung, daß in der Kohle die Bestandteile des Rohöls schon Vorhalten sind. Durch einen Reinigungsprozeh gewinnt man aus Rohöl Gasolin, das bei uns in handelsüblicher Form Benzin genannt wird. Dieses Benzin ist ein Grenzkohlenwasserstoff. in dem das Verhältnis von Kohlenstoft zum Wasserstoff wie 1:8 ist. In der zur Verfügung stehenden Kohle ist dieses Verhältnis dagegen 1:16. Praktisch betrachtet, kommt es also darauf an, entweder der Kohle Wasserstoft zuzuleitenr oder ihr Wasserstoff zu entziehen. Dergius wählt im Gegensatz zu anderen Forschern den ersten Weg. Bei einer Temperatur von 450 Grad
Celsius und unter einem Druck von 150 Atmosphären leitet er der Kohle Wasserstoff zu. Das Ergebnis des Prozesses ist dann eint 40—70- prozentige Verwandlung der Kohle in Oele, je nach dec chemischen Zusammensetzung des verwandten Kohlenmaterials. Bei der Ruhrflammenkohle beträgt das genaue Verhältnis: aus 1000 Kilogramm Kohle wird gewonnen 150 Kilogramm Leichtöl, das die Eigenschaften des in der Natur gewonnenen Gasolin (Benzin) hat und den Namen „Dergin" führt, ferner 200 Kilogramm mittelschweren Oels, das z. B. im Dieselmotor noch Verwertung finden kann, 60 Kilogramm Schmieröl und 80 Kilogramm Brennöl. Etwa 20 Prozent der Kohle sind nach dem Prozeß unverändert. Außerdem wird als Neben- produtt noch 7 Kilogramm Ammoniak ge- wonnen. Wie gesagt, schwanken diese Zahlen etwa nach der chemischen Zusammensetzung der Kohle.
Aber aus dem angeführten Beispiel geht schon die hohe Wirtschaftlichkeit des Berginverfahrens hervor. Denn, nimmt man Len Wert einer Tonne Flammenkohle mit 15 Wk. an, so haken die gewonnenen Produkte einen Wert von 45 Mk. Eine wirtschaftliche Auswertung auf dieser 'Basis erscheint durchaus gewährleistet. Die I. G. Farbenindustrie baut deshalb z. Z. zwei Riesenwerke in Duisburg- Meiderich und bei Halle. Aber auch das Ausland hat für diese epochemachende Erfindung des deuffchen Forschers weitestgehendes Interesse, wie der Erfolg der Darlegungen von Dr. Tergius in Pittsburg und darüber hinaus die Lizenzerwerbung eines englifchen Kohlenkonsortiums für England beweisen. Jedenfalls dürfte der neuentstehenden Großindustrie das denkbar beste Prognostikon zu stellen fein.
Sozialdemokraten und Kabinett der Mitte.
Neue Gegensätze in der Innenpolitik.
(Eigene Information des „Gieß. Anz.")
Berlin, 23.Dov. Heute beginnt nun endlich im Reichstag die außenpolitische Debatte. Wie wir hören, soll Dr. Stresein a n n sie mit einer längeren Rede einleiten. Die daran anschließende Debatte verspricht recht lebhaft zu werden, da die Fraktionen beabsichtigen, ihre „Kanonen" vorzuschicken, deren Reden bekanntlich mehr als die der anderen Parlamentarier beachtet werden. Zur Sprache kommt der gesamte Komplex der außenpolitischen Fragen, in deren Mittelpunkt das Thoirhpro- jekt und die Militärkontrolle stehen.
Innerpolitisch taucht ein neuer Gegensatz zwischen Regierung und Sozialdemokraten am Horizont auf. Die A r b e i ts zei t f ra g e sdlte nach Den bisherigen Beschlüssen des Kabinetts nicht jetzt behandelt, sondern eine Entscheidung über sie er st in einigen Monaten getroffen werden In Kreisen der Sozialdemokraten wendet man sich ganz entschieden hiergegen Die Wirtschaft könne und dürfe nicht auf Kosten der Arbeiter, wie es die llnternsshmer wünschten, in Ruhe gelassen werden Das von den Gewerkschaften geforderte Dotgeseh zur Acbeitszeit- frage müsse sofort verabschiedet werden Mit dem „Laissez faire" der Regierung in der Durchführung des Notstandsprogrammes müsse es ein Ende nehmen. Die Deutsche Volks- Partei hat bisher schon die Erwerbslosengesetz- gebung recht unwillig mitgemacht. Von ihr ist deshalb stärk st er Widerstand gegen die von den Sozialdemokraten geforderte sofortige Regelung der Arbeitszeitfrage, d.e in dar Wiedereinführung des schematischen Achtstundentages gipfelt, zu erwarten.
Außerdem gibt es noch andere Dinge, so z.B das Külzsche Schmutz- und Schundgesetz, über die sich Dolkspartn und Sozialdemokraten nur schwer einigen können In parlamentarischen Kreisen sieht man diese Schwierigkeiten jetzt wieder klarer, und so ist denn auch das optimistische Gerede von der unmittelbar bevorstehenden Wiedererrichtung der großen Koalition im Reiche verstummt. Es mühte fast ein Wunder geschehen, wenn man doch noch in der nächsten Zeit eine Drücke zu ihr finden sollte.
Die offiziöse „DeutscheAllgem.Jeftung"
Stresemanns Erklärung im Auswärtigen Ausschutz.
Berlin, 22. Nov. (VDZ.) Der Auswärtige Ausschuß des Reichstags trat heute nachmittag zusammen. Auf der Tagesordnung stand die Entgegennahme eines Berichtes des Unterausschusses zur Frage der Militärkontrolle. Vor Eintritt in die Tagesordnung gab Reichsminister des Auswärtigen, Dr. St re se m a *n, folgende Erklärung ab:
,,3n einer Reihe von Zeitungen sind TNittet- lungen über Beziehungen der Reichsregierung zu der „Deutschen Allgemeinen Zeitung" verbreitet worden, die in ihren Einzelheiten nicht richtig sind. 3m Lin- vernehmen mit dem Herrn Reichskanzler stelle ich darüber das folgende fest: Don dem gesamten Verlagsunternehmen der „Deutschen Allgemeinen Zeitung", das seinerzeit von der preußischen Regierung im August 1925 erworben wurde, ist im April d.3. die Zeitung auf das Reich übergegangen, soweit die Minderheit der Anteile nicht im privaten Besitz sind Die durch diese Veränderung für das Reich entstehenden Ausgaben werden aus dem Dispositionsfonds des Herrn Reichskanzlers und des Herrn Reichs- auhenrninisters gedeckt, die etatrechtlich zur Verfügung des Herrn Reichskanzlers und des Herrn Reichsaußenministers stehen. Zwischen dem früheren und jetzigen Besitzer sind Verabredungen über die allgemeine Haltung des Blattes getroffen worden, die der allgemeinen Tendenz des Blattes entsprechen."
Hieraus trat der Ausschuß in die Beratung der Tagesordnung ein. Nachdem die Frage der Militärkontrolle in ausgedehnter Debatte behandelt worden war. beschloß der Ausschuß, die Beratung über den zweiten Punkt der Tagesordnung, den deutsch-niederländischen und den z deutsch-belgischen Schiedsgerichts-
und Dergleichsvertrag, einer hierfür besonders anzuberaumenden Sitzung vorzubehalten. Es folgt die Beratung des Gesetzentwurfs über den deutsch-polnischen Vertrag zur Regelung der Grenzoerhaltnisse und über das Abkommen be- treffend den gegenseitigen Eisenbahnverkehr zwischen Deutschland einerseits, Polen und der Freien Stadt Danzig andererseits. Beide Vorlagen wurden vom Auswärtigen Ausschuß angenommen.
Die Stellung der D« A. g.
Berlin, 23. Nov. (Wolff.) Die Mchrzahl der Blätter beschäftigt sich mit der Erklärung des Ministers beä Auswärtigen Dr. Stres ermann im Auswärtigen Ausschuß des Reichstages über den Ankauf der D. A. Z. durch das Reich. Die „Deutsche Tagesztg." sagt: Es muh äußerstes Befremden erregen, daß der Reichsaußenminister den Ankauf eines großen, bisher immer als unabhängig angesehenen Blattes, solange dec Oefsentlichkrit verschwiegen hat. In der „Germania" heißt es: Ein unmöglicher Zustand ist es, daß das dem Reiche gehörende Blatt aus Gründen reiner Parieipolitik die preußische Regierung und die hinter ihr stehenden Parteien dauernd attackiert. Aehnlich äußern sich „D e r l. Tageblatt" und „D oss. Zt g“. die eine Aussprache ffn Reichstage über die Angelegenheit fordern. Die „Deutsche Allgem. Zt g." selbst veröffentlicht eine Erklärung des Verlages und der Redaktion, in der es heißt: Von finanziellen Zusammenhängen zwischen Zeitung und amllichen Stellen oder von irgendwelchen Bindungen an solche Stellen war urrä bisher nichts bekannt. Niemals ist die freie Meinungsäußerung der Redaktion von irgendeiner Seite unterbunden oder beeinträchtigt worden. Der „Vorwärts", der ebenso wie die demokratischen Blätter verlangt, daß sich der Reichstag mit der Ange- legenhett beschäftigt, will erfahren haben, daß sich der Reichsverband der Deutschen Preffe ebenfalls mit der Angelegenheit, soweit fie die Re- daktton betrifft, befassen werde.
Der deutsche Wahlsieg in Oberschlesien.
Beuthen, 22. Nov. (WB.) Von den Ge- meindewahlen in Polnisch-Oberschlesien liegen nunmehr endgültige Wahlziffern aus den Wahlkreisen Kattowitz-Stadt, Königshütte- Stadt, Landkreis Kattowih und Kreis Schwien- tochlowitz vor. Die Zahl der gültiger. Stimmen betrug in diesen vier Kreisen 240 953. Davon entfielen auf die deutsche Wahlgernein- schäft und die deutschen Sozialisten 132 063, auf die rein polnis chen Parte ie n 89 551 und auf die gemischten Parteien 19 339, davon 4340 auf die Kustos-Gruppe, 6357 auf die Kommunisten und 8642 auf die national» gemischten Mittel- und Mirtschastsparteien. Dieses endgülfige amtliche polnische Wahlergebnis bestätigt den großen Sieg des Deutschtums im Industrierevier, wozu die vier genannten Kreise gehören. Bezeichnend ist auch, daß beispielsweise im Qanbtreiü Kattowih bei dem Plebiszit im Jahre 1921 66 191 polnische Stimmen und 52 892 deutsche abgegeben wurden, bei den jetzigen Gemeindewahlen dagegen 42 780 deuffche und nur 34 830 polnische.
Koalitionsverhandlungen in Vaden.
Karlsruhe, 22. Nov. (TU.) Die zwischen dem Zentrum, den Sozialdemokraten, Demokraten und der Deutschen Volks- Partei geführten Verhandlungen zur Bildung der neuen badischen Regierung, die sich morgen dem Landtage vorstellen solfte, sind gescheitert, nachdem die demokratische Landtagsfraktion heute beschlossen hat, an ihrem früheren Standpunkt festzuhalten, wonach die Demokraten nur dann in die Regierung eintreten würden, wenn sie einen Mintstersitz erhalten. Die Verhandlungen werden augenb.ick.ich zwischen den Fraktionen des Zentrums, der Soz.aldemvkraten und der Deutschen Vollspartei über^die Regierungsbildung weitergeführt.
Kunst und Wissenschaft.
Eine schwedische Sonnenfillstern'S Expedition.
Der Vorstand der schwedischen astronomischen Gesellschaft hat die Regierung gebeten, dem Reichstag vorzuschlagen, 5000 Kranen für eine Sonnenfinsternis-Expedition nach Norrland im Juni nächsten Jahres zu bewilligen. Die
in Frage stehende totale Sonnenfinsternis kann vorteilhaft nur von einer einige Meilen breiten Spanne Land, welche sich über das südliche Norwegen und durch Norrland erstreckt, gesehen werden. Die totale Sonnensinstemis, welche am 29. Juni eintritt, dauert etwa 41 Sekunden. Die Dauer der teilweisen Sonnenfinsternis beträgt ungefähr 2 Stunden. Verschiedene ausländische wiffenschaftliche Expeditionen werden Schweden besuchen, um wichtige Observationen verschiedener Art vorzunehmen, welche nur während einer totalen Sonnenfinsternis ausgeführt werden können.
Ein Darmstädter Ehrendoktor.
Der Senat der Technischen Hochschule in Darmstadt hat «den Direktor der Odenwälder Hartstein-Industtie A. G., A. Klefenz in Darmstadt, zum Dr.-Ing. ehrenhalber ernannt
Aus aller Welt
Schweres Unwetter in Obentotien.
Schwere Gewitter und heftige Regengüsse haben in Oberitalien bedeutenden Schaden angerichtet In Toskana wurden infolge des Hoch- ivassers verschiedener Dergbache mehrere Ortschaften überschwemmt. An der ligurischen Küste beschädigte ein heftiger Sturm zahlreiche Badeanstalten, Werften und Fabriken. Die Eisenbahn st recke zwischen Genua und Savona hat unter Erdrutschen schwer zu leiden. Ter Verkehr mußte unterbrochen werden: In Fi male und Borgo (Liguria) find infolge Hochwassers zahlreiche Einwohner"^-bch a ch l o s. Der Po, der seit einigen Tagen Hochwasser führt, riß in Mezziano bei Piacenza einen Deich ein. Die Bevölkerung hat die Häuser verlassen. Der Po hat nun seinen höchsten Wasserstand erreicht und ist im Abnehmen begriffen.
Kälte im Schwarzwald.
Im Schwarzwald ist ein plötzlicher Kälteeinbruch erfolgt. In den Berglagen herrscht anhaltender Schneefall. Auf dem Feldberg war die heutig« Tageätemperatur minus 2 Grad« Die Schneehöhe beträgt dort 7 Zentimeter.
(Ein dreister Betrug.
Bei der Reichsbahnhauptkasse in Dortmund erschien ein Mann, der Papiere vorlegte, auf Grund deren er eine Entschädigungssumme in Höhe von 48 000 Mark von ter Reichsbahn zu beanspruchen hätte. Nachdem das Geld ausgezahlt war. entdeckte man, daß die Papiere gefälscht waren. Der Polizei gelang es, den Schwindler zu verhaften, der über den Verbleib deS Geldes bisher jede Auskunft verweigerte.
(Ein hoffnungsvolles Früchtchen.
Das lleberfatttommanbo Karlshorst bei Berlin nahm in der Nacht zum Montag zwei Manner fest, die die Fasiade einer Villa emporgeklettert waren. Der eine war der 26 Jahre alte Heinrich Hoetzel, der andere nannte sich Walter Rohde und hatte auch Papiere auf diesen Namen bet sich. Die Kriminalpolizei entlarvte ihn jedoch als den 16 Jahre allen, vielfach vorbestraften Hubert Timm, dem nicht weniger als 15 Fassaden« klettereien und drei Wohnungseinbrüche zur Last fallen.
Gattenmord aus Eifersucht.
In Mülheim (Ruhr) ermordete nach ooraus- geganaenem Streit ein Rottenarbeiter feine Frau. Als Waffe diente ihm ein schweres Beil, mit dem er auf die im Bette liegende Frau einschlug. Den Beweggrund zu der Tat bildet Eifersucht des Mannes, der sich nach Verübung des Verbrechens selbst der Polizei stellte.
Das Schicksal
des Reisewagens des Präsidenten Krüger.
Bei der Ueberreichung des Ehrenbürgerbriefes der Stadt London an die Premierminister von Südafrika, Neuseeland und Neufundland teilte der Lordmayor dem Premierminister H e r tz o g mit daß die Stadt London der Regierung von «üd- afrika den Reisewagen des Präsidenten Krüger schenken wolle, der von Lord Kitchener nach London gebracht worden war.
Wettervoraussage.
Wenig Aenderung des wolkigen, verhältnismäßig milden und meist trockenen Wetters.
Gestrige Tagestemperaturen: Marimum: 9,1 Grad Celsius, Minimum: 4,4 Grad Celsius. Heutige Morgentemperatur: 6,1 Grad Celsius.
Aus der Provinzialhauptstadt.
Gießen, den 23. November 1926. |
Kreisausschuß Gießen.
Der Äreisausschuh des Kreises ® i e / ßen bat in seiner gestrigen Sitzung über folgende Gegenstände verhandelt:
Entschädigung für Viehverlust; hier: Entschädigung des Karl Weisel III. in M u s ch e n- beim. Dem Kläger war im März d. I. eine Kuh eingegangen. Da die Maul- und Klauenseuche als Todesursache nicht in Frage kam, wurde eine (Ent- schädigung nicht gewährt. Der Antragsteller gab sich mit diesem Bescheid nicht zufrieden und erhob Klage bei dem Kreisausschuh. In der gestrigen Verhandlung wurde festgestellt, daß die Kuh nicht an Maul- und Kauenseuche, sondern an Lungen- und Rippenfellentzündung eingegangen war. Die Klage wurde deshalb kostenpflichtig abgewiesen.
Gesuch des Wilhelm Heßler aus Gillingen um Erlaubnis zum Betrieb einer Kaffee wirtschaft mit Branntweinausschank. Der Gesuchsteller beantragte die Erlaubnis zur Errichtung eines Cafes mit Wein- und Likörausschank. Die Bedürfnisfrage war vom Gemeinderat bejaht worden. Da in Vlllingen bereits 9 Wirtschaften bestehen, trug das Kreisamt Bedenken, die nachgesuchte Genehmigung zu erteilen. Das Kreisamt ging dabei von der Erwägung aus, daß ein Bedürfnis, Branntwein auszuschenken, für Dillingen nicht bestehe. Bei erneuter Vorlage an den Gemeinderat bejahte dieser wiederholt die Bedürfnisfrage. Dem Antragsteller wurde im Beschluhoerfahren die Genehmigung zum Betrieb einer Kaffeewirtschast erteilt, dagegen wurde der Antrag auf Erlaubnis zum Ausschank alkoholischer Getränke abgelehnt, weil auch der Kreisausschuß der Ansicht war, daß ein Bedürfnis hierfür bei dem Bestehen von 9 Wirtschaften und 1047 Einwohnern nicht bestehe. Gesuchsteller sah sich veranlaßt, von dem Rechtsmittel der mündlichen Verhandlung vor dem Kreisausschuß Gebrauch zn


