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hessische Regierung dazu, der Aufstellung und Verabschiedung des Voranschlags für 1927 mit verminderter Sorge entgegen,tufcfcn.

In einem weiteren KapitelGegenwarts- fragen und Zukunjtssorgen" wird aud geführt, bah die Hilfe des Reiches nicht von der Der- Pflichtung enthebe, auch weiterhin die au her st e Sparsamkeit im Staatshaushalt walten zu lassen. Als Grgenwartsaufg. den wer­den u. a. Fluhregulierungen, Entwässerungen, Wohnungsbau, Steuererleichterungen für Win­zer, Sondergebäudesteuerermähigungen, Erhöhung des Wohnungsgeldes der Staatsbeamten ange­führt.

Hessischer Landtag.

Darmstadt, 22. Oft. 2ln erster Stelle der Tagesordnung steht der Entwurf eines Ge­setzes zur Abänderung des Gesetzes über Volksbegehren und Volks- a b st i m m u n g.

2lbg. Kaul lSoz.) erstattet Bericht über diesen Entwurf, der eine Reihe zumeist for­male Aenderungen trifft (amtliche Stimmzettel, gestempelte ähnfchläge usw.). Die Abstimmen­den tragen in die Stimmzettel das Wort 3a oder Rein ein, oder machen durch ein Kreuz oder auf andere Weise in dem Kreis kenntlich, ob sie mit 3a oder Rein stimmen, oder strei­chen eines der vorgedruckten Worte, 3a oder Rein Die Vorlage wird ohne Widerspruch in erster und sogleich auch in zweiter Lesung an­genommen.

Das Hails stimmt hierauf mehreren fleinerxm Regierungsvorlagen ohne Debatte zu. Ein An­trag des kommunistischen Abg. Angermeier rich­tet sich gegen die hohen Strompreise für elektrisches Licht und Kraft der Hessischen Eisenbayn A - G. Die Gesell­schaft beziehe hUt gen Ausgleichsstronr, könne den Strom weit billiger an die Verbraucher ab- aebeir, zahle aber den Direktoren auherordentlich hohe Geeilter. Der Ausschuhantrag, der diesen Antrag zur Berücksichtigung empfiehlt, wird an­genommen.

Ein Antrag Dr. Werner und Gen. wegen Förderung'landwirtschaftlicher Er­zeugung (Forderung des Roggenbaues) wird durch die Regierungsantwort für erledigt erklärt. Ein Antrag der Abg. Weckler. Blank, Heinstadt und Hattemer wegen Rückgabe von Sied­lung s g e l ä n d e an Landlieferer wird ange­nommen. Eine Anfrage des Abg. Dr. Werner über einen Erlah des Landesbildungsamtes über die Befreiung jüdischer Schüler vom Llnterricht an Samstagen wird nach kurzer Debatte erledigt.

Weiter liegen ein Antrag Fenchel und eine An­frage des Abg. Dr. Werner und Genossen vor über

die Neubesetzung einer landwirtschaftlichen Professur an der Universität Gießen.

Abg. Dr. Werner (Dn.) spricht über den in der Öeffentlichkeit schon vielfach behandelten Fall Pfaff und schließt daran eine Erklärung, dah nach der jetzigen Sachlage seine politischen Freunde von einer weiteren Erörterung des Falles a b s e h e n wollen.

Ministerialrat L ö h l e i n c erklärt: Wir können es der Zukunft überlassen, wie sich die Haltung dec Regierung rechtfertigt. Es handle sich nicht um einen Eingriff in die Universitätsrechte, sondern um eine Notlage: denn es mußte in wenigen Tagen eine Entscheidung gefällt werden. Der Redner schildert dann die ganze Angelegenheit in der Weise der vor einigen Wochen auch im Gießener Anzeiger ver­öffentlichten RegierungserUärung über die Schwie­rigkeiten der Berufung. Der Antrag des Aus­schusses, den Antrag Fenchel durch die Regierungs- autwort für erledigt zu erklären, wird angenommen. Die Anfrage Dr. Werner ist damit ebenfalls erledigt.

Eine Anfrage ter komm. Abgeordneten Frau Roth wegen Lieferung von schwerer Munition an eine Darmstädter Maschinen­fabrik wird von einem Regierungsvertreter dahin beantwortet, dah es sich gar nicht um Gra­naten, sondern um Attrappen handelte, bte keine Munition enthielten: es habe sich dabei um die Prüfung eines technischen Verfahrens ge­handelt.

Zu Arif ragen deS sozialistischen Abgeord­neten Storck und der kommunistischen Abgeord- neteir Frau Roth über einen Zusammen­stoß von Stahl Hel mleuten aus Darm­stadt und F.ankfurt mit dem Zug des Ar- beitersängerfestes in Gadernheim am 4. Juli 1926 gibt Abg. Frau Roth eine längere Schilderung der Vorgänge als Bericht- erstatterin. Sie bemerkt dazu, dah bis heute noch leine Antlage gegen die Stahlhelmleute er­hoben worden sei. Der Regierung wirft die Rednerin vor. dah sie die ^Bevölkerung nicht gegen die faschistischen Verbände schätze.

'Abg. Storck (Soz.) weist aus die faszistisckren Verbände auf der linken Seite hin, worauf ihm der kommunistische Abgeordnete Galm das Wort ..Verleumder zuruft. Dieser erhält dafür einen Ordnungsruf. Abg. Storck wendet sich gegen die Hebungen faszistisaier Rechsverbände und for­dert, daß die Regierung dagegen einschreitet; dann geht der Redner näher auf die bekannten Vorgänge in Gadernheim ein und übt namentlich an der Lei­tung der Schutzpolizei Kritik, die allerdings auf höhere Anweisung gehandelt, oder richtiger gesagt, nicht gehandelt habe. Die politische Polizei wäre in anderen Fällen stets gleich zur Stelle gewesen, in Gadernheim aber nicht. Minister von Brentano wäre jedoch einige Tage später an Ort und Stelle gewesen, um Erhebungen anzustellen. Die Ausfüh- rungen des Redners gipfelten in einer Anfrage an die Regierung, ob sie Die für die Sicherheit der Be­völkerung gefährlichen nationalistischen Verbände verbieten wolle.

Abg. Hauck (Rat.-Soz.) bemerkt, dah die Siahlhelmleute unabsichtlich nach Gadernheim ge­kommen roärcit, weil die Straße nach Lindenfels für die Automobile unpassierbar war.

Abg. Kindt (Dn.) wendet sich in scharfer Weise gegen eine Aeußerung des Abg. Galm, die alS eine Befriedigung über den Mord an der Zarenfamilte gedeutet werden konnte. Abg. Kindt wirst dem Abg. Galm vor, er habe den Mord verherrlicht, und zwar auch den Mord an einer hessischen Prinzessin. Wegen der von ihm gebrauchten Ausdrücke Rohheit und Terticrt- heit wird Abg. Kindt zur Ordnung gerufen.

OberrcgierungLrat Dr. S i e g e r t teilt mit, die hess.sche Regierung habe alles getan, was nach Lage der Sache von ihr verlangt werden konnte. Die Polizei habe ihre Schuldigkeit getan, sie habe die ckckntersuchung der Vorfälle rechtzeitig unternommen, und sie sei auch so schnell als möglich in Gadernheim zur Stelle gewesen. Die Angelegenheit wäre dann der Staatsanwalt-

B r u e e diese Woche vorgebracht werden. Unter den Dominions bestehe eine st a r I e Mei­nungsverschiedenheit in dieser Frage. Südafrika, der irische Freistaat und bis zu einem gewissen Grade auch C a n a d a drängten aus größere Befugnisse der Dominions, ihre eigenen Ange'.egenheiten zu führen. Australien, Reu-See - und R e u - F u n d- l a n d dagegen seien bestrebt, daß das Reich geschlossen zu den Fragen der auswärtigen Beziehungen Stellung nehmen soll. 3n der Frage des Locarnopaktes würden Austra­lien und andere Dominions bereit fein, ihn zu unterzeichnen: wenn aber andere Dominions be­schließen sollten, sich nicht daran zu beteiligen, so wollten auch sie sich sernhalten. Es besteht die Möglichkeit, dah aus der Reichskonferenz ver­einbart werden wird, die K a n d i d a t n r e i n e s Dominions für einen Sitz im Völker­bundsrat zu unterstützen.

Die Finanzlage Hessens.

<5ine Denkschrift

des Ainanzniiniftcrinrns.

Don unserer Darmstadter Redaktion.

Finanzminister Henrich veröffentlicht eine Denkschrift über die Finanzlage Hessens: er begründet diesen Schritt damit, dah der Abschluh der Rechnung für 1925 in der Hauptsache leststehe und die Steuermahnahmen des Landes in Verbindung mit dem bis jetzt be­kannten Ausschlag der Einkommenfteuer für 1925 ein getreues Bild der Wirtschaftslage unö ihrer Ursachen geben. Der Öeffentlichkeit soll damit die Möglichkeit gegeben werden, unbeeinflußt von parteipolitischen Verzerrungen, ein eigenes Urteil zu bilden. An die Spitze feiner Betrachtungen, zu denen wir uns eine eingehende kritische Stel­lungnahme Vorbehalten, stellt der Minister drei Tatsachen:

1. Bis zum Ende des 3ahres 1925 war die Finanzlage des Landes durchaus normal und gesund, sie konnte abgesehen von den be­sonderen Beschwernissen der Besetzung den Vergleich mit jedem deutschen Lande von ähn­licher Wirtschaftsstrultur aushalten.

2. Seit Beginn des 3ahres 1926 haben Ar- beitslosigkelt und Steuerausfälle einen Umfang angenommen, der in gleichem Maße in keinem anderen Lande zu beobachten ist und die es dem Laute immöglich machen, ohne ausgiebige Reicks- Hilfe eine geordnete Finanzwirtschaft aufrecht- zuerhaltcn.

3. Diese Hilfe ist von der Reichsregierung in Aussicht gestellt.

ES folgt nun eine Betrachtung über den Abschluh der Rechnung für 1925. M.m habe mit einem Fehlbetrag von 7,5 Millionen Mark für 1925 rechnen können: ein Abgeordneter habe diese Summe noch als viel zu niedrig bemessen bezeichnet.3n Wirtlichkeit", so heißt es dann in der Denkschrift,wird der Fehlbetrag ohne Berücksichtigung der auf 1 bis 2 Millionen zu beziffernden Einnahmerückstände etwa 1,5 Millionen Mark betragen, obwohl von Ende Dezember ab geradezu plötzlich eine Er­werbslosigkeit einsetzte, die das Land für das letzte Vierteljahr des Rechnungsjahres 1925 mit rund drei Millionen belastete, die nur zum kleineren Teil in den Krediten des Voran­schlags Deckung fanden, und obwohl eine im Voranschlag versehentlich nicht vorgesehene Mehr- ausqabe von drei Millionen bei den Pensionen zu verrechnen waren. D.e Ursachen für dieses günstige Ergebnis sind zum Teil in den Mehr- erträgnifien der Einkommensteu^er im ersten Halbjahr 1925, zu einem guten -teil aber auch in den im Laufe deS 3.ihres Durch- geführten Sparmaßnahmen zu suchen. Da aus 1923 und 1921 eine Reserve von 10,5 Mil­lionen vorhanden ist, so könnte hieraus nicht nur der verhältnismäßig Heilte Fehloelrag von 1925 sondern auch Der voranschlagsmäß:g auf 7.8 Millionen berechnete Fehlbetrag des Budgets 1926 restlos gedeckt werden." Die Denkschrift weist am Schluß des Abschnittes nochmals ans den katastrophalen Rückgang der Einkommen­steuer hin und aus die Erwerbslosigkeit in Hessen, die fast daS Doppelte des Reichs- durchschnittS betrage.

Es wird hierauf der Voranschlag von 1926 besprochen, der einen um 0,6 Millionen (9,1 gegen 8,5 Millionen) höheren Fehlbetrag aufwies und der den auf die Retchssteuergesetzgebung zurückführenden Ausfall an R e i d) & ft c u e r ü b e r m c t f u n gen durch die gleichfalls reichsgesetzlich angeordnete Erhöhung oer Sonder gebäude st euer auvzugleichen suchte. Der ursprüngliche Fehlbetrag des Voranschlags wäre durch die Beschlüsse des Landtags von 9.1 auf 7,8 Millionen berabgebrütft morden. Dieser Fehlbetrag hätte durch die noch vor­handenen Ueberschüsse früherer Jahre voll aeberft werden können und es würden sogar noch Mittel verbleiben, um Steuererleichterungen daraus zu decken. Weiter werden dann die Ausfälle durch die Erwerbslosenfürsorge, die Wirkungen der Besetzung, namentlich des Rhein- und Ruhrkampfes, der Rück­gang des Anteils des Landes an der Einkommen- unb Körperfchaftssteuer sowie der Ausfall der Ein­schätzung der hessischen Landwirtschaft zur Einkorn- menfteuer für 1925 besprochen.

Es wird schließlich bargclegt. daß der rech­nungsmäßige Fehlbetrag 1925 (etwa 1,5 Millio­nen) und der nach dem Abschluß des Voran­schlags für 1926 sich ergebende Fehlbetrag von rund 7,5 Millionen auS den vorhandenen Icke- berschüssen deS 3ahres 1923 voll gedeckt werden könnie, es bliebe noch ein kleiner Ueter- schuß für 1927. Für 1926 komme aber neu hinzu: für ErwerbZiosenfürsorge etwa 12 Mil­lionen, Ausfall an ReichSsteu^rüberweifungen bis zu sechs Mil bnen. Für dies Su i men s i Deckung im Lande auS lausenden Einnahmen nicht zu schaffen, auch nicht durch die allerschärfsten Spar­maßnahmen, hier könne nur daS Reich hel­fen und es sei dazu verpflichtet, wie der hessische Finanzmirnster es immer wieder und wieder betont und nachgewiesen habe und tote es der Reichsrat bereits im August 1925 durch einen einstimmig gefaßten Beschluß grundsätzlich an­erkannt hat. Die Reichsregierung und die hessische Regierung würden gemeinsam in einer Kommission die gesamte Finanzwirtsch h oes Landes einer Prüfung unterziehen. Die Reichsregierung fei bereit, bis zum Abschluß dieser Prüfung Vorschüsse bereit zu stellen Es bedürfe keiner besonderen Hervorhebung, daß diese Prüfung keinePreiSgabe derstaat- l ich e n Selbständigkeit deS Landes be­deute. Bride Teile, Reich»- und Landesregierung, bewahrten sich das Recht der freien Entschließung. Die Tatsache stehe fest, dah daS Reich feine grundsätzliche Dcreiterklärung zu ausreichender Hilfe ausgesprochen habe und das berechtige die

schäft übergeben worden und die politische Polizei habe bet der Untersuchung mitgewirkt. Die Er­mittlungen stände^ unm.ttelbar vor dem Abschluß.

Es werden dann noch einige kleinere Vorlagen erledigt. Rächste S.hung Mittwoch, 27. Oktober.

Kleine politische Nachrichten.

Der bisherige Pressechef der Reichs­regierung. Ministerialdirektor Dr. Kiep, wird voraussichtlich als Botschaftsrat nach London gehen. Zu seinem Rachfolger als Pressechef ist der bisherige D.rigent der Presseabteilung, Geheim­rat Zechlin, in Aussicht genommen.

X'

An Stelle des verstorbenen deutschnationolen Reichstaasabg. Grafen v. M e r f e l d t wird der Ge- werkschaftssekreiär Ewald Sauer aus Dillenburg in den Reichstag eintreten.

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Im Anschluß an eine kommunistische Protestver- ammlung gegen den Vergleich mit dem Hohen- zollernhause kam cs in Berlin in den späten Abend- tunten in der Potsdamer Straße zu ernsten Zu- ammenftößen zwischen Polizei und Roten Frontkämpfern. Ucbcr 50 Verhaf­tungen wurden von der Polizei vorgenommen.

In Hamburg wurde im Prozeß Warburg-Fritsch der deutschvölkische Agitator Fritsch zu vier Monaten Gefängnis wegen fortgesetz­ter übler Nachrede verurteilt. Die Beleidi­gung wird besonders in zwei Artikeln des ,Ham- mer erblickt. In denen es heißt, Warburg habe sich im Kriege ungewöhnlich bereichert. Auch wird Ihm der Vorwurf des Landesverrats gemacht.

Die Ehe des Prinzen Eitel Friedrich mit der Prinzessin Sophie Charlotte von Preußen, Herzogin von Oldenburg, ist geschieden worden. Als schuldiger Teil ist Prinz Eitel Friedrich erkannt.

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3m Freistaat Danzig hat die fast genau drei Wochen andauernde Regierungskrise ihr Ende gesunden. Die neuen Koalitionsparteien, Deutschnationale. Zentrum, Liberale und D-am- tenpartei haben sich auf eine Liste von 14 Sena­toren geeinigt, die am Mittwoch durch Wahl vom Dolkstag bestätigt werden soll.

Der Gouverneur der Bank von England, Montagu R o r m a n, wird in kurzem nach Berlin reisen. Toi der Berliner Besprechung werden die großen deutschen Goldgufkäuse in London eine wichtige Rollen spielen. *

3n Triest wird am Sonntag der neue italienische PanzerkreuzerTrieste" vom Stapel gelassen, der 10 000 Tonnen verdrängt und das erste seit dem Kriege in 3talien ge­baute Kriegsschiff ist.

3ri Schanghai sind 15 amerikanische Kriegsschiffe, darunter 12 Panzerkreuzer, eütgclaufen.

Kunst und Wissenschaft.

Marronis neue Erfindung.

Marconi teilte dem Direktor der Qltarconi- ftation in Rom mit. daß er mittels feiner Appa­rate in England mit feiner kanadischen Station durch sieben Sage mit der Geschwindigkeit von mindestens 100 Worten in der Minute gleich­zeitig empfangen und gesendet habe. 3n der Arbeitszeit von durchschnittlich 18 ©tunten sei eine Geschwindigkeit von durchschnittlich 250 Wor­ten in beiden Richtungen und in mehreren auf­einanderfolgenden Stunden erzielt worden. 3n den cn. 168 Stunden der offiziellen Probe sei die Lurchschnittsgcschwindigkeit 130 Worte in beiden Richtungen gewesen, wodurch sämtliche tele­graphischen Verkehrsmittel über­troffen worden feiern. Ter öffentliche Verkehrs­betrieb werde am Montag eröffnet werden.

haupkoerfammlnng der Deutschen Akademie in Köln.

3n Gürzenich fand die erste Hauptversamm­lung der deutschen Akademie in Köln in An­wesenheit des bayerischen Ministerpräsidenten Dr. Held, des KardiUal-Erzbischofs Dr. Schulte, sowie Zahlreicher prominenter Führer ter Wissenschaft und Wirtschaft statt. Der Präsi- tent der wissenschaftlichen Abtellung der deut­schen Akademie, Gebeimer Hofrat Dr. Hermann Oncken (München) sprach über die geistliche und stttliche Kultnrbedeutung des Auslanddeutsch­tums.

Dritte Berliner Wellanschauungswoche.

Dom 25. bis 29. Ottober findet in ter Berliner ckckniversität die Dritte Berliner Welt­anschauungswoche statt. Es sprechen: Prof. D. Lüttg e (Heidelberg) überModerne Skepsis". Dr. Wilhelm Stapel (Hamburg) überReue Volksbildung", Dr. med. Künkel (Berlin) über Moderne Psychosen", Professor D. Dr. Cor­dier (Gießen) überReue 3ugcnb unö Lic. Dr. Schreiner (Berlin) über »Die religiöse Ent­scheidung".

Aus aller Welt.

Eine Aufostrahe KölnDüsseldorf.

Die Düsseldorfer Industrie- und Handels­kammer sprach sich für den Plan einer links­rheinischen Kraftwagenstraße vonKöln nach Düsseldorf aus, die bem ungeheuer ge­stiegenen Kraftwagenrerkehr gerecht werden soll. Die Straße soll vierspurig und 16 Meter breit erbaut werden. Die Kosten werden auf 17 Millionen Mark geschätzt und sollen aus Dar­lehen und Anleihen, sowie auS den zu erwarten­den Mitteln der produktiven Erwerbslosenfür­sorge aufgebracht und durch Abgaben für die Straßenbenutzung amortisiert werden.

3n die Fremdenlegion verschleppt.

Beim Finanzamt Hamborn ging von dem Steuorassistenten Weiß, ter seit einiger Zeit spur- los verschwunden ist, die Miteilung em, daß er in die französische Fremdenlegion oerfchleppt worden fei und sich bereits in Marokko befinde. Er hat in Gemeinschaft mit seiner Frau feinen Urlaub im Elsaß verbracht und ist von dort nicht mehr zurückgekehrt. Seine Frau hatte ihn zum letzten Male gesehen, als er sich anschickte, eine Bergbestei­gung zu unternehmen.

Meuterei auf einem deutschen Dampfer.

Der deutsche DampferOlga Siemens" (3347 Tonnen) legte bei Basra an und hißte die Poli­zeiflagge. Ein Offizier, der sich an Land begab, teilte mit, daß Mitglieder der Mannschaft am Don­

nerstagabend versucht hätten, den Kapitän zu ermorden und den Versuch am Freitag wieder­holt hätten. Die Jrakpolizei ging an Bord und ver­haftete zwei Männer.

Erdbeben an der kalifornischen Küste.

Drei heftige Erdstöße festen Donnerstag die Bewohner der kalifornischen Küste in Schrecken. Das Zentrum des Erdbebens befindet sich zwi­schen San Francisco und Monterey. 3n San Francisco zerbrach eine große Anzahl Fenster­scheiben. Die Bevölkerung verlieh panikarttg die Häuser, um die Parks aufzusuchen. Die hohen Gebäude bewegten sich hin und her, außerdem werten Erdstöße in Oakland und auS San 3of6 gemeldet, ckcknglücksfälle sind nirgends zu ver­zeichnen.

Wettervorc:"5s?.^7.

Winde aus nördlicher bis östlicher Richtung, wechselnde, zeitweise abnehmende Bewölkung, stellenweise Riederschlagsschauer, Rachttempera- turen wieder niedriger.

Gestrige Tagestemperaturen: Maximum: 3L Grad Celsius, Minimum: 2,1 Grad Celsius. Heu­tige Morgentemperatur: 2.9 Grad Celsius.

Aus der Provinzialhauptstadt.

Gießen, den 23. Oktober 1926.

Dom Schwätzen.

(Aachdruck verboten.)

Horaz hat eine seiner schönfkewOben mit den Worten begonnen: Odi profanum vulgus et arcea, Favete linguis ... Zu deutsch: 3ch hasse daSge* meine" Volk und halte es von mir ferne.

Schwelget stille...

Der Dichter dachte gewiß nicht daran, etwa d i e kränken zu wollen, die im Reineren Stands geboren sind und im Schweiße des Angesichts mit ihrer Hände Arbeit ihr Brot verdienen. Der Künder der Gemütswerte, der Dichter, wendet sich mit den zwei Worten: Favete Unguis Schweiget stille, hütet nur für einen Augen­blick Eure Zunge!, an alle 3ene, die ihn durch Schwätzen im hohen Fluge und in der Tiefe seiner Gedanken st ö r en wollen.

Er kennt sie und meint sie gewiß, die Schwäher!

Wo sind sie nicht zu finden. 3n allen Kreisen stecken sie. Keine Menschenschicht ist bavon aus­genommen. 3ch kann nicht sagen, daß die Frauen mehr schwätzten, wie viele wissen wollen, als die Männer. 3ft aber schon der beständig daraufloS redende, wih- und pointenlo-se Mrn'ch denen, die ihn anhören müssen, kaum erträglich, um wieviel mehr ist es noch 3en er, der mit seinen Wort- redereien auch noch eine üble Absicht verbindet. Während 3en er sich seiner sagen wir Lang- Welligkeit kaum ober sogar fast me bewußt ist. da ihm dasErkenne dich selbst" etne voll­kommen fremde Fähigkeit ist, weiß der letztere genau die Wirkung seiner Worte abzuschähen. 11 nb auf diese Wirkung fonurtt es ihm gerate an! Das sind dieOhrenbläser", die in jedem Volke, in jeder Gemeinschaft Vorkommen, in hohen und niederen Ständen, unter den Männern und unter den Frauen, bei alt und jung. Her sitzen sie bei Bier ober Wein, dort hinter ter Kaffeetasse ober ber SelterSwasserflasche, ja ich weih, dah selbst im Gotteshause, als der Diener des Wortes zu den Gläubigen sprach, die Flüsterstimme des Ver- leumders im Hlntergrunte ihr bedauernswertes Opfer suchte und fand. Wie schon Gott in den zehn Geboten das unnütze Anrufen seines Ramens im Schwatzen verbietet, so verbietet dieses Grundgesetz aller Gesetze es ist j»a eigenillch etwas Selbstverständlickes mit den Worten: .Du sollst kein falsch' Zeugnis reden", auch bas Verunglimpfen, das Verleumten, kurz das ..Vir- schwatzen" ber Menschen untereinander. Richt nur vor Gericht unter dem Eiteszwang, in ter Schule, in ter Volksversarnrnlrmg, nein auch auf der Straße, imFreunbes"kreise, und in der Familie!

3ch hörte vor kurzem einen Sohn, einen an­gesehenen Arzt, seine betagte Mutter rühmen: Die habe sechs Kinder, von denen fünf ver­heiratet in derselben Stadt wohnten. All­wöchentlich gebe die Mutter reihum: in jeder Familie erscheine sie gewiß einmal in ber Woche auf eine Stunbe zu Besuch. Alle Kinder seien zu jeder Zeit einig, geschwisterlich einig. Warum? Weil die Mutter niemals im einen Hause erzähle, was sie im anderen gesehen oder gehört habe. IInb wenn b:e Mutter zu ihm. dem Arzt, in seine Stadt zu Besuch komme, erzähle sie. wie lieb und gut die Kinder vi-tennbet seien vnb von den Erfolgen ober Misterfolgen d^ Enkel schweige sie in feiner Weife ganz, ckcknb doch trage seine Rüge, gütige Mutter stets die Sorgen aller auf dem Herzen. 3ch weih, dah das wahr ist. was mir ter Arzt erzählte, denn ick kenne ihn und seine niemals schwätzende Mutter. Diese Frau ist keine Zwischmtträgerin: sie bringt keine21 eulgleiten" von einem ins andere Haus, sie fragt auch nicht nach solchen. Was wichtig und hörenswert ist. to:rb ihr schon von sewst gesagt. ..Sie richtet nur freundliche Gruße aus" - von Haus zu Haus. And das wird ihr gedankt. Dann geht sie wieder.

Wie anders ist es mit den Topfguckern und Topfguckerinnen. deren Rase stets riechen will, was in RackbarS Küche gekocht wird. ^Habt ihrs schon gehört",wißt ihrs schon?" Mit solchen Fragen geben sie dann auf die Gasse und schwätzen: Die restlos und unverbesserlich Un­wahren. die der Eirrsichtige sofort erkennt, und die bei weitem Schlimmeren: die H a l b w a h r e nl So. wie der ..Halbnarr", ber noch nicht reif ist für bic Verwahrung, vielfach schlimmer ist als ter arme ersichtlich Geistesgestörte, den man in einer Anstalt unterbringen wirb, um so viel schlimmer für seine Mitmenschen ist ter H aIbwahre. Sein Lügenneh zu finben und zu entwirren ist oft sv schwer unb gelingt auch manchmal nie! M t raih- nierter Bosheit gehen Fe zu Werk:, die Brand­stifter an der öffentlichen Wahrheit ui großen Dingen, d'e Schwäher in kleinen. Wo man sie fassen möchte, im Parlament ober tm ®c- richtssaale: sei es wo es fei. entwinden sie st­öber suchrn sie sich zu entwinden: mit schlanneu­artiger Gewandtheit. Die schillernden - Men­schen mit den gespaltenen Z mgrn! Gegen sie Hilst nur die Wahrheit, deren Sch lte überall stehm unb mit denen ein jeder sich wapvnen foTL Richt daß 3cter Jedermann b:eWahrheit Tagte. Das gäbe Mord imb Totschlaci. M't Güte komme einer zum andern imd mit offener, ehrlicher Sprache Ein jeder aber hüte l seine Zunge vormSchwätzen". ®.

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