unfr aus einer Art Zusammengehörigkeitsgefühl nicht ungern abgibt.
Kleber den zweiten LIebungstag der Manöver lag natürlich eine besondere Weihe, die ausging ven dem greisen Feldmarschall. Die Soldaten, die in seine ernsten Augen blicken durften und die seine Augen auch aus der Ferne über ihrer Tätigkeit wußten, waren ganz in dem Dann seiner mächtigen Persönlichkeit. Änd wohin er kam. ist F e st t a g. Ein einziger Fcchnenwald sind die Dörfer an der Autostraße zwischen Großrinderfeld und Mergentheim: überall tönt ihm
Hurraruf entgegen, die Häupter, auch der Ael- testen, entblößen sich, Mergentheim selbst kann die vielen Tausende kaum fassen, die sich bei dem herrlichen Wetter zu dem Empfang des Reichspräsidenten eingefunden haben. Das Städtchen hat wohl selten so viel Leben in seinen altertümlichen (Straßen gesehen.
Nirgends ein Wort der Klage über die Einquartierung, überall Freude, wo Soldaten sind, Freude auch darüber, daß die Reichswehr durch ihre Manöver den hohen seltenen Gast einmal wieder nach Süddeutschland gebracht hat.
Oberhessischer Handwerkertag.
Am vorigen Sonntag fand, wie wir schon kurz berichleten, auf der Liebigshöhe in Gießen ein oberhessischer Handwerker tag statt, mit dem eine Iungmeister-Feier aus Anlaß der Lieberreichung der Meisterbriefe an die erfolgreichen Prüflinge bei der letzten Meisterprüfung verbunden war. Die Veranstaltung war außerordentlich stark besucht: der große ©aal der Liebigshöhe vermochte die Füllo der Besucher kaum zu fassen. Lind ein vorbildlicher, erhebender Geist war es. der in diesen Reihen herrschte.
Zunächst fand zu Ehren der Iungmeisterin- nen und Iungmeister eine
akademische Feier
statt. Sie wurde von dem Gesangverein „Heiterkeit" unter der Leitung des Herrn Koch mit dem prächtigen Gesang „Das ist der Tag des Herrn" eröffnet.
Anschließend hieß der Vorsitzende der Meisterprüfungskommission, Gewerbeschulrat Dr. Dünnings (Gießen), die Ehrengäste und die Festversammlung willkommen. Nach einem besonderen Gruß an die Iungmeisterinnen und 3ung- meister gab der Redner das Ergebnis der Meisterprüfung bekannt. Don 238 Gemeldeten haben 222 die Prüfung bestanden: davon sind 19 Bäcker, 12 Metzger, 6 Schriftsetzer, 2 Buchdrucker, 4 Dachdecker, 3 Friseure, 2 Konditoren, 2 Küfer, 12 Maurer, 3 Sattler, 6 Maschinenschlosser, 12 Bauschlosser. 2 Maschinenschlosser- Dreher, 21 Schmiede, 3 Schneider, 18 Schuhmacher, 2 Wagner, 2 Spengler. 6 Installateure und Spengler, 23 Schreiner. 26 Maler und Weißbinder, 2 Maler und Lackierer, 10 Elektro- Installateure, 4 Schornsteinfeger, 12 Schneiderinnen, je 1 Buchbinder, Glaser, Mechaniker. Polsterer. Lackierer, Elektro-Mechaniker, Modistin, Stickerin, Weihzeugnäherin, Auto-Mechaniker. Mit Dankesworten an die Meisterprüfungskommission, die Prüfungsmeister und den Schriftführer Oberreallehrer H a g e n m ü l l e r, sowie mit herzlichen Glückwünschen an die Iungmeiste- rinnen und Iungmeister für Beruf und Familie schloß der Redner seine Mitteilungen.
Im Ramen der Provinzialdirektion und des Kreisamtes Gießen sprach Regierungsrat Dr. Krüger dem oberhessischen Handwerk und den Iungmeisterinnen und Iungmeistern Glückwünsche zu dieser Feier aus. Er betonte den Wert guter Meisterarbeit gegenüber der Durchschnitts- und Massenware, und forderte die jungen Meister auf, stets nach Spitzenleistungen in ihren Betrieben zu streben, andauernd weiter von den älteren Meistern zu lernen, damit der höchste Grad beruflicher Vollkommenheit erreicht wird.
Für die Stadtverwaltung Gießen war Beigeordneter Dr. Fr eh erschienen, der den Will- rommengruh und Glückwunsch der Stadt zum Ausdruck brachte. Der Redner wies auf die 'große und führende Rolle hin, die das Hand- ioerk allezeit in den Stadtverwaltungen gespielt hat und die es sich schwer errungen hat. Er be- - dauerte, daß heute vielfach eine starke Verärgerung unter dem Handwerk gegenüber der - Verwaltung Platz gegriffen habe, woran aber die unglückliche Gesetzgebung und Steuerpolitik des Reiches und der Länder schuld fei. Bürgermeister und Handwerk gehörten zusammen, heute wie früher, und deshalb bat er das Handwerk, mit der Verwaltung der Städte zusammenzuarbeiten zum Wohle der Stadt gegen die verkehrte Gesetzgebung und Steuerpolitik von oben, gegen Sic Paragraphenreiterei und Vielregiererei, zur Stärkung der kommunalen Selbstverwaltung und zur Weckung der Selbstverantwortung des Ein- zelnen. Wenn das Handwerk zum Bürgermeister
stehe, dann werde dieser auch zum Handwerk halten.
Bauunternehmer Becker (Gießen) übermittelte die Grüße und Glückwünsche der Handwerkskammer, und bat die jungen Meister, stets fest zusammen zu stehen und sich an die Innungen anzuschliehen.
Ehrenobermeister Schmuck (Worms) forderte das Handwerk, insbesondere aber die jungen Meister auf, stets mit der "Zeit fortzuschreiten, sich zeitgemäß einzurichten, Qualitäts- und Persönlichkeitsarbeit zu leisten, die immer hohen Wert besitzen werde. Weiter ermahnte er zum festen Zusammenschluß, zur kräftigen Llnterstühung der Führer: es könnten nicht alle Führer, wohl aber alle Mitarbeiter fein. Wenn Standesehre und Kollegialität überall hohe Geltung hätten, dann werde ein Hauptteil der Handwerkerfrage gelöst fein.
Ramens des Gießener Ortsgewerbevereins sprach dessen Vorsitzender Prof. Dr. Kraus- müller herzliche Glückwünsche aus. Er erinnerte die jungen Meister an die Schwierigkeiten des Lebens und wünschte, daß sie damit immer gut fertig werden. Vor allem sollten die Meister immer den Grundsatz der Reellität in der Arbeit und dem Preis hochhalten. Der Meister, der sich bemühe, immer nur gute Arbeit zu liefern und dafür einen reellen Preis zu verlangen, werde am besten weiterkommen. Mit dem Gruird- sah: „Reelle Arbeit, reeller Preis" werde der Handwerksmeister auch in dem gegenwärtigen scharfen Ringen* zwischen Erzeuger und Käufer bestehen können.
Schlossermeister Diehl dankte im Ramen der Iungmeisterinnen und Iungmeister der Hand- werkstammer, der Meisterprüfungskommission mit Dr. Dünnings an der Spitze, den Kursus- leitern und den Rednern dieser Feier für ihre Glückwünsche. Seine Versicherung, daß die jungen Meister immer zum Wohle des Handwerks Mitarbeiten wollten, ließ er in einem Hoch auf das deutsche Handwerk und das deutsche Vaterland ausklingen.
Mit einem ausgezeichneten Chorgesang des Vereins „Heiterkeit" fand die Feier ihren Abschluß.
Der oberhessische Handwerkertag trat nunmehr unter dem Vorsitz von Pros. Dr. K ra u s m ü l ler» Gießen in seine Arbeitsaufgabe ein. Zunächst begrüßte der Vorsitzende die Versammlung, insbesondere die beiden Redner des Tages, den Reichstagsabgeordneten Malermeister Havemann -Hildesheim, und den Hess. Landtagsabgeordneten Schreinermeister Laut en- bacher ° Dieburg. Hieraus sprach .
Reichstogsabg. havemann (D. Bpt) über die im Vordergründe des Handwerker- Interesses stehenden fragen in fesselnder, klarer Weise. Genf und den Dölkerbundseintritt sieht der Redner als einen außerordentlich bedeutungsvollen Abschnitt unserer Politik an, außenpolitisch sowohl wie innenpolitisch. Im Innern sei eine Politik der Ruhe und Ordnung nötig, die Kämpfe zwischen den einzelnen Parteien und zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern müßten aufhören. Industrie, Landwirtschaft, Handwerk, Handel und Gewerbe dürften sich nicht gegenseitig bekämpfen, sondern müßten Gemeinschaftsarbeit leisten, Verständnis füreinander haben. Der Redner wies dann auf die großen wirtschaftlichen Schwierigkeiten hin und förderte von den Regierungen Erleichterung dieses Druckes: keine sche- mattsche Anwendung des Achtstundentages, Schluß mit der Hineinregiererei in alle möglichen Dinge, Deseittgung der vielseitigen und der Doppelbesteuerung und der ungebührlichen De- rUUf^rrynm l IHM MF:»azaamram
lastung der Gewerbesteuern: Schaffung einer vernünftigen. großzügigen Einkommensbesteuerung und gerechten Ausbau der Realsteuern: Verwendung der Hauszinssteuer zu ihrem wirklichen Zweck, zum Wohnungsbau, ober keine Verewigung dieser Steuer. Das Handwerk forderte der Redner zur Leistung von Qualitätsarbeit und zu mehr Handwerkerstolz auf. Gr verlangte weiter die Bezahlung eines gerechten Preises für ordnungsmäßige handwerkliche Arbeit: das müsse namentlich den Behörden gesagt werden. Wenn das Handwerk in gerechter Weise für feine Leistungen bezahlt werde, könnten sich die Behörden die Kredithilfen ersparen. Bei der Durchführung des Arbeitsbeschaffungsprogramms müsse auch das Handwerk gebührend berücksichtigt werden. Es sei zu verlangen, daß die Reichsverdingungsordnung überall in Reich, Ländern und Gemeinden zur Anwendung komme. Der preuß. Minister des Innern habe damit bereits den Anfang gemacht. Auch bei Privatausschreiben sollten diese Richtlinien befolgt werden. Für eine anständige Arbeit ein anständiger, gerechterPreisl Das sei besser als Kredit. Der Redner wies weiter auf die Rotwendigkeit der Heranbildung eines tüchttgen handwerklichen Rachwuchses hin, tüchtig sowohl als Derufsmann, wie als Mensch. Für das Handwerk sei heute mehr denn je Geschlossenheit in der Organisation notwendig: zur Wahrung seiner berechttgten Belange müsse ein eigenes Staatssekretariat für das Handwerk erstrebt werden. Das Handwerk werde immer bereit sein, an der gedeihlichen Lösung der deutschen Zu- kunstsausgaben kräftig mitzuarbeiten. (Lebhafter Beifall.)
Als zweiter Redner sprach
Canbfageabg. Lautenbacher (Ztr).
Er führte etwa folgendes aus: Zwischen Handwerk und Behörden herrscht oft nicht das beste Verhältnis. Die Schuld daran tragen beide Teile. Die Behörden sehen anscheinend den Handwerker als ein notwendiges Liebel an, mit dem man sich wohl oder übel abfinden müsse. Staat und Gemeinden wollen häufig Arbeiten in eigener Regie ausführen lassen. Vom Handwerker verlangen sie Qualitätsarbeit, ohne aber dafür immer den entsprechenden Preis bezahlen zu wollen. Das Handwerk bildet einen wichtigen Faktor innerhalb des staatlichen Lebens. 22 Prozent der Bevölkerung ernähren sich vom Handwerk. Es ist Pflicht des Staates, den Handwerkerstand lebensfähig zu erhalten. Der Handwerker darf aber nicht bloß nach der Staatshilfe rufen, er muß sich selbst helfen. Mit dieser Selbsthilfe ist es in Hessen vielfach noch schlecht bestellt, der Handwerker macht hier von dem Mittel der organisierten Selbsthilfe nur selten Gebrauch. Darum darf er sich nicht wundern, wenn oft gesagt wird, das Handwerk sei nicht mehr leistungsfähig. Große Schuld an der schlechten Rote, die das Handwerk vielfach erhält, tragen auch die Handwerker, die für zu niedrigen Preis Arbeiten übernehmen, die sie dann schlecht ausführen. Gegen diese unreellen Elemente muß das Handwerk scharf Front machen. Jeder Handwerker muß Opfer für seine Organisation bringen. Zu den Führern muß er Vertrauen haben.
Rachdem der Vorsitzende, Prof. Dr. Kraus- müller, den Referenten gedankt hatte, sprach als erster Diskussionsredner
Direktor Schüttler
von der Handwerkskammer Darmstadt. Er wünschte, die begeisterten Ausführungen der beiden Redner möchten dazu beitragen, die Handwerker aus der Lethargie aufzurütteln, in der sie ich vielfach noch befinden. Als Direktor in der Zentralverwaltung der Hessischen Handwerkskam- mer mache er oft die betrübliche Erfahrung, daß die Maßnahmen der Zentralverwaltung nicht die Ressonanz in den Kreisen des Handwerks finden, die ihnen gebührt. Der Redner forderte die Anwesenden auf, nicht verärgert bei Seite zu stehen, ondern es den beiden Rednern gleichzutun, die, als Abgeordnete in vorderster Linie kämpfend, auch nicht den Kopf verlieren, sondern unbeirrt weiter streiten. Zum Schluß ging der Redner noch auf die Vorwürfe ein, die der Handwerkskammer gemacht wurden, weil sie nicht allenthalben große Steu erpro test Versammlung en abgehalten habe. Die Handwerkskammer habe dies abgelehnt, weil sie sich von papiernen Resolutionen nichts verspreche. Rur der Weg der Verhandlungen mit dem Finanzamt führe in Steuer, ragen zum Ziel. Der Handwerker solle sich eine
Sturm in SchmalebeM
Roman von Sophie Kloerss.
Copyright 1926 by Slug. Scherl G. m. b. $)., Berlin.
29. Fortsetzung. Nachdruck verboten.
„So glücklich können nun Leute fein, die Geld haben", murmelte Eitel Bostrup in Tragödienton, als er Ilse an ihre Tür brachte. „Wenn ich mein Herz entdecken würde--mein Herd würde fein
Feuer haben für ein häusliches Glück."
„Zhnen würde solch häusliches Glück bald genug zu viel fein. Gute Nacht, Herr Bostrup."
Wie sie in das Haus kam, trat Hanfe ihr auf dem Flur entgegen. „Es liegt oben ein Brief für dich, mein Herz." Der Ton sagte genug. Ilse wußte, dieser Brief trug dänische Marken. Sie lief aber nicht hinauf, sie ging mit schweren Füßen. Was stand in dem Bries? Und was wünschte sie, daß in ihm stehen möchte?
Langsam riß sie ihn auf, stellte das Licht dicht daran, las:
Meine geliebte, süße Ilse! — Es ist dunkel zwischen Dänemark und Holstein, und sie sagen, es wird noch viel dunkler. Und meine Eltern sind so sehr Dänen, sie sprechen kein deutsches Wort mehr, sie wollen keinen deutschen Knecht mehr auf hem Hofe. Wie soll es werden? Die Welt ist nicht hübsch. Ich mochte Dir die Augen küssen und die süßen Lippen, und möchte mit Dir im Schnee gehen, und in der Ferne spielt der Kantor: Du. du liegst mir im Herzen.--Ich liebe deutsche Volkslieder und ein
deutsches kleines Mädchen, aber man gönnt es mir nicht. Man will mich verheiraten mit einer Gräfin! einer schönen, stolzen Gräfin. — (Das Wort „schönen war wieder ausgestrichen.) — Sie sieht' aus mich herab, denn sie hat zwar weniger Ahnen, aber großen Besitz, und ich sehne mich nach einem lieben Mädchen ganz ohne Ahnen, aber das besitzt mein Herz. Was wollen wir tun, kleine Ilse? Es ist keine Freude zu Itf>en. — Dein sehr trauriger Olas.
Sie ließ den Bries nuf den Tisch fallen und starrte in die Flamme, bis ihr die Augen brannten. War das der Brief, den sie erwarten tonnte? Der Brief, den ein Verlobter seiner Braut schrieb? Wenn der Vater diesen Brief las, wie würde er
den Mund verziehen und sagen: „Liebenswürdig, elegant und nichts dahinter. Ganz der Kopenhagener Kavalier." — Ader der Vater würde den Brief nie lesen. Sie hielt das Blatt an das Licht, und als es zu brennen begann, warf sie es in den Ofen, sah 3u, bis es ganz verkohlt war, ging — immer mit den starren, tränenlosen Augen — an den Tisch zurück und entzündete eine zweite Kerze. Dann setzte sie sich hin und schrieb die Antwort. Das Zrmmer war bitter kalt, aber sie spürte es nicht.
Lieber Olaf!
Wir wollen nicht unnütze Worte machen, wenn es jetzt heißt, einander Lebewohl zu sagen. Dein Brief hat mich nicht überrascht. Frau von Kroq hatte schon bei uns für Aufklärung gesorgt. Tu nach dem Willen Deiner Eltern, es ist sicher das beste für Dich, und ich glaube, es wird Dir auch nicht allzu schwer werden. Du hast die bittere Pille bie Du mir gegeben, sehr überzuckert, ich habe doch die Bitterkeit durch den Zucker geschmeckt. — Ja es ist dunkel in der Welt, sie sagen es alle, und Du weißt nichts mit dunklen Stunden zu beginnen So lebe wohl und mach' es mit diesem Brief wie ich mtt dem Seinen, überlaß ihn den Flammen. — Es ist em Sommertraum gewesen — solche Träume oerfrieren leicht.
Sie los ihn nicht durch, kuvertierte ihn, siegelte nahm den abgeworfenen Mantel um die Schulter und ging wieder hinüber zur Post. „Der Brief muß mit der Morgenpost fort, Herr Postmeister", und ohne zurückzuschauen wieder aus dem Hause und heim.
Hanse, die ihr Gehen und Kommen belauscht trat wieder aus der Wohnstube. „Komm' herein Vater sitzt noch über den Büchern."
,Xaß mich zu Bett yehen. Morgen wird ein unruhiger Tag, und ich bin müde." Sie legte einen Augenblick den Kopf auf die Schulter der Mutier und atmete tief auf. „Wie du mich ansiehst. Nein krank werde ich nicht. Nicht im Kopf und nicht im Herzen. Wir Rottmanns sind eine feste Art Ich laß mich nicht werfen, Hanfemutter."
„Mein herzliebes Kind."
„Ja, du. Du hast mich Heb, hast du nicht? Mutterliebe ist die einzige, auf die Verlaß ist." Und ichnell, sich zusammenreißend. „Nebenan singt
| Tante Helene jetzt Halleluja! — Eben ist cs zwi- I schon Riekchen und Georg zum Schluß gekommen, schlaf schön, Schatzliebste."
Sie ging auf ihr Zimmer und schlüpfte in das Sett und sah durch die Fenster hinaus in die Nacht. Sah die Sterne, frostklar, über den Himmel wandern, glimmern und funkeln, sah die Mondsichel sich zum Horizont neigen, dorthin, wo das Meer hinter den Deichen sang, dachte an den Strand und die leuchtenden Möwen, die an einem wundervollen Sommersonntag über lachendes hinsegelten, und da stieg es ihr doch plötzlich siedend heiß in die Augen. Sie preßte den Stopf tief in das Kissen und meinte wie ein verzagtes Kind.
Das Leben hatte die kleine Ilse lange sehr lieb geßabt, hatte ihr kein Spielzeug zerschlagen, nach dem sie Verlangen trug —, und zu dem ersten jungen Herzeleid kam die bittere Erkenntnis, daß Ü« bewunderte, oielbegehrte, immer sieghafte Zlsebill Rottmann, dem jungen Baron auch nur em^etwas ernsthafteres Sommervergnügen gewesen
Wenn der Vater wüßte von jenem Zusammen, treffen auf ben Feldern, von den heißen Küssen, von aen heimlichen Liebesworten--Gott sei gelobt,
er wußte es nicht. Das hätte sie nicht überlebt.
Der große Tag war angebrochen.
Ia0 über der Stadt, die Turmuhr schlug sechs. ’
.Rottmann war wach geworden, wühlte behaglich m den warmen Federn und gedachte, s-Ä •/ Stündchn in dieser stillen Be- fthaulichkeit seinen Gedanken Audienz zu geben, w r*aC- Ei" .Frühaufsteher, aber was tut der Mensch un Winter bei Dunkelheit und in unge- heizten Zimmern. - Eben schlurfte Mile draußen über den 6wr letzt knackte cs im Wohnzimmer, hatte wohl Herdglut In das Osenloch geschoben HoL h9tC ^'O?^'e>cholZ auf. Sv anheimelnd tlang das. Man sah ordentlich die spitze, grellrote iftamme auszungeln.
Nun ein anderer Ton. — Der Kantor arüßte
Hilf foinom r____ FreUNd. X IC Glocken
auf seinem Häuschen fangen:
geordnete Buchführung anlegen, dann könne er vor dsm Finanzamt bestehen.
Die weikere Aussprache.
Stork-Rendel sprach über eine Reihe von Fragen, die mit den Ausführungen der Redner in keinem Zusammenhang standen. Malermeister Kraßnik-Dad-Rauheim wünschte, daß bei den Arbeitsvergebungen in Staat und Gemeinde voin Handwerk gewählte Vertreter mitwirken. Schlossermeister Schmidt- Lich trat für ein reibungsloses Zusammenarbeiten zwischen Handwerk und Schule ein. Dann sprach er über Steuerfragen und "führte dabei einige krasse Fälle von steuerlichen Ungeheuerlichkeiten an. Landtagsabgeordneter Lautenbacher wandte sich sodann gegen eine Bemerkung des Diskussionsredners Stork, der erklärt hatte: „Wir lehnen jede Dittatur ab, mag sie von Moskau oder von Rom kommen." Rämer wies es zurück, daß man Moskau und Rom in einein Atemzug nenne. Jetzt sei keine Zeit dazu, in der Jugend religiöse Gegensätze hervorzurufen. Ein Wiederaufstieg unseres Vaterlandes sei nur möglich auf der Grundige der christlichen Weltanschauung.
Der Abschluß.
Reichstagsabgeordneter H a v em "QU n sprach dann das Schlußwort. Er freute sich, daß ihm soviele Anregungen mit.gegeben wurden, und er bat die Anwesenden, ihm wichtige Fragen zur Wetterverfolgung zu unterbreiten. Mit der Versicherung. daß er zu jeder Zeit gerne bereit sei, wenn seine Zeit es erlaube, wieder nach Hessen zu kommen, schloß der Redner unter stürmischem Beifall seine eindrucksvollen Ausftchrungen.
Prof. Dr. Krausmüller schloß hierauf mit Worten des Dankes an beide Redner die Tagung.
Oberhessen.
Landkreis Ließen.
---Klein-Linden, 22. Sept. Das große Herbstpreisschießen des hiesigen Schützenclubs „Roland" fand am Sonntag seinen Abschluß. Die Beteiligung an den drei Sonntagen war sehr zahlreich. Schützenkönig wurde der erste Vorsitzende Fr. Stein, der mit 35 Ringen den 1. Preis erhielt. Den 2. Preis erhielt W. Volkert mit 34 Ringen: 3. Preis Weber (Hochelheim) 34 Ringe: 4. Preis W. Müller. 32 Ringe, 5. Preis M o h r, 31 Ringe: 6. Preis K. K e u d e l, 30 Ringe: 1. Preis Erle, 30 Ringe: 8. Preis Spengler, 30 Ringe.
D L i ch. 22. Sept. Die in den Gemeinden Hattenrod und Inheiden ausgebrochene Maul- und Klauenseuche hat die Abhaltung des für nächsten Montag vorgesehenen Kirmesmarktes in Lich wiederum vereitelt. Im laufenden Jahre ist dies bereits der vierte Markt, der durch Seuchengefahr auf behördliche Anordnung hin nicht abgehalten werden durfte. — Die Erwerbslosenziffer ist wieder langsam im Ste.i- g e n begriffen. Zur Zeit werden ca. 35 Hauptunterstützungsempfänger und 75 Zuschlagsempfänger unterstützt.
r4- Aus dem mittleren Lum data I. 22. Sept. Angesichts der beginnenden Obsternte lassen sich endgülttg die Schädigungen übersehen, die die harten Rachtfröste in der ersten Maihälfte angerichtet haben. In fast allen Dörfern unseres Tales haben die Versteigerungen des Gemeindeobstes eingesetzt, und man kann sagen, ohne Ausnahme bereiteten diese allgemeine Enttäuschungen. Der Ertrag der einzelnen Obstsorten ist im großen und ganzen geringer, als im Laufe des Sommers angenommen wurde. Abgesehen von der begünstigten Lage einzelner Obstlulturen von Privatleuten, wie auch von Gemeinden, ist das Ergebnis der Aepfelcrnte kaum nennenswert. Die meisten Bäume tragen in diesem Jahre nicht einen einzigen Apfel, und sehr vielen Familien wird der notwendige Winterbedarf fehlen. In der gleichen Weise fällt auch die Z w e t s ch e n e r n t e aus: nur in vereinzelten Exemplaren hängen sie an den Bäumen. Anders sieht es mit dem Ertrag der Birnen aus. Die Versteigerungen beschränkten sich durchweg auf diese, die in der Hauptsache zur Honigbereitung, in den wenigsten FällPT nur für den Winterbedarf gekauft wurden. Die in unserer Gegend in reichem Maße angeraute Pastorenbirne, auch Flaschen- oder Glocken-
Was Gott tut, das ist wohlgetan, Es bleibt gerecht fein Wille.
Wie er fängt meine Sachen an, Will ich ihm halten stille."
„Luise", flüsterte der alte Herr und tastete in der Dunkelheit nach der Hand seiner Eheliebsten, „hörst du ihn? Er weiß doch immer, was mir durch den Kopf geht. — Wir haben viel durchlebt, Luise, aber was Gott tut — nicht wahr?" Und seine Stimme klang bewegt und gerührt.
„Ja, Rottmann, ja", aber er sah ihr Gesicht nicht in diesem Augenblick, und vielleicht war das gut. Luise Rottmann konnte sich noch immer nicht damit abfinden, daß Gott ihre beiden Töchter vor ihr ab- gerufen hatte, daß die Gräber fern der Heimat lagen, daß im fremden Land — — denn nicht wahr, Hannover und Mecklenburg waren doch ftemde Länder? — Enkelkinder aufwuchsen, die sie nicht kannte, denen ihr Großmutterherz keine zärtlichen Worte geben konnte. — Doch sie widersprach dem alten Lebensgefährten nie, wenn er eine Meinung äußerte. Sie war noch nach alter Art erzogen worden, und ihre Schwiegertochter, die so unbekümmert mit ihrem Mann umsprang, die hatte sie nie be- grtffen. Leise verhallte das sanfte Klingen, die Minuten gingen still eine hinter der anderen durch die dunkle Stube, langsam kam ein matter Schein oon den Fenstern ^er ynb öie a(tc Turmuhr rief sieben. Dröhnen und schmettern. Sie fuhren beide in die Höhe — dann brach der alte Herr in Sadjcn aus. Die Schmalebecker Stadtkapelle brachte ein Ständchen. Und sie bliesen gewaltig die Backen auf, und ihre Lungen gaben her, was an Luft in ihnen war.
Die Menschen liefen zusammen auf dem Markt. Rottmann trat aus der Haustür und dankte im Namen seiner Eltern, und Frau Hanse ließ dampfenden Punsch bringen, und Aenne und Gitta, warm angezogen, liefen mit Kuchenkörbchen, und Ilse erschien und schenkte die Gläser immer wieder voll, und als die Musikanten gegangen waren, kamen schon die ersten Boten mit Blumen und Geschenken, und der Trubel des großen Tages begann. Von elf Uhr an war Gratulationscour, zu der sogar Probst Lilie antcat, Propst Lilie, eigens aus Altona mit der Post eingetroffen, gewissermaßen als Glanzpunkt des Tages.
(Fortsetzung folgt.)


