Nr. 225 Zweites Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhesien) Donnerstag, 25. September 1926
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Hindenburgmanöver.
Die Uebungen der 5. südwestdeutschen gegen die bayrische Division.
Von unserem militärpolitischen K.-Sonderberichterstatter.
Der Kriegsschauplatz von 1866, das in zahl- reichen Manövern des 13. Kgl. Württ. A.-K. und in den Kaisermanövern von 1909 bewährte Hebungsgelände beiderseits der Tauber sah in diesen Lagen wieder ein militärisches Schauspiel von besonderer Eindruckskraft. Wenn auch das geschlossene Auftreten großer Truppenkörper, die Augenweide des früheren Manöverbummlers, nicht mehr zu sehen ist, so ist doch der Gesamteindruck eines heutigen Manövertages nicht weniger groß und bedeutend, ja noch erheblich ernster, man kann sagen unheimlicher als früher. Dieser Eindruck geht aus von den zahlreichen Maschinengewehren, die auf dem Marsch von ihren Fahrzeugen drohend herunterblicken und im Kampf das Gefechtsfeld mit ihrem nervenpeitschenden Lärm füllen, von den Krastwagen- batterien, von deren Motorengeräusch die Gegend widerhallt und von deren gewaltiger Last die Häuser erzittern, von den vielen schweren Lastkraftwagen und Traktoren, den Nachschubkolonnen, die die engen niederen Gäßchen der Dörfer und Städtchen in ihrer ganzen Breite ausfüllen, iltn so gewaltiger ist der Eindruck, je kleiner der Raum ist. aus dem er sich zusammendrängt.
Die Marschkolonnen der 5. südwestdeulschen Division,
die am 17. September von Heckfeld über Dittwar, Tauberbischofsheim, Werda ch. Werbachhausen, Wenkheim auf Reubrunn antrat, bot ein solches eindrucksvolles Bild. Voraus die Aufklärungsabteilung, eine Schwadron des R. R. 18 mit einem Radfahrerzug und zwei Strahenpanzerwagen. die mit großer Geschwindigkeit von Abschnitt zu Abschnitt vorfahrend, jeden Widerstand durch M.G.-Feuer brechen können, weirn ihnen nicht Artillerie rechtzeitig entgegengestellt wird, die bei außergewöhnlicher Schnelligkeit im Laden und Richten Aussicht hat, die mit 70 Kilometer Geschwindigkeit daher- brausenden Wagen zu treffen. Das Einfädeln der verschiedenen, aus den weiten Unterkünften des 16./17. September aus den Tälern der zimpfer und Schüpf, den Höhen von H e ck f e l d zustrebenden Marschgruppen der Division auf der Vormarschstraße vollzog sich reibungslos in guter Ordnung. Da gab es nicht das berüchtigte Warten der Kolonnen im ungeschützten Gelände, kaum einmal einen der unangenehmen „Drigadestöhe", nicht das wüste Geschrei „vorne Kurz!", nicht das unnötige „Rechts Heran I"-Rufen. Die Truppe ließ von selbst die linke Straßenseite für den entgegengesetzten und überholenden Verkehr frei. So marschierte die Division in Kolonne zu dreien dahin, in der Vorhut das Inf.-Regt. 1 5, das Pionier-Bat. 5 und die 3. Abt. Art.-Regt. 5, im Gros den Rest, eingeteilt in vier Marschgruppen. Eine Kraftwagenbatterie rollte auf Rebenwegen sprungweise vor, um den Fliegerschuh über der Marschkolonne herzustellen, der besonders beim Durchschreiten von Ortschaften und Liebergang über Drücken unentbehrlich ist, weil das ein rasches Auseinanderzieheir der Truppe beiderseits der Marschstraße und Deckungnehmen ganz unmöglich ist. Der Tag war heiß, die Marschkolonne über und über mit Staub und Schweiß bedeckt, so daß die Mannschaften auf der Straße sich kaum vom Grau des Straßengrundes unterschieden, beim Freimachen der Straße sich in dem Grün der Wiesen oder Braun der Stoppeläcker wie weiße Flecke abhoben. In den Dörfern war -Wasser an die Türen gestellt, Greise, Kinder, Weiber, Männer, auch lachende Mädchen standen mit Topfen, Schüsseln, Krügen und Eimern vor den Häusern, die Kompagnien füllen Flaschen und Decher im langsamen Weiterschreiten, gierig wird getrunken. Manchmal findet auch einer einen alten Friedens- oder Kriegskameraden unter seiner Haustüre stehen, dann seht die herzliche De- grüßung ein, wie sie wohl nur unter Kameraden möglich ist. Da Feindberührung nach der Lage noch nicht zu erwarten, durfte auf dem Kriegs- marfch gesungen werden. Kaum eine Kompagnie trottele im stumpfen Drüten dahin, die meisten lachten, sangen oder pfiffen. Lind je stärker der Widerhall in den engen Gassen von Tauber-
Gießener Stadttheater.
Schwartz iittb Mathern: ,,Das goldene Kalb".
Der Text zu dieser lächerlichen Laienpredigt lauf dem Theater (der übrigens auch manche anderen Stücke zum Leben erweckt hat) findet sich seltsamerweise an sehr erlauchter Stelle verzeichnet, im „Faust" nämlich, wo er im ersten Teile, in der Szene „Abend. Ein kleines reinliches -Zimmer" ganz am Ende also lautet: „Rcrch Golde drängt, am Golde hängt doch alles. Ach, wir Armen."
Das bedeutsame Thema, in diesen drei kurzen Versen von Goethe im Dorübergehen gestreift, ist denen, die nach ihm kamen, oft genug zum weitausgesponnenen Motiv und Grundakkord geworden; so oft und so vielgestaltig, daß man sich der klassischen Herkunft kaum noch erinnerte, und daß es fast grotesk erscheint, in unserem Zusammenhang daran zu denken. Aber es paßt vortrefflich.-
Das also beliebte Motto kann je nach Temperament, geistigen Ansprüchen und Laune verschieden betont werden; hier liegt der sanft ironische, kaum satirische Akzent auf den letzten Worten.
Die armen Leute, die sich bei diesem Tanz, dem einzigen, der nie veraltet und alle Modevariationen siegreich überdauert, um den falschen Mittelpunkt drehen! Statt um den Mammons- götzen. jenes historische (2. Mos. 32) und dennoch zu allen Zeiten moderne und beliebte Kalb — um ein goldenes Richtschen in Gestalt eines ganz armen Schluckers und Vagabunden, der gar nicht weiß, wie er zu der Statuenrolle kommt, sich aber trefflich hineinfindet. Das ist der Spaß dabei. Was übrig bleibt, ist ein silbernes Wartein- tveilchen für die voreiligen Rundtänzer. Ach, die Armen.
Der reiche Onkel aus Amerika nämlich, um die guten Hinterbliebenen in Dirkenwalde zu prüfen, bekommt Harun-al-Raschid-Gelüste. Ein Stromer, der von ungefähr ins Haus geschneit sft, darf seine Rolle spielen, dieweil der
bischofsheim wurde, desto kräftiger wurde auch gesungen, und wenn sie an ihrem Oberbefehlshaber vorbeikamen, dem General der Infanterie Reinhardt, der auf einem freien Platz bei Tauberbischofsheim mit seinem Stabe hielt, da riß sich auch der Müdeste noch einmal zusammen und sieht stramm und offen seinem General in die Augen, dessen bedeutender Kopf sich mit seinen lebhaften Dewegungen und dessen jugendlich straffe Gestalt sich aus allen hercrus- hebt.
Lim 9,30 vorm. ging bei der 5. Division ein Korpsbefehl ein, der besagte, daß bei Aub am Main Fahrzeuganhäufungen und auf der Linie Würzburg — Reustadt a. d. Aisch lebhafter Dahnverkehr festgestellt sei. „Dieb. Div. geht, wenn Dorhut Werbachhausen erreicht hat, entlang der Marschstrahe zur Ruhe über. In Gegend von Großrinderfeld ist ein verstärktes Inf.-Regt. im Schuh der rechten Dorflanke vorzuschieben." Jetzt galt es, rechtzeitig den
Befehl zum liebergang zur Ruhe
auszugeben und Gepäck- und Verpflegungstroh ebenso wie die Diwacksbedürfnisse einerseits so rechtzeitig heranzuziehen, daß die Truppen sie sofort beim Liebergang zur Ruhe haben, anderer- setts die Marschstraßen für die Truppenbewegungen und die Verschiebungen nach der Seite noch frei bleiben. Das ist der 5. Division, die ihren Gefechtsstand in Tauberbischossheim eingerichtet hatte, vollkommen geglückt; es gab keine Stockung, keine Marschkreuzung. Troß und Biwak- b<chürfnisse waren durchschnittlich eine halbe Stunde nach Eintreffen der Truppe auf den Diwakplähen zur Stelle. Eine organisatorische und befehlstechnische Glanzleistung, wie sie nur rn wenigen Manövern erreicht wird.
Die Truppen waren 4 Llhr nachmittags vom Erdboden verschwunden, untergetaucht unter das schützende Laub der Wälder, Daumgüter, Hecken und Dorfränder, zerteilt in lleine und kleinste Einheiten. Als Sicherung war das badische Inf. Regt. 14 in Gegend Großrinderfeld vorgeschoben. Dort war bald vollkommene Stille, wie sie die Rähe des Feindes gebor, eiugetreten. Man hörte nur noch das leise Reden der seind- wärts stehenden Posten und sah das Hin- und Herhuschen ihrer Schatten im fahlen Licht des aufgehenden Mondes. Weiter rücklvärts herrschte, soweit die Windstille und örtliche Lage es zulieh, fröhliches, jedoch nicht lautes
Biwakstreiben,
das, well es durchaus kriegsmäßig ist. eine gewisse LInheimlichkeit nicht verliert. Rasch kommt die Rächt. Erst wird noch da und dort ein altes Lied gesungen ja man findet die Truppen in dem dichten Llnterholz eines Waldes nur, wenn man ihren Liedern oder einem kurzen Lachen sich nachtastet durch die Rächt. „ Annemarie, es braucht ja nicht grad einer sein von meiner Kompanie" dringt schwermüttg an unser Ohr. Weiter rückwärts wiehert ein Pferd. Da ruft einer: „Wo ist der Herr Major?" und eine Helle Stimme antwortete: „Hier!" Allmählich wirds stiller; die meisten sind unter die Zelte gekrochen. Roch ein Fluch, wenn einer seinen Kochgeschirrdeckel vergeblich sucht oder über eine Zettschnur stolpert. Flüstern in einer Zeltecke. Schnarchen. Stille.
Ein Telephonruf. „Hier Fledermaus." „Jawohl, ich schreibe: Feind bei Poppenhausen festgestellt. Bataillone marschbereit machen" tönt langsam die (Stimme des wachthabenden Telephonisten. Gleich wird der Adjutant geweckt, der Alarmbefehl an die Truppen gegeben. Dreiviertel Stunden später steht alles marschbereit und auf der ganzen Front strebt die Division quer über Felder auf erkundeten Wegen der Hauptstraße Mergentheim-Tauberbischofsheim zu, auf der die Marschgruppen sich an verschiedenen Stellen sammeln. Mitunter sind die Wege so steil, daß die M. G.-Fahrzeuge von den Schützen mit ihren Tragegurten gesperrt werden und die
schrullige Amerikamann spaßeshalber sichs nicht verdrießen läßt, dessen Partie zu übernehmen.
Lustig genug. Ein Motiv, das manche Möglichkeiten enthält, auch ernsthafter Art; ein Komödienmotiv in den rechten Händen. (Bei Kaiser findet man es etwa in „David und Goliath" wieder, und, da es auf den Landstreicher fast noch mehr ankonnnt, als auf die geldgierigen Kleinbürger, mußte man des öfteren auch an Hauptmanns schlesischen Iau denken.) Den Herren Schwartz und Mathern war es int wesentlichen um die lächerlichen Situationen zu tun.
Die schadenfroh begrinsten Tanzmarionetten hatten das übliche Schwankformat. Hier wären etwa £u nennen: Krahmer, Eisig, Jüngling; Dolck, noch nicht wiederhergestÄtt, mußte sich vertreten lassen. Rita Andre, die sich vom Gießener Publikum verabschiedete, hatte sich mit einer recht bescheidenen Charge begnügen müssen; ihre Flimmerdiva machte dennoch Ben Leuten viel Vergnügen.
An einigen feiner umriffenen Figuren wurden die kaum bemerkten, ernsthafteren Untertöne des Scherzes offenbar: an Florian Flitt, dem gaunerhaften Landstreicher, vor allem, dem Goll mit Witz und Laune zu einer humorbewegten Menschlichkeit verhalf; sein „spanischer" Tanz mit der Pia de Lutti (Andr6) war eine überaus drollige Sache. Eine sehr liebenswürdige Leistung bot Ingeborg Scherer mit der gemütvollen Ehehälfte des vagabundierenden Florian. Endlich sei Gehres echter Amerikaner (um den herum von Rechts wegen hätte getanzt werden müssen) unvergessen. Telekhs Regie hatte das richtige Tempo, hätte aber in schwächeren Partten allerlei dämpfen und unterdrücken können. — Das Auditorium unterhielt sich aufs beste. Dr. Th.
Frankfurter Theater.
Das Reue Theater feierte Bernard Shaws 70. Geburtstag mit der Erstaufführung seines dreiakttgen Lustspiels „Der Liebhaber". Dieses Stück ist eine köstliche Satire auf unsere heutige Zett, den Mann und die Frau. Man spürt wieder das nadelscharfe Prickeln vom
Trohsahrzeuge und schweren Feldküchen quer durch Stoppelfelder einzeln den Hang hinunter» fahren müssen. Auf der Hauptstraße cntroiclelt sich ein unheimlicher Verkehr. In ganz unmili- tärischer Weise leuchten die Scheinwerfer der Manöverbummler, schwingen ihre Strahlenbündel über die Erde hin und werfen verzerrte schwarze Schatten der Marschkolonne gespenstisch über das Feld. Einige Empfangs» kolonnett haben sich, wer weiß aus welchem Grunde, verspätet und fahren nun der Marschkolonne entgegen nach rückwärts. Don der anderen Seite her kommen aus Richtung Mergentheim hunderte von Autos der Schiedsrichterstäbe und der Leitung. Da stellen sich selbsttättg Offiziere als Verkehrsregler auf und geben bald der einen, bald der aoberen Richtung den Verkehr frei.
Kurze Zeit nachdem Desehl zur Marschbereitschaft kam. dank der von der Division bis zum entferntesten Dataillon reichenden, teilweise noch in der Rächt gebauten Fernsprechverbindung,
der Vormarschbefehl.
„Reuer Feind ostwärts Großrinderfeld. 5. Div. klärt die Verhältnisse in der rechten Flanke auf und deckt den Weitermarsch der Armee nach Rorden." Die Anfänge der Marschgruppen wurden daraufhin nach rechts abgedreht. Die Vorhut, das Inf. Regt. 15, wurde über Druntal auf Dayertal, das Gros (I. R. 9 und I. R. 13) wurde über den Großen Forst und südlich davon auf Großrinderfeld und P a i m a r in Marsch gesetzt. Um 7 Uhr Dorrn, lebt auf beiden Seiten das Artilleriefeuer auf. Das Inf. Regt. 14 stieß aus seiner Stellung bei Großrinderfeld zu einem Angriff in Richtung Krensheim- Im s p a n vor in der Absicht, dadurch der Division das Heraufsteigen aus dem Taubertat zu erleichtern und den Feind möglichst lange fern zu hatten.
Die blaue 7. Division hatte über den nördlich des Mains befindlichen Versammlungsraum einer blauen Armee vorgeschoben, am 17. Sept, den Auftrag erhalten, in die Gegend von W i t - tighausen zu marschieren, dort den feindlichen Vormarsch zu verzögern und am 18. früh die rote Marschkolonne im Taubertal zu überfallen. Da Rot die Fliegerüberlegenheit hatte, so mußte Generalleutnant Frhr. Kreß von Kressen- st e i n seine Division in zahlreichen kleinen Marschgruppen vorführen. Diese schwierige Bewegung vollzog sich planmäßig. Auch beimUeber- gang zur Ruhe wurde jedes Dörfchen, jedes Waldstück, jede Hecke so vorzüglich zur Deckung ausgenützt, daß die roten Flieger nach Ansicht der Sachverständigen wenig Einzelheiten hätten erkennen kömren. Aus der Nachricht vom Auftreten schwacher roter Truppen in breiter Front bei Großrinderfeld schloß der blaue Führer, daß es sich um eine Flankensicherung der nach Rorden marschierenden roten Hauptkräfte handeln müsse und entschloß sich beschleunigt, Großrinderfeld in Besitz zu nehmen. Der Angriff auf diese beherrschende Hohe konnte allerdings nur von Erfolg sein, solange Rot seine Hauptkräfte nicht heran hatte. Dielleichi. hätte ein nächtliches Heranschieben an die rote Vorpostenstellung und ein überraschender Angriff mit Tagesanbruch den Erfolg gebracht. Blau trat jedoch erst 6 Uhr vorm. mit dem 20. und 21. Inf. Regt, aus Richtung Oberwittighausen über P o p p e n* Hausen, Krensheim auf Großrinderfeld an und begegnete dem Vorstoß des 14. Inf. Regts. westlich Krensheim. Das Inf. Regt. 14 wurde bald von den beiden bayerischen Inf. Regimentern über den Gerchheimer Grund z u - rückgeworfen und solange in harte Bedrängnis gebracht, bis die Masse der 5. Division heran war. Zunächst schien es, daß das Waffenglück am heutigen Tage den Bayern zufiele.
Als aber die rote 5. Division einen gut vorbereiteten Angriff der Infanterie-Regimenter 9 und 15 aus Groß-Rinderfeld auf krensheim befahl, wendete sich das Blatt. Dieser Angriff war der Höhepunkt des Tages.
Er wurde durch die gesamte Artillerie der Division und durch mehrere Kampfwagen-Kompanien unterstützt, die ja leider nur durch Attrappen angedeutet werden können. Die blaue Artillerie war mit Angriffsbeginn vernebelt worden, die
für die feindliche Artillcriebeobachtung unentbehrlichen Höhen nördlich Krensheim waren nach kurzer Zeit nicht mehr zu sehen. Die blauen Infanterie-Geschütze strengen sich verzweifelt an, die fehlende Divisionsartillerie zu ersetzen und die Kampfwagen im Etttzelschuß zu beseitigen, aber sie wurden ihrerseits wieder von dem, auf den Höhen westlich Paimar in Verteidigung verharrenden Inf. Regt 13 mit Maschinenacwehr- und Minenwerferfeuer in der Fläerle tz-Hatzt.
Der Reichspräsident
verfolgte in Feldmarschalluniform von der Höhe 372 südlich Großrinderfeld aus mit dem Glase den Verlauf der Schlacht. Er war mit dem Reichs» Wehrminister gegen 8,00 vorm., auf der Vormarschstraße des I. R. 13 überall mit Ehrfurcht begrüßt, in seinem Kraftwagen auf dein Gefcchtsfeld cingctroffen. Tausende von Zuschauern mit Kraftwagen, Krafträdern, Rädern und zu Fuß belebten die Höhen und Filmopera- teurc und Photographen suchten auf der weiten Front die interessantesten Szenen festzuhalten. Da und dort konnte man auch in ruhigem Trab ober Schritt den Chef der Heeresleitung mit seinem Stab beobachten. General der Infanterie Reinhardt hatte es naturgemäß als Leiter des Manövers am nötigsten, sich einen umfassenden Lieberblick zu verschaffen, und er erschien im Kraftwagen oder zu Pferbe, je nach den Wegeverhältnissen, überall, wo ein wichtiges Stadium der Kampfhandlung anbrach, wo ein schwieriger Entschluß zu fassen war oder eine bedeutungsvolle Maßnahme getroffen wurde, in knapper Form seine prüfenden Fragen stellend. Kurz vor 12 Llhr mittags schloß sich auch der linke Flügel des Inf.- Regks. 13 dem Angriff an und Rot häfte Wohl int Laufe des Tages Blau noch eine fühlbare Riederlage bereiten können. Lim 12,30, also unerwartet früh, kam das Schlußsignal, und eine Signalbombe rief mit ihrem blauen Wölkchen die Offiziere nach dem Standpunkt des Generalfeldmarschalls.
Die ersten zwei Tage der großen Manöver haben den Beweis geliefert, daß die 5. und 6. Division auch den Kamps in größeren Verhältnissen beherrschen. Beide Hebungstage brachten große Anstrengungen, völlig kriegsmäßige Aufgaben, die durch die Hitze bei Lag, die Kälte bei Rächt und den entsetzlichen Staub, der auf vielen Straßen zentimeterhoch liegt, noch er- , schwart wurden. Lim so befriedigender ist die große Anteilnahme, die dauernde eifrige Mitarbeit aller Soldaten, seien es Maschinengewehrführer, Gewehrträger, Melder ober Fahrer an bem Verlauf der Hebung. Sie sink) stets im Bild, sogar über ben Rahmen ihrer nächsten Truppeneinheit hinaus und benken in verstänbnisvoller Weise mit. Da ist ein unbedingter Fortschritt gegenüber der alten Armee erzielt, der bem Kenner der Verhältnisse sofort in die Augen springt. Llnunterbrochen gehen bei ben Stäben Meldungen ein, die ein treffenbed Bilb der augenblicklichen Kampf-, Munttivns- und Stärkeverhältnisse ergeben. Telephon, Blinkgerät unb Meldehunbe ruhen nicht; bie Mannschaften bieten sich sogar gar nicht selten zur Arbeit an, machen eigene Vorschläge unb sind stets zur Hand, auch wenn bie Anstrengungen schon recht beträchtlich toaren,, Besonders erfreulich ist das in der alten Armee häufig zu vermissende
enge Zusammenarbeiten zwischen der Infanterie und der Artillerie.
Sobald ein Infanterie-Gefechtstand in die Rahe einer Artillerie-Beobachtung konnnt, werden die Rachrichten über die Lage und über die eigenen Beobachtungen ausgetauscht.
Auch hinter der Front sehen wir dasselbe erfteuliche Blld. Der ungeheure Verkehr der Pferde- unb Lastkrastwagenkolonnen, wie ihn auch große Stäbte mit einem mächtigen Güterverkehr j nicht erleben, unb ber burch bas riesige Heer ber Zuschauerautos noch vermehrt wirb, spielt sich ohne Stockung und Reibung ab, dabei sind Pferde, Motoren und Fahrzeuge in guter Verfassung.
Was dem Manöverbummler unb der Zivilbevölkerung auch sehr angenehm aufsällt, bas ist die tabellose Straßen- unb Grußbiszi- plin des Heeres; es herrscht nicht jene törichte Grußscheu wie früher, sondern man hat den Eindruck, daß der Soldat seine Ehrenbezeugung willig
Shawschen Witzgestöber, es ist sein berühmter geistvoller Witz, der die eventuelle Ernsthafttg- ieit des Satzes mit einer kleinen eleganten Wendung zur Satire umbiegt unb mit drei lächelnden unpathetischen Worten die Verlogenheit unö Verrücktheit unserer Zeit charatterisiert. Der ehemalige Theaterkrttiker Shaw ist ein ganz prächtiger Lebens- und Menschenkritiker, er wird nie dramatisch im Sinne der Empörung, er wird nur spöttisch, und in feinem Spott liegt der vernichtende Fluch der Lächerlichkeit all der Dinge, darüber sich andere Kopfweh machen. So ist in allen seinen Werken das Thema äußeres Gewand für viel tiefer liegende, menschliche Dinge, unb hinter der spöttischen Heber® legenhett kreist das starke Gefühl für all die Hnzülänglichketten des Daseins unb der Menschen. So ist auch ber Liebhaber Leonhard Charteris ein echtes Geschöpf Shaws, geistig stark, menschlich schwach, zynisch-liebenswürdig, dabei herrlich undramatisch im theatralischen Sinne, denn „.... ein Liebhaber ist nun mal kein tragischer Held!" Rur bie Frauen nehmen alles viel zu tragisch, und jede will am Schluß geheiratet fein! In diesem Fall will mit aller Gewalt Juliane, die er nicht mehr liebt, ihn heiraten, und Grace, die er augenbliÄich liebt, auf ihn verzichten. Dilemma! Am Schluß heiratet er weder Juliane noch Grace, deren Glaube an ihn erschüttert ist, er bleibt der Liebhaber. Die Aufführung unter der Geltung des neuen Regisseurs Max Ophüls war recht bemerkenswert, dem Stile Shaws pointenreich gerecht werdend. Das Zusammenspiel des teilweise neuen Ensembles, in dessen Mitte Hilde Wall und Hertha Hambach zurückgekehrt sind, war ausgezeichnet. Der Liebhaber war die Antrittsrolle Karl Günthers vom Durgtheater Wien. Als Darsteller von starken schauspielerischen Qualitäten wußte er die Gestatt des Charteris voll Rcttürlichkeit bunt unb lebenbig zu zeichnen. Dieser „Liebhaber" wirb überhaupt bie Liebhaberei und Gastspielrolle vieler großen Schauspieler werden. Das Publikum gab seiner Freude an bem spttihenben Dialog unb ber flotten Darstellung nach jebem Aktschluß lauten Ausdruck.
L.W.
Wie schnell fliegen unsere Vögel?
Die Schnelligkeit des Vogelfluges hat man zuerst eingehender bei den Brieftauben beobachtet und durch sorgfältige Hntersuchungen festgestellt, daß die Durchschnittsgeschwindigkeit der Brieftauben zwischen 18,3 unb 19,2 Meter in der Sekunde beträgt, also auf 62 bis 69 km pro Stunde zu berechnen ist. Diese Schnelligkeit ist sehr groß, denn ein Rennpferd legt in einer Sekunde nur etwa 13 m zurück. Aber nicht nur die Brieftauben, sondern auch manche andere unserer Vögel bewegen sich schneller vorwärts als ein Rennpferd. Das haben die Versuche ergeben, die Prof. Thienemann auf seiner Vogelwarte zu Rossitten auf der kurischen Rehrung vorgenommen hat. Aach einem von ihm ersonnenen, zu- verläffigen Verfahren konnte er bie Schnelligkeit der Vögel meßen, die über die kurische Rehrung ziehen, und er ermittelte dabeiDurchschnit tsgef chwindigkeiten, die in den „Mitteilungen der Vereinigung für Vogelschutz und Vogelliebhaberei" angegeben worden. Danach fliegt eine Dohle in der Sekunde 17,1 Meter, in der Minute 1026 m, in der Stunde 61,560 km. Ein noch schnellerer Flieger ist der Star, der in einer Minute 1236 m, in der Stunde 74,160 km zurücklegt. Der Kreuzschnabel fliegt in der Sekunde 16,6 m, fast 60 km in der Stunde. Die Finken legen in der Sekunde 14,6 m zurück, in der Stunde 52,56 km. Sehr nahe kommt ihnen in ber Schnelligkeit bie Saatkrähe mit 14,5 m in ber Sekunde und 52,5 km in ber Stunde. DieRebellrähe fliegt 13,9 unb die He- ringsmöve 13,8 m. Diese beiden Vögel legen ebenso wie die Mantelmöve gegen 50 km in der Stunde zurück. Sehr schnell fliegen auch Zeisige, die etwa 56 km in ber Stunde zurücklegen. Der langsamste ber beobachteten Vögel ist der Sperber, ber 11,5 m in ber Sekunbe und 41,4 km in ber Stunde fliegt. Für bie Geschwindigkeit des Vogelfluges ist allerdings die Windstärke von hoher Bedeutung, unb nur Vögel, die nicht gegen den Wind fliegen, erreichen diese Schnelligkeiten. Eine Krähe würde bei windstillem Wetter nur 10 Stunden gebrauchen, um bie etwa 500 km breite Aorbsee vonHelgolanb bis Englanb zu überfliegen. Bedeutende Schnelligkeiten sind durch die Dogelberingung nachgewiesen worden. So wurde z. D. an erlegten Ringstörchen eine tägliche Durchschnittsleistung von 200 km fest gestellt.


