Einzelbild herunterladen

ÄS l*Un9, kratze t2, ®keij Mn Ä" lit kllich!,!! Ml« "Ws«?«* '0(t die

Auch^m^'S' EZr

lin8«-e&$?

»ms.

eL ,bel*u^"8

ünn, Wachen iqir - LNlungM IoW ßiktatur L £ 6t?ri[ität 'beh JSRM «»bet. an^lbtm9t' un« Eel kpeiiMnten mil ^suchen, die dm 2"' iüt kr $ Ton AMf M ^92. lTerlag M

Ganzleinen S M mmlung von 493 Sei- * Zeiten, bei ben

S&riltentum Wy warm. So W isH . Zeichen, bhzan- Koisemioiwgrannne, üö Steinmetzen, arten, chrifüiche Zei- 1 den frühen Grund- e in die ÜrgesMe Ein Geheimnis birgt r dem Eingeweihten )t noch heute hinter mtagranm aus |rüb* nogramm Justinians > die Hauemarlen der 1 Zeichen Hans Lachs sches ö/einnietgcichen Heute ben ßlaubtn n - allemti wer- Lee vrewe^dre. 6k ,t\i zu sammeln und , dieses Buches. Bei I entnommenen Zeichen chilicher Treue Nr- inerlannte Fachleute e wertvolle Beiträge 5 Buch keine gelchr- )ll im Sebrouch des d beruflichen Lebens 3n diesem Sinne ist nli(b gehaltenen Wette mg zu wünschen D a l d, i.Ieyers Mse- 76 W 22 Ratten, htcn. Preis rnLerm ii JubiläumsM oe- den Bibliograph'^ icn soeben in der ners Aeifebucher h

1 nördlich.^ sten bis Ctsench « Borland vom «w einem 2lusA

i ist gegen cne M ,d gründlich mswerte Derbessc^ SS 8

7,ö c »'Sn

- de?E L jl >er Begle't ^en

BeroK^' »eu9D&# rkung/^^ipM SM ^p"§Ä ä ®a4i°S &

Ä f»1 t. «"* Wfiin V taiw1.

Nr. 225 Erster Blatt

176. Jahrgang

Donnerstag, 23. September 1926

Erscheint täglich,außer Sonntags und Feiertags.

Beilagen:

Gießener Familienblätter Heimat im Bild Die Schalle.

MonalS'Bezugspretr:

2 Reichsmark und 20 Reichspfennig für Träger­lohn, auch bei Richter« scheinen einzelnerRummern infolge höherer Gewalt. Fernsprechanschlüsse: 51, 54 und 112.

Anschrift für Drahtnach­richten: Anzeiger Gießen. Postscheckkonto:

Frankfurt am Main 11686.

Gicheuer Anzeiger

General-Anzeiger für Oberhesten

vriick und Verlag: Brühl'sche Universitäts-Buch- und Zleindruckerei R. Lange in Siehen. §chrift!eitung und Geschäftsstelle: Zchulstrahe 7.

Annahme »on Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher.

Preis für l mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig: für Re- Klameanzeigen van 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorschrist 20°/, mehr.

Chefredakteur:

Dr. Friedr. Wilh. Lange. Derantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr. H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Dlumfchein; für den An­zeigenteil i. Dertr. H. Beck, sämtlich in Gießen.

Die italienische Sphinx.

f Don unserem römischen ^-Korrespondenten.

s Rom, Ende September.

3n der Nacht zum 18. September buken die Bäcker graues Brot. Es war ja schon lange an­gekündigt, aber man hatte doch nicht so recht daran geglaubt. Cinheitsbrot! Einheitsregierung, Einheitspartei, Einheitspolitik, Einheitspreise. Die Bereinheitlichung ist das Brot der Revolutionen, warum soll die faszistische eine Ausnahme machen? Gewiß, der Romane hängt inniger, als sich das ein Nordländer vorstellen kann, an seiner schneeweißen Krume, aber was tut man nicht alles dem Vaterland zuliebe? ilnö das Einheitsbrot ist gut, ist für eine deutsche Zunge weit schmackhafter als der oft fade Papp von gestern, immerhin sogar die Regierungs­presse wittert bereits einen Mangel an Dauer. Sie kennt ihre Pappenheimer. Schon hat man Eisenbahnwagen voll Dreckzeug, das zur Streckung 17 Prozent Beimischungen sind vorgeschrieben dienen sollte, Reisschalen und gemahlene Kokosrinde, beschlagnahmt. Und dann dieses Wort, dieses gründlich verleidete Wort bigiol Bigio heißt grau, im besonderen jenes Grau, das nach Gemütsverstimmung, Novembernebeln, Einschränkung und Ersatzmitteln riecht. Pane bigio es schmeckt nach Krieg.

3n der gleichen Nacht, acht Tage nach dem Attentat vor der Porta Pia, wurden die Bür­ger zu Tausenden aus ihren Betten geholt und ins Gefängnis überführt. Zu Wertausen- den häuften sich die persönlichen und Hausdurch­suchungen. Ein amtlicher Bericht gibt allein für Rom für diese und die vorhergegangene Nacht über 9 0 0 Verhaftungen und die doppelte Zahl von Haussuchungen zu. Der neue Polizei­präsident, der nun für die Sicherheit Mussolinis verantwortlich ist, greift rücksichtslos durch. Aber auch in der Provinz schlafen die Präfekten nicht. Man hat das kleine Nest, wo der Granatenwerfer das Talglicht der Welt erblickte, förmlich um­gestülpt und seine ganze Familie nach Rom befördert. Es gibt in jener Gegend viele poli­tisch eindeutige Gestalten und viele Kerle mit Mutterwitz darunter. Der Verhörrichter könnte darüber sicherlich manches erzählen. Anarchist? Aber gewiß bin ich Anarchist wie es Musso­lini auch war. Vorbestraft? 3a aber nur achtmal. (Mussolini sah elsmal im Gefängnis.)

3n der gleichen Nacht wurde der schwarze Tag der Börse geboren. Es läßt sich beim besten Willen auch in der Ein­heitspresse nicht mehr verheimlichen. Von Krach und Zusammenbruch, von Niedermähung der Staatspapiere wie der Aktien ist da die Rede. 3n anderen Ländern stiegen die Aktien, wenn die Valuta fiel. 3n 3talien fallen sie, wenn die Lira steigt. And wenn die Lira sinkt, fallen sie auch. Favoriten, wie die Banca Commerciale. gingen seit der Dalutaheberei von rund 1500 auf rund 1100 zurück. Kleine Banken krachen in so beängstigendem Mähe zusammen, dah die Re­gierung ein Danküberwach ungsgeseh, ein Schuhgesetz für die kleinen Sparer, heraus­brachte. Die Presse bemüht sich nach Kräften, den Mtienschwund als natürliche Folge der De­flation und Deflationskrise als Gesundhcitskrise und die Krise als günstiges Omen für die Lira- besserung zu erklären, bringt aber auch Leit­artikel, aus denen man erfährt, wenn man es schon sonst nicht hören darf, daß hinter den Kulissen ein mißgünstiger Chor seinRhabarber, Rhabarber!" murmelt.Aus jenen Kreisen des Müßiggangs oder der Geschäfte dringt zu uns das Echo und Gemurmel absolut unbegründeter und phantastischer Gerüchte, heimlichen Geflüsters und Getuschels über die verschiedensten Dinge. Flausen, die erheiternd sein könnten, wenn sie nicht gefährlich wären ..."

Dieselbe Presse beklagt sich auch, dah merk­würdigerweise jedesmal dann, wenn die Lira steigt, die mitgestiegenen Haushaltpreise ha, sie hätten ja eben nicht mitsteigen sollen, sondern in analoger, reziproker, arithmetischer Weise herunter gehen. Sie tun das aber nicht. Sie kleben. Sie haben ihre eigene Rechen­kunst. Woraus sich ergibt, was bigio schmeckt, nach Teuerung und Krieg.

älnd noch manches andere wäre zu erwähnen, die nicht an ihrem Bestimmungsort eintreffenden Briefe und Zeitungsartikel fremder Korrespon­denten, die in Rom gänzlich unbeEannten Zusam­menstöße zwischen Farinaccianern und Mussolc- niste'n, die Kundgebungen vor französischen Kon­sulaten, Pariser Proteste und derlei Neuigkeiten, von denen nur erfährt, wer ausländische (ge­legentlich mit achttägiger Verspätung und Zensur­stempeln eintrefsende) Zeitungen liest; Zwischen­fälle, allerhandkritische Zeichen erster Ordnung" könnte man erwähnen, um aber dann doch zu "einem Schluß zu kommen, der manchen Leser verblüffen muß. Trotz alledem herrscht nämlich in ganz 3talien und wenn es noch so amtlich klingt eine beneidenswerte Ruhe und Heiterkeit. Der wäre schlecht beraten, der sich durch ängstliche Erwägungen von seiner Fahrt nach dem Süden abhalten ließe. Die Züge verkehren pünktlich, in den meisten Gasthöfen lebt man noch weit billiger als jen­seits der Alpen, in den Geschäften ist alles zu haben, was das Herz begehrt, und das Volk ist noch genau so liebenswürdig und zuvorkom- nrend gegen Frenrde wie je. 3n Strömen flieht der gelbe Wein in den Arbeitervierteln, Kurbel­klaviere u»d Trichtrrgrammophone überschreien sich mit Valencia und Königshymne und Piavr- marsch und Giovinezza! Wenn die berühmte dumpfe Gärung" da ist, so verrät sie sich we­nigstens durch keinen ßaut, unbehelligt tarnt der

Stresemanns Rückkehr aus Genf.

Genf, 22. Sept. (£11.) Außenminister Dr. Stresema nn speiste heute mittag bei der belgischen Delegation. Hierauf begab er sich mit den Herren seiner näheren Umgebung nach Montreux, wo sich seine Gattin zur Zeit befindet. Dr. Stresemann wird heute hinter Lausanne den D-Zug besteigen, der kurz nach 5 Uhr Genf verläßt und Donnerstag nach­mittag in Berlin eintrifft. Kurz vor seiner Abreise von Genf empfing der Minister noch einmal die in Genf anwesenden Pressever­treter aller Nationen. Er erklärte, daß er gekommen sei, Abschied zu nehmen, da er nach Berlin zurückkehreit müßte, wohin ihn die Ein­berufung des Ministerrates, früher als beab­sichtigt, rufe. 3ch bin in den letzten Tagen über meine Genfer Eindrücke vielfach gefragt worden. 3ch mache kein Hehl daraus, daß es Ein­drücke der Genugtuung sind. Das gleiche glaube ich auch für die anderen Mitglieder der deutschen Delegation sagen zu können. 3n allen Fragen, die unS beschäftigt haben, ist die deutsche Delegation stets einer Auffassung ge­wesen. Daraus mögen Sie die Gewähr entnehmen, daß die von uns verfolgte Politik sich stützen kann lauf die große Mehrheit des Parlaments und darüber hinaus, aber besonders auf die große Mehrheit des deutschen Volkes. 3ch habe es abgelehnt, in der Beurteilung der Wah­len zum Völkerbundsrat von deutschfreundlichen oder deutschfeindlichen Völkern zu sprechen. 3ch habe empfunden, daß diejenigen Unrecht haben, die davon sprechen, dah der Völkerbund der Ausdruck sei von M ä ch t e l o n z e r n e n, die ihn vollkommen beherrschen. 3ch muß jedoch noch Gelegenheit nehmen, zu einigen Gerüchten Stel­lung zu nehmen, die hier gerade in 3hren Kreisen sich gellend gemacht haben sollen in bezug auf eine Ansprache, die ich gestern vor der deutschen Kolonie gehalten habe.

Ich habe darauf hingewiesen, daß wir in Genf einen großen Schritt vorwärts ge­kommen sind. Ich habe diesen großen Fortschritt darin gesehen, daß in den Beziehungen zwischen Frankreich und Deutsch­land heute nicht mehr verhandelt würde über die Ziffer von Desahungsiruppen oder die Der- minderung dieser Besatzung um irgendeine Ziffer, sondern um die ganze Frage der Rheinlandräumung und weiter um die Frage der Rückkehr des Saargebiets zu Deutschland. Ich habe damit keine Indiskre­tion begangen, da mir havasmeldungen über den gestrigen französischen Ministerrat vor­liegen, in denen ganz offen von diesen Fragen gesprochen wurde, und ich habe im Zusammen­hang mit der Regelung dec Saarfrage ge­sprochen von dem S elb st bestimm uugs- r e ch t der Völker und damit die voraussichtlich stattfindende Abstimmung im Saargebiet über seine Rückkehr zu Deutschland angedeutet.

Meine Herren, was ist daraus gemacht wor­den? Ein Mailänder Blatt soll heute angeblich davon sprechen, dah ich die Angliederung Oesterreichs und die Annexion von Tirol an Deutschland angekündigt hätte und es wird gefragt, ob das alles mit Herrn Briand in Thoiry durchberaten worden sei. Thoiry.war sehr schön psychologisch und ich hoffe auch in der Politik. Aber wenn Sie glauben, daß dort Europa verteilt worden ist und irgend eine neue Regelung beschlossen worden ist, dann bitte überschätzen Sie den Umfang nicht, den diese Diskussion gehabt hat.

3ch glaube, wir alle können uns vom Geist des Völkerbundes aus der Fortschritte freuen, die die Verständigung der Nationen gemacht hat seit dem Eintritt Deutschlands in den Völkerbund und ich freue mich besonders des Fortschrittes, den die Besserung der Beziehungen zwischen Frankreich und Deutschland macht, weil ich darin

eleganteste Herr, kann selbst ein geschniegeltes Liebespärchen durch die Fabrilvorstädte wandeln.

Nicht wenige Menschen in der Welt und ins­besondere im humanen Amerika haben sicherlich erst durch das Attentat auf Mussolini erfahren, daß 3talien bisher feine Todesstrafe kannte; sie würden noch mehr erstaunt sein, wenn sie sehen könnten, wie gut sich das Volk trotz allen harten Vorschriften Mussolinis mit dem Faszis- mus verträgt. Das ist das Rätsel in der italie­nischen Volksseele, jenes unerschütterliche Lä­cheln der Sphinx. Vielleicht weicht es plötz­lich eines Tages einer wutverzerrten Grimasse, aber heute, das muh ein Unbefangener fest­stellen, ist es noch vorhanden.

Ganz ähnlich wie in der inneren Politik, ganz ähnlich sieht es am größeren Himmel aus. Hier heißt die lächelnde Sphinx Mussolini. Genau acht Tage nach seiner Kriegsfanfare gegen Paris befiehlt er den Wogen, zu kuschcn, und spiegelglatt wird unter seinem Quos ego! dir Presse. Brechen wir daS Brot mit Frankreich wenn es auch bigio ist...

Denn noch steht der Zeiger nicht so, daß die älhr zmn Schlage ausheben kann. Zuerst muh Rom Rücken- uird Flankenfrei­heit haben, dazu eine gesicherte Rückzugslinie. Zunächst also die Diplomaten an die Front! Verträge, Verträge, Verträge. Die Brücke nach Amerika geht über Spanien, aus dem bal­kanischen Wetterwinkel dürfen keine Heberraschun- gen kommen, also Bündnis mit Rumänien. Darin leine Bindung für Bessarabien, um es nicht mit Rußland zu verderben. Nun An­

den Kern sehe der ganzen Frage der europäischen Verständigung. Aber gerade, wer diese Ver­ständigung will, der möge sie nicht Kören durch solche Sensationen und durch solche Gerüchte, die in den Tatsachen keinerlei Bestätigung finden. Man hat an mich die Frage gerichtet, ob Deutschland einen ständi­gen Vertreter in den Völkerbund delegieren würde. 3ch darf darauf erwidern, dah das nicht in der Absicht der deutschen Reichsregierung liegt und dah ich Wert darauf lege, die Ver­tretung im Dölkerbundsrat selbst zu führen, um auf diese Weise doch die persönlichen Be­ziehungen zu verstärken, die mich mit den Per­sönlichkeiten verbinden sollen, deren große Er­fahrungen bisher den Dölkerbundsrat geführt haben und mit denen ich zusammenzuarbeiten habe. 3ch glaube deshalb auch annehmen zu dürfen, dah ich in beiden Tagungen des Völker­bundes und des Völkerbundsrates, soweit sie in Genf stattfinden, Gelegenheit haben werbe, wieder hier zu sein.

Eine Botschaft Stresemanns an das Rheinland.

Köln, 22. Sept. (WTD.) Nach einer Mel­dung derKölnischen Zeitung" empfing Reichs- auhenminister Dr. Sttesemann unmittelbar vor seiner Abreise aus Gens den Vertreter derKöl­nischen Zeitung", um ihm folgende Erklärung ab­zugeben:

3n dem Augenblick, in dem ich Genf verlasse, ist es mir ein Bedürfnis, der Bevölkerung des Rheinlandes, unter der ich ja in wenigen Tagen auf dem Kölner Parteitag der Deutschen Dolkspartei weilen werde, einige Worte treuen Gedenkens zu sagen. Wir haben hier in der Stadt des Völkerbundes Tage von ge­schichtlicher Bedeutung erlebt, und selten war eine so kurze Zeitspanne mit so vielen wichtigen politischen Vorgängen und Verhandlungen er­füllt. Aber inmitten aller Arbeit, die wir hiev leisteten, war unser Blick unaufhörlich auf das Rheinland gerichtet. Des Rheinlandes>achten wir in der stunde, als wir von 48 Nationen begrüßt in den Saal der Volkerbundsversammlung einzogen. Dem Rhein­lande gehört auch unser Denken in den Bespre­chungen von Thoiry, auf deren große Be­deutung für die Zukunft des deutschen Rhein­landes ich hier wohl nicht mehr einzugehen! brauche. Die rheinische Bevölkerung, die in den schwersten Stunden soviel Treue und Hingebung an das große Vaterland bewiesen hat, darf am Ausklange dieser denkwürdigen Genfer Tagung das Gefühl haben, dah ihre Treue und Hin­gebung unvergessen blieb und daß sie die sicherste Grundlage bildete, auf der allein hier an dem Werke der deutschen Freiheit gearbeitet werden konnte.

Briands Politik.

Die Darlegungen des Ministers im Kabiucttsrat.

Paris, 22. Sept. (TU.) Ueber den gestrigen französischen Ministerrat werden von der Morgen­presse noch einige Einzelheiten mitgeteilt. Nach dem Petit Parisien" hat Briand ausführlich die An­schauungen dargelegt, die ihn bei seinen Verhand­lungen mit Stresemann geleitet hätten. Er habe die Auffassung, je länger man warte, d e st o schwieriger würden die Fragen, die man mit Deutschland zu regeln habe. Dadurch würden auch die Streitgründe zwischen den beiden Län­dern immer g r ö ß e r. Es sei deshalb vorzuziehen, aus der gegenwärtigen Entspannung heraus gewisse politische Zugeständnisse zu machen, die ihren Wert verlieren würden, sobald man dazu schreite, zu den im Versailler Vertrag festgelegten

näherrmg an Deutschland. Zug um Zug. Bis es soweit ist... Hoffentlich hält das innere Lächeln bis dorthin Schritt.

Die polnische Mcmznot.

Ratschläge

des Amerikaners Kemmerer.

Warschau, 22. Sept. (WTB.) Einige War­schauer Zeitungen sind in der Lage, einen kurzen Auszug aus der Denkschrift zu geben, die der ame­rikanische Finanzberater Professor Kemmerer der polnischen Regierung vor seiner Abreise überreichte. Danach lenkt Kemmerer die Aufmerksamkeit der pol­nischen Regierung auf das schlechte Steuer- s y st e m. Ein Teil der Bevölkerung zahle gar keine Steuern, der andere Teil aber sei mit Ab­gaben überla st et. Was die polnische Ausfuhr­politik anlange, so stellt Kemmerer fest, daß Polen ein vornehmlich ackerbautreibendes Land sei und keine reine Jndustriepolitik treiben dürfe, die nur mit der Ausfuhr von Kohle und Textilien rechne. Auch betonte der amerikanische Finanzsachverständige, daß die sofortige Durchfüh­rung der Agrarreform große Schäden zur Folge haben müßte. Weiter sprach sich Kemmerer gegen die übermäßigen Abgaben der in Polen arbei­tenden kapitalschwachen Banken aus und trat für eine Staatsaufsicht über bas Bank­wesen nach amerikanischem Muster^ ein. Endlich meint Kemmerer, daß Polen den Staatshaushalt zwar mit eigenen Kräften ins Gleichgewicht brachte.

Daten zu greifen. Als Gegenleistung könne Frank­reich, um eine direkte Einigung mit Deutschland zu erzielen, gewisse Vorteile, vor allem auf mir t- schaft 1 ichem und finanziellem Gebiet erhalten. Seit Jahren sei er der Ueberzeugung, daß eine derartige Regelung nicht nur im Interesse der beiden Nationen liege, sondern auch den Frieden Europas und der Welt befestigen könnte.

Selbstverständlich hätten diese Darlegungen zu verschiedenen Bemerkungen Anlaß gegeben. Ein Wort Taxdieus habe den allgemeinen Eindruck klargestellt. Er habe darauf hingewiesen, daß es für die französische Regierung 'darauf ankomme, die Gegenwart in der besten Weise auszunutzen. Ueber die Frage, wann die deutsch-französischen Be­sprechungen weitergeführt werden können, kann nach demPetit Parisien" für den Augenblick noch nichts gesagt werden. Sobald sich aber die deutsche Regierung in ähnlicher Weise wie die franzö­sische ausgesprochen habe, würden die Verhandlun­gen zunächst auf diplomatischem Wege weiterge­führt werden.

(Ein Mißgriff.

Die Fortdauer der Rheirilaudbesetzuuq als Sanktion für Abrüftungsver- fehlnngen.

Berlin, 22. Sept. (WTB.) Eine der Wilhelm- straße nahestehende diplomatisch-politische Korre­spondenz nimmt in ihrem heutigen Artikel Stellung zu der von uns gestern veröffentlichten offiziösen Auslassung der Agence fiavas über den französischen Ministerrat. Es heißt dort u. a.: Die Ausführung, das Deutsche Reich habe bis jetzt getreulich die Ver­pflichtungen des Dawesplanes aus­geführt, aber nach ganz neuen Berichten scheine es nicht, daß bisher auch mit Bezug auf die A b - r ü ft u n g dasselbe Ergebnis erlangt worden fei und die Regierung deshalb im Einvernehmen mit ihren Sachverständigen die Bedeutung dieser Leistungs­rückstände und Manquements aozuwägen und fest­zustellen haben werde, in welchem Ausmaße sie als Sanktion die Fortsetzung der Be­setzung nach sich ziehen werde diese Ausfüh­rung, die allerdings im Zusammenhang mit ben übrigen durchweg in einem der gesamten Trans­aktion und Verwirklichung der mit ihr angestrebten Konsequenzen günstigen Sinne gehaltenen Dar­legungen des Kommuniques gelesen werden müsse sei zweifellos geeignet, in D e u t s ch l a n d p e i n- liche Empfindungen auszulösen. Es solle hier die sachliche Berechtigung der aufgestellten Behaup­tungen nicht untersucht werden, zumal mit dem Be­griff derG e s a m t l ö s u n g" das Streiten um die Bedeutung relativ kleiner Einzelfragen und angeblich noch offen stehender Forderungen auf die­sem oder jenem Gebiete nicht vereinbar sei. So wenig wie auf französischer Seite verhehle man sich auf deutscher Seite, daß die praktische Verwirk­lichung der in Thoiry skizzierten Aufgabe nicht frei von Schwierigkeiten sein werde. Es bedürfe dazu nicht erst besonderer Konstruktionen, in denen beabsichtigt ober unbeabsichtigt mit Begrif - f e n gespielt werbe, die nachgerade aus den deutsch-französischen Erörterungen p u s g e s ch a l - t e t sein sollten. Und gerade, wenn man, wie das durch die feierliche unanzweifelbare Erklärung des französischen Gesamtministeriums unter besonderer Betonung der Zustimmung ihrer grundsätzlich im Vergleich zu Briand anders orientierten Mitglieder proklamiert werde, eine Verwirklichung der angestrebten Gesamtregelung wolle, scheine es am Platze, mit größtem Takt und mit größter Zurück­haltung die erforderliche g e i st i g e u n d,s e e.l i s ch e Bereitschaft der beiden Völker zu schaffen und zu erhalten, die hierfür eine unerläßliche Voraussetzung sei. In diesem Sinne dürfe man nicht in feinen Konklusionen, aber in den oben fest- gehaltenen einzelnen T-e i l e n das vorerwähnte Kommunique als ein psychologisch wenig

daß aber trotzdem eine Anleihe sehr notwendig wäre.

Das sozialistische BlattRobotnik" ist mit diesen Ratschlägen des amerikanischen Finanzsachver­ständigen sehr unzufrieden, da Kemmerer der Auffassung des Blattes zufolge in eine kapitalistische Ideologie verstrickt fei. Derartige Ratgeber gäbe es in Polen zu Hunderten und Tausenden und es sei erstaunlich, daß die Regierung für derartige überflüssige Methoden ihr Geld hin­an s w e r f e. Im übrigen belaufen sich, wie der Finanzminister im Finanzausschuß des Landtages mitteilte, die Gesamtkosten des Aufenthaltes Kem- merers und feiner Abordnung in Polen auf 120 000 Dollar, was einer Summe von einer Million Zloty entspreche.

*

Von gut unterrichteter Seite erfahren wir, daß Dienstag in den späten Nachtstunden eine g e - Heime Beratung zwischen dem Premier­minister Bartel und dem Kriegsminister P i l - sudski stattfand. In den politischen Kreisen War­schaus will man wissen, daß diese Besprechung der Tätigkeit der Opposition und ihrer letzten Demon- stration gewidmet mar. Wie behauptet wird, haben die beiden Minister beschlossen, weitere De­monstrationen der Opposition im Zusammenhang mit der Ankunft des begnadigten früheren Kricgs- ministers General Malczewski in Warschau zu verhindern. Die Lage in Warschau wird als außerordentlich nervös und gespannt bezeichnet.