Turnen, Sport und Spiel.
Leichtathletik.
Der leichtathletische Dreiländer- kampf in Basel
wurde von Deutschland überlegen gewonnen. Die Endergebnisse lauten: Deutschland Sieger mit 127V3 Punkten. 2. Frankreich 39' ... 3. Schweiz 63 Punkte.
Ter deutsche Sieg war durchaus verdient. Aber nicht nur den Ländrrkamps hat Deutschland gewonnen, sondern auch zwei neue deutsche Rekorde wurden in Basel ausgestellt. Sn der 4, 100- Meter-Slaffel lief die deutsche Mannschaft Treibholz. Wege. Ho üben. Körnig mit 41.8 Sek. und in der 4x4OO-Meter-©taffel die Mannschaft Faist. Schmidt. E n g eist a r d t und Dr. Pelher mit 3.17.4 Min. einen deutschen Rekord.
Leichtathletische Wettkämpfe in Gießen.
£ Auf ^dcm Sportplatz der Spielocreinigung 1900 tarnct? am Sonntag die leichtathletischen Wett tämpfe des \ Bezirks (9. Kreis) des Arbeiter.Sport Bundes zum Austrag. Der Beginn der Dorkcimpsc. der um 8 Uhr festgesetzt war. verzögerte sich etwas, so daß die ganze Abwicklung des sehr reichhaltigen iporilichen Programms etwas in die Länge gezogen wurde. Die Endkämpfe am Nachmittag hatten ein zahlreiches Publikum angelockt, die die mitunter recht spannenden und erbittert umstrittenen Entscheidungen mit großem Interesse und viel Beifall verfolgten. Das Wetter ließ sich, besonders am Nachmittag, einigermaßen an, allerdings machte sich der heftige Wind unangenehm bemerkbar, und manches Resultat wurde dadurch ungünstig beeinflußt. Die gezeigten Leistungen befriedigten allgemein wenn man berücksichtigt, daß es sich hier nur um Sportler handelt, die ausnahmslos dem Arbeiterstande angehören. Die Resultate zeitigten folgendes Ergebnis:
Mehrkämpfe.
Fünfkampf für Sportler: 1. Artur Kröck. Heuchelheim. 241 P., 2. Otto Bach. Heuchelheim, 228 P.. 3. Otto Klinkei. Lollar. 218 P.
Dreikampf für Altersklasse: 1. Wilhelm Wolf. Gießen, 175 P., 2. August Kunze- müller, Gießen. 132 P., 3. Ernst Ruppcl. Gießen, 127 P.
Dreikampf für Sportler über 18 Jahre: 1. Gustav Lust, Gleiberg. 206 P., 2. Anton Rabenau. Allendorf a. d. Lda.. 174 P., 3. Karl Römer, Gießen. 172 P.
Vierkampf f ü r Sugendliche (0 8 bis 10): 1. Richard Schäfer. Gießen. 372 P, 2. Georg Kraft, Alsfeld, 349 P.. 3. Willi Sparr, Gießen, 337 P
Bierkampf f ü r Sportler, Jugend 11 — 12: 1. Ernst Pausch. Krofdorf, 296 P.. 2. Heinrich Hederich. Kinzenbach, 233 P., 3. Ernst Kreiling. Heuchelheim. 227 P.
Bierkampf für Sportlerinnen Über 18 Sah re: 1. Renate Göbler. Gleiberg, 234 P.. 2. Lina Wilhelm. Lllsfeld, 168 P..3. Lina Wurstius, Alsfeld. 148 P
B i erkämpf für Sportlerinnen unter 18 Sahren: 1. Emilie Lindenstruth, Heuchelheim, 253 P., 2. Anna Leib, Gleiberg, 216 P., 3. Anna Jung. Krofdorf, 210 P.
Einzelkämpsc für Sportlerinnen.
75-Meter-Laus: 1. Anna Sung. Krofdorf. 10,4 Set., 2. Mine Seel, Gleiberg, 11 ©cf., 3. Emilie Lindenstruth, Heuchelheim. 11,2 Sek.
100-Meter-Lauf: 1. Renate Göbler, Gleiberg, 14.2 Sek., 2. Emmi Leib, Gleiberg, 14,3 Sek., 3. Lina Wurstius, Alsfeld. 15,1 Sek.
200-Meter-Lauf: 1. Renate Göbler. Gleiberg. 30.2 Sek., 2. Lina Wilhelm. Alsfeld, 31 Sek.
Hochsprung: 1. Renale Göbler, Gleiberg, 1,27 Meter. 2. Lina Wurstius. Alsfeld und Lina Wilhelm. Alsfeld. 1.22 Meter. 3. Emmi Lindenstruth, Heuchelheim und Anna Sung. Krofdorf. 1.17 Meter.
Schleuderball: 1. Emilie Lindenstruth, Heuchelheim. 27,20 Meter, 2. Renate Göbler. Gleiberg. 27,17 Meter. 3. Elfriede Borichel, Gießen. 24.97 Meter.
Einzelkämpse für Iugendsportler.
Speerwerfen: 1. Emil Gaub, Oppenrod. 38.65 Meter, 2. Gustav Pfaff. Launsbach, 35,32 Meter. 3. Wilhelm Hirschhäuser. Odenhausen. 34,45 Meter.
Dreisprung: 1. Rudolf Oßwald. Wieseck. 10,05 Meter 2. Emil Gaub. Oppenrod. 10,03 Meter. 3. Heinrich Becker. Krofdorf. 10,02 Meter. Außer Konkurrenz: Philipp Deisler. Sprendlingen, 10,39 Meter.
Hochsprung: 1. Heinrich Becker. Kros- dors, 1.60 Meter. 2. Emil Gaub. Oppenrod, 1,54 Meter. 3. Bernhard Roth. Oppenrod. 140 Meter.
1500-Meter-Lauf: 1. Wilhelm Steiß. Ovenhausen. 4:45,1 Min., 2. Karl Wilke. Gießen. 4:50,2 Min. Außer Konkurrenz: Georg Richter. Sprendlingen, 4:46 Min.
100-Meter-Lauf: 1. Heinrich Becker, Krofdorf, und Richard Schäfer, Gießen. 12,2 Sek. 2. Karl Klinke!. Lollar. 13 Sek. 3. Ernst Becht- hold. Krofdorf, 13.1 Sek.
Einzelkämpfe fär Sportler.
100-Meter-Laus: 1. Karl Römer, Gießen. 11,3 Sek. 2. Gustav Lust. Gleiberg. 11.4 Sek. Außer Konkurrenz: Bruno Tage Sprend- üngen, 11,2 Sek.
400-Meter-Laus: 1. Gustav Lust. Gleiberg. 58,4 Sek. 2. Otto Bach. Heuchelheim. 1:01 Min. Außer Konkurrenz: Sohann Löfsler. Sprendlingen. 56,1 Sek.
1500-Meter-Laus: 1. Otto Balser, Gießen, 4:34,1 Min. 2. Otto Eckstein. Alsfeld. 4 46,1 Min. 3. Alfred Schleenbecker, Heuchelheim. 4:53.2 Min.
3000-Meter-Laus: 1. Otto Balser. Gießen. 9:59,2 Min. 2. Otto Eckstein. Alsfeld, 10:23,3 Min. 3. August Spamer, Sprendlingen, 10:7 Win.
Dreisprung: 1. Braun. Staufenberg, 10,40 Meter. 2. Gustav Lust, Gleiberg, 10.19 Meter. 3. Arthur Kröck. Heuchelheim. 10,07 Meter. Außer Konkurrenz: Sohann Löffler. Sprendlingen. 11,17 Meter.
Hochsprung: 1. Karl Mulch. Annerod. Sakob Kunz. Wehlar. Wilhelm Kämmerer. Wißmar. 1,52 Meter.
Stabhochsprung: 1. W. Bechlinger. Rodheim. 2,90 Meter. 2. Rudolf Pfaff. Launsbach. 2,60 Meter. 3. Wilhelm Hirichhäuser, Odenhausen. 2,50 Meter.
Kugelstoßen: 1. Wilhelm Schwarz, Annerod, 10,25 Meter. 2. Gustav Göbler. Gleiberg, 9,00 Meter. 3. Artur Kröck, Heuchelheim. Braun. Staufenberg. 8.60 Meter. Außer Konkurrenz: Sohann Löffler, Sprendlingen, 8,60 Meter.
Diskuswerfen: 1. Wilhelm Schwarz. Annerod. 30,20 Meter. 2. Ma? Roack. Marburg. 25.10 Meter. 3. Sakob Kunz, Wehlar. 24,45 Meter. Außer Konkurrenz: Sohann Löffler, Sprendlingen, 25,30 Meter.
Speerwerfen: 1. Wilh. Schwarz. Annerod. 34,70 Meter. 2. Gustav Göbler. Gleiberg. 34,45 Meter. 3. Braun. Staufenberg, 34,31 Meter.
Hammerwerfen: 1. Wilhelm Schwarz. Annerod. 22,71 Meter. 2. Willi Sparr, Gießen, 17.55 Meter. 3. Ernst Rüspeler, Gießen, 17,42 Meter.
Schleuderball: 1. Wilhelm Schwarz, Annerod, 50,45 Meter, 2. Gustav Göbler, Gleiberg, 48,10 Meter, 3. Robert Mandler. Heuchelheim, 41,10 Meter. Außer Konkurrenz: Soh. Löffler, Sprendlingen, 41,10 Meter.
Staffel-Läuse.
4xl00-Meter-Staffel für Sportler: 1. Gießen 49,4 Sek.. 2 Heuchelheim 51,4 Sekunden, 3. Launsbach 53,3 Sek. Außer Konkurrenz 47,4 Sek.
3X200-Meter- Staffel: 1. Gießen 1:17 2 Min., 2. Heuchelheim 1:19,3 Min. Außer Konkurrenz: Sprendlingen 1:13,1 Min.
3X1000- Meter-Staffel’ 1. Gießen 9:15,4 Min., 2. Marburg 9:33 Min., Oppenrod 10:06,1 Min.
Olympische Staffel: 1. Gießen 4: 14 Min., 2. Gleiberg 4:17,1 Min., 3. Heuchelheim 4:22 Minuten. Außer Konkurrenz- Sprendlingen 4:3,1 Minuten.
Jugend. 4 100 -Meter-Staffel: 1. Gießen 50,4 Sek.. 2. Krofdorf 51.2 Sek.. 3. Oben- häufen 51.4 Sek. Außer Konkurrenz Sprendlingen 51,2 Sek.
Schweden st affel: 1. Gießen 2:27 Min . 2. Gleiberg 2:34 Min. Außer Konkurrenz: Sprendlingen 2:22,2 Min.
Sportlerinnen. 5 50 - Meter-
Staffel: 1. Gleiberg 38.4 Sekt.. 2.- Gießen 39 Sek.
Kleine olympische Staffel: 1. Gleiberg 1:4,4 Min., 2. Gießen 1:8 Min.
Fußball.
Bietzen — Heidelberg.
L Cs ist schon eine geraume Seit her. daß Gießen in Heidelberg weilte und sich dortselbst eine 5:1-Riederlage holte. Sn dem am Sonntag stattgehabten Rückspiel wurde nun diele Niederlage mit verhältnismäßig leichter Mühe ausgeglichen. Gießen gewann das Tressen 7:1 und hätte bequem höher gewinnen können, denn Heidelberg entsprach nicht mehr den Erwartungen, besonders in der zweiten Halbzeit wurde das Spiel recht lasch durchgeführt. Möglich, daß die Gäste den sehr steinigen Platz scheuten und Berlehungen vermeiden wollten, nachdem durch diesen Umstand schon in der ersten Halbzeit em Spieler von ihnen ausscheiden muhte. Möglich ist auch, daß sie durch zwei vom Tormann verschuldete Tore entmutigt waren. Angenehm emp- sunden wurde die faire Durchführung des Spiels, von Heidelberg wurde es wohl etwas zu weich gespielt. Vom Anstoß weg setzte sich zunächst Heidelberg durch, so daß es den Anschein hatte, als ob Gießen wiederum den kürzeren ziehen mühte. Beide Mannschasten spielten zunächst recht nervös. Der Dann wurde gebrochen, als Gießen nach einem raumgreis enden Durchbruch durch den Halblinken in Führung gehen konnte. Heidelberg zeigte wiederum recht schone Leistungen, besonders der Linksaußen verstand es immer, sich freizu- spielen. An der Gießener Verteidigung fanden sie jedoch ein schwer zu überwindendes Hindernis, die war in glänzender Form, zudem ließen die Angriffe der Gäste die nötige Durchschlagskraft vermissen. Giehen brach abermals durch und der präzise Torschuß erhöhte den Vorsprung auf 2 Tore. Bald darauf verschenkten sie einen Elfmeter. 10 Minuten vor Schluß der ersten Halbzeit zeigten die Gäste eine hervorragende Leistung, das in wunderschöner Kombination erziecke Tor. das das einzige bleiben sollte, war wohl das schönste des Spiels. Einige Zeit vorher mußte ein Spieler der Heidelberger infolge einer durch einen Sturz zugezogenen Knieverletzung ausscheiden. War bis dahin der Ausgang noch zweifelhaft, so zeigte die zweite Halbzeit recht bald ein klares Bild. Heidelberg schien sich schonen zu wollen, während andererseits die Gießener Kombinationsmaschine ausgezeichnet funktionierte. Zunächst wehrte sich Heidelberg noch erfolgreich. Gießen jedoch, unterstützt durch den recht heftigen Wind kam kaum noch aus der gegnerischen Spielhälfte heraus. Das folgende dritte Tor für Giehen hatte der etwas unentschlossene Tormann Heidelbergs verschuldet, der Balt wurde gemütlich vom Wind iirs Tor getrieben. Auch das vierte Tor hätte ohne weiteres vermieden werden können, wenn sich der Tormann nicht als Feldspieler probiert hätte, allerdings muhte die Verteidigung auch etwas mehr auf der Hut sein. Bei diesem Vorsprung der Gießener wurde das Spiel von den Gästen kaum noch ernst durchgeführt, die Gießener Hintermannschaft blieb fest unbeschäftigt. Ohne besonders große Anstrenaungen wurde das fünfte Tor erzielt, dem in kurzen Zwischenräumen das sechste und siebte Tor folgte. Der Rest des Spieles flaute mehr und mehr ab, Gießen ließ ebenfalls sehr nach, jedenfalls, um die Riederlage nicht allzu hoch werden zu lassen. Der Schlußpfiff des Schiedsrichters machte einem Spiel ein Ende, von deck man sich, offen gesagt, mehr versprochen hatte. Es wurden zwar beiderseits recht ansprechende Leistungen gezeigt, aber dein ganzen fehlte notwendiger Elan — ein Gesellschaftsspiel vornehmster Art!
V. s. B.
Die Alte-Herreninannschaft zeigt seit geraumer Zeit einen Spieleifer, der lobende Anerkennung verdient. Snfolge Fehlens gleicher Mannschaften bei den benachbarten Vereinen müssen sie sich hin und wieder aktive Mannschaften als Gegner aussuchen, um sich sortlich betätigen zu können. Gestern war es die 2. Mannschaft Heuchelheims, der sich die alten Semester auf dortigem Plan verschrieben hatten. Angesichts der Altersverschiedcnheit beider Mannschaften war allgemein mit einem Sieg Heuchelheims gerechnet worden. Daß Gießen trotzdem gewinnen, ja sogar einen 8:2-Sieg lanben konnte, zeugt, trotz des Ersahmittelläufers, von beachtenswerter Spielstarke und dürs der Mannschaft mit Recht als Erfolg gebucht werden. Das Spiel wurde von beiden ©eiten in ruhiger und fairer Weise durchgesührt. Trotz des lebhaften Kampfes wurden nur zwei Strafstöße, deren Ursache übrigens unbeabsichtigt war, verschuldet, was der Sportdisziplin beider Gegner, besonders der des unterlegenen, das beste Zeugnis ausstellt. Anläßlich des obenerwähnten Umstandes betreffs Mangels an geeigneten Gegnern sei hier einmal empfohlen, sich mit den gleichen Vereinigungen der nächsten Vereine, etwa: Spielvereinigung 1900, F. E. 05 und B. C. 10 Wetzlar, Vereinigte und Germania Marburg und V. f. R. Butzbach zwecks Bildung einer Art Interessengemeinschaft in Verbindung zu setzen. Es wäre dies ein Weg, der zur Wiederbelebung des A.-H.-Sports im Lahntreis führt, was den beteiligten Vereinen sicherlich nicht zum Schaden gereichte. Denn trotz allem Fortschritt können die 3ungen von den Alten immer noch mancherlei lernen. Vielleicht könnte mit einer Pokalrunde Versuch und Anfang gemacht werden.
Sportverein 1920 Heuchelheim - Yol.-Sportverein Friedberg 2:3
cf. Zu dem ersten Gesellschaftsspiel nach der großen Sommerpause hatte sich der hiesige Sportverein die erste Mannschaft des Polizei-Sportvereins Friedberg verpflichtet. Friedberg (teilt eine sehr gute Mannschaft, welche körperlich stark überlegen war. Das Resultat von 2:3 ist für Heuchelheim sehr schmeichelhaft. Allerdings muß berücksichtigt werden, daß h. mit drei Ersatzleuten spielte, was eine oollftäiuDige Umstellung der Mannschaft bedingte, und daß weiterhin der sehr gute Halblinke gleich zu Anfang verletzt das Spielfeld verlassen mußte, und erst nach Halbzeit wieder, aber nur als Statist, mitwirken konnte. Snsolgedessen spielte Friedberg stark überlegen. Daß der Torunterschied nicht größer wurde, hat Heuchelheim seinem ganz hervorragend spielenden Tormann zu verdanken Ebenfalls gut Bei Heuchelheim waren die beiden Verteidiger, der rechte und der Mittelläufer. Der Sturm spielte ganz unter Form. Wenn die Mannschaft bei den jetzt einsetzenden Verbandsspielen einigermaßen -gut abschneiden will, so muß sie, besonders im Sturm. bedeutend eifriger spielen. Einen Kamps um den Ball sah man heute fast nie im Sturm. Bei Friedberg war der Mittelläufer und der linke Verteidiger besonders gut. Sm übrigen war die Mannschaft ausgeglichen, sehr eifrig und, waS besonders erwähnt werden muß, sehr fair.
Schwimmen.
Die Europa - Schwimm - Meisterschaften.
do. Der vierte Tag der Europameisterschaften im Schwimmen brachte die Entscheidung im 400= Meter-Freistil, das erwartungsgemäß Arne D o r g- Schweden als Sieger sah. Deutschland konnte hierbei seht gut abschneiden, denn es gelang Heinrich, den zweiten Platz vor seinem Landsmann B e r = q e s zu belegen. Auch bei den Dorläufen im 100= Meter-Nuckenschwimmen, 100-Meter-Freistilschwim- men und im Kunstspringen waren die deutschen Vertreter stets unter den Ersten zu finden.
Im Stampf um den Europapokal ist Deutschland führend. Mit 43 P. steht es an der opihe, gefolgt von Schweden mit 28 P., Ungarn 10 P., Oesterreich 8 P., Belgien 5 P. und
Sturm in Schmalebeck
Roman von phie Kloerss.
Copyright 1926 by Aug. Scherl G. m. b.H., Berlin.
3. Fortsetzung. Nachdruck verboten.
Diesseits stieß der Doktorgarten an den Fluß. Seine Lindenlaube war immer voll Wasserfeuchte und Grasgeruch. Neben dem Garten lag ebenfalls eine Wiese, die zugleich den Abschluß des Pfarrgartens bildete; denn der ging nur bis zur Hälfte am Doktorgrundstück hin. Und die Wiese war beiden Familien zugleich die Bleiche für Wäsche und frischgewebtes Leinen.
Juchzen und Lachen war am Wasser und im
. Wasser.
Aenne, Gitta und Hans platschten an der Schmale herum, füllten die Gießkannen und sprengten das Seinen, das Weber Kempe vor drei Tagen abgeliefert hatte. In der Laube saß Ilse und beaufsichtigte die Gesellschaft. Sie hatte einen Stoß Handlicher vor sich und nähte feine Hohlsäume an die Mschlußränder. Nähmaschinen kannte man nicht, und alle Wäscheschätze wurden mit zierlichen Stichen wie ein kleines Kunstwerk behandelt.
Sie träumte dabei, bis ein lauteres Geschrei ihrer Trabanten sie auffahren ließ. Der Apfelichimmel! Mitten in der Schmale stand er, das Wasser blitzte um seine Hufen, sein Reiter schlug mit der Reitgerte nieder, daß die Tropfen stoben, und die Rottmanns- kinder halloten vor Bergnügen.
„Hier darf keiner herüber!" rief Aenne. „Hier ist ein Privatgarten!"
„Keiner darf 'rüber!" echote Hans.
„Ich will aber gerade in den Garten. Der sieht mir so aus, als wohnte eine Prinzessin hinter den Rosen."
„Die Prinzessinnen find wir!" rief Brigitte dreist.
„Ach, ihr seid nur die kleinen Hofdamen! Eure Herrin — sie ist dunkel wie eine Italienerin. Und ihre Augen sind wie schwarze Edelsteine. Und wenn sie lacht, trillern alle Lerchen im Himmel.
Da lachte das Trio schmetternd los. Lachte so arg, daß der braune Hans die Balance verlor und sich mitten in der Schmale niedersetzte. Die Wellen spritzten hoch, schalten leise, rannten eiliger — die Schwestern einzuholen —, und hinten hinein in die
blauen Leinenhosen und vorn wieder heraus strömten die flinken Gesellen.
„Steh doch auf, du wirst ja ganz naß!" rief der Reiter.
„Leg' ich mich auf die Wiese und trocken wieder!"
„So? Nun, wenn du solche Sachen gewohnt bist--" Er brach jäh ab. Da stand ja seine Prin
zessin in der Laube, sah herüber zum Bach, und ihre Augen funkelten vor Vergnügen. So hatte sie sicher schon die ganze Zeit gestanden. Hatte alles mit angehört —
Olaf Hammersmid ließ den Ajax mit drei Schritten an das Ufer traben, schwang sich herab, warf den Zügel über einen Ast und neigte vor seiner Herrin das Knie.
„Der blonde Page meldet sich zum Dienst bei seiner Königin!"
„Stehen Sie doch auf! Was für ein Unsinn! Die Kinder!"
Aenne und Gitta starrten mit großen Augen die Szene an.
„Euer Hoheit Damen wollten mir den Eintritt verwehren, aber ich drang sieghaft über Gräben und Mauern!"
„Wenn Sie meinen Eltern einen Besuch machen wollen — mein Bater ist auf Praxis, und meine Mutter kocht Erdbeeren ein!"
„Aus der Romantik in die Proscn — Nein, ick werde mir erlauben, den Besuch am Sonntag in der vorgeschriebenen Toilette zu machen. Alles zu seiner Zeit. Und jetzt eben — ich meine, es war nun Zeit für ein wenig Sommersehnsucht."
„Sehnsucht ist fein gangbarer Artikel in Schmalebeck, Herr von Hammersmid. Dazu ist die Kost zu real und der Tag zu sehr voll Arbeit. Sehnsucht ist etwas für Leute, die nichts zu tun haben."
Der schlanke, junge Mensch, blond, elastisch wie die dänischen Kavaliere seit manchen hundert Jahren schon gewesen, setzte sich auf die Rindenbank neben seine Prinzessin, und als sie mechanisch nach der Näherei griff, legte er seine Hand zwingend auf ihre Finger.
„Nicht die Nadel rühren, wenn das Herz — es spricht so süß von Sommer und Sehnsucht. Und von all der blauen Ferne. — Oh, eure deutschen Dichter, sie kennen die Sehnsucht. Eichendorfs — lieben Sie Eichendorff? — Und der Heine, der so süße Lieder fingen kann! — Lesen Sie Heine?"
„Er redet mir zu viel von Blumen und Sternen und Tauben und —"
„Frauen sollen immer reden davon. Von Blumen und Sternen! Frauen sind Blumen und Sterne." Seine heißen, schlanken Finger wichen nichi von den ihren. Immer fester wurde ihr Druck. Das Blut pulste so stark gegen die Haut, daß jeder Pulsschlag hinüberglitt in ihre Nerven.
Ilse versuchte die eigenen Finger fortzuziehen. Es wurde ihr heiß und unruhig bei diesem Gefangensein. Aber sofort faßte der Jüngling fester zu.
LSoU ich Ihnen nicht ein kleines Berschen sagen von ihm? Ich liebe es sehr:
Die Rose, die Lilie, die Taube, die Sonne, Die liebt ich einst alle mit Liebeswonne.
Jetzt lieb' ich von allen nur noch die ein —"
Gellendes Geschrei auf der Bleiche. Ilse federte förmlich in die Höhe. Die verstrickten Hände flogen von selber auseinander, beide stürzten aus der Lindenlaube. Und ihnen entgegen kam Aenne gejagt, die Augen vor Entsetzen weit aufgerissen, den Mund verzerrt, Schreitöne fürchterlichster Angst aus- stoßend. Sie warf sich Ilse um den Hals, Hämmerte ihre Arme eisensest und stieß verzweifelt hervor: „Nimm ihn weg! Nimm ihn weg!"
„Was beim? Was beim? — Aenne, um Gottes willen, was ist dir passiert? Besinn dich doch."
„Nimm ihn weg, nimm ihn weg! Hu, oh huh, — auf meinem Rücken! Er krabbelt. Er hupst! Ilse, o — ah — der Heuschreck —"
Von der Wiese ein höhnisches Geschrei: „Ist ja all lange weggesprungen. Aetsch! Letsch!"
„Dumme Gören!" So zornig war die große Schwester noch nie gewesen. „Immer müßt ihr einen in Angst jagen. — Verzeihen Sie, Herr von Hammersmid, Sie müssen einen netten Begriff von uns bekommen. Sei doch endlich still!" Ein derber Puff in Aennes Seite ließ die sich von der Schwester lösen. , Du bist die Aelteste und schämst dich gar nicht!"
„Und du knuffst einen noch, wenn man zu dir kommt. 3 gilt, i gilt, du bist ja nett geworden in Kiel."
Wütend ging sic zu den Geschwistern zurück und packte Hans in die Haare. „Du hast ihn mir ange- setzt. Du saßt immer all das widerliche Zeug an. Weil ich dir die große Gießkanne nicht gegeben habe. O du gräßlicher Junge!"
Der Braune hatte die dicken Patschen vor dem Magen gefaltet. Seine dunklen Beerenaugen blitz'cn vor heimlicher Freude trotz der zerrenden Schwe- fiernfinger. „Das war die gerechte Strafe Gottes."
„Wollen wir uns nicht wieder in die Laube setzen, Fröken Rottmann?"
Aber Jlsebill sah Frau Pastor Jessen über die Bleiche kommen und hinter ihr Friederike, und sie wußte, diese Schäferstunde hatte ein Ende gefunden, ehe sie noch recht begonnen. „Ick muß nach dem Leinen sehen, Herr von Hammersmid. Jetzt ist der Junge schon mit den Füßen auf den neuen Tischtüchern. Kommen Sie gut nach Hause und grüßen Sie bitte Ihre verehrte Frau Tante."
Die letzten Worte wurden mit erhobener Stimme gesprochen. Frau Pastor Jessen machte schon so lange Augen. Mochte sie hören, daß es hier nichts zu vertuschen gab.
Wieder spritzte das Wasser blitzend auf. Die Hufen klapperten auf den Kieseln. Ajax warf den Kops, und von drüben her grüßte der schlanke Reiter noch einmal mit tiefem Kopfneigen und einem Heben der Reitpeitsche.
„War das nicht der Herr von Hammersmid?" fragte Helene Jessen und schickte ihre Blicke hinter dem Reiter her. Was für ein merkwürdiges Benehmen, hier durch den Fluß zu reiten. Wollte er euch besuchen?"
„Es war mehr Zufall. — Guten Tag, Riekchen. Schlepp' doch nicht allein mit dem schweren Korb. Ich saß mit an."
„Ach, laß uns . . ."
„Och laß nur. Ich hab ihn ja schon so weit getragen." Sie setzte sich nieder und stand, starkknochig und gesund, mitten zwischen der Wiesen- und Wäschepracht. „Soll ich hier gleich austegen, Mutter?"
Frau Pastor Jessen sah sich unschlüsfig um. Un- schliissigkeit war der Stempel iyres Lebens. Riekchen fragte auch nur der Form wegen. Fest hineingroi- send in die Wäscheballen, warf sie einen auf den Boden, rollte ihn mit schnellen Händen auseinander und befestigte die Enden an den eingeschla» genen Pflöcken.
(Fortsetzung fotfit)


