Ausgabe 
23.6.1926
 
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Nr. 144 Zweites Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)

Mittwoch. 23. Juni 1926

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Das Problem der deutschen Reparationszahlungen.

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geblieben, er konnte leider der Zeitumständs halber noch nicht veröfsentlicht werden aus dem eine tiefe Freundschaft spricht, die die beiden Künstler von ihrer Karlsruher Zeit bis an den Lebensabend verband, Urheberrechtliche Gründe verbieten es. hier Thomas Abschiedsbries an Röth zu veröffentlichen. Es sei nur zum Schluß ein Teil von Röths letztem Vries vom 13. Januar 1921 an den greifen Freund toiedergegeben:

Die Alterserscheinungen haben sich bei uns beiden eingestellt, und ich sehe aus Deinem lieben Briefe, daß Du auch darunter leidest. Doch Du hast den Vorteil und das große Glück, daß Dir zeitweise noch vergönnt ist, arbeiten zu tonnen, toas mir seit über drei Jahren versagt ist. In meinem rechten Auge ist, durch eine starke Be­wegung des Kopfes verursacht, ein Blutäderchen geplatzt, wodurch die Sehkraft des Auges sehr gelitten hat. DaS linke Auge kann ich zum Lesen benutzen, freilich nur ein paar Stunden des Tages. Seit Anfang März bemerkte ich, daß ich nicht so frisch wie sonst meinen Morgen-« spaziergang machen konnte, das Gehen wurde mir immer schwerer und die Mattigkeit des' Körpers nahm zu, so daß ich lange Zeit das Zimmer nicht verlassen konnte. Dazu gesellten sich Magen- und Derdauungsbeschwerden, alles Beschwerden, die einem Zeit lassen, philosophische Betrachtungen anzustellen und an frühere Zeilen zu denken, besonders an meine teilweise sehr schwere Iuyendzett; und so kommt mir oft bei: Gedanke, toie sich alles, toas in meinem Leben so anscheinend unbewußt, zu meinem Besten sich gestaltete, älnd zu dem Schönsten, was mir das Leben gebracht hat, gehört die Freundschaft mit Dir.... Wir werden uns Wiedersehen!"

Am 30. Mai 1921 ist Röth seinem Freunde Thoma in die Ewigkeit vorangegangen.

eigenartigen Doppelgespann soll nun die franzö­sische Währung aus dem Sumps gezogen werden. Wir denken über diese Möglichkeit einigermaßen skeptisch, weil wir nicht glauben, daß Poincarö das Allheilmittel in seiner Aktentasche mit sich herum- trägt. Eine kurze Schonsrist wird ihm nermutlich gegeben, dann aber wird auch sein Kabinett von dem Barometerstand des Franken wieder abhängig sein.

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Philipp Röth.

Don Dr. D. Lade.

Gegenwärtig ist im Kupferstichkabinett des Landesmuseums in Darmstadt eine größere An­zahl von Studienblättern von Philipp Röth ausgestellt, die nach langen Jahren wieder ein­mal in der Heimat die Kunst des hier so wenig bekannten Meisters zeigen. Es sollen jetzt nicht die einzelnen Blätter besprochen werden sie reden eine eindringliche Sprache für sich selbst sondern auf die Stellung Röths im künstlerischen Leben seiner Zeit und seine engen Beziehungen zu dem unvergeßlichen Hans Thoma soll hin- getoiefen werden.

Röth, der am 10. März 1841 in Darmstadt geboren wurde, war in seiner Vaterstadt Schüler von August Lucas, Paul Weber und de n Galerie­direktor Karl Ludwig Seeger. In Karlsruhe arbeitete er bei 2. W. Schirmer und wandte sich 1864 nach Düsseldorf, um sich dort ganz der Landschaftsmalerei zu widmen. Thoma, den er von Karlsruhe her kannte, ermunterte er im Rovernber 1866, ebenfalls nach Düsseldorf zu kommen, was jener im folgenden Iahre auch aus­führte, ohne dort den rechten Boden für seine Arbeiten zu finden. 1870 wurde Röth in Mün­chen ansässig, das ihm zur zweien Heimat wurde. Wie innig er mit der oberbayerischen Landschaft, der Hochebene von München verwachsen ist, geht aus den zur Schau gestellten Studien deutlich hervor. Hier in München hat er sich zu einem auSgespnÄenen Vertreter der Münchener Land­schaft entwickelt, neben dem älteren Schleich, Lier, Wenglein u. a. Das damalige München war m künstlerischer Hinsicht stark im Banne Pilotys, neben dem die Landschafter nur eine beschei­denere Rolle spielten. Wie schwer gerade so ernste und stille Menschen unter dem geringen ^Verständnis ihrer Mitmenschen gelitten haben, geht aus Briefen Röths deutlich hervor. Aber

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nicht nur die Vertreter des Renaifsancismus taten ihren Erfolgen Abbruch, sondern aus dem eigenen Lager ging eine jüngere Generation her­vor, die mit ihrer impressionistischen Gestaltungs- toeife den Aelteren ein Greuel war. Röth schreibt einmal an Thoma (am 29. Dezember 1887) ge­rade von diesem Gegensatz, der ihm überall auf den Münchener Ausstellungen begegnete: Ich weih nicht, die alten Meister sind und bleiben für mich doch immer die einzigen Lehr­meister außer der Ratur. Soviel Verdienst­liches ja in neuerer Zeit in der Landschaftsmalerei zumal von den Franzosen geleistet wird, das tief Poetische, dasInnerliche", möchte ich sagen, haben selbst die Besten nicht in dem Maße wie die alten Meister." Burger charakterisiert jene Zeit in seiner Einführung in die moderne Kunst mit den Worten:Diese neue Generation mit ihrer impressionistischen Gestaltungsweise fragt nicht nach dem Wesen des Sichtbaren, sondern nach der Ratur der Sichtbarkeit, nach dem Gegen­stand der rein sinnlichen Wahrnehmung." Das tief Poetische, das Innerliche war den 8ran^en und den deutschen Impressionisten, wie Trübner, über dessen Kartoffeläcker, Raps- und Kleefelder Röth sich luftig machte, gänzlich fremd. Richt nur die Formen der Ratur, sondern auch der Mensch in ihr wurde zum Farbfleck, der seine Bedeutung für den Gesamteindruck hatte. Die Art, wie Röth und die obengenannten Münchner die Ratur sahen, war völlig anders. Auch sie hatten ein offenes Auge für die Probleme des' Lichtes und der Farbe in der Landschaft, doch sanden sie in jedem Motiv jenes tief Poetische, das als Erbe der Romantik in ihnen nachklingt. Röth ist sein Leben lang diesem künstlerischen Be­kenntnis treu geblieben und hat sich heiß darum bemüht. Wie oft schreibt er an Thoma:Mit tem Bilderma en plage ich mich sehr: die Erkennt­nis, wie man es machen sollte, wächst sehr rasch, aber das Ausführen geht damit nicht gleichen Schritt." Oder: »Dagegen habe ich an den an­

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gefangenen Bildern herumgewirtschaftet, ohne eigentlich ein Resultat zu erreichen." Er gehört zu jenen Künstlern, die ihr Bestes bei der un­mittelbaren Studie vor der Ratur gaben und häufig im Atelier an den ausgeführten Bildern die ursprüngliche Frische des ersten Entwurfes selbst vermißten. Röth hat unter dieser Zwie­spältigkeit unsäglich gelitten, oft hat er nicht ein­mal die Zuversicht, daß er den Erwartungen ent­sprechen könne, die man auf ihn setzte. Als im Frühjahr 1891 der Darmstädter Kunstverein an ihn herantrat, er solle im Lause des Iahres einen äleberblick über fein Schaffen in der Vaterstadt geben, war er nicht nur wegen der entstehenden Kosten bedenklich, sondern er fürchtete, wegen sei­nes langsamen Produzierens nicht genügend fer­tige Bilder zu haben. Schließlich kam es im 3uni des Iahres zur Ausstellung in den Räumen des Kunstvereins in Darmstadt. Er schreibt darüber an Thoma am 23. Iuni 1891:Ich habe seit Monaten gar nichts mehr gearbeitet und seit ich im Glaspalast zu tun hatte (er gehörte zur Iurh), bin ich von dem vielen Bildersehen ro ermüdet und so verwirrt davon, daß ich alle Arbeitslust verloren habe. Ein klein bißchen Er­folg würde mir etwas auf die Strümpfe helfen, aber ich fürchte, daß ich in meiner guten Vater­stadt nicht darauf hoffen kann, daß etwas öor* meinen Bildern dort gekauft wird. Ich habe immer so viel Katzenjammer über meine Arbeiten, so daß ich mich schwer entschließen konnte, die Ausstellung in Darmstadt ins Werk zu sehen." Seine Befürchtungen wegen des Erfolges der Ausstellung bewahrheiteten sich leider. Thoma tat damals alles, um dem niedergedrückten Freund zu helfen. Er schrieb anerkennend über den Eindruck, den ihm die Darmstädter Ausstel­lung gemacht und verwandte sich mit Erfolg da­für. daß Röth aufgefordert wurde, seine Aus­stellung im Frankfurter Kunstverein zu zeigen.

Ein umfangreicher Briefwechsel zwilchen Röth und Thoma ift uns als köstlicher Schatz erhalten

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tebetbolt Vorschläge gemacht worden, das außer- cdenttich komplizierte Problem der Bereinigung der internationalen Verschuldung dadurch zu lösen, daß die von Deutschland zu leistenden jährlichen Reparationszahlungen kapitalisiert und die sich dadurch ergebenden Werte in irgendeiner Weise den Hauptgläubiger ländern zur Verfügung gestellt werden. Dieser Gedanlengang geht von der zuerst auf der Tagung der Internationalen Handelslammer in Brüssel erörterten Idee aus,

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Oberhessen.

Landkreis Gießen.

n. Grohen-Linden, 22. Iuni. AuS An­laß des Feldbereinigungsverfahrens hat das Kulturbauamt Gießen dem Lückenbach östlich der Main-Weser-Bahn einen geraden Lauf geben lassen. Das alle Bach bett wurde mit der auSgctoorfcncn Erde verfüllt. Westlich der Kreisstraße Großen-Linden Klein-Linden wurde jener Bach auch verlegt, aber nicht in gerader Linie, sondern bogenförmig, dem Terrain entsprecheird. die tiefste Stelle bei- behaltend. Es zeigt sich schon jetzt, daß in beiden Fällen das Richtige getroffen wurde, denn bei dem vielen Regen der vorigen Woche blieb der Wiesengrund von Verschlem- m u n g. die beim früheren Zustand oft vorkam, verschont. 3n dem benachbarten Leih­gestern ist der daselbst geborene, vor mehr als 30 Iahren nach Rord-Amerika ausge- toanberte Karl Schaum mit Frau und Tochter zu Besuch eingetroffen.

LI Rödgen, 22. Iuni. Die Erinnerung an den 25 0. Todestag des Liederdichters Paul Gerhardt wurde am Sonntag in unserer Kirche würdig begangen. Der Gesangverein Concordia" brachte zwei Lieder zum Vor­trag; zuerstSonntagsfeier im Gebirge", kom­poniert von Viktor Kahl, sodann Paul Gerhardts Lied:Gib dich zufrieden". Beide Lieder wurden ftimmenrein und eindrucksvoll gelungen. Der kindlichen Glaubenszuversicht des Dichters gaben die Schüler der ersten Klasse Ausdruck mit dem Liede:Ist Gott für mich". Der M ä d- chenchor hatte ebenfalls zwei Lieder eingeübt: Kommt und laßt uns Christum ehren" undGeh aus, mein Herz," das letztere nach dem Sah von Pfarrer Lic. Dr. Stumpf (Eschenrod) für drei­stimmigen Frauenchor. Die Predigt schilderte an Hand des Lebensganges des Dichters dessen eigenartige, kindlich-frohe Frömmigkeit.

t Grünberg, 22.3unl. Bei der dies­jährigen Heugrasversteigerung war in­folge des spärlichen Graswuchses die Rachsrage sehr rege und die Angebote der Steigerer leb­hafter als im Vorjahre. Die Stadt hat ungefähr 300 Mk. Mehrerlös als im Vorjahre erzielt. Gegenüber den früheren 3ahren hat sich der Umfang der Wiesenflächen etwas vergrößert, was aber bei den Preisen kaum ins Gewicht fällt. Der Grasschnitt zur Heuernte hat allge­mein begonnen. Das Gras in den Bergwiesen steht recht gut, dagegen das in den niedergelege­nen Wiesen kaum mittelmäßig. 3mmerhin kann man im Durchschnitt mit einer guten Mittel­ernte rechnen.

± Weickartshain, 22. Iuni. Unser all- zukleines und baufälliges Kirchlein Harri schon lange der Ablösung durch einen Reubau. Vor Iahren war bereits ein beträchtlicher Teil der Dausurnme durch Abtrieb von Gemeindetoald auf­gebracht worden. Der Erlös aber, der in Spar­einlage angelegt war, ist der alles verzehrenden Geldentwertung zum Opfer gefallen. Run ist die Gemeindeverwaltung erneut darauf bedacht, Baugelder anzusammeln. CS ist ihr bereits gelungen, aus Gemeindemitteln einige Tausend Mark auf der Sparkasse sestzu- legen. Wenn nun noch die Landeskirche durch eine allgemeine Landessammlung in den Kirchen helfend beispringt, Dann ist zu hoffen, daß in absehbarer Zeit mit dem so nötigen Kir­chenneubau begonnen werden kann. Die Zahl der hiesigen Erwerbslosen hat sich wieder­um etwas vermindert. Es sind nämlich eine Anzahl junge Leute in auswärtige landwirt­schaftliche Dienststellen abgewandert. Trotz ber­auch hier bestehenden Wohnungsnot ist die Bautätigkeit in unserem Dorfe gering. Außer der Aufrichtung zweier Reubauten be­schränken sich die (Sauarbeiten auf kleine Aus­besserungen und auf das Umdecken schadhafter Ziegeldächer.

t Lauter, 22. 3unL Die Kirsch eu­er n t e in hiesiger Gemarkung wird in ungefähr 14 Tagen beginnen. 3nfolge der kalten, ungünsti­gen Witterung kann man nur mit einer Mittel­ernte rechnen. Die Rachfrage ist bis jetzt sehr lebhaft. Man hofft, daß die Ernte wenn auch nicht quantitativ so doch qualitativ, wenn das jetzige gute Wetter anhält, recht gut ausfällt.

Kreis Friedberg.

Bad-Rauheim, 22. 3uni. Rächsten Sonntag veranstaltet der Landesverband hessischer Geflügelzüchter hier den dies­jährigen hessischen Geflügelzüchtertag. Es werden mehrere hundert Teilnehmer aus dem

Die Frage der Fürstenabfindung. Von Professor D. Dr. Dr. Bredt, M. d. R.

Das Volksbegehren für die (Enteignung der Fürsten Hal die erforderlichen zwanzig Millionen Stimmen nicht erreicht. Dieses Ergebnis war voraus­zusehen, aber nun entsteht die Frage, was weiter werden soll. Wenn im Reichstage ein Gesetzentwurf abgelehnt wird, ist die betreffende Frage zunächst für absehbare Zeit erledigt und der unterlegene Teil nimmt das Ergebnis mit der üblichen Resignation hin. Zn diesem Falle werden sich zunächst die Streife, die das Volksbegehren vertreten haben, vermutlich nicht beruhigen, aber auch andere Kreise werden den Dingen nicht einfach ihren Lauf lassen können. Die Frage der Fürstenabfindung muß zu irgendeiner brauchbaren Lösung geführt werden, daran ist ein­fach nicht vorbei zu kommen.

Zn Preußen wäre zweifellos die beste Lösung ein Vergleich gewesen, wie er in Bayern, Württem­berg, Baden und anderen Ländern längst zustande gekommen ist. Es schien auch alles auf dem besten Wege, als das allerdings etwas seltsame Urteil für den Herzog von Koburg hinsichtlich des Schmalkal­dener Waldes herauskam. Seit dem hat sich die Oeffentlichkeit in steigendem Maße mit der Frage beschäftigt, und jetzt liegen die Dinge so, daß mit dem Zustandekommen eines Vergleiches weder in Preußen nach in Thüringen gerechnet werden kann. Heute bleibt nur der Weg Der Gesetzgebung, und wenn das Volksbegehren nunmehr erledigt ist. Dann setzt die verantwortungsvolle Pflicht in vollem Um­fange ein.

Die Fürstenabfindung hat allerdings zu man­cherlei Mißverständnissen geführt. Zunächst ist nie­mals die Rede davon gewesen, den Fürsten eine Abfindung zu zahlen für den Fortfall der Regie- rungsgeroalt. Es ist auch nie Die ReDe Davon ge­wesen, Den Fürsten für irgenDwelche anDeren Rechte em Stück Staatsvermögen auszuhänDigen. Es kam vielmehr nur Darauf an. Daß Staats vermögen vom Privat vermögen Der Fürsten zu trennen. Auch hier aber war eine große Schwierigkeit zu überwinden.

Zn Den Monarchien hat es Vermögen gegeben, daß weDer reines Staatsvermögen war noch reines Prioatoermögen, fonbern sog. Kronoermögen. Die­ses Vermögen gehörte zwar formell Dem Herrscher, aber.nur in Dieser seiner Eigenschaft als Herrscher. Er sollte Daraus zunächst Den Lebensunterhalt für sich unb seine Familie bestreiten, außerbem aber bie Krone unb bamit ben Staat repräfentieren.Mit Dem Wegfall Der Monarchie ist im GrunDe über­haupt Das Rechtssubjekt weggefallen, Dem Dieses Vermögen gehörte. Das Vermögen hat in Diesem ganzen alten Zwecke keine Berechtigung mehr. Hier muß also eine Aufteilung ftattfinben zwischen Den beiben Faktoren, bie hier gewissermaßen bie Erden sinh: Dem ehemaligen Lanbesherrn als Privat­person unb bem neuen Staate. Für biefe Aufteilung muß ber Grunbsatz maßgebenb fein, baß ber fürst­lichen Familie soviel belassen werben muß, baß sie cntfpredjenb leben kann, baß aber alles übrige an ben Staat zu fallen hat. Reines Privatvermögen muß ber fürstlichen Familie bleiben, reines Staats­vermögen kommt überhaupt für bie Auseinanber- fetzung nicht in Frage.

Nun kann man biefe Auseinanberfetzung natür­lich burch Vergleich so gestalten, wie man will. Kommt aoer fein Vergleich zustcmbe, bann sucht man vergebens nach ben gesetzlichen Bestimmungen, auf Grunb beren man hier urteilen könnte. Es hat in keinem Staate jemals ein Gesetz gegeben, bas be­wußt Den Fall Der Revolution unD Der Vertreibung Der fürstlichen Familie vorgesehen hätte. Kein Mon­arch hätte jemals ein solches Gesetz unterschrieben.

Es bleibt heute nur her Ausweg, Daß Durch Reichsgesetz ein Gerichtshof bestimmt wirb, ber auf Grunb freien Ermessens nach ben Grunbsätzen Der Billigkeit jene AuseinanDersetzung vornimmt, unD besten Entscheibung unanfechtbar ist. Solche Lösung wurde schon im Rechtsausschuß des Reichstages be­handelt, fand aber keine Mehrheit. Nunmehr lautet der Entwurf der Regierung wesentlich wieder ebenso, unb biesmal muß unter allen Umständen eine Regelung bie,er Art im Reichstage zustanbe gebracht werben.

Die Reichsregierung hat bisher in Der Frage zwar eine klare Stellung eingenommen, aber sie hat cs an ber nötigen Tatkraft fehlen lasten. Sie hat sofort erklärt, baß eine entschäbigungslose Enteignung ihre Billigung nicht finbe. Sie hat es aber unterlassen, von sich aus auf eine Losung im Reichstage zu brängen, unb bie Initiative ben Par­teien überlasten. Erst als cs zu spat war, ist sie mit einem eigenen Entwürfe auf bem Plane erschienen.

Die Regierung hat also einstweilen noch gar keine Veranlassung, sich nach ber einen ober anberen Seite hin betroffen zu fühlen.

Um so mehr müssen die Parteien sich ihrer Pflicht bewußt werden. Don den gemäßigten Par­teien ist alles aufgeboten worden, um zu irgendeiner Einigung zu kommen. Es war aber nicht möglich, bie 0r°6en Flügelparteien, die Deutschnationalen und die Sozialdemokraten, für irgendeine Losung zu ge­winnen. Mindestens eine von diesen Parteien muß aber zustimmen, wenn eine Losung zustande kommen soll. Es hat gar keinen Wert, in dieser Frage immer wieder mit allgemeinen WeltanschauungsqrunDen zu operieren, oder sich in juristische Tüfteleien ein- zulasten. Hier nutzt nur der kühne Entschluß zum Durchhauen des Knotens; damit allein kann man heute dem deutschen Volke schwere und unnütze Kämpfe ersparen.

Ob die Drohung mit der Reichstagsauf­lösung viel bewirken wird, ist noch sehr die Frage. Unter bem Listenwahlsystem kommen entscheibende große Verschiebungen kaum in Frage; ber Reichs­tag wirb im wesentlichen wieher bas alte Bilh zei­gen, wie bie vorige Auslosung bewiesen hat. Es wird auch nach einer Auslösung wieher bas alte Spiel be­gonnen. Nur bas eine kann man sagen: biejenige Partei, bie hier eine Lösung verhinbert, wirb bei Den Wahlen bestimmt eine unliebsame Quittung be­kommen. Das beutsche Volk erwartet von feinem Reichstage, baß er seine Funktionen ausüben kann, unb wir wollen nicht hoffen, baß noch öfter zum Volksbegehren geschritten wirb, weil ber Reichstag versagt hat. Die verfassungsmäßige Vertretung bes Volkes ist ber Reichstag, unb bas Volksbegehren soll ein Ausnahmefall bleiben. Das ist aber nur bann möglich, wenn im Reichstage bie Parteien sich be­wußt bleiben, baß sie nicht nur eine Partei, fonbern auch bas beutsche Volk zu vertreten haben. Wir wollen hoffen, baß ber Reichstag jetzt schnelle Arbeit macht unb ein Gesetz zustanbe bringt.

bie Durchführung des Transfer durch den Ver­kauf von deutschen Schuldverschreibungen im Aus­land zu bewirken und eine Kapitalisierung der Datoeszahlungen durch von Deutschland zu be­gebende Bonds vorzunehmen, deren Zinsendienst auf den jährlichen deutschen Reparationszahlun­gen zu beruhen hätte. Es ist ein vom Stand­punkt der Ententemächte aus sehr begreiflicher Wunsch, das überaus verwickelte interalliierte Schuldenproblem dadurch aus der Welt zu schaf­fen, daß das schwach gewordene Deutschland allein für die Kriegsschulden der Gesamtheit eintrttt, obwohl schon auf den ersten Blick klar sein sollte, daß unmöglich Deutschland allein die Last für alle tragen kann.

Was die Höhe der Last selbst anlangt, so ist der von interessierter Ententeseite errechnete Gegenwert von 3% Milliarden Dollars wohl zu niedrig angenommen, wenn man sich überlegt, daß unsere Iahreszahlungen in den nächsten Iahren 21/«. und unter Berücksichtigung des Wohlstands­index möglicherweise sogar 3 Milliarden Mark erreichen. Wenn man sich die Kcchitalisierung nach den gegenwärtigen Zinssätzen für Ausland­anleihen (7 bis 8 Proz.) denkt, so würde die normale jährliche Belastung von 2>k Milliarden kapitalisiert einen Gesamtbetrag zwischen 30 und 35 Milliarden Goldmark oder etwa 8 Milliarden Dollar (und nicht 33/i Milliarden Dollar) er­reichen. Eine Festsetzung der deutschen Gesamt- schuld in dieser Höhe wäre für uns auherordent- lich benachteiligend, da fein Mensch auch im Ausland nicht im Ernst der Lieberzeugung ist, daß Deutschland in alle Ewigkeit den Betrag von 2,5 Milliarden Mark (gegebenenfalls sogar noch mehr) entrichten kann. Auch ist sicherlich nicht zutreffend, wenn behauptet wird, diege­samten Schulden der Alliierten an Amerika mach­ten einen Gegenwartswert in annähernd gleicher Höhe aus". Denn die Auslandschulden Fran- reichs allein betragen nicht weniger als 36 Mil­liarden Goldfranken, also über 28 Milliarden Goldmark. Abgesehen davon, bleibt aber immer noch das unlösbare Problem bestehen, einen der­artig hohen Betrag auf dem Weltmarkt unterzu­bringen. vorausgesetzt, daß Deutschland überhaupt eine Belastung in dieser Höhe tragen kann. Lieb­rigens ist es auch nicht richtig, zu sagen, mit einer ilmtoanblung der internationalen Staatsschulden in deutsche Dawesschulden würdendie Repara­tionen erledigt" fein. Denn nach wie vor liegen die großen Fragen ungelöst: 1. Kann das deutsche Volk neben seiner mehr als doppelt so hohen Steuerlast wie früher auch noch Reparationslasten tragen, die ungefähr der Hälfte der Vorkriegs­steuerlast gleichkommen? 2. Ist eine Transferie­rung, d. h. ^Übertragung so hoher Milliarden­werte möglich, ohne daß Deutschlands Verschul­dung an das Ausland in gleichem Maße wächst? Es bleiben also die Schwierigkeiten der Aufbrin­gung ebenso bestehen toie die der ilebertragung.

Solange das Transferproblem noch nicht ge­löst ist und solange man nicht den Betrag bei? deutschen Gesamtzahlungen weih, haben alle Vor­schläge der oben gekennzeichneten Art wenig Aus­sicht auf Verwirklichung. Wie gering sie auch vom Ausland eingeschäht werden, geht schon dar­aus hervor, daß die Treuhänder bisher nicht ein­mal versucht haben, die veräußerlichen Industrie- Obligationen, bie Industriebonds ober die Eisen- bahnschuldverschreibungen auf den Markt zu brin­gen, d. h. auf diese Weise die Kapitalansprüche des Reparationskomitees zu befriedigen.

Bricmds zehntes Kabinett

Herr Brianb ist hoch, baß muß her Neib ihm lassen, ber schlaueste Fuchs unter ben sämtlichen französischen Parlamentariern. Er ist ihnen immer um eine Nasenlänge voraus, wobei noch für ihn spricht, baß er keinen persönlichen Ehrgeiz mehr hcit. Er will nicht mehr Minister spielen, fonbern stellt sich nur zur Verfügung, weil er im Augenblick ehrlich an seine Unentbehrlichkeit glaubt. Er hat beshalb auch, als sein Versuch einer mehr rechts orientierten Kombination an bem Wiberspruch Her- riots scheiterte, ganz kühl bie Folgerungen gezogen unb bem Präsibenten Doumergue geraten, nun ein­mal Herrn Herriot Gelegenheit zu geben, wie weit sich seine Theorien realisieren lassen. Herirot ist mit einem Programm angekommen, bas er ben Sozialisten unb seinen eigenen Rabikalsozialisten schmackhaft machen wollte, ist aber, was vorauszu­sehen war, rasch bamit gescheitert. Er hat sich an Personalfragen ben Kopf eingerannt, obwohl biefe Personalfragen natürlich nur bie Kulisse sinh, wo­hinter sich bie sachlichen Gegensätze verbergen. Auch ihm ist nichts anheres übrig geblieben, als ben Auftrag zurückzugeben, unb jetzt ist für Brianb ber Weg enbgültig frei. Ein Kabinett muß gebildet wer­ben, anbere Möglichkeiten sinh kaum vvrhanben, ha Caillaux sich noch nicht oorbrängt. Mit Hilfe hei Ermallunysstrategie hat also Brianb bie großen Parteitaktiker ber Kammer mürbe gemacht unb wirb jetzt vermutlich keine großen Schwierigkeiten haben, ein Kabinett nach seinem Sinne zu bilden. Ein Ka­binett, bas enbgültig bas Kartell ber Linken zu Grabe trägt unb an besten Stelle eine neue Koali­tion rückt, bie sich zwar auf bie Rabikalsozialisten stützt, aber hoch stark in bie Mitte hinein verlängert ist. Das Znteressanteste ist babei bie Zusammenkoppe- lung von Brianb unb Poincare. Derselbe Brianb, ber in Cannes von Poincare gestürzt unb um bie Erfolge feiner ganzen Politik betrogen mürbe, muß jetzt benfelben Poincare zu Hilfe rufen unb ihm bie Finanzen anvertrauen. Das heißt, berfelbe ist wohl auch Poincars nicht mehr, er wirb aus ben letzten beiben Zähren, wo er in ber Opposition faß, gelernt haben. Die finanzielle Lage Frankreichs ist ja auch zu gefährlich, als baß er noch gewagte Ex­perimente sich leisten könnte. Brianb unb PoincarL, bas sinh in her Person unb in ber Politik eigentlich bie Gegenpole bcs französischen Parlamentarismus: Brianb ber geistige Bohemien, ber mit einem Blick bie ganze Lage erfaßt unb stets roenbig sich burch alle Schwierigkeiten hinburch arbeitet, Poincarä, ber stur auf ein Ziel losgeht, weil er nicht beweglich genug ist, um sich rasch umzustellen. Ein geistreicher Franzose hat biejen Gegensatz einmal auf bie For­mel gebracht: Brianb kennt nichts unb versteht alles, Poincare weiß alles unb versteht nichts. Mit biesem

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