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Netreidebörse.

mutllen m- ,3150 bis 32 Wart; fog. ,-W; vommergersle für ?Qler- inländischer, 21 dir ns 17,75; Weizenmehl, in-- bis 43,25; Roggenmehl £ 9; Roggenkleie 11 Mark.

er Börse.

' Auch heute logen bei der größere Provinz- und lufkäufe vor, namentlich in Werten, J.-T.-Farben- einem etwa 20 Prozent > der gestrigen Cchlußnoiie- ar zu 237 Prozent. Auch in : n war ein flürmifches He- tgeblich auf englische Säuft, werte, wie Deutsche Erdöl, rozent) und andere Sprit« Stof den übrigen Markt- u nidjt ganz einljeitlid), so Hier tarn in einigen Wer- so mußten u.a. Bochumer n lassen, während daMen x, wie übttt)aupl sämtliche xt gesteigert waren. Der vierte gleichfalls nicht ein­en vor allem AEG und -taktien lagen recht fest, md Kalimarkt hatten die : Abgaben zur Folge. 3m -senstunde schritt die Epekula- Me zu Gewinnsicherungcn, ,en weiter sest. Der Geld- i. Jm Deoisenverkeh Saluten erneut stach. Pans üssel 17150, Mailand 13550-

ZrodukLenbörse.

7>mi Die Srundstiimmmg 5ä5* ArrW Iulitvetzen etwa J ^^znderte Kurse ein- un^Äne Steigerung

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Nr. 144 Erstes Blatt

176. Jahrgang

Mittwoch, 25. Mi 1926

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Eichener Anzeiger

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Dr. Friede Wich. Lange. DerantwoNlich für Polllik Dr. Fr. Will). Lange; für Feuilleton Dr H.Tbyriot; für den übrigen Teil Ernst Dlumfchein; für den An« zeigenteil Hans Iüstel. sämtlich in Gießen.

Die englische Wirtschaftslage.

(£*in Reorganifatiottsentwurf für den Bergbau.

London, 22. Juni. (TU.) Die heute veröffent­lichte Reorganisationsvorlage für den englischen Bergbau umfaßt folgende Haupt- gesichtspunkte: 1. Das neue Gesetz soll den 'Berg» werksbefitzern d i e Möglichkeit zu Bersch in elzungcn oder Fusionen geben. Das bedeutet gegenüber dem Bericht der Kohlen- kommission eine wesentliche Abschwächung, da der Bericht die Fusionen als Notwendigkeit bezeichnete. 2. Das Handelsministerium hat das Recht der Veräußerung von Mineralrechten. 3. Aus den Eingängen der Pensionen sollen in Zu­kunft 5 Prozent einem Wohltätigkeits- sonds der Bergarbeiter zugeführt werden. 4. Das Arbeitsministsrium wird künftig die für die Ncueinftellung von Arbeitskräften niaßgebenden Bedingungen festlegen. Zuwiderhandlungen sollen unter Strafe gestellt wer­den. 5. Jede Bergwerksgesellschaft hat ohne Rücksicht auf etwaige Gesellschaftsbestimmungen das Recht, die Arbeiter an den Gewinnen zu be­teiligen. Ob die Bergarbeiter diese Vorschläge als Verbandlungsgrundlage annehmen werden, steht einstweilen noch dahin. Die Reorganisation des eng­lischen Bergbaus wird eine geraume Zeit in An­spruch nehmen, denn es oestehen beispielsweise aegenroärtig nicht weniger als 3000 verschiedene Arten von Grubenwagen, für die 3000 verschiedene Arten von Ersatzteilen angeferligt werden müssen. Die Standardisierung der Grubenwagen würde eine Ersparnis von fast 85 Prozent bedeuten.

Die alliierten Schulden an England.

London, 22. Sunt ($11.) Der .Unterftaatö- lekretär im englischen Schatzamt, Mac Aeill, teilte gestern nachmittag im Unterhaus mit, daß im Laufe des letzten Finanzjahres keine Schuldenrückzahlungen von Frankreich eingegangen seien. Die inzwischen eingelaufenen Zinsen sind dem Kapital zugeschla» gen worden. Die italienische Kriegs- lchuld sei am 27. Januar 1926 fundiert wor­den und eine Summe von zwei Millionen Pfund lei unter dem neuen Abkommen bereits gezahlt worden.

Die Kriegsschuld Belgiens fei unter dem Friedensvertrag von Versailles Deutschland überschrieben worden. Aus den Dawesannuitäten habe das englische Schatzamt im vergangenen Jahre mit Bezug auf diese Schuld ungefähr eine Million Pfund emp­fangen. Die Rekonstruktionsschuld Belgiens wurde am 1. Januar 1926 fundiert und ist rückzahlbar in 30 Jahren zu einem Zinsfuß von 5 Proz. 3m vergangenen Jahre sind 344 500 Pfund ein­gegangen.

Die Äohlengesetze im englischen Parlament.

London, 22. Juni. (TU.) Das Programm für die Gesetzesvorlagen über den Berg- b a u ist, wie gestern im Unterhaus mitgeteilt wurde, einer Aenderung unterzogen worden. Die zweite Lesung der R e 0 r g a n i s a t i 0 n s- b i (l wird schon am morgigen Mittwoch stattfinden, während die zweite Lesung der Achtstunden- d i l l auf Montag oder Dienstag nächster Woche verschoben wird. Man glaubt, daß die Arbeiter­partei versuchen werde, die Durchdringung b e r Achtstundenbill durch Verhandlungen über einen Abbau der Löhne zu vermeiden.

In Beantwortung einer Anfrage teilte Minister­präsident Baldwin im Unterhause mit, daß in bet Woche bis zum 12. Juni 120 000 Tonnen und in )er Woche bis zum 19. Juni 180 000 Tonnen kohle nach England eingeführt wurden. Westminster-GazeLLe" über die engttsch-russischrn Beziehungen.

London, 22.Juni. (WB.) Der politische Be- ickterstatter derWestminster Gazette" be- ächtet über Meinungsverschiedenheiten im englischen Kabinett über die Frage der Beziehungen Englands zu.Rußland. 2ord Birmingham und Churchill hätten auf einen Bruch mit der russischen Regie- rung gedrungen. Chamberlain, der mit fei­nem Rücktritt gedroht haben soll, wenn die Ansicht bes Foreign Office unterläge, werde unterstützt u. a. von Baldwin, Balfour und Lord Chef- 'i e l d.

Das Mstenkompromiß vertagt.

Berlin, 22. 3uni. (LU.) Der Rechtsaus- 'chuß des Reichstags beschäftigte sich in seiner heutigen Sitzung noch einmal mit dem völkischen Antrag auf Aufhebung des Repa- blikschutzqcsetzes. Der Antrag wurde mit 17 gegen 9 Stimmen der Völkischen und Deutsch- nationalen abgelehnt. Wie verlautet, soll die Für st en ab find un gss rage von der heu­tigen Tagesordnung auf Wunsch des Reichs - Kanzlers a b g e s e h t werden, weil dieser noch im Lause des heutigen Tages mit Drutschnationalen -md Sozialdemokraten verhandeln will.

Als zweiter Punkt der Tagesolchnung des Rechtsausschusses des Reichstages stand der Re- ^ierungsentwurf über die Fürsten­abfindung zur Beratung. Vorsitzender Dr. Kahl (D.Dp.) sprach den dringlichen Wunsch -cus, daß die heutigen Auseinanders4t-

Noch immer kein französisches Kabinett.

Der siebente Tag der Arife.

Paris, 22. 3unt. (TU.) 2 riand er­klärte gestern abend Pressevertretern über den Verlaus des gestrigen Tages, nach mehrfacher Prüfung der Finanzfrage hätten sich die Ansichten angenähert. Cr hoffe, daß er am Dienstagvormittag sein Kabinett gebildet haben werde. Für den Augenblick fei nicht festge­legt. Er habe sich vor allem gehütet, schon M i - nisterposten zu verteilen, denn das könne zu Enttäuschungen führen. Das Finanzministe­rium sei nicht leicht zu besehen. Ev woffe aber, daß das Problem im Lause der Be­sprechung am Dienstagvormittag gelöst werde, an der Poincare teilnehme, der seine Mit­arbeit zugesichert habe. Wenn man keine feste parlamentarische Majorität finde, müsse man eine schaffen. Die Politik müsse im Hintergrund blei­ben, denn wenn sich die Politik einmische, werde die Krise unlösbar. Die Morgenblätter glauben, daß Poincare das Finanzmini st erium a b g e l e h n t hat. Briand sei auf den unglück­lichen Gedanken gekommen, seinem Freunde D 0 u- mer das Finanzministerium anzubieten. Cs wird versichert, das Sachverständigenkomitee habe Briand gestern die Pläne für die Finanzsanierung unterbreitet. Sie beruhten auf der Ratifikation des Schulden­abkommens von Washington und der Stabilisierung des Franken mit Hilfe der Anleihen, die von Amerika nach der Ratifizierung gewährt werden sollen. Die wei­teren Maßnahmen seien eine Herabsetzung des Zinsfußes der Staatsanleihen und eine Regelung der kurzfristigen Schulden. Rach den Worgenblättern sind die Aussichten der Regierungsbildung durch das Bekanntwerden des Planes verschlechtert worden, da wegen der heftigen Propaganda gegen das Schulden­abkommen mit Washington eine Ratifikation des Abkommens wenig wahrscheinlich sei. Deshalb habe wahrscheinlich auch Poincare darauf ver­zichtet, das Finanzministerium zu übernehmen.

Einberufung einer Finanzkonferenz.

Paris, 22. Juni. (TU.) Briand hat feine Besprechungen zur Kabinettsbildung heute früh um 8 Uhr wieder ausgenommen. Nach einer kurzen Unterredung mit Franklin Bouillon trat eine Konferenz zusammen, der Laval, Durand, Painleve, Doumer, Poin- c a r 6 und Leygues beiwohnten. Doumer ver­ließ sie um 11 Uhr. Poincarä brach um 11.30 Uhr auf und erklärte, daß er nachmittags um 5 Uhr zurückkehren werde. Er fügte hinzu, die Konferenz habe sich wegen des Finanzprogrammes verständigt. Poincare habe noch immer nicht zuge- sagt, doch scheint es Briand gelungen zu sein, ge­wisse Widerstände zu beseitigen, so daß man viel­leicht mit der Ucbernahme des Finanz­ministeriums durch Poincars doch rechnen kann. Brjand selbst hat eine lange Erklärung ab­gegeben, in der er sagte, daß er heute abend wahr­scheinlich, wenn nicht das letzte, so doch das vor­letzte Kommunique vor der Bildung des Kabinetts herausgeben werde. Ich habe, so fügte er hinzu, mit Poincare und Doumer die Finanzoorlage bespro- £*en und die Voraussetzungen, unter denen das neue Kabinett vor dem Parlament erscheinen soll. Wir werden erneut heute nachmittag um 5 Uhr zusam- mentreten. Wir Jini) einmütig der Auffassung, daß nicht ein Kabinett gebildet werden darf, das die Schwächlichkeit der vorherigen Re­gierungen aufweisen würde. Wir müssen die absolute Mitarbeit des Parlaments verlangen, damit das neue Kabinett eine Mehrheit erhält, die nicht die Mehrheit eines Tages ist, son­dern eine solide unb dauerhafte. Unter diesen Be­dingungen läßt sich das Vertrauen im Aus­lande und im Lande wiederherstellen. In der letzten Regierung habe ich festgestellt, daß man meiner Person Vertrauen entgegenbringt, daß aber die Aktionsfähigkeit der Regierung durch die Partei­streitigkeiten gelähmt wurde. Das wird künftig nicht mehr der Fall sein. Cs ist nicht der Mühe wert, daß ich ein Kabinett biloe, wenn es mir nicht gelingen sollte, einen politischen Waffenstillstand zwischen den Parteien her'oeizuführen.

Niemand will Fmanzminister werden.

Paris, 22. Juni. (Sil.) Der 7. Tag der Krise hat noch keine Entscheidung ge­bracht. Heute nachmittag trat am Quai d'Orsay

erneut eine Konferenz zusammen, an der fast sämtliche Mitglieder des zurückgetretenen Kabi- nettes, sowie Poincare teilnahmen. Während der Sitzung wurde Pierre Laval zum Senat gesandt, um, wie verlautet, bei Caillaux we­gen ilebernahme des Finanzministeriums vor­stellig zu werden. Poincare behält seine Wei­gerung nach wie vor aufrecht. Andererseits soll Doumer das Portefeuille der Finanzen eben- salls abgelehnl haben. Aach Schluß der Sitzung verließen Poincarä und Doumer gemeinsam das Ministerium. Doumer erklärte, über die Ver­gebung des Finanzministerpostens fei noch keine Entscheidung getroffen worden. Vorläufig werde noch immer die finanzielle Lage geprüft unb' die Beratungen über die Bildung des Kabinetts seien noch nicht in die entscheidende Phase ge­treten. Kurz nach 7 ühr begab sich Briand zum Präsidenten der Republik, um ihm Bericht über die Regierungsbildung zu erstatten. Heute abend werden sich Briand und seine Mitarbeiter erneut versammeln, um die Aussprache über die finanzielle Lage fortzusetzen. Man hat in poli­tischen Kreisen den Eindruck, daß die Schwie­rigkeiten im letzten Augenblick außer­ordentlich zugenommen haben. Haupt­sächlich sucht sich ein jeder der ilebernahme des Finanzministeriums zu entziehen.

Die Besprechungen B r i a n d s mit Poin­care, Doumer und Painleve um die Ka­binettsbildung, die um V-IO ilhr am Quai d'Or­say begannen, sind erst kurz vor Mitternacht abgebrochen worden, ohne daß ein greif­bares Ergebnis erzielt werden konnte. Be­greiflicherweise herrscht nun eine sehr ge­drückte Stimmung. Verschiedentlich wird bereits damit gerechnet, daß die Kabinettsbildung angesichts der bestehenden Schwierigkeiten nicht zustande kommen wird. Briand gab nur eine kurze Erklärung ab, daß die Besprechungen Mitt­woch früh um V210 ilhr am Quai d'Orsay wie­der ausgenommen würden. Poincare und Doumer werden bei der Beratung erneut zugegen fein. Entgegen anders lautenden Gerüchten wird fest- gestellt, daß Briand keinerlei Unterredung mit Caillaux gehabt hat.

Wie die Morgenblätter melden, haben die Sozialisten beschlossen, daß sie einem Ka­binett gegenüber in dem Poincare das Fi­nanzministerium haben würde, nicht von vorn­herein Opposition machen würden, da sie die Stellung Poincares als eine rein technische An­gelegenheit betrachten würden. Sollte dagegen Poincare irgend ein anderes Porte­feuille erhalten, so würde feine Berufung in das Kabinett einen rein politischen Cha­rakter erhalten und die Sozialisten zu schärf- ster Opposition bestimmen. Die radikal- sozialistische Partei hat einen Antrag, jedes Ka­binett, dem Poincare angehören sollte, zu be­kämpfen, abgelehnt.

Caillaux' Haltung.

Paris, 23. 3uni. (TU.) Rach den letzten Eindrücken parlamentarischer Kreise stößt die Bil­dung eines Kabinetts Briand immer wie­der auf ernste Schwierigkeiten. Doumer sowohl wie Poincare haben das ihnen angebotene Portefeuille der Finanzen endgültig abgelehnt. Anderseits bleibt Caillaux den wiederholten Vorstellungen Briands gegenüber kalt. 3n ge­wissen Kreisen ist man cor Ansicht, daß, falls ein Kabinett Briand nicht zustande kommt, Caillaux mit der Kabinettsbildung beauftragt werden würde. Caillaux fei dem Präsidenten der Republik bereits von verschie­denen Parlamentariern als der gegebene Kan­didat für den Ministerpräsidentschaftsposten vor- geschlagen worden, doch habe So umergue sich mist allen Mitteln gegen eine Be­rufung Caillaux' gesträubt. Vorläufig be­steht jedoch noch Grund zu der Annahme, daß Briand trotz den außerordentlich großen Schwie­rigkeiten mit feiner Aufgabe nicht scheitern wird.

Um 9.30 Uhr abends sind die Besprechun­gen Briands mit den alten Kabinettsmitgliedern und Poincare am Quai d'Orsay aufgenommen worden. Wie Havas amtlich meldet, hat Poincare eine Erklärung abgegeben, in der er seinen Ent­schluß der Ablehnung des Finanzministeriums be­gründet. Dom politischen Standpunkt aus hält Poincare feine Forderung nach absoluten Voll­machten für berechtigt, weil augenblicklich das Finanzproblem alle anderen Fragen beherrsche. Weiter vertritt Poincare die Auffassung, daß die Zahl der Kabinettsmitglieder auf fünf oder sechs reduziert werde und der Finanzminister gleich­zeitig Ministerpräsident fein müsse.

jungen zwischen den Parteien anläß­lich des Volksentscheides bei den kommenden Aus­schußberatungen keine Rachwirkungen haben möch­ten, zumal alle Parteien ein Interesse an der sachlichen und schleunigen Beratung hätten. 2lbg. Schulte (Zentrum) wies darauf hin, daß die notwendige Aussprache zwischen den Parteien bisher noch nicht habe stattftnden können. Es liege darum im Interesse der Sache, mit den fachlichen Beratungen erst morgen zu beginnen. Abg. Dr. Rosenfeld (Soz.) kündigte für seine Fraktion Anträge an, die sich in der Richtung der früheren sozialdemokratischen Anträge bewegen. Abg.'Aeubauer (Korn.) erklärte, daß die Lö­sung der Auseinandersehungsfrage nicht durch das Parlament, sondern nur durch eine zwecke Revolution erfolgen könnte. Abg. v. Richt- Hofen (Dem.) wandte sich scharf gegen die Vor­

würfe der kommunistischen Erllörung, in der der Regierung Betrug der Wähler vorgewor­fen wurde. Auf eine ® encralbebatta wurde allseits verzichtet. Es wurde beschlossen, morgen vormittag mit der Spezial­beratung des Gesetzentwurfes zu beginnen.

Die Fürftenvorlage und die Parteien.

Berlin, 23. Juni. Wie derV 0 r w ä r t s mitteilt, hat die sozialdemokratische Fraktion eine große Anzahl von Anträgen zur Verbesserung der Fürstenvorlage des Reichstags dem Rechtsausschuß eingereicht. Sie verlangt, daß sämt­liche Mitglieder des Sonüergerichts vom Reichstag zu wählen sind und daß von ihnen vier Laien sein

müssen. Außerdem soll das Gericht entgegen der Re­gierungsvorlage von Amts wegen Auseinander­setzungen vornehmen, um zu verhindern, daß die Anwendung des Gesetzes völlig in das Ermessen der einzelnen Landesregierungen gestellt wird. Außer­dem wird verlangt, daß das Gericht durch früher ergangene Urteile nicht gebunden fein darf. Sämt­liche Kronfideikommißrentci, und ähnliche Renten sollen ohne Entschädigung fortfallen. Weitere An­träge sollen sich in Vorbereitung befinden. Die deutsch nationalen Forderungen bc treffen, wie dieTägl. Rundschau" schreibt, im we­sentlichen die Punkte, die eine Verfassungs­änderung bedeuten, d. h. also, recht wesentliche Bestimmungen des Entwurfs. In den Kreisen des Zentrums und der Demokraten bezeichnet man die deutschnationalen Forderungen als unannehmbar, während man sich den An schein gebe, als ob die sozialdemokra­tischen Wünsche leichter erfüllbar seien. Es verstehe sich aber von selbst, daß die Annahme der sozialdemokratischen Forderungen ohne wei­teres nicht nur den entschiedenen Widerstand der Deutfchnationalen, sondern auch ein Abdr 0 sscln des rechten Koalitlvns- slügcls zur Folge hätte. Die Lage würde'also durch ein Eingehen auf die sozialdemokratischen Wünsche in keiner Weise gebessert. Infolge der außerordentlich scharfen fachlichen Gegensätze, die zwischen den deutschnatio- nalen und sozialdenrokratischen Forderungen be­stehen, werden die Aussichteir für eine Lösung von den meisten Morgenblättern als außer ordentlich ungünstig angesehen, da unter diesen Umständen nicht ersichtlich ist, wie eine Zweidrittelmehrheit zustande gebracht werden soll, auf deren Zustandekommen das Zen­trum, wie dieTägl. Rundschau" mitteilt, neuer­dings wieder großen Wert legt. Unter diesen älmständen spricht man nach demB. T." bi parlamentarischen Kreisen davon, die Frage der FürstenabfindungbiszumHerbst zu vertagen und dann durch eine Reichs­tagsauflösung eine neue Grundlage dafür zu schäften. Wie dieSägl. Rundschau" hort, hat die Wirtschaftliche Vereinigung den Regierungsparteien erklärt, daß sie sich der Hal­tung der Koalition in der Frage der Fürsten- enftchädigung vollkommen anschliehe.

Deutscher Reichstag.

Berlin, 22. Juni, mittags 2 Tlhr. Der Gesetzentwurf über Rückgabe der z u Be­ h u n g s z w e ck e n i n A n sp r u ch genom­menen Grund st ücke wird dem Ausschuß überwiesen.

Der Gesetzentwurf über den Verkehr mit unedlen und edlen Metallen so­wie mit Edelsteinen geht an den volks­wirtschaftlichen Ausschuß. Cs folgt dann die erste Beratung des Gesetzes über die Erwerbslose nfürsorge. Durch die in der Vorlage geforderten Erhebungen soll die Wirkung ermittelt werden, die die Staffelung der Erwerbslosenunterftühung nach Lohnklaffen haben würde.

Abg. Rädel (Komm.) bekämpft die Vor­lage. Eine Staffelung nach Lohnklassen würde zu einem Abbau der älnterstühungssähe und zu einer Schlechterstellung der Erwerbslosen führen.

Abg. D i h m a n n (Soz.) ist gleichfalls gegen die Vorlage. Rotwendig sei eine Aufbesserung der älnterstühungssähe. Es müsse auch feftge- stellt werden, was aus den vielen Erwerbs­losen wird, deren Tlnterstühungsberechtigung ab­gelaufen ist.

Reichsarbeitsminister Dr. Brauns: Obwohl der vorliegende Gesetzentwurf nur eine Statistik verlangt, wird er doch mit einer gewissen Er­regung die ganze Frage der Crwerbslosensürsorge aufrollen. Diese Erregung ist nicht berechtigt. Die Regierung will keineswegs noch vor der Sommerpause eine grundlegende Aenderung der Crwerbslosenbestimmungen vornehmen. Es wird auch dafür geforgt werden, daß die älnterstühun» gen weiter gezahlt werden. Eine entsprechende Regierungsvorlage wird dem Hause in den näch­sten Tagen zugehen.

Die Vorlage wird dann in allen drei Le­sungen angenommen.

Die Rovelle zum Gesetz über die G. m. b. H. wird ohne Aussprache in dritter Beratung ange­nommen. Sie soll am 1. Juli d. 3. in Kraft treten.

Die dritte Beratung der Rovelle zum Reichsknappschaftsgeseh wird dann fortgesetzt.

Abg. Frau Schröder (Soz.) wendet sich gegen verschiedene Bestimmungen des mit der Vorlage verbundenen Gesetzentwurfs der Re­gierungsparteien über die Reuregelung der Äin« öerrenten in der Reichsversicherungsordnung und in der Angestelltenversicherung. Sie beantragt eine Erhöhung der Leistungen.

Die fozialdemokrattfchen Anträge werden ab» gewiesen.

Abg. Wissel (Soz.) sucht nachzuweisen, daß das Initiativgesetz die Lage der Versicherten gegenüber dem geltenden Recht verschlechtert.

Ministerialdirektor Ärieser be ft reitet, daß eine solche Verschlechterung eintritt. Die Regie­rung werde aber bis zur dritten Lesung des Ge­setzentwurfs der Regierungsparteien die Frage noch einmal nachprüfen. Das Inckiativgesetz der Regierungsparteien wird in zweiter Beratung angenommen. Die brüte Beratung wird auf Mittwoch vertagt. Bei der Rovelle zum Reichs- knappschaftsgesetz werden die Aeaderungsanträge der Deutschnationalen, Sozialdemokraten und Kommunisten abgelehnt. Die Beschlüsse der zwei­ten Lesung werden im wesentlichen bestätigt.