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öle Räude ebenfalls zusammenaeschmvlzene Herde wieder stark vermehrt: sie hat retzt einen Bestand von über 100 Tieren erreicht. Bei der nicht sehr arohen Gemarkung machen sich leider bei Trocken­heit Schwierigkeiten für die Weide bemerkbar. Ilm diesem Liebelstand abzühelfen, wurde mit einer Rachbargemeinde eine Vereinbarung über den Weidegang der Schafe auf einer dorthin ge­hörigen gröberen Fläche eines Dergabhanges getroffen.

s Trohe. 22. April. Ostern wurden hier 3 Kinder (2 Mädchen und 1 Knabe) aus der Schule entlassen. Ausgenommen wurden 7 Kna­ben und 2 Mädchen, eine bisher hier nie erreichte Zahl, liniere Schule zählt eben 48 Kinder: davon sind 5 von auswärts, die Schulgeld zahlen müssen. Der Fortbildungsschulunterricht fällt bis zum 1. Oktober aus, da nur 2 Knaben schul­pflichtig sind: unsere 4 Mädchen gehen nach Rödgen.

8 G a r b e n t e i ch, 22. April. In derSiche" sand ein Lichtbilderabend statt, den Herr Kostorz. Gießen, hielt. In etwa 60 Bildern führte der Redner Deutschlands schönste Land­schaften vor. Der hiesige Mandolinenver- e i n umrahmte die Vorführung durch einige Konzertstücke. Wanderbruder Rühl, Trohe, sang einige Lieder zur Laute. Der angekündigte Vortrag des Vorsitzenden des L. H. B. über Das Wandern" muhte wegen einer Erkrankung des Redners ausfallen.

Lich . 22. April. Einen Ziegen - und Lämmermarkt, verbunden mit Preis­bewertung. veranstaltet am 3. Pfingstfeiertag hier der Kreisziegenzuchtverein des Krei­ses Dieben. Der Zuchtverein, die Lanbwirt- schastskammer und die Stadt Lich haben Preise gestiftet. Gleichzeitig findet ein Schweine­markt statt. Am 30. Mai hält der Ver­band der oberhessischen Posaunen- chüre hier sein Verbandsfest ab. Mehrere hundert Bläser werden erwartet. Das 50- jährige Jubiläum der Freiwilligen Feuerwehr ist auf den 27. Juni festgelegt. Eine Festschrift mit Stadtgeschichte wird dazu herausgegeben.

t Grünberg, 22. April. Zu Beginn des neuen Schuljahres wurden in die Obe r- realschule 50 Kinder aufgenommen. Die Ge­samtschülerzahl beläuft sich auf 267. gegen 261 zu Beginn des vorigen Schuljahres. Da in dem letzten Jahrzehnt die Schülerzahl dieser Schule so bedeutend zugenommen hat. dab sich jetzt schon die Annahme nach den vorhandenen Räumen richten muh, wäre es angebracht, der Beschaffung weiterer Räume näherzutreten.

Kreis Friedberg.

2$. Bad-Rauheim. 22. April. In der jüngsten Sitzung der Stadtverordneten, die unter dem Vorsitz von Bürgermeister Dr. Kayser stattsand, standen dreizehn Punkte zur Verhandlung. An einige knüpfte sich eine äuherst lebhafte Aussprache, vor allem an den Beschluß des Bauausschusses, die Mietpreise in einer Reihe von städtischen Häusern zu e r - höhen. Es kam zu lebhaften Auseinander­setzungen zwischen der ßinlen und den Vertretern der Wirtschaftspartei. Stadtv. Röhler hob hervor, daß die angelegten Mieten für die Ar­beiter und kleineren Beamten nicht tragbar seien. Der sozialdemokratische Antrag, die Sache zur nochmaligen Prüfung an den Bau-Ausschuß zu- rückzuweisen, sand eine knappe Mehrheit. Der Antrag des Stadtv. Röhler, daß die Stadt als Mitglied dem Bunde Deutscher Bodenreformer beitreten möge, war vom BauauSschuh abgelehnt worden. Das führte wie­der zu einer Auseinandersetzung zwischen der Linken und der Wirtschastspartei. Der Sprecher der letzteren, Stadtv. Donderschmitt, sieht in den Bestrebungen der Bodenreformer eine Gefahr für den Grundbesitz, während von an- ; derer Seite die Gedanken Damaschkes eine Wür­digung erfahren. Für den Beitritt zum Bunde 76 er Bodenreform er erklärte sich auch der Bürger­meister, so daß schliehlich der Antrag mit Mehr­heit angenommen wurde. Bewilligt wurden neue Ausrüstungsgegenstände für die Freiw. Sanitätskolonne und für die Freiw. Feuerwehr. Für die Instandsetzung des Hauses Luisenstr. 11 sind 4000 Mk. beantragt worden. Die Arbeiten wurden genehmigt. Die Betriebs- und Dermögensrechnung der Stadt für 1919 schließt ab mit 4 488 052,09 Mk. in Ein­nahme und 3 533 223,39 Mk. in Ausgabe. Die vom Finanz-Ausschuß geprüfte Rechnung wurde genehmigt. In der nichtöffentlichen Sitzung tour- den mehrere Daubeihilfedarlehen bewilligt.

Gießener Stadttheater.

Wildenbrnch:Die Haubenlerche".

Dieses Schauspiel, obwohl seit seinem ersten Erscheinen (1891) nicht selten gespielt, gehört weder zu den dichterischen Herzstücken Wilden­bruchs. noch zu dem, was charakteristisch ist für seine Art und für sein Werk, so wie es heute, wenig beachtet und wohl immer noch unter­schätzt, als Ganzes vor uns liegt. Woran denkt man wohl zuerst, wenn Wildenbruchs Rame fällt, was ist uns geläufig, was erscheint auf den ersten Blick zu ihm gehörig, untrennbar und wesenswlchtiy? DieQuitzows" vielleicht, ob­wohl auch nicht gerade zum Reifsten zu rechnen, was er schuf. Das ewig Deutsche in seiner Dichtung, der immer wiederkehrende Grundton, auf den sein Saitenspiel gestimmt ist, den man ihm oft genug vorgeworfen hat. Das Branden­burg-Preußische, dem seine Liebe gehört, daran denkt man zuerst. Seltener schon an denMar­lowe". der einen (vielleicht nicht wieder erreich­ten) Höhepunkt bedeutet, noch seltener an die vornehme, geistige Form seiner Rovellen, die kaum der Zehnte gelesen hat. Zuallerletzt aber denkt man wohl an denMeister Balzer" unö an dieHaubenlerche".

Dieses Stück nämlich (man hat auf Einflüsse von Sudermann hingewiesen) wurzelt in einem Stil, einer literarischen Form, die dem Dichter, und der er innerlich schroff entgegenstand: im Raturalismus, der gerade das ablosen und er­neuern wollte, worin Wildenbruch (angeblich) mittenlnne stand, das hohle, flache, äußerllch gewordene und leergelaufene Epigonentum. Die Leute um Holz und Schlaf, um die Brüder Hart und den jungen Hauptmann haben die« hohle Gebäude auch mit Recht und mit Elan über den Hausen geworfen. Was sie auf den Trüm­mern aufbauten, gehört nicht hierher. Sicher ist jedenfalls, daß Wildenbruch mit solcher Ein­ordnung inS schlechthin Alte und Äeberlebte und Revolutionsbedürftige Unrecht geschah: man hatte Übersehen, daß feinEpigonentum", womit

versöhnlicher Schluß kaum hinwegtäuschen. Die Fabel ist einfach. Der Fabrikant Langen- thal, ein vornehmer, ganz ideell gerichteter Cha­rakter, der ein Herz hat für seine Leute, und ehrlich um ihr Wohlergehen bemüht ist, will die Lene Schmalenbach, ein blutjunges, hübsches Ar­beitermädel als seine Frau in sein Haus nehmen. Sie verehrt ihn und ist dankbar für all die Güte, die von ihm ausgeht: aber ihre Liebe ge­hört einem andern: dem Paul Ileseld, einem jungen Gesellen in Langenthals Fabrik. Rach anfänglichem Sträuben läuft sie demroch in die Che hinein, um ihrer gelähmten Mutter willen, die Langenthal zu heilen versprach: das Geld des reichen Mairnes wird eine Kur ermöglichen. Darüber wird der arme Ileseld halb verrückt. Die Lene ist von Reue zerquält: schlimmer als die gesellschaftliche Fremdheit und Unbeholfen­heit ist die innere Einsamkeit, die sie wurzellos macht und nicht heimisch werden läßt. Dem rei­chen Mann aber zerbricht der eigene Bruder das Glück, der, leichtfertig und verdorben, selbst die Augen auf das Mädchen geworfen hat. Es kommt zu einer schlimmen Szene: er will mit der Lene durchgehen, wird nachts mit ihr vom Bru­der überrascht, der schon den Revolver hebt, den Betrug zu rächen. Mühselig wird zuletzt noch alles zum Guten gekehrt: der Bruder fortgeschickt, Lene bekommt den Ileseld, und Langenthal, dem alles unter den Händen zerbrach, was seine Güte aufbauen wollle. bleibt mit einer jungen Verwandten zurück. Sie hat (mit ihren Augen) gesehen, wie unglücklich die Verbindung war. Vielleicht kann sie... Ach, man glaubt das alles nicht. Dieser letzte Akt. theatralisch ein großer Soup, ist undichterisch, geräuschvoll, reiße­risch. erinnert an gewisse Romane, nicht von der besten Art ... Der Raturalismus hat bei Wildenbruch keine Früchte getragen: das war nicht fein Feld. Sudermann, der hier in seinem Element gewesen wäre, hätte ganz andere Kon- sequenzen gezogen. Was bei Wildenbruch wert­voll ift, hegt viel weiter vom. Man hat ihn mit Recht (allerdings dachte man dabei wohl nicht an dieHaubenlerche") einen Meister des

Kreis Büdingen.

? Ridda. 22. April. Es schweben zur Zeit Verhandlungen mit der Reichs­bahnverwaltung, der Strecke R i d d a Schotten das fünfte Zugpaar wieVer­zug e b e n, so daß der Friedensstand erreicht wäre. Die Umstellung, die das Himmels- bachsche Sägewerk in der Arbeitszeit vor­genommen. begünstigt die Aussicht auf die Ver­besserung des Zugverkehrs. Man rechnet mit einer Früherlegung des in Richtung Schotten gehenden Rachmittagszuges, wodurch der uner­träglich lange Aufenthalt auf hiesiger Station verkürzt würde. Der fahrplanmäßig gegen 6.30 Uhr hier eintreffende Zug soll sofort wieder nach Schotten zurückgeführt werden. Mit dem dann noch folgenden Spätzug erreichen die Reisenden den Anschluß nach Gießen. Man er­wartet die Veränderung im Zugverkehr mit In­krafttreten des neuen Fahrplans. Für den Sonntagsverkehr, der, wie auf vielen Rebenstrecken, so auch hier unzulänglich ist, konnte keine Verbesserung erziell werden.

Kreis Alsfelv.

o. Alsfeld, 22. April. Der Hessische Landesausschuh für die Z e p P e l i n - Eckener- Spende hat die Anregung gegeben, demnächst in Alsfeld eine grobzügige Hilfsaktion in die Wege zu leiten, um diesem groben deutschen Kulturwerk unterstützend beizustehen. Kommen­den Dienstag werden deshalb Lichtbilder­vorträge über den Luftschiffbau auf der Zeppelinwerft in Friedrichshafen gehalten wer­den.

Kreis Lauterbach.

Lauterbach, 22. April. Der Stadtvor- st an d beschäftigte sich in seiner jüngsten Sitzung vor allem mit der Beratung des Voranschla­ges der Stadt und des städtischen Elektrizitäts­werkes für 1926. Rach den begründenden Ausfüh­rungen desBürgermeisters Walz enthält der Vor­anschlag in Anbetracht der Steuerbelastung und allgemeinen Geldnot einerseits und unter Beob­achtung des obersten Grundsatzes der äußersten Sparsamkeit andererseits nur unumgängliche Rot- wendigkeiten, wie die Aufwendungen für Ver­waltungskosten, die notwendigsten Instandsetzun­gen und Unterhaltungen an städtischen Gebäuden, Grundstücken, Straßen, Kanälen, Wasserwerk, so­wie die Fürsorgeleistungen an Sozial- und Klein­rentner, ferner die Schullasten, Steuerleistungen und Zinsendienst. Als ausnahmsweise bzw. neue Posten sind im Voranschlag vorgesehen: Reu- Pflasterung der Ortsstraßen, Beschaffung einer Feueralarmsirene und Herrichtung eines Spiel- und Sportplatzes. Ferner wird zur Hebung und Belebung der Bautätigkeit im Jahre 1926 und der damit verbundenen Linderung der Woh­nungsnot ein Betrag an die Heimstätten- baugesellschaft zur Verfügung gestellt. Dec Vor­anschlag schließt ab in der Betriebsrechnung in Einnahme und Ausgabe mit 239 470,36 Reichs­mark, in der Vermögensrechnung mit 81300 Reichsmark, zusammen also mit 320 770,36 Reichs­mark. An Steuern werden dieselben Sähe er­hoben, wie im vergangenen Jahre, mit Ausnahme der Sondersteuer vom bebauten Grundbesitz, die von 45 Pf. pro 100 Mark Steuerwert auf 25 Pf. ermäßigt wurde. Der Stadtvorstand glaubte, eine Ermäßigung dieser Steuer eintreten zu lassen, da der Staat diese bedeutend erhöht hat und als kaum tragbar erscheinen dürfte. 2kach Durchberatung der einzelnen Rubriken wurde der Voranschlag entsprechend dem Vor­schlag der Finanz- und Daukommission einstimmig angenommen. Ebenso wurde der Voranschlag des städtischen Elektrizitätswerkes in Einnahme und Ausgabe mit 94 369,75 Reichsmark genehmigt. Dei Beratung des Voranschlages wurde gleich­zeitig eine Rachprüfung der Kraft st rom- preise vorgenommen und diese auf Vorschlag des Bürgermeisters ab 1. April in jeder Staffel um 3 Pf. die Kilowattstunde ermäßigt. Für die vorgesehene Kleinpflasterung am Stein- weg wurde der erforderliche Zuschuß in Höhe von 33'/$ Prozent der Gesamtkosten bewilligt. Dem Stenographenverein Gabels­berger wurde die Stiftung eines Preises für das am 2. Mai hier stattfindende Bundeswett- schreiben genehmigt. Die Friedrich Schlosser Erben in Höchst a. M. verlangen die Auswer­tung ihrer Forderung an die Stadt Lauterbach für Die im Steinigsgrund im Jahre 1917 käuflich ubeklassenen Grundstücke nach den Bestimmungen über Restkaufgeldforderungen. Da der in Frage kommende Betrag nicht als Restkaufgeld zu be­trachten ist, sondern auf Grund eines ausgestell- ten Schuldscheines lediglich der Stadt als Dar­

lehen gegeben wurde und auch als solches anzu- sehen ist, wurde der Antrag abgelehnt.

Lauterbach, 22. April. Ferien­kind e r aus Westfalen, zumeist solche, die an Ostern aus der Schule entlassen worden sind, sind hier angekommen und zu längerem Erholungsaufenthalt auf die Orte der Umgebung verteilt worden. Es sind insgesamt 50 Kinder, die sich in unserer oberhessischen Berglust hoffent­lich gut erholen werden. In der gut be­suchten Frühjahrs - Hauptve.sammlung unseres Turnvereins, die in der Spießturnhalle stattfand, konnte eine beträchtliche Zunahme der Mitgliederzahl und des Interesses an der Turn­sache festgestellt werden. Die Ergänzungswahl zum Vorstand trug den neuzeitlichen Ausbau- beftrebungen in der Turnerschaft Rechnung, in­dem nunmehr auch ein Frauenturnwart und ein Presse- und Werbewart gewählt und in die Vereinsleitung aufgenommen wurden. Zurück- getrcten ist der 1. Schriftführer R. Jäger, der über ein Vierteljahrhundert im Vorstand tätig war und sich besondere Verdienste vor allem durch die für andere Vereine vorbildliche Anlage und Erweiterung des Vereins- archivs erworben hat. Erster Sprecher des Vereins ist immer noch der unter dem Ehren­namenTurnvater Helsenbein" im ganzen Gau Hessen bekannte K. Th. H e I f e n b e i n.

Starkenburg.

Darmstadt, 22. April. Im städtischen Saalbau, der vollbesetzt war. hielt Oberlandes­gerichtspräsident a. D. Dr. Best einen Vortrag überDas Volksbegehren für eine gerechte Auswertung". Der Redner er- Härte in seinem Vortrag u. a., die Inflation fei absichtlich gefördert worden, um Reich und Groß­kapital kostenlos zu entschulden. Die Festigung der Mark, die früher hätte erfolgen können, wäre von Stinnes hintertrieben worden. 2m einzelnen kritisierte der Redner dann die Aufwertungs­bestimmungen, die für Hypotheken und Pfand­briefe 25 Prozent und für Industrie-Obligationen 15 Prozent betragen. Die Mehrheit des Volkes verlange aber einen Satz von 50 Prozent, und zwar a'ls Mindestsatz. Im Verlauf feiner Rede erhob Oberlandesgerichtspräsident a. D. Dr. 2 e st gegen den Reichsban [Präsidenten Ben Vorwurf, daß er in der Aufwertungsfrage nicht sachverständig, d. h. nicht unbefangen sei, weil er eine beträchtliche Hypothekenschuld in entwertetem Geld abgetragen habe. Einzelne Staaten und Gemeinden (Bremen, Hamburg) wären in der Lage, ihre Anleihen aufzuwerten. Es wurde schließlich eine Entschließung angenom­men, in der es heißt:Mit besonderer Genug­tuung stellt die Versammlung fest, daß der Sparerbund den Beschluß gefaßt hat, un­verzüglich mit seinem Gesetzentwürfe den Antrag aus das Volksbegehren bei der Reichs­regierung einzureichen, und ist gewillt, alle Kräfte einzufetzen, um demselben zum Siege zu verhelfen. Sie ist sich bewußt, daß sie damit nur für die in der Reichsverfassung verankerten staatsbürger­lichen Grundrechte der älnderletzlichkeit des Eigen­tums und des gleichen Rechtes für alle eintritt, und weist die in den letzten Tagen erfolgte Drohung eines Mitgliedes der Regierung Luther als einen Eingriff in die verfassungsmäßigen Rechte zurück. Unbeirrt durch solche Versuche, den an dem sparenden Volke begangenen Der- mögensraub zu verewigen, ruft sie das deutsche Volk zum Kampfe für Gerechtigkeit und Wirt­schaftsehrlichkeit auf, damit die Heiligkeit des Rechtes in deutschen Landen hoch geh alten und die Gerechtigkeit wieder die Grundlage und Seele unseres Staates wird."

Preußen.

EhejubLläumsgeschenke des Staates.

0 Der preußische Minister des Innern und der Finanzminister haben unter Aufhebung eines Erlasses aus dem Jahre 1924 genehmigt, daß die früher vom Könige von Preußen, später von der preußischen Regierung aus Anlaß der 5 0- oder 60jährigen Ehejubelfeier ge­währten Geldgeschenke in Zukunft wieder­um in Höhe von 50 Rm. bedürftigen Ehepaaren gewährt werden. In Betracht kommen nur solche Ehepaare, die die preußische Staatsangehörigkeit besitzen und zugleich im Frei­staat Preußen ihren dauernden Wohnsitz haben. Weitere Voraussetzung ist Bedürftigkeit und Würdigkeit beider Eheleute. Das Geschenk ist wie in früheren Jahren als Beihilfe zur

man ihn billig glaubte in die Versenkung tun SU können, immerhin und unumgänglich auf so erlauchte Rainen wie Schiller uni) Kleist zurück- geleiiet werden mußte, auf die freilich das dw- mals junge Geschlecht sich zu berufen unter seiner literarischen Würde fand. Aber sicher ist auch und sehr merkwürdig dazu (Wildenbruch fühlte sich eben mit seiner Kunst durchaus nicht alt und unzeitgemäß), daß manches, Vereinzeltes in seinem Werk Reuland bedeutete. Dazu gehört dieHaubenlerche". u J

Wie für den Sturm und Drang (um 1780 so gut, wie um 1920) der Antagonismus zweier Generationen (am prägnantesten zugespiht im Kardinalfall: Vater und Sohn) das A und das O seines Themas, sein elementar erregendes Moment ist, so war für den Raturalismus der Zusammenstoß zweier naturnotwendig auseinan­derliegender und gegeneinander gerichteter sozialer Schichten der immer auf« neue hervor- geholte, stoffliche Unterbau. Insofern ist auch dieHaubenlerche" typischer Raturalismus. (Und ÄJT brerin.) Die dramatischen Antithesen entwickeln sich aus zwei gesellschaftlich feind- ichen Lagern. Es ist kaum von tieferer Dedeu- tung. daß der symptomatische Generalsall indl- vidua istert, Psychologisch-theatralisch in einen fubjeftiben Sondersall verlegt wurde: die dra­matische Entwicklung bestimmt sich aus der geae- bcncn ©ituaticn: ein armes, proletarisches, bil- dungsmahig und zivilisatorisch untergeordnetes Mädchen tm reichen Haufe. Der Vorwurf ist an schlecht, sicherlich wirkungsvoll und dis- kN^nswürdig. In neuer Zeit griff man Aehn- 1^ toieber auf. Der junge Engländer Jerome ><W die Situation durchaus komisch und ironisch ats eineganz gut mögliche Geschichte", der Russe Urwantzow (Das Tierchen") sah die Dinge vorsichtiger relativistisch, und gab sehr geschickt eine theatralische Hypothese mit der Abwandlung Dreier Eventualfälle, gewissermaßen nebenein- anber aufgezeigt. Wildenbruch sah seinen Fall" gai» ernsthaft, unironisch, zwar am Tragischen porbet, aber doch auf das unglückliche und schlimme Ende hin. Darüber kann ein notdürftig

Ermöglichung der Feier des Festtages gedacht und wird nur auf Antrag gewährt. ES kann aus Anlaß der diamantenen f60- jährlgen) Hochzeit auch öami gewährt werden, wenn das Jubelpaar bereits anläßlich der gol­denen Hochzeit mit einem Geldgeschenk bedacht worden ist. Zur Bewilligung des Geldgeschenkes sind die Landräte ermächtigt.

Kreis Wetzlar.

CO 21 u 5 dem Kreise Wetzlar, 22. April. Eine Unsitte, über die schon viel geschrieben und gesprochen wurde, ist jetzt allenthalben wieder zu beobachten: das freie älmfo erlaufen- lassen derHunde in Öen Feldern. Kaum haben die Feldarbeiten ihren Anfang genommen, so sieht man auch schon wieder überall Hunds herrenlos aus den Feldernherumstrolchen". Man soll nur nicht annehmen, daß sie etwa ihren Herren hinter dem Pfluge folgen; sie unternehmen vielmehr Strelfzüge In die nähere und weitere Umgebung und spüren dort Hasen junge und alte auf, die in den meisten Fällen ihr Leben lassen müssen. Die Leidtragenden find dann die Iagdpächter. Der 2 an ö r a t hat sich aus diesem Grunde veranlaßt gesehen, durch Bekanntmachung auf die für den Regierungsbezirk Koblenz be­stehende Polizeiverordnung hinzuweisen, nach welcher das freie älmherlaufenlassen der Hunde in Wiesen, Feldern und Wäldern außerhalb der öffentlichen Wege verboten ist, fofenr es nicht befugtertoeife im Interesse der Jagd- oder Weide- nutzung geschieht. Die Flurhüter haben von den Polizeiverwaltungen Anweisung erhalten, auf die Befolgung dieser Polizeiverordnung scharf zu achten und Uebertretungen unnachsichtllch zur Anzeige zu bringen.

J Wetzlar, 22. April. Die Wohnungs- n o t, von der wir bereits vor einigen Tagen berichteten und die durch den Verfall der alten Häuser immer größeren Umfang annimmt, be­schäftigt zur Zeit auf das lebhafteste alle maß­gebenden Instanzen. Der von dem Spar - und Dauverein für dieses Jahr beabsichtigte Dau von rund 60 Wohnungen scheint nunmehr finan­ziell gesichert zu sein, nachdem die hierfür zu­ständigen Geldinstitute zur Hergabe der erforder­lichen Summen bereit sind. Wie wir hören, dürste das Bauprogramm des Spar» und Bau- Vereins noch eine Erweiterung erfahren, dergestalt, daß auch für das nächste Jahr der Dau einer größeren Anzahl Wohnungen vor­gesehen wird und die finanziellen Aufwendungen hierfür jetzt schon sichergestellt werden. Da die private Bautätigkeit bekanntlich fast ganz zum Erliegen gekommen ist, dürfte dem Verein aus dem Aufömmen der Hauszlnssteuer ein erheb­licher Betrag für seinen Zweck zu einem billigen Zinssatz zur Verfügung gestellt werden können. Die Wohnungen werden in erster Linie in der Siedelung Stoppelberger Hohl und in Riedergirmes erstehen. Die Kosten werden mehr als eine Million Mark betra­gen. Für die Stadtgemeinde bedeutet das Dau- vochaden eine wesentliche Entlastung des Woh­nungsmarktes, für Handwerk und Industrie eine starke Vermehrung der Arbeitsgelegenheit und des Absatzes an Baumaterialien.

kz. Wetzlar, 22. April. Gegen 3 älhr heute nachmittag wurde die Feuerwehr alarmiert, da bei der Firma Leih das Dach des Gieß­hauses in Brand geraten war. Dor dem Eingreifen der freiwilligen Feuerwehr hatte die Werkfeuerwehr mit ihren Schläuchen den Drand bereits zum Stillstand gebracht. Ein Teil des Daches ist zerstört.

* Wißmar, 22. April. Der hiesige Ge­sangvereinGermania" begeht am 13. und 14. Juni sein 80 jäh riges Stiftung s- f e st.

J Groß-Rechtenbach, 22.April. Nachdem die Maul- und Klauenseuche in Reis­kirchen erloschen ist, sind sämtliche Gemein­den der Bürgermeisterei Rechtenbach wieder von dieser Seuche frei.

y D o l p e r i s h a u s e n, 22. April. Bei Ge­legenheit der wirtschaftlichen älmlegung der Grundstücke der hiesigen Gemarkung soll der Friedhof durch die Hinzulegung angrenzender Flächen eine Erweiterung erfahren. Auch der Friedhof der Rachbargemeinde Weiden- Hausen soll auf die gleiche Weise vergrößert werden.

O Aus dem Hüttenberg, 22. April. Wie man allgemein hört, haben die R e h b ö ck e in diesem Jahre gutaufgesetzt". Fast in jedem Revier findet man zahlreiche Fege- und Schlag­stellen" vor, sodaß die Aussichten auf die dies­jährige Dockjagd g u t zu fein scheinen.Blank gefegt" haben die Böcke allerdings noch nicht.

ersten Aktes genannt. Auch der zwecke ist dra­matisch geführt, bühnensicher. Schon der dritte fällt dichterisch ab, der Schluß ist nur noch Theater, nichts weiter.

V o 1 ck hatte die Regie und brachte eine starke, zumal in der ersten Hälfte geschlossene und szenisch federnde Aufführung heraus: am glück­lichsten da, wo die Vorgänge im Schauspiel ein­fach und heiter sich anspinnen; das Intrigen­spiel und die grellen, theatralischen Effekte zu­letzt: zwar bühnenwirksam, aber äußerlich und ohne dichterisches Karat (das eben im Buche zu vermissen ist). Die kleine Lene gab Alix Kräh- mer behutsam und fein. Eine glaubwürdige Verwandlung aus der frischen Unbefangen beit unö trdlernöen Herzenssröhlichkeit ins Verschüch-

Verhetzte, Getriebene. Rührend in der Pi- cen Vugst eines unerfahrenen, jungen ®e- zuletzt nicht mehr aus unö ein toeiß. Eine sehr gute Leistung bot Geffers (August Langenthal): ein starker, gütiger, im Stern gesunder Mensch, der am Ende unser Mit- c-xuhlen stärker sesthält. als das Mädchen, das ihr (unwahrscheinliches) Glück findet. Eine ausge­zeichnete Charge bot Goll als sozialdemokrati­scher Lumpenfactor Ale Schmalenbach. Besonders im zweiten Aufzug von bezwingender, wiewohl ganz verhaltener Komik in Geste und Wort. Da st 6 (Hermann Langenthal) traf die leicht­fertig-nonchalante Art und schnoddrig-freche Wurstigkeit des lebenslustigen, jungen Gentleman vortrefflich: die gemeine, lumpige Intriganten­manier ließ er links liegen. Hanke gab dem Slefelb überquellendes Temperament unö ehr­liches Gefühl; schien aber im Ton stellenweise etwas forciert. Luise Jüngling sehr echt (auch im Berliner Jargon) als Mutter Schmalenbach, Ise 06 le apart unö geschliffen die Juliane.

Die Aufführung war als (einmalige) Wohl­tätigkeitsveranstaltung zugunsten der Genossen­schaft Deutscher Dühnenangehörigen für älnter- stützung bedürftiger Mitglieder aedacht unö hätte sowohl an sich, als auch imHinblick auf Öen djarita- tiben Zweck einen weit besseren Besuch sehr ver- öient Dr. Th.

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