Einzelbild herunterladen

ihn

abei'iH s^Q|jen

^utzbgch

endz 268 ^^egia.

Hansa

I^SSChuH

fische' ßl(l)t: wlagrn

Reparaturen W. Sier, Mr&urnfr 2tt. 2d oonitrQiie Ä «*e

Echter ; M i M«

hk

ÜVk« fiwelitl tntMn ohne Binöf ; ÄMdM i 0M|K I slkls W W !

Hemr/ch;

DriesL

»«0

{Verschiedene;. Vita für sehr rentnbkö Unternehmen om ein dnbr gegen hohe Zinsen und Prunn Sicherheit fltiudJt: cüiL inüe Seteili- flimj. Ofiert unter Sir. l2lv.an,Htt 0. Piolkitrane 5.

"töebräü*t«\

eotl mit WM taufen

1 kl. rnafsfo- Lagen ranm^u mieten geL Zu erhflM J; K fchqftSst. d.GL

Wer fährt Dor dem 1. Mi "ach Marburg M nimmt einige

Kisten mit ~j . <i[nn. u- 028« äV&LSB

U)ei6L P*

Ä*1* tig* 5*# Sft--Üp er&itter ciper» öS»

föfffifUltn(i

Ern>ob'^«6Ubr

MS

$g£5

Nr. 94 Zweiter Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhessen)

Englische Sorgen.

Don unserem v. K.-Derichterstatter. (Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten!)

London, den 21. April 1925.

Obwohl die Kohlenkrists immer noch die Gefahr schlagender Wetter, d. h. eines Kon­fliktes in sich birgt, zeigt die Gesamtbeurterlung neuerdings eine Neigung zum Optimismus. BalD- wins Eingreisen ist die Lieberwindung des toten Punktes zuzuschreiben. Es sind nur noch wenige Tage bis zum Ablauf der Subventionszahlungen und man hofft, daß bis dahin die Verständigung wenigstens in den Hauptpunkten gesichert sein wird. Nichtsdestoweniger sind alle Gefahren noch keineswegs beseitigt. Das liegt vor allem daran, daß gerade ein Vorherrschen des Optimismus manchen Friedensstörer in Stand seht, einen Sturm politischer Entrüstung zu entfesseln, sofern es ihm nämlich glückt, die behagliche Auffassung mit irgend etwas zu ernüchtern.

Ein solche- Verfahren besitzt den Vorzug der Entfesselung der Leidenschaften, und der Hervor­bringung einer Geistesverfassung der Massen, die zu einer (möglichst erfolgreichen) Durchführung eines Wirtschastskampfes notwendig ist. Natür­lich gehört Mut zu einem solchen Vorhaben. Ob der radikale Flügel im Dergarbciterlager oder im Gewerkschaftskongresse diesen besitzt, ist nach wie vor zweiselhast. Es braucht kaum be­tont zu werden, daß eine solche Behandlung der Kohlenkrtse nur aus politischen Mo­tiven heraus eintreten könnte. Rein wirt­schaftlich gesehen sind fast alle Fragen restlos ge­klärt. Man kämpft nur noch um die Höhe der von der Regierung in Aussicht gestellten Sub­vention.

Nun sich die Wolke aus Kohlenstaub, die auf den englischen Gemütern lastete, etwas ge­lichtet hat. widmet man der außenpoliti- s ch e n Aussicht etwas mehr Aufmerksamkeit. Der r u s s i s ch-d eutsche Vertrag ist zunächst mit unverkennbarer Beunruhigung ausgenom­men worden, die dann allerdings dank dem ener­gischen Einschreiten des englischen Auswärtigen Amtes einer vernünftigeren Auffassung der Dinge gewichen ist. Mokante Menschen vergleichen diese Haltung der englischen Öffentlichkeit mit der ungeheuren Aufregung, die der Abschluß des Rapallo-Vertrages während der Kon­ferenz von Genua hervorrief. Heute wird welch eine Wandlung! sogar von der Mög­lichkeit gesprochen, dah Deutschland, als der na­türliche Völkerbundsanwalt Rußlands dem euro­päischen Frieden nützen könne, dah das russisch­deutsche Bündnis, man staune, eine Verstärkung der zum Schuhe des Friedens errichteten Boll­werke bedeute!

Das außenpolitische Sturmzentrum erblickt man aber nicht in dieser Sache. Englands Sorge richtet sich auf das Mitt elmeerproblem. wo Mussolini soeben seine in London viel bemerkte Reklamereise für den Faszismus und das kommende Imperium romanum beendet hat. Man ist in London noch sehr weit von einer abge­schlossenen Stellungnahme entfernt. Das Mittel- meerproblem ist viel zu kompliziert, als dah es, selbst vom englischen Standpunkt aus betrachtet, mit einigen wenigen Sähen abgetan werden könnte. Von der Strahe von Gibraltar bis an die Dardanellen und den Suezkanal erstreckt sich das englische Interessengebiet im Mittelmeer, dessen Inhalt sich leicht begreift, wenn man es als den wichtigsten Teil des Seeweges nach Ost­indien bezeichnet. Abgesehen von Spanien sind es vier Staaten, denen Englands Vorherr­schaft nicht paht, erstens Frankreich, zwei­tens das mit Griechenland verbündete Ita­lien, drittens R u h l a n ö, viertens die Tür - k e i. Frankreichs strategischer Ehrgeiz richtet sich auf die Strahe von Gibraltar, an welcher man nach Niederringung Ab) el Krims festen Fuh zu fassen hofff. Die Friedensverhandlungen mit Abd el Krim entspringen dem Bestreben, aus ihm einen Bundesgenossen oder Vasallen zu machen, da England eine Annexion des Riss durch Frank­reich niemals zugeben wird. Der alte Bundes­genosse Frankreichs, Rußland, ist zur Zeit von einer Beteiligung an dem Kampfe um die Vor­herrschaft im Mittelmeer ausgeschlossen und muh sich auf Zusammenarbeit mit Der Türkei beschrän­ken. Dahingegen hat Mussolini mit Betonung

Das lachende Haus.

Roman von Sophie K l o e r tz.

(Nachdruck verboten.)

Da geht er wieder", rief Ille Bunsen, sprang hinter die Stüdjengardine und spähte von dort schräg hinüber zum Feldweg, der am Garten hinlief. Thora, komm fix, gleich ist er weg!"

Thora setzte die Kartoffelschale neben den Aus­guß und trat zur Schwester.Mein Himmel, wenn er nur nicht mal durchbricht, so lang, wie er ist!"

Heider Steffen ahnte nicht, daß ihm vier luftige Mädchenaugen nachsahen, obgleich er doch nur dieser Augen wegen so oft den Steig zur Elbe niederging.

Daslachende Haus" lag auf einer Bodenwelle, und sein (Barten ging hinab zum Strom. Rechts und links sah man weite Wiesen im jungen Frühlings­sicht, ihr Grün leuchtete um die Wette mit den silber­nen Wellenkanten, und die edelsteinschimmernden Gewänder der Stare, die auf allen Giebeln und Aesten saßen und jubilierten, gaben den letzten Glanz an das helle Bild.

Dasl-'chende Haus" hatte eine neue Ecke im Dach. Die Ziegel brannten förmlich in ihrem Feuer­rot, und Schullehrer Kallies, der tausend Schritt entfernt an seinem Gartenzaun lehnte, dachte: Es lacht immer von da drüben her die Fenster, die Mädchen, sogar das Dach. Er hatte dem Haus den Namen gegeben.

Frau Margrit Bunsen hatte erst den Kopf ge­schüttelt: jetzt war sie längst daran gewöhnt. Es hieß in der ganzen Gegend so, wie das Gut der Brock- dorfsGottesgabe" hieß und Gröns Gasthaus im DorfDer fidele Seifensieder".

Warum sollte sie den Namen nicht dulden? Hatte sie nicht selbst ihre drei Mädels das Lachen gelehrt, auch in den Jahren, wo es wenig genug zum Lachen gab?

Es war auch jetzt oft genug kein Grund zum Ver­gnügtsein, wenn jedes Jahr größere Ausgaben brachte, Pächter Polematz die Pacht nicht rechtzeitig zahlte, die Webekurse schlecht besucht waren aber dann sagten die Bunsenmädchen:Je schlechter, desto vergnügter"'und sahen alle aus, als hinge ihnen der Himmel voller Geigen.

Jetzt ging Pächter Polematz den Feldsteig hinab. Aber er ging nicht um der lustigen Augen wegen,

auf die Notwendigkeit einer Stärkung seiner Mit­telmeerstellung hingewiesen. England hat dem italienischen Landhunger insofern Rechnung ge­tragen, als es ihm bei der Ausdehnung seines afrikanischen Kolonialbe itzes entgegengekom­men ist.

Nun hat die Türkei, wie aus Konstan­tinopel berichtet wird, Reservisten oder Re­kruten der letzten Jahrgänge einberufen, und in England fragt man sich mit großem Interesse, was diese Einberufung zu bedeuten habe. Geht sie, fragt man, gegen Italien, das, mit Griechenland verbündet, neuerdings von einem Vorgehen gegen die Türkei in Kleinasien spricht, die. wie wenige englische Zeitungen berichten, die politische Führung der durch die Abschaf­fung des Kalifats enttäuschten Araberstämme an sich reihen will. oder richtet sich die Mobilmachung (wenn es sich um eine solche han­delt) gegen Englands Stellung in Mesopo­tamien ? i

Sollte es im Mittelmeergebiet zu Konflikten kommen, so ist England von allen Mittelmeer­mächten diejenige, die dort am lebhaftesten inter­essiert ist. Die Beherrschung des Seeweges nach Ostindien ist für England eine Lebensfrage. Es ist nicht wahrscheinlich, dah sich Mussolini, der trotz seiner törichten Reden immerhin ein kluger Politiker ist, in offenkundigen Gegensatz zu Eng» land stellen wird.

Es gibt kaum ein Gebiet, wo die englische Seegeltung so schlechthin überwältigend zum Ausdruck kommt, wie gerade im Mittelmeer. Aktionsfähig gegen England ist im Augenblick nur die Türkei. Ein Angriff auf Konstantinopel würde sie nicht schrecken. Einem Landkrieg ist sie. soweit er politisch möglich ist. gewachseir, nicht aber einer wirklichen Kraftprobe.

Wir müssen daher zu dem Ergebnis gelan­gen, dah England sehr wohl imstande fein wird, die im Mittelmeer allenthalben auftretenden Schwierigkeiten zu meistern. Nichtsdestoweniger bleibt die Lage für die englische Poliitk uner­freulich, denn auch der Engländer muh be­merken, dah er im Mittelmeer allein auf die eigene Macht angewiesen bleibt, wäh­rend sich die vorhandenen Gegner verbünden, wie Spanien mit Frankreich, Italien mit Grie­chenland und die Türkei mit Rußland. Bisher ist es allerdings der englischen Politik stets ge­lungen, den einen gegen den anderen auszu­spielen. In dieser Hinsicht hat sich jedoch ein gewisser Wandel vollzogen, da die Herrschaft über die Küste das Bedürfnis nach Herrschaft über die See vermehrt.

Cs richtet sich also die englische Sorge weit mehr auf die fernere Zukunft als auf die Ge­genwart. Sollte aber in den nächsten Monaten das Mittelmeerproblem an Bedeutung gewinnen, dann verstärkt sich das englische Interesse an der Aufrechterhaltung der gegenwärtigen Zustände in Mitteleuropa und gerade In diesem Zusam­menhang ist es erfreulich, dah die deutsche Poli- ttk Mittel und Wege gefunden hat, sich mit Rußland zu verständigen.

Der polnische Adler und der böhmische Löwe.

(Don unserem K-Korrespondenten.)

Prag, den 19. April 1926.

Auf dem Prager politischen Martt herrscht Hausse in Ministerbesuchen. Vor knapp vierzehn Tagen hat Der österreichische Bundes­kanzler hier seine Aufwartung gemacht und eben jetzt wurde Polens Ministerpräsident Graf S k r z y n s k i mit allen äußeren Zeichen der Freude willkommen geheißen. Freilich unter­scheiden sich die beiden hohen Besuche sehr wesent­lich voneinander. Der Oesterreicher kam auf der Rückreise von Berlin nach Prag und wenn auch fein Besuch scheinbar ganz plausibel als Erwide­rung des Wiener Besuches Dr. Beneschs gelegent­lich seiner letzten Genfer Fahrt dargestellt wurde, so ist cs für den Eingeweihten ziemlich durch­sichtig, daß die Prager Visite Ramels ein Pflaster für das stets wache Mißtrauen an der Moldau sein sollte. Die symbolische Geste will, in die prosaische Sprache überseht, besagen, daß bei Ver­handlungen zwischen Wien und Berlin auch Prag mitzureden hat.

sondern um das Winterkorn zu revidieren. Dick und schwer stampfte er daher. Sicher in einer Alkohol­wolke, die unzertrennbar von ihm war und ihm bei Ille den NamenZeus" eingetragen hatte. Nun sah er über die Hecke und schob am Hut. Ille nickte wieder, sehr oberflächlich.

Wen grüßt du da?" fragte Thora vom Kar­toffelwaschen her.

Zeus beglückte mich sterbliche Maid mit einem Rütteln seiner olympischen Locken. Wenn er nur nicht kommt und Mutter wieder die Ohren volljautt wegen der Pacht. Ich habe ihr gerade gesagt, ich müßte endlich ein Kostüm haben.

Dir ist wohl gar nicht zu helfen? Kannst nicht in deinem braunen Mantel gehen?"

Wo ich schon im Herbst die Taschen zugenäht hab' und hab' ihn verkehrt rübergeknöpft, weil alles ausfranste? Und hab' unten 'ne Elle abgeschnitten und neue Unterärmel draus gemacht? Nee, Putt- häuneken, der ist abgetan. Da muß man sich ja schämen."

Hier draußen sieht dich ja kein Mensch."

Man schämt sich vor dem eigenen Schönheits­gefühl."

,Hch nicht." Thora richtete sich auf, straffte die festen, weißen Arme, straffte die ganze kraftvolle Gestalt und sagte:Was ich so ohne Spiegel von mir sehen kann, gefällt meinem Schönheitsgefühl durchaus."

Na, ja, mein Deem, im Spiegel würd' es dir weniger gefallen. Da kämen zum Beispiel rote Haare"

Aber was für welche!"

Und ein sehr rundes Gesicht."

Aber was für ein Teint!"

Und ein großer Mund."

Aber die Zähne!"

Sie lachten beide, wie nur die Bunsenmädchen lachen konnten, frisch und sorgenlos, und die Sonne lachte mit und ließ alles Glas und Kupfer und Messing funkeln und blitzen.

Rose sah herein in die Küche.Soll ich decken? Mutter muß gleich kommen, der Hamburger Zug ist durch."

Was? Schon so weit? Ille, hol mal den Schin­ken vorn Boden! Meine Kartoffeln sind gar."

Schinken? Du hastne Ahnung! Den hab' ich vorgestern aufgeschnitten, al» Kallies kamen.

Graf Skrzynski war ebenfalls auf Der Durch­reise in Prag: er begab sich von hier nach Wien. Aber für ihn war Prag Die politisch beDeutfamere Station. Das nach außen angegebene Motiv, Die Ratifizierung zweier Verträge, war so nichtig, Daß sogar in Den offiziösen Zeitungsäuberungen und Den offiziellen Trinksprüchen auf eine Be­tonung Dieses formellen Anlasses verzichtet tourDe. Vielmehr ist immer wieder mit RachDruck Darauf verwiesen worDen, Daß Der polnische Gast zur Bekräftigung Des vertieften unD ausgebauten tschechisch - polnischen Fr un^ schaftsverhältni s.s nach Prag gekommen sei. Freilich muh gleich hinzugefügt toerDen, Daß Diese Dicke FreunDschaft recht jungen Datums ist. Bis vor ganz kurzer Zeit war mehr von Katzbalgereien als von Freundschaft zu merken. Richtig ist nur, daß sich die tschechoslowakische Außenpolitik seit Jahr und Tag bemüht, Die slawischen Brüder polnischer Zunge zu gewinnen. Don Der Aufteilung Oberschlesiens, wo Dr. Benesch Den brillan­ten Sekundanten Polens gespielt hat. bis zur jüngsten Dölkerbundstagung, bei der Dr. Benesch auf seinen R a t s s i h zugunsten Polens verzichten wollte, hat es an tschechischen Liebesbezeugungen für Den polnischen Nachbar nicht gefehlt. Den­noch haben Die Polen anDauernD geschmollt. Man war in Warschau mit Der Grenzziehung durch Die Friedenskonferenz nicht einverstanden. Polen reklamiert das Tesch euer Gebiet Ost­schlesiens, den Llhrnqarten-Bezirk und die slowakischen Komitate A r w e und Z i p s für sich. Die seinerzeit Der Tschechoslowakei zugesprochen WorDen sind. Lind weil die Tschechoslowakei das ihr übergebene Land nicht freiwillig ausfolgen wollte, war Warschau ständig böse. Zu diesen imperialistischen Motiven gesellten sich auch wirtschaftliche Reibungsflächen. Im Erport beider Staaten spielen Eisen, Kohle und Zucker Die Hauptrolle und so begegnen sie einander auf allen Auslandmärklen als heftige Rivalen. Lleberdies war das heute zu Polen gehörige Galizien zu Oesterreichs Zeiten die Domäne Der verschiedensten Industriezweige Böhmens und Mährens. Diese Industrien wollten ihr galizi­sches Absatzgebiet nicht aufgeben. Polen aber trachtete die kongreßpolnische Industrie zu prote­gieren und daraus entwickelte sich ein heimlicher, aber zäher Zollkrieg. Als Polen den offenen Wirtschaftskonflikt mit Deutschland vom Zaun brach, da buchte man in Warschau mit schlecht maskierter Befriedigung, daß die feindseligen Tarifmaßnahmen gegen Deutschland auch den unbequemen tschechischen Konkurrenten trafen. Rach langen vergeblichen Versuchen, zu einer güt­lichen Verständigung zu gelangen, haben die Tschechen zur Vergeltung gegriffen und eben ist es knapp einen Monat her. daß die tschechische Grenze den polnischen Schweinen gesperrt wurde. Der Schweinekrieg ist inzwischen wieder abge- blafen worden, um dem Grafen Skrzynski den Prager Besuch zu ermöglichen. Aber es handelt sich wohl nur um einen Waffenstillstand.

Die Tschechoslowakei hat eine gute Position wie feit gangem nicht mehr. Denn Skrzynski kam als Bittender nach Prag, er suchte die Unter­stützung der Tschechoslowakei für Den polnischen Ratssih. Benesch aber scheint entschlossen zu fein, diesmal nach den vielen unentgeltlichen Freund­schaftsdiensten, die vergeblich gewesen finb, Kompensationen zu verlangen. Außer der wirtschaftlichen Regelung dürfte dabei, nach Aeußerungen der tschechischen Presse zu schlie­ßen, auch eine pikante politische Frage eine Rolle spielen. Polen hat nämlich, um dem Nachbar un­angenehm zu werden, seit Jahren seine Finger im slowakischen Problem stecken. Es gibt ein solches Problem und es ist sogar sehr ernst, so eifrig sich auch die Tschechen bemühen, es vor dem Ausland zu verbergen. Sie geben die Slowaken stets als die zweite Staatsnation aus, in Wirklichkeit ist aber Die überwiegende Mehrheit Der slowakischen Bevölkerung mit Den bestehenden Verhältnissen, mit dem starren Zen­tralismus des Staates und mit Der ganz in tschechischen Händen befindlichen Verwaltung des Landes nichts weniger als zufrieden. Die Slo­waken verlangen weitgehende Autonomie und die autonomistifche Richtung unter der Führung des Paters Hlinka hat bei den letzten Wahlen einen durchschlagenden Sieg errungen. Außer dieser inländischen slowakischen Opposition gibt es aber noch eine ausländische slowakische

Ader Menschenskind, was soll ich denn zu den Kartoffeln geben? Die Apfelsuppe ist auch nur dünne, ich halt' keinen Sago mehr." i

Da ist ja noch ein Glas mit Dem eingeweckten Schweinefleisch."

Mutter wird einen schönen Schreck kriegen, die denkt, der halbe Schinken hängt noch oben."

Mußt es ihr gar nicht erzählen. Morgen essen wir Senfeier, und übermorgen fährt sie zum Kurs nach Husum, und wenn sie miederfommt, ist Gras drüber gewachsen."

Da kam Frau Margrit Bunsen auch schon in die Haustür, und ihre drei Töchter flogen ihr um den Hals und brachten sie halb um.

Margrit Bunsen, die zierliche Tochter von Iustiz- rat Koldewey, hatte feine leichte Jugend gehabt. Der Vater war früh gelähmt, die Mutter überarbeitet, sie selber zur Lehrerin bestimmt. Doch sie haßte den Lehrberuf, und für Gören weiblichen Geschlechts hatte sie die größte Abneigung. Sie wußte aus eigenem Tun, was die einer Lehrerin zufügen kön­nen. Warum die gerechte Rache des Himmels auf sich niederziehen?

Aber was half es? Sie mußte in die Hamburger Klosterschule und hatte schon zwei Jahre durchgehal- ten, als sie Gerd Bunsen, den jungen Hofbesitzer aus der Marsch, kennenlernte. Er war keiner von den großen Besitzern, aber er war ein fixer, frischer, energischer Mensch, und fein größter Fehler war, daß er, von den Menschen und dem Leben verwöhnt, eine glänzende Meinung von sich hatte.

Margrit war selig, als er um sie warb. Nach vier Wochen waren sie verlobt, nach vier Monaten ver­heiratet.

Don der Landwirtschaft verstand sie gar nichts.

Ihre Eltern gaben ihr eine anständige Aussteuer und zehntausend Mark als Mitgift, und dann segel­ten die zwei Menschen seelenfroh in das Leben hinein.

Der Hof war nicht groß, und sie hatten beide allerlei noble Passionen. Lieber Himmel, keine ge- walttgen Sachen. Nur daß man im Winter mal ein paar Tage nach Hamburg fuhr und zu Köln ging und ins Theater, und dazu ein hübsches Kleid trug und einen netten Pelz und Gerd wollte die leichte Jagdflinte haben, die Herr von Brockdorf so rühmte, und bann war man ein paar schöne Herbstwochen

Zreitag, 25. April 1926

Irredenta, die Gruppe des Professors I e h l i d a. Die Die Selbständigkeit Der Slowakei an­strebt. Lind diese Irredenta hat ihren Sitz nicht etwa bei den offiziellen .Feinden", bei den Ungarn ober Den Deutschen, sondern ihr Asyl ist Polen. Von Polen aus erläßt Die slaviiche Irredenta ihre Memoranden und Maniseste, Die den Tschechen zumindest unangenehm sind, von Polen aus und offenbar mit Hilfe polnischen Geldes werden in Der Slowakei aufreizende Auf­rufe und Broschüren verbreitet, die den tschechi­schen Behörden auf Die Nerven gehen und ernst­liche Scherereien bereiten.

Hier soll nun mit Hilfe des polnischen Rats- sihes reiner Tisch gemacht werden. Offiziell ist natürlich von diesen Schmerlen keine Rede ge­wesen. Die Toaste und Die öffentlichen Kundge­bungen sprachen von eitel Harmonie und Freund­schaft. Erst aus den Ereignissen der nächsten Zu­kunft wird man fest stellen können, bis zu wel­chem Grad von Einigung Benesch und Skrzynski gelangt sind. Allzuleicht scheint es allerdings nach dem Gesagten nicht zu sein, eine innige Ge­meinschaft zwischen Dem polnischen ADler unD Dem bömischen Löwen herzustellen.

Der Krieg zwischen Preuhen und dem Reich.

Wenn Bayern seine Rechte aus her Reichsversas- fung für manche vielleicht etwas zu häufig und allzu stark betont, so kämpfte es doch immerhin für sein Recht aus der Derfassung. Das Preußenkabinett Braun-Seoering dagegen ist zwar äußerlich stiller, kämpft aber desto gefährlicher mit den aus den oer- schiedenen Prozessen der Nachkriegszeit bekannten Methoden der sozialdemokratischen Parteischule. Die bekannte WochenschriftDer Deutschen - Spiegel" (Berlin W. 35. Potsdamer Straße 118c) bringt in ihrer letzten Nummer in dem Artikel:Weiße Woche" Beispiele aus diesem Kampf. Da ruft z. B. die preußische Regierung ihre Oberpräsidenten mit der ausdrücklichen Anweisung, ohne ihre technischen Fachbeamten zu erscheinen, zusammen, um mit ihnen hinter verschlossenen Türen, den Kampf um d i e Wasser st raßenverwaltung gegen bas Reich zu beraten, nachdem sie ihren Prozeß gegen das Reich vor dem Landesgerichtshof verloren hat. Oder sie kündigt, um ein anderes Beispiel anzufüh- ren, unter einem kleinlichen Vorwand ein (Behände, das sie dem Reichsverkehrsminifterium mietweise überlassen hatte, um der darin arbeitenden Abteilung für Wasserstraßen die Weiterarbeit zu erschwere i. Ja, es ist schon soweit gekommen, daß em Beamter, der zugleich Preußen und dem Reich unterstellt ist, wegen einer sachlichen Arbeit über die Bedeutung des Oppelner Staubeckens für die schlesische Wirtschaft, die die Prüfung und Billigung des Reichsmiiiff'e- riums gefunden hatte, von der preußischen Regie­rung disziplinarisch bestraft wurde.

Vor ungefähr 250 Jahren hat Pufendorf das Deutsche Reich einen unregelmäßigen und einem Monstrum ähnlichen Staatskörper genannt Wie wird man Deutschland, das nach der Präambel zur Reichsverfassung einig in seinen Stämmen und von dem Willen beseelt ist, bas Reich in Freiheit und Frieden zu erneuern und zu festigen, in Zukunft nennen, wenn es weiter mit derartigen Regieungs- methoden beglückt wird?

Überreifen.

Landkreis Gießen

Aus Dem Kreise Gießen, 22. April. Am Sonntag sprach Der Landesgeschäftsführer Der Deutschnationalen Dolkspartei, Dr. Brehm, in Großen -LinDen und Holzheim überDie politische Lage im Reich und in Hessen". Er betonte u. a., man dürfe bei allem berechtigten Tadel gegen die hessische Verwaltung und Finanzpolitik die zwangsläufi­gen Einwirkungen Der gesamtDeutschen Lage nicht vergessen. Immer noch sei Die Politik, nicht Die Wirtschaft Das Schicksal unseres Volkes. Aus­führlich besprach Dann Der Redner Die durch Das Volksbegehren geschaffene innerpolitische Lage. In seiner Wirtschaftspolitik müsse DeutschlanD Durch Die Sanierung Des inneren Marktes auf eine größere Autonomie hinarbeiten.

X 211 ( e n d o r f (Lahn), 22. April. Während in Den Orten Der ilmgegenD DieSchafzucht völlig aufgegeben ist, hat sich unsere vor Jahren Durch

auf Sylt, und mitunter tarnen die Nachbarn zu einer netten kleinen Gesellschaft.

Es waren keine großen Singer, aber sie waren doch zuviel für den Hof. Und dann kamen die drei Kinder in vier Jahren und natürlich weil sie Jungen wollten lauter Mädchen. Wurden aber trotzdem mit Jubel willkommen geheißen und geliebt und verzogen und sollten eine Kindheit habenganz voll Lachen und Sonne". .Denn, Gerd, auf mir liegt die böse Jugenb immer wie ein Schatten. Ich kann bas Mißtrauen gegen bas Heben nie ganz los werben. Das sollen sie nicht wissen, was bas ist. Glauben an bas Glück! Das ist schon bas halbe Glück."

Danach war bie Erziehung.

Manchmal kamen Schattentage. Wenn sich bie Rechnungen häuften, wenn der Roggen nicht lohnte und der Weizen keinen Preis hatte, wenn Vieh­seuchen durch die Dörfer gingen, wenn das unver­sicherte Pferd fiel--

Dann dachte die junge Frau: Es läßt mich nicht los. Es lauert immer irgendwo. Sowie ich ein bißchen ausgelassen bin schwapp, hab' ich eins an bie Ohren.

Aber sie sagte tapfer:Ja, Gerb, nimm nur bas Gelb von meinet Mitgift, bazu ist sie ja da. Ja, Gerd, ich lüg' mich noch mit dem alten Mantel durch, kauf' dir nur die Flinte."

Und der Mann, der überhaupt nur der Form wegen gefragt hatte, sah es als selbstverständlich an, daß die Frau ihm jedes Opfer brachte.

Wenn man solchen famosen Mann hat, nicht?

Wenn man drei so nette Kinder besitzt, nicht?

Wenn man überhaupt auf eigenem Hof und in eigenem Hause lebt, was will eine Frau noch mehr?

Sie kam mit jedem Jahr mehr unter den Wagen. Sie war nicht die Natur, sich gegen andere zu be­haupten, am wenigsten gegen Menschen, die sie liebte.

Nach sechsjähriger Ehe fragte Gerb Bunsen seine 5rau überhaupt nicht mehr, und als zehn Jahre um waren, brachten sie ihn von her Jagd nach Hause mit einem Herzschuß, den ein unglücklicher Schütze abgegeben hatte.

(Fortsetzung folgt.)