Einzelbild herunterladen

oer Neoner die Pflichtarbeit und di« Einführung eine» Arbeitspflichtjahres ab. In manchen Fällen könne Arbeit beschafft werden, wenn man acht­stündige Arbeitsschichten in bestimmten Betrieben einführt: der Redner bezeichnet als solche Betriebe die Mühlen. Hierauf bespricht er einige Fragen der produktiven Erwerbslosenfürsorge, woran alle Stände, auch die Landwirtschaft interessiert seien, um Arbeitsgelegenheit zu schaffen. Die Unterstüt­zungssätze der Bezirksfürsorgeverbände wären un­zulänglich. Bei den Karitasverbänden sei es zweifel­haft, ob Hilfsbedürftige nach Recht und Billigkeit versorgt werden. Alle Volksgenossen müßten in dieser Notzeit zusammenstehen.

Abg. Dr. Modus (Bbd.) erklärt, daß über die Not der Erwerbslosen die Parteien einig seien, nicht jedoch über den Weg der Abhilfe. Das Versicherungswesen führe nicht zum Ziel, wohl aber der Weg der Produktionsge­meinschaft. Die Prduktionspflicht müsse Gemeingut des deutschen Dolles werden. Der Gewerkschaftsführer Biedermann habe einen lOstündigen Arbeitstag oder die Einführung der Arbeitsdienstpflicht zur Steigerung der Produk­tion verlangt. 3n Deutschland wären noch 20 Millionen Morgen Land urbar zu machen, wo produktive Arbeit geleistet werden könne. Der Redner macht dann Vorschläge, wie ein Ar- beitsdienstjahr durchgesüHrt werden könnte. Wenn in Hessen der Gedanke eineS solchen Dienst­jahres von der Sozialdemokratie abgelehnt werde, so stehe doch der frühere sozialdemokratische Ar­beitsminister Robert Schmitt und mit ihm Mi­nister anderer Parteien, dem Plan wohlwollend gegenüber.

Abg. Dr. Müller (Dbd.) weist an Hand von -Zahlen nach, bah die Arbeitslosenunter- stühungssätze in den Städten höher sind als die Löhne, die manche Arbeiterkategorien erhalten. 3n einer hessischen Stadt hätten Arbeiter die Beschäftigung bei der Reichsbahn abgelehnt, well die Grwerbslosenunterstützung höher bemessen sei als der Lohn.

Abg. Frau Hattemer (Ztr.): Die amtlichen Fürsorgestellen sollten mehr von den Einrichtungen der privaten Fürsorgetätigkeit Gebrauch machen. Es sei zu wünschen, daß das Erwerbslosenunter­stützungsgesetz möglichst bald kommen möge. Die Kleinrentner hätten leider keine Rechte und wären ganz auf das Wohlwollen der Behörden an­gewiesen: man nehme auch keine Rücksichten auf chre früheren Verhältnisse.

Abg. Dr. N i e p o t h (D. 23p.) nennt das Er- werbslosenproblem ein Staatsproblem. Die Zahl der Heeresangehörigen entspreche ungefähr der gegenwärtigen Arbeitslosenzimmer. Der Gedanke der Arbeitsdienstpflicht sei sehr beachtenswert, aber zunächst müsse eine Pflichtarbeit verlangt wer­den, das sei keine Zwangsarbeit. Der Landes- arbeitsnachweis in Frankfurt wirke nicht günstig für Hessen. In Starkenburg habe jeder Kreis einen besonderen Arbeitsnachweis; in O b e r h e s - s e n wären die Kreise Alsfeld, Schotten und Lau­terbach zu einem Arbeitsnachweis in Gießen zu­sammengefaßt. Die Kreise verlangten aber eigene Arbeitsnachweise. Die Arbeitsvermittlung in Gießen komme z. B. für Lauterbach wegen der großen Ent­fernung gar nicht in Betracht. Das Landesarbeits- amt in Frankfurt, in dem kein Oberhesse sei, habe fich für die Erhaltung des Nachweises in Gießen ausgesprochen. Da sich jedoch die Kreise dagegen er­klärt hätten, habe man Neben st eilen in Als- feto, Schotten und Lauterbach eingerichtet, aber nicht eigene Nachweisstellen. Für diese Art der Regelung könnten keine sachlichen Gründe geltend gemacht werden; deshalb sei zu hoffen, daß der Zustand ge­ändert werde.

Minister Raab erwidert, daß im Jahre 1923 die erwähnten Kreise die Nachweise a b g e l e h n t haben; als aber die Nachwirkungen des gemein- famen Amtes gekommen wären, hätte man sich in Kreisen mrders besonnen. Die Verbindung Hessens mit dem Arbeitsamt in Frankfurt sei ein Akt der Klugheit gewesen, das hätten gerade die Verhält­nisse der Gegenwart wieder bewiesen.

Abg. Kiel (Soz.) spricht über die Arbeits­losigkeit der Tabakindustrie und ver­langt, daß für die Kurzarbeiter eine Unterstützung durch den hessischen Staat übernommen wird. Der Redner bittet, seinen Antrag in dieser Richtung an­zunehmen.

Die Sitzung wird um 1.45 Uhr auf Freitag vertagt.

*

Zu den allgemeinen Anträgen des Sechseraus- schusses beantragen die drei Koalitionsparteien die Regierung zu ersuchen, mit den Regierungen des Reiches und der übrigen Länder wegen einer ein­heitlichen Regelung der Ministerpensionen in Der- bindung zu treten und damit die baldige Aende- rung des hessischen Ministerpensions- gesetzes vorzubereiten. Ferner die Regierung zu ersuchen, auf dem Gebiete der sachlichen Ausgaben weitere Einsparungen da­durch zu erzielen, daß die Kredite für diese Aus- gaben, soweit die nicht auf Nechtsverpflichtunqen beruhen ober Zuschüsse und Zuwendungen betreffen, den Verwaltungsstellen nicht in vollem Umfange etwa mit 90 Prozent überwiesen werden, und daß über den zurückbehaltenen Rest nur mit ein- stimmiger Zustimmung des Gesamtministeriums ver­fügt werden kann.

Vie Erwerbslosenfürsorge.

nr lTÄ.) Halbamtlich.

21m 19. und 20. d.Mts. hat in Frankfurt am Main eine Besprechung des Deichs- arbeitsministeriums mit den Sozialmini- sterren der Länder über die schwebenden Fra­gen der SrwerbSlosenfürsorge stattgefunden. Dach der übereinstimmenden Auffassung fast aller Län­der kann die gegenwärtige Regelung der Unter­stützungssätze, die keine Rücksicht auf die Lohn- Verhältnisse nimmt, nur noch für eine kurze Aebergangszeit aufrecht erhalten werden. Sobald tote möglich muh ein älnterstützungssh- stem nach Lohnklassen eingeführt wer­den, wce es auch im Entwurf der Arbeitslosen- verslcherung vorgesehen ist. Die Länder nehmen oannt also den gleichen Standpunkt ein wie kurzllch der Arbeitsausschuß des Reichstoirt- schaftsrats. Die Frage wird nunmehr unver- zuglrch das Reichskabinett beschäftigen.

Der Kutisker-Prozeß.

. rlin, 21. April. (TU.) Im weiteren Verlauf der Verhandlungen legte Angeklagter H o l z m a n n em Empfehlungsschreiben des Reichsfinanzministers üor- bestätigt wird, daß auf seine Rückkehr nach Deutschland 2Bert gelegt wird, da seine Slrn Wesenheit tn einem Rechtsstreit des Reiches von größtem Nutzen fei. Holzmann wird dann über den Angeklagten Grobe vernommen, der in beschränk­

ten Verhältnissen lebte, aber von Holzmann veran­laßt wurde, Wechsel im Betrage von 1,3 Millionen zu unterzeichnen. Holzmann gibt zu, daß er damals einen Wechsel über 43 000 Mk. an Kutisker gegeben habe.

Der Angeklagte Grieger erklärte, er habe 1916 eine Ersatztreibriemenfabrik in Tempelbof ge­gründet, die gut florierte und der er noch zwei andere Fabriken angliederte. Anfangs Dezember 1923 habe Kutisker ihm 50 000 Dollarschätze an­geboten, von denen Grieger 15 000 zu ungünstigen Zinsbedingungen übernahm: 5000 habe Grieger gleich bezahlt. Anfangs 1924 fei die Wechselschuld Griegers durch die hohen Zinsen schon auf 400 000 Mark angewachsen. Am 24. März betrug der Saldo fast eine Million Mark. Grieger wollte bann Kon­kurs anmelden, wovon ihm Kutisker abriet. Trotz der schlechten Lage des Unternehmens hat Grieger dann Wechsel weiter unterzeichnet. Die von ihm unterzeichneten Wechsel hätten nur den Betrag erreicht, für den die Gesellschafter der mechanischen Treibriemenfabriken gut waren. Es handelte sich um etwa drei Millionen Mark. Grieger hat im Mörz 1924, einen Tag vor dem Sanierungsvertrag, dem Rechtsanwalt Bahn gegenüber geäußert, er sei tn die Hand von Kutisker gefallen und ungeheuer ge­schädigt worden. Rechtsanwalt Bahn habe ihm ge­raten, Kutisker wegen Wuchers anzuzeigen. Das sei aber nicht geschehen. Der Vorsitzende stellt darauf fest, daß die Prüfung ergeben habe, daß Wucher nicht vorliege, weil andere Banken ebenso hohe Zinsen nahmen.

Am siebten Verhanblungstag wurde zunächst der Angeklagte Blau vernommen, der die Grün­dung der Blau G. m. b. H. mit Hilfe der Etein- bank schilderte. Durch Zusammenschluß noch an­derer Gesellschaften habe er einen Konzern ge­bildet. Trotzdem diese Betriebe des Angeklagten keinen Ertrag brachten, hat Kutisker dem Blau größere Kredite gegeben und aus Erkenntlichkeit hat Blau Gefälligkeitsakzepte ausge­stellt, die aber nur die Unterschriften seiner ver­mögenslosen Angestellten trugen. Dies war auf besonderen Wunsch Kutiskers geschehen, der nicht immer die alten Damen auf den Wechseln haben wollte. Der Angeklagte stellte weiter fest, daß sowohl Kutisker, wie auch die Staatsbank gewußt hätten, daß die Wechsel nichts wert seien. Er habe die Wechsel nur für die Staatsbank bestimmt. Der Prokurist Blei er­klärte, daß die Staatsbank Wechsel über 205 000 englische Pfund von dem Giro Kutiskers an England geben wollte, um damit englische Kre­dite zu erhalten. Das Geschäft ist nicht zustande- gekommen. Der Staatsanwalt erklärte hierzu, daß Kutisker dem Direktor Rühe vorgespiegelt habe, er hätte viele Millionen Gut­haben in England. Der 23jährige Sohn Stoan Kutiskers, Alexander, der einen Wech­sel über 1,8 Millionen für die Scharlachbank unterschrieben hat, erklärte, daß seine Unter­schrift nur eine Formsache war, weil fein Vater dahin erstand. Der 21jährige zweite Sohn, Max Kutisker, war im Vorstand einer von Stoan gegründeten Aktienge-el s ast und hat für verschiedene Wechsel der einzelnen Firmen ge­zeichnet. Er will aber nicht gewußt haben, daß diese Wechsel an die Staatsbank gingen. Weiter­derhandlung Samstag.

Das deutsche Eigentum in Amerika.

Ein neuer Vorschlag.

Washington. 22. April. (WB.) Das Mitglied des Repräsentantenhauses, Oliver, hat dem Schatzsekretär Mellon einen neuen Vor­schlag unterbreitet. Oliver schlägt vor, daß der Ersatz der Besayungskosten den Ansprüchen ame­rikanischer Staatsangehöriger nachstehen soll und daß in erster Linie die Ansprüche der durch die Versenkung der ..Lusita- n i a Geschädigten berücksichtigt werden sollen. Es soll eine Kommission zur Ab­schätzung der beschlagnahmten, früher tn deut­schem Besitz befindlichen und jetzt von Schiffen der Vereinigten (Staaten verwendeten drahtlosen Anlagen und Erfindungspatenten eingesetzt wer­den mit der Maßgabe, daß der Höchst- betrag der festzusetzmden Summe 100 Mil­lionen Dollar beträgt. Dieser Betrag soll mit angemessener Verzinsung aus den laufenden Steuereingängen in fünf Zähren auf­gebracht werden. Das gesamte jetzt in der Hand des Verwalters für das früher feindliche Eigentum befindliche Vermögen soll seinen rechtmäßigen Eigentümern zurÜck­er stattet werden. Oliver schlägt ferner vor, die vom Schatzamt mit dem vom Verwalter ver­wahrten Gelder erzielten Gewinne in Höhe von 30 Millionen und die Einnahmen der Vereinig­te Staaten auf Grund des Dawesplanes als einen Fonds zur Entschädigung der amerikanischen Staatsangehörigen ^,s?^lvenden. Dieser Plan würde, wie Ollver erklärt, alle Ansprüche amerikanischer Staats­angehöriger innerhalb 60 Jahren befriedigen.

Va§ französisch-amerikanische Schuldenabkommen.

Paris, 22. April. (WTB.) 2m Senats­ausschuß für auswärtige Angelegenheiten hat B r r a n d nach demPetit Parisien^ angelündigt. daß ein grundsätzliches Abkommen zwischen Schatz- sekreiar Mellon und Botschafter Berenger über ötc Schuldenfrage erfolgt sei. Man könne erwarten, daß ein endgültiges Abkommen bald unterzeichnet werde. Die Bedingungen die die Vereinigten Staaten für die Zahlungen an- nahmcn feien weniger streng als die im September vorgeschlagenen. Das Abkommen wurde aus folgender Basis abgeschlossen werden: Politische und Handelsschulden werden mitein­ander verschmolzen. Die erste Iahreszah- lung würde 25 Millionen Dollar betragen und dann die folgenden 30 Millionen, die sich sogar bis zur 62. und letzten 2ahreszahlung auf 100

Dollar und mehr erhöhen können. Hinsichtlich der Schuhklausel zeigten fich die Vereinigten Staaten unerbittlich. Aber die Zahlungsfähigkeit Frankreichs werde von den deutschen Reparationszah­lungen abhängig gemacht werden.

Dc^) amerikanischen Meldungen eilt diese -llachrrcht den Tatsachen weit voraus. Morgen tritt zwar die amerikanische Schuldenkommission nuer Vollsitzung zusammen, um den neuen französischen Schuldenvorschlag DerengerS ent- gegeT^unehmen. ES ist jedoch mehr als zweifel- vll. ob diae Schuldenkommission diesmal der fran­zösischen Forderung zustimmt. wonach Frankreich

berechtigt sein soll, eine Revision des Schulden­abkommens zu beantragen, für den Fall, daß Deutschland seinen Reparationsverpflichtungen nicht nachkommt.

Kriegsgefahr im nahen Grient.

Italienische Angriffsabsichten in Kleinasien?

Paris, 22. April. (WTB.) DieChicago Tribüne" will aus absolut zuverlässiger Quelle erfahren haben, daß die Türkei den A u s b r u ch eines Krieges mit Italien im Laufe dieses Sommers befürchte. Das Blatt berichtet ausführlich über die aus Anlaß dieser Befürch­tungen angeblich bereits getroffenen militä­rischen Vorbereitungen und politischen Pläne, die fich einmal um die Sicherung einer wohlwollenden Neutralität Englands durch Aeberlafsung Mossuls an England und andererseits um die Annahme angeblicher russi­scher Hilfsangebote drehen sollen. Rach einer Meldung des Sonderberichterstatters des Matin" in Bukarest, sollen die ausländischen Lustschiffahrtsgesellschaften, die Luftverbindungen über Thrazien unterhalten, am Dienstag offiziell die Mitteilung erhalten, die türkischen Posten hätten Befehl erhalten, auf ausländische Flugzeuge, die die verbotene Zone westlich von Konstantinopel überfliegen, zu s ch i e ß en.

In Rom ist der britische Hnterftaatdfefretär des Auswärtigen Sir William Thrrel ein- getroffen. In gutunterrichteten Kreisen glaubt man, daß er Mussolini zur Mäßigung im Zusammenhang mit seinen kleinasiatischen Plänen veranlassen soll. Diese Auffassung erhalte ihre Bekräftigung durch küe bereits mitgeteilte Rachricht, daß der britische Botschafter in Kon­stantinopel der türkischen Regierung einen lang­fristigen Sicherheitspakt angeboten habe. Das Dekanntwerden von Berichten über italienische Wasfenlieferungen an Griechenland habe in erheblichem Maße zu dem Beschluß der türkischen Regierung, die Reserven einzuberufen, beigetragen.

Verschärfung der britischen Bergbaukrisis.

Abbruch der Verhandlungen.

London, 22. April. (Reuter.) Die Ver­handlungen der Dergwerksbesiher und der Ver­treter der Bergleute sind auf einen toten Punkt gelangt und vorläufig abgebrochen worden. Rach Schluß der heutigen Verhandlungen wurde mitgeteilt. daß die Dergwerksbesiher es unbe­dingt ablehnten, darüber zu verhandeln, daß irgend ein Mindestlohnfatz für die Kohlenfelder zur Anwendung gelange, der für das ganze Land Gültigkeit hätte. Sie würden an den Gruben­eingängen die Löhne anschlagen, zu welchen die Bergleute nach dem l.Mai arbeiten könnten. Cook erklärte nach der heutigen Konferenz, daß die Grubenbesitzer es endgültig abgelehnt hätten, mit dem nationalen Ausschuß der Bergarbeiter über die Minimallohnsähe zu verhandeln. Die Dergtoertsbesitzer seien der Auffassung, daß die Höhe der Minimalsähe nach Maßgabe der Leistungsfähigkeit jedes einzelnen Grubenreviers festgeseht werden müsse. Die Grubenbesitzer wiesen darauf hin, daß sie in der Lage wären, viel vorteilhaftere Bedin­gungen vorzuschlagen, wenn die Führer der Berg­arbeiter ihren Leuten durch Bewilligung einer gewissen Verlängerung der Arbeits­zeit die Möglichkeit zu einem angemessenen Verdienst geben wollten, sie wünschten keine Lohn- Herabsetzung, wiesen jedoch daraus hin, daß einige Bezirke, insbesondere die auf den Export ange­wiesenen, sich in einer geradezu verzweifelten Rotlage befänden, die die Konkurrenz mit den Ländern auszuhalten hätten, in denen d i e Ar­beitszeit länger und der Lohn nie­drig e r ist. Der Premierminister Baldwin erklärte in der Besprechung erneut, daß die Kohlensubventionszahlungen des Staates, die bis zur Stunde 23 Millionen Pfund Sterling gekostet hätten, am 1, Mai eingestellt toüröen.

Ungarns Zukunft.

Bn dqvest, 22. April. (WTB.) Anläßlich der 55. Wiederkehr des Geburtstages des Grafen Tisza führte auf einem Festessen, an dem u. a. der Reichs- vermefer Horthy teilnahm, Ministerpräsident Graf Bethlen u. a. aus: Heute ist man sich noch nicht klar darüber, daß die kleinen Staaten, die an Stelle der Monarchie getreten sind, schließlich nur V a . fallen Deutschlands oder Rußlands werden können. Wir Ungarn wollen nicht die Vasallen Rußlands und auch gegenüber Deutschland wollen wir trotz- der zahlreichen historischen und kulturellen Bande uns Unabhängigkeit be­wahren. Das eine aber fühlen mir mit Gewißheit, daß der heutige Zustand nicht andauern kann, nicht nur deshalb, weil das Leben, das wir heute führen, ein langsames Sterben ist, sondern auch, weil am Horizont der neuen Zeit sich neue Stürme ankündigen, die das, was von kurzsich­tigen Menschen zusamnrengestoppelt wurde und des­halb kein dauerndes Werk sein kann, hin­wegfegen können.

Kleine politische Nachrichten.

Der Reichspräsident stattete dem Gene- rnloberften von Seeckt einen persönlichen Glückwunschbesuch ab. Ferner empfing der General- oberft Glückwunschschreiben der Reichsminister Dr. Geßler und Dr. Külz, des bulgarischen und schweizerischen Gesandten und Besuche der fremden Militärattaches.

Der Besuch des Reichspräsidenten in Hamburg wird am 4. Mai stattfinden. Nach dem offiziellen Besuch im Hamburger Rathaus ist eine Besichtigung des Hafens vorgesehen. Für den Abend ist ein Festmahl im großen Rathaussaal geplant

Der Preußische Landtag setzte die Einzel­beratung des Dolkswohlfahrtsetats ort In der Debatte wurden besonders eine Erweiterung ' des Bauarbeiterschutzes sowie bessere Land- 1 arbetterwohnungen gefordert. Bei der Aussprache über den G e st ü t s h a u s h a l t wurde von kom­munistischer Sekte ein Verbot der Rennwetten ge- 5)0X15 vertagte sich nach Erledigung des Gestutshaushalts auf Freitag.

Aus aller Wett.

historische Funde vor den Toren Berlin».

Bei Erdarbeiter! auf dem Gelände des ehe­maligen Rittergutes Britz hatten Arbeiter vor einigen Tagen Skeletts und Waffen gefunden, von denen anfangs angenommen wurde, daß sie von russischen Soldaten des Frecheitskrieges von 1813 stammten. Der Leiter des Märkischen Museums kam nach eingehender Untersuchung der Funde zu dem Ergebnis, daß die Skelette und Waffenreste aus der jüngeren Eisen­zeit stammen.

Fahrkartenschwindel eines vahnangcstelllen.

Auf dem Bahnhof Oberhausen ist man großen Unterschleifen in der Fahrkartenausgabe auf die Spur gekommen. Der Hilfseisenbahnassistent Heinrich Praschmann hatte seit längerer Zeit fortgesetzt Rückfahrkarten 4. Klasse als verkauft ver- bucht, sie aber für die 3. Wagenklasse ausgegeben, mit dem entsprechenden Kontrollstempel versehen und den Mehrerlös in seine Tasche g e ftedt Es konnten bisher so gefälschte Fahrkarten gefunden werden. Der Täter hat unter der Last des Beweismaterials die Veruntreuungen zugegeben Es ließen sich endgültige Feststellungen über die Hohe des unterschlagenen Betrages nicht machen.

Schweres Eisenbahnunglück in Spanien.

Der Schnellzug P a r isBer-r c elo n a ist in der Rähe der Station Liana auf einen Güter- Aug aufgefahren. Fünf Personen wurden getötet. 30 verletzt.

Groh? Ueberschwemmungen in Brasilien.

Die seit Januar über das nördliche Zentral­plateau Draslliens niederfallenden Sommer­regen verursachten schwere Heberschwemmungen und brachten Elend über mehr als 300 003 Merv- schen. Der meteorologische Dienst meldet riesige Eigentums schaden und Verluste an Lebensmit­teln. Ein Drittel der Häuser der Stadt Florano am Poth-Fluh wurde weggeschwemmt und 7000 Einwohner befinden sich in größter Rot. Der Parana-Fluß ist an einigen Stellen über 32 Frist gestiegen.

Wettervoraussage.

Veränderliche Bewölkung bei schwacher Luftbe­wegung, nachts kälter, sonst milde, durchweg trocken. Gestrige Tagestemperaturen: Maximum: 9,8 Grad Celsius. Minimum: OB Grad Celsius. Nie­derschläge 0,9 Millimeter Heutige Morgentempera­tur: 4,5 Grad Celsius.

Aus der provinzialhauWadt.

Gießen, den 23. April 1926.

?Die NeichsgesundheZtswoche.

Die Reue Aula war gestern abend wieder bis auf den letzten Platz beseht, ja in den Gän­gen standen noch Zuhörer; die Frauenwelt war besonders stark vertreten.

Zunächst sprach Prof. D. Huntemüller Metier Körperkultur-.

Erst durch Tätigkeit und Hebung werden die ererbten Anlagen zur vollen Entwicklung ge­bracht; nicht geübte Fähigkeiten und Organe verkümmern. Mnfere Jugenderziehung hat diesem biologischen Gesetze bisher leide, nicht genügend Rechnung getragen und nur einseitig Geistes­bildung getrieben im Gegensatz zum griechischen Dildungsideal. Iln der Blütezeit der griechischen Kultur leiteten Pädagogen und Aerzte die Er­ziehung der Jugend zu dem erstrebenswerten Ziele körperlicher und geistiger Gesundheit und Leistungsfähigkeit. Auch der deutsche Volksstaat muß auf hygienischer Grundlage aufgebaut wer­den, wenn er wieder blühen und Früchte tragen soll. Die Körperkonstitution un­serer 2ugend bot schwn vor dem Kriege ein wenig erfreuliches Bild (die Militärtauglichreit ging in den Großstädten bis auf 30 Prozent zurück), sie ist heute noch weit schlechter geworden. Die vielen kränklichen und schwächlichen Kinder be­dürfen heute besonders durchgreifender Körver- bildung, wenn sie zu leistungsfähigen und glück­lichen Volksgeiwssen heranwachsen sollen. Die bisher auf der Schule getriebenen Leibesübun­gen sind meist völlig ungenügend. Daß hier Abhilfe geschaffen werden muß, ist heute jeder­mann flat. Die Schaffung von Turn- und Spiel­plätzen, von Luft-, Licht» und Sonnenbädern hat erfreuliche Fortschritte gemacht. Vor allem brauchen wir aber biologisch geschickte Turn- und Sportlehrer, die unsere Jugend zu gesunden kräf» ttgen Menschen und harmonischen, glücklichen Per» sönlichketten erziehen. Rur von gutausgebildeten Organen kann man gute Leistungsfähigkeit er­warten. Dieser Tatsache beginnen auch unsere ium» und Sportvereine mehr und mehr Be­achtung zu schenken duvch Einführung von so­genannten Ausgleichsubungen. Die vielen, im Gegensatz zu dem seelenlosen Schulturnen von Berufenen und Unberufenen begründeten Gym­nastiksysteme haben das Interesse für Körper­kultur, besonders in den weiblichen Kreisen, zu Wecken verstanden, sie sind von dem ersttcbenS- werten Ideale einer Körpererziehung auf bio­logischer Grundlage noch mehr oder minder weit entfernt. Der Schweizer Turnpädagoge Eugen Matthias, der jetzt als Dozent der Bio- logle bur Leibesübungen an die Universität München berufen ist, hat auf diesem Gebiete bahnbrechend gewirkt. Sein System, das in dm Schulen Dellaria und Lyceum Alpinum, sowie dem Kurhaus Kastell in Zuoz im Oberengadin, zur Anweisung kommt, wurde anschließend im Fllm vorgeführt.

Professor Dr. Brüning behandelte sodann das Thema

krüppelelend und krüppelfürsorge".

Elend wird oft durch Krüppel in eme Familie gebracht. In Preußen wurden vor dem Krieg über 52 000 Krüppel gezählt. Pfarrer Hoppe in Nowaves gründete 1885 das erste Klüppelheim: bald folgten Geistliche, Aerzte und Lehrer. 1920 hat Preußen sich in einem weit aus- Ichauendem Gesetz der Strüppet angenommen und ihre Behandlung zur Pflicht erhoben. Nicht Idea­lismus und Humanität allein haben den Staat dazu veranlaßt, nein, da die Krüppel meist der Familie und dem Staate zur Last fallen, so wird Fürsorge getroffen, daß ihnen Unterricht und Berufsausbil- düng zuteck wird, damit sie zu brauchbaren Gliedern der Gesellschaft werden. Das preußische Gesetz sieht für jede Provinz ein Krüppelheim vor. In der An­statt wird nicht allein durch chirurgisch-orthopädische Maßnahmen die Entkrüppelung vorgenommen, es wird auch Schulunterricht erteilt und die Ausbildung in einem Handwerk betrieben. In Hessen haben die Fürsorgeschwestern die Pflicht, nach den Krüp. P«ln zu sehen. Redner spricht dann über die ver-

Ä

beglaubigte \

-cichsgefu' || p v perfitat rentubertul ' 'i 15 Uhr,! ' « Deutung

tLcater: U I _ AuW

(eifer', M bad)). 7," i .Herzogin -

L.U. r (ifiefktn. Sonn und

|j Cordier rrbentL P> I fere Ilnioei "Not

einer 2M der Zeit oo Hessen 328 gen In* rWandrorc vollbrachten- 1834 766 ® von der ®e| Reich die Hc

" Au Das Polizei Hausanschlu geordnete 6 tet der De

L -,-Kri Am 12. uni schäft, die MN erstem tag in Ahe Halten. Don Handlungen Errichtung e der Iugendf langen. Am statt, am 13. der Festhall " hunk jeden Hun Wohnorte oder nur Hun alles Willi fljcit, diese D r linde an ur " 'M jemand

Auf den ! waltschaft mir 'fhulbigung, - 1925 ober um Wirtschaft Lr, fine Sehörüe, mit Bezug aus mider besseres 1 Mre Tatsache 7 Äreisausftf) "der in der öfj ^uwürbinen gec J« genannten ' Ren Derstmm sei og Wochen ward anbers ausgeh M in Nieder °n< daß Sie wesen seien.

eine ®«t. und für 1 Ä,b'n« fr rMe nach » der Lch '..^runbergei' "lsentlich betQ| toe ^--ens qu ®r u n 6 e r

Wl

s ZE

hölM. überall h" yiifoM'* bens* fordert «eben. 7 Pchandlui^ düng «J.J Sport bild

> v-rd 6?q des Sst '""berg

^Weiber Herrn

Ludr

-°irb kl?5. iSru Mfarfs 8. .»IsLSnt C,19t Jrei